Aktuell wie vor 2000 Jahren (Nigeria, Indien, Sudan)

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„We are N“ – Solidarität mit verfolgten Christen * Quelle: http://wearen.de/

… Christenverfolgung heute

* Nigeria ist eines der bevölkerungsreichsten Länder Afrikas. Auf dem Weltverfolgungsindex nimmt das Land, dessen Norden muslimisch dominiert ist und in dessen Süden eine christliche Majorität lebt, den 12. Platz ein: Klick! Wie der britische Guardian am 13. September berichtete, steht das Land nun vor weiteren großen Problemen. Nach dem Bericht (Klick!) sollen Verwaltungsbeamte sich an Nahrungsmitteln bereichern, die für Menschen gedacht sind, die in Flüchtlingscamps Zuflucht vor der islamistischen Terrororganisation Boko Haram gesucht haben. Seit 2009 sind 2 Millionen Menschen in Nigeria vor Boko Haram geflohen und laut Angaben eines UN-Beamten benötigen 4, 5 Millionen Menschen im Land dringend Nahrungsmittel. Es droht, so der Guardian, eine bisher nicht gekannte Hungersnot (Klick!). Die “Ärzte ohne Grenzen“ warnten bereits im Sommer dieses Jahres vor einer solchen Entwicklung (Klick!). Die neue, prekäre Versorgungssituation kann dazu führen, dass die bestehenden ethnischen und religiösen Konflikte in Nigeria zunehmen. Bereits im August kündigte der neue Anführer der Boko Haram an, dass seine Terrorgruppe alle Christen des Landes zu töten gedenkt (Klick!) Wie Christianity Today berichtete, wurden in Nigeria in den ersten sieben Monaten des Jahres 2016 soviele Christen getötet, wie im gesamten Jahr 2015 (Klick!) und auch Open Doors Youth UK macht in verschiedenen Berichten auf das Leid der Gläubigen in Nigeria aufmerksam (Klick!, Klick! & Klick!) und ruft zu verstärktem Gebet für die Christen Nigerias auf.

* Obwohl Indien die zahlenmäßig größte Demokratie der Erde ist, kann das Land bis heute das Menschenrecht der Religionsfreiheit nicht in allen Landesteilen durchsetzen. Seit die nationalistische Hindupartei BJP an Macht und Einfluss gewonnen hat, haben die Übergriffe auf religiöse Minderheiten und besonders auf Christen ein alarmierendes Maß angenommen (Klick! & Klick!) Es verwundert daher nicht, dass Indien unter den 50 Nationen, in denen Christen weltweit am meisten verfolgt und bedrängt werden, Platz 17 einnimmt. Das internationale Hilfswerk Open Doors hat auf seiner Länderprofilseite Indien spezifische Gebetsanliegen veröffentlicht, die ich gern weiter empfehle: Klick!

* Die Gesellschaft für bedrohte Völker machte schon im April dieses Jahres in einem Artikel auf die Kriegsverbrechen im Sudan aufmerksam (Klick!) Der seit 13 (!) Jahren anhaltende Dafur-Konflikt ist immer noch ungelöst (Klick!) Die Verfolgung von Christen im islamisch geprägten (Nord-)Sudan hat zugenommen, Kirchen wurden geschlossen (Klick!), das Land nimmt unter den 50 Nationen der Erde, in denen Christen Verfolgung erleiden, Platz 8 ein und gehört somit zu den 10 Ländern weltweit, in denen Christen wegen ihres Glaubens am meisten leiden müssen. Der Bürgerkrieg im Südsudan hat zu einer Massenflucht nach Uganda und in andere umliegende Länder geführt (Klick!, Klick!), denn trotz stationierter UN-Blauhelm-Truppen geht das Morden, Vergewaltigen und Rauben weiter (Klick! & Klick!). Die Gesellschaft für bedrohte Völker schreibt in einer Pressemitteilung u.a.: “Die Lage der Christen im Sudan gilt als äußerst schwierig, da die sudanesischen Behörden insbesondere nach der Abspaltung des Südsudan im Jahr 2011 ihre Politik der Islamisierung noch weiter verstärkt haben.“ Vier Christen droht nun die Todesstrafe, darunter zwei Pastoren, einem Missionar und einem sudanesischen Menschenrechtler, der sich für Religionsfreiheit engagiert (Klick!) Open Doors Youth UK berichtet unter dem Titel “Sudan: Pastors trial begins“: Klick! und der Persecution Blog von “Voice of the Martyrs“ ruft besonders zum Gebet für diese christlichen Gefangenen auf: Klick!

„Gedenket der Gefangenen als Mitgefangene und derer, die Ungemach leiden, als solche, die selbst auch noch im Leibe leben.“

(Hebräer 13, 3)


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Von Daniel und seinen Freunden lernen (1)

Daniellion

Daniel in der Löwengrube (Daniel’s Answer to the King), Briton Rivière 1890; Foto: After Briton Rivière [Public domain], via Wikimedia Commons

Von Daniel und seinen Freunden lernen (1):
Unsere christliche Identität kennen und leben

Die vier Phasen der Wegführung¹ der Israeliten nach Babylon gingen einher mit einer Art “Brain-Drain“: Zuerst wurden die Edlen und Intellektuellen deportiert (Daniel und seine Freunde). Später die Mittelschicht und anschließend sogar die Armen.

Die Edlen und Intellektuellen mussten körperlich gesund sein und sollten eine dreijährige Ausbildung am babylonischen Königshof absolvieren (Daniel 1, 3 – 4). Bemerkenswert ist, dass gleich zu Beginn dieser Ausbildung die Namen der hebräischen “Azubi’s“ in babylonische Namen geändert wurden (vgl. Daniel 1, 6 – 7). Das Ziel, das mit dieser Verordnung verfolgt wurde, war, dass die Israeliten ihre Wurzeln und damit auch ihre Identität verlieren sollten. Menschen ohne starke Wurzeln, Menschen, die sich ihrer Identität nicht bewusst sind, sind leichter zu manipulieren. Außerdem wollte man die Israeliten auf diese Weise der babylonischen Gesellschaft angleichen, damit sie von dieser gar nicht mehr unterschieden werden konnten:

Daniel (hebr. “Gott ist mein Richter“ oder “Gott verschafft mir Recht“) wurde in “Beltsazar“ umbenannt, was “Bel (Baal) schütze den König“ bedeutet. “Baal“ war der Name eines Fruchtbarkeitsgottes.

Aus Hananja (hebr. “Gott ist gnädig“) wurde “Sadrach“, was “Ich fürchte mich vor Aku“ bedeutet. Aku war der babylonische Mondgott.

Misael (hebr. “Wer ist wie Gott?“) hieß nun “Mesach“. Das bedeutet “Wer ist wie Aku [der Mondgott]?“

Und aus Asarja (hebr. “der HERR hilft“) wurde “Abednego“, der “Diener von Nebu/Nabu“. Nebu/Nabu war ebenfalls ein babylonischer Götze.

Auch für uns als Christen ist es wichtig, dass wir unsere geistlichen Wurzeln und unsere Identität in Christus kennen und dementsprechend im Alltags auch leben. Diese Welt möchte uns zu gern in ihre Schablone presse, uns ihrem Denken und Handeln anpassen, damit wir kein Zeugnis mehr für Gott und seine Wahrheit sind (vgl. Römer 12, 1 – 2). Damit wir diesem Anpassungsdruck widerstehen und ein Zeugnis für unseren Gott und das Evangelium sein können, müssen wir wissen, wie Gott uns sieht.

Was ist unsere Identität als Gläubige bzw. wie sieht/bezeichnet uns Gott? Nachfolgend ein kleiner, nicht vollständiger, Überblick aus Gottes Wort, der dazu anregen soll uns eingehend mit unserer Identität zu beschäftigen und entsprechend zu leben:

Berufene Jesu Christi: Römer 1, 6

Briefe Christi: 2. Korinther 3, 3

Brüder Christi: Lukas 8, 21; Johannes 20, 17

Brüder: Matthäus 23, 8; Apostelgeschichte 12, 17

Christen: Apostelgeschichte 11, 26; Apostelgeschichte 26, 28

Erben der Gnade des Lebens: 1. Petrus 3, 7

Erben der Verheißung: Hebräer 6, 17; Galater 3, 29

Erben des Heils: Hebräer 1, 14

Erben des Reiches: Jakobus 2, 5

Erben Gottes und Miterben Jesu Christi: Römer 8, 17; Galater 4, 7

Auserwählte Gottes, Heilige, Geliebte: Kolosser 3, 12; Titus 1, 1

Erwähltes Geschlecht: 1. Petrus 2, 9

Freigelassene des Herrn, Sklaven Christi: 1. Korinther 7, 22

Freunde Christi: Johannes 15, 15

Gefäße der Begnadigung: Römer 9, 23

Gefäße zur Ehre: 2. Timotheus 2, 21

Gehorsame Kinder: 1. Petrus 1, 14

Geliebte Brüder: 1. Korinther 15, 58

Geliebte Gottes, berufene Heilige: Römer 1, 7

Heilige und Geheiligte: 1. Korinther 1, 2

Geliebte Kinder: Epheser 5, 1

Gläubige: Apostelgeschichte 5, 14; 1. Timotheus 4, 12

Glieder Christi: 1. Korinther 6, 15; Epheser 5, 30

Gottselige: 2. Petrus 2, 9

Heilige Brüder: 1. Thessalonicher 5, 27; Hebräer 3, 1

Heilige Nation: 1. Petrus 2, 9

Heiliges Priestertum, ein geistliches Haus, lebendige Steine: 1. Petrus 2, 5

Jünger Christi: Johannes 8, 31; Johannes 15, 8

Söhne (a. Ü.: “Kinder“) Abrahams: Galater 3, 7

Söhne (a. Ü.: “Kinder“) Gottes, Söhne (a. Ü.: “Kinder“) der Auferstehung: Lukas 20, 36

Kinder der Freien: Galater 4, 31

Kinder der Verheißung: Römer 9, 8; Galater 4, 28

Söhne (a. Ü.: “Kinder“) des Höchsten: Lukas 6, 35

Söhne (a. Ü.: “Kinder“) des lebendigen Gottes: Römer 9, 26

Söhne (a. Ü.: “Kinder“) des Lichts: Lukas 16, 8; Epheser 5, 8; 1. Thessalonicher 5, 5

Kinder des Tages: 1. Thessalonicher 5, 5

Söhne (a. Ü.: “Kinder“) des Vaters: Matthäus 5, 45

Kinder Gottes: Johannes 11, 52; 1. Johannes 3, 10

Knechte Christi: 1. Korinther 7, 22; Epheser 6, 6

Sklaven (a. Ü.: “Knechte“) der Gerechtigkeit: Römer 6, 18

Königtum von Priestern für Gott: Offenbarung 1, 6

Königliches Priestertum: 1. Petrus 2, 9

Lämmer der Herde Christi: Johannes 21, 15

Lebendige Steine: 1. Petrus 2, 5

Lichter der Welt: Matthäus 5, 14

Mensch Gottes: 1. Timotheus 6, 11; 2. Timotheus 3, 17

Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen: Epheser 2, 19

Miterben, Miteinverleibte, Mitteilhaber der Verheißung: Epheser 3, 6

Mitknechte: Offenbarung 6, 11

Salz der Erde: Matthäus 5, 13

Säulen im Tempel Gottes: Offenbarung 3, 12

Schafe Christi: Johannes 10, 1 – 16; Johannes 21, 16

Kinder Gottes: Johannes 1, 12; Philipper 2, 15; 1. Johannes 3, 1 – 2

Heilige und treue Brüder in Christus: Kolosser 1, 2

Volk Gottes: Hebräer 4, 9; 1. Petrus 2, 10

Eigentumsvolk, ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum: Titus 2, 14; 1. Petrus 2, 9

Fußnoten:

¹= 606/605 v. Chr.:  Einnahme Jerusalem und 1. Wegführung nach Babylon (Daniel 1, 1); 597 v. Chr.: 2. Wegführung nach Babylon (Hesekiel 1, 1 ff.); 586 v. Chr.: 3. Wegführung nach Babylon / Zerstörung der Stadt, des Tempels und der Stadtmauern (2. Chronika 36, 1 – 6); 582 v. Chr.: Die letzte, so genannte “kleine Wegführung“, die nur in Jeremia 52, 29 – 30 erwähnt wird;

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Planetary Panoramas – 360 Degree Night-Sky Time-Lapse by Vincent Brady

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Anmerkungen zu Psalm 40, 1 – 10

Gotha, Querstraße 21,005

„Du aber, HERR, wollest deine Barmherzigkeit nicht von mir wenden; lass deine Güte und Treue allewege mich behüten.“ (Psalm 40, 12) an einer Hauswand in Gotha, Querstraße 21 * Foto: von Tilman2007 (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons


Als Grundlage der Wortverkündigung am Mittwoch dieser Woche wurden Verse aus dem 40. Psalm gewählt, den wir – wie immer – in seinem Kontext betrachten wollen:

“Dem Vorsänger. Von David, ein Psalm.
Beharrlich habe ich auf den HERRN geharrt, und er hat sich zu mir geneigt und mein Schreien gehört. Er hat mich heraufgeführt aus der Grube des Verderbens, aus kotigem Schlamm; und er hat meine Füße auf einen Felsen gestellt, meine Schritte befestigt. Und in meinen Mund hat er ein neues Lied gelegt, einen Lobgesang unserem Gott. Viele werden es sehen und sich fürchten und auf den HERRN vertrauen.
Glückselig der Mann, der den HERRN zu seiner Zuversicht macht und sich nicht wendet zu den Übermütigen und zu denen, die zur Lüge abweichen! Vielfach hast du deine Wundertaten und deine Gedanken gegen uns erwiesen, HERR, mein Gott; nicht kann man sie dir der Reihe nach vorstellen. Wollte ich davon berichten und reden, sie sind zu zahlreich, um sie aufzuzählen. An Schlacht- und Speisopfer hattest du kein Gefallen; Ohren hast du mir bereitet: Brand- und Sündopfer hast du nicht gefordert. Da sprach ich: Siehe, ich komme; in der Rolle des Buches steht von mir geschrieben. Dein Wohlgefallen zu tun, mein Gott, ist meine Lust; und dein Gesetz ist im Innern meines Herzens. Ich habe die Gerechtigkeit in der großen Versammlung verkündet; siehe, meine Lippen hemmte ich nicht – HERR, du weißt es!“

(Psalm 40, 1 – 10 ÜELBEDHÜ, z. Vgl. Luther’84)

Zum Hintergrund: Das 1. Buch des Psalters & Psalm 40

Wie ich bereits in den Anmerkungen zu anderen Psalmen geschrieben habe, ist es auch an dieser Stelle nicht möglich, den Hintergrund des großen und umfangreichen biblischen Buches der Psalmen in seinen Einzelheiten vorzustellen. Daher folgen auch hier nur einige grundlegende Informationen zum Buch der Psalmen, insbesondere zum 1. Buch des Psalters, in dem wir den heute zu betrachtenden Psalm finden:
Das Buch der Psalmen (תְּהִלִּים bzw. תהילים, “Tehillim“ = die Preisungen/Lobpreisungen) ist das erste Buch der “Ketuvim“, d.h. der “Schriften“, also des dritten und letzten Abschnitts der jüdischen Heiligen Schrift. Der Begriff “Preisungen“ bzw. “Lobpreisungen“ ist sehr treffend gewählt für dieses biblische Buch, da jeder der 150 Psalmen, mit Ausnahme von Psalm 88, Lobpreisungen Gottes enthält.
Unser deutsches Wort “Psalm“ ist die eingedeutschte Form des griechischen Wortes “ψαλμός“ (“psalmos“) bzw. der ψαλμοί“ (“psalmoi“), womit “Worte bzw. Lieder mit instrumentaler Begleitung“ bezeichnet wurden (vgl. Lukas 20, 42; Apostelgeschichte 1, 20). Das gesamten Buch der Psalmen wurde in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta (LXX), als “ψαλτήριον“ (“psalterion“) bezeichnet. Darauf zurückgehend entwickelte sich unser Begriff “Psalter“, mit dem auch heute noch das ganze Buch bzw. die Gesamtheit der 150 Psalmen bezeichnet wird.

