Weisheit erlangen – Anmerkungen zu Psalm 90, 1 – 17

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Weisheit * Foto: Richi Choraria via Pixabay

Für die Wortverkündigung am Mittwoch dieser Woche wurde ein Vers aus dem 90. Psalm gewählt. Zum besseren Verständnis betrachten wir diesen Vers im Zusammenhang des Abschnitts, in dem er vorkommt:

“Ein Gebet von Mose, dem Mann Gottes.Herr, du bist unsere Wohnung gewesen von Geschlecht zu Geschlecht.
Ehe geboren waren die Berge und du die Erde und den Erdkreis erschaffen hattest – ja, von Ewigkeit zu Ewigkeit bist du Gott.
Du lässt zum Staub zurückkehren den Menschen und sprichst: Kehrt zurück, ihr Menschenkinder!
Denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der gestrige Tag, wenn er vergangen ist, und wie eine Wache in der Nacht.
Du schwemmst sie weg, sie sind wie ein Schlaf; am Morgen wie Gras, das aufsprosst: Am Morgen blüht es und sprosst auf, am Abend wird es abgemäht und verdorrt.
Denn wir vergehen durch deinen Zorn, und durch deinen Grimm werden wir weggeschreckt. Du hast unsere Ungerechtigkeiten vor dich gestellt, unser verborgenes Tun vor das Licht deines Angesichts. Denn alle unsere Tage schwinden durch deinen Grimm, wir bringen unsere Jahre zu wie einen Gedanken.
Die Tage unserer Jahre – es sind siebzig Jahre, und wenn in Kraft, achtzig Jahre, und ihr Stolz ist Mühsal und Nichtigkeit, denn schnell eilt es vorüber, und wir fliegen dahin. Wer erkennt die Stärke deines Zorns und, deiner Furcht gemäß, deinen Grimm?
So lehre uns denn zählen unsere Tage, damit wir ein weises Herz erlangen!
Kehre wieder, HERR! – Bis wann? – Und lass es dich über deine Knechte gereuen! Sättige uns früh mit deiner Güte, so werden wir jubeln und uns freuen in allen unseren Tagen. Erfreue uns nach den Tagen, da du uns gebeugt hast, nach den Jahren, da wir Böses gesehen haben! Lass deinen Knechten dein Tun erscheinen und deine Majestät über ihren Söhnen! Und die Huld des Herrn, unseres Gottes, sei über uns! Und befestige über uns das Werk unserer Hände; ja, das Werk unserer Hände, befestige es!“

(Psalm 90, 1 – 17 ÜELBEDHÜ, z. Vgl. Luther’84)

 

Zum Hintergrund: Das 4. Buch des Psalters

Wie ich bereits in den Anmerkungen zu anderen Psalmen geschrieben habe, ist es auch an dieser Stelle nicht möglich, den Hintergrund des großen und umfangreichen biblischen Buches der Psalmen in seinen Einzelheiten zu betrachten. Deshalb folgen auch hier nur einige grundlegende Informationen zum Buch der Psalmen, insbesondere zum 4. Buch des Psalters, in dem der heute zu betrachtende Psalm steht:
Das Buch der Psalmen (תְּהִלִּים bzw. תהילים, “Tehillim“ = die Preisungen/Lobpreisungen) ist das erste Buch der “Ketuvim“, d.h. der “Schriften“, also des dritten und letzten Abschnitts der jüdischen Heiligen Schrift. Der Begriff “Preisungen“ bzw. “Lobpreisungen“ ist sehr treffend gewählt für dieses biblische Buch, da jeder der 150 Psalmen, mit Ausnahme von Psalm 88, Lobpreisungen Gottes enthält.
Unser deutsches Wort “Psalm“ ist die eingedeutschte Form des griechischen Wortes “ψαλμός“ (“psalmos“) bzw. der “ψαλμοί“ (“psalmoi“), womit “Worte bzw. Lieder mit instrumentaler Begleitung“ bezeichnet wurden (vgl. Lukas 20, 42; Apostelgeschichte 1, 20).  Das gesamten Buches der Psalmen wurde in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta (LXX), als “ψαλτήριον“ (“psalterion“) bezeichnet. Darauf zurückgehend entwickelte sich unser Begriff “Psalter“, mit dem auch heute noch das ganze Buch bzw. die Gesamtheit der 150 Psalmen bezeichnet wird.

Traditionell wird das Buch der Psalmen in fünf große Abschnitte bzw. Bücher unterteilt:

Buch I (Psalm 1Psalm 41)

Buch II (Psalm 42Psalm 72)

Buch III (Psalm 73Psalm 89)

Buch IV (Psalm 90Psalm 106)

Buch V (Psalm 107 Psalm 150)

Auf wen diese Unterteilung zurückzuführen ist, ist genauso unbekannt, wie die Kriterien, nach denen die einzelnen Psalmen dem jeweiligen Buch zugeordnet wurden. Manche Kommentatoren sehen in dieser Aufteilung eine Parallele zu den fünf Büchern Mose, d.h. der Torah.
Das 4. Buch des Psalters, in dem wir den heute zu betrachtenden  Psalm finden, wird auch als “Buch des Königs“ bezeichnet, denn Gott wird in diesem Buch als König Israels angesprochen. Dieses Buch enthält insgesamt 17 Psalmen (Psalm 90Psalm 106). Von diesen 17 Psalmen stammt ein Psalm von Moses (Psalm 90), zwei weitere wurden von König David verfasst (Psalm 101; Psalm 103). Die restlichen 14 Psalmen stammen von Liederdichtern, die uns namentlich nicht bekannt sind. Dieses Psalmbuch beginnt mit einem Psalm von Mose (Psalm 90) und es endet mit einem Psalm, in dem es vorrangig um Mose geht (Psalm 106). Weitere Themen dieses Psalmbuches sind die Kürze des menschlichen Lebens, die zukünftige Herrschaft Gottes über diese Erde und wie der Mensch, dem diese Hoffnung verkündet wurde, darauf reagieren soll. Auch Gottes schöpferische und alles erhaltende  Kraft ist ein wichtiges Thema in diesen Psalmen
In Psalm 90 bittet Mose Gott das Volk Israel zu segnen und zwar insbesondere angesichts der Kürze und Fragilität des menschlichen Lebens. Der Eingangsvers erinnert an den Segen, den Mose den Stämmen Israels erteilt (5. Mose 33, 1). Kommentatoren gehen aufgrund seines Inhalts davon aus, dass dieser Psalm  während der Wüstenwanderung geschrieben wurde, eventuell  in Pisga (5. Mose 34, 1 f.).
Im Verlauf der Kirchengeschichte wurde dieser Psalm, neben 1. Korinther 15, zu einem festen Bestandteil von Beerdigungsliturgien und fand – in paraphrasierter Form – auch Eingang in das christliche Liedgut, so insbesondere in das bekannte Lied ‚‚O God, our help in ages past“ von Isaac Watts. (Dieses Lied wurde u.a. auch während des Trauergottesdienstes am 14.09.2001 für die Opfer der Terroranschläge des 11. September 2001 in der National Cathedral in Washington gesungen.)

Anmerkungen zu Psalm 90, 1 – 17

* “Ein Gebet von Mose, dem Mann Gottes. Herr, du bist unsere Wohnung gewesen von Geschlecht zu Geschlecht. Ehe geboren waren die Berge und du die Erde und den Erdkreis erschaffen hattest – ja, von Ewigkeit zu Ewigkeit bist du Gott. Du lässt zum Staub zurückkehren den Menschen und sprichst: Kehrt zurück, ihr Menschenkinder! Denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der gestrige Tag, wenn er vergangen ist, und wie eine Wache in der Nacht. Du schwemmst sie weg, sie sind wie ein Schlaf; am Morgen wie Gras, das aufsprosst: Am Morgen blüht es und sprosst auf, am Abend wird es abgemäht und verdorrt.“Psalm 90, 1 – 6 –  Ein wichtiges Thema dieses Psalms ist, wie eingangs gesagt, die Kürze und Fragilität des menschlichen Lebens. Doch bevor Mose dieses Thema anspricht, widmet er die ersten Verse seines Psalms dem ewigen Gott. Alle Generationen zuvor haben in Ihm “Wohnung“, d.h. Schutz und Heimat, gefunden. Der ewige Gott ist “von Ewigkeit zu Ewigkeit“, d.h. Er überdauert die Schöpfung und damit auch das Leben eines jeden Menschen.
Aus Gottes ewiger Perspektive sind selbst 1.000 Jahre nur wie ein Tag (vgl. 2. Petrus 3, 8). Gott steht über der Zeit und wird von ihr – im Gegensatz zu uns geschaffenen Menschen – nicht eingeschränkt. Im Vergleich zur Ewigkeit Gottes sind die 70, 80 oder vielleicht 90 Jahre, die ein Mensch lebt, verschwindend kurz. Davon sprechen auch die Begriffe der Nachtwache, die nur vier Stunden betrug, der Wasserflut, die vorbei rauscht, des Schlafes, der Vergangenheit ist, sobald ein Mensch erwacht, des Grases, das schnell aufsprosst und bei Hitze oder wenn es gemäht wird, in Kürze verdorrt.

* “Denn wir vergehen durch deinen Zorn, und durch deinen Grimm werden wir weggeschreckt. Du hast unsere Ungerechtigkeiten vor dich gestellt, unser verborgenes Tun vor das Licht deines Angesichts. Denn alle unsere Tage schwinden durch deinen Grimm, wir bringen unsere Jahre zu wie einen Gedanken. Die Tage unserer Jahre – es sind siebzig Jahre, und wenn in Kraft, achtzig Jahre, und ihr Stolz ist Mühsal und Nichtigkeit, denn schnell eilt es vorüber, und wir fliegen dahin. Wer erkennt die Stärke deines Zorns und, deiner Furcht gemäß, deinen Grimm? So lehre uns denn zählen unsere Tage, damit wir ein weises Herz erlangen!“90, 7 – 12  – Zuerst kommt Moses auf den Grund zurück, warum das menschliche Leben so kurz ist: Es ist die Sünde, die den Menschen vom ewigen Leben trennt (vgl. Römer 6, 23). Denn durch die Sünde hat sich der Menschen von Gott – und damit von der Quelle des Lebens  (Psalm 36, 9) – getrennt. Erst durch den Sündenfall, die willentliche Loslösung des Menschen von Gott, kam der Tod in die Welt und dadurch die Begrenzung des menschlichen Lebens.
Gottes Gericht über die Menschen, hier als “dein Zorn“ bezeichnet, hat nichts mit der menschlichen Emotion des Zorns gemeinsam. Gott zürnt und richtet nicht, weil Ihm danach ist oder Er es möchte. Sein Gericht entspricht Seiner Gerechtigkeit, Seinem gerechten Charakter. Auch das Gericht über den in Sünde gefallenen Menschen (1. Mose 3, 1 f.) war “nur“ die konsequente Folge des Gebotes Gottes (vgl. 1. Mose 2, 15 – 17) und damit gerecht.
Während Menschen sich mit der Illusion betrügen, es sei schon nicht so schlimm, was sie tun und Gott würde „Fünfe grade sein lassen“ (vgl. Psalm 10, 11; Psalm 94, 6 – 7), sind dem ewigen Gott selbst die Sünden, die wir vor anderen Menschen erfolgreich verbergen können, nicht unbekannt.
Da die Tage eines menschlichen Lebens begrenzt sind und kein Mensch weiß, wann er an das Ende seiner Tage gelangten wird, fordert Mose dazu auf, von Gott zu lernen und unsere “Tage zu zählen“ (Vers 12).  Das bedeutet, dass wir zuerst einmal erkennen, wie kurz unsere Lebensspanne im Vergleich zur Ewigkeit ist. Das Nachdenken über die Kürze, Fragilität und vielfältige Begrenztheit unseres Lebens soll uns dann zu der Erkenntnis führen, wie wichtig es ist, dass wir unsere Lebenszeit weise nutzen (vgl. Prediger 12, 1 – 7).
Die Weisheit, die hier angesprochen wird, hat nichts zu tun mit der “Weisheit“ der griechischen Philosophie, vor der wir an verschiedenen Stellen des Neuen Testaments eindrücklich gewarnt werden (Kolosser 2, 8 + 23; 1. Korinther 1, 17 – 24 + 30). Die Weisheit, nach der Gläubige streben sollen, ist die Weisheit, die allein Gott schenken kann (Daniel 2, 20 – 21; Jakobus 1, 5). Der Empfang dieser Weisheit ist nicht abhängig von der Erziehung oder Bildung, die ein Mensch genossen hat. Auch sozialer Status oder besondere finanzielle Mittel sind keine Bedingungen, um in den Genuss der Weisheit Gottes zu kommen. Die Heilige Schrift nennt uns zwei Voraussetzungen, die wir erfüllen müssen, um göttliche Weisheit zu empfangen:

  1. Gott in Demut und Ehrfurcht begegnen (Sprüche 1, 7; Sprüche 9, 10; Sprüche 11, 2; Sprüche 15, 33; Hiob 28, 28).
  2. Wir müssen mit einem so starken inneren Verlangen (hebr. “בָּקַשׁ“), mit solcher Leidenschaft und Ausdauer nach göttlicher Weisheit streben, als würden wir einen vergrabenen Schatz suchen (Sprüche 2, 1 – 5), wobei die Weisheit Gottes mit keinen irdischen Schatz zu vergleichen ist. Dieses Streben (das willentliche Anstrengung voraussetzt) nach göttlicher Weisheit soll sich gemäß Sprüche 2, 1 – 9 primär im Hören auf das Wort Gottes und im anhaltenden Gebet um göttliche Weisheit äußern. Denn die Weisheit, vor der die Heilige Schrift spricht, ist die Weisheit, die Gott uns in der Person Seines Sohnes (1. Korinther 1, 30; Kolosser 2, 1 – 3) und durch Sein Wort (Sprüche 2, 6; 1. Korinther 2, 13) geoffenbart hat bzw. offenbaren will. Der englische Ausleger William Kelly weist im Zusammenhang mit Sprüche 2, 1 f. darauf hin¹, dass wir in Lukas 10, 38 f. ein gutes Beispiel für das Streben nach göttlicher Weisheit finden. Der Evangelist Lukas berichtet uns in diesen Versen davon, wie der Herr Jesus Christus und Seine Jünger im Haus der Geschwister Martha, Maria und Lazarus in Bethanien aufgenommen werden. Während Maria sich in vielen Aktivitäten für die angekommenen Gäste ergeht, wählt Martha den Platz zu den Füßen des Herrn, um Seinen Worten zuzuhören. Als sich Maria über die “Untätigkeit“ ihrer Schwester Martha beschwert, wird sie von dem Herrn zurechtgewiesen. Nicht die selbst erwählte Aktivität Marias, sondern das Sprüche 2, 2 (“so dass du dein Ohr aufmerksam auf Weisheit hören lässt, dein Herz neigst zum Verständnis“) entsprechende Verhalten Marthas wird von Ihm als “das gute Teil“ bezeichnet, das es zu erwählen gilt. Heute steht der Aktionismus in vielen christlichen Kreisen hoch im Kurs. Man meint, durch spezielle “Events“ Menschen für den christlichen Glauben gewinnen zu können. Die “Ergebnisse“ sprechen eine beredte Sprache. Wieviel besser würden wir unseren Mitgläubigen und unseren Mitmenschen dienen können, wenn wir auf unseren selbst erwählten, dem Willen Gottes oftmals widersprechenden, Aktionismus verzichten und das “gute Teil“ erwählen würden?!

Während sich die “Weisheit“ der Philosophen in Spekulationen ergeht und maßgeblich eine Angelegenheit des Denkens ist, leitet die Weisheit Gottes den Gläubigen dazu an, die ewigen Dinge und Wege Gottes von vergänglichen Dingen und Wegen der Menschen zu unterscheiden und aus dieser Unterscheidung ganz konkrete, praktische Handlungsmöglichkeiten abzuleiten. Die uns in der so genannten biblischen “Weisheitsliteratur“ vorgestellte göttliche Weisheit ist immer eine Weisheit, die sich im Leben unter Beweis stellt (vgl. Jakobus 3, 13 – 18!). Das hebräische Wort für Weisheit, “חָכמָה“ (“chokmah“) meint nicht nur eine “Liebe zur Weisheit“ (so das griechische Wort “φιλοσοφία“ (“philosophia“), sondern konkrete Weisheit im alltäglichen Leben. So wird “חָכמָה“ (“chokmah“) u.a. als Geschicklichkeit in der Kriegsführung, der Verwaltung bzw. der Regierung, als sittliches oder geistliches Verständnis,  als Klugheit und als Umsicht übersetzt.

* “Kehre wieder, HERR! – Bis wann? – Und lass es dich über deine Knechte gereuen! Sättige uns früh mit deiner Güte, so werden wir jubeln und uns freuen in allen unseren Tagen. Erfreue uns nach den Tagen, da du uns gebeugt hast, nach den Jahren, da wir Böses gesehen haben!“ Psalm 90, 13 – 15 – Mose beendet seinen Psalm mit zwei Bitten. In den Versen 13 – 15 finden wir zuerst die Bitte um Gottes Güte und Barmherzigkeit für Sein Volk. Mose bittet, Gott möge mit Güte und Barmherzigkeit zu Seinem Volk zurückkehren. Das Entspricht seinem Wissen über den Charakter Gottes.  Für das Volk, das sich aufgrund seiner Sünde vor Gott beugen und “Böses“, d.h. die Folgen seiner Sünde, sehen musste (Psalm 31, 10; Psalm 39, 11), erbittet er nun Gottes Güte und Freude. Beides – Gottes Güte und Freude in Gott – sind auch Teil derer, die nach der Weisheit Gottes streben (Prediger 2, 26).

* “Lass deinen Knechten dein Tun erscheinen und deine Majestät über ihren Söhnen! Und die Huld des Herrn, unseres Gottes, sei über uns! Und befestige über uns das Werk unserer Hände; ja, das Werk unserer Hände, befestige es!“Psalm 90, 16 – 17 – Die zweite Bitte, die Mose an Gott heran trägt, ist die Bitte um Gottes Gegenwart unter und die Bitte um Gottes Segen über Seinem Volk. Nur auf diese Weise würde das kurze menschliche Leben von Freude erfüllt sein können. Nur durch die Gegenwart und den segen Gottes würde das Werk “ihrer Hände“ Bestand haben und nicht sinnlos vergehen.

Die neutestamentarische Anwendung

In 1. Korinther 10, 6 erklärt uns der Apostel Paulus:

“Diese Dinge aber sind als Vorbilder für uns geschehen, (…)“

Welche Hinweise können wir aus Psalm 90, 1 – 17 für unser Leben als Christen entnehmen?

Gott hat die Schuld unserer Sünde/n weggenommen, als Sein Sohn am Kreuz für uns starb und dieses Handeln Gottes wurde in unserem Leben wirksam, als wir begannen, Jesus Christus als unserem Erlöser zu vertrauen. Doch auch wenn der Christ Erlösung erfahren hat und die ewigen Konsequenzen der Sünde von ihm genommen wurden, so ist er trotzdem noch immer den irdischen Folgen der Sünde – und damit dem Tod seines Leibes – unterworfen. Auch für einen Christen kann das – irdische Leben – kurz sein. Selbst die hingegebensten Gläubigen müssen sterben. Auch Christen tun daher gut daran, die in Psalm 90, 12 überlieferte Ermahnung zu befolgen, indem sie “ihre Tage zählen“ und mit leidenschaftlicher Ausdauer danach streben, Gottes Weisheit für jeden Tag dieses kurzen, fragilen Lebens zu durch die Gemeinschaft mit Gott im Gebet und durch das Hören auf Sein Wort empfangen. Indem wir in dieser Weisheit Seinen Weg für unser Leben gehen, werden wir nicht nur selbst Freude und Zuversicht empfangen, sondern auch in der Lage sein, einen ganz praktischen, nützlichen Beitrag  für unsere Umwelt zu leisten. 

Fußnoten:
¹= William Kelly: “Major Works“, Anmerkungen zu Proverbs 2, 1 f.; zitiert nach dem gleichnamigen Modul der “The Word“ Software,  V. 1.0

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BAB am 27.02.2017

Bemerkenswertes aus der Blogosphäre … und von anderswo her:

* Lesenswert I : Zwingliusredivivus: “Signs of the Times“: Klick!

* Lesenswert II:  Enough Light: “Are you trying to study the Bible without reading it?“: Klick!

* Lesenswert III: NZZ.ch: “Kirchen ohne Nachwuchs: Unheilige Jugend“: Klick!

* Lesensewert IV: The Cripplegate: “For Lent, giving up Lent“: Klick!

* Lesenswert V: Bible History Daily: “Biblical Sha’arayim: Khirbet Qeiyafa’s Second Gate Discovered“: Klick!

