Understanding Dispensationalism and the Bible’s Big Picture with Mike Vlach

What is dispensationalism? How does dispensationalism differentiate itself as a system from other ways of interpreting Scripture? Peter Goeman was joined by special guest Michael Vlach to discuss his new book Dispensational Hermeneutics. They talk about how dispensationalism is more than just an eschatology, but really a whole framework for reading the Bible.

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Hoffnung trotz Finanz- und Wirtschaftskrise (Michael Kotsch)

Die momentane Finanz- und Wirtschaftskrise trifft viele Menschen deutlich. Die Reallöhne sind stark rückläufig, Vermögen verliert durch hohe Inflation seinen Wert und immense neue Schulden des Staates werden zu höheren Steuern führen. Angesichts fehlender Facharbeiter und den höchsten Stromkosten weltweit werden die Probleme sich wahrscheinlich auch noch etwas hinziehen. Die Finanz- und Wirtschaftskrise ist eine Sache, der persönliche Umgang damit eine ganz andere. Solche Situationen können Sorgen auslösen und Lebensfreude rauben. Wer hier aktiv mit Gott lebt, der hat deutliche Vorteile. Der Glaube kann helfen, konstruktiv mit Belastungen umzugehen und seine Hoffnung auf das Richtige zu setzen.

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Was wir von Hiob und Daniel lernen können (8)

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III. Was Hiob und Daniel verbindet (3)

3) In beiden Büchern wird uns ein Blick in die unsichtbare Welt gewährt (2)

Auch im Leben Daniels sehen wir diese Treue zu Gott trotz aller Widerstände. Dabei möchte ich ganz besonders unseren Blick auf das 10. Kapitel dieses Buches lenken. Dort lesen wir:

“Im dritten Jahr Kores’, des Königs von Persien, wurde Daniel, der Beltsazar genannt wird, eine Sache offenbart, und die Sache ist Wahrheit und betrifft eine große Mühsal; und er verstand die Sache und bekam Verständnis über das Gesicht. In jenen Tagen trauerte ich, Daniel, drei volle Wochen. Köstliche Speise aß ich nicht, und weder Fleisch noch Wein kam in meinen Mund; und ich salbte mich überhaupt nicht, bis drei volle Wochen vorüber waren. Und am vierundzwanzigsten Tag des ersten Monats, da war ich am Ufer des großen Stromes, das ist der Hiddekel. Und ich erhob meine Augen und sah: Und siehe, da war ein Mann, in Leinen gekleidet, und seine Lenden waren umgürtet mit Gold von Uphas; und sein Leib war wie ein Chrysolith und sein Angesicht wie das Aussehen des Blitzes und seine Augen wie Feuerfackeln und seine Arme und seine Füße wie der Anblick von leuchtendem Kupfer; und die Stimme seiner Worte war wie die Stimme einer Menge. Und ich, Daniel, allein sah das Gesicht; die Männer aber, die bei mir waren, sahen das Gesicht nicht; doch fiel ein großer Schrecken auf sie, und sie flohen und verbargen sich. Und ich blieb allein übrig und sah dieses große Gesicht; und es blieb keine Kraft in mir, und meine Gesichtsfarbe verwandelte sich an mir bis zur Entstellung, und ich behielt keine Kraft. Und ich hörte die Stimme seiner Worte; und als ich die Stimme seiner Worte hörte, sank ich betäubt auf mein Angesicht, mit meinem Angesicht zur Erde. Und siehe, eine Hand rührte mich an und machte, dass ich auf meine Knie und Hände emporwankte. Und er sprach zu mir: Daniel, du vielgeliebter Mann! Höre auf die Worte, die ich zu dir rede, und steh an deiner Stelle; denn ich bin jetzt zu dir gesandt. Und als er dieses Wort zu mir redete, stand ich zitternd auf. Und er sprach zu mir: Fürchte dich nicht, Daniel! Denn vom ersten Tag an, als du dein Herz darauf gerichtet hast, Verständnis zu erlangen und dich vor deinem Gott zu demütigen, sind deine Worte erhört worden; und um deiner Worte willen bin ich gekommen. Aber der Fürst des Königreichs Persien stand mir 21 Tage entgegen; und siehe, Michael, einer der ersten Fürsten, kam, um mir zu helfen, und ich trug dort den Sieg davon bei den Königen von Persien. Und ich bin gekommen, um dich verstehen zu lassen, was deinem Volk am Ende der Tage widerfahren wird; denn das Gesicht geht noch auf ferne Tage.“

(Daniel 10, 2 – 14)

Wir erfahren hier, dass Daniel drei Wochen betete und fastete. Erst dann erschien ein Engel, der dem Propheten die Botschaft Gottes, die Antwort auf sein Gebet, brachte. Warum kam dieser Engel nicht sofort? Was hinderte ihn daran, die Botschaft Gottes innerhalb weniger Stunden zu überbringen? Die Heilige Schrift gibt uns in wenigen Worten Auskunft:

“Aber der Fürst des Königreichs Persien stand mir 21 Tage entgegen; und siehe, Michael, einer der ersten Fürsten, kam, um mir zu helfen, und ich trug dort den Sieg davon bei den Königen von Persien. Und ich bin gekommen, um dich verstehen zu lassen, was deinem Volk am Ende der Tage widerfahren wird; denn das Gesicht geht noch auf ferne Tage.“

(Daniel 10, 13 – 14)

Wir erfahren hier, dass es eine böse Macht gab, hier als „Fürst des Königreiches Persien“ bezeichnet, die dem von Gott gesandten Engel widerstand, so dass er erst, nachdem der Engelfürst Michael in diesen Kampf eingriff und ihm half, seinen Auftrag ausführen konnte.

Hier, wie in Hiob 1- 2, wird uns ein Blick „hinter die Kulissen“ geschenkt. Wir fragen uns vielleicht wie Hiob, warum unser Leiden so lange andauert. Wir fragen uns vielleicht wie Daniel, warum die Antwort Gottes auf unsere Gebete so lange auf sich warten lässt. Und was ist Gottes Antwort auf unsere Fragen? Er zeigt uns, dass in der Unsichtbaren Welt ein Kampf vor sich – ein Kampf, den der Widersacher Gottes und der Menschen nicht gewinnen wird. Ein Kampf, in dem es um uns und unsere Beziehung zu Gott geht. Ein Kampf, dessen Realität wir erkennen müssen, damit wir richtig darauf reagieren können. Im nächsten Abschnitt dieser Serie werden wir untersuchen, ob – und wenn ja in welcher Weise – die unsichtbare Welt, die uns in Hiob und Daniel gezeigt wird, auch Einfluss auf das Leben des Gläubigen im Zeitalter der Gnade hat.

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Was wir von Hiob und Daniel lernen können (7)

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III. Was Hiob und Daniel verbindet (2)

3) In beiden Büchern wird uns ein Blick in die unsichtbare Welt gewährt (1)

Gleich zum Beginn des Buches Hiob gewährt Gott uns einen „Blick hinter die Kulissen“: Satan erscheint vor Gott und klagt Hiob an. Er stellt dessen Glauben und Treue zu Gott in Frage:

“Und es geschah eines Tages, da kamen die Söhne Gottes, um sich vor den HERRN zu stellen; und auch der Satan kam in ihrer Mitte. Und der HERR sprach zum Satan: Woher kommst du? Und der Satan antwortete dem HERRN und sprach: Vom Durchstreifen der Erde und vom Umherwandeln auf ihr. Und der HERR sprach zum Satan: Hast du achtgehabt auf meinen Knecht Hiob? Denn seinesgleichen ist kein Mann auf der Erde, vollkommen und rechtschaffen, gottesfürchtig und das Böse meidend. Und der Satan antwortete dem HERRN und sprach: Ist es umsonst, dass Hiob Gott fürchtet? Hast nicht du selbst ihn und sein Haus und alles, was er hat, ringsum eingezäunt? Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein Besitz hat sich im Land ausgebreitet. Aber strecke einmal deine Hand aus und taste alles an, was er hat, ob er sich nicht offen von dir lossagen wird. Da sprach der HERR zum Satan: Siehe, alles, was er hat, ist in deiner Hand; nur nach ihm strecke deine Hand nicht aus. Und der Satan ging vom Angesicht des HERRN weg.“

(Hiob 1, 6 – 12)

Anschließend sehen wir dann, wie die großen Verluste über Hiob hereinbrechen, dieser aber trotzdem an seinem Glauben festhält:

“Da stand Hiob auf und zerriss sein Gewand und schor sein Haupt; und er fiel zur Erde nieder und betete an. Und er sprach: Nackt bin ich aus meiner Mutter Leib gekommen, und nackt werde ich dahin zurückkehren; der HERR hat gegeben, und der HERR hat genommen, der Name des HERRN sei gepriesen! Bei all diesem sündigte Hiob nicht und schrieb Gott nichts Ungereimtes zu.“

(Hiob 1, 20-22)

Dann erscheint der Satan noch einmal vor Gott und unterstellt, dass Hiob seinem Glauben schließlich abschwören würde, wenn Gott Hiobs Gesundheit nicht schützen würde:

“Und es geschah eines Tages, da kamen die Söhne Gottes, um sich vor den HERRN zu stellen; und auch der Satan kam in ihrer Mitte, um sich vor den HERRN zu stellen. Und der HERR sprach zum Satan: Woher kommst du? Und der Satan antwortete dem HERRN und sprach: Vom Durchstreifen der Erde und vom Umherwandeln auf ihr. Und der HERR sprach zum Satan: Hast du achtgehabt auf meinen Knecht Hiob? Denn seinesgleichen ist kein Mann auf der Erde, vollkommen und rechtschaffen, gottesfürchtig und das Böse meidend; und noch hält er fest an seiner Vollkommenheit, obwohl du mich gegen ihn gereizt hast, ihn ohne Ursache zu verschlingen. Und der Satan antwortete dem HERRN und sprach: Haut um Haut, ja, alles, was der Mensch hat, gibt er für sein Leben. Aber strecke einmal deine Hand aus und taste sein Gebein und sein Fleisch an, ob er sich nicht offen von dir lossagen wird. Und der HERR sprach zum Satan: Siehe, er ist in deiner Hand; nur verschone sein Leben. Und der Satan ging vom Angesicht des HERRN weg, und er schlug Hiob mit bösen Geschwüren, von seiner Fußsohle bis zu seinem Scheitel.“

(Hiob 2, 1 – 7)

Doch auch nachdem sich Hiobs Situation noch einmal verschlechtert hat, wendet sich dieser nicht von Gott ab:

“Und er (Hiob) nahm eine Tonscherbe, um sich damit zu schaben; und er saß mitten in der Asche. Da sprach seine Frau zu ihm: Hältst du noch fest an deiner Vollkommenheit? Sage dich los von Gott und stirb! Und er sprach zu ihr: Du redest, wie eine der Törinnen redet. Wir sollten das Gute von Gott annehmen, und das Böse sollten wir nicht auch annehmen? Bei all diesem sündigte Hiob nicht mit seinen Lippen.“

(Hiob 2, 8 – 10)

Hiob bleibt Gott treu. Er widersteht der Versuchung des Satans, Gott für das Böse, welches ihn befallen hat, verantwortlich zu machen.

Das ist die perfide Masche des Teufels, des Diabolos, des Durcheinanderwerfers: Der Böse, möchte dem sündigen Menschen, der in Eden auf seine Stimme hörte und so zu einem Komplizen des Bösen wurde, davon überzeugen, dass Gott der Urheber des Bösen sei!

Verstehen wir nun, warum der Herr Jesus Christus den Satan als „Vater der Lüge“ (Johannes 8, 44) bezeichnet? Weil er die Quelle aller Lüge und allen Bösen ist! Er ist es, der der Welt immer wieder zuflüstert: „Wenn Gott ein Gott der Liebe ist, warum lässt er dann all‘ das Böse zu?“

Die vielen Kapitel, die zwischen den Verlusten Hiobs und dem Moment liegen, in dem Gott zu ihm redet und anschließend alles ersetzt, was ihm genommen wurde, zeigt, dass sein Leiden nicht von kurzer Dauer war. In Hiob 2, 13 lesen wir, dass Hiobs „Freunde“ erst einmal sieben Tage lang schwiegen, nachdem sie bei ihm eingetroffen waren und in Hiob 7, 3 klagt Hiob darüber, dass sein Leiden nun schon Monate andauert. All‘ das zeigt, dass Hiob in seinem Leiden Geduld und Ausdauer bewies. Er gab nicht nach einer Woche auf. Er richtete seinen Blick auf Gott und harrte aus. Das bestätigt uns auch der Apostel Jakobus:

„Siehe, wir preisen die glückselig, die ausgeharrt haben. Von dem Ausharren Hiobs habt ihr gehört, und das Ende des Herrn habt ihr gesehen, dass der Herr voll innigen Mitgefühls und barmherzig ist.“

(Jakobus 5, 11)

Halten wir fest: Während Hiob in der sichtbaren Welt leidet, geschehen entscheidende, sein Leben nachhaltig beeinflussende Dinge in der unsichtbaren Welt. Es sind Dinge, von denen Hiob keine Kenntnis hat. Der Satan stellt Hiobs Glauben und Loyalität in Frage und Gott lässt zu, dass sein Knecht geprüft wird. Hiob erlebt, was Gläubige durch die Jahrtausende erlebt haben und was der Apostel Petrus so beschreibt:

„Darüber werdet ihr frohlocken, die ihr jetzt ein wenig, wo es sein muß, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, damit die Bewährung eures Glaubens, die viel kostbarer ist als die des vergänglichen Goldes das durchs Feuer erprobt wird -, Lob, Preis und Ehre zur Folge habe bei der Offenbarung Jesu Christi; welchen ihr nicht gesehen und doch lieb habt, an welchen ihr jetzt glaubet, ohne ihn zu sehen, und über den ihr euch freuen werdet mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, (…)“

(1. Petrus 1, 6 – 9)