Traditionell wird das Buch der Psalmen in fünf große Abschnitte bzw. Bücher unterteilt:

Buch I (Psalm 1Psalm 41)

Buch II (Psalm 42Psalm 72)

Buch III (Psalm 73Psalm 89)

Buch IV (Psalm 90Psalm 106)

Buch V (Psalm 107 Psalm 150)

Auf wen diese Unterteilung zurückzuführen ist, ist genauso unbekannt, wie die Kriterien, nach denen die einzelnen Psalmen dem jeweiligen Buch zugeordnet wurden. Manche Kommentatoren sehen in dieser Aufteilung eine Parallele zu den fünf Büchern Mose, d.h. der Torah.
Im 1. Buch des Psalters, das die Psalmen 1 bis 41 umfasst, befindet sich jener Psalm, den wir heute betrachten wollen. Die überwiegende Anzahl der Psalmen in diesem Buch wurden von David verfasst. Nur vier Psalmen stammen nicht von dem bekanntesten König Israels: Psalm 1, Psalm 2, Psalm 10 und Psalm 33 enthalten keine Angaben zu ihrem jeweiligen Verfasser. Die in diesem Buch enthaltenen Psalmen enthaltenen Psalmen spiegeln eine enge Gottesbeziehung wieder. Das wird u.a. daran deutlich, dass sie nicht primär das allgemeinere hebräische Wort für Gott (“Elohim“; 15 Vorkommen), sondern den Namen des Bundesgottes Israels (“Jahwe“; 273 Vorkommen) benutzen. Kommentatoren haben dieses Buch des Psalters auch als “Buch der Erfahrungen“ bezeichnet, da es uns von vielen persönlichen Erfahrungen, die David mit Gott machen durfte, berichtet.
Es gibt einen Grundton, der sich ab Psalm 1 durch dieses ganze erste Psalmbuch zieht. Es ist die Trennung der Gerechten von den Gottlosen. Bei diesen Gottlosen handelt es sich nicht um Menschen aus dem Heidentum, die Gott nicht kennen, sondern um Menschen, die zum irdischen Volk Gottes – Israel – gehören,  Gott jedoch nicht anerkennen. Kommentatoren führen diesen Schwerpunkt darauf zurück, dass die hier zusammengefassten Psalmen in jener Zeit entstanden, in der Konflikt zwischen Saul, dem vom Volk erwählten und von Gott verworfenen König Israels, und David, dem von Gott erwählten, aber noch nicht bestätigten König, ihren Höhepunkt erreichten.
Dieses Psalmbuch enthält aber auch vier messianische Psalmen, in denen der geist Gottes prophetisch bereits auf den kommenden Erlöser verweist. Dieser wird in Psalm 2 als Sohn Gottes, in Psalm 8 als Sohn des Menschen, in Psalm 22 als der leidende Knecht Gottes und in Psalm 40 als das Opfer gesehen, das die endgültige Erlösung von Schuld und Sünde zu bringen vermag.
Psalm 40 können wir grob in zwei Abschnitte teilen: Die Verse 1 bis 10 sind ein Lobpreis Davids für die erfahrene Rettung. Dieser Lobpreis ist geprägt von großer Dankbarkeit Gott gegenüber. Die Verse 11 bis 17 sind von der Bitte geprägt, dass Gott den Psalmisten auch in Zukunft von den Ungerechten erretten möge.

Anmerkungen zu Psalm 40, 1 ff.

Masada 051013 Cistern 02

Südliche Zisterne in Masada (Southern cistern at Masada) * Foto: By Oren Rozen (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

* “Dem Vorsänger. Von David, ein Psalm. Beharrlich habe ich auf den HERRN geharrt, und er hat sich zu mir geneigt und mein Schreien gehört. Er hat mich heraufgeführt aus der Grube des Verderbens, aus kotigem Schlamm; und er hat meine Füße auf einen Felsen gestellt, meine Schritte befestigt.“Psalm 40, 1 – 3 – In diesen einleitenden Versen bezeugt David, dass Gott sein Gebet erhört, ihn errettet und befestigt hat. Zugleich macht er deutlich, dass diese Errettung Gottes kein Instant-Ereignis war. Ihr ging eine längere Zeit des Gebets und des Ausharrens voraus.
David beschreibt den problematischen Zustand, in dem er sich befand, als eine “schlammige Grube des Verderbens“. Dieses Bild spricht zum einen davon, dass Davids Leben entweder im übertragenen oder aber im buchstäblichen Sinn zerstört worden wäre, wenn Gott nicht eingegriffen und ihn daraus errettet hätte. Vielleicht hatte David, als er diese Verse schrieb, das Bild einer Wasserzisterne vor Augen. In diesen in den Erdboden gehauenen oder gegrabenen, unterirdischen Kammern zum Auffangen von Regenwasser, sammelte sich nicht nur Wasser, sondern auch sehr viel Schmutz und Schlamm. Letzterer machte den Boden rutschig und damit für jeden, der in einer solchen Zisterne gefangen war, gefährlich. In der Regel waren Wasserzisternen so tief, dass es für einen Menschen unmöglich war, dort ohne fremde Hilfe wieder herauszukommen (vgl. Jeremia 38, 6).
Aus diesem Zustand hatte Gott David errettet. Aber nicht nur das. David kann bezeugen, dass Gott seine “Füße auf einen Felsen gestellt“ und seine “Schritte befestigt“ hat. Gottes Handeln zur Errettung, hat nie nur die temporäre Veränderung einer  Situation, sondern immer die vollkommene Erlösung zum Ziel, was auch immer Wiederherstellung und Befestigung einschließt.

* “Und in meinen Mund hat er ein neues Lied gelegt, einen Lobgesang unserem Gott. Viele werden es sehen und sich fürchten und auf den HERRN vertrauen.“ Psalm 40, 4 – In David löste dieses Wirken Gottes Freude und Dankbarkeit aus, die er in einem neuen Lied zur Ehre Gottes zusammenfasste. An neun Stellen in der Heiligen Schrift ist die Rede von einem “neuen Lied“. Dieses “neue Lied“ steht dabei häufig in Verbindung mit vorausgegangener Erlösung. Zwei dieser Stellen finden sich im Neuen Testament und zwar in Offenbarung 5, 9 – 10 und Offenbarung 14, 3.  Auch in Offenbarung 5, 9 – 10 wird der Zusammenhang zwischen der Erlösung durch Gott und dem daraus entstehenden neuen Lied der Erlösten deutlich:

“Und sie singen ein neues Lied: Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden und hast für Gott erkauft, durch dein Blut, aus jedem Stamm und jeder Sprache und jedem Volk und jeder Nation, und hast sie unserem Gott zu einem Königtum und zu Priestern gemacht, und sie werden über die Erde herrschen!“

Die hier genannten “neue Lied“, das Lied der Erlösten, wird das Lied all‘ jener sein, die Erlösung durch Jesus Christus erfahren haben:

“(…) indem ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichen Dingen, mit Silber oder Gold, erlöst worden seid von eurem eitlen, von den Vätern überlieferten Wandel, sondern mit dem kostbaren Blut Christi, als eines Lammes ohne Fehl und ohne Flecken; (…)“

(1. Petrus 1, 18 – 19)

Führt die Erfahrung unserer Erlösung auch bei uns Dankbarkeit und Freude und zu einem immer neuen  Lobpreis Gottes?
Wenn David in diesem Vers davon spricht, dass “Viele es sehen und sich fürchten und auf den HERRN vertrauen werden“, dann ist damit keine Furcht im Sinne von Angst, sondern im Sinn von Ehrfurcht, also Respekt, Achtung vor der Größe Gottes und Seinem wunderbaren Handeln,  gemeint. Das Zeugnis, das David über das Wirken Gottes in seinem Leben vor dem Volk ablegt, führt dazu, dass viele andere aus dem Volk mit neuer Ehrfurcht vor und neuem Vertrauen zu Gott erfüllt wurden. Dabei ist die Abfolge Ehrfurcht und Vertrauen nicht zufällig. Wirkliches Vertrauen in Gott können wir nur dann haben, wenn wir Ihm auch mit Ehrfurcht begegnen. Wirklicher Glaube entsteht nur aus Ehrfurcht vor Gott, d.h. aus dem Wissen um bzw. der Anerkennung von Gottes Größe, Allmacht, Liebe, Gnade, Heiligkeit und Barmherzigkeit.
Auch unser Zeugnis von der Erlösung, die wir durch Jesus Christus erfahren haben, kann und soll solche Folgen haben. Es wird aber bei anderen nur zu Ehrfurcht und wirklichem Glauben führen, wenn unser Zeugnis Ihn, Jesus Christus, Seine Erlösung und Liebe zum Fokus hat und nicht uns oder andere Menschen.

* “Glückselig der Mann, der den HERRN zu seiner Zuversicht macht und sich nicht wendet zu den Übermütigen und zu denen, die zur Lüge abweichen!“ Psalm 40, 5 – Jene, die, vielleicht aufgrund der Tatsache, dass sie das Zeugnis anderer von Gottes Hilfe und Erlösung hören, ihr Vertrauen in Gott setzen, werden von David als “glückselig“ bezeichnet. Das Wort אֶשֶׁר (‚esher) bedeutet Segen im Sinn von (wahrem) Glück und (wahrer) Freude, die ein Mensch empfindet und zwar aufgrund seiner Beziehung zu Gott bereits in diesem Leben und nicht im Sinn einer “Seligkeit nach dem Tod“.
Diese Glückseligkeit des Menschen, der auf Gott vertraut, steht im Gegensatz zu dem, was jene Menschen erfahren, die sich in ihrem Stolz, andere Übersetzungen sagen “Übermut“, von Gott abwenden.

* “Vielfach hast du deine Wundertaten und deine Gedanken gegen uns erwiesen, HERR, mein Gott; nicht kann man sie dir der Reihe nach vorstellen. Wollte ich davon berichten und reden, sie sind zu zahlreich, um sie aufzuzählen.“Psalm 40, 6 –  Jeder Israelit, auch David, der auf die Geschichte Israels mit Gott zurück blickte, musste zu der Feststellung kommen, dass die Wundertaten Gottes zu zahlreich waren, als sie in einem einzigen Lied aufzuzählen. Eines aber konnten Israel und  David bezeugen: Gottes zahllose wunderbare Taten entsprangen Seinen guten Gedanken, die Er bzgl. Seines Volkes (“uns“) hegte (vgl. Jeremia 29, 11). Diese guten Gedanken Gottes hatten ihren Ausdruck in den Verheißungen Gottes gefunden, die wiederum die Grundlage für die erwähnten, zahlreichen Taten Gottes bildeten (vgl. 1. Mose  13, 16; 1. Mose 28, 14; 4. Mose 23, 10; 1. Mose 22, 17; 1. Mose 32, 12; 1. Mose 15, 5; 1. Mose 22, 17; 1. Mose 26, 4; vgl. auch Psalm 139, 17 – 18).
Im Neuen Testament finden wir keinen Vers, der explizit über die Gedanken spricht, die Gott über uns als Gläubige im Zeitalter der Gnade hegt.  Aber das ist auch nicht nötig, da jedes Kapitel uns die guten Gedanken Gottes, die in dem irdischen und himmlischen Dienst und besonders in dem Erlösungswerk Seines Sohnes am Kreuz von Golgatha zum Ausdruck kommt,  vor Augen stellt. Sind wir uns des Reichtums der Gnade Gottes uns gegenüber bewusst?

* “An Schlacht- und Speisopfer hattest du kein Gefallen; Ohren hast du mir bereitet: Brand- und Sündopfer hast du nicht gefordert. Da sprach ich: Siehe, ich komme; in der Rolle des Buches steht von mir geschrieben.“Psalm 40, 7 – 8 – Während im Mosaischen Gesetz das Einhalten der Gebote und die Darbringung von Opfern von größter Bedeutung waren, so finden wir hier bei David bereits eine Vorschattung auf den zukünftigen neuen Bund Gottes mit Israel (vgl. Jeremia 31, 31 – 34). Dies wird besonders in den folgenden Versen deutlich.

* “Dein Wohlgefallen zu tun, mein Gott, ist meine Lust; und dein Gesetz ist im Innern meines Herzens. Ich habe die Gerechtigkeit in der großen Versammlung verkündet; siehe, meine Lippen hemmte ich nicht – HERR, du weißt es!“Psalm 40, 9 – 10 –  Durch seine enge Lebensbeziehung zu Gott wird in Davids Leben bereits das deutlich, was Israel erst dann erfahren wird, wenn der neue Bund, den Gott mit dem Haus Israel und dem Haus Juda schließen wird, in Kraft gesetzt ist: Das Halten des Gesetzes Gottes wird nicht mehr eine nur äußerliche Handlung sein, sondern  – weil Gott Sein Gesetz durch Seinen Geist auf die Herzen der Israeliten schreiben wird (Jeremia 31, 33; Hesekiel 36, 16 – 37; Hesekiel 37, 1 – 14) – ein Ausdruck ihres innersten Wesens sein. Die enge Beziehung Davids zu Gott führte auch in seinem Leben dazu, dass das, was er für Gott tat, nicht das Ergebnis des äußerlichen Einhaltens der göttlichen Gesetze war, sondern der Ausdruck eines Herzens, das von Gott berührt, erneuert und erfüllt worden war. Aus diesem  Herzen kam der Lobpreis, mit dem David Gottes Gerechtigkeit und Seine Taten verkündete. Christen haben in der Wiedergeburt aus Wasser und Geist (Johannes 3, 1 – 6; Titus 3, 5) bereits das erfahren, was Israel als Volk zukünftig noch erleben wird (Hesekiel 36, 16 – 37; Hesekiel 37, 1 – 14). Unsere Beziehung zu Gott wird weder  durch Halten von Geboten begründet, noch dadurch erhalten, sondern allein durch das neue, ewige Leben, das Gott uns in bzw. durch Christus schenkt (1. Korinther 15, 22; Philipper 1, 21; Kolosser 3, 4). Und nur durch unsere Lebensbeziehung zu Ihm, dem auferstandenen Erlöser, werden wir auch in die Lage versetzt, Sein Wort zu halten und Seinen Willen zu tun (vgl. Epheser 2, 10; 2. Korinther 5, 17).