* Sehenswert I: Caspar David Friedrich

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Mit aller Kraft – Anmerkungen zu Psalm 5, 1- 13

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Glaube * Foto: Michel Bertolotti, via Pixabay

 

Für die Wortverkündigung am Mittwoch dieser Woche wurde ein Vers aus dem 5. Psalm gewählt. Zum besseren Verständnis betrachten wir diesen Vers im Zusammenhang des gesamten Psalms:

“Dem Vorsänger, zu Nechilot. Ein Psalm von David.
Nimm zu Ohren, HERR, meine Worte, merke auf mein Seufzen! Horche auf die Stimme meines Schreiens, mein König und mein Gott! Denn zu dir bete ich.
Früh wirst du, HERR, meine Stimme hören, früh werde ich dir mein Anliegen vorstellen und harren. Denn nicht ein Gott bist du, der an Gottlosigkeit Gefallen hat; bei dir wird das Böse nicht weilen. Nicht werden die Toren bestehen vor deinen Augen; du hasst alle, die Frevel tun. Du wirst die Lügenredner vertilgen; den Mann des Blutes und des Truges verabscheut der HERR. Ich aber, ich werde in der Größe deiner Güte eingehen in dein Haus, ich werde anbeten in deiner Furcht gegen deinen heiligen Tempel. Leite mich, HERR, in deiner Gerechtigkeit um meiner Feinde willen; ebne vor mir deinen Weg. Denn in ihrem Mund ist nichts Zuverlässiges; ihr Inneres ist Verderben, ein offenes Grab ihr Schlund; ihre Zunge glätten sie. Lass sie büßen, o Gott; mögen sie fallen durch ihre Pläne! Stoße sie weg wegen der Menge ihrer Übertretungen, denn sie sind widerspenstig gegen dich gewesen. So werden sich freuen alle, die zu dir Zuflucht nehmen: Ewig werden sie jubeln, und du wirst sie beschirmen; und in dir werden frohlocken, die deinen Namen lieben. Denn du wirst den Gerechten segnen; HERR, mit Gunst wirst du ihn umgeben wie mit einem Schild.“

(Psalm 5, 1 – 13 ÜELBEDHÜ, z. Vgl. Luther’84)

 

Zum Hintergrund: Das 1. Buch des Psalters

Wie ich bereits in den Anmerkungen zu anderen Psalmen geschrieben habe, ist es auch an dieser Stelle nicht möglich, den Hintergrund des großen und umfangreichen biblischen Buches der Psalmen in seinen Einzelheiten zu betrachten. Aus diesem Grund folgen auch hier nur einige grundlegende Informationen zum Buch der Psalmen, insbesondere zum 1. Buch des Psalters, in dem wir den heute zu betrachtende Psalm finden:
Das Buch der Psalmen (תְּהִלִּים bzw. תהילים, “Tehillim“ = die Preisungen/Lobpreisungen) ist das erste Buch der “Ketuvim“, d.h. der “Schriften“, also des dritten und letzten Abschnitts der jüdischen Heiligen Schrift. Der Begriff “Preisungen“ bzw. “Lobpreisungen“ ist sehr treffend gewählt für dieses biblische Buch, da jeder der 150 Psalmen, mit Ausnahme von Psalm 88, Lobpreisungen Gottes enthält.
Unser deutsches Wort “Psalm“ ist die eingedeutschte Form des griechischen Wortes “ψαλμός“ (“psalmos“) bzw. der ψαλμοί“ (“psalmoi“), womit “Worte bzw. Lieder mit instrumentaler Begleitung“ bezeichnet wurden (vgl. Lukas 20, 42; Apostelgeschichte 1, 20).  Das gesamten Buches der Psalmen wurde in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta (LXX), als “ψαλτήριον“ (“psalterion“) bezeichnet. Darauf zurückgehend entwickelte sich unser Begriff “Psalter“, mit dem auch heute noch das ganze Buch bzw. die Gesamtheit der 150 Psalmen bezeichnet wird.

Traditionell wird das Buch der Psalmen in fünf große Abschnitte bzw. Bücher unterteilt:

Buch I (Psalm 1Psalm 41)

Buch II (Psalm 42Psalm 72)

Buch III (Psalm 73Psalm 89)

Buch IV (Psalm 90Psalm 106)

Buch V (Psalm 107 Psalm 150)

Auf wen diese Unterteilung zurückzuführen ist, ist genauso unbekannt, wie die Kriterien, nach denen die einzelnen Psalmen dem jeweiligen Buch zugeordnet wurden. Manche Kommentatoren sehen in dieser Aufteilung eine Parallele zu den fünf Büchern Mose, d.h. der Torah.
Im 1. Buch des Psalters, das die Psalmen 1 bis 41 umfasst, befindet sich jener Psalm, den wir heute betrachten wollen. Die überwiegende Anzahl der Psalmen in diesem Buch wurden von David verfasst. Nur vier Psalmen stammen nicht von dem bekanntesten König Israels: Psalm 1, Psalm 2, Psalm 10 und Psalm 33 enthalten keine Angaben zu ihrem jeweiligen Verfasser. Die in diesem Buch enthaltenen Psalmen spiegeln eine enge Gottesbeziehung wieder. Das wird u.a. daran deutlich, dass sie nicht primär das allgemeinere hebräische Wort für Gott (“Elohim“; 15 Vorkommen), sondern den Namen des Bundesgottes Israels (“Jahwe“; 273 Vorkommen) benutzen. Kommentatoren haben dieses Buch des Psalters auch als “Buch der Erfahrungen“ bezeichnet, da es uns von vielen persönlichen Erfahrungen, die David mit Gott machen durfte, berichtet.
Es gibt einen Grundton, der sich ab Psalm 1 durch dieses ganze erste Psalmbuch zieht. Es ist die Trennung der Gerechten von den Gottlosen. Bei diesen Gottlosen handelt es sich nicht um Menschen aus dem Heidentum, die Gott nicht kennen, sondern um Menschen, die zum irdischen Volk Gottes – Israel – gehören,  Gott jedoch nicht anerkennen. Kommentatoren führen diesen Schwerpunkt darauf zurück, dass die hier zusammengefassten Psalmen in jener Zeit entstanden, in der Konflikt zwischen Saul, dem vom Volk erwählten und von Gott verworfenen König Israels, und David, dem von Gott erwählten, aber noch nicht bestätigten König, ihren Höhepunkt erreichten.
Psalm 5 ist – wie die Psalmen 3 und 4 – ein Gebet Davids, das aus einer Zeit stammt, in der er von Feinden bedrängt wurde.  Alle drei Psalmen ist gleich, dass es sich bei ihnen um individuelle Gebete handelt, die auch Klagen einschließen. In Psalm 5 finden sich jedoch auch Zeiten gemeinschaftlicher Klage (vgl. Verse 11 – 13).

Anmerkungen zu Psalm 5, 1 – 13

* “Dem Vorsänger, zu Nechilot. Ein Psalm von David. Nimm zu Ohren, HERR, meine Worte, merke auf mein Seufzen! Horche auf die Stimme meines Schreiens, mein König und mein Gott! Denn zu dir bete ich.“ – Psalm 5, 1 – 3 –  Der erste Sinnabschnitt dieses Psalms kann als Bitte um Erhörung bezeichnet werden. Aus großer Not und Bedrängnis schreit David  zu Gott um Erhörung seiner dann folgenden Bitten.
“Schreien“ wird als “Ausdruck großer Schmerzen, eines großen Schreckens oder plötzlich auftretender Angst“ verstanden. Es “kann … auch die Form sprachlicher Äußerungen annehmen, etwa durch laute nachdrucksvolle Äußerungen von Worten oder Lauten“ und Schreien “kann eine intensive Aufforderung zum Handeln“¹ sein. Um Letzteres handelt es sich hier bei David. Sein Schreien ist eine intensive Aufforderung an Gott, seine Bitten zu erhören und ihm zu helfen.
Dass Menschen – wie David – diese Not auf ähnliche Weise empfunden und zu Gott geschrien haben, schildert uns die Heilige Schrift an verschiedenen Stellen:

“Und es geschah während jener vielen Tage, da starb der König von Ägypten; und die Kinder Israel seufzten wegen des Dienstes und schrien; und ihr Schreien wegen des Dienstes stieg hinauf zu Gott.“

(2. Mose 2, 23 ELBEDHÜ)

“Und du hast das Elend unserer Väter in Ägypten angesehen und hast ihr Schreien am Schilfmeer gehört.“

(Nehemia 9, 9 ELBEDHÜ)

“Du hast meine Stimme gehört; verbirg dein Ohr nicht vor meinem Seufzen, meinem Schreien!“

(Klagelieder 3, 56 ELBEDHÜ)

Insbesondere in den Psalmen finden wir das Schreien zu Gott an zahlreichen Stellen (vgl. Psalm 9, 13; Psalm 17, 1; Psalm 18, 7; Psalm 28, 2; Psalm 34, 16 + 18; Psalm 40, 2; Psalm 77, 2; Psalm 88, 3 + 14; Psalm 106, 44; Psalm 142, 7; Psalm 145, 19 – um nur einige Stellen zu nennen).

Doch diese Art des intensiven Flehens um die Erhörung von Gebet ist nicht auf das Alte Testament beschränkt. Im Neuen Testament finden sich zwar diesbezüglich nur wenige Hinweise, diese sind jedoch umso bedeutsamer:

In Markus 10, 47 (ELBEDHÜ) wird uns von dem Blinden namens Bartimäus berichtet:

“Und als er hörte, dass es Jesus, der Nazarener, sei, fing er an zu schreien und zu sagen: Sohn Davids, Jesus, erbarme dich meiner!“

Viele Menschen versuchten, den Blinden zum Verstummen zu bringen. Doch Bartimäus ließ sich nicht einschüchtern und schrie umso lauter. Und der Herr Jesus Christus erhörte ihn und ging an dieser flehentlich vorgetragenen Bitte nicht vorbei:

“Und Jesus blieb stehen und sprach: Ruft ihn! Und sie rufen den Blinden und sagen zu ihm: Sei guten Mutes; steh auf, er ruft dich! Er aber warf sein Oberkleid ab, sprang auf und kam zu Jesus. Und Jesus hob an und sprach zu ihm: Was willst du, dass ich dir tun soll? Der Blinde aber sprach zu ihm: Rabbuni, dass ich wieder sehend werde. Und Jesus sprach zu ihm: Geh hin, dein Glaube hat dich geheilt. Und sogleich wurde er wieder sehend und folgte ihm nach auf dem Weg.“

(Markus 10, 49 – 52 ELBEDHÜ)

In vollkommener Übereinstimmung mit diesem “göttlichen Praxisbeispiel“ sagt der Herr Jesus Christus darum auch in seiner Belehrung über das Gebet in Lukas 18, 1 – 8:

“Gott aber, sollte er das Recht seiner Auserwählten nicht ausführen, die Tag und Nacht zu ihm schreien, und ist er in Bezug auf sie langsam?“

(Lukas 18, 7 ELBEDHÜ)

Wir tun gut daran, Ihm, dem Sohn Gottes, diesbezüglich zu vertrauen und Seiner Belehrung zu folgen. Denn der Hebräerbrief bezeugt uns, dass Er selbst während Seines irdischen Dienstes so zu Gott gebetet hat:

“Der in den Tagen seines Fleisches, da er sowohl Bitten als Flehen dem, der ihn aus dem Tod zu erretten vermochte, mit starkem Schreien und Tränen dargebracht hat (und wegen seiner Frömmigkeit erhört worden ist), (..)“

(Hebräer 5, 7 ELBEDHÜ)

* “Früh wirst du, HERR, meine Stimme hören, früh werde ich dir mein Anliegen vorstellen und harren. Denn nicht ein Gott bist du, der an Gottlosigkeit Gefallen hat; bei dir wird das Böse nicht weilen. Nicht werden die Toren bestehen vor deinen Augen; du hasst alle, die Frevel tun.“ – Psalm 5, 4 – 6 – Einige Kommentatoren merken im Zusammenhang mit diesem Vers an, dass “früh“ sich nicht auf den Morgen beziehen würde, da im Judentum der Tag mit dem Sonnenuntergang beginnt. Letzteres ist zwar richtig, jedoch ist das an dieser Stelle gebrauchte hebräische Wort “בּקר“ (“boqer“), womit der Anbruch des Morgens bezeichnet wird. Dieser Hinweis Davids zeigt nicht nur die drängende Not, in der er sich befand, sondern auch die Ernsthaftigkeit, mit der er sein Anliegen verfolgte.  Gleich zu Beginn des Tages betete der König Israels zu Gott. Ihm war bewusst, dass er in seinen drängenden Nöten unbedingt der Hilfe und des Beistandes Gottes bedurfte. Darum richtete er seine Gedanken am frühen Morgen auf Gott aus, ehe die Aufgaben des Tages ihn ablenken und seine Gedanken füllen konnten. Ehe er anderen Menschen begegnete oder sein Tagewerk in Angriff nahm, suchte er zu allererst die Gemeinschaft mit dem allmächtigen Gott. Zum Ihm richtete er seine Gedanken und seine Worte aus.
Die Nöte, die David in dieser Zeit bedrängten, werden uns nicht im Detail geschildert. Aber ganz offensichtlich hatten Gottlosigkeit und Bosheit im Volk Israel, dem irdischen Volk Gottes, Raum gewonnen.
David war davon überzeugt, dass allein Gott diesen Zuständen ein Ende bereiten konnte und dass Er das auch tun würde. Denn David kannte “seinen Gott“ (vgl. Vers 3) und wusste, dass Gottlosigkeit und Böses dem Charakter Gottes vollkommen entgegen stehen.

* “Du wirst die Lügenredner vertilgen; den Mann des Blutes und des Truges verabscheut der HERR.“ – Psalm 5, 7 – In diesem Vers konkretisiert der Psalmist das, was er in den vorausgehenden Versen allgemein als Gottlosigkeit und Böses bezeichnet hat. Es geht um Lüge, Betrug und Gewalttätigkeit, Letzteres ganz offensichtlich bis zum Mord. Eine Gesellschaft, die sich in einem solchen Zustand befindet, kann einen Menschen Verzweifeln lassen. Doch auch in diesem Punkt zieht David seine Zuversicht aus der Kenntnis des Charakters seines Gottes. Er weiß, dass sein Gebet in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes ist, weil der Gott Israels Lüge, Betrug und Gewalttat (ebenfalls) ablehnt. Diese Übereinstimmung mit dem Willen Gottes ist eine Voraussetzung für die Erhörung von Gebet. Wo sie vorhanden ist, darf der Betende sich der Erhörung seines Gebets sicher sein.

* “Ich aber, ich werde in der Größe deiner Güte eingehen in dein Haus, ich werde anbeten in deiner Furcht gegen deinen heiligen Tempel.“ – Psalm 5, 8 – David nahm für sich nicht in Anspruch, aufgrund seiner eigenen Gerechtigkeit vor Gott stehen und Ihm seine Anliegen vortragen zu können (vgl. dazu Daniel 9, 18!). Er vertraute der Güte Gottes und den Verheißungen, die Gott ihm und seinem Haus gegeben hatte (2. Samuel 7, insbesondere Verse 9 – 10). Die demütige Haltung des Königs fand ihren Ausdruck insbesondere  in der Anbetung Gottes und der Heiligung Seines Namens. Diese Demut und die Ehrfurcht vor Gott unterscheiden den gottesfürchtigen Menschen von jenen Menschen, deren Leben von Lüge, Betrug und Gewalttat gekennzeichnet sind.

* “Leite mich, HERR, in deiner Gerechtigkeit um meiner Feinde willen; ebne vor mir deinen Weg.“ – Psalm 5, 9 – Im Gegensatz zu den Gottlosen sucht der gottesfürchtige Mensch die Leitung und Wegweisung Gottes. Es reicht einem solchen Menschen nicht aus, den Weg der Gottlosen zu meiden (vgl. Psalm 1, 1) oder als Gerechter seinen Lebensweg zu gehen. Sein Wunsch ist es, unbedingt den Weg Gottes (“deinen Weg“) zu beschreiten. Es ist sein Wunsch, diesen Weg klar vor sich zu sehen, so dass er nicht mehr davon abweicht (vgl. Psalm 119, 105).

* “Denn in ihrem Mund ist nichts Zuverlässiges; ihr Inneres ist Verderben, ein offenes Grab ihr Schlund; ihre Zunge glätten sie.“ – Das Bestreben, den Weg Gottes klar vor sich zu erkennen, ist dem Gottesfürchtigen wichtig, da er um den Einfluss des Bösen weiß. Dieser Einfluss, der oft seinen  Ausdruck in entsprechenden Worten findet, hat niemals Klarheit, Gedeihen oder Auferbauung, sondern nur Verwirrung, Verderben und Zerstörung, zum Ziel.

* “Lass sie büßen, o Gott; mögen sie fallen durch ihre Pläne! Stoße sie weg wegen der Menge ihrer Übertretungen, denn sie sind widerspenstig gegen dich gewesen. So werden sich freuen alle, die zu dir Zuflucht nehmen: Ewig werden sie jubeln, und du wirst sie beschirmen; und in dir werden frohlocken, die deinen Namen lieben. Denn du wirst den Gerechten segnen; HERR, mit Gunst wirst du ihn umgeben wie mit einem Schild.“ – Psalm 5, 11- 13 – David bat Gott, diese Bösen zur Rechenschaft zu ziehen und zu richten. Aus alttestamentarischer Sicht war eine solche Bitte gerechtfertigt, da sich diese Menschen gegen ihren souveränen Schöpfer erhoben. Der Psalmist stellt dem Gericht Gottes über die Gottlosen den Segen und die Bewahrung gegenüber, die jene Menschen erfahren, die Gott lieben. Wenn der Psalmist hier davon spricht, dass die Gottesfürchtigen “deinen Namen“, d.h. den Namen Gottes, lieben, dann bezieht sich der Begriff “Name“ auf den gesamten Charakter und alle Eigenschaften Gottes.
Die Gottesfürchtigen werden in dem Handeln Gottes gegenüber ihren boshaften Bedrückern Seine Gerechtigkeit erkennen. Gottes fürsorgendes, gerechtes Eingreifen wird bei ihnen Freude, Jubel und Lobpreis Gottes hervorrufen. (Verschiedene Kommentatoren weißen darauf hin, dass wir an dieser Stelle den ersten Hinweis auf Gesang im Buch der Psalmen finden.)

Lehren, die wir aus Psalm 5, 1 – 13 ziehen können

Im 1. Korintherbrief 10,  11 (ELBEDHÜ) schreibt der Apostel Paulus mit Blick auf das Alte Testament:

“[Alle] diese Dinge aber widerfuhren jenen als Vorbilder und sind geschrieben worden zu unserer Ermahnung, auf die das Ende der Zeitalter gekommen ist.“

Welche Lehren und praktischen Anwendungen können wir aus diesem Psalm und der darin zum Ausdruck gebrachten Erfahrung Davids für unser Leben als Christen entnehmen?

Wie David können wir eine innere Haltung kultivieren, die in allen Dingen Gott an die erste Stelle setzt. Diese Haltung kann und soll inbesondere in unserem Gebetsleben zum Ausdruck kommen:
Sind wir – wie David – zu einer vollkommenen Hingabe bereit? Anders gesagt: Widmen wir uns unserem Gebetsleben – und damit unserer Beziehung zu Gott – mit aller Kraft? Sind wir bereit, unsere Anliegen intensiv und mit Nachdruck zu vertreten, d.h. zu Gott zu schreien?  Sind wir uns unserer totalen Abhängigkeit von Gott bewusst? Sind wir uns bewusst, dass wir nicht auf der Grundlage unserer eigenen Gerechtigkeit (die wir gar nicht besitzen, vgl. Römer 3, 11 – 12) zu Gott kommen, sondern weil Er ein barmherziger Gott ist? Wissen wir um Seine liebevolle Fürsorge, die alle uns gegebenen Verheißungen erfüllen möchte? Suchen wir zuerst die Hilfe Gottes? Lassen wir unsere Gedanken zuerst von Ihm erfüllen? Ist es unser Herzensanliegen, nicht nur in Gottesfurcht “unseren“ Lebensweg, sondern den Weg Gottes für unser Leben zu gehen? Sind unsere Anliegen in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes (1. Johannes 5, 14)? Dann dürfen wir wie David darauf vertrauen, dass Gott unser Gebet hört und Seiner Zeit eingreifen wird.

Im Gegensatz zu David leben wir nicht mehr im Zeitalter des Gesetzes, sondern im Zeitalter der Gnade. Darum kann es in unseren Gebeten keine Bitten um Gottes Gericht über jene geben, die uns bedrängen oder Böses antun / angetan haben. Als Menschen, die Vergebung empfangen haben, hat Gott uns durch Seinen Geist und Seine Gnade auch mit der Kraft ausgestattet, anderen zu vergeben (Epheser 4, 32). Unser Gebet wird vielmehr sein, dass Gott diesen Menschen in Seiner Gnade begegnet, damit auch sie Frieden mit Gott (Römer 5, 1) und Vergebung ihrer Sünden (1. Johannes 1, 7 – 9) und damit neues, ewiges Leben empfangen (Johannes 3, 1 – 6). Denn nur Menschen, die mit Gott versöhnt wurden², sind auch in der Lage, sich mit anderen zu versöhnen und so zur Versöhnung unter den Menschen beizutragen³.

