Selbstmord (5a)

 

Verloren und verdammt?

Im den letzten beiden Artikeln¹ dieser Serie (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4) möchte ich mich der Frage zuwenden, was mit einem Christen geschieht, wenn dieser Selbstmord begeht. Wer den Film „Luther“ gesehen hat, erinnert sich vielleicht noch an die Szene, in der ein junger Mann tot aufgefunden wird, der sich im First eines Daches aufgehängt hat. In dem besagten Film wird dann gezeigt, wie der Reformator diesen jungen Mann auf dem kirchlichen Friedhof beerdigen will, wogegen sich Widerstand aus der Bevölkerung erhebt.

„lowkey 2“
Foto: Uschi Dreiucker/pixelio

Hintergrund für diesen Filmausschnitt ist die (damalige) kirchliche Praxis, dass Selbstmörder nicht in „geweihter Erde“ bestattet werden sollten (so genanntes „Eselsbegräbnis“). Man betrachtete sie als Verfluchte, als  ewig Verlorene. Auch heute gibt es immer noch die Ansicht, dass ein Christ, der Selbstmord begangen hat, verloren gehe, verdammt sei. Meines Erachtens wird diese Ansicht genauso wenig von der Heiligen Schrift gestützt, wie der Gedanke, es gäbe  „geweihte Erde“, in er Selbstmörder nicht bestattet werden dürften.


Die Bedeutung biblischer Erlösung

Denn diese Ansicht verkennt den Kerngedanken biblischer Erlösung, sie verkennt, was biblische Erlösung wirklich bedeutet: Biblische Erlösung ist ein Werk Gottes, das  vom Menschen nicht rückgängig gemacht werden kann. Biblische Erlösung ist ein Geschenk Gottes, das der Mensch, wenn er es einmal erhalten hat, nie wieder verliert (vgl. Johannes 10, 27 – 29). Um dies zu verstehen, müssen wir  betrachten, wie diese Erlösung vor sich geht und was sie beinhaltet:

Was geschieht, wenn ein Mensch Christ wird? Nach der Lehre des Neuen Testaments wird ein solcher Mensch „von neuem“ geboren. Damit ist keine Reinkarnation im hinduistischen oder buddhistischen Sinne gemeint. Die Heilige Schrift spricht sich ganz eindeutig gegen eine solche „Seelenwanderung“ aus (vgl. z.B. Hebräer 9, 27). Wenn die Heilige Schrift von der „neuen Geburt“ oder „Wiedergeburt“ spricht, so versteht sie darunter eine geistliche Wiedergeburt, die zu einem neuen Wesen in dem Menschen führt, der wiedergeboren wird.
Diese geistliche Wiedergeburt ist die grundlegende Voraussetzung dafür, dass ein Mensch überhaupt eine Lebensbeziehung zu Gott haben kann. Sie ist sozusagen ein göttliches „Muss“:

„Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern, namens Nikodemus, ein Oberster der Juden. Dieser kam des Nachts zu Jesus und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen; denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm! Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen! Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Er kann doch nicht zum zweiten Mal in seiner Mutter Schoss gehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen! Was aus dem Fleische geboren ist, das ist Fleisch, und was aus dem Geiste geboren ist, das ist Geist.“

(Johannes 3, 1 – 6)

Aus der  Antwort Jesu auf die Frage des Nikodemus: „Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Er kann doch nicht zum zweiten Mal in seiner Mutter Schoss gehen und geboren werden?“ – nämlich: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen!“ – wird deutlich, dass das Neue Testament keine  Wiedergeburt  im Sinne einer  Seelenwanderung oder Reinkarnation lehrt, wie dies z.B. im Hinduismus oder Buddhismus der Fall ist. Es geht bei der christlichen Wiedergeburt um einen geistlichen Vorgang und nicht darum, dass ein Mensch nach seinem Tode ein weiteres Mal  „in einem neuen menschlichen Leib geboren wird“.

„licht ins dunkel“
Foto: by-sassi/pixelio


Wie geschieht diese geistliche Wiedergeburt?