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BAB am 12.09.2016

Bemerkenswertes aus der Blogosphäre … und von anderswo her:

* Sehenswert I: Bayerischer Rundfunk:Neue Hoffnung: Forscher zuversichtlich bei Bekämpfung von Hautkrebs“:

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* Lesenswert I / Hörenswert I: Seit Beginn des Monats berichteten die Medien über die “Heiligsprechung“ der als “Mutter Teresa“ bekannten Anjezë (Agnes) Gonxha Bojaxhiu. Dabei sparten die Medien nicht an kritischen Anfragen. So thematisierte Cicero.online unter dem Titel “Vielleicht gibt es gar keinen Gott“ die Glaubenszweifel der Ordensfrau: Klick!  N24 fragt: “Ein Engel der Armen oder doch ein Höllenengel?“ und greift damit einen Vorwurf des bekannten britischen Atheisten Christopher Hitchens auf, der bereits 2001 in einer Dokumentation die Zustände in den Heimen des Ordens beleuchtete, dem “Mutter Teresa“ vorstand: Klick! Auch die Religionskolummne des Schweizer Online-Magazins “Watson“ geht auf viele fragliche Details im Zusammenhang mit der Arbeit “Mutter Teresas“ ein und fällt das Urteil: “Mutter Teresa: Eine Unheilige wird heilig gesprochen“: Klick!  Bei allen Artikeln – ob sie nun die Arbeit “Mutter Teresas“ preisen oder ablehnen – wird jedoch eine Frage übergangen: Was versteht eigentlich die Heilige Schrift, die Bibel, das Wort Gottes, unter einer “Heiligen“ bzw. einem “Heiligen“. Dieser Frage bin ich bereits vor einiger Zeit in einem Artikel (Biblische Begriffe (5): Heilige“) nachgegangen, der hier veröffentlicht wurde: Klick!

* Lesenswert II: Am 14. September wird er bei den Paralympics in Rio antreten und auf die Goldmedaille zielen – Matt Stutzman, Silbermedaillengewinner von London 2012, Weltrekordhalter im Bogenschießen, Mann ohne Arme: Klick!


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mrkpiano: Näher mein Gott zu dir

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Ermutigungen aus dem Lied des Mose – Anmerkungen zu 5. Mose 32, 1 – 14

Haliaeetus albicilla -Loch Portree, Isle of Skye, Scotland -flying-8

Fliegender Haliaeetus albicilla -Loch Portree, Isle of Skye, Scotland * Foto: Carol Carpenter from Hertfordshire – but just inside the M25, UK, Haliaeetus albicilla -Loch Portree, Isle of Skye, Scotland -flying-8, CC BY 2.0

 

Am Mittwoch dieser Woche soll ein Vers aus dem 32. Kapitel des 5. Buches Mose (zum Hintergrund des 5, Buches Mose siehe: Klick!) der Wortverkündigung zugrunde liegen. Wir betrachten diesen Vers in seinem  Kontext:

“Horcht, ihr Himmel, und ich will reden; und die Erde höre die Worte meines Mundes! Wie Regen träufle meine Lehre, wie Tau fließe meine Rede, wie Regenschauer auf das Gras und wie Regengüsse auf das Kraut! Denn den Namen des HERRN will ich ausrufen: Gebt Majestät unserem Gott! Der Fels: Vollkommen ist sein Tun; denn alle seine Wege sind recht. Ein Gott der Treue und ohne Trug, gerecht und gerade ist er! Es hat sich gegen ihn verdorben – nicht seine Kinder, sondern ihr Schandfleck – ein verkehrtes und verdrehtes Geschlecht. Vergeltet ihr so dem HERRN, du törichtes und unweises Volk? Ist er nicht dein Vater, der dich erkauft hat? Er hat dich gemacht und dich bereitet. Gedenke der Tage der Vorzeit, merkt auf die Jahre von Geschlecht zu Geschlecht; frage deinen Vater, und er wird es dir kundtun, deine Ältesten, und sie werden es dir sagen. Als der Höchste den Nationen das Erbe austeilte, als er voneinander schied die Menschenkinder, da stellte er die Grenzen der Völker fest nach der Zahl der Kinder Israel. Denn des HERRN Teil ist sein Volk, Jakob die Schnur seines Erbteils. Er fand ihn im Land der Wüste und in der Öde, dem Geheul der Wildnis; er umgab ihn, gab auf ihn Acht, er behütete ihn wie seinen Augapfel.
Wie der Adler sein Nest aufstört, über seinen Jungen schwebt, seine Flügel ausbreitet, sie aufnimmt, sie auf seinen Schwingen trägt; so leitete ihn der HERR allein, und kein fremder Gott war mit ihm. Er ließ ihn einherfahren auf den Höhen der Erde, und er aß den Ertrag des Feldes; und er ließ ihn Honig saugen aus dem Felsen und Öl aus dem Kieselfelsen; geronnene Milch der Kühe und Milch der Schafe, samt dem Fett der Mastschafe und Widder, der Söhne Basans, und der Böcke, samt dem Nierenfett des Weizens; und das Blut der Traube trankst du, feurigen Wein.

(5. Mose 32, 1 – 14;  ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

Zum Hintergrund von 5. Mose 32, 1 – 11

Die von uns zu betrachtenden Verse sind Teil des “Liedes des Mose“. Dieses Lied ist eines von drei Liedern, deren Autor Mose ist und die wir in der Heiligen Schrift finden. Das erste dieser drei Lieder findet sich in 2. Mose 15, 1 – 27, das zweite ist das Lied des Mose in 5. Mose 32, 1 ff. und das dritte Lied ist uns in Psalm 90 überliefert worden. Das “Lied des Mose“ in 5. Mose 32, 1 ff. wird in Offenbarung 15, 3 noch einmal erwähnt. Dort wird gesagt, dass die Überwinder am gläsernen Meer dieses Lied und das Lied des Lammes singen werde.
Das Lied des Mose in 5. Mose 32, 1 ff. preist die Größe und Einzigartigkeit des Gottes Israels und spricht zugleich die Verantwortlichkeit Seines Bundesvolkes an. Das Lied hat also einen doppelten Charakter bzw. verfolgte eine doppelte Absicht. Im ersten Teil belehrt es das Volk Israel über die Treue Gottes und über die Konsequenzen, die der Abfall von Gott mit sich bringt. Im zweiten Teil kündigt das Lied prophetisch den Abfall des Volkes Israel von Gott an.
In den letzten Worten des Liedes wird prophetisch angekündigt, dass Gott für “sein Land, sein Volk“ (5. Mose 32, 43 ELB’2006) eine Sühnung schaffen wird. Diese Verheißung erfüllte sich im Sühnopfer des Sohnes Gottes, Jesus Christus, am Kreuz von Golgatha (Kolosser 1, 20).


Anmerkungen zu 5. Mose 32, 1 – 14

* “Horcht, ihr Himmel, und ich will reden; und die Erde höre die Worte meines Mundes! Wie Regen träufle meine Lehre, wie Tau fließe meine Rede, wie Regenschauer auf das Gras und wie Regengüsse auf das Kraut! Denn den Namen des HERRN will ich ausrufen: Gebt Majestät unserem Gott! Der Fels: Vollkommen ist sein Tun; denn alle seine Wege sind recht. Ein Gott der Treue und ohne Trug, gerecht und gerade ist er!“ – 5. Mose 32, 1 – 4 –  Das Lied beginnt mit den Worten “Horcht, ihr Himmel, und ich will reden; und die Erde höre die Worte meines Mundes!“ Viele Ausleger verweisen darauf, dass diese Art der Einleitung einer Gerichtsszene ähnelt, da Himmel und Erde hier quasi zu Zeugen genommen werden (vgl. Micha 6, 1 – 2). Gemäß 5. Mose 17, 6 waren zwei Zeugen notwendig und der Himmel bzw. die Erde sind die beiden Zeugen, die jedem Test der Zeit standhalten würden (vgl. auch: Jesaja 1, 2).
Der Name Gottes steht hier, wie an vielen anderen Stellen, für die ganze Person, den Charakter, Gottes, wie Er sich Seinem Volk geoffenbart hat. Die Person Gottes, Seine Größe, ist der primäre Fokus dieses Liedes. Das Volk Israel sollte sich der Größe und Einzigartigkeit Gottes bewusst werden, Gott als allmächtig anerkennen und sich in seiner Beziehung zu Ihm entsprechend verhalten. Indem Mose die Lehre, die er mittels dieses Liedes weitergeben wird, mit Regen und Tau vergleicht, macht er deutlich, dass diese Lehre für das Volk Israel ein lebensspendender Segen sein wird. Denn Regen und Tau waren die grundlegenden Segnungen des verheißenen Landes. Wo diese beiden Segnungen ausblieben, würde dies zu großen Problemen führen.
An zahlreichen Stellen der Heiligen Schrift wird Gott als “Fels“ bezeichnet. In diesem Lied finden sich fünf Stellen (Verse 4, 15, 18, 30 und 31). Durch den Begriff des “Felsens“ wird die unerschütterliche Standfestigkeit Gottes ausgedrückt und zugleich darauf verwiesen, dass dieser  “Fels“ eine zuverlässige Zuflucht für jeden, der sein Leben auf Ihn gründet, ist.  Dabei sollten wir beachten, dass dieser Gott nicht “ein“ Fels unter anderen, sondern “der“ Fels ist. Neben Ihm gibt es keinen, der Ihm gleich ist. Doch Gott ist nicht nur ein “Fels“, Sein Tun ist vollkommen. Was Er erschafft ist “sehr gut“, das hat Er seit Beginn der Schöpfung unter Beweis gestellt (vgl. 1. Mose 1 + 2).Und auch alle Wege, die Er Sein Volk leitet, offenbaren diese Vollkommenheit, denn sie sind “recht“ bzw. “gerecht“. Das hebr. Wort “מִשׁפָּט“ (“mishpat“) spricht davon, dass die Wege, die Gott Sein Volk leitet in vollkommener Übereinstimmung mit Seinem Gesetz sind (Psalm 18, 31; Psalm 33, 5; Psalm 37, 28; Psalm 99, 4; Psalm 111, 7; Jesaja 5, 16; Jesaja 28, 17; Jesaja 30, 18; Jesaja 61, 8). Heute mögen wir das noch nicht in jeder Hinsicht verstehen bzw. nachvollziehen können. Dennoch ist es Wahrheit (vgl. Römer 3, 4) und wir werden es erkennen, wenn wir unseren Lebensweg aus der Perspektive der Ewigkeit betrachten werden.

* “Es hat sich gegen ihn verdorben – nicht seine Kinder, sondern ihr Schandfleck – ein verkehrtes und verdrehtes Geschlecht. Vergeltet ihr so dem HERRN, du törichtes und unweises Volk? Ist er nicht dein Vater, der dich erkauft hat? Er hat dich gemacht und dich bereitet.“ – 5. Mose 32, 5 – 6  – Gottes Vollkommenheit, die sich in Seinem Charakter, Seinem Tun und in Seinen Wegen offenbart, ist Ausdruck Seiner vollkommenen Heiligkeit (vgl. Jesaja 6, 3). Gott ist treu (vgl.  Psalm 36, 5; Psalm 88, 11; Psalm 89, 1 – 2 + 5 + 8 + 24+ 33 + 49; Psalm 92, 2, Psalm 119, 90; Jesaja 25, 1; Hosea 2, 22), bei Ihm gibt es keine Ungerechtigkeit (vgl. Hiob 34, 10). Er ist gerecht (vgl. Hiob 34, 17; Psalm 116, 5; Psalm 119, 137; Psalm 129, 4; Psalm 145, 17) und aufrichtig (vgl. Psalm 25, 8; Psalm 92, 15). In welchem Widerspruch dazu stand das Verhalten des Volkes Israel! Dieses Volk, das Gott Seinen Sohn nannte (2. Mose 4, 23), hätte die Charakterzüge seines Vaters offenbaren sollen. Doch es hatte sich von den Wegen Gottes abgewandt und war so zu einem verdrehten und verkehrten Geschlecht geworden. Mose nennt Gott hier den Vater des Volkes Israel. Doch dieses Volk hatte sich nicht verhalten, wie dankbare Kinder sich verhalten sollten. Auf die vielfältigen Geschenke und Segnungen, die sie von ihrem Gott und Vater erhalten hatten, hatten sie mit Undankbarkeit, Desinteresse und Egoismus reagiert. Ein Verhalten, das eine völlige Respektlosigkeit zeigt.
Während der Wüstenreise hatte Gott Seinem Volk Gebote gegeben, durch dass es Seine Heiligkeit besser kennenlernen sollte. So hatte Er u.a. Geboten, dass Priester mit körperlichen Schäden nicht zum Dienst zugelassen und dass Opfertiere mit körperlichen Makeln nicht zum Opfer geeignet waren (vgl. 3. Mose 21, 17 – 18 + 21 + 23; 3. Mose 22, 20 – 21; 5. Mose 15, 21; 5. Mose 17, 1.) Wenn die Heiligkeit Gottes schon in solche Äußerlichkeiten Vollkommenheit verlangte, wieviel mehr war das dann erst der Fall, wenn es um das Herz des Volkes, seinen Charakter, der sein Verhalten bestimmte, ging? Warum versagten die Israeliten? Konnten Sie etwa  Gottes Gebote nicht halten, waren diese zu schwierig? Nein, Gott in der rechten Weise zu dienen ist keine Frage des Könnens, sondern des Herzens (vgl. 2. Mose 25, 21). 