Fußnoten: 

¹= alle Zitate nach: https://de.wikipedia.org/wiki/Schreien

²= vgl. “Biblische Begriffe (2): Versöhnung mit Gott“

³= vgl. “Versöhnte als Botschafter der Versöhnung – Anmerkungen zu 2.- Korinther 5, 11 – 21“

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BAB am 20.02.2017

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BAB am 13.02.2017

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* Sehenswert I: Trailer zu einer neuen Luther-Dokumentation, die Ende April erscheinen wird:

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Von offenen Türen und vielen Widersachern – Anmerkungen zu 1. Korinther 16, 5 – 12

Korinth_Muendung / Foto: Wikipedia/Don Vincenzo

Kanal von Korinth. Die Mündung von Korinth * Foto: Don Vincenzo – selbst fotographiert (während einer Schulreise) via Wikimedia Commons


Als Grundlage für die Wortverkündigung am kommenden Sonntag soll ein Vers aus dem 16. Kapitel des 1. Korintherbriefes (zum Hintergrund des 1. Korintherbriefes siehe: Klick!) dienen, den wir in seinem Sinnzusammenhang betrachten werden:

“Ich werde aber zu euch kommen, wenn ich Mazedonien durchzogen habe, denn ich ziehe durch Mazedonien.
Vielleicht aber werde ich bei euch bleiben oder auch überwintern, damit ihr mich geleitet, wohin irgend ich reise; denn ich will euch jetzt nicht auf der Durchreise sehen, denn ich hoffe, einige Zeit bei euch zu bleiben, wenn der Herr es erlaubt. Ich werde aber bis Pfingsten in Ephesus bleiben, denn eine große und wirkungsvolle Tür ist mir aufgetan, und die Widersacher sind zahlreich. Wenn aber Timotheus kommt, so seht zu, dass er ohne Furcht bei euch sei; denn er arbeitet am Werk des Herrn wie auch ich. Es verachte ihn nun niemand. Geleitet ihn aber in Frieden, damit er zu mir komme; denn ich erwarte ihn mit den Brüdern. Was aber den Bruder Apollos betrifft, so habe ich ihm viel zugeredet, dass er mit den Brüdern zu euch komme; und er war durchaus nicht gewillt, jetzt zu kommen, doch wird er kommen, wenn er eine gelegene Zeit finden wird.“

(1. Korinther 16, 5 – 12 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

Zur Situation der Christen in Korinth

Korinth zur Zeit des Apostels Paulus war, wie die Geschichtsforschung vielfach bestätigt, eine Stadt, in der “alles möglich war“. Aufgrund ihrer zentralen maritimen Lage war die Stadt zu einem machtvollen Wirtschaftsknotenpunkt herangewachsen, der Menschen aus allen Teilen des römischen Reiches und von darüber hinaus anzog. So wurde die Stadt auch zu einem Schmelztiegel vieler Kulturen und Religionen. Zahllose Tempel der verschiedensten Götter prägten ihr Bild. Außerdem konnte Korinth auf eine lange Geschichte als Wirkungsstätte verschiedener griechischer Philosophen, Dichter und Redner verweisen, durch die sie geprägt worden war. Eine Philosophie, die den Menschen zum Mittelpunkt aller Dinge machte, Götzendienst und sexuelle Unmoral kennzeichneten den Lebensstil dieser einflussreichen Handelsmetropole.
Auch einige Christen in Korinth hatten sich von diesem Gedankengut anstecken lassen. In ihrem Glauben und Handeln spiegelten sie mehr die heidnischen Vorstellungen der Bürger ihres Wohnortes als die Lehre des Wortes Gottes wider. Unter anderem aus diesem Grund wendet sich der Apostel Paulus mit diesem Brief an die Gläubigen in Korinth. Im ersten Teil des Briefes stellt er den Gläubigen die großen Unterschiede zwischen dem heidnischen Lebensstil und dem Willen Gottes gegenüber (1. Korinther 3, 18 – 23: Die beschränkte menschliche Weisheit im Gegensatz zur unendlichen Weisheit Gottes; 1. Korinther 5, 1 ff.: Sexuelle Unreinheit im Gegensatz zu Gottes gutem Plan der Ehe; 1. Korinther 6, 1 – 11: Gegenseitiges Verklagen vor heidnischen Gerichten im Gegensatz zur göttlichen Kraft der Versöhnung u.a.m.) Der Apostel zeigt den Christen in Korinth in diesem Brief noch einmal die Grundlagen des christlichen Lebens auf, um dann deutlich zu machen, dass der Christ auf diesen Grundlagen durch die Gnade Gottes ein heiliges, Gottes Willen entsprechendes und Christus verherrlichendes Leben führen kann.
Im zweiten Teil des Briefes (1. Korinther 7, 11. Korinther 16, 12) beantwortet der Apostel dann eine Vielzahl von Fragen, die ihm von den Gläubigen in Korinth gestellt wurden. Dabei geht es zuerst um Fragen bzgl. der Ehe und des Verhaltens Unverheirateter (1. Korinther 7, 1 – 40). Anschließend erörtert Paulus Fragen bzgl. des Genusses von Opferfleisch, das auf den Märkten Korinths günstig angeboten wurde, zuvor aber den heidnischen Götzen als Opfer dargebracht worden war (1. Korinther 8, 11. Korinther 11, 1).  In Kapitel 11 geht es dann um das würdige Verhalten der Gläubigen und zwar im Zusammenhang mit der Anbetung (1. Korinther 11, 2 – 16)  sowie im Zusammenhang mit dem Tisch des Herrn (1. Korinther 11, 17 – 34). Die Kapitel 1214 des 1. Korintherbriefes behandeln dann Fragen der Gläubigen bzgl. der geistlichen Gaben und in Kapitel 15 geht Paulus auf Fragen bzgl. der  Auferstehung ein. Er nutzt diese Gelegenheit, um die christliche Lehre darüber ausführlich darzulegen. Das große Thema  des 16. Kapitels dieses Briefes ist die apostolische Belehrung über christliche Haushalterschaft, d.h. die Verwaltung bzw. der praktische Umgang mit Gaben, die Gott dem Christen anvertraut. Diese Belehrung erfolgt durch das persönliche Vorbild des Apostels. Paulus zeigt an drei Beispielen aus der Praxis, wie der Christ diese Gaben auf eine dem Willen Gottes entsprechende Weise verwalten bzw. einsetzen kann. Bei diesen Praxisbeispielen geht es um die finanziellen Mittel, mit denen Gott jedes seiner Kinder versorgt (1. Korinther 16, 1 – 4), dann um Gott gegebene Möglichkeiten, die der Gläubige in seinem Leben entdeckt (1. Korinther 16, 5 – 9) und schließlich um die Menschen, mit denen Gott jeden einzelnen Christen zusammenführt / zusammenstellt (1. Korinther 16, 10 – 24).

Anmerkungen zu 1. Korinther 16, 5 – 9

* “Ich werde aber zu euch kommen, wenn ich Mazedonien durchzogen habe, denn ich ziehe durch Mazedonien.“ 1. Korinther 16, 5  – Nachdem Paulus in den ersten vier Versen über die Sammlung für die Gläubigen in Jerusalem gesprochen hat, spricht er nun über seine Reisepläne, d.h. er äußert sich dazu, welche Gläubigen er in den nahen Zukunft besuchen bzw. in welchen Städten er sich länger aufhalten will. Der Apostel wollte die Korinther wissen lassen, dass er beabsichtigte, erneut nach Korinth zu kommen und dort, wenn es möglich war, einige Monate zu verweilen. Zugleich hoffte er, dass auch Timotheus und Apollos nach Korinth kommen konnten. Zum Zeitpunkt der Abfassung des Briefes befand sich Paulus in Ephesus, einer der größten Städte der Provinz Asia. Er plante von dort aus nach Norden in die Provinz  Mazedonien zu reisen. Von dort aus wollte er Richtung Süden nach Korinth weiterreisen. Wie wir aus dem 2. Korintherbrief wissen (vgl. 2. Korinther 2, 1; 2. Korinther 12, 14; 2. Korinther 13, 1 – 2), änderte Paulus später seine Pläne und reiste direkt von Ephesus nach Korinth, um dann nach Ephesus zurückzukehren (vgl. 2. Korinther 2, 5 – 8; 2. Korinther 7, 12). Erst später besuchte er Mazedonien, um anschließend noch einmal nach Korinth zu reisen (vgl. 2. Korinther 2, 12 – 13; 2. Korinther 7, 6 – 16).

* “Vielleicht aber werde ich bei euch bleiben oder auch überwintern, damit ihr mich geleitet, wohin irgend ich reise; denn ich will euch jetzt nicht auf der Durchreise sehen, denn ich hoffe, einige Zeit bei euch zu bleiben, wenn der Herr es erlaubt.“ 1. Korinther 16, 6 – 7 – Es war die Absicht des Apostels eine längere Zeit in Korinth zu bleiben, um den dort lebenden Gläubigen zu helfen, die unter ihnen aufgetretenen Probleme zu lösen. Allerdings konnte Paulus nicht den Winter 56/57 n. Chr. in Korinth verbringen, sondern erst den Winter 57/58 n. Chr. (vgl. Apostelgeschichte 20, 2 – 3; Römerbrief 1, 23). Indem der Apostel hier sagt, dass er diese Dinge tun möchte “wenn der Herr es erlaubt“, macht er deutlich, dass nicht seine eigenen Planungen, sondern der Wille Gottes bzw. die Leitung des Heiligen Geistes ausschlaggebend sein werden (vgl. hierzu auch: Jakobus 4, 13 – 15). (Dieser Hinweis ist wichtig, da später Gläubige in Korinth behaupteten, Paulus wäre in seinen Aussagen nicht zuverlässig.)

* “Ich werde aber bis Pfingsten in Ephesus bleiben, (…)“1. Korinther 16, 8 – Schawuot, das jüdische “Wochenfest“ bzw. “Fest der Erstlingsfrüchte“, uns Christen als “Pfingsten“ bekannt, wurde 50 Tage nach dem Passahfest gefeiert (vgl. 2. Mose 34, 22; 2. Mose 23, 16; 3. Mose 23, 15 – 21; 4. Mose 28, 26; 5. Mose 16, 1). Zur Zeit des Paulus fiel die Feier dieses Festes zeitlich in die letzten Wochen des Monats Mai bzw. in die ersten Wochen des Monats Juni. Wir können also davon ausgehen, dass Paulus diesen Brief im Frühling 57 n. Chr. verfasst hat (vgl. auch 1. Korinther 5, 7; 1. Korinther 15, 20).

* “(…) denn eine große und wirkungsvolle Tür ist mir aufgetan, und die Widersacher sind zahlreich.“ 1. Korinther 16, 9 –  In zwei weiteren Briefen benutzt Paulus den Begriff der “Tür“ als Synonym für Gott gegebene Möglichkeiten, so in 2. Korinther 2, 12 und Kolosser 4, 3 (siehe auch:  Apostelgeschichte 14, 27; Offenbarung 3, 8). Mindestens zwei Jahre blieb der Apostel in  Ephesus um die Möglichkeiten, die Gott ihm dort zum Dienst unter den Einwohnern dieser Stadt gab, zu nutzen. Es ist in diesem Zusammenhang sehr bemerkenswert, dass der Apostel die “zahlreichen Widersacher“ nicht als Beleg für eine “geschlossene Tür“ oder einen Hinweis Gottes verstand, dass er in eine andere Stadt gehen sollte, wo es weniger Widerstand gegen seinen Dienst gab. Denn Paulus praktizierte, was er lehrte und so  blieb er angesichts des Widerstandes gegen das Evangelium in Ephesus “fest, unerschütterlich und überströmend“ (vgl. “Die Gewissheit, die fest, unerschütterlich und überströmend macht – Anmerkungen zu 1. Korinther 15, 50 – 58“: Klick!).
Um zu verstehen, wie sich der von Paulus erwähnte Widerstand gegen das Evangeliums in Ephesus äußerte und um zu verstehen, welche Lehren wir aus dem Verhalten des Apostels wir für ähnliche Situationen in unserem Leben ziehen können, betrachten wir die Situation, die der Apostel in Ephesus vorfand:

Der Apostel Paulus und die Gläubigen in Ephesus

Ephesus war eine multikulturelle Stadt, ein gesellschaftlicher und religiöser “Schmelztiegel“ für Kleinasien, ähnlich wie es New York viele Jahrhunderte später für die entstehenden Vereinigten Staaten von Amerika sein sollte. Das wurde auch deutlich durch die vielen Kulte, denen neben dem Artemiskult, der oberste Priorität besaß, in Ephesus ebenfalls gehuldigt wurde. Vom phrygischen Kybelekult bis zur Verehrung des römischen Kaisers umfasste die Palette der religiösen Angebote dieser Stadt Heiligtümer für den größten Teil aller Götzen, die im damaligen Mittelmeerraum verehrt wurden. Ephesus war, wie wir aus Apostelgeschichte 19, 19 wissen, auch ein Zentrum des Aberglaubens und der okkulten Praktiken. Aber auch Menschen, die den wahren Gott als den Schöpfer und Bundesgott Israels kannten, lebten in dieser Stadt. Dr. Eckhard J. Schnabel, Professor für Neues Testament am Gordon-Conwell Theological Seminary, verweist in seinem Buch “Urchristliche Mission“ darauf, dass eine Gruppe jüdischer Einwohner in Ephesus seit der Zeit der Seleukiden, also im Zeitraum von 281 v. Chr.  – 190 v. Chr., belegt ist und dass der jüdischen Historiker Flavius Josephus davon berichtet, dass Juden von dem seleukidischen König Antiochus III. (261 v. Chr. – 246 v. Chr.) das Bürgerrecht verliehen wurde¹.

Aus dieser Gruppe jüdischer Bewohner der Stadt Ephesus kamen die ersten Menschen durch den Dienst des Apostels Paulus zum Glauben an den Herrn Jesus Christus. Paulus hatte die Stadt zum ersten Mal auf seiner zweiten Missionsreise (Apostelgeschichte 18, 19 – 21; 1. Korinther 16, 8; je nach Datierung ab 49 n. Chr. bzw. 51 n. Chr.) besucht und dort evangelisiert. Nach seinem Abschied aus Ephesus blieben seine beiden Mitarbeiter Priscilla und Aquila in der Stadt und unterwiesen u.a. Apollos, als dieser nach Ephesus kam (Apostelgeschichte 18, 24). Auch auf der dritten Missionsreise (ca. 53/54 n. Chr. – 58 n. Chr.) machte Paulus in Ephesus Station. Bei dieser Gelegenheit fand er dort eine Gruppe von Jüngern vor, die noch nicht belehrt und getauft worden waren (Apostelgeschichte 19, 1 – 41). Offensichtlich waren diese Jünger mit dem Dienst Johannes des Täufers in Kontakt gekommen, hatten aber keine darüber hinausgehende Belehrung empfangen. Und so sollte sich dann dieser zweite Besuch des Apostels in Ephesus über einen Zeitraum von zwei Jahre erstrecken (Apostelgeschichte 19, 10; 20, 31). In dieser Zeit konzentrierte sich Paulus ganz auf die gründliche Belehrung der Gläubigen, wozu er die “Schule des Tyrannus“ mietete. Parallel dazu blieb der Apostel aber auch seinem Auftrag der Evangelisation treu, so dass viele Menschen in der Region das Evangelium hörten und zum christlichen Glauben fanden (Apostelgeschichte 19, 10).

Gegen Ende seines Aufenthaltes in Ephesus kam es dann zu dem bekannten Aufruhr, angefacht durch den Goldschmied Demetrius (Apostelgeschichte 19, 23Apostelgeschichte 20, 1). Dieser Schmied, der wie viele andere, jene kleinen silbernen Götterbilder der Artemis und ihres Tempels herstellte und verkaufte, sah in der Abwendung vieler Menschen vom Artemiskult und ihrer Hinwendung zum christlichen Glauben eine Bedrohung seines Geschäftsbetriebes. In diesem Aufruhr kam vieles zusammen: Da war zum einen natürlich die Angst, das blühende Geschäft mit den heidnischen Devotionalien und damit die Grundlage für den eigenen Lebensunterhalt und Wohlstand einzubüßen. Diese Angst war ganz eindeutig die treibende Kraft hinter diesem Aufruhr. Aber in Ephesus kamen noch zwei weitere Faktoren hinzu. Die wirtschaftlichen Interessen waren hier eng mit der religiösen Überzeugung und einem daraus resultierenden Stolz auf die Zugehörigkeit zu dieser Stadt verbunden. Die Epheser waren treue Anhänger ihrer Göttin und sie waren stolz darauf, dass ihre Stadt durch deren Heiligtum in der ganzen damaligen Welt berühmt war. So strahlte auch etwas von dem Glanz der Berühmtheit ihrer Göttin auf sie ab. Diese drei Faktoren bedingten und verstärkten einander und sie verstellten den aufgebrachten Ephesern den Blick für die Erlösung in Jesus Christus. (Hier haben wir es mit einem Mechanismus zu tun, den wir auch heute noch – wenn auch in anderen religiösen Kontexten – immer wieder beobachten können: Wirtschaftliche Abhängigkeit, die an Lokalpatriotismus und an die Zugehörigkeit zu einer bestimmten religiösen Gruppe geknüpft ist, verstellt auch heute noch vielen Menschen den Blick und damit auch den Weg zur Erlösung in Jesus Christus.) Seinen Höhepunkt fand dieser Aufruhr, als zahllose aufgebrachte Menschen sich im Theater der Stadt versammelt hatten und – zwei Stunden lang! – laut “Groß ist die Diana [oder Artemis] der Epheser!“ skandierten. So reagieren Menschen, die sich gegenseitig ihrer Überzeugung vergewissern müssen. Eine Massenveranstaltung, auf der lauthals und gemeinsam der “eigene Glaube“ proklamiert wird, soll gegenüber Außenstehenden “Masse“ und “Macht“ demonstrieren und die eigene Gruppe durch “Gemeinschaft“ und “gemeinsames Bekenntnis“ nach innen hin stärken. (Auch diesen Mechanismus können wir – in anderen religiösen Kontexten – auch heute noch beobachten: religiöse Gruppen veranstalten Massenevents, um so vor dem Rest der Gesellschaft “Größe“ und “Geschlossenheit“ zu demonstrieren und um die eigenen Mitglieder durch das [emotionale] Gemeinschaftserlebnis “bei der Stange“ zu halten. Fragt man die Besucher eines solchen “Events“, so geben sie i.d.R. an, dass ihr Glaube dadurch gestärkt worden sei bzw. neue Impulse erhalten habe. Untersuchungen belegen jedoch, dass diese “Glaubensstärkung“ nur kurze Zeit anhält und “verpufft“, wenn sich dieser “Glaube“ im Alltag bewähren muss. Damit unterscheidet sich dieser “Glaube“ eindeutig von dem, was christlicher Glaube in seinem Kern ist: eine Lebensbeziehung zu Gott durch Jesus Christus, die tragfähig und stark bleibt, selbst wenn jede Gemeinschaft mit anderen Gläubigen fehlt. Das Zeugnis vieler tausender Christen, die um ihres Glaubens willen Verfolgung erlitten haben und darum zum Teil Jahrzehnte auf jede Gemeinschaft mit anderen Christen verzichten mussten, ist hierfür ein eindeutiger Beleg. Denn christlicher Glaube, die Lebensbeziehung zu Gott, wird nicht durch die Gemeinschaft mit anderen Menschen [so schön und hilfreich diese Gemeinschaft auch sein kann], sondern allein durch die Gemeinschaft mit Jesus Christus erhalten und gestärkt [vgl. Philipper 4, 10 – 13!])

Wie gesagt, diese drei Faktoren (wirtschaftlicher Wohlstand, verquickt mit religiöser Überzeugung und Stolz auf die Zugehörigkeit zu einer berühmten Stadt) verstellten den aufgebrachten Ephesern den Blick für die Erlösung in Jesus Christus. Viele andere, die durch den Verkündigungsdienst des Apostels Paulus und seiner Mitarbeiter erreicht wurden, erkannten jedoch die Wahrheit und zwar nicht nur die Wahrheit über Jesus Christus, sondern auch die Wahrheit über die “Göttin“ Artemis (oder Diana). Hier müssen wir noch einmal einen Blick in die Geschichte richten: Bevor der in der Apostelgeschichte erwähnte und in der Weltgeschichte als siebtes Weltwunder der Antike bekannt gewordene Tempel der Artemis in Ephesus errichtet wurde, stand bereits an gleicher Stelle seit mehreren Jahrhunderten ein etwas kleineres, ebenfalls der Artemis geweihtes Heiligtum. Auch dieses Heiligtum war über die Grenzen von Ephesus hinaus bekannt. Doch in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli des Jahres 356 v. Chr. wurde dieser (ältere) Tempel der Artemis durch den Hirten Herostratos in Brand gesetzt. Herostratos wollte mit seiner Tat angeblich zu historischem Ruhm kommen, was ihm auch gelang. (Noch heute bezeichnet man Menschen, die religiöse oder kulturelle Güter aus Geltungssucht zerstören als “Herostraten“ bzw. die ihre Taten als “Herostratentum“.) Im Nachgang zum Brand des Artemistempels entstand die Sage, dass die Göttin in jener Nacht ihren Tempel in Ephesus habe nicht beschützen können, weil sie der Mutter Alexander des Großen bei dessen Geburt in der makedonischen Hauptstadt Pella habe beistehen müssen. Mit dieser Legende sicherten sich die Priester der Artemis das Wohlwollen Alexander des Großen, der das Artemision finanziell in großem Umfang unterstützte. Aber mit dieser Legende offenbarten die Priester der Artemis auch die Wahrheit über die “Göttin“, der sie dienten. Diese “Göttin“, die in einem großartigen, von Menschen erbauten Gebäude wohnte, konnte ihr eigenes Haus nicht beschützen, wenn sie sich zeitgleich an einem anderen Ort aufhielt. Was für ein Armutszeugnis über ihre angebliche “Macht“. Wie anders war da doch der allmächtige Schöpfergott, den der Apostel Paulus verkündigte. Ich bin sicher, dass vielen seiner Zuhörer der große Unterschied sogleich auffiel, ohne dass Paulus extra darauf hinweisen musste. Da, wie Apostelgeschichte 19, 11 – 12 berichtet, Gott den Dienst des Paulus durch Zeichen und Wunder bestätigte (vgl. Markus 16, 20), wurde dieser Unterschied zwischen dem wahren Gott und dem Götzen der Epheser dadurch auf eindrucksvolle Weise zusätzlich unterstrichen. Auf diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass sich, wie uns Lukas mitteilt,  “das Wort (…) durch die Kraft des Herrn ausbreitete und (…) mächtig (wurde)“ (Apostelgeschichte 19, 20). Diese Tatsache bestätigt sogar der Goldschmied Demetrius in seinem Aufruf an die Bevölkerung von Ephesus, wenn er sagt: “(…)  ihr seht und hört, dass nicht allein in Ephesus, sondern auch fast in der ganzen Provinz Asien dieser Paulus viel Volk abspenstig macht (…)“ (Apostelgeschichte 19, 26). Keine Verblendung, auch keine “kombinierte“ Verblendung, ist auf Dauer stark genug, um der Wahrheit Gottes zu widerstehen (2. Korinther 4, 1 – 7).