Gott erlaubt die Prüfung des Glaubens, damit die Geprüften geläutert werden. Glaube wird im Feuer der Anfechtung, der Widerstände, der Probleme, der Verfolgungen, der Leiden und der Schmerzen geläutert. Das Leiden, welches Hiob befallen hat, ist kein Gerichtsleiden. Es ist ein Läuterungsleiden, ein Heiligungsleiden. Es dient, wie wir später noch sehen werden, zum Besten Hiobs. So ist es auch im Leben des Gläubigen: Auch das Leiden, das wir nach unserer Bekehrung und Wiedergeburt durchleben ist kein Gerichtsleiden, denn Jesus Christus hat bereits das Gericht für unsere Sünden auf sich genommen (1. Thessalonicher 5, 9). Auch als Christen gehen wir von Zeit zu Zeit durch Leiden, die Gott zulässt, damit unser Glaube bewährt und geläutert wird:

“Glückselig der Mann, der die Prüfung erduldet! Denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, die er denen verheißen hat, die ihn lieben.“

(Jakobus 1, 12)

Hiob durchlebt alle Leiden mit denen er geprüft wird und wird Gott nicht untreu. Er beweist, dass der Satan mit seinen Anschuldigungen falsch liegt. Hiob dient Gott nicht, weil dieser ihn segnent, er dient Gott, weil er Ihm glaubt, Ihn ehrt und wahre Ehfurcht vor Gott hat! Ja, auch Hiob klagt, auch Hiob spricht seine Fragen laut aus, und ja, auch Hiob hat Phasen, in denen er verzweifelt ist. Doch die Heilige Schrift macht eines deutlich:

“Bei alledem sündigte Hiob nicht und benahm sich nicht ungebührlich gegen Gott.“

(Hiob 1, 22)

Hiob benahm sich nicht ‚ungebührlich‘ gegen Gott, oder, wie es einmal treffend auf den Punkt gebracht wurde: Hiob klagte vor Gott, aber er klagte Gott nicht an. Und dass, obwohl er von den Dingen, die in der unsichtbaren Welt geschahen und sein Leben nachhaltig beeinflussten, nichts wusste. Wir befinden uns heute in einer viel priviligierteren Situation. Wir wissen nicht nur um die Geschehenisse, die sich in Hiobs Fall in der unsichtbaren Welt vollzogen. Wir haben, durch die Lehre der Apostel, einen viel größeren Einblick in diese Dinge und vor allem dürfen wir wissen, dass seit dem Tod und der Auferstehung Jesu, diese Mächte bereits gerichtet sind. Darauf werde ich in einem späteren Artikel ausführlich eingehen. Doch zuvor wollen wir betrachten, welche Art von Einblick in die unsichtbare Welt uns das Buch Daniel gibt.

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Was wir von Hiob und Daniel lernen können (6)

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III. Was Hiob und Daniel verbindet (1)

Die Leser mögen sich nun fragen, was es ist, dass diese beiden Männer, die viele Jahrhunderte voneinander getrennt in unterschiedlichen Regionen den Nahen Ostens gelebt haben, verbindet. Drei Dinge sind es, die nach dem Lesen der beiden biblischen Bücher deutlich werden:

1) Beide Männer durchleben Leiden
2) Beide Männer zeichnen sich durch ihre Geduld, ihr Ausharren, aus
3) In beiden Büchern wird uns ein Einblick in die unsichtbare Welt gewährt


Betrachten wir die einzelnen Parallelen nun nacheinander:

1) Beide Männer durchleben Leiden

Hiob erleidet großen Verlust. Er verliert seinen Reichtum, seine Kinder und seine Gesundheit. Auch Daniel muss schon früh in seinem Leben große Verluste verarbeiten: Er wird nach Babylon deportiert, verliert seine Heimat und alles, was ihm vertraut ist. Er muss ohne seine Familie aufwachsen und hat nur noch wenige Freunde bei sich. Er wird fälschlich beschuldigt, verliert seine Freiheit und wird in die Löwengrube geworfen. Er überlebt nur durch ein Wunder Gottes. Am Ende des Buches werden seine Freunde nicht mehr erwähnt. Daniel ist zu diesem Zeitpunkt schätzungsweise 90 Jahre alt oder sogar älter. Es scheint so, dass seine Freunde bereits verstorben sind.

2) Beide Männer zeichnen sich durch ihre Geduld, ihr Ausharren, aus

Weder seiner Frau noch seinen „Freunden“ gelingt es, Hiob von seinem Glauben, seinem Vertrauen, dass er in Gott setzt, abzubringen. Auch die schweren Verluste, die er hinnehmen muss, lassen ihn nicht an der Güte Gottes zweifeln. Über allem, was er erlebt, steht für Hiob die Souveränität Gottes. Er mag Gottes Handeln und Plan in seinem Leben nicht verstehen, doch das wird ihn nicht daran hindern, weiter auf Gott zu vertrauen. Über viele, lange Kapitel hinweg muss Hiob sich die Fragen und Kommentare seiner „Freunde“ anhören. Doch jeder dieser Kommentare macht eines deutlich: Diese Männer verstehen weder Hiobs Situation, noch Gottes handeln mit ihm.