* “Gedenke der Tage der Vorzeit, merkt auf die Jahre von Geschlecht zu Geschlecht; frage deinen Vater, und er wird es dir kundtun, deine Ältesten, und sie werden es dir sagen. Als der Höchste den Nationen das Erbe austeilte, als er voneinander schied die Menschenkinder, da stellte er die Grenzen der Völker fest nach der Zahl der Kinder Israel.
Denn des HERRN Teil ist sein Volk, Jakob die Schnur seines Erbteils.
Er fand ihn im Land der Wüste und in der Öde, dem Geheul der Wildnis; er umgab ihn, gab auf ihn Acht, er behütete ihn wie seinen Augapfel. Wie der Adler sein Nest aufstört, über seinen Jungen schwebt, seine Flügel ausbreitet, sie aufnimmt, sie auf seinen Schwingen trägt; so leitete ihn der HERR allein, und kein fremder Gott war mit ihm. Er ließ ihn einherfahren auf den Höhen der Erde, und er aß den Ertrag des Feldes; und er ließ ihn Honig saugen aus dem Felsen und Öl aus dem Kieselfelsen; geronnene Milch der Kühe und Milch der Schafe, samt dem Fett der Mastschafe und Widder, der Söhne Basans, und der Böcke, samt dem Nierenfett des Weizens; und das Blut der Traube trankst du, feurigen Wein.“
– 5. Mose 32, 7 – 14 – Nach der vorausgehenden Ermahnung folgt eine weitere Erinnerung, in der Mose erneut dem Volk Israel die Güte Gottes vor Augen stellt: “Gedenke der Tage der Vorzeit, merkt auf die Jahre von Geschlecht zu Geschlecht; frage deinen Vater, und er wird es dir kundtun, deine Ältesten, und sie werden es dir sagen. Als der Höchste den Nationen das Erbe austeilte, als er voneinander schied die Menschenkinder, da stellte er die Grenzen der Völker fest nach der Zahl der Kinder Israel.“ (Verse 6 – 7).  Mit diesen Worten zeigt Mose dem Volk zum einen, dass es nur einen einzigen wahren und lebendigen Gott gibt. Der Gott Israels ist zugleich auch der Gott, der die anderen Nationen geschaffen hat (1. Mose 10, 1 ff.; Jesaja 54, 5; Jeremia 32, 27). Damit schließt die Heilige Schrift jede Form des “Henotheismus“ kategorisch aus, den manche mit dem Begriff “des Höchsten“ gern verbinden wollen. Außerdem erinnert Mose das Volk mit diesen Worten an seine besondere Stellung vor Gott. Israel ist der Ausgangspunkt der Gedanken Gottes, wenn es um das Handeln Gottes mit den anderen Nationen geht. Sein Volk steht dabei im Zentrum. Dieses Volk hat die größten Segnungen erfahren, weil Gott es erwählte und einen Bund mit ihm schloss. Diese Erwählung und die vielfältigen Segnungen, die Gott Israel schenkte, waren nicht das Ergebnis ihres Gehorsams, sondern ein Zeichen Seiner Gnade: “Nicht weil ihr mehr wäret als alle Völker, hat der HERR sich euch zugeneigt und euch erwählt; denn ihr seid das geringste unter allen Völkern; sondern wegen der Liebe de HERRN zu euch und weil er den Eid hielt, den er euren Vätern geschworen hat, hat der HERR euch mit starker Hand herausgeführt und dich erlöst aus dem Haus der Knechtschaft, aus der Hand des Pharaos, des Königs von Ägypten.“ Wären Dankbarkeit und Liebe – und daraus folgend – auch Gehorsam gegenüber den Geboten Gottes – nicht eine ganz natürliche Reaktion gewesen?
Diese Verse sind die letzte von 16 Erinnerungen im 5. Buch Mose, durch die Mose das Volk an all‘ die Güte erinnern möchte, die es von  Gott erfahren hat. Er entwirft nun in beeindruckendes Bild von der bisher erlebten Fürsorge Gottes:
Er, der Israels Vater war (Vers 6), war auch ihr Schöpfer (Vers 6; vgl. 1. Mose 14, 19 + 22. Er hatte Israel gegründet (Hiob 31, 15;  Jesaja 62, 7) und es “in der Wüste“ gefunden (Vers 10), in einem öden Land. Aber genau dort hatte Er dieses Volk mit Seinem Schutz umgeben und für dieses Volk gesorgt (vgl.  Psalm 25, 21; Psalm 31, 23; Psalm 41, 11 – 12; Psalm  61, 7; Jesaja 26, 3; Jesaja 42, 6; Jesaja 49, 8). Wie eine Adlermutter, die ihre Jungen hegt und pflegt, war Gott um dieses Volk besorgt gewesen. Das Bild des Adlers an dieser Stelle nimmt Bezug auf 2. Mose 19, 4, wo Gott Sein Volk bereits einmal an Seine Fürsorge erinnerte: “Ihr habt gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe, wie ich euch auf Adlers Flügeln getragen und euch zu mir gebracht habe.“ Nun führt Mose die Bedeutung dieses Bildes weiter aus. Er vergleicht Gott mit einem Adler, der die Jungen aus dem Nest stösst, um sie das Fliegen zu lehren. Der Adler fliegt über seinen Jungen, breitet seine starken Schwingen aus und fängt sie damit auf, ehe sie zu Boden fallen und dann trägt er sie wieder sicher in das Nest. Dieses Flugtraining wird so lange wiederholt, bis das Junge selbst fliegen kann. Auf diese Weise, so Mose, führte Gott Israel auch auf dem Weg durch die Wüste. Die Prüfungen, denen sich die Israeliten ausgesetzt sahen, waren keine willentlichen Abwesenheiten Gottes. Es waren Zeiten des Trainings und der Vorbereitung, durch die Gott Sein Volk Israel auf die kommenden Herausforderungen bei der Einnahme des Landes vorbereiten wollte. Auf diese Weise sollten sie im Glauben erstarken und zugleich lernen, dass Gott jederzeit da war, um sich Seines Volkes anzunehmen. Leider ließen sich nur wenige Israeliten auf Gottes Training ein. Kaleb und Josua waren solche Männer, die begriffen hatte, was Gott wünschte und wie Er Sein Volk vorbereitete. Als die zwölf Kundschafter, die Mose auf Befehl Gottes in das verheißene Land ausgesandt hatte, zurückkehrten, da waren zehn dieser Männer voll Unglaubens und zweifelten daran, dass Gott Seine Verheißung wahr machen und ihnen dieses Land geben konnte. Nur zwei Männer – Josua und Josua – bekannten ihren Glauben an die Güte und Kraft Gottes (vgl. 4. Mose 14, 6 f). Josua wurde später der Nachfolger Moses als Leiter des Volkes und Kaleb sollte eine wichtige Rolle bei der Einnahme des Landes spielen. Die zehn glaubenslosen Kundschafter hingegen sollten das verheißene Land nicht sehen (4. Mose 14, 30; 4. Mose 26, 65). Was war der Unterschied zwischen diesen Männern? Von Kaleb wird gesagt – und wir können das gemäß Josua 14, 8 – 9 auch auf Josua beziehen: “Aber meinen Knecht Kaleb – weil ein anderer Geist in ihm gewesen und er mir völlig nachgefolgt ist -, ihn werde ich in das Land bringen, in das er gekommen ist; und seine Nachkommenschaft soll es besitzen.“ (4. Mose 14, 24). Josua und Kaleb hatten verstanden, was der Wille Gottes war. Sie hatten sich auf das Glaubenstraining Gottes eingelassen und dementsprechend war ihr Glaube gewachsen. Als sie sich dann ihren Feinden gegenüber sahen, waren sie zuversichtlich, dass Gott ihnen den Sieg über dieselben schenken würde. Wenn Mose Gott hier mit einem Adler vergleicht, dann weist er damit aber nicht nur auf das Glaubenstraining hin, das Gott Seinem Volk angedeihen lässt, er verweist zugleich auf die bewahrende Macht Gottes: “(…) so leitete ihn der HERR allein, und kein fremder Gott war mit ihm.“ Niemand außer diesem wunderbaren, einzigartigen Gott ist in der Lage, Sein Volk so zu führen.
Um das bisher über die Güte und Treue Gottes Gesagte zu unterstreichen, erinnert Mose das Volk in den letzten Versen dieses Abschnitts noch einmal an die beständige Versorgung, die es durch Gott in der gesamten Zeit der Wüstenwanderung erleben durfte. Gottes Versorgung beschränkte sich nicht nur auf die lebensnotwendigen Dinge, nein, Er gab Seinem Volk darüber hinaus auch Honig und Öl, Fleisch und Wein.

Vertrauen lernen, um das Fliegen zu lernen

Wenn  wir diesden ersten Teil des Liedes des Mose mit dem 11. Kapitel des Hebräerbriefes, der prägnanten Auflistung der so genannten “Glaubenshelden“,  vergleichen, dann fällt auf, dass die Erinnerung an bereits Erlebtes eine große Rolle spielt. Beide – Mose, wie auch der Autor des Hebräerbriefes – verfolgen die Absicht, ihre Leser durch die Erinnerung an die Güte, Hilfe, Bewahrung, Versorgung, Treue und Gnade Gottes zu neuem, beständigen Vertrauen auf Gott zu ermutigen. Denn beide möchten ihren Lesern verdeutlichen, dass sie in den Prüfungen, Bedrängnisse und Schwierigkeiten, die sie vielleicht gerade erleben, nicht untergehen werden, sondern dass genau diese Schwierigkeiten dazu dienen können, im Glauben und damit in der Beziehung zu Gott, noch stärker zu werden. Denn solche Zeiten sind keine Zeiten der Abwesenheit Gottes – ganz im Gegenteil. Wie der Adler, der seine Jungen aus dem Nest stößt, damit sie das Fliegen lernen, und sie im richtigen Moment mit seinen starken Schwingen auffängt, so wird auch Gott nicht zulassen, dass wir über unser Vermögen versucht werden, sondern Er wird mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen, so dass wir  sie ertragen können“ (vgl. 1. Korinther 10, 13). Wir können uns entscheiden, ob wir uns diesem Glaubenstraining aussetzen oder ob wir lieber “im Nest“ des Kleinglaubens verharren wollen. Dann sollten wir uns jedoch auch bewusst sein, dass wir so niemals in den Genuss der wunderbaren Erfahrung des Fliegens kommen werden. Josua und kaleb waren zwei Männer, die in das Glaubenstraining Gottes eingewilligt hatten. Sie erkannten die den Schwierigkeiten und Bedrängnissen, die ihnen auf dem Weg durch die Wüste begegneten, Herausforderungen, die sie mit Gottes Hilfe bewältigen konnten. Dementsprechend handelten sie. Sie stellten sich den Herausforderungen der Wüste, erlebten Gottes Eingreifen und wurden so auf noch größere Herausforderungen vorbereitet. Außerdem lernten sie Gottes Treue und Kraft, ja Seine Person, besser kennen, wann immer sie sich den Herausforderungen der Wüste stellten.  Mit jeder neuen Herausforderung wuchsen ihre “Glaubensmuskeln“, d.h. ihr Vertrauen in die Allmacht Gottes, denn mit jeder neuen Gotteserfahrung wurde ihre Beziehung zu diesem Gott noch enger. Die Erfolge, die sie erleben durften, steigen ihnen nicht “zu Kopf“, den sie wussten, dass hinter diesen Erfolgen nicht ihre eigene Kraft, sondern die Hilfe Gottes stand. Gleichzeitig ließen sie nicht zu, dass ihr Herz von den Rückschlägen, die sie erlebten, mutlos wurde. Als sie dann am Ende der Wüstenreise ihrer ultimativen Herausforderung, der Einnahme des verheißenen Landes, gegenüber standen, konnten sie auch diese größte Herausforderung annehmen, weil sie die Schwierigkeiten der Wüste als Training verstanden hatten und im Glauben erstarkt waren.

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BAB am 15.08.2016

Bemerkenswertes aus der Blogosphäre … und von anderswo her:

* Hörenswert I / Lesenswert I: Deutschlandradio Kultur: “Düzen Tekkal: Durch den IS-Terror wurde ich zur Krigesberichterstatterin“: Klick!

* Hörenswert II: SWR-2-Forum: “Terror, Angst und Gegenwehr – Wie lässt sich der IS besiegen?“: Klick!

* Lesenswert II: “Modern Revival of Lost Biblical Commandment Paving the Way for the Third Jewish Temple“: Klick! – “The Bible Is Their Textbook: Jerusalem Group Trains Priests for Third Temple“: Klick!

* Sehenswert I: Eckhard Schnabel: “Why Study Acts?“

 

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Darrell L. Bock, Mikel Del Rosario & Dr. Sean McDowell: Truth, Love, and Defending the Faith

In einer neuen Ausgabe des Table-Podcast diskutieren Dr. Darrell Bock, Research Professor of New Testament Studies; Professor of Spiritual Development and Culture am Dallas Theological Seminary, Mikel Del Rosario von “Apologetics Guy“ und Dr. Sean McDowell darüber, wie wichtig es ist, Wahrheit und Liebe zu verbinden, wenn es darum geht, den christlichen Glauben zu verteidigen: 

 

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Was in (Lebens-)Stürmen wirklich hilft – Anmerkungen zu Lukas 8, 22 – 25

Amirim, view of Kinneret

Blick von Genezarteh nach Amirim * Foto: דוד שי, Amirim, view of Kinneret, CC BY-SA 3.0

Das Bibelwort für den morgigen Sonntag stammt aus dem Lukasevangelium (zum Hintergrund des Lukasevangeliums siehe: Klick! und Klick!) und zwar aus dem 8. Kapitel:

“Es geschah aber an einem der Tage, dass er in ein Schiff stieg, er und seine Jünger; und er sprach zu ihnen: Lasst uns übersetzen an das jenseitige Ufer des Sees. Und sie fuhren ab. Während sie aber fuhren, schlief er ein. Und es fiel ein Sturm auf den See, und das Schiff lief voll Wasser, und sie waren in Gefahr. Sie traten aber hinzu und weckten ihn auf und sprachen: Meister, Meister, wir kommen um! Er aber wachte auf, schalt den Wind und das Wogen des Wassers, und sie hörten auf, und es trat Stille ein. Er aber sprach zu ihnen: Wo ist euer Glaube? Erschrocken aber erstaunten sie und sagten zueinander: Wer ist denn dieser, dass er auch den Winden und dem Wasser gebietet und sie ihm gehorchen?

(Lukas 8, 22 – 25 ELBEDHÜ; z. Vgl.  LUTH’84)

Zum Hintergrund von Lukas 8, 22 – 25

In diesem Abschnitt des Lukasevangeliums können wir dieselbe Handlungsweise des Herrn Jesus Christus erkennen, wie in den vorausgegangenen: Zuerst lehrt der Herr Seine Zuhörer und anschließend demonstriert Er Seine Autorität durch vollmächtige Taten (siehe Lukas 6, 12 – 49 i. V. m. Lukas 7, 1 ff.; Lukas 8, 1 – 21 i. V. m. Lukas 8, 22 – 56). Sein Reden und Sein Leben, Seine Worte und Seine Werke waren (und sind!) eine untrennbare Einheit.
In den ersten Versen dieses Kapitels (Lukas 8, 1 – 3) erwähnt der Evangelist, dass sich in der Begleitung des Herrn auch Frauen befanden. Es ist dies die dritte kurze Erwähnung von Frauen in seinem Evangelium (vgl. Lukas 7, 12 – 15, und Lukas 7, 36 – 50). Sie zeigt uns, welche Bedeutung der Evangelist der Begegnung des Herrn mit Frauen, die in der damaligen Kultur nur eine untergeordnete Rolle spielten, zumisst. Danach berichtet Lukas uns, wie der Herr die Volksmenge und die Jünger mittels des Gleichnisses vom Sämann (Lukas 8, 4 – 15) und des Gleichnisses von dem Licht auf dem Leuchter (Lukas 8, 16 – 18) belehrt. Darauf folgt die Aussage Jesu über Seine wahren Verwandten (Lukas 8, 19 – 21), womit dann der lehrmäßige Teil dieses Kapitels endet und die Berichte über die vollmächtigen Werke des Herrn beginnen: die Stillung des Sturms (Lukas 8, 22 – 25), die wir heute betrachten wollen, die Heilung des besessenen Geraseners (Lukas 8, 26 – 39), die Heilung der blutflüssigen Frau (Lukas 8, 40 – 48), und abschließend die Auferweckung der Tochter des Jairus (Lukas 8, 49 – 56). Mit diesen Machterweisungen über die Natur, Dämonen, Krankheit und sogar den Tod offenbarte der Herr nicht nur seine Gewalt über alle Bereiche menschlichen Lebens, sondern auch Seine Gottheit (vgl. z.B. 2. Mose 14, 1 ff.; Psalm 89, 8 – 9; Psalm 93, 3 – 4; Psalm 106, 8 – 9; Psalm 107, 23 – 30; Jesaja 51, 9 – 10 u.v.a.m.)