Nachdem Paulus erneut Abschied von der Versammlung (= Gemeinde) in Ephesus genommen hatte, wurde diese durch seinen Mitarbeiter Timotheus weiter betreut (vgl. 1. Timotheus 1, 3; 2. Timotheus 4, 12). Zum Ende der 3. Missionsreise kam Paulus zwar noch einmal in die Nähe von Ephesus, hatte aber nur Gelegenheit, die Ältesten der Versammlung (= Gemeinde) zu sich nach Milet zu bestellen (Apostelgeschichte 20, 16). In der Apostelgeschichte ist uns seine eindringliche Abschiedsrede an diese Christen überliefert (Apostelgeschichte 20, 18 – 38). Hierin warnt er vor einer Opposition, einem Widerstand, der nicht von außen, sondern von innen, d.h. aus der Mitte der Gläubigen selbst kommen würde: Verführer / Irrlehrer, die die die Gläubigen “hinter sich selbst her“ und damit von dem Herrn Jesus Christus, dem einzigen Mittelpunkt christlichen Glaubens, abziehen würden. Das diese prophetische Warnung berechtigt war, zeigt uns das Sendschreiben an die Versammlung (= Gemeinde) in Ephesus, das wir in Offenbarung 2, 1 f. finden.
Aus diesem Sendschreiben erfahren wir, dass die Gläubigen in Ephesus Gott rund 40 Jahre lang treu gedient hatten und dafür auch gleich zu Beginn Seines Sendschreibens von Ihm gelobt werden. Treue ebenfalls ein Teil des Wesens Gottes (2. Timotheus 2, 13) und sie  hat bei Gott einen sehr hohen Stellenwert. So wird von Dienern des Herrn “nur“ verlangt, dass sie treu sind (1. Korinther 4, 2).  Nicht der Erfolg, den jemand in seinem Dienst für Gott hat,  ist also für Gott ausschlaggebend, sondern die Treue, mit der jemand seinen Dienst versieht – selbst wenn er/sie sich in diesem Dienst vielen Widersachern und großem Widerstand von außen oder innen ausgesetzt sieht.
Aus den Worten Jesu in diesem Sendschreiben wird deutlich, dass diese Gläubigen trotz großer innergemeindlicher Anfechtung (durch Irrlehrer; “falsche Apostel“) und schwerer äußere Umstände (Verfolgung durch die römischen Autoritäten im Besonderen und die heidnische Umwelt im Allgemeinen) im Glauben an Ihn ausgeharrt und Ihm die Treue gehalten hatten. Diese Treue hat Gott erfreut ((Matthäus 25, 21 ff.) und darum bzw. dafür lobt Er die Gläubigen in Ephesus. Auch wir können durch Gottes Gnade und Kraft (2. Korinther 12, 9) Ihm die Treue bewahren, in schwierigen Situationen ausharren (Kolosser 1, 11) ohne zu ermüden (Hebräer 12, 3) und auf diese Weise Gottes Herz erfreuen.
Bei den erwähnten falschen Lehrern handelte es sich offensichtlich um Männer, die von Ort zu Ort reisten und sich als “Apostel“ ausgaben, jedoch nicht zum Kreis der anerkannten Apostel des Herrn gehörten, die Augenzeugen des Auferstandenen gewesen sein mussten (Apostelgeschichte 1, 15 – 26). Vor solchen falschen Aposteln hatte bereits Paulus die  Versammlungen (= Gemeinden) warnen müssen (vgl. 2. Korinther 11, 13).
Obschon die Gläubigen in Ephesus also durch schwierige Zeiten gegangen waren und noch gingen, hatten sie den Dienst für Gott nicht aufgegeben. Sie waren nicht nachlässig geworden. Ihre Werke und ihre Arbeit für den Herrn waren offenbar. Selbst unter innerer und äußerer Bedrängnis hatten sie keine Mühe gescheut und waren nicht müde geworden. Aufgeben war für sie ganz offensichtlich nie eine Alternative. Der Grund dafür war offensichtlich, dass sie den Rat befolgt hatten, der ihnen von Paulus in 1. Korinther 15, 58 gegeben worden war.
Auch uns dürfen darum die Gläubigen in Ephesus in diesen Dingen ein Vorbild sein. Und wir dürfen wissen: Der Gott, der sie befähigte, beharrlich im Dienst für ihn zu bleiben, will auch uns zu unserem Dienst – besonders in schweren Zeiten – Seine Gnade und Kraft schenken. Auch in Zeiten innerer und äußerer Anfechtung sollen wir Seine Kraft und Gnade erleben, um beharrlich und treu bleiben.

* “Wenn aber Timotheus kommt, so seht zu, dass er ohne Furcht bei euch sei; denn er arbeitet am Werk des Herrn wie auch ich. Es verachte ihn nun niemand. Geleitet ihn aber in Frieden, damit er zu mir komme; denn ich erwarte ihn mit den Brüdern.“-  1. Korinther 16, 10 – 11 – Wahrscheinlich hatte Paulus seinen Mitarbeiter Timotheus zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Briefes bereits nach Korinth gesandt (vgl. Apostelgeschichte  19, 22; 1. Korinther 4, 17). Da dieser Mitarbeiter noch recht jung war (vgl. 1. Timotheus 4, 12), weist der Apostel die Gläubigen in Korinth an, ihn nicht zu verachten. Das griechische Wort “ἐξουθενέω“ (“exoutheneo“) kann auch mit “geringschätzen“ oder “für Nichts achten“ übersetzt werden. Doch die Christen in Korinth sollten nicht auf diese Äußerlichkeit achten. Denn trotz seines noch jungen Alters bezeugt Paulus, dass Timotheus “am Werk des Herrn arbeitet“ und zwar “wie auch ich“, d.h. wie der Apostel. Wenn die Gläubigen in Korinth den Dienst des Paulus wertschätzten und ihm Respekt erwiesen, so sollten sie ebenso den Dienst und die Person des jungen Mitbruders ebenso wertschätzen. Diese Wertschätzung sollte sich u.a. darin ausdrücken, dass die korinthischen Christen Timotheus für die Weiterreise ausrüsteten und evtl. auch eine Strecke des Weges geleiteten.
Verschiedene Kommentatoren gehen davon aus, dass es der Bericht über die Zustände unter den Gläubigen in Korinth war, den Paulus durch Timotheus empfing, der ihn dazu bewog, direkt von Ephesus nach Korinth zu reisen und die Weiterreise nach Mazedonien aufzuschieben. Im 2. Brief an die Korinther bezeichnet der Apostel diesen Besuch in Korinth als  “traurig“ bzw. “schmerzhaft“, denn er erfuhr von den Gläubigen dort viel Widerstand (vgl. 2. Korinther 2, 1 – 8; 2. Korinther 7, 12; 2. Korinther 12, 14 und 2. Korinther  13, 1 – 2).

* “Was aber den Bruder Apollos betrifft, so habe ich ihm viel zugeredet, dass er mit den Brüdern zu euch komme; und er war durchaus nicht gewillt, jetzt zu kommen, doch wird er kommen, wenn er eine gelegene Zeit finden wird.“ 1. Korinther 16, 12 –  Ein Grund, warum Apollos zum diesem Zeitpunkt nicht nach Ephesus kommen wollte, wird uns an keiner Stelle im Neuen Testament genannt. Aus 1. Korinther 1, 12 können wir jedoch ersehen, dass der Grund nicht in der Beziehung des Apostels zu seinem Mitarbeiter lag.
Bei diesem Hinweis scheint es sich jedoch um die letzte Antwort des Apostels auf die Fragen der Korinther zu handeln. Denn Paulus benutzt hier, wie verschiedene Kommentatoren hervorheben, zum sechsten und zum letzten Mal in diesem Brief die Formulierung “περί δὲ‘ (“peri de“), in deutscher Sprache ungefähr  “betreffs / betreffend“.

Fußnoten:

¹= Dr. Eckhardt J. Schnabel: “Urchristliche Mission“, Theologische Verlagsgemeinschaft SCM R. Brockhaus-Verlag Wuppertal, 1. Auflage 2002, Seite 1161

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BAB am 06.02.2017

Bemerkenswertes aus der Blogosphäre … und von anderswo her:

* Lesenswert I : RBB: “Über 170 antisemitische Straftaten registriert“: Klick!

* Lesenswert II: Zeit.de: “Kinderarmut: Jedes 5. Kind ist arm“: Klick!

* Lesenswert III: Realitätsfilter.com: “Ich möchte weiterhin lieber tot sein als als Asperger-Autist zu leben“: Klick!

* Lesenswert IV:  Welt.de: “Zwei Salatköpfe, drei Brokkoli –  In Großbritannien wird das Gemüse rationiert“: Klick!

* Sehenswert I: Behind the Lens: Christians in Iraq:

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BAB am 30.01.2017

Bemerkenswertes aus der Blogosphäre … und von anderswo her:

* Lesenswert I : Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV): “297 Brennpunkte weltweit“: Klick!

* Lesenswert II: Bible History Daily: “Top 10 Biblical Archaeology Discoveries in 2016“: Klick!

* Hörenswert I: DRadio Wissen: “Marlies Hübner: Die Nicht-Neuro-Typische“: Klick!

* Sehenswert I: Die Verfilmung des  gleichnamigen Romans von Dalia Sofer: “Septembers of Shiraz“ aus dem Jahr 2015 – entweder als Film oder DVD – Ein Film, der allen Verfolgten gewidmet ist. Mehr unter: Klick!

* Lesenswert III: Harvard-Gazette: “Sugar stands accused“: Klick!


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Jesus allein – Anmerkungen zu Matthäus 17, 1- 8

Mount Tavor

Der Berg Tabor aus der Vogelperspektive gesehen * Foto: von WikiAir_IL-13-10_B144.jpg: Amos Meron derivative work: Tomer T [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0), via Wikimedia Commons

 

Ein Vers aus dem 17. Kapitel des Matthäusevangeliums (zum Hintergrund des Matthäusevangeliums siehe: Klick!) soll als Grundlage der Wortverkündigung am morgigen Sonntag dienen. Wir betrachten diesen Vers in dem Kontext, in dem er vorkommt:

„Und nach sechs Tagen nimmt Jesus den Petrus und Jakobus und Johannes, seinen Bruder, mit und führt sie für sich allein auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihnen verwandelt; und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, seine Kleider aber wurden weiß wie das Licht.
Und siehe, Mose und Elia erschienen ihnen und unterredeten sich mit ihm. Petrus aber hob an und sprach zu Jesus: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten machen, dir eine und Mose eine und Elia eine. Während er noch redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke, und siehe, eine Stimme erging aus der Wolke, die sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; ihn hört.
Und als die Jünger es hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. Und Jesus trat herzu, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht. Als sie aber ihre Augen erhoben, sahen sie niemand als Jesus allein.

(Matthäus 17, 1 – 8 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

 

Zum Hintergrund von Matthäus 17, 1 – 8

Der heute von uns zu betrachtende  Bibeltext Matthäus  17, 1 – 8 ist Teil eines größeren Abschnitts (Matthäus 13, 54 – Matthäus 19, 2), in dem uns von (weiteren) Reaktionen auf das Auftreten des verheißenen Königs berichtet wird.  Dieser Abschnitt enthält zwei große Teile:
1. In Matthäus 13, 54 bis Matthäus 16, 12 werden uns die Ablehnung Jesu durch Nazarener und Römer (Matthäus 13, 54 – Matthäus 14, 12), Sein Weggang in eine einsame Gegend nach der  Hinrichtung Johannes des Täufers und verschiedene Wunder (Matthäus 14, 13 – 33), Sein öffentliche Wirken in Genezareth (Matthäus 14, 34 – 36), die Feindschaft der Pharisäer und Schriftgelehrten (Matthäus 15, 1 – 20), Sein Weggang nach Tyrus und Sidon (Matthäus 15, 21 – 28), Sein öffentlicher Dienst unter den nichtjüdischen Menschen (Matthäus 15, 29 – 39), die Feindschaft der Pharisäer und Sadduzäer (Matthäus 16, 1 – 12) geschildert.
2. Im zweiten Abschnitt (Matthäus 16, 13 – Matthäus 19,2) werden uns die Belehrungen mitgeteilt, die der Herr Jesus Christus Seinen Jüngern gab, während sie sich im Gebiet von Galiläa aufhielten: die Belehrungen über Seine Person (Matthäus 16, 13 – 17), die Belehrungen über die Pläne des Herrn (Matthäus 16, 18 – Matthäus 17, 13), Belehrungen über die Grundsätze des Herrn (Matthäus 17, 14 – 27), Belehrungen für die Jünger als Botschafter des verheißenen Königs (Matthäus 18, 1 ff.). In Matthäus 19, 1 – 2 wird dann zu den auf diese Belehrungen folgenden Ereignisse in Judäa übergeleitet.
Der von uns zu betrachtende Abschnitt Matthäus 17, 1 – 8 gehört ebenfalls zu den Berichten, in denen die Belehrungen des Herrn während Seines Dienstes in Galiläa.
Kurzgefasst können wir dieses Ereignis und die daraus folgende Belehrung so zusammenfassen: Es ist diese Verheißung Seiner zukünftigen Herrlichkeit, auf die sich das Geschehen auf dem Berg bezieht. Hier schenkt der Herr Jesus Christus drei Jüngern – Johannes, Jakobus und Petrus – einen Einblick in die kommenden Dinge und damit gleichsam einen Beweis dafür, dass sich Seine Verheißung erfüllen wird. Die Verklärung Jesu (Markus 17, 1 – 8) ist zum einen die Erfüllung jener Verheißung, die der Herr in Matthäus 16, 28 ausspricht. Johannes, Jakobus und Petrus (“Wahrlich, ich sage euch: Es sind einige …“ – Einige, (die gemäß Galater 2, 9 die “Säulen“ der Versammlung [= Gemeinde/Kirche] werden sollten ) bekommen durch das Verklärungs-Ereignis einen Vorgeschmack auf die Herrlichkeit Ihres Herrn, des Messias, und Seines kommenden Reiches. Angesichts der in Kürze bevorstehenden Verwerfung Jesu durch das Volk und Seinen Tod am Kreuz, sollte das Verklärungs-Ereignis diesen Jüngern die Sicherheit vermitteln, dass  der Tod Ihres Herrn nicht das Ende Seines Wirkens darstellen würde. Dass die drei genannten Jünger dieses Ereignis genauso verstanden, macht Petrus in 2. Petrus 1, 16 – 18 deutlich.

Anmerkungen zu Matthäus 17, 1 – 8

* “Und nach sechs Tagen nimmt Jesus den Petrus und Jakobus und Johannes, seinen Bruder, mit und führt sie für sich allein auf einen hohen Berg.“ – Matthäus 17, 1 Da sich in den Evangelien (mit Ausnahme des Johannesevangeliums) nur in einzelnen Fällen solche zeitlichen Eingrenzungen (“nach sechs Tagen“) finden, ist diese in diesem Vers umso bemerkenswerter. Verschiedene Kommentatoren gehen davon aus, dass es einen wichtigen Grund gab, aus dem der Evangelist Matthäus sie hier benutzt. Sie gehen davon aus, dass  der Evangelist damit auf die Erfüllung der Aussage Jesu in Matthäus 16, 28 hinweisen wollte. Petrus, Jakobus und Johannes stellen eine Art “inneren Kreis“ der Zwölfergruppe dar. Sie werden als solcher neun Mal in den Evangelien und einmal in der Apostelgeschichte genannt. In Galater 2, 9 bezeichnet Paulus sie als “Säulen“ der Versammlung (= Gemeinde / Kirche). Es waren diese drei Jünger, die der Herr aufgrund ihrer Hingabe und Treue erwählte, dieses Ereignis mitzuerleben. Diese drei waren – im Gegensatz  zu den anderen Jüngern – schon zuvor bei einigen Gelegenheiten in besonderem Maße Zeugen Seiner Herrlichkeit geworden (vgl. Markus 5, 37; Markus 13, 13; Matthäus 26, 37). Vgl. in diesem Zusammenhang auch 5. Mose 17, 6 und 5. Mose 19, 15.  Wie ich bereits in einer früheren Betrachtung über die Bedeutung der Verklärung Jesu versucht habe aufzuzeigen (Klick!; siehe dort auch weitere Verweise), gibt es zwischen den Evangelienberichten über dieses Ereignis und Geschehnissen im Leben des Mose verschiedene Parallelen, durch die die Evangelisten deutlichen machen wollten, dass die Verheißung  aus 5. Mose 18, 15 in dem Kommen Jesu ihre Erfüllung gefunden hat. Auch Mose wurde von drei Begleitern (Aaron, Nadab und Abihu) begleitet, als er auf den Berg stieg (2. Mose 24, 1 + 9).
Berge spielen sowohl im Leben und Dienst des Mose (Berg Sinai) als auch des Elia (Berg Karmel) eine Rolle. Auch im Leben und Dienst des Sohnes Gottes auf dieser Erde finden wir vier Begebenheiten, in denen der Herr mit seinen Jüngern auf einen Berg geht und sie dort besondere Lehren empfangen bzw. Zeugen besonderer Erfahrungen / Aufträge werden. Außer in Matthäus 17, 1 – 8 finden wir diese Berichte in Matthäus 5, 1 f., Matthäus 15, 29 f. und in Matthäus 28, 16 f. Daneben berichten uns die Evangelien von verschiedenen Gelegenheiten, zu denen der Herr Jesus Christus die Einsamkeit eines Berges suchte, um dort allein zu beten.
Der Name des Berges, auf dem sich die Verklärung Jesu ereignete, wird uns nicht genannt. In einer apokryphen Schrift, dem so genannten “Hebräerevangelium“, das erst im 2./3. Jahrhundert n. Chr. belegt ist, wird als Ort der Verklärung der Berg Tabor genannt. In den biblischen Evangelien wird die Frage der genauen Verortung keine besondere Bedeutung zugemessen. Viel wichtiger ist das Geschehen an sich und welche Bedeutung es für die Jünger und die Menschen, die durch ihr Wort zum Glauben an Jesus Christus kommen würden, hatte.
Die Gottesbegegnung auf einem Berg stellt jedoch eine weitere Parallele nicht nur zu Mose, sondern auch zu Elia dar (vgl. 2. Mose 19 + 24; 1. Könige 19).

* “Und er wurde vor ihnen verwandelt; und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, seine Kleider aber wurden weiß wie das Licht.“ – Matthäus 17, 2 – Das hier von Matthäus für unser deutsches Wort “verwandelt“ benutzte griechische Wort ist “μεταμορφόω“ (“metamorphoo“), das mit “umgestaltet“ oder “verwandelt“ übersetzt werden kann. Gemeint ist eine über die Erscheinung hinausgehende Umgestaltung. Aufgrund der Aussagen in 2. Petrus 1, 16 – 18 und Offenbarung 1, 16 gehen Kommentatoren davon aus, dass der Herr hier eine Erscheinung annahm, die in einer gewissen Weise Seinem späteren Auferstehungsleib ähnelte. Auch in diesem Zusammenhang gibt es eine Parallele zu Mose: In 2. Mose 34, 29 – 30 wird uns davon berichtet, dass Mose, nachdem er aus der Gegenwart Gottes kam, diese widerstrahlte. Jedoch gibt es an dieser Stelle zwischen Mose und dem Herrn Jesus Christus einen entscheidenden Unterschied. Während Mose die Herrlichkeit Gottes widerstrahlte, war es bei dem Herrn Jesus Christus Seine eigene Herrlichkeit, die die Jünger sahen.
Diese Erfahrung sollte den Glauben der anwesenden Jüngern daran stärken, dass der Herr Jesus Christus der (u.a. von Mose) verheißene Messias war. Sie sollten dadurch außerdem begreifen, dass das von Ihm bzgl. Seiner Person angekündigte Leiden (vgl. Matthäus 16, 21) nicht das Ende Seines Wirkens darstellen würden.  Vielmehr sollte das Geschehen auf dem Berg der Verklärung für die Jünger ein Ausblick auf das Kommen des Herrn in Seiner Herrlichkeit sein (Matthäus 16, 28), ihnen quasi darauf einen “Vorgeschmack“ geben.

* “Und siehe, Mose und Elia erschienen ihnen und unterredeten sich mit ihm.“ – Matthäus 17, 3 – Das Wort “siehe“ weist im biblischen Zusammenhang immer auf etwas besonderes hin, auch hier im Matthäusevangelium (vgl. Matthäus 1, 20 + 23; Matthäus 2, 1 + 13, sowie an 62 anderen Stellen bei Matthäus).
Matthäus schrieb mit der Absicht, jüdischen Lesern den Herrn Jesus Christus als Messias vorzustellen (vgl. Klick!) Auf diesem Hintergrund ist es verständlich, dass der Evangelist Mose zuerst nennt, denn im Judentum ist Mose der wichtigste Prophet. Außerdem ist Mose, wie bereits gesagt, der Typus des kommenden Messias (vgl. 5. Mose 18, 15 – 18). Elia hingegen ist nach alttestamentarischer Verheißung ein Typus auf den Vorläufer, den Herold, des Messias (vgl. Maleachi 4, 5 – 6;  Matthäus 3, 1 – 3; Matthäus 11, 7 – 10; Matthäus 17, 9 – 13).
Sowohl Mose wie auch Elia haben in der Geschichte Israels eine entscheidende Rolle gespielt. Während Gott den Israeliten durch Mose das Gesetz  gab, war es Elia, der das Volk zum Gesetz zurückführte, nachdem es den Bund durch den schlimmsten Götzendienst gebrochen hatte. Beide Männer teilen verschiedene geistliche Erfahrungen: Sowohl Mose als auch Elia erlebten Gottes Gegenwart auf einem Berg (vgl. 2. Mose 19 + 24; Apostelgeschichte 7, 35 – 38), beide mussten die Ablehnung des Volkes ertragen (vgl. Apostelgeschichte 7, 39; 1. Könige 18, 21), die auch dem verheißenen Messias widerfahren sollte.  Letzterer würde jedoch größer sein als jeder dieser herausragenden Propheten (vgl. Hebräer 3, 3), denn in ihm wurde beides, wofür Mose und Elia stehen,  – “das Gesetz und die Propheten“ – erfüllt (vgl. Lukas 24, 44; Johannes 1, 45; Apostelgeschichte 28, 23).