Auch Daniel zeichnet sich durch Geduld und Ausharren in schwierigen Situationen aus. Als das Gesetz erlassen wird, das ihm am Ende in die Löwengrube bringt, hört der Prophet nicht auf nach seiner Gewohnheit zu beten. Er macht keine Kompromisse – auch auf die Gefahr hin, dass sein Verhalten mit dem Tod bestraft werden kann. Auch für Daniel ist Gott souverän. Ihm allein überlässt er sein Leben. Gottes Gesetz und die Gemeinschaft mit Gott im Gebet, steht über den Gesetzen des Menschen, auch wenn es sich dabei um den mächtigsten König seiner Zeit handelt. Welchen Wert der Prophet dem Gebet beimaß, wie ernsthaft und ausdauernd er betete, macht auch Daniel 10 deutlich.

2.a.) Warum das ausharrende Vertrauen auf Gott so wichtig ist

Dass ausharrendes Vertrauen in Gott wichtig ist, wird uns auch an vielen Stellen des Neuen Testaments verdeutlicht. Wir wollen hier nur einige wenige Stellen betrachten:

Im Hebräerbrief wird uns das Leben des Christen im Bild eines Marathonlaufes geschildert. Wir werden aufgefordert, diesen Lauf „mit Ausharren“ zu laufen und zu vollenden:

„Darum auch wir, weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasset uns jede Last und die uns so leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer die Rennbahn durchlaufen, welche vor uns liegt, im Aufblick auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, welcher für die vor ihm liegende Freude das Kreuz erduldete, die Schande nicht achtete und sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat.“

(Hebräer 12, 1 – 2)

Schon zwei Kapitel zuvor hat der Schreiber des Hebräerbriefes auf die Notwendigkeit der Geduld hingewiesen. Und das Wort Notwendigkeit – im Sinne von „die Not wenden“ – sollten wir hier sehr ernst nehmen:

„Gedenket aber der früheren Tage, in welchen ihr nach eurer Erleuchtung unter Leiden viel Kampf erduldet habt, da ihr teils selbst Schmähungen und Drangsalen öffentlich preisgegeben waret, teils mit denen Gemeinschaft hattet, welche so behandelt wurden; denn ihr habt den Gefangenen Teilnahme bewiesen und den Raub eurer Güter mit Freuden hingenommen, in der Erkenntnis, daß ihr selbst ein besseres und bleibendes Gut besitzet. So werfet nun eure Freimütigkeit nicht weg, welche eine große Belohnung hat! Denn Ausdauer tut euch not, damit ihr nach Erfüllung des göttlichen Willens die Verheißung erlanget.“

(Hebräer 10, 32 – 36)

Der Schreiber des Hebräerbriefes erinnert seine Leser an ihre früheren Glaubenserfahrungen. Ganz offensichtlich hatten sie um ihres Glaubens an den Herrn Jesus Christus willen Verfolgung erlebt und waren Opfer von öffentlichen Schmähungen und Drangsalen geworden. Das im deutschen Text mit „Drangsalen“ wiedergegebene Wort ist das griechische Wort ist „θλίψις“ (thlipsis), welches z.B. ein „ein Pressen, Zusammenpressen oder Druck“ beschreibt. Es wird auch mit „Bedrückung, Bedrängnis, Trübsal, Not und Bedrängnis“ oder „Angst, Last des Herzens“ übersetzt. Wenn wir diese Übersetzungsmöglichkeiten nacheinander betrachten, dann wird deutlich, dass sie in einem gewissen Sinn die Gesamtheit menschlichen Leidens abbilden. Dieses Leidens – so bezeugt es der Autor des Hebräerbriefes – führte jedoch nicht dazu, dass die Gläubigen aufgeben. Im Gegenteil – die genannten Gläubigen erduldeten dieses Leiden „mit Freuden“. Warum konnten diese Christen so reagieren? Die Antwort wird uns in den Versen davor gegeben. Kapitel 10 des Hebräerbriefes spricht ab dem ersten Vers davon, dass die Gläubigen durch Jesus Christus freien Zutritt zum Thron Gottes, der für sie ein Thron der Gnade ist, haben. Die Erlösten haben, durch das Werk ihres Erlösers, ungehinderte Gemeinschaft mit Gott! Jederzeit dürfen wir zu Ihm kommen – mit ALLEM, was uns bewegt! Der Weg, dies zu tun, ist das vertrauensvolle Gebet! Und an diesem vertrauensvollen Gebet sollten die Empfänger des Hebräerbriefes festhalten. Der der Gläubige, der betet, fokussiert sich auf Gott, auf Seine Größe, auf Seine Liebe! Auf diese Weise empfängt der Beter nicht nur neue Kraft, er „platziert“ auch gleichzeitig, wenn man es einmal so sagen möchte, Gott zwischen sich und sein Problem, sein Leben, die Bedrängnis etc. Das vertrauensvolle Eintreten und Leben in der Gegenwart Gottes, gibt und Kraft und schirmt uns zugleich von den gefahren, die uns zu überwältigen drohen. Psalm 91 macht dies in wunderbar poetischen Worten deutlich:

„Wer unter dem Schutz des Höchsten wohnt,
darf bleiben im Schatten des Allmächtigen.
Darum sage ich zum Herrn:
»Du bist meine Zuflucht und meine sichere Festung,
du bist mein Gott, auf den ich vertraue.«
Ja, er rettet dich ´wie einen Vogel aus dem Netz des Vogelfängers,
er bewahrt dich vor der tödlichen Pest.
Er deckt dich schützend mit seinen Schwingen,
unter seinen Flügeln findest du Geborgenheit.
Seine Treue gibt dir Deckung, sie ist dein Schild, der dich schützt.
Du brauchst dich nicht zu fürchten vor dem Schrecken der Nacht
oder vor den Pfeilen, die am Tag abgeschossen werden,
nicht vor der Pest, die im Finstern umgeht,
nicht vor der Seuche, die mitten am Tag wütet.
(…)
´So sagt nun der Herr:`
»Weil er mit ganzer Liebe an mir hängt, will ich ihn befreien;
ich hole ihn heraus aus der Gefahr, denn er kennt meinen Namen.
Wenn er zu mir ruft, werde ich ihm antworten.
In Zeiten der Not stehe ich ihm bei,
ja, ich reiße ihn heraus und bringe ihn zu Ehren.
Ich schenke ihm ein erfülltes und langes Leben
und zeige ihm, wie ich Rettung schaffe.«“

(Psalm 91, 1 – 3 + 14 – 16)

Der Schreiber des Hebräerbriefes weist hier aber auch noch auf einen weiteren, wichtigen Aspekt hin. Die Gläubigen sollen nicht nur beständig und geduldig gebrauch vom Gebet, dem freien Zugang zu Gott, Gebrauch machen. Sie sollen auch das Ziel ihres Ausharrens im Auge behalten. Sie dürfen nicht vergessen: „So werfet nun eure Freimütigkeit nicht weg, welche eine große Belohnung hat!“ Eines steht fest – Gott erfüllt seine Verheißungen und er möchte unsere Ausdauer im Gebet belohnen! Unsere Ausdauer wird nicht umsonst sein, sie wird nicht sinnlos oder fruchtlos sein! Das verheißt uns der Gott, der nicht lügen kann (4. Mose 23, 19; 1. Samuel 15, 29; 2. Samuel 7, 28; Psalm 119, 160; Johannes 17,17) Nachdem der Schreiber des Hebräerbriefes seine Leser daran erinnert hat, dass ihr ausharrendes Gebet eine Belohnung haben wird, erklärt er: „Denn Ausdauer tut euch not, damit ihr nach Erfüllung des göttlichen Willens die Verheißung erlanget.“ Gott ist kein „Gebetserhörungsautomat“. Wir „werfen“ nicht Gebet „ein“, drücken mit dem „Amen“ keinen „Knopf“, um dann die Erhörung unserer Gebete irgendeiner Ausgabeschublade entnehmen zu können. Warum erhört Gott unsere Gebet nicht immer sofort? Warum erhört Gott unsere Gebete vielleicht auf eine andere Weise als wir es uns wünschen würden? Was bezweckt Gott damit?

Gott hat den Überblick. Er bereitet alles nach seinem Willen, so wie es wirklich gut für uns ist, vor. Und nicht nur das! In der Zeit in der wir auf die Erfüllung seiner Verheißungen warten, verändert Er uns in das Bildnis seines Sohnes (vgl. Römer 8, 18 – 39):

„Denn ich halte dafür, daß die Leiden der jetzigen Zeit nicht in Betracht kommen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll. Denn die gespannte Erwartung der Kreatur sehnt die Offenbarung der Kinder Gottes herbei. (…) Denn auf Hoffnung hin sind wir errettet worden. Eine Hoffnung aber, die man sieht, ist keine Hoffnung; denn was einer sieht, das hofft er doch nicht mehr! Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir es ab in Geduld. Ebenso kommt aber auch der Geist unserer Schwachheit zu Hilfe. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt; aber der Geist selbst tritt für uns ein mit unausgesprochenen Seufzern. Der aber die Herzen erforscht, weiß, was des Geistes Sinn ist; denn er vertritt die Heiligen so, wie es Gott angemessen ist. Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alles zum Besten mitwirkt, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind. Denn welche er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Ebenbilde seines Sohnes gleichgestaltet zu werden, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Welche er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen, welche er aber berufen hat, die hat er auch gerechtfertigt, welche er aber gerechtfertigt hat, die hat er auch verherrlicht. Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? Welcher sogar seines eigenen Sohnes nicht verschont, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht auch alles schenken? Wer will gegen die Auserwählten Gottes Anklage erheben? Gott, der sie rechtfertigt? Wer will verdammen? Christus, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der auch zur Rechten Gottes ist, der uns auch vertritt? Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht: „Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag, wir sind geachtet wie Schlachtschafe!“ Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat! Denn ich bin überzeugt, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch irgend ein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermag von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unsrem Herrn!“

Der Apostel Paulus macht in diesen Zeilen deutlich, dass die Veränderung in das Bildnis Seines Sohnes Gottes wichtigstes Ziel mit uns ist.