Die Stillung des Sturms

* “Es geschah aber an einem der Tage, dass er in ein Schiff stieg, er und seine Jünger; und er sprach zu ihnen: Lasst uns übersetzen an das jenseitige Ufer des Sees. Und sie fuhren ab. Während sie aber fuhren, schlief er ein. Und es fiel ein Sturm auf den See, und das Schiff lief voll Wasser, und sie waren in Gefahr.“ Lukas 8, 22 – 23 – In Matthäus 8, 18 +  23 – 27 und Markus 4, 36 – 41 finden wir die Parallelberichte zu diesem Ereignis. Die Jünger befinden sich mit ihrem Meister am See Genezareth, der auch als See von Tiberias bzw. Galliläisches Meer bezeichnet wird. Aus der Parallelstelle in Markus und ihrem Kontext wird deutlich, dass der Herr und Seine Jünger den See von Westen nach Osten überquerten (vgl. Lukas 8, 26; Matthäus 8, 18; Markus  4, 35). Laut historischen Berichten lebten auf der Ostseite weniger Menschen und Kommentatoren haben die Vermutung geäußert, dass es der Wunsch des Herrn gewesen sein könnte, sich von den Menschenmassen, die Ihm folgten, zu entfernen, um etwas Ruhe zu finden. Das wird nach ihrer Meinung auch durch den Hinweis unterstützt, dass der Herr im Boot einschlief. Der Bericht über diese Sturmstillung ist die einzige Stelle, an der die Evangelisten Lukas, Matthäus und Markus davon sprechen, dass der Herr schlief.
Lukas gebraucht hier das griechische Wort “πλοῖον“ (“ploion“), mit dem Boote unterschiedlicher Größe bezeichnet wurden. Wir können aber davon ausgehen, dass es sich bei diesem Boot um ein größeres Fischerboot gehandelt haben muss, da es mindestens 13 Personen transportieren konnte. In solchen größeren Fischerbooten gab es in der Regel einen Platz an der Hinterseite (Achtern) zum Schlafen.

Ginosar BW 6

Das im See Genezareth gefundene, 200 Jahre alte Boot, das heute in einem speziell klimatisierten Raum om Jugal Allon Museum ausgestellt wird * Foto: By Berthold Werner (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Im Jahr 1986 fanden Bewohner des Kibbuz Ginnosar am Nordwestufer des Sees Genezareth ein 2000 Jahre altes Fischerboot mit über acht Metern Länge, das heute oft als “Jesus Boot“ bezeichnet wird. Die gut erhaltenen Reste dieses Bootes kamen im Uferschlamm zum Vorschein, als der See auf einen außergewöhnlich niedrigen Wasserstand gefallen war. Der Konservierungsvorgang dauerte bis Ende der 1990er Jahre. Es bedurfte dazu eines eigens dafür gebauten Beckens. Heute kann dieses Boot, das 8, 20 m lang und 2, 35 m breit ist, im Jigal Allon Museum.  Bei dem in unserem Text genannten Boot wird es sich um ein größeres Boot gehandelt haben.
Aufgrund seiner geographischen Lage war und ist der See Genezareth für plötzlich auftretende, starke Stürme bekannt. Der See liegt 212 Meter unter dem Meeresspiegel und ist damit der tiefst gelegene Süßwassersee der Erde. Nach dem Toten Meer, das rd. 420 Meter unter dem Meeresspiegel liegt,  ist er damit das zweittiefst gelegene stehende Gewässer der Erde¹. Das Land an der Ostseite des Sees liegt höher und wenn warme Luft vom See aufsteigt, entsteht ein Vakuum, in das Luft aus dem Westen nachströmt. So entstehen – oftmals ohne Vorwarnung – starke Winde oder gar Stürme über dem See.
Der über die Jünger hereinbrechende Sturm verursachte einen so starken Wellengang, dass Wasser in das Boot eindrang und sie in Gefahr standen, unterzugehen. Dass die bedrohliche Situation nicht der Phantasie der Jünger entsprang oder sie diese Gefahr übertrieben, wird dadurch deutlich, dass Lukas den Wind an drei Stellen erwähnt (Verse 23, 24 und 25) und ihn dabei aus sehr eindrücklich beschreibt

* “Sie traten aber hinzu und weckten ihn auf und sprachen: Meister, Meister, wir kommen um! Er aber wachte auf, schalt den Wind und das Wogen des Wassers, und sie hörten auf, und es trat Stille ein. Er aber sprach zu ihnen: Wo ist euer Glaube? Erschrocken aber erstaunten sie und sagten zueinander: Wer ist denn dieser, dass er auch den Winden und dem Wasser gebietet und sie ihm gehorchen?“Lukas 8, 24 – 25 – In dieser lebensbedrohlichen Not wecken die Jünger ihren Meister, denn ihnen ist klar, dass sie allein mit dieser Situation nicht fertig werden. In der Zeit vor diesem Ereignis hatten sie Ihn bereits viele Wunder vollbringen sehen und sicherlich würde Er auch in dieser Situation einen Ausweg kennen oder ihnen durch irgendeine Art von Wunder helfen können.
Nur bei Markus findet sich der Vorwurf, mit dem die Jünger den Herrn wecken: “Und er war im hinteren Teil und schlief auf dem Kopfkissen; und sie wecken ihn auf und sprechen zu ihm: Lehrer, liegt dir nichts daran, dass wir umkommen?“ (Markus 4, 38). Dadurch wird deutlich, dass die Jünger zwar von den Zeichen und Wundern, die ihr Meister getan hatte, sehr beeindruckt waren, sie aber noch gar nicht verstanden hatten, wer Er wirklich war. Genau das aber wollte der Herr ihnen mit diesem Ereignis verdeutlichen.
Wir müssen hier unbedingt eines ganz genau beachten: Natürlich geht es um Glauben. Denn es heißt ja, dass der Herr die Jünger fragte: “Wo ist euer Glaube?“ Viele machen daraus folgende Gleichung: “Hätten die zu den Jüngern nur genug Glauben gehabt, dann hätten sie den Sturm selbst gestillt.“ Doch das ist absoluter Unsinn. Die biblisch richtige Gleichung lautet: “Hätten die Jünger mehr Gotteserkenntnis gehabt, dann hätten sie auch Glauben gehabt, dass sie das gegenüberliegende Ufer trotz des lebensbedrohlichen Sturms erreichen, und hätten ihrem Ziel ohne Furcht entgegensehen können.“ Denn: Glaube entsteht nicht im luftleeren Raum (schon gar nicht in einem kurzzeitigen Luftvakuum über dem See Genezareth). Glaube wächst in unserem Herzen, wenn  wir auf das Wort Gottes hören (Römer 10, 17). Das kann durch das Hören einer Predigt geschehen, sollte aber noch mehr durch das ganz persönliche Leser der Heiligen Schrift geschehen. Je mehr wir uns dem Wort Gottes aussetzen, es in uns aufnehmen und verstehen, desto besser lernen wir Gott kennen und desto größer wird unser Vertrauen, d.h. unser Glaube, das/den wir in/an Ihn haben. Die Wurzel des Problems der Jünger war eine zu oberflächliche Erkenntnis ihres Gottes und Seines Sohnes. Hätten sie wirklich begriffen, wer da in ihrem Boot schlief, sie hätten sich nicht der Furcht ergeben müssen.
Indem der Herr zulässt, dass die Jünger durch diese notvolle Situation gehen müssen, gibt Er ihnen eine neue Chance, genau das zu erkennen und zu korrigieren.  Wie oft verstehen Gläubige schwierige Lebenssituationen nur als Problem, Einschränkung oder gar als Strafe Gottes! Wieviel besser wäre es, wenn wir endlich begriffen, dass solche Situationen uns eine Möglichkeit schenken, unseren Gott noch viel besser kennenzulernen. Schreien wir wie die Jünger: “Herr hilf, hilf, hilf!“ Oder machen wir Ihm Vorwürfe, indem wir Seine Liebe zu uns in Zweifel ziehen: “Lehrer, liegt dir nichts daran, dass wir umkommen?“
Wir können uns aber auch dazu entscheiden, dass wir uns inmitten des Sturms ruhig zurücklehnen, weil wir wissen, dass unser Herr “alle Dinge durch das Wort seiner Macht trägt“ (Hebräer 1, 3), dass Er auch um  “alle Dinge weiß“ (Johannes 16, 30; Johannes 21, 17) und dass, wenn Er gesagt hat, dass wir an das andere Ufer fahren, wir dort auch garantiert ankommen werden (Markus 4, 35). Das kann jedoch nur, wer Seinen Gott auch wirklich kennt.
Es ist bezeichnend, dass der Herr die Jünger nicht zurechtweist, weil sie Ihn geweckt haben. Wie viele Gläubige denken, dass sie Gott nicht mit ihren Nöten “belästigen“ dürfen, dass ihre Nöte im Vergleich zu denen anderer Menschen doch viel zu klein seien! Doch unser Gott ist immer und für jeden Menschen ansprechbar. Er ist nicht beleidigt, wenn wir uns im Gebet an Ihn wenden, ganz im Gegenteil! Wie würden unser Leben und das unserer Umgebung aussehen, wenn wir viel mehr Gebrauch von diesem wunderbaren Vorrecht machen würden? Wir würden nicht nur mehr Hilfe erfahren, wir würden auch unseren Gott immer besser kennenlernen, wenn wir glaubensvoll und entsprechend Seinem Wort beten würden.
Die Jünger hatten in dem Herrn Jesus bereits den von Gott verheißenen und gesandten Messias-Erlöser erkannt. Doch scheinen sie eine ähnliche Vorstellung von dem Messias gehabt zu haben, wie sie auch in ihrer Umgebung anzutreffen war. Doch durch dieses Ereignis auf dem See Genezareth wollte der Herr ihnen deutlich vor Augen führen, dass sie es in seiner Person dem allmächtigen Gott begegneten, denn nun tat Er, was nur Gott tun konnte (vgl. Psalm 107, 23 – 30).
War die Zurechtweisung der Jünger durch den Herrn gerechtfertigt? Eindeutig ja, denn diese Männer waren, wie alle Juden, von Kindheit an in der Heiligen Schrift des Alten Testaments unterwiesen worden und kannten dieselbe gut. In Psalm 89, 25 spricht die Heilige Schrift von dem kommenden Messias und der Macht, die Er über Meere und Ströme ausüben wird. In 5. Mose 18, 15 hatte Gott außerdem verheißen, dass der Messias ein Prophet wie Mose sein würde. Welches war die eindrücklichste Tat, zu der Gott Mose gebrauchte? Ganz richtig: Die Befreiung des Volkes Israel aus Ägypten. Und diese Befreiung fand ihren entscheidenden Ausdruck in der Teilung des Roten Meeres. Was lag da näher als der Gedanke, dass auch der Messias Macht über jede Art von Wasser haben würde?

Was ist (Lebens-)Stürmen wirklich hilft

Das griechische Wort, das in unseren Bibeln mit “glauben“ übersetzt wird, ist “πίστις“ (“pistis“). Es hat verschiedene Bedeutungen, eine der wichtigsten ist “vertrauen“. Einem anderen Menschen können wir nur wirklich vertrauen, wenn wir ihn kennengelernt haben, wenn wir wissen, wie er zu uns steht, wenn wir gesehen haben, wie er sich uns gegenüber verhält. Mit Gott ist es nicht anders. Auch Ihm werden wir nur vertrauen können, wenn wir Ihn kennengelernt haben, wenn wir wissen wer Er ist, wie Er uns und unsere Beziehung zu Ihm sieht. Der Aufbau einer vertrauensvollen, starken und tragfähigen Beziehung braucht Zeit, egal ob es sich dabei um eine Beziehung  zu einem anderen Menschen oder um eine Beziehung zu Gott handelt. Wenn wir mitten im Sturm stecken, ist es dafür zu spät. Angesichts immer größerer Herausforderungen unserer Zeit müssen wir jetzt an unseren Beziehungen arbeiten. Das gilt für unsere Beziehungen zu Menschen, aber insbesondere für unsere Beziehung zu Gott. Menschliche Beziehungen mögen unter dem Druck der Probleme zerbrechen, die Beziehung Gottes zu uns jedoch wird uns durchtragen. Vielleicht kommen wir, wie der Apostel Paulus und seine Mitarbeiter, wie Schiffbrüchige am anderen Ufer an (Apostelgeschichte 27). Aber wir werden ankommen.
Doch was ist, wenn wir gerade jetzt, heute, in einem Sturm stehen, der uns allen Mut nimmt und wir feststellen, dass wir die Vergangenheit nicht genutzt haben, um im Vertrauen auf Gott zu wachsen? Wenn wir feststellen, dass wir diesen Gott eigentlich kaum kennen? Jesus Christus weist Seine Jünger wegen ihres Unglaubens zurecht, aber Er lässt sie nicht im Stich. Auch Sie wird Er in dieser Situation nicht verlassen. Er wird Seine Macht auf die eine oder andere Weise zu Seinem Zeitpunkt zu Ihren Gunsten einsetzen, wenn Sie sich im Gebet an Ihn wenden (Römer 8, 28). Doch Sie sollten diese Situation als eine Chance begreifen und alles daran setzen, von nun an Jesus Christus  besser kennenzulernen. Das wird Sie nicht vor weiteren Stürmen in ihrem Leben bewahren, aber wenn Sie Ihn besser kennen- und Ihm mehr vertrauen lernen, dann wird Sie kein zukünftiger Sturm mehr verzweifeln lassen.
Die frühe Christenheit hatte die uns in Lukas 8, 22 – 25 vermittelte Lehre gut verstanden. Aus diesem Grund wurde die Kirche in dieser Zeit auf Mosaiken oder Bildern häufig als Boot dargestellt, das einem starken Wellengang unterworfen war, dessen Passagiere jedoch ruhig auf dem Boden saßen und zu dem in ihrer Mitte stehenden Herrn Jesus Christus aufschauten. So werden auch wir handeln können, wenn wir Ihn – Jesus Christus – immer besser kennenlernen.