* “Petrus aber hob an und sprach zu Jesus: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten machen, dir eine und Mose eine und Elia eine.“ – Matthäus 17, 4 – Bei den “Hütten“ von denen Petrus hier spricht, handelt es sich nicht um irgendwelche “Hütten“. Vielmehr waren diese Hütten ein Gegenstück zu den in 3. Mose 23, 42 – 43  erwähnten Laubhütten. Die zum Laubhüttenfest, hebr. “Sukkot“, errichteten Hütten, hebr. “Sukka“, wurden jährlich für den begrenzten Zeitraum des sieben Tage andauernden Festes errichtet. Dieses fest sollte die Israeliten daran erinnern, dass sie während der 40-jährigen Wüstenwanderung nach der Befreiung aus Ägypten in Zelten gewohnt hatten. Es sollte die Israeliten, die nun im verheißenen Land angekommen waren und dort wohnen konnten, außerdem daran erinnern, dass dieser Zustand noch nicht der endgültige war. Gottes endgültiges Ziel für Sein Volk war (und ist) die Etablierung Seines Reiches. Bis dies geschieht, ist jeder Zustand nur von vorübergehender Natur. Genau das sollte durch die Hütten des Laubhüttenfestes dargestellt werden.
Auf diesen Zusammenhang zielt die Frage des Petrus ab, da er aufgrund der Ereignisse auf dem Berg (d.g., der Verwandlung des Herrn, der Erscheinung von Mose und Elia und ihrer Unterredung mit dem Herrn) davon ausging, dass das Reich Gottes nun in Kürze anbrechen würde. Dies wird umso deutlich, als dass der Sohn Gottes bereits am Ende von Kapitel 16 über das Kommen Seines Reiches gesprochen hatte. Was Petrus in diesem Moment noch nicht erkennt, ist, dass zwischen der Verklärung Jesu auf dem Berg und der Aufrichtung des Reiches Gottes ein weiterer Zeitabschnitt liegen würde. Aus 2. Petrus 1, 16 – 18 geht hervor, dass dieser Zusammenhang ihm jedoch einige Zeit später geoffenbart wurde.

* “Während er noch redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke, und siehe, eine Stimme erging aus der Wolke, die sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; ihn hört.“ – Matthäus 17, 5 – Bei der “lichten Wolke“, von der Matthäus hier spricht, handelt es sich offensichtlich um die Wolke der Herrlichkeit Gottes, der Schechina, die als sichtbare Gegenwart Gottes das Volk Israel während der Wüstenwanderung begleitete (vgl. 2. Mose 13, 21 – 22; 2. Mose 19, 16; 2. Mose 16, 10; 2. Mose 24, 15 – 18; 2. Mose 40, 34 – 38). In den Weissagungen der alttestamentarischen Propheten wird auch das Kommen des Messias “auf den Wolken“ zur Aufrichtung Seines Reiches angekündigt  (vgl. Psalm 97, 2; Jesaja 4, 5; Daniel 7, 13 u.a.m.) Die Erscheinung dieser Wolke war also ein weiteres Zeichen für die Jünger, an dem sie erkennen konnten, dass das Kommen des messianischen Reiches bevorstand.
Darüber hinaus deutete Schechina nicht nur die nahe Gegenwart Gottes  an, sondern sollte auch die enge Beziehung, in der ihr Herr  zu dem Gott Israels stand, verdeutlichen. Denn aus ihr spricht Gott zu den Anwesenden: “Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe (…)“ Über welchen Propheten des Alten Testaments hatte Gott so etwas schon einmal gesagt? Über keinen einzigen! Nur zu Seinem geliebten Sohn bekennt sich Gott in dieser Weise und macht damit nicht nur die Einzigartigkeit der Beziehung, sondern auch die Einzigartigkeit der Person Christi deutlich. An Ihm und an Ihm allein hat Er vollkommenen Wohlgefallen.
Bezüglich der Wolke sind folgende Details bemerkenswert: In Matthäus 17, 5 lesen wir, dass die Jünger von der Wolke “überschattet“ wurden. In 2. Mose 40, 35 heißt es, dass “die Wolke auf der Wohnung Gottes ruhte“, so dass Mose nicht in die Wohnung Gottes eintreten konnte. In Lukas 9, 34 erhalten wir eine Information, die über das in Matthäus 17, 5 Gesagte hinausgeht. Dort heißt es, dass die Jünger sich “fürchteten (…), als sie in die Wolke eintraten (…)“. Während also unter dem Gesetz ein Eintreten in die “Wolke der Gegenwart Gottes“ selbst für Mose unmöglich war, wird dies für die Jünger, die in Gemeinschaft mit dem Sohn Gottes auf den Berg steigen, möglich. Wir können hierin ein Kennzeichen der Tatsache sehen, dass mit dem Kommen des Herrn eine neue Heilsepoche begonnen hat. Ich werde auf diesen Punkt später noch einmal zurück kommen.
Die Stimme aus dem Himmel ist uns bereits aus Matthäus 3, 17 bekannt, wo eben diese Stimme anlässlich der Taufe des Herrn erscholl. Damals, wie hier auf dem Berg, bestätigte diese Stimme die Person Jesu als Sohn Gottes, zugleich aber auch als Person des leidenden Knechtes Gottes (vgl. Psalm 2, 7; Jesaja 42, 1). Unausgesprochen wurde damit auch die Vorrangstellung des Herrn Jesus Christus gegenüber Mose und Elia bestätigt. Ich werde auf diesen wichtigen Punkt später noch  einmal zurück kommen. Hier möchte ich nur festhalten, dass auch auf diese Weise der Glaube der Jünger gestärkt werden sollte.
Indem die Stimme Gottes die Jünger auffordert “(…) ihn hört!“ wird nicht nur  die Vorrangstellung des Herrn Jesus Christus gegenüber Mose verdeutlicht, sondern auch, dass Er jener größere Prophet ist, den Mose selbst angekündigt hat (vgl. 5. Mose 18, 15 – 18; vgl. Apostelgeschichte  3, 22 – 23; Apostelgeschichte 7, 37). Denn Gott hatte bereits durch Mose über diesen Propheten sagen lassen:

“Einen Propheten aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern, gleich mir, wird der HERR, dein Gott, dir erwecken; auf ihn sollt ihr hören; (…)“

(5. Mose 18, 15 ELBEDHÜ)

Mit dem Kommen des Herrn Jesus Christus auf diese Erde hatte die Offenbarung Gottes ihren Höhepunkt erreicht. Wer Ihn sieht, sieht den Vater (Johannes 14, 9). Wer Seine Stimme hört, hört die Stimme des Vaters (Johannes 8, 28 + 38; Johannes 12, 49 – 50). Darum bezeugt uns der Hebräerbrief auch:

“Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, den er gesetzt hat zum Erben aller Dinge, durch den er auch die Welten gemacht hat; (…)“

(Hebräer 1, 1 – 2 EDLBEDHÜ)

ER allein ist es, auf den Menschen heute hören müssen, wenn sie Erlösung und Segen erfahren wollen.

* “Und als die Jünger es hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. Und Jesus trat herzu, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht. Als sie aber ihre Augen erhoben, sahen sie niemand als Jesus allein.“ – Matthäus 17, 6 – 8  – Die Offenbarung der Gottheit, Autorität und Herrlichkeit Jesu Christi löste bei den Jüngern dieselbe Reaktion aus, wie die Erscheinung Gottes am Sinai bei den Israeliten bzw. die Offenbarung Gottes bei den großen alttestamentarischen Propheten (vgl. 2. Mose 20, 18 – 21; 5. Mose 4, 33; Hebräer 12, 18 – 21; Daniel 10, 8 – 12; Jesaja 6, 5 f.)
Sie diente jedoch nicht nur der Glaubensstärkung der Jünger, sondern, wie wir insbesondere aus diesen Versen  ersehen können, auch der Fokussierung auf Seine Person. Am Ende dieses Ereignisses sehen die Jünger nämlich “niemand als Jesus allein“. Mose und Elia sind verschwunden. Und diese Aussage bezieht sich nicht nur auf das reale Erleben der Jüngern, nein, sie hat auch eine heilsgeschichtliche Bedeutung. Aus Matthäus 11, 13 wissen wir, dass “alle Propheten und das Gesetz (…) bis auf Johannes“ geweissagt haben. Mit dem Kommen des Herrn Jesus Christus endetet die “Zeit des Gesetzes und der propheten“, es begann eine völlig neue Zeit, “die Zeit der Gnade“. Da die Zeit des Gesetzes beendet ist, gilt aber auch:

“Darum, aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden; denn durch Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde. Jetzt aber ist, ohne Gesetz, Gottes Gerechtigkeit offenbart worden, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten: Gottes Gerechtigkeit aber durch Glauben an Jesus Christus gegen alle [und auf alle], die glauben.

(Römer 3, 20 – 22 ELBEDHÜ)

Kein Mensch kann mehr durch Gesetzeswerke gerecht werden, d.h. Erlösung empfangen. (Das Gesetz und die Propheten haben lediglich die Kraft, Menschen von der Sünde zu überführen.)  Kein Mensch kann sich durch das Halten des Gesetzes oder durch die Verrichtung “guter Taten“ im Zustand der Erlösung erhalten. Die Erlösung ist ein reines Gnadengeschenk Gottes, das durch den Glauben empfangen wird.
Im Mittelpunkt der gegenwärtigen Heilsepoche stehen nicht mehr die zwei steinernen Tafeln mit den Geboten, sondern eine Person: Jesus Christus allein! Allein in Ihm ist die Gnade Gottes greifbar und erfahrbar geworden:

“Denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat ihn kundgemacht.“

(Johannes 1, 16 – 18 ELBEDHÜ)

Doch nicht nur die Gnade zu unserer Errettung liegt allein in dem Herrn Jesus Christus, auch die Kraft und Ermutigung, die der Gläubige immer wieder benötigt, liegt allein in Ihm:

“Deshalb nun, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben, lasst auch uns, indem wir jede Bürde und die leicht umstrickende Sünde ablegen, mit Ausharren laufen den vor uns liegenden Wettlauf, hinschauend auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der, die Schande nicht achtend, für die vor ihm liegende Freude das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Denn betrachtet den, der so großen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet, indem ihr in euren Seelen ermattet.

(Hebräer 12, 1 – 3 ELBEDHÜ)

Die Zeugen des Glaubens sind nicht unwichtig, genauso wie das Gesetz und die Propheten mit dem Kommen Jesu ihre Bedeutung nicht verloren haben. Doch Erlösung, Frieden mit Gott, Vergebung der Sünden, Kraft und Ermutigung vermögen uns weder die Zeugen des Glaubens, noch das Gesetz und die Propheten zu vermitteln. Alles das empfangen wir nur von “Jesus allein“.

 

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BAB am 23.01.2017

Bemerkenswertes aus der Blogosphäre … und von anderswo her:

* Ansehenswert: Alle, die Amazon-Prime-Kunden sind können die bekannte Filmserie von Dr. Francis Schaeffer “How Should We Then Life? – The rise and decline of Western culture from a Christian perspective“ z. Zt. kostenlos ansehen: Klick!

* Beachtens- und Benutzenswert:  Die Ankidroid-App: Einfach, übersichtlich, hilfreich und kostenlos. Eine Anwendung zum Auswendiglernen von Schul- und Studienstoff oder aber auch von Bibelversen, Daten etc.: Klick!

* Lesenswert II / Hörenswert I: Deutschlandfunk “Tag für “Tag“: “Bildung schützt vor Bosheit nicht“ – ‚Das Böse lässt sich nicht mit Fakten und Wissen bekämpfen, sagt die Philosophin Bettina Stangneth. Aber mit Moral. Wertediskussionen hält sie dagegen für überflüssig.‘: Klick!

* Lesenswert III: Welt.de: “Social Media: Wenn das Netz weiter lügt, ist mit der Freiheit Schluss“: Klick!

* Beachtenswert II / Nützlich: Der “Wegweiser Demenz“ des Bundesfamilienministeriums – Hilfe für Betroffene und Angehörige: Klick!

* Sehenswert I: “Wenn Esoterik abhängig macht“:

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[Repost] Ruhe für die Seele – Anmerkungen zu Matthäus 11, 25 – 30

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Waldweg * Foto: Pilgerkarl / pixelio.de


Text als pdf downloaden: Klick!

Der Wortverkündigung am Mittwoch dieser Woche liegt ein Vers aus dem 11. Kapitel des Matthäusevangeliums (zum Hintergrund des Matthäusevangeliums siehe: Klick!) zugrunde. Wir betrachten diesen Vers in seinem Kontext:

“Zu jener Zeit hob Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor Weisen und Verständigen verborgen und es Unmündigen offenbart hast. Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir. Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand erkennt den Sohn als nur der Vater, noch erkennt jemand den Vater als nur der Sohn und wem irgend der Sohn ihn offenbaren will. Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen; denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

(Matthäus 11, 25 – 30 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)


Einige Anmerkungen zum Hintergrund  von Matthäus 11, 25 – 30

Bevor wir uns dem Text von Matthäus 11, 25 – 30 zuwenden, sollten wir uns ins Gedächtnis rufen, für welche Zielgruppe das Matthäusevangelium geschrieben wurde und in welchem Kontext der von uns zu betrachtende Text steht:
Matthäus wendet sich mit seinem Evangelium besonders an jüdische Leser (zur Zielgruppe des Matthäusevangeliums siehe: Klick!) Sein Wunsch ist es, diesen Lesern Jesus Christus als den von Gott verheißenen und vom jüdischen Volk erwarteten Messias, Erlöser, vorzustellen. Aus diesem Grund konzentriert er sich auch ganz auf die Geschehnisse im Leben Jesu, in denen Seine Messianität deutlich hervortritt. Ereignisse im Leben des Herrn, die von den drei anderen Evangelisten berichtet werden, diesem Ziel aber nicht dienen, lässt Matthäus  deshalb auch  bewusst aus.
In den vergangenen Monaten haben wir verschiedene Textabschnitte aus den ersten Kapiteln des Matthäusevangeliums betrachtet. In diesem Zusammenhang hatten wir bereits festgestellt, dass sich Matthäus in seiner Berichterstattung eben genau auf diesen Punkt konzentriert: In Matthäus 1 zeigte der Evangelist anhand des Stammbaumes Jesu und in Matthäus 2 anhand der Jungfrauengeburt auf, dass der von ihm verkündete Erlöser alle Bedingungen erfüllte, um der verheißene König Israels zu sein. In Matthäus 3, 1 – 12 stellte der Evangelist seinen Lesern dann zuerst den (ebenfalls bereits im Alten Testament angekündigten) Herold des Messias vor, um anschließend in Matthäus 3, 13 – 17 die Taufe des Herrn und Seine Beglaubigung durch Gott, den Vater, zu schildern. Dabei wird zum einen in dem Herabkommen des Geistes auf den Erlöser (Matthäus 3, 16)  Seine Messianität deutlich (vgl. Jesaja 42, 1; Lukas 4, 14; Lukas 5, 17; Lukas 24, 49), zum anderen markiert das eindrückliche Reden Gottes (Matthäus 3, 17) den Beginn eines neuen Abschnitts der Heilsgeschichte. Denn zum letzten Mal hatte Gott 400 Jahre zuvor zu Seinem Volk gesprochen und zwar durch den Propheten Maleachi. Dieser aber hatte in seinen letzten prophetischen Äußerungen das Kommen des Vorläufers des Messias angekündigt (Maleachi 3, 23 – 24), welches nun in der Person Johannes des Täufers seine Erfüllung gefunden hatte (vgl. Matthäus 11, 14; Matthäus 17, 11 – 13).
In Kapitel 4 hatte sich der Evangelist dann den Geschehnissen rund um die Versuchung Jesu zugewandt. Auch das tat er, wie wir gesehen haben, mit der Zielrichtung, seinen Lesern Beweise dafür zu liefern, dass der “Sohn des Zimmermanns“ (Matthäus 13, 55) der von Gott verheißene Messias ist.
Auch das 11. Kapitel des Matthäusevangeliums, aus dem wir heute einen längeren Abschnitt betrachten wollen, ist ganz auf dieses Ziel ausgerichtet: Zuerst berichtet uns Matthäus von der Frage Johannes des Täufers nach den Zeichen der Messianität Jesu (Matthäus 11, 1 – 6). Dann gibt der Evangelist das Zeugnis Jesu über den Täufer wieder, aus dem deutlich hervor geht, dass dieser der Vorläufer/Herold des Messias war (Matthäus 11, 7 – 18). Anschließend folgen die bekannten Weherufe Jesu über die Städte Galiläas, die weder den Ruf zur Umkehr durch den Täufer noch durch den Sohn Gottes selbst annahmen (Matthäus 11, 19 – 24). Den Abschluss dieses Kapitels bildet der so genannte “Heilandsruf“, d.h. die Einladung Jesu an alle, die Ihm glauben und folgen (Matthäus 11, 25 – 30).

Ruhe für die Seele – Anmerkungen zu Matthäus 11, 25 – 30

* “Zu jener Zeit hob Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor Weisen und Verständigen verborgen und es Unmündigen offenbart hast. Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir.“Matthäus 11, 25 – 26 – Nachdem der Herr in den Versen 20 – 24 die bekannten Weherufe und damit das Gericht Gottes über die unbußfertigen Städte Galiläas aussprechen/verkünden musste, wendet Er sich in den Versen 25 – 30 jenen Menschen zu, die Ihm geglaubt hatten und Ihm gefolgt waren. Zuvor wendet Er sich jedoch im Gebet an Seinen Vater. Dabei fällt auf, dass der Herr in Seiner Anrede zwei Titel benutzt. Er spricht Gott als Vater an, was ganz in Übereinstimmung mit Seiner Person als Sohn Gottes steht. Zudem aber nennt Er Gott den “Herrn des Himmels und der Erde“. Indem der Herr einen Titel Gottes benutzt, der die Allmacht und Souveränität Gottes hervorhebt, macht Er zugleich deutlich, dass selbst die Verwerfung des Messias durch die Mehrheit des Volkes an Gottes Plänen nichts ändern kann. Unter den “Weisen und Verständigen“, die die Wahrheit Gottes über den Messias nicht erkennen, sind nicht nur die Pharisäer und  Schriftgelehrten zu verstehen, die aufgrund ihrer Beschäftigung mit der Thora den Messias hätten erkennen können, sondern alle, die in ihren eigenen Augen „weise und verständig“ waren. Weil ihre geistlichen Augen durch ihren religiösen Stolz verblendet waren, erkannten sie den Erlöser nicht. Aus diesem Grund verwarf Gott ihre (eingebildete) “Weisheit“, ihren (eingebildeten) “Verstand“, wie es bereits der Prophet Jesaja angekündigt hatte:

“Und der Herr hat gesprochen: Weil dieses Volk sich mit seinem Mund naht und mich mit seinen Lippen ehrt und sein Herz fern von mir hält und ihre Furcht vor mir angelerntes Menschengebot ist: – darum, siehe, will ich fortan wunderbar mit diesem Volk handeln, wunderbar und wundersam; und die Weisheit seiner Weisen wird zunichtewerden, und der Verstand seiner Verständigen sich verbergen.“

(Jesaja 29, 13 – 14 ELBEDHÜ)

Im Gegensatz zu den von ihrem religiösen Stolz verblendeten “Weisen und Verständigen“ stehen die “Unmündigen“. “Unmündigkeit“ ist ein anderer Ausdruck für “Abhängigkeit“. Gemeint sind all‘ jene, die demütig erkannten, dass sie sich nicht selbst retten konnten, sondern einen Erlöser brauchten. Ihre demütige Herzenshaltung versetzte sie in den Stand, den Erlöser Gottes zu erkennen, als dieser offenbar wurde. “(…) denn „Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade.““ (1. Petrus 5, 5) – Dieser Grundsatz des göttlichen Handelns besteht bis heute und findet – wie der Apostel Paulus es im 1. Korintherbrief deutlich macht – seinen Ausdruck auch in der weltweiten Versammlung (= Gemeinde/Kirche):

“Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die wir errettet werden, ist es Gottes Kraft. Denn es steht geschrieben: „Ich will die Weisheit der Weisen vernichten, und den Verstand der Verständigen will ich wegtun.“ Wo ist der Weise, wo der Schriftgelehrte, wo der Schulstreiter dieses Zeitlaufs? Hat Gott nicht die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? Denn weil ja in der Weisheit Gottes die Welt durch die Weisheit Gott nicht erkannte, so gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt die Glaubenden zu erretten; weil ja sowohl Juden Zeichen fordern als auch Griechen Weisheit suchen;] wir aber predigen Christus als gekreuzigt, den Juden ein Anstoß und den Nationen eine Torheit; den Berufenen selbst aber, sowohl Juden als auch Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit; denn das Törichte Gottes ist weiser als die Menschen, und das Schwache Gottes ist stärker als die Menschen. Denn seht eure Berufung, Brüder, dass es nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind; sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit er das Starke zuschanden mache;
und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt [und] das, was nicht ist, damit er das, was ist, zunichte mache, damit sich vor Gott kein Fleisch rühme. Aus ihm aber seid ihr in Christus Jesus, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung; damit, wie geschrieben steht: „Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn.““

(1. Korinther 1, 18 – 31 ELBEDHÜ)

Die gesamte Schöpfung preist und verherrlicht Gott (Psalm 19, 1 – 6; Psalm 8, 3 – 4; Römer 1, 20) und erkennt damit ihre Abhängigkeit von Ihm als Schöpfer an. Nur der Mensch erhebt sich immer wieder stolz über Gott. Die Auswirkungen diese Loslösung von Gott, wir können sie auch Gottlosigkeit nennen, sind deutlich erkennbar: Hass, Neid, Gier, Krieg und die Zerstörung der wunderbaren Schöpfung Gottes sind deutliche Zeichen dafür. Doch damals wie heute gilt Gottes Zusage: „(…) den Demütigen aber gibt er Gnade.““ (1. Petrus 5, 5).