Vielleicht haben wir schon einmal eine Predigt darüber gehört, „wie“ Jesus Christus war und warum wir „wie“ Er werden sollen. Oft werden in solchen Predigten dann gewisse Charakterzüge Christi hervorgehoben, denen wir nacheifern sollen: Sanftmütigkeit, Demut, Vergebungsbereitschaft, Gehorsam gegenüber Gott u.a.m. All‘ dies stimmt. Doch haben Sie beim Betrachten des Lebens Christi in den Evangelien schon einmal darauf geachtet, welche Kontinuität wir im Leben Christi sehen? Trotz aller Widerstände, Hindernisse, Anfechtungen, Anschläge, Verhöhnungen und Leiden blieb der Herr Jesus Christus nicht nur dem Auftrag Gottes treu, er ließ auch nie in seiner Vergebungsbereitschaft und Liebe zu seinen Jüngern nach. Kontinuität wird wie folgt definiert:

„Die Kontinuität (von lat. “continuitas, “gleichbedeutend“) bezeichnet einen lückenlosen Zusammenhang, eine Stetigkeit, einen fließenden Übergang, einen durch keine Grenze unterbrochenen Zusammenhang; einen ununterbrochenen, gleichmäßigen Fortgang. Es wird also ausgedrückt, dass sich Prozesse bzw. Veränderungen in der Natur nicht sprunghaft und plötzlich – diskontinuierlich vollziehen, sondern prinzipiell kontinuierlich bzw. stetig. Sie schließt auch aus, dass etwas ins Nichts verschwindet oder aus dem Nichts entsteht (Energieerhaltungssatz).“1

Kontinuität ist ein Charakterzug Gottes, Er verändert sich nicht (Psalm 107, 27; Maleachi 3,6; Hebräer 13, 8; Jakobus 1, 17; Hebräer 1, 12). In der Kirchengeschichte wurde diese Tatsache manchmal als eine Drohung missverstanden und oder auch gegenüber den Gläubigen so missbraucht. Doch nichts liegt diesen Versen ferner! Verse, in denen von Gottes Kontinuität die Rede ist, sollen uns seiner unwandelbaren Treue und Liebe versichern, nicht uns Angst machen. Dies wird besonders deutlich, wenn wir lesen, was der Apostel Paulus in 2. Timotheus 2, 13 schreibt:

„… sind wir untreu, so bleibt er treu; denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“


Gott möchte, dass auch wir diesen Charakterzug der Zuverlässigkeit, der Stetigkeit, in unserem Leben zum Ausdruck bringen und zwar in der Gemeinschaft mit Ihm, aber auch gegenüber unseren Mitmenschen. Er benutzt Zeiten des Wartens, um uns hierzu umzugestalten.

Wenn wir aber in der Zeit des Ausharrens von Gott in das Bildnis Seines Sohnes umgestaltet werden, dann bedeutet das auch, dass wir dadurch zu immer besseren Botschaftern an Christi Statt (2. Korinther 5,10) werden, denn das Leben Christi kann sich auf diese Weise immer besser durch uns entfalten (Kolosser 1, 27; Kolosser 3, 4). Damit werden wir aber auch zu einem immer feineren Werkzeug in der Hand unseres Gottes, der eine verlorene Welt mittels Seiner Kinder mit dem Evangelium erreichen will.

Halten wir fest, ausharrendes Vertrauen in Gott ist wichtig, weil Gott

a) uns dafür belohnen möchte
b) auf diese Weise unsere Beziehung zu Ihm stärkt
c) uns auf diese Weise in das Bildnis Seines Sohnes umgestaltet
d) uns so zu einem authentischen Botschafter an Christi statt machen möchte

Der Blick auf die vier wichtigen Auswirkungen, die das vertrauensvolle Ausharren auf das Leben des Gläubigen hat, machen uns deutlich, welchen großen Wert das geduldige Vertrauen für Gott, aber auch für uns, hat. Ungeduld, Zweifel oder Gebetslosigkeit berauben uns dieser wertvollen Gaben. Genau dazu möchte uns jedoch der Feind Gottes und der Menschen verführen. Er tut dies, indem er uns immer wieder mit Zweifeln bombardiert, die bei uns Misstrauen in die Güte Gottes hervorrufen sollen. Wir sehen wies dies z.B. im Leben Hiobs durch seine Frau und seine „Freunde“ geschah. Wir können es auch im Leben Daniels beobachten, der durch seine Feinde in große Gefahr gebracht wurde und eine Nacht in der Löwengrube verbringen musste. Hiobs Frau, seine Freunde und auch die Feinde Daniels – sie alle stellten durch ihr Reden und/oder Handeln die Güte und Treue Gottes in Frage. Man kann diese Menschen fast rufen hören: „Hiob! Daniel! Wo ist Euer Gott jetzt?!“ Und genau das haben Gläubige durch alle Jahrtausende erfahren. Aber durch alle Jahrtausende hindurch haben Gläubige wie Hiob, Daniel oder die in Hebräer 10 erwähnten Gläubigen in gläubigem vertrauen auf Gott ausgeharrt. Sie sind gestärkt und umgestaltet worden, haben durch ihr Beispiel Menschen auf Gott hingewiesen und Gottes Belohnung erlangt.