Fußnoten:

¹= vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/See_Genezareth#Biblische_Bez.C3.BCge

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Was lese ich wenn … (2)

Was lese ich, wenn ….

… ich wissen will, was wahre Weisheit ist?

Das Buch der Sprüche Salomos.

… ich etwas über die Heiligkeit Gottes erfahren will?

Das Buch des Propheten Jesaja.

… ich etwas über die Erfüllung biblischer Prophetie erfahren will?

Das Matthäusevangelium.

… ich etwas über die Entstehung und frühe Geschichte der Versammlung (= Gemeinde / Kirche) erfahren will?

Die Apostelgeschichte.

… ich lernen will, wie man als Christ mit Bedrängnis und Verfolgung umgeht?

Den 1. und den 2. Petrusbrief.

… ich erfahren möchte, wie die Zukunft Israels aussieht?

Das Buch des Propheten Hesekiel.

… ich wissen möchte, ob Gott mächtig genug ist, von Krankheiten zu heilen und von Bedrängnissen zu befreien?

Das Markusevangelium.

… ich wissen will, wie sich wahrer Glaube im Alltags bewährt?

Den Brief des Jakobus.

… ich wissen will, mit welcher Macht Gott Sein Volk befreit und wie Er es versorgt?

Das zweite Buch Mose.

… ich etwas über die Größe Christi und Sein Werk für mich in der Gegenwart erfahren möchte?

Den Brief an die Hebräer.


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Geteiltes Herz kommt vor dem Fall – Anmerkungen zu 1. Könige 10, 1 – 13

Saabaghiberti

Salomon trifft die Königin von Saba; Relief von Lorenzo Ghiberti an der bronzenen Paradiespforte des Baptisteriums in Florenz, 1425ff. * Foto: Richardfabi, Saabaghiberti, CC BY-SA 3.0

Das Bibelwort für die Wortverkündigung am Mittwoch dieser Woche wurde dem 10. Kapitel des 1. Buches der Könige (zum Hintergrund des 1. Buches der Könige, siehe: Klick!) entnommen. Wir lesen und betrachten den betreffenden Vers  in seinem Kontext:

“Und die Königin von Scheba hörte den Ruf Salomos wegen des Namens des HERRN; und sie kam, um ihn mit Rätseln auf die Probe zu stellen. Und sie kam nach Jerusalem mit einem sehr großen Gefolge, mit Kamelen, die Gewürze und Gold trugen in sehr großer Menge, und Edelsteine. Und sie kam zu Salomo und redete zu ihm alles, was in ihrem Herzen war. Und Salomo erklärte ihr alles, um was sie fragte; keine Sache war vor dem König verborgen, die er ihr nicht erklärt hätte. Und als die Königin von Scheba alle Weisheit Salomos sah und das Haus, das er gebaut hatte, und die Speise seines Tisches und das Sitzen seiner Knechte und das Aufwarten seiner Diener und ihre Kleidung und seine Mundschenken und seinen Aufgang, auf dem er in das Haus des HERRN hinaufging, da geriet sie außer sich und sprach zum König: Das Wort ist Wahrheit gewesen, das ich in meinem Land über deine Sachen und über deine Weisheit gehört habe; und ich habe den Worten nicht geglaubt, bis ich gekommen bin und meine Augen es gesehen haben. Und siehe, nicht die Hälfte ist mir berichtet worden; du übertriffst an Weisheit und Gut das Gerücht, das ich gehört habe. Glückselig sind deine Leute, glückselig sind diese deine Knechte, die beständig vor dir stehen, die deine Weisheit hören! Gepriesen sei der HERR, dein Gott, der Gefallen an dir gehabt hat, dich auf den Thron Israels zu setzen! Weil der HERR Israel ewig liebt, hat er dich zum König eingesetzt, um Recht und Gerechtigkeit zu üben. Und sie gab dem König 120 Talente Gold, und Gewürze in sehr großer Menge, und Edelsteine; nie wieder ist eine solche Menge Gewürz gekommen wie dieses, das die Königin von Scheba dem König Salomo gab. (Und auch die Flotte Hirams, die Gold aus Ophir holte, brachte aus Ophir Sandelholz in sehr großer Menge, und Edelsteine. Und der König machte aus dem Sandelholz ein Geländer für das Haus des HERRN und für das Haus des Königs, und Lauten und Harfen für die Sänger; so ist kein Sandelholz gekommen und gesehen worden bis auf diesen Tag.) Und der König Salomo gab der Königin von Scheba alles, was sie wünschte, was sie verlangte, außer dem, was er ihr gab nach der Freigebigkeit des Königs Salomo. Und sie wandte sich und zog in ihr Land, sie und ihre Knechte.“

(1. Könige 10, 1 – 13 ELBEDHÜ; z. Vgl. Luther’84)

 

Zum Hintergrund von 1. Könige 10, 1 – 13

In den Kapiteln 1. Könige 1, 1 bis  1. Könige 11, 43 steht die Regierungszeit König Salomos im Fokus, die in vier Abschnitten eingehender betrachtet wird: Im ersten Abschnitt (1. Könige 1, 1 – 1. Könige 2, 12) erfahren wir von dem sich verschlechternden Gesundheitszustand des Königs David (1. Könige 1, 1 – 4), sowie von dem Aufstand und Versuch des Adonija, den Königsthron an sich zu reißen (1. Könige 1, 5 – 53). Anschließend wird uns von der Einsetzung Salomos zum Erben Davids (1. Könige 2, 1 – 9) und dem Tod Davids (1. Könige 2, 10 – 12) berichtet. In Abschnitt 2 (1. Könige 2, 13 – 1. Könige 4, 34) geht es vorrangig um die ersten Ereignisse in der Regierungszeit Salomos (1. Könige 2, 13 – 1. Könige 4, 34): Salomo handelt mit denen, die seinen Vater verraten haben (1. Könige 2, 13 – 46), er empfängt Weisheit von Gott (1. Könige 3, 1 – 28) und gewinnt politische Stärke (1. Könige 4, 1 – 20).   Die großen Taten und Erfolge Salomos stehen im Mittelpunkt des dritten Abschnitts (1. Könige 5, 1 – 1. Könige 8, 66): Seine Vorbereitungen für den Bau des Tempels (1. Könige 5, 1 – 32), der Bau des Tempels (1. Könige 6, 1 – 38), der Bau des Palastes Salomos (1. Könige 7, 1 – 12), die (Innen-)Einrichtung des Tempels (1. Könige 7, 13 – 51) und die Weihe des Tempels (1. Könige 8, 1 – 66). Im vierten und letzten Abschnitt dieses Blocks (1. Könige 9, 1 – 1. Könige 11, 43) erfahren wir von den positiven Auswirkungen der Herrschaft Salomos – Gottes Bund mit ihm (1. Könige 9, 1 – 9), Gottes Segnungen für ihn (1. Könige 9, 10 – 28), Salomos Reichtum und seiner weitreichenden Bekanntheit (1. Könige 10, 1 – 29) -, dann aber leider auch von seinem Abfall von den allein wahren und lebendigen Gott (1. Könige 11, 1 – 43).
Der heute von uns zu betrachtende Abschnitt 1. Könige 10, 1 – 13 wird in ähnlicher Weise noch einmal in 1. Chronik 9, 1 – 12 aufgegriffen. 

 

Zusammenfassende Anmerkungen zu 1. Könige 10, 1 – 13

* “Und die Königin von Scheba hörte den Ruf Salomos wegen des Namens des HERRN; und sie kam, um ihn mit Rätseln auf die Probe zu stellen.“ – 1. Könige 10, 1  – Das Königreich Scheba (in vielen Bibelübersetzungen auch “Saba“ genannt) wird im südwestlichen Teil der arabischen Halbinsel lokalisiert. Wahrscheinlich befand es sich in der Region des heutigen Yemen oder des Oman, also in Ländern, die bis heute für den Handel mit hochwertigem Weihrauch und anderen wertvollen Gewürzen bekannt sind. Diese Region war angebunden an die Handelsrouten nach Mesopotamien, aber auch an die maritimen Handelsrouten, die durch das Rote Meer Richtung Afrika, aber auch Richtung Israel bis zu Salomos Hafen in Ezion Geber im Golf von Akaba (1. Könige 9, 26) verliefen. Bereits in der Hälfte des  zweiten Jahrtausends vor Christus sind Handelsbeziehungen zwischen den Bewohnern dieses Teils der arabischen Halbinsel und der Levante nachweisbar. Dass Frauen Königreiche auf der arabischen Halbinsel regierten, entweder als allein herrschende Königinnen oder als Mitregentinnen ihrer Männer, wird durch assyrische Quellen belegt. Es ist sehr nachvollziehbar, dass Reiche, die auf Handel und damit auch auf friedliche Handelsrouten, angewiesen waren, mit den Herrschern entlang dieser Routen positive Beziehungen aufbauten bzw, pflegten. Das mag auch der Hintergrund der Reise dieser namentlich nicht genannten Königin aus Scheba gewesen sein, die immerhin mindestens 2250 Kilometer pro Strecke in Anspruch nahm. der Ruf Salomos als reicher und weiser König hatte sich, wahrscheinlich auch über Handelsbeziehungen via Karawanen und/oder Schiffen,  in der damaligen Welt verbreitet.
Neben dem Wunsch der Königin von Scheba, politische und wirtschaftliche Beziehungen mit dem Königreich Israel, das mit seiner geographischen Lage am Kreuzpunkt zwischen Afrika, Arabien und Asien eine Schlüsselstellung im Handel der umliegenden Völker einnahm, wird uns auch ein geistlicher Grund für den Besuch dieser Frau genannt: Sie “hörte den Ruf Salomos wegen des Namens des HERRN“.
Bei den Fragen, die die Königin von Scheba mit Salomo besprach, wird es sicherlich nicht nur um besondere Rätsel gehandelt haben, die in der damaligen Zeit im Nahen Osten sehr verbreitet und beliebt waren, sondern auch um ökonomische und politische Fragen. Denn solche offiziellen Besuche königlicher Delegationen dienten dem Aufbau vertrauenswürdiger Beziehungen zwecks gegenseitigem Handel und u.U. bzgl. militärischer Bündnisse.

* “Und sie kam nach Jerusalem mit einem sehr großen Gefolge, mit Kamelen, die Gewürze und Gold trugen in sehr großer Menge, und Edelsteine. Und sie kam zu Salomo und redete zu ihm alles, was in ihrem Herzen war. Und Salomo erklärte ihr alles, um was sie fragte; keine Sache war vor dem König verborgen, die er ihr nicht erklärt hätte. Und als die Königin von Scheba alle Weisheit Salomos sah und das Haus, das er gebaut hatte, und die Speise seines Tisches und das Sitzen seiner Knechte und das Aufwarten seiner Diener und ihre Kleidung und seine Mundschenken und seinen Aufgang, auf dem er in das Haus des HERRN hinaufging, da geriet sie außer sich (…) – 1. Könige 10, 2 – 5 – Dass es sich bei diesem Besuch der Königin von Scheba bei dem König Israels um einen offiziellen Besuch gehandelt hat, zeigt die Beschreibung ihrer Karawane. Diese Karawane unterstrich zum einen die Macht und den Wohlstand der Königin von Scheba, zum anderen transportierte sie reiche Gastgeschenke für den israelischen König. Obwohl die ausführliche Beschreibung dieser Karawane darauf schließen lässt, dass die Königin von Scheba selbst äußerst vermögend war, war sie von Salomos Reichtum und Wohlstand sehr beeindruckt. Dieser Reichtum, das sollten wir beachten, war Salomo nicht “einfach mal so zugefallen“, er war die Erfüllung einer Verheißung, die Gott dem König gegeben hatte (vgl. 1. Könige 3, 13).
Weisheit wurde in einigen Kulturen des damaligen Nahen Ostens auch mit der Errichtung großer Bauten verbunden. Es ist daher auch kein Zufall, dass die Königin von Scheba die Weisheit Salomos mit dem von ihm gebauten Palast in Verbindung bringt.
Das königliche Essen, welches hier besonders erwähnt wird, soll den Reichtum Salomos zum Ausdruck bringen. Herrscher des Altertums verdeutlichten ihren Gästen gern dadurch den Wohlstand, in welchem sie lebten, indem sie eine Vielzahl von Speisen in besonderer Qualität servieren ließen. Eine Einladung an die königliche Tafel stellte eine besondere Ehre dar und die Zahl der dazu Geladenen wurde als Zeichen der Macht des Königs gewertet, denn die regelmäßige Verköstigung einer großen Anzahl von Ministern und anderen Beamten verursachte entsprechende Kosten.
Auch die Ordnung, wir würden heute sagen: das Hofzeremoniell bzw. die Etikette, die an Salomos Hof gepflegt wurde, muss diese Königin beeindruckt haben. Auf dem Hintergrund, dass sie selbst über großen Reichtum, einen ihr angemessenen Palast und damit auch garantiert über zahlreiche Diener verfügte, die ihr nach einem entsprechenden Hofzeremoniell dienten, können wir annehmen, dass das, was sie an Salomos Hof sah, wirklich beeindruckend gewesen sein muss.
Interessant ist allerdings, dass in allen diesen doch recht ausführlichen Beschreibungen an keiner Stelle der Tempel Gottes Erwähnung findet. Es wird lediglich “das Haus, das er (Salomo) gebaut“ hatte und der “Aufgang, auf dem er in das Haus des HERRN hinaufging“ erwähnt. Wir werden auf diesen Punkt später noch ausführlicher zurückkommen.

* “(…) und sprach zum König: Das Wort ist Wahrheit gewesen, das ich in meinem Land über deine Sachen und über deine Weisheit gehört habe; und ich habe den Worten nicht geglaubt, bis ich gekommen bin und meine Augen es gesehen haben. Und siehe, nicht die Hälfte ist mir berichtet worden; du übertriffst an Weisheit und Gut das Gerücht, das ich gehört habe. Glückselig sind deine Leute, glückselig sind diese deine Knechte, die beständig vor dir stehen, die deine Weisheit hören! Gepriesen sei der HERR, dein Gott, der Gefallen an dir gehabt hat, dich auf den Thron Israels zu setzen! Weil der HERR Israel ewig liebt, hat er dich zum König eingesetzt, um Recht und Gerechtigkeit zu üben.“  – 1. Könige 10, 6 – 9  – Die Nachrichten, die sie in ihrem Heimatland über die Weisheit und den Reichtum Salomos erhalten hatte, waren der Königin wenig glaubhaft erschienen. Trotzdem reichten diese Informationen zumindest aus, um sie zu ermutigen, die lange Reise auf sich zu nehmen, damit sie sich “vor Ort“ selbst überzeugen konnte. Nun hatte sie mit eigenen Augen den Wohlstand Salomos gesehen und bekennt, dass man ihr “nicht die Hälfte“ gesagt hatte. Dann preist sie Salomos Weisheit und Reichtum und sie preist das Volk und die Diener, die einen solchen König haben und beständig in den Genuß seiner Weisheit kommen. Erst dann preist sie auch den Gott Salomos und sie verweist darauf, dass es dieser Gott war, dem Salomo seine Königswürde verdankt. Bemerkenswert ist, dass die Königin Gründe für die Erwählung Salomos  nennt: Gott hat Gefallen an Salomo gehabt und Salomo ist König geworden, weil der Herr Israel liebt. Aber sie verweist auch auf die entscheidende Verantwortung Salomos: Gott erwartet, dass Salomo Recht und Gerechtigkeit übt. Auch auf diesen Lobpreis Gottes durch die (heidnische!) Königin werden wir später noch zurückkommen.