* “Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand erkennt den Sohn als nur der Vater, noch erkennt jemand den Vater als nur der Sohn und wem irgend der Sohn ihn offenbaren will.““ –  Matthäus 11, 27 –  In Vers 25 lasen wir, dass der Vater den “Unmündigen“ den Erlöser offenbarte. In ihren Herzen war eine Sehnsucht nach Erlösung. Demütig hatten sie erkannt, dass sie einen Erlöser brauchten. Weil sie nicht mehr auf sich selbst vertrauten, sondern sie nach der Gerechtigkeit Gottes hungerten und dürsteten, konnte Gott ihren geistlichen Hunger stillen, indem Er ihnen den Erlöser offenbarte.
Das Wirken des Sohnes Gottes steht in völliger Übereinstimmung mit diesem Handeln Gottes, des Vaters: Jesus Christus ist der einzige Weg zu Gott, dem Vater (Johannes 14, 6 – 7; Johannes 1, 18). Nur durch Ihn können wir Gott erkennen und uns Gott nahen. Wenn ein Mensch Jesus Christus als den von Gott gesandten Erlöser erkennt, dann kann er das nur, weil Gott, der Vater, ihm dies geoffenbart hat. Wenn derselbe Mensch dann Gott, den Vater, erkennt, dann nur, weil ihm diese Erkenntnis durch eine Offenbarung seitens des Sohnes Gottes zuteil wurde.

* “Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben.“Matthäus 11, 28 – In diesem Vers greift der Herr Jesus Christus eine Verheißung Gottes aus Jeremia 31, 25 auf, in der im Zusammenhang mit dem neuen Bund für “das Haus Israel und das Haus Juda“ (Jeremia 31, 31)  verheißen wird:

“(…) denn ich will die Müden erquicken und die Verschmachtenden sättigen.“

Unter den Mühseligen können wir jene verstehen, die lange und hart gearbeitet haben und zwar  – in diesem Zusammenhang – um in Beziehung mit Gott treten zu können. Die Beladenen sind jene Menschen die aus demselben Grund  schwere Lasten – die Gebote und Gesetze des Sinai – getragen haben. Diesen Mühseligen und Beladenen, die erkennen mussten, dass all‘ ihr menschliches Tun sie nicht einen einzigen schritt näher zu Gott brachte, gilt der Ruf Jesu: “Kommt her zu mir alle!“ Weil Er der einzige Weg zu Gott ist (Johannes 14, 6) können die Mühseligen und Beladenen aller Zeiten nur bei Ihm finden, was sie vergeblich durch ihre eigenen Anstrengungen zu erlangen suchten: Erlösung, Frieden und ewige Gemeinschaft mit Gott (vgl. Römer 5, 1; Epheser 2, 8).
Die Ruhe, von der der Herr Jesus Christus hier spricht, ist die Ruhe, in die der Gläubige eintritt, wenn er von seinen eigenen Werken ablässt und das Gnadengeschenk Gottes in Jesus Christus annimmt:

“(…) denn wer in seine Ruhe eingegangen ist, der ruht auch selbst von seinen Werken, gleichwie Gott von den seinigen. So wollen wir uns denn befleißigen, in jene Ruhe einzugehen, damit nicht jemand als gleiches Beispiel des Unglaubens zu Fall komme.“

(Hebräer 4,10 – 11 SCHL’51)

Um die Ruhe empfangen zu können, die Christus verspricht, müssen wir von allen Werken und Bemühungen ablassen, durch die wir bisher versuchten, uns diese Ruhe, den Frieden mit Gott, zu erarbeiten. Dazu ist das demütige Eingeständnis erforderlich, dass Gottes Erlösung nicht durch menschliches Wirken erreichbar ist, sondern jeder Mensch einen Erlöser braucht, der die Beziehung zwischen Gott und ihm wiederherstellt. Doch wer immer diese Tatsache demütig anerkennt (Matthäus 5, 3), der darf gewiss sein, dass “(Gott) den Demütigen (…) Gnade (gibt).““ (1. Petrus 5, 5)

* “Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen; denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“Matthäus 11, 29 – 30 – Während das Joch im Alten Testament ein Bild für Knechtschaft und Unterwerfung ist (1. Mose 27, 40; 1. Könige 12, 4), von dem der Mensch Befreiung suchte (Jeremia 28, 2), gibt der Herr Jesus Christus dem Joch in Verbindung mit Seiner Person eine neue Bedeutung: es ist das Bild der freiwilligen Gemeinschaft mit und des freiwilligen Gehorsams gegenüber dem Erlöser. Dieses Joch soll der Gläubige anstatt der schweren Bürde des Gesetzes und der eigenen Bemühungen auf sich nehmen (Psalm 55, 22). Wer das tut, der wird feststellen, dass dieses Joch nicht eine neue Last darstellt, sondern dass es zu leicht ist und – da es in Gemeinschaft mit dem Sohn Gottes getragen wird – die Beschwernisse des Lebens erleichtert. Es ist diese Jochgemeinschaft mit dem Erlöser, durch die der Gläubige lernen kann, Gott wirklich wohlgefällig zu leben. Der Grund dafür liegt in der Person des Erlösers. Er spiegelt in Seinem ganzen  Wesen alle Eigenschaften wieder, die Gott auch an Erlösten sehen möchte. In der engen Gemeinschaft mit Ihm und an dem persönlichen Beispiel des Erlösers können seitdem alle Gläubigen lernen und verwirklichen, was Gott von ihnen wünscht (Johannes 13, 15; 1. Johannes 5, 3). Weil der Gläubige diesen Lernprozess in der engen Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus Christus erlebt, empfängt er aus dieser Gemeinschaft auch beständig die Gnade, die er benötigt (Johannes 1, 16). Aus diesem Grund versetzt das neue Joch die Gläubigen auch nicht in eine neue Unruhe. Im Gegenteil: Es trägt dazu bei, dass die Gläubigen die Ruhe für ihre Seelen finden und genießen können.

Betreten ausdrücklich erwünscht!

Durch den Propheten Jeremia ließ Gott Seinem irdischen Volk sagen:

“So spricht der HERR: Tretet auf die Wege und schauet und fraget nach den vorigen Wegen, welches der gute Weg sei, und wandelt darin, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele! Aber sie sprechen: Wir wollen’s nicht tun!“

(Jeremia 6, 16 SCHL’51)

Doch leider nahm das Volk Israel diesen Rat Gottes nicht an. Heute ergeht an alle Menschen durch das Evangelium der Gnade Herrlichkeit Gottes erneut ein Hinweis, den einzigen Weg zu betreten, auf dem Menschen Ruhe für ihre Seelen finden:


“Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“

(Johannes 14, 6 SCHL’51)


Haben Sie diesen Weg schon betreten?

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Der Schatz im Acker und die kostbare Perle – Anmerkungen zu Matthäus 13, 44 – 46

Deeply ploughed field east of Chains Farm - geograph.org.uk - 396466

Ein tief gepflügtes Feld östlich der Chains Farm; im weiteren Hintergrund das Bough Beech Naturschutzgebiet * Foto: Nikki Mahadevan [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Verse aus dem 13. Kapitel des Matthäusevangeliums (zum Hintergrund des Matthäusevangeliums siehe: Klick!) dienen als Grundlage der Wortverkündigung am morgigen Mittwoch. Wir betrachten diese Verse in ihrem Zusammenhang:

„Das Reich der Himmel ist gleich einem im Acker verborgenen Schatz, den ein Mensch fand und verbarg; und vor Freude darüber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker. Wiederum ist das Reich der Himmel gleich einem Kaufmann, der schöne Perlen sucht; als er aber eine sehr kostbare Perle gefunden hatte, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.

(Matthäus 13, 44 – 46 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

 

Zum Hintergrund von Matthäus 13

Das 13. Kapitel des Matthäusevangeliums enthält gleich in mehrfacher Weise verschiedene Besonderheiten, auf die es bei seiner Auslegung zu achten gilt:

* In Kapitel 12 dieses Evangeliums erreicht die Feindschaft der religiösen Autoritäten Israels gegenüber dem Herrn Jesus Christus ihren Höhepunkt. In Matthäus 12, 22 – 30 beschuldigen die Pharisäer Ihn, Er könne Seine Wunder nur deshalb tun, weil Er sie mit Hilfe des Teufels ausführen würde. Eine schlimmere Sünde konnten die Pharisäer kaum mehr begehen. Öffentlich schrieben sie Seine machtvollen Taten der Liebe und Barmherzigkeit dem Teufel zu. Damit war ihre Ablehnung des von Gott gesandten Messias offiziell.
In Matthäus 12, 38 – 42 lehnt der Herr Jesus Christus dann die letzte Zeichenforderung der Pharisäer ab und kündigt an, dass sie im Gericht Gottes von jenen Völkern angeklagt werden würden, die auf Gottes Reden durch Jona und Salomo reagiert hatten. Durch Jona und Salomo hatte sich Gott in einem weitaus geringeren Maße den Menschen geoffenbart, doch die Bewohner von Ninive und die Königin von Saba nahmen die jeweilige Offenbarung mit einem offenen Herzen an. Mit den Worten: “Und siehe, hier ist mehr als Salomo!“ macht der Herr Jesus Christus eindrücklich deutlich, dass in Ihm Gottes Offenbarung an das Volk Israel zur Vollkommenheit gelangt ist und dass aus diesem Grund jene, die Ihn ablehnen, ein wesentlich härteres Gericht empfangen werden.

* Bisher hatte der Herr Jesus Christus Gleichnisse gebraucht, um dadurch geistliche Wahrheiten zu verdeutlichen (vgl. Matthäus 7, 24 – 27; Matthäus 9, 15 – 17; Matthäus 11, 16 – 19; Matthäus 12, 43 – 45). Mit Matthäus 13 verändert sich diese Lehrmethode des Herrn. In diesem Kapitel beginnt Er damit, durch Gleichnisse verschiedene prophetische Wahrheiten über das Reich Gottes zu offenbaren. Aus diesem Grund werden die Gleichnisse in Matthäus 13 auch als prophetische Gleichnisse bezeichnet.
Erinnern wir uns: Seit Seinem ersten öffentlichen Auftreten rief der Herr das Volk Israel zur Buße auf und kündigte das Kommen des Reiches Gottes an. Damit das Reich Gottes unter dem Volk hätte aufgerichtet werden können, wäre eine nationale Buße notwendig gewesen. Denn das Reich Gottes trägt die moralischen Charakterzüge Gottes, d.h. nichts Sündiges und kein Sünder können dort hinein gelangen (Johannes 3, 3 – 6; 1. Korinther 6, 9 – 10; 1. Korinther 15, 50; Galater 5, 20 – 21; Epheser 5, 5). Doch zu dieser Umkehr zu Gott war das Volk in seiner Gesamtheit nicht bereit. Ganz im Gegenteil. Während zwar immer wieder große Teile des Volkes die Lehre des Herrn annahmen, wurde der Widerstand der politischen und religiösen Autoritäten immer vehementer. Indem sie den von Gott gesandten Messias ablehnten, lehnten sie gleichzeitig den König des Reiches Gottes ab. Nachdem diese Ablehnung in Matthäus 12 ihren Höhepunkt erreicht hat, lesen wir an keiner weiteren Stelle, dass der Herr Jesus Christus davon spricht, dass das Reich Gottes “nahe gekommen“ wäre. Vielmehr beginnt der Herr Jesus Christus ab Matthäus 13 damit, eine neue Wahrheit über das Reich Gottes zu offenbaren (vgl. Matthäus 13, 11!), nämlich dass die (buchstäbliche) Aufrichtung des Reiches Gottes durch die Verwerfung seines Königs  eine zeitliche Verschiebung erfahren würde. Erst nach seinem zweiten Kommen in Macht und Herrlichkeit würde dieses Reich durch Christus auf Erden errichtet werden (vgl. Apostelgeschichte 3, 21). In der Zeit bis zu seiner (buchstäblichen) Aufrichtung auf Erden würde dieses Reich in einer anderen Form bestehen und zwar unter denen, die sich zu Ihm bekennen, also zum Ausdruck bringen, dass Er der Herr ihres Lebens ist und sie unter Seiner Herrschaft leben. Dies ist der Bereich des Christentums. Diese Wahrheit war bisher ein “Geheimnis“ (griech. “μυστήριον“). Wenn das Neue Testament diesen Begriff benutzt, dann ist damit nichts “Geheimnisvolles“ oder “Mystisches“ gemeint, sondern eine bisher noch nicht geoffenbarte Wahrheit, die jetzt von Gott geoffenbart wird. Das Neuen Testament kennt acht solcher “Geheimnisse“ (Klick!). Zu Beginn waren der innere Zustand  und das äußerliche Zeugnis aller zu diesem Herrschaftsbereich Christi Gehörenden in Übereinstimmung. Wir lesen jedoch bereits im Gleichnis vom Sämann, dass der Widersacher “Unkraut“ unter den Weizen säte. Nach der Anerkennung des Christentums als Staatsreligion, wechselten viele Bürger des römischen Reiches  vom Heidentum zum Christentum, ohne eine geistliche Veränderung erfahren oder wirklich Buße getan zu haben. Sie erhofften sich von ihrem Religionswechsel vielmehr Ansehen und Karrierechancen im nun christianisierten römischen Staat. Diese Vermischung von wahrhaft Gläubigen und Ungläubigen im Reich Gottes ist einer der zentralen Schwerpunkte der Gleichnisse in Matthäus 13.
Weil die meisten Menschen davon ausgehen, dass der Herr Jesus Christus Gleichnisse immer nur erzählte, um dadurch eine geistliche Wahrheit zu verdeutlichen, übersehen sie den bedeutsamen Unterschied zwischen den Gleichnissen Jesu vor Matthäus 13 und den Gleichnisse in Matthäus 13. Während die Gleichnisse vor Matthäus 13 das Ziel haben, geistliche Wahrheiten zu verdeutlichen, handelt es sich – wie gesagt –  bei den Gleichnissen in Matthäus 13 um prophetische Gleichnisse, die die Entwicklung des Reiches Gottes beschreiben.

Zum Begriff “Himmelreich“

Es ist wichtig, dass wir den Begriff “Himmelreich“ oder “Reich der Himmel“ nicht falsch verstehen. Luthers Übersetzung der griechischen Bezeichnung (“της βασιλειας των ουρανων“ / “tes basileias ton ouranon“) hat leider der falschen Vorstellung Vorschub geleistet, dieses Reich würde sich “im Himmel“ bzw. “in den Himmeln“ befinden. Doch der Begriff besagt nicht, dass es sich dabei um ein “Reich im Himmel/in den Himmeln“ handelt, sondern, dass dieses Reich vom Himmel aus regiert wird. Wir finden diesen Begriff bereits im Alten Testament: In Daniel 7 lesen wir von dem Kommen des Sohnes des Menschen und dem weltweiten Reich, das Er empfangen wird (Daniel 7, 13 – 14). Doch bereits in Daniel 2, 44 ist die Rede davon, dass “der Gott des Himmels“ dieses Reich regieren wird. In Daniel 4, 26 wird sogar explizit gesagt, dass “die Himmel herrschen“, womit natürlich nichts anderes gemeint ist, als das die Herrschaft über dieses Reich von Gott im Himmel ausgehen wird. Das Reich selbst aber wird auf der (dann erneuerten) Erde aufgerichtet werden (vgl. Daniel 2, 34 – 35 & 44 – 45 [man beachte, dass der “Stein“ aus dem Himmel herabkommt und zwar “ohne Zutun von Menschenhänden“ {!}]; Offenbarung 20, 1 – 6).
Als Matthäus sein Evangelium schrieb, hatte er dabei insbesondere Juden als Leserschaft im Blick (zur Zielgruppe des Matthäusevangeliums siehe: Klick!). Diese vermieden es, den Namen Gottes auszusprechen, weil sie nicht gegen das 3. Gebot (das sich gegen den Missbrauch des Namens Gottes richtet) verstoßen wollten. Aus diesem Grund benutzt Matthäus ebenfalls weder den Namen Gottes noch den Begriff “Gott“, sondern das im Judentum (insbesondere dem Buch des Propheten Daniel) bekannte Synonym “Himmel“. So meinen also die Evangelisten, wenn sie vom “Reich Gottes“ (Markus, Lukas, Johannes) bzw. dem “Himmelreich“ / “Reich der Himmel“ (Matthäus) sprechen, ein und dasselbe Reich.

Unterscheidung: Das Reich Gottes und die Versammlung (= Gemeinde / Kirche)

Eine weit verbreitete Vorstellungen über das Reich Gottes ist, dass es gleichbedeutend sei mit der Versammlung (= Gemeinde/Kirche). Das ist jedoch nicht der Fall, wie wir an einem Vergleich von wenigen Bibelstellen erkennen können. Auf die Unterschiede zwischen dem Reich Gottes und der Versammlung (= Gemeinde/Kirche) bin ich bereits an anderer Stelle eingegangen. Nachfolgend wiederhole ich nur die 10 wichtigsten Unterschiede:

1) Die Gläubigen, die zur Versammlung (= Gemeinde/Kirche) gehören, wurden in Christus vor Grundlegung der Welt auserwählt (vgl. Epheser 1, 4), wohingegen das Reich von (oder: seit) Grundlegung der Welt an bereitet wurde (vgl. Matthäus 25, 34).

2) Die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) entstand am Tag der Pfingsten mit dem Kommen des Heiligen Geistes (vgl. Apostelgeschichte 2, 1 – 47). Das Reich Gottes nahm seinen Anfang schon davor mit seiner Verkündigung durch den König dieses Reiches, den Herrn Jesus Christus und zwar mit dem Beginn seines öffentlichen Dienstes (vgl. Matthäus 4, 17; Markus 1, 15).

3) Die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) wird erst im Neuen Testament erwähnt und thematisiert (Matthäus 16, 13 – 19). Sie ist im Alten Testament unbekannt (so wird sie z.B. nicht unter den prophetisch vorhergesagten Dingen in 1. Petrus 1, 9 – 12 genannt). Vom Reich Gottes hingegen sprechen bereits die alttestamentarischen Propheten (vgl. Jesaja 9; 11; 60; 61; 62; 63; 64; 65; 66; Daniel 2; Daniel 7; Micha 5; Psalm 45; Psalm 72 u. a. m.)

4) Nach den alttestamentarischen Prophezeiungen wird das Reich Gottes auf dieser Erde errichtet werden und ein Ort irdischen, materiellen Segens sein (vgl. die unter Punkt 3 angegebenen alttestamentarischen Verheißungen, insbesondere bei Jesaja). Im Gegensatz dazu sind den Gläubigen der Versammlung (= Gemeinde/Kirche) vorrangig geistliche Segnungen verheißen und verliehen worden (vgl. Epheser 1, 3; Römer 8, 16 – 17; Hebräer 3, 1), ihr Glaubensziel ist nicht die Erde, sondern die ewige Gemeinschaft mit Gott im Haus des Vaters (Johannes 14, 1 – 3).

5) Zur Versammlung (= Gemeinde/Kirche) gehören all jene, die das Evangelium geglaubt, Buße getan, Jesus Christus als ihren Herrn und Erlöser angenommen (Apostelgeschichte 16, 31; Johannes 1, 12 – 13) und den Heiligen Geist empfangen haben (Epheser 1, 13; 1. Korinther 12, 13). Im Reich Gottes dagegen befinden sich auch solche, die nur äußerlich und mit dem Mund die Herrschaft Christi bekennen (vgl. Matthäus 13, 24 – 30), d.h. sich Christ nennen ohne in einer Glaubens- und Lebensbeziehung zu Jesus Christus zu stehen.

6) All‘ jene, die durch Glauben und Wiedergeburt aus dem Heiligen Geist (Apostelgeschichte 16, 31; Johannes 1, 12 – 13; Epheser 1, 13; 1. Korinther 12, 13) zur Versammlung (= Gemeinde/Kirche) gehören, haben auch Anteil am Reich Gottes (vgl. Kolosser 1, 13; Johannes 3, 1 – 6; 1. Thessalonicher 2, 12). Von jenen, die – rein äußerlich zum Reich Gottes gehören – wird nirgendwo in der Heiligen Schrift gesagt, dass sie auch Teil der Versammlung (= Gemeinde/Kirche) seien.

7) Die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) wird als eine „neue Masse“ gesehen (1. Korinther 5, 7). Das Reich Gottes wird jedoch als „von Sauerteig durchsäuert“ beschrieben, d.h. in ihm sind Gutes (= reiner Teig) und Böses (= Sauerteig) miteinander vermischt (vgl. Matthäus 13, 33; Lukas 13, 20 – 21). „Sauerteig“ bezeichnet in der Heiligen Schrift nie etwas Gutes, sondern durchgängig etwas Böses (vgl. dazu meinen Artikel „Guter Sauerteig?“: Klick!)