Geduldiges Vertrauen in Gott verbindet Hiob und Daniel und lässt sie in ihrem Leiden überwinden. Das ist offensichtlich, wenn wir die Berichte über das Leben dieser beiden Männer Gottes. Aber es gibt noch ein drittes Element, das Hiob und Daniel verbindet, das eine große Bedeutung hat – auch für den gläubigen Christen: In beiden Büchern wird uns ein Einblick in die unsichtbare Welt gewährt und es wird uns gezeigt, welche Rolle sie im Leben Hiobs, Daniels und aller Gläubigen spielt. Dieses dritte Verbindungsglied werden wir im nächsten Artikel eingehender betrachten.

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Was wir von Hiob und Daniel lernen können (5)

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II. Einführende Gedanken zum Buch Daniel (Fortsetzung 2)

Vier Kapitel nach dem Bericht über Daniels Nacht in der Löwengrube wird uns von einem weiteren wichtigen Ereignis im Leben des Propheten berichtet. Daniel betet und – nach längerer Wartezeit – erscheint ihm ein Engel, der ihm Gottes Antwort auf sein Gebet überbringt:

„In jenen Tagen trauerte ich, Daniel, drei Wochen lang. Ich aß keine leckere Speise, und Fleisch und Wein kamen nicht über meine Lippen, auch salbte ich mich nicht, bis die drei Wochen vollendet waren. Aber am vierundzwanzigsten Tage des ersten Monats befand ich mich am Ufer des großen Stromes Hiddekel. Und ich hob meine Augen auf und schaute und siehe, da stand ein Mann, in Leinwand gekleidet und die Lenden mit Gold von Uphas umgürtet. Und sein Leib war wie ein Tarsisstein, und sein Angesicht strahlte wie der Blitz und seine Augen wie Feuerfackeln; seine Arme aber und seine Füße sahen aus wie poliertes Erz, und die Stimme seiner Rede war wie das Tosen einer Volksmenge.“

(Daniel 10, 2 -6)

Der Prophet betete und fastete und zwar über die Zeit von 21 Tagen. Was für ein Zeichen von Ausdauer, geduld und Vertrauen in Gott! Dann erscheint ihm ein Engel und was dieser ihm mitteilt ist von großer Bedeutung:

“ Und ich hörte die Stimme seiner Worte; als ich aber die Stimme seiner Worte hörte, sank ich ohnmächtig auf mein Angesicht zur Erde nieder. Und siehe, eine Hand rührte mich an und half mir, daß ich mich auf meine Knie und Hände stützen konnte.  Und er sprach zu mir: Daniel, Mann, der du lieb und wert bist, merke auf die Worte, welche ich jetzt zu dir rede, und nimm deine Stellung ein; denn jetzt bin ich zu dir gesandt! Da er nun also zu mir redete, stand ich zitternd auf. Da sprach er zu mir: Fürchte dich nicht, Daniel! Denn von dem ersten Tage an, da du dein Herz darauf richtetest, zu verstehen und dich vor deinem Gott zu demütigen, sind deine Worte erhört worden, und ich bin gekommen um deiner Worte willen. Aber der Fürst des Königreichs Persien hat mir einundzwanzig Tage lang widerstanden und siehe, Michael, einer der vornehmsten Fürsten, ist mir zu Hilfe gekommen, so daß ich daselbst vor den Königen von Persien den Vorsprung gewann. So bin ich nun gekommen, um dich darüber zu verständigen, was deinem Volk in späteren Tagen begegnen wird; denn das Gesicht gilt noch nicht für diese Zeit. (…) Da rührte mich der, welcher einem Menschen glich, nochmals an und stärkte mich. 19 Und er sprach: Fürchte dich nicht, du liebwerter Mann! Friede sei mit dir! Sei stark und fest! Und als er so mit mir redete, wurde ich gestärkt, und ich sprach: Mein Herr, rede; denn du hast mich gestärkt! Und er sprach: Weißt du, warum ich zu dir gekommen bin? Nun will ich wieder hingehen und mit dem Perserfürsten streiten; und sobald ich ausziehe, siehe, so kommt der Griechenfürst! Doch will ich dir kundtun, was in dem Buche der