* “Und sie gab dem König 120 Talente Gold, und Gewürze in sehr großer Menge, und Edelsteine; nie wieder ist eine solche Menge Gewürz gekommen wie dieses, das die Königin von Scheba dem König Salomo gab. (Und auch die Flotte Hirams, die Gold aus Ophir holte, brachte aus Ophir Sandelholz in sehr großer Menge, und Edelsteine. Und der König machte aus dem Sandelholz ein Geländer für das Haus des HERRN und für das Haus des Königs, und Lauten und Harfen für die Sänger; so ist kein Sandelholz gekommen und gesehen worden bis auf diesen Tag.) Und der König Salomo gab der Königin von Scheba alles, was sie wünschte, was sie verlangte, außer dem, was er ihr gab nach der Freigebigkeit des Königs Salomo. Und sie wandte sich und zog in ihr Land, sie und ihre Knechte.– 1. Könige 10, 10 – 13 – In diesen abschließenden Versen wird uns noch einmal der große Reichtum Salomos geschildert. Bezeichnend ist, dass dieser Reichtum sich offensichtlich zu einem großen Teil auch aus Geschenken befreundeter Herrscher bzw. Herrscherinnen speiste. Es scheint sich hierbei um eine Zahlung gehandelt zu haben, die den Abschluss diplomatischer und wirtschaftlicher Beziehungen besiegelte, denn in 1. Könige 9, 14 wird dieselbe Summe als Zahlung des Königs Hiram von Tyrus an Salomo vermerkt.
Unter den Gewürzen werden sich auch Myrre und Weihrauch befunden haben, wichtige Bestandteile des alttestamentarischen Gottesdienstes (2. Mose 30, 23 – 24; 3. Mose 2, 1), die dem König Israels daher als Geschenk genauso wie als Handelsgut sehr willkommen gewesen sein müssen.
Zahlreiche Funde bearbeiteter und unbearbeiteter Edelsteine in der salomonischen Hafenstadt Ezion Geber und an vielen anderen Orten in Israel lassen auf einen regen Handel mit diesen Steinen schließen. Sie wurden zu Schmuckstücken verarbeitet und verzierten Einrichtungsgegenstände des Palastes oder des Tempels.
Wertvolle Holzarten, wie z.B. das wohlriechende Sandelholz, wurden ebenfalls für die Inneneinrichtung des Palastes oder Tempels, aber auch für die Herstellung von Musikinstrumenten benutzt.
Über die Beziehung der Königin von Scheba zu König Salomo sind seit vielen Jahrhunderten zahlreiche Mythen und Märchen im Umlauf, die im Verlauf der Zeit immer mehr ausgeschmückt wurden. Dagegen ist der  biblische Bericht mehr eine Aufzählung von Fakten und lässt keinen Rückschluss auf eine Beziehung über die wirtschaftlichen und politischen Verbindungen der beiden Herrscher zu.

 

Lehren, die wir aus 1. Könige 10, 1 – 13 ff. ziehen können

Im 1. Korintherbrief 10,  11 (ELBEDHÜ) schreibt der Apostel Paulus mit Blick auf das Alte Testament:

“[Alle] diese Dinge aber widerfuhren jenen als Vorbilder und sind geschrieben worden zu unserer Ermahnung, auf die das Ende der Zeitalter gekommen ist.“

Was können wir aus dem Bericht über den Besuch der Königin von Scheba bei König Salomo lernen?  Nun, zuerst einmal fällt auf, dass Salomo seinem Besuch ganz offensichtlich den großen Wohlstand seines Reiches präsentierte. Dazu gehörten die eindrucksvollen Bauten, die er hatte entstehen lassen, eine große Anzahl von gut ausgebildeten Regierungsbeamten und sein beeindruckendes Hofzeremoniell. Auch durch prächtige Feste mit üppigen und vielfältigen Mahlzeiten demonstrierte er der neuen Handelspartnerin seinen Reichtum. Durch all‘ diese äußerlichen Dinge, aber auch durch seine Weisheit, vermochte er die ausländische Regentin für seine Person einzunehmen. Für beides lässt sich der israelische Monarch dann auch von der Königin loben. Dabei war doch beides – sein Reichtum und seine Weisheit – ein Geschenk Gottes! Doch es findet sich kein einziges Wort, mit dem er die (heidnische!) Regentin auf diesen Gott verwiesen hätte! Zwar wird einmal der “Aufgang, auf dem er in das Haus des HERRN hinaufging“ erwähnt, aber nirgendwo findet sich ein Hinweis, dass Salomo die arabische Herrscherin eingeladen hätte,diesen Gott kennenzulernen und anzubeten! Nein, es ist die (heidnische!) Königin, die zu einem Lobpreis des Gottes ansetzt, den sie kaum kennt.
Wenn wir nach dem ausgewählten Bibeltext weiterlesen (1. Könige 10, 14 – 1. Könige 11, 42), dann sehen wir, wie der König wenig später beginnt, anderen Göttern zu dienen und damit von dem allein wahren und lebendigen Gott abfällt. Der Besuch der Königin von Scheba muss in diesem Kontext gesehen werden, denn zahlreiche Indizien deuten bereits in diesem Bericht an, was dann später geschieht. Wie ausgeführt, stand hinter dem Besuch dieser Königin am Hof von Jerusalem das Wirken Gottes (vgl. 1. Könige 10, 1). Doch Salomo verpasst mehrere  Chancen, dieser Frau den wahren und lebendigen Gott vorzustellen. Als sie von dem Reichtum und der Weisheit Salomos spricht, Dinge, die der König nur auf Grund der Gnade Gottes besitzt (vgl. 1. Könige 3, 13; 1. Könige 5, 9), lässt er sich gern loben und verschweigt den Urheber dieser Gaben. Ganz offensichtlich hatte sich Salomo zu diesem Zeitpunkt in seinem Herzen schon weit von Gott entfernt. So kommt es, dass die Königin zwar bekennen kann: “(…) und ich habe den Worten nicht geglaubt, bis ich gekommen bin und meine Augen es gesehen haben. Und siehe, nicht die Hälfte ist mir berichtet worden; du übertriffst an Weisheit und Gut das Gerücht, das ich gehört habe (…)“ aber eine Heilserkenntnis des Gottes Salomos und ein entsprechendes Bekenntnis zu diesem Gott, sucht man vergebens. Sie sah Salomo, seinen Reichtum und seine Weisheit und erkannte dessen Größe, aber Salomo führte dieser Frau nicht die Größe seines Gottes vor Augen.
Im Verlauf des Lobpreises Gottes, den die Königin von Scheba ausspricht, erwähnt sie, dass der Herr Salomo zum König eingesetzt habe, “um Recht und Gerechtigkeit zu üben.“ D.h., Salomo sollte sich selbst an das Gesetz Gottes halten und er sollte dieses Gesetz auch in seinem Land durchsetzen.  An vielen Stellen zeigt uns das 1. Buch der Könige, dass Salomo das Gesetz Gottes nicht wirklich ernst nahm. Ich will nur einige Beispiele anführen:

Gemäß dem Wort Gottes (5. Mose 17, 16 – 17) sollten die Israeliten keine heidnischen Frauen heiraten. Doch eine der ersten taten Salomos ist die Heirat mit einer ägyptischen Prinzessin (vgl. 1. Könige 3, 1). Außerdem opferte er entgegen dem Willen Gottes, der allein Jerusalem als Platz der Anbetung erwählt hatte (5. Mose 12, 5 – 7 +  11 + 13 – 14) noch an anderen Orten (1. Könige 3, 3). Doch dann begegnet Gott Salomo (1. Könige 3, 4 ff.) Er spricht kein Gericht über den jungen König aus, sondern fragt ihn nach dem, was dieser sich wünscht. So ist Gott, Er möchte Menschen durch Seine Gnade zur Umkehr führen (Römer 2, 4) und tatsächlich: In seiner Bitte um Weisheit erweist sich Salomo als demütig. Darum empfängt er auch, was er erbeten hat und Gott schenkt ihm darüberhinaus zahlreiche andere Segnungen (1. Könige 3, 6 – 9).
Anschließend sehen wir Salomo am richtigen Ort opfern (1. Könige 3, 15). Außerdem wird die ihm von Gott geschenkte Weisheit an zahlreichen Beispielen deutlich (1. Könige 3, 16 – 28; 1. Könige 4, 1 – 19; 1. Könige 4, 29 – 34). Doch gleichzeitig nennt uns das 1. Buch der Könige auch Indizien, die darauf schließen lassen, dass Salomos Herz nicht ganz bei Gott war: So nimmt der Bau seines königlichen Palastes fast doppelt soviel Zeit in Anspruch wie die Arbeiten am Tempel Gottes (1. Könige 7, 1). Offensichtlich verwandte der König mehr Energie auf den Bau seines eigenen Hauses, als auf den Bau des Hauses Gottes.
Obwohl Salomo im Zusammenhang mit der Einweihung des Tempels davon spricht, dass dies auch ein Ort ist, an dem Menschen anderer Nationen Gott begegnen sollen (1. Könige 8, 41 – 43), führt er später die Königin von Scheba nicht in diesen Tempel, damit sie dort den wahren und lebendigen Gott anbeten kann. In 5. Mose 8, 11 – 20 hatte Gott Sein Volk davor gewarnt, Ihn und Seine Gebote zu vergessen, wenn sie erst einmal in das verheißene Land gekommen und dort zu Wohlstand gelangt waren. Doch genau dieses Vergessen Gottes und Seiner Gebote kündigte sich bei Salomo an. Aus diesem Grund begegnet Gott dem König ein weiteres Mal (1. Könige 9, 1 – 9) und erinnert ihn an eine Warnung, die Er den Israeliten bereits durch den Propheten Samuel hatte mitteilen lassen (1. Samuel 12, 12 – 15). Doch diese Warnung scheint Salomo nicht wirklich erreicht zu haben. In 1. Könige 9, 10 – 1. Könige 10, 29 lesen wir zuerst davon, dass er seinen Bundesgenossen Hyram von Tyrus mit minderwertigen Städten “abspeiste“, dann, dass er trotz des Verbotes Gottes Sklaven aus anderen Nationen bei seinen Bauprojekten einsetzte und drittens, dass der König – ebenfalls entgegen dem Willen Gottes (5. Mose 17, 16 – 19) – über immer mehr Pferde verfügte. Ein König, der auf so vielfältige Weise gegen das Gesetz Gottes verstieß, konnte dann natürlich (!) auch kein wirkliches Zeugnis für den lebendigen Gott sein, als er von der Königin von Scheba besucht wurde. Doch Salomo versagte nicht nur im Halten des Gesetzes Gottes, er hielt sich auch nicht dauerhaft an viele der weisen Aussagen, die er durch Gottes Gnade selbst empfangen bzw. von anderen gehört und im Buch der Sprüche aufgeschrieben hatte. Es ist hier nicht Zeit dazu, einen Vergleich zwischen den Aussagen des Buches der Sprüche und dem Leben Salomos zu ziehen, doch wer es im Eigenstudium einmal tut, der wird viele Unterschiede finden. Was den Besuch der Königin von Scheba an Salomos Hof betrifft, gibt es jedoch einen Vers aus dem Buch der Sprüche, der ganz besonders zutrifft:

“Stolz geht dem Sturz, und Hochmut dem Fall voraus.“

(Sprüche 16, 18 ELBEDHÜ)

Was können wir also aus dem Bericht über den Besuch der Königin von Scheba am Hof Salomos lernen? Die Antwort findet sich in Sprüche 23, 26 (ELBEDHÜ):

Gib mir, mein Sohn, dein Herz, und lass deine Augen Gefallen haben an meinen Wegen!“

David, Salomos Vater, wurde “ein Mann nach dem Herzen Gottes“ genannt (Apostelgeschichte 13, 22), denn obwohl auch David sündigte, richtete er sein Herz immer wieder neu auf Gott aus und tat Buße. Von Salomo lesen wir nichts dergleichen. Während David auf diese Weise zum Vorbild für alle Könige Israels wurde, bleibt von Salomo dessen trauriges Ende in Erinnerung.
Wie wichtig ist es, dass wir ein ungeteiltes Herz für Gott haben und, wann immer wir fehlen, unser Herz neu auf Ihn ausrichten.
Salomo kannte das Gesetz Gottes, er konnte sogar große Teile desselben bei der Einweihung des Tempels zitieren. Doch er handelte nicht nach allem, was im Gesetz Gottes geschrieben war. Wie verhalten wir uns? Kennen wir das Wort Gottes ohne es zu befolgen? Dann, so sagt es der Apostel Jakobus, betrügen wir uns selbst und dann befinden wir uns in derselben Gefahr, wie Salomo:

“Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen. Denn wenn jemand ein Hörer des Wortes ist und nicht ein Täter, der gleicht einem Mann, der sein natürliches Angesicht in einem Spiegel betrachtet. Denn er hat sich selbst betrachtet und ist weggegangen, und er hat sogleich vergessen, wie er beschaffen war. Wer aber in das vollkommene Gesetz, das der Freiheit, nahe hineinschaut und darin bleibt, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, der wird glückselig sein in seinem Tun.“

(Jakobus 1, 22 – 25 ELBEDHÜ)

Wo das Herz eines Menschen demütig ganz auf Gott ausgerichtet und von dem Wunsch getrieben ist, Sein Wort umzusetzen, da werden auch die Bewahrung und der Segen Gottes folgen:

“Denn am Ersten des ersten Monats war der Beginn des Hinaufzugs aus Babel; und am Ersten des fünften Monats kam er nach Jerusalem, weil die gute Hand seines Gottes über ihm war. Denn Esra hatte sein Herz darauf gerichtet, das Gesetz des HERRN zu erforschen und zu tun und in Israel Satzung und Recht zu lehren.“

(Esra 7, 9 – 10 ELBEDHÜ)

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Die Frauen in der Apostelgeschichte – Ein Überblick

BaptistryAtPhilippi

Kapelle in Philippi an dem Ort, an dem Lydia von Paulus wahrscheinlich getauft wurde * Foto: By Ian W. Scott (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or FAL], via Wikimedia Commons