8 ) Während im Reich Gottes bzw. im Reich der Himmel „Unkraut und Weizen“ bis zur Ernte nebeneinander wachsen sollen und es den Knechten des Herrn untersagt wird, das Unkraut vorher zu entfernen (vgl. Matthäus 13, 24 – 30), gibt der Apostel Paulus im Gegensatz dazu in 1. Korinther 5, 9 – 13 eine klare Anweisung zur Trennung von solchen, die sich „Brüder“, also „Gläubige“, nennen, aber durch ihren Wandel deutlich zeigen, dass sie Christus nicht wirklich angehören (vgl. zu „falschen Brüdern“ auch Galater 2, 4 und 2. Korinther 11, 26). Auch der Herr Jesus Selbst hat in Matthäus 18, 15 – 17 ähnliche Anweisungen gegeben.

9) Die Zeit der Versammlung (= Gemeinde/Kirche) auf dieser Erde dauert von ihrer Entstehung am Tag der Pfingsten (Apostelgeschichte 2, 1 – 47) bis zum Zeitpunkt der Entrückung (1. Thessalonicher 4, 17 – 18). Das Reich Gottes begann mit der öffentlichen Verkündigung desselben durch den Herrn Jesus Christus während Seines irdischen Dienstes (vgl. Matthäus 4, 17; Markus 1, 15). Es wird seinen vollen Ausdruck im Tausendjährigen Friedensreich, dem Millennium, finden und mit dem Gericht vor dem großen weißen Thron enden (vgl. 1. Korinther 15, 25 – 26; Offenbarung 20, 11 – 15).

10) Der Herr Jesus Christus ist der König des Reiches Gottes (vgl. Johannes 1, 49; Matthäus 18, 23 – 35; Matthäus 21, 5 i.V.m. Sacharja 9, 9; Matthäus 22, 2 – 14; Matthäus 25, 34 u. a. m.) Im Zusammenhang mit der Versammlung (= Gemeinde/Kirche) wird der Herr Jesus Christus nie als „König“ bezeichnet, sondern als „Herr“ oder „Haupt“ (vgl. „Herr“: Römer 1, 4 + 7; Römer 5, 1 + 11 + 21; 1. Korinther 1, 2 – 3 + 7 – 10; Epheser 4, 5; „Haupt“: Epheser 1, 10; + 22; Epheser 4, 15; Kolosser 1, 18; Kolosser 2, 19 u. a. m.).

Anmerkunge zu Matthäus 13, 44 – 46: Das Gleichnis vom Schatz im Acker

* “Das Reich der Himmel ist gleich einem im Acker verborgenen Schatz, den ein Mensch fand und verbarg; und vor Freude darüber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker.“ – Matthäus 13, 44Zu allen Zeiten wurden Wertgegenstände (“Schätze“) vergraben, sei es, um sich vor Diebstahl oder Plünderung zu schützen, sei es, um Depots für Krisenzeiten anzulegen oder um das Erbe der Kinder zu sichern.
Der Herr Jesus Christus benutzt diese Tatsache, um Seinen Zuhörern und auch uns eine Wahrheit in Bezug auf das Reich der Himmel zu lehren. Das kurze Gleichnis nennt uns keinen Grund, warum der “Schatz im Acker“ verborgen wurde. Wir erfahren auch nichts über die Person, die den Schatz im Acker vergrub, noch über die zeitlichen oder geographischen Umstände dieses Geschehens. Wenn wir uns jedoch an den Grundsatz halten, dass die Bibel immer nur durch die Bibel ausgelegt werden kann, so werden wir im Folgenden erkennen, dass sie uns alle entscheidenden Fragen beantwortet:
Wer ist die Person, die den Schatz im Acker findet und alles verkauft, um den Acker samt Schatz zu erwerben? Im Text wird diese Person nur als “ein  Mensch“ bezeichnet. Eine ähnliche Bezeichnung finden im Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen (Matthäus 13, 24) und ebenso im Gleichnis vom Senfkorn (Matthäus 13, 31). In Matthäus 13, 37 wird dann gesagt, dass es sich bei “diesem Menschen“ um den “Sohn des Menschen“ handelt. Der Begriff “Sohn des Menschen“ ist der Titel, mit dem der Herrn Jesus Christus im Zusammenhang mit Seinem irdischen Dienst, Seinem Leiden, Sterben und Seiner Auferstehung (Hebräer 2, 1 f.) und im Zusammenhang mit Seiner zukünftigen Herrschaft über diese Erde (Matthäus 16, 27; Offenbarung 1, 13; Offenbarung 14, 14) bezeichnet wird.
Der Mensch, der den Schatz im Acker findet, kann also niemand anderes als der Herr Jesus Christus, der Sohn Gottes und Erlöser der Welt selbst sein.
Ich bin mir sehr bewusst, dass die Feststellung vielen bekannten Auslegungen widerspricht. Immer wieder wurde behauptet, dass es sich bei “diesem Menschen“ um einen ganz natürlichen Menschen handelt, der das “Heil“ / “den Erlöser“ / “das Evangelium“ findet und, um es zu besitzen, alles aufgibt.  Doch diese populären Auslegungen spiegeln nicht nur den tief im Menschen verwurzelten Gedanken der “Werksgerechtigkeit“ wieder, sie stehen auch im deutlichen Widerspruch zur Lehre des Neuen Testaments. Der suchende und nach Gott fragende Mensch muss sich sein Heil, seine Erlösung, nicht erarbeiten oder erkaufen. Sie ist ein freies Gnadengeschenk Gottes für jeden, der Ihm und Seinem Wort vertraut:

“Denn durch die Gnade seid ihr errettet, mittels des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.“

(Epheser 2, 8 – 9 ELDBEDHÜ)

“Darum, aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden; denn durch Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde. Jetzt aber ist, ohne Gesetz, Gottes Gerechtigkeit offenbart worden, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten: Gottes Gerechtigkeit aber durch Glauben an Jesus Christus gegen alle [und auf alle], die glauben. Denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist; (…)“

(Römer 3, 20 – 24 ELBEDHÜ)

Der Mensch ist gar nicht in der Lage, sein heil, seine Erlösung, zu “erwerben“ geschweige denn zu “bezahlen“:

“Keineswegs vermag jemand seinen Bruder zu erlösen, nicht kann er Gott sein Lösegeld geben (denn kostbar ist die Erlösung ihrer Seele, und er muss davon abstehen auf ewig), (…)“

(Psalm 49, 8 – 9 ELBEDHÜ)

Die Unmöglichkeit des Erwerbs der Erlösung bezieht sich sowohl auf irdischen Reichtum als auch auf jede Form geistlichen “Erwerbs“. Niemand kann sich die Erlösung erkaufen oder durch irgendwelche Werke erwerben.
Aber das muss der Gott suchende Mensch auch gar nicht, denn es hat schon einer für die Seelen der Menschen, für ihre Erlösung und ihr ewiges Heil bezahlt:

“(…) indem ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichen Dingen, mit Silber oder Gold, erlöst worden seid von eurem eitlen, von den Vätern überlieferten Wandel, sondern mit dem kostbaren Blut Christi, als eines Lammes ohne Fehl und ohne Flecken; (…)“

(1. Petrus 1, 18 – 19 ELBEDHÜ)

Einzig der Sohn Gottes konnte mit Seinem eigenen Blut den Preis für die Erlösung des Menschen bezahlen und Er tat es!

“Hierin ist die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als Sühnung für unsere Sünden.“

(1. Johannes 4, 10 ELBEDHÜ)

“Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.“

(Römer 6, 23 ELBEDHÜ)

Wenn wir im Neuen Testament aufgefordert werden, Opfer zu bringen, das Kreuz auf uns zu nehmen, die Kosten der Nachfolge zu überschlagen, so stehen diese Aufforderungen nicht mit unserem Heil, unserer Erlösung, im Zusammenhang, sondern mit der Jüngerschaft, unserem Leben in der Nachfolge Christi (vgl. z.B. Matthäus 6, 19 – 34 u.a.). Die Erlösung ist kostenlos, weil sie ein Gnadengeschenk Gottes, ist (vgl. Offenbarung 22, 17). Das Leben in der Nachfolge Jesu Christi, ist für Jünger immer mit Kosten verbunden, da es ein Leben in der Nachfolge eines von der Welt verworfenen Erlösers ist.
Wenden wir uns nun der Frage zu, was wir unter dem verborgenen Schatz zu verstehen haben, der “im Acker“ verborgen war. Die Antwort auf diese Frage wird klarer, wenn wir uns erst einmal verdeutlichen, was wir unter “dem Acker“ zu verstehen haben. In Matthäus 13, 38 hat der Herr Jesus Christus hierzu erklärt:

“(…) der Acker aber ist die Welt; (…)“

Wenn aber “der Acker die Welt ist“, dann unterstreicht diese Aussage noch einmal den Gedanken, dass es sich bei “dem Menschen“ nicht um den nach Gott suchenden Menschen handeln kann, denn welcher normale Mensch wäre in der Lage, “die Welt“ zu erwerben? Nein, diese Möglichkeit war nur dem Sohn Gottes, der sowohl Mensch als auch Gott ist, gegeben.
Mit anderen Auslegern bin ich davon überzeugt, dass es sich bei dem “Schatz“ um die Versammlung (= Gemeinde / Kirche) handelt. Denn in Johannes 17, 2 + 6 bezeugt der Sohn Gottes:

“(…) so wie du ihm Gewalt gegeben hast über alles Fleisch, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben gebe. (…) Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Dein waren sie, und mir hast du sie gegeben, und sie haben dein Wort gehalten.“

Der Sohn Gottes hat von Gott Autorität über “alles Fleisch“, d.h. die ganze Welt, den ganzen “Acker“ bekommen. Doch in diesem Acker befanden und befinden sich die Menschen, die Gott Ihm “aus der Welt“, d.h. “dem Acker“, gegeben hat, die Erlösung empfangen und in der Folge die Versammlung (= Gemeinde / Kirche) des lebendigen Gottes (1. Timotheus 3, 15) bilden.
Dass es sich bei dem Menschen, der den Schatz findet, um den Herrn Jesus Christus und bei dem “Schatz“ um die Erlösten handelt, wird auch dadurch deutlich, dass uns das neue Testament das Handeln des Herrn im Zusammenhang mit der Erlösung verlorener Menschen oft als “Finden“ beschreibt (vgl. Matthäus 18, 13; Matthäus 22, 9; Lukas 15, 4; Johannes 1, 43).
Es wird uns in diesem Gleichnis gesagt, dass dieser Mensch den Schatz im Acker “fand und verbarg“, um dann anschließend hinzugehen, alles zu verkaufen und um so den Acker – und damit auch den Schatz – zu erwerben. Der Sohn Gottes musste zuerst hingehen und Sein Leben als Sühnopfer geben, ehe er den Schatz “bergen“ konnte. Wir sehen hier in wenigen Worten das Leiden Jesu, Seinen Kreuzestod, Seine Auferstehung, Seine Himmelfahrt und die Erfüllung der Verheißung des Vaters (Apostelgeschichte 1, 4) – die Sendung des Heiligen Geistes an Pfingsten – vorgeschattet. Erst nach Seinem Tod, Seiner Auferstehung und Himmelfahrt wurde der “Schatz“ am Tag der Pfingsten “geborgen“, trat ans Licht, wurde öffentlich sichtbar.
Es ist nach meiner Überzeugung äußerst bemerkenswert, dass uns in Matthäus 13, 44 der Beweggrund genannt wird, der den Herrn dazu veranlasste, den “Acker“ und damit auch den “Schatz“ zu erwerben:

“(…) und vor Freude darüber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker.“

Es war die Freude des Sohnes Gottes an den Menschen, die Ihm vertrauen, glauben und Nachfolgen würden, die Ihn dazu bewegte, den “Acker“ zu erwerben und zwar um den Preis Seines eigenen Lebens:

“(…) hinschauend auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der, die Schande nicht achtend, für die vor ihm liegende Freude das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Denn betrachtet den, der so großen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet, indem ihr in euren Seelen ermattet.“

(Hebräer 12, 2 – 3 ELBEDHÜ)

Die Gläubigen werden in diesem Gleichnis in verschiedenen Bildern gesehen – zum einen als verlorene Sünder, die es zu finden und zu erlösen gilt. Damit wird der Zustand beschrieben, in dem der Sohn Gottes uns fand. Dann aber auch als “Schatz‘, womit uns der Wert vorgestellt wird, den die Gläubigen in den Augen Gottes bereits hatten, ehe dfie Erlösung durch den Tod Jesu Christi am Kreuz von Golgatha vollendet wurde.
Hebräer 12, 2 – 3 lehrt uns, dass Seine vollkommene Freude und Seine vollkommene Hingabe für uns die tragfähige Grundlage bilden, auf der wir Ihm in dieser Welt nachfolgen können, ohne zu ermüden oder zu ermatten. Dafür all das aufzugeben, was unsere Freude und Hingabe an Ihn hindert, ist dann nicht mehr schwer. Der Apostel Paulus hatte diesen Zusammenhang nicht nur verstanden, er setzte ihn auch ganz praktisch in die Tat um:

“Aber was irgend mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Verlust geachtet; ja wahrlich, ich achte auch alles für Verlust wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe und es für Dreck achte, damit ich Christus gewinne, (…)“

(Philipper 3, 7 – 8 ELBEDHÜ)

Das ist umso wichtiger, als uns der Herr selbst lehrt, dass wir, die Gläubigen, zwar immer noch “in der Welt“ aber durch Sein Erlösungswerk an und für uns nicht mehr “von“ der Welt sind (vgl. Johannes 17, 11 + 13 + 14 + 16). Der Tag wird kommen, an dem “der Schatz“ ganz aus dem “Acker“ herausgenommen wird. Das hat der Erlöser verheißen:

“Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich! In dem Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn es nicht so wäre, hätte ich es euch gesagt; denn ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seiet.“

(Johannes 14, 1 – 3 ELBEDHÜ)

Denn das ist Sein Wunsch:

“Vater, ich will, dass die, die du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin, damit sie meine Herrlichkeit schauen, die du mir gegeben hast, denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt.“

(Johannes 17, 24 ELBEDHÜ)

Dann wird auch der “Acker“ seiner ihm von Gott zugedachten, guten Bestimmung zugeführt werden:

“Das Reich der Welt unseres Herrn und seines Christus ist gekommen, und er wird herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit.“

(Offenbarung 11, 15 ELBEDHÜ)

* “Wiederum ist das Reich der Himmel gleich einem Kaufmann, der schöne Perlen sucht; als er aber eine sehr kostbare Perle gefunden hatte, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.“ – Matthäus 13, 45 – 46 – Nach meiner Überzeugung wird uns im Gleichnis von der kostbaren Perle derselbe Sachverhalt beschrieben, wie in Matthäus 13, 44, jedoch mit anderen Akzenten. Auch in diesem Gleichnis ist wieder vom Suchen, Finden, dem Verkaufen des gesamten Besitzes und dem Erwerb des gefundenen Gegenstandes die Rede. Anstelle des “Menschen“ wird uns der Herr hier als “Kaufmann“  vorgestellt.
Dieser Kaufmann “suchte“ schöne Perlen. Sein Wunsch, Sein Wille, war es, kostbare Perlen zu finden. Sein Handeln geschah also nicht rein zufällig, sondern entsprang einer spezifischen Absicht. Es war die Absicht Gottes, sich ein Volk “für Seinen Namen“ zu erwählen:

“Simon hat erzählt, wie zuerst Gott darauf gesehen hat, aus den Nationen ein Volk zu nehmen für seinen Namen.“

(Apostelgeschichte 15, 14 ELBEDHÜ)

Dies geschah durch das Erlösungswerk Christi:

“(…) der sich selbst für uns gegeben hat, damit er uns von aller Gesetzlosigkeit loskaufte und sich selbst ein Eigentumsvolk reinigte, das eifrig sei in guten Werken. Dies rede und ermahne und überführe mit allem Nachdruck. Lass niemand dich verachten!“

(Titus 2, 14 ELBEDHÜ)

Das hier im griechischen Grundtext gebrauchte Wort für “suchen“ ist  “ζητέω“ (zeteo). Es kann “suchen“ im Sinn des Aufspürens einer  Sache meinen, jedoch auch “suchen“ im Sinne von “nach etwas begehren“ bedeuten. Gott muss nicht nach etwas suchen, weil Er nicht wüsste, wo es sich befindet. Er ist allwissend.  Sein Suchen ist vielmehr ein Suchen im zweiten Sinne: Gott sucht nach Menschen, die Ihm vertrauen, um ihnen Seine Liebe schenken zu können (vgl. Johannes 4, 23).  Aber “Kaufmann“ findet nicht nur schöne oder kostbare Perlen, er findet eine “sehr kostbare Perle“, eine Perle, die den Wert aller anderen Perlen übertrifft.
Während die Versammlung (= Gemeinde / Kirche) im vorangegangenen Gleichnis als Schatz und damit als Summe vieler Einzelteile – gesehen wird, steht bei dem Gleichnis von der kostbaren Perle die Einheit der Versammlung  (= Gemeinde / Kirche) im Vordergrund. Perlen sind zudem ein Symbol für Schönheit und hohen Wert und finden daher auch Erwähnung im Zusammenhang mit der Heiligkeit Gottes (Matthäus 7, 6).  Hier werden die Gläubigen wieder aus der Sicht Gottes gesehen – in Seinen Augen ist die Versammlung (= Gemeinde / Kirche) vollkommen, heilig und schön. Für Ihn besitzt sie den größten Wert. Sie zieht Er allen anderen “Perlen“ vor. Auch, wenn sie sich zu diesem Zeitpunkt noch in einem Zustand befand, der nicht schön, sondern vollkommen sündig und verdorben war. Es wird der Tag kommen, an dem  der Herr die Gläubigen in ihrer Gesamtheit zu sich nehmen wird (1. Thessalonicher 4, 15 – 17). Doch das kann nur geschehen, weil Er am Kreuz von Golgatha das Sühnopfer für all‘ jene gebracht hat, die Seine Versammlung (= Gemeinde / Kirche) bilden:

“(…) wie auch der Christus die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, damit er sie heiligte, sie reinigend durch die Waschung mit Wasser durch das Wort, damit er die Versammlung sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern dass sie heilig und untadelig sei.

(Epheser 5, 25 – 27 ELBEDHÜ)

Christus hat sich für die Versammlung (= Gemeinde / Kirche) gegeben. Das Bild der Perle macht deutlich, wie dies geschehen ist. Eine Perle entsteht bekanntlich dann, wenn Schmutz in eine Muschel eindringt und diese verletzt. Als Reaktion bildet sich um den verletzenden Fremdkörper Perlmutt. Es war unsere Sünde, die nur durch den Tod des Sohnes Gottes gesühnt werden konnte, unsere Sünde brachte Ihm den Tod. Aber Sein Tod brachte uns nicht nur die Erlösung, sondern auch die Verherrlichung in Ihm (2. Thessalonicher 1, 12).
Aus diesen Worten des Apostels Paulus in Epheser 5, 25 f. wird auch deutlich, woher die Kostbarkeit, die Heiligkeit und die Schönheit der “Perle“ rührt. Alle diese Dinge hat sie nicht aus sich selbst, sie wurden ihr verliehen durch den, der sich selbst für sie dahin gab, sie heiligte und  verherrlichte. Auch wenn heute wenig von dieser Herrlichkeit, Untadeligkeit und Schönheit zu erkennen ist, wird sie doch an dem Tag Realität, an dem Christus Seine Versammlung (= Gemeinde / Kirche) zu sich nimmt, denn ihre Verherrlichung ist bei Ihm bereits “beschlossene Sache“, ja in gewisser Weise bereits jetzt vollendet:

“Welche er aber zuvor bestimmt hat, diese hat er auch berufen; und welche er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt; welche er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht.“

(Römer 8, 30 ELBEDHÜ)

Denn dies ist die Bestimmung der Gläubigen (vgl. Epheser 1, 4). Und Gott sieht uns bereits heute schon so, wie Er uns sich selbst einst darstellen wird. Wir werden das Ziel Gottes nicht verfehlen und zwar nicht, weil wir so gut, arbeitsam, diszipliniert oder oder oder sind. Nein, einen solchen Gedanken sollten wir weit von uns weisen. In uns ist nichts, was dieses Werk vollbringen könnte. Gott selbst ist es, der Sein Ziel mit uns erreichen wird und zwar durch Seine uns verändernde Liebe, durch die Kraft Seiner Gnade und durch die Wirksamkeit Seines Heiligen Geistes in uns.
Genau das gilt auch für die “Einheit“, die durch das Bild der “Perle“ zum Ausdruck kommt. Nach verschiedenen Statistiken soll es mehr als 20.000 christliche Konfessionen und Denominationen auf der Erde geben. Von “Einheit“ ist da nicht viel zu sehen. Zwar gab und gibt es die unterschiedlichsten Bemühungen, die “Christenheit“ zu einen, doch bis heute ist das nicht gelungen und der seit einigen Jahren kursierende Begriff von der “Einheit in Vielfalt“ deutet darauf hin, dass niemand denkt, dass dieses Ziel zu erreichen ist. Das stimmt auch und zwar, soweit es menschliche Bemühungen betrifft. Vor Gott aber gibt es keine 20.000 Konfessionen oder Denominationen. Vor Gott gibt es nur Seine Kinder, Menschen, die von neuem geboren wurden (Johannes 3, 1 – 6) und den Heiligen Geist durch Glauben an den Sohn Gottes empfangen haben (Galater 3, 2). Diese Menschen sind durch einen Geist zu einem Leib, nämlich zu dem Leib des Christus, getauft worden (vgl. 1.. Korinther 12, 13) und dadurch in einer untrennbaren Einheit verbunden. Das, was Menschen organisatorisch herbeiführen möchten, ist geistlich-organisch bereits vorhanden. Und diese Einheit ist es, die Gott sieht, weil Er sie geschaffen hat.
Während uns das Bild des “Schatzes im Acker“ den Wert vor Augen führt, den jeder einzelne Gläubige für Gott hat, liegt im Gleichnis von der kostbaren Perle der Fokus auf dem Wert, den die gesamte Versammlung (= Gemeinde / Kirche) in den Augen Gottes besitzt.