Der Apostel Johannes gibt darüber im ersten Kapitel seines Evangeliums Auskunft:

„Allen denen aber, die ihn aufnahmen, gab er Vollmacht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; welche nicht aus dem Geblüt, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.“

(Johannes 1, 12 – 13)

Ein Mensch wird wiedergeboren, d.h. zu einem neuen Menschen, zu einem Kind Gottes, wenn er „an seinen Namen glaubt“.  Aus dem Zusammenhang von Johannes 1 wird deutlich, wessen Name hier gemeint, der Name Jesus Christus, der Name des von Gott gesandten Heilands und Erlösers, des Sohnes Gottes Selbst. Viele weitere Stellen im Neuen Testament  belegen dies (vgl. Johannes 3, 18; 1. Johannes 3, 23; 1. Johannes 5, 13; 1. Johannes 5, 1; Römer 10, 13; Apostelgeschichte 2, 21; Apostelgeschichte 16, 31;). Dabei beinhaltet das „an den Namen“ glauben hier den Glauben an die Person Jesu selbst. Mit dem Glauben an den Herrn Jesus Christus muss, so lehrt es das Neue Testament, die Buße  bzw. Bekehrung einhergehen:

Buße zu tun bzw. sich bekehren ist gemäß Apostelgeschichte 2, 38 etwas, dass jeder einzelne Mensch nur selber für sich tun  kann bzw. tun muss. Das griechische Wort, das im Neuen Testament für das Wort „Buße“ benutzt wird, ist „metanoia“ und bedeutet „umdenken“. Der Mensch muss also umdenken und zwar von einem bisher ohne Gott  gelebten Leben hin zu einem Leben mit Gott.  Daraus wird deutlich, dass „sich bekehren“ bzw. „Buße tun“ die Reaktion eines Menschen auf die Verkündigung des Evangeliums ist und von der Wiedergeburt unterschieden werden muss. Dies wird auch deutlich aus

Apostelgeschichte 3, 19:

„So tut nun Buße und bekehrt euch, dass eure Sünden ausgetilgt werden (…)“

und Apostelgeschichte 26, 20:

„(…) sondern ich habe zuerst denen in Damaskus und in Jerusalem und dann im ganzen jüdischen Lande und den Heiden verkündigt, sie sollten Buße tun und sich zu Gott bekehren, indem sie Werke tun, die der Buße würdig sind.“


Die Wiedergeburt ist die Reaktion Gottes auf die Bekehrung des Menschen, wenn diese mit aufrichtiger Reue und Buße über das gesamte bisherige gottlose Leben einhergeht. Der sich bekehrende Mensch muss einsehen, dass er ein Sünder und durch die Sünde von Gott getrennt ist. Dabei geht es nicht nur um einzelne Verfehlungen (Sünden), sondern um die Erkenntnis, dass ein Leben in Gottlosigkeit und Ungehorsam gegenüber dem allmächtigen, heiligen Gott Sein Gericht verdient hat. Wer immer sich  also in aufrichtiger Reue von seinem Leben ohne Gott abwendet, zu Gott umkehrt und die uns in Jesus Christus angebotene Erlösung annimmt (Johannes 14, 6 – 71. Timotheus 2, 5; Apostelgeschichte 4, 12; 1. Korinther 15,3), wird von neuem geboren, erhält Vergebung der Sünden und ewiges Leben in der Gemeinschaft mit Gott. Das bekannte Gleichnis vom verlorenen Sohn in Lukas 15, 3 – 24 macht dies auf unvergleichliche Weise deutlich.

In zweiten Abschnitt (Teil 5b) werde ich darauf eingehen, welche Auswirkungen die Wiedergeburt im Leben des Christen zeigt und wie diese Auswirkungen seine Zukunft auch über den Tod hinaus bestimmen.


Teil 5 b (Ende): Klick

¹= Aufgrund der Länge der Ausführungen wurde der Artikel in zwei Abschnitte (5a und 5b) geteilt.

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