Die Frauen in der Apostelgeschichte

Eine der unter Christen bekanntesten Frauen in der Apostelgeschichte ist Lydia, denn sie war der erste europäische Mensch, der das Evangelium Jesu Christi annahm (Apostelgeschichte 16, 1 ff). Doch neben ihr gibt es noch eine Vielzahl von Frauen in der Apostelgeschichte (nach meiner Zählung sind es 16). Einige dieser Frau gehörten dem christlichen Glauben nicht an, andere leisteten z. T. einen wichtigen Beitrag zur Ausbreitung des Evangeliums. Ich möchte diese Frauen in der Reihenfolge ihres Auftretens in der Apostelgeschichte einmal auflisten und empfehle jedem Leser das Leben dieser Frauen bei Gelegenheit einmal eingehender zu betrachten:

Apostelgeschichte 1, 14: Maria, die Mutter Jesu
Apostelgeschichte 5, 1: Saphira, die Frau des Ananias
Apostelgeschichte 7, 21: die – namentlich nicht genannte – Tochter des Pharao, die Mose aus dem Nil zieht
Apostelgeschichte 9, 36: Tabitha, auch Dorkas genannt, eine Jüngerin
Apostelgeschichte 12, 12: Maria, die Mutter des Johannes Markus, der später ein Mitarbeiter des Apostels Paulus wurde
Apostelgeschichte 12, 13: Rhode, eine Magd
Apostelgeschichte 16, 1 ff.: Lydia, die erste Christin Europas
Apostelgeschichte 16, 1: die – namentlich nicht benannte – Mutter des Timotheus
Apostelgeschichte 16, 16: die Sklavin mit dem Wahrsagegeist, deren Name nicht genannt wird
Apostelgeschichte 17, 34: Damaris, eine Frau die durch die Verkündigung des Apostels Paulus auf dem Areopag in Athen zum Glauben an Jesus Christus fand
Apostelgeschichte 18, 2 ff.: Priszilla, die Frau des Aquila
Apostelgeschichte 19, 24 ff.: Diana, eine heidnische Göttin
Apostelgeschichte 21, 9: die vier – namentlich nicht benannten – Töchter des Philippus
Apostelgeschichte 23, 16: die Schwester des Paulus, deren Name nicht genannt wird
Apostelgeschichte 24, 24: Drusilla, die Frau des römischen Statthalters Felix
Apostelgeschichte 25, 13 + Apostelgeschichte 26, 30: Bernice, die Frau des Königs Agrippa

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Dr. Daniel Wallace: Tischendorf and the Discovery of the Codex Sinaiticus

Dr. Daniel Wallace spricht über Konstantin von Tischendorf, der 1844 den Codex Sinaiticus, die älteste vollständig erhaltene Handschrift des Neuen Testaments, entdeckte. Er räumt dabei auch mit einigen historischen Mythen auf:

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Glaube aus erster Hand – Anmerkungen zu Hiob 42, 1 – 6

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Die Erleuchtung … * Foto: Katharina Wieland Müller / pixelio.de

 

Das Bibelwort, das die Grundlage der Wortbetrachtung am kommenden Sonntag bilden soll, findet sich im 42. Kapitel des Buches Hiob (zum Hintergrund des Buches Hiob siehe: Klick!). Wir betrachten diesen Vers in seinem Kontext:

 

“Und Hiob antwortete dem HERRN und sprach: Ich weiß, dass du alles vermagst und kein Vorhaben dir verwehrt werden kann. Wer ist es, der den Rat verhüllt ohne Erkenntnis? So habe ich denn beurteilt, was ich nicht verstand, Dinge, zu wunderbar für mich, die ich nicht kannte.Höre doch, und ich will reden; ich will dich fragen, und du belehre mich! Mit dem Gehör des Ohres hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum verabscheue ich mich und bereue in Staub und Asche.“

(Hiob 42, 1 – 6 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

 

Zur Person des Hiob

Hiob wird uns in diesem Buch als ein wohlhabender Mensch vorgestellt, dessen Leben auch geistlich gut ausgerichtet ist, denn er wird als gottesfürchtig und gerecht bezeichnet (Hiob 1, 1 – 5). Dann brechen jedoch – quasi wie aus dem Nichts – große Katastrophen in das Leben des Hiob ein: Er verliert seinen Reichtum, seine Kinder (Hiob 1, 6 – 22) und später auch noch seine Gesundheit (Hiob 2, 1 – 10). Von den zwei ersten Katastrophen erhält Hiob Nachricht durch seine Knechte (Hiob 1, 14 – 19). Aus diesem Zusammenhang ist uns der Begriff “Hiobsbotschaft“ bekannt, der in der deutschen Sprache sprichwörtlich geworden ist. Nach diesen Katastrophen erhält Hiob Besuch von seinen drei Freunden Eliphas, Bildad und Zophar (Hiob 2, 11 ff). Mit ihnen diskutiert Hiob die Frage, warum er als gerechter Mensch unschuldig leiden muss. Diese Diskussionen nehmen einen großen Teil des Buches ein (Kapitel 4 – 27). Während die Freunde Hiobs diesem seine Gerechtigkeit absprechen und unbekannte Sünde als Grund für seine Leiden ausmachen, hält Hiob ihnen gegenüber an seiner Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit fest. Gegen Ende des Buches tritt eine weitere Person auf: Elihu (Kapitel 32 – 37). Im Gegensatz zu den drei anderen Freunden Hiobs zeigt er auf, dass Gott den Menschen durch das Leiden läutern und näher zu sich ziehen will. Anschließend spricht Gott zu Hiob (Kapitel 38 – 41). Daraufhin tut dieser Buße, weil er erkennt, dass auch er das Handeln Gottes nicht verstanden und sich selbst überschätzt hatte. Doch er kann bekennen, dass er durch den Prozess, den er durchlebt hat, Gott nun nicht nur besser, sondern erstmals persönlich kennengelernt hat (Hiob 42, 5 – 6).

 

Anmerkungen zu Hiob 42, 1 – 6

* “Und Hiob antwortete dem HERRN und sprach: Ich weiß, dass du alles vermagst und kein Vorhaben dir verwehrt werden kann.“ – Hiob 42, 1 – 2 – Mit diesen  Worten beginnt die zweite Antwort Hiobs an Gott. Sie zeigen uns, welche Veränderung Hiob durch die Begegnung mit Gott, durch die Offenbarung Gottes ihm gegenüber, erlebt hat. Voller Ehrfurcht ruft er aus: “Ich weiß, dass du alles vermagst und kein Vorhaben dir verwehrt werden kann!“ – Eine ähnliche Reaktion auf die Begegnung mit Gott bzw. nach einer Offenbarung Gottes begegnet uns auch im Leben anderer biblischer Personen. So ruft Nebukadnezar, nachdem Gott ihn geheilt hat, aus:

“Und am Ende der Tage erhob ich, Nebukadnezar, meine Augen zum Himmel, und mein Verstand kam mir wieder; und ich pries den Höchsten, und ich rühmte und verherrlichte den ewig Lebenden, dessen Herrschaft eine ewige Herrschaft ist und dessen Reich von Geschlecht zu Geschlecht währt. Und alle Bewohner der Erde werden wie nichts geachtet, und nach seinem Willen tut er mit dem Heer des Himmels und mit den Bewohnern der Erde; und da ist niemand, der seiner Hand wehren und zu ihm sagen könnte: Was tust du?‘

(Daniel 4, 31 – 32 ELBEDHÜ)

Auch von Petrus ist uns ein ähnlicher Ausruf überliefert:

“Als aber Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi gekommen war, fragte er seine Jünger und sprach: Wer sagen die Menschen, dass [ich], der Sohn des Menschen, sei? Sie aber sagten: Die einen: Johannes der Täufer; andere aber: Elia; und wieder andere: Jeremia oder sonst einer der Propheten. Er spricht zu ihnen: Ihr aber, wer sagt ihr, dass ich sei? Simon Petrus aber antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Glückselig bist du, Simon, Bar Jona; denn Fleisch und Blut haben es dir nicht offenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist.

(Matthäus 16, 13 – 17 ELBEDHÜ)

Hiob war sich zu diesem Zeitpunkt, wie niemals zuvor in seinem Leben, der Allmacht und Größe, der Weisheit und Kraft Gottes, bewusst. Ähnliches erlebte Jesaja in Bezug auf die Heiligkeit Gottes, als er Gott begegnete:

“Im Todesjahr des Königs Ussija, da sah ich den Herrn sitzen auf hohem und erhabenem Thron, und seine Schleppen füllten den Tempel. Seraphim standen über ihm; jeder von ihnen hatte sechs Flügel: Mit zweien bedeckte er sein Angesicht, und mit zweien bedeckte er seine Füße, und mit zweien flog er. Und einer rief dem anderen zu und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR der Heerscharen, die ganze Erde ist voll seiner Herrlichkeit! Und es erbebten die Grundfesten der Schwellen von der Stimme der Rufenden, und das Haus wurde mit Rauch erfüllt. Und ich sprach: Wehe mir! Denn ich bin verloren; denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen, und inmitten eines Volkes mit unreinen Lippen wohne ich; denn meine Augen haben den König, den HERRN der Heerscharen, gesehen.

(Jesaja 6, 1 – 5 ELBEDHÜ)

Fast dreitausend Jahre später begegnet ein jüdischer Pharisäer auf der Straße nach Damaskus dem Schöpfer dieses Universums (Hebräer 1, 2; Apostelgeschichte 9, 1 f). Der Mann, der von sich selbst sagen könnte, dass er “nach der Gerechtigkeit, die das Gesetz fordert, untadelig“ war (Philipper 3, 5 – 6), fasst den Schrei, der bei dieser Begegnung  seinem Herzen entsprang, später so zusammen:

“Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leib des Todes? –“

(Römer 7, 24 ELBEDHÜ)

Das ist es, was eine Begegnung mit dem einzig wahren und  lebendigen Gott hervorbringt: Selbsterkenntnis, Gotteserkenntnis, Glaube. Glaube aus erster Hand, Glaube, wie niemand ihn haben kann, der nur “von Gott gehört“ hat, Ihm aber niemals selbst begegnet ist.  Es ist die Begegnung mit dem wahren und lebendigen Gott, die im Herzen Hiobs echte Ehrfurcht entstehen lies. Das ist keine Ehrfurcht, die Hiob praktiziert, weil sie irgendein Gesetz fordert. Es ist eine Ehrfurcht, wie sie nur aus einer Begegnung mit dem wahren und lebendigen Gott entstehen kann, der zugleich vollkommene Heiligkeit und vollkommene Liebe ist. Diese Begegnung mit Gott, sie verschließt Hiobs Lippen. Er äußert keinerlei Anklage gegen Gott mehr, weil er zweierlei begriffen hat:

  • Der allmächtige Gott hat das Recht, mit Seinen Geschöpfen zu tun und zu lassen, was Er will. “(…) und da ist niemand, der seiner Hand wehren und zu ihm sagen könnte: Was tust du?“‘ (Daniel 4, 32b).
  • Weil Gott Seine Allmacht nie ohne Seine Liebe ausübt (Hiob 36, 3 – 7), vermag Er auch das schwerste Leid, das uns widerfährt, in Segen bzw. zu unserem Guten zu verwandeln. 

Hiob erkannte, wie töricht es angesichts der Allmacht und Allweisheit (Hiob 36, 5) Gottes war, Sein Handeln zu kritisieren. Der Unterschied zwischen jenen, die Gott inmitten ihrer Katastrophen anbeten und jenen, die Gott inmitten ihrer Katastrophen anklagen, besteht allein darin, dass Erstere Gott inmitten ihrer Katastrophen begegnet sind und Gott sich ihnen offenbaren konnte. 

* “Wer ist es, der den Rat verhüllt ohne Erkenntnis? So habe ich denn beurteilt, was ich nicht verstand, Dinge, zu wunderbar für mich, die ich nicht kannte.“ – Hiob 42, 3 – Hiob bekennt, dass er – ein sterblicher Mensch mit einem begrenzten Verständnis – Gottes Handeln beurteilen wollte. Er wollte das Handeln Gottes beurteilen, dem er zuvor nie selbst begegnet war! Wie oft haben Menschen vor und nach Hiob so gehandelt. Wir be- und verurteilen Menschen, ohne sie wirklich zu kennen, und wir be- und verurteilen Gott, ohne Ihn wirklich zu kennen! Das bekannteste Urteil über Gott lautet: “Wenn Gott Liebe wäre, dann würde Er nicht zulassen, dass XYZ …..“ – Hiob  war bereit, sein unbedachtes Urteil einzugestehen. Darum erfuhr er auch Begnadigung und einen gesegneten Neuanfang mit Gott (vgl. Hiob 42, 10 – 17). Wohl uns, wenn wir uns im Licht Gottes sehen und unsere Sünde bekennen dürfen, ehe es dazu zu spät ist (1. Korinther 11, 31) .

* “Höre doch, und ich will reden; ich will dich fragen, und du belehre mich!“ – Hiob 42, 4 – Mit diesen Worten greift Hiob jene Worte  auf, mit denen Gott ihn zu einer Antwort aufgefordert hatte (vgl. Hiob 38, 3; Hiob 40, 7). Was folgte, war nicht die Antwort nach Art einer Verteidigungsrede, es war ein Bekenntnis Hiobs (Hiob 42, 1 – 3). Nun greift Hiob die Worte Gottes auf und richtet sie als Bitte an Gott.

* “Mit dem Gehör des Ohres hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum verabscheue ich mich und bereue in Staub und Asche.“ – Hiob 42, 5 – 6 – Hiob bekennt, dass er sein Wissen über Gott und seinen Glaube an Gott nur “aus zweiter hand“ hatte. Er hatte von anderen gehört, wer Gott war. Aber dieses Wissen aus zweiter Hand hatte ihn zu falschen Schlussfolgerungen verleitet. Doch dann als er Gott begegnete und dieser sich ihm offenbarte, erkannte Hiob, wer Gott wirklich war.  Und dieses neue Verständnis von Gott führte auch zu einer größeren Selbsterkenntnis. Wenn Hiob hier davon spricht, dass er sich verabscheut, dann zielt er damit auf seinen früheren Stolz und Unverstand gegenüber Gott. Hiob hatte eine wirkliche Veränderung seines Sinnes erfahren. Verlangte er kurz zuvor noch nach Rechtfertigung von Gott, so hatte er jetzt viel mehr empfangen: eine Offenbarung Gottes und eine ganz neue Beziehung mit Gott. Hiob hatte viel, ja zeitweise sogar alles verloren, was er besaß. Doch jetzt hatte er Gott gefunden und damit die Quelle des Lebens.

In schwierigen Zeiten, wenn Dinge geschehen, die wir nicht nachvollziehen oder verstehen können,  sind wir alle schnell versucht, der Frustration Raum zu geben. Aber wenn uns bewusst ist, wer Gott ist und dass Er auch in den schwierigsten Situationen die Kontrolle behält, dann können wir in der Beziehung zu Gott Frieden, Ruhe, Zuversicht und Kraft finden.

I'm part of Post A Day 2016

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