Es könnten noch viele weitere Details dieser beiden Gleichnisse besprochen werden und jedes dieser Details würde unseren Blick weiter auf die Liebe, Größe und Gnade Gottes und Seines Erlösers, unseres Herrn Jesus Christus werfen. Dies aus Zeitgründen nicht möglich. Ich möchte daher  mit einem Gedanken schließen:

Alles, was wir als Gläubige besitzen und erfahren dürfen, verdanken wir einzig und allein der Liebe und Gnade unseres Erlösers. Ohne Ihn, der bereit war, alles für uns zu geben, wäre die Freude, mit der wir heute bereits Sein Heil geniessen dürfen und die Freude, die uns in Ewigkeit erfüllen wird, niemals möglich geworden. Dafür gebührt Ihm, unserem Herrn Jesus Christus, allein alle Ehre und alle Anbetung.

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BAB am 16.01.2017

Bemerkenswertes aus der Blogosphäre … und von anderswo her:

* Lesenswert I: T-Online: “Das ist schon eine kleine Sensation“ – handschriftliche Notizen von Martin Luther in der Herzog August Bibliothek (HAB) in Wolfenbüttel gefunden: Klick! & BBC News: “A first edition of one of the most important works of the man who inspired the Protestant Reformation has been discovered in a library in France“: Klick!

* Beachtens- und Benutzenswert:  Die Echo-Prayer-App: Einfach, übersichtlich, hilfreich und kostenlos: Klick!

* Lesenswert II: “Das Heil für Juden“ – Ein Blogartikel von Ansgar Hörsting: Klick!

* Sehenswert I: The Making of a Bible

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Jesus Christus, der Erste und der Letzte

Rom, Domitilla-Katakomben, Steintafel mit Inschrift, Alpha und Omega und Christussymbol Chi Rho

Rom, Domitilla-Katakomben, Steintafel mit Inschrift, Alpha und Omega und Christussymbol Chi Rho * Foto: By Dnalor 01 (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Anmerkungen zu dem der Wortverkündigung am morgigen Sonntag zugrundeliegenden Vers aus Offenbarung 1, 17 finden sich in den Artikeln “Notizen zur Offenbarung (21)“: Klick! und “Notizen zur Offenbarung (22)“: Klick!

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Anmerkungen zu 2. Mose 33, 17 – 23

GoldCalf

Das goldene Kalb * Nicolas Poussin [Public domain], via Wikimedia Commons


Das Bibelwort, das die Grundlage der Wortverkündigung am morgigen Mittwoch bildet, ist dem 2. Buch Mose (zum Hintergrund des 2. Buches Mose: Klick!)  entnommen. Wir lesen und betrachten den betreffenden Vers in seinem Kontext:

“Und der HERR sprach zu Mose: Auch dies, was du gesagt hast, werde ich tun; denn du hast Gnade gefunden in meinen Augen, und ich kenne dich mit Namen.
Und er sprach: Lass mich doch deine Herrlichkeit sehen!
Und der HERR sprach: Ich werde alle meine Güte vor deinem Angesicht vorübergehen lassen und werde den Namen des HERRN vor dir ausrufen; und ich werde begnadigen, wen ich begnadigen werde, und werde mich erbarmen, wessen ich mich erbarmen werde. Und er sprach: Du vermagst nicht mein Angesicht zu sehen, denn nicht kann ein Mensch mich sehen und leben. Und der HERR sprach: Siehe, es ist ein Ort bei mir, da sollst du auf dem Felsen stehen. Und es wird geschehen, wenn meine Herrlichkeit vorübergeht, so werde ich dich in die Felsenkluft stellen und meine Hand über dich decken, bis ich vorübergegangen bin. Und ich werde meine Hand wegtun, und du wirst mich von hinten sehen; aber mein Angesicht soll nicht gesehen werden.“

(2. Mose 33, 17 – 23 ELBEDHÜ; z. Vgl. Luther’84)

Zum Hintergrund von 2. Mose 33, 17 – 23

Zum besseren Verständnis des Geschehens, mit dem wir uns im Folgenden eingehender befassen wollen, ist es angebracht die Kapitel 32 – 34 des 2. Buches Mose im Zusammenhang zu lesen. Als wichtige Ergänzung und Verständnishilfe schlage ich außerdem vor, das 19. Kapitel des Buches zu lesen.
In 2. Mose 19, 1 – 6  und den folgenden Kapiteln wird uns berichtet, wie Gott mit dem Volk Israel, das Er aus der Sklaverei in Ägypten befreit hatte, einen Bund schloss. Bis Kapitel 31 werden uns dann alle dieses Geschehen betreffenden Ereignisse und die damit verbundenen Gebote und Bestimmungen Gottes geschildert. Wir können diesen großen Bericht in zwei Abschnitte gliedern:

  1. Der (eigentliche) Bundesschluss mit seinen Geboten (2. Mose 19, 1 – 2. Mose 24, 11) und
  2. die Gebote, die im Zusammenhang mit dem Wohnen Gottes unter Seinem Volk stehen (2. Mose 24, 12 – 2. Mose 31, 18).

Die drei folgenden Kapitel berichten dann von dem Bruch des Bundes durch das Volk (Kapitel 32), der Wiederherstellung der Gemeinschaft zwischen Gott und Seinem Volk (Kapitel 33) und der Erneuerung des Bundes (Kapitel 34).

Die Wohnung Gottes und Seinem Volk und ihr Verlust

Neben dem eigentlichen Bundesschluss in 2. Mose 19, 1 ff. nehmen die Bestimmungen zur Errichtung der Stiftshütte, ihrer Einrichtung und dem mit ihr verbundenen Dienst den größten Raum ein. Durch die Errichtung der Stiftshütte, die in Josua 22, 19 als “Wohnung Gottes“ bezeichnet wird, ihre Einrichtung und die Opfer, die Gott dort darzubringen geboten hatte, wird deutlich, wie sehr es dem Wunsch Gottes entsprach, unter Seinem Volk zu wohnen und so Gemeinschaft mit ihm zu pflegen. Diesen Wunsch hatte Gott bereits in 2. Mose 25, 8 deutlich zum Ausdruck gebracht:

“Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, dass ich in ihrer Mitte wohne.“

Das hebräische Wort für “Heiligtum“, מקּדשׁ (miqdāš), bezeichnet einen heiligen Ort, ein Heiligtum, einen heiligen Gegenstand oder eine heilige Person. Der Begriff „heilig“ bezeichnet in diesem Zusammenhang etwas, das ganz und einzig für den Dienst oder zum Gebrauch Gottes, der selbst vollkommen heilig (im Sinn von ‚rein‘ und ‚einzig‘ ist), geweiht, ausgesondert, “bei Seite gesetzt“ wurde. Auch Gott selbst wird als “heilig‘ bezeichnet. Er allein ist vollkommen rein und von allem Bösen getrennt.
Auf diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass Gott für sich ein Eigentumsvolk erwählt, das ein “heiliges Volk“ (2. Mose 19, 6; 5. Mose 7, 6) sein sollte und darum vor dem Bundesschluss mit dem heiligen Gott der Heiligung (im Sinn vonm Reinigung und Weihe) bedurfte. Diese Heiligung sollte jedoch auch eine praktische Heiligung im Wandel des Volkes hervorrufen. Israel sollte nicht nur der Stellung vor Gott nach ein heiliges Volk sein, sondern diese Heiligkeit auch in seinem alltäglichen, praktischen Wandel verwirklichen, offenbaren:

“So heiligt euch und seid heilig, denn ich bin der HERR, euer Gott; und haltet meine Satzungen und tut sie. Ich bin der HERR, der euch heiligt.“

(3. Mose 20, 7 – 8)

Doch genau in diesem Punkt versagte das Volk Israel bereits kurz nach dem Bundesschluss. In 2. Mose 32, 1 ff. wird uns berichtet, wie das Volk sich erneut dem Götzendienst zuneigte. Der Grund dafür wird gleich in Vers 1 deutlich:

“Und als das Volk sah, dass Mose zögerte, vom Berg herabzukommen, da versammelte sich das Volk zu Aaron, und sie sprachen zu ihm: Auf, mache uns Götter, die vor uns hergehen! Denn dieser Mose, der Mann, der uns aus dem Land Ägypten heraufgeführt hat, wir wissen nicht, was ihm geschehen ist.“

Der Blick des Volkes war auf den Menschen Mose gerichtet, nicht auf Gott. In ihm sahen die Israeliten ihrer Befreier. Und wie immer, wenn der Mensch Gott aus seinem Blickfeld verliert und sich auf sich selbst oder seinesgleichen konzentriert, beginnt auch hier der geistliche und moralische Abfall. Er geht zwar nicht so weit, wie in dem bekannten, Schleiermacher zugeschriebenen Sprichwort, dass nämlich “Humanität ohne Divinität zur Bestialität“ wird, obwohl die Heilige Schrift deutliche Worte für den moralischen Abfall des Volkes, der dem Abfall von Gott folgte, findet (vgl. 1. Korinther 10, 7 – 8). Doch was wird aus dem Menschen, wenn er den infiniten, allweisen und allmächtigen Gott durch das Abbild eines geschaffenen Wesens, hier eines Tieres, ersetzt und dieses anbetet? Er begibt sich damit auf eine Ebene, die unter dem Niveau der geschaffenen Kreatur, dem Tier, liegt. Kann es einen größeren Ausdruck der Geringschätzung der erwählenden und heiligenden Liebe Gottes geben? Gott hatte dieses Volk in Seiner Gnade nicht nur aus der Sklaverei Ägyptens befreit, sondern als Ausdruck seiner Liebe auch zu Seinem Eigentumsvolk erwählt. Diese Erwählung hatte Er durch den Bundesschluss am Sinai bekräftig. Gott hatte dem von Ihm erwählten Volk zehn grundlegende Gebote gegeben. Die Einhaltung derselben war der Weg, auf dem Israel wiederum Gott seine Liebe zeigen konnte. Doch da sie ihren Blick auf den Menschen Mose und nicht auf ihren wahren Befreier richteten und da sie in der Einhaltung der göttlichen Gebote nicht den Erweis ihrer Liebe zu Gott, sondern eine Voraussetzung zum Erlangen der göttlichen Segnungen, sahen, scheitern die  Israeliten bereits am ersten Gebot (2. Mose 20, 1). Der Bruch in der Beziehung zu Gott, der durch dieses Verhalten des Volkes ausgelöst wird, hat seine Entsprechung im ersten Abfall des Menschen von Gott (1. Mose 3, 1 f). Und genau so, wie sich durch den ersten Abfall des Menschen seine Beziehung zu Gott veränderte, so geschieht es auch hier.
Zwar vermag die Fürbitte des Mose das sofortige Gericht, das die Begegnung von Heiligkeit und Sünde immer auslöst, abzuwenden, doch nur soweit wie sich dieses Gericht auf Gottes sofortiges, regierendes Eingreifen bezieht. Der Abfall des Volkes von seinem Gott bleibt hingegen nicht folgenlos. Mose ruft jene zu sich, die sich vom Götzendienst abwenden wollen, wodurch es zu einer Trennung im Volk Gottes kommt. Es sind allein die Kinder Levi, die sich eindeutig auf die Seite Gottes stellen. (Das ist auch der Grund, warum sie in 4. Mose 3 als Priester an die Stelle der Erstgeborenen Israels treten werden.) Anschließend begegnet Mose Gott erneut und versucht Sühnung für das Volk zu erwirken. Dabei geht Mose soweit, sich selbst als Opfer für das Volk anzubieten. Gott aber verwehrt es ihm. Er verschont das Volk. Doch dieses muss die Folgen seines Abfalls tragen (2. Mose 33, 32 – 35). Ein Engel wird zukünftig vor dem Volk herziehen, Gott selbst will nicht mehr in seiner Mitte sein (vgl. 2. Mose 33, 3). Seine Heiligkeit ist mit dem sündigen Zustand des Volkes nicht vereinbar (2. Mose 33, 5). Das wird auch in dem Geschehen deutlich, das nun folgt:

“Und Mose nahm das Zelt und schlug es sich außerhalb des Lagers auf, fern vom Lager, und nannte es:  Zelt der Zusammenkunft. Und es geschah, jeder, der den HERRN suchte, ging hinaus zum Zelt der Zusammenkunft, das außerhalb des Lagers war.“

(2. Mose 33, 7)

Zwei Dinge sollten wir in diesem Zusammenhang festhalten:
1) Bei dem besagten “Zelt der Zusammenkunft“ handelte es sich noch nicht um die Stiftshütte gehandelt haben, da diese noch nicht erbaut worden war. Das hier genannte Zelt scheint ein Vorläufer der Stiftshütte gewesen zu sein. Einige Ausleger gehen davon aus, dass es das Zelt des Mose war. Genaue Angaben hierzu macht die Heilige Schrift jedoch nichgt.
2) Gott will nicht mehr unter dem Volk wohnen, in Seiner Gnade verwirft Er das Volk jedoch nicht und entzieht jenen, die Ihn suchen, auch nicht die Möglichkeit, Ihm zu begegnen. Mose, durch den Geist Gottes geleitet, erkennt dies und handelt entsprechend. Er schlägt die das Zelt, einst ein Symbol der Gegenwart Gottes unter Seinem Volk, außerhalb des Lagers auf und nennt es von nun an “Zelt der Zusammenkunft“, d.h. den Ort, an dem Gott mit jenen, die Ihn suchen, zusammentrifft. An dem Ort, wo das abgefallene Volk einem (ägyptischen!) Götzen gehuldigt hatte, war dies nicht mehr möglich. Aus dem Ort, der die gemeinschaftliche Begegnung mit Gott ermöglichte, war nun ein Ort geworden, den jeder Einzelne persönlich aufsuchen musste. Dazu war das Verlassen jenes Orte snotwendig, an dem zuvor der Götze angebetet worden war. an dem .

Der Mittler Mose

Es ist interessant, dass Gott nun auf die Sicht des Volkes eingeht. Israel hatte seinen Blick auf den Menschen Mose gerichtet und ihn als seinen Befreier aus der Sklaverei Ägyptens bezeichnet. Jetzt sagt Gott:

“Da sprach der HERR zu Mose: Geh, steige hinab! Denn dein Volk, das du aus dem Land Ägypten heraufgeführt hast, hat sich verdorben.“

(2. Mose 32, 7; vgl. 2. Mose 33, 1)

Israel wollte einen menschlichen Mittler, nun bekommt es ihn auch. Die direkte Begegnung und Gemeinschaft mit Gott, die dem Volk verheißen war, rückt damit erst einmal in weite Ferne.
Dieser menschliche Mittler ist zwar treu, jedoch – wie jeder Mensch – unvollkommen. Und Mose weiß um seine Schwachheit und Unvollkommenheit. Aus diesem Grund bittet Er Gott um Seine Gegenwart und Führung (2. Mose 33, 12 – 16) und Gott gewährt ihm, worum er bittet.
Hier sehen wir den großen Unterschied, der zwischen Mose und dem Volk besteht: Während Mose sich seiner Schwachheit bewusst ist und Gott um Hilfe bittet, wenn es darum geht, die Aufträge Gottes zu erfüllen bzw. Seine Gebote zu halten, antwortete das Volk, als Gott es fragte, ob es Seine Gebote halten wollte, mit großer Selbstsicherheit geantwortet:

“Da antwortete das ganze Volk insgesamt und sprach: Alles, was der HERR geredet hat, wollen wir tun! Und Mose brachte die Worte des Volkes zu dem HERRN zurück.“

(2. Mose 19, 8)

Der Blick auf den Menschen, die menschliche Selbstsicherheit, die in diesen Worten zum Ausdruck kommt, ist die Wurzel des folgenden Scheiterns Israels. Hätte das Volk seine Schwachheit erkannt und Gott – wie Mose –  um Seine Hilfe und Führung gebeten, es wäre vor dem Bundesbruch bewahrt geblieben. Doch die Israeliten erkannten in ihrer Überheblichkeit nicht, dass sie völlig unfähig waren, die Gebote Gottes zu halten. Das Gesetz war (und ist!) das Gesetz eines heiligen Gottes und nur ein heiliger Gott konnte (und kann!) es halten. Menschen, selbst Erwählte, sind aus eigener, d.h. menschlicher Kraft, gar nicht in der Lage, dieses Gesetz zu halten (vgl. Römer 7, 1 – Römer 8, 1!). Mose hatte das erkannt. Aus diesem Grund bittet er Gott nicht nur um Seine Hilfe und Leitung, sondern um eine erneute Begegnung:

“Und er sprach: Lass mich doch deine Herrlichkeit sehen! Und der HERR sprach: Ich werde alle meine Güte vor deinem Angesicht vorübergehen lassen und werde den Namen des HERRN vor dir ausrufen; und ich werde begnadigen, wen ich begnadigen werde, und werde mich erbarmen, wessen ich mich erbarmen werde. Und er sprach: Du vermagst nicht mein Angesicht zu sehen, denn nicht kann ein Mensch mich sehen und leben. Und der HERR sprach: Siehe, es ist ein Ort bei mir, da sollst du auf dem Felsen stehen. Und es wird geschehen, wenn meine Herrlichkeit vorübergeht, so werde ich dich in die Felsenkluft stellen und meine Hand über dich decken, bis ich vorübergegangen bin. Und ich werde meine Hand wegtun, und du wirst mich von hinten sehen; aber mein Angesicht soll nicht gesehen werden.“

(2. Mose 33, 18 – 23)

Er weiß, dass die Kraft zur Erfüllung des großen Auftrags, den er von Gott empfangen hat, und zum Halten Seiner Gebote nur aus der persönlichen Beziehung zu Gott kommen kann.

Größer als Mose

Im 1. Korintherbrief 10,  11 schreibt der Apostel Paulus mit Blick auf das Alte Testament:

“[Alle] diese Dinge aber widerfuhren jenen als Vorbilder und sind geschrieben worden zu unserer Ermahnung, auf die das Ende der Zeitalter gekommen ist.“

Welche Belelhrungen können wir aus den betrachteten Ereignissen im 2. Buch Mose für unser Leben als Christen ziehen?

In Hebräer 3, 1 – 5 wird uns gesagt:

“Daher, heilige Brüder, Genossen der himmlischen Berufung, betrachtet den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Jesus, der treu ist dem, der ihn bestellt hat, wie es auch Mose war in seinem ganzen Haus. Denn dieser ist größerer Herrlichkeit für würdig erachtet worden als Mose, insofern größere Ehre als das Haus der hat, der es bereitet hat. Denn jedes Haus wird von jemand bereitet; der aber alles bereitet hat, ist Gott. Und Mose zwar war treu als Diener in seinem ganzen Haus – zum Zeugnis von dem, was nachher geredet werden sollte, Christus aber als Sohn über sein Haus, dessen Haus wir sind, wenn wir nämlich die Freimütigkeit und den Ruhm der Hoffnung [bis zum Ende standhaft] festhalten.“

Auch in dieser Heilsepoche, dem Zeitalter der Gnade, hat Gott sich ein Volk erwählt (Titus 2, 14). Es besteht aus allen, die durch das Wort vom Kreuz errettet wurden (1. Korinther 1, 18 – 30) und wird in 1. Timotheus 3, 15 als das “Haus Gottes“ bezeichnet. Doch bereits in 2. Timotheus 2, 20 f. kann der Apostel Paulus dieses “Haus Gottes“ nur noch als “großes Haus“ bezeichnen, in dem sich nun nicht mehr nur Gefäße “zur Ehre“ Gottes, sondern auch Gefäße “zur Unehre“ befinden. Denn bereits zu diesem Zeitpunkt begannen sich die Warnungen des Herrn Jesus Christus aus den sieben prophetischen Gleichnissen zu erfüllen, in denen Er nicht nur einen Abfall von christlichen Glaubenswahrheiten, sondern auch eine Vermischung mit heidnischen Lehren und Praktiken vorausgesagt hatte (vgl. Matthäus 13, 1 – 52).  Wie das Volk Israel, so richteten auch viele Christen bereits in dieser frühen Phase ihren Blick weg, von dem einzigen Mittler des heils, Gott dem Sohn selbst (vgl. 1. Timotheus 2, 5) und erwählten sich menschliche Mittler. Die Aufstellung und Verehrung von Bildnissen anstelle der Verehrung des unsichtbaren Gottes (Kolosser 1, 15) war eine Folge des bereits innerlich geschehenen Abfalls von Gott und der Verwerfung Seines Sohnes als alleinigem Erlöser und Herrn. Aus diesem Grtund fordert auch bereits der Hebräerbrief die Gläubigen auf:

“Deshalb lasst uns zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers, seine Schmach tragend.“

(Hebräer 13, 13)

Wie Mose, so fordert der Geist Gottes auch uns auf, uns von allem Bösen, von allem, das Gott verunehrt, zu trennen und Ihn allein zu suchen. Denn die Kraft, Gott in Übereinstimmung mit Seinem Willen zu dienen, wird nur an einem einzigen Ort gefunden – in Seiner Gegenwart. Und diese Gegenwart hat der Herr Jesus Christus all‘ jenen verheißen, die Ihrenb Blick allein auf Ihn richten:

“Denn wo zwei oder drei versammelt sind zu meinem Namen hin, da bin ich in ihrer Mitte.“

(Matthäus 18, 20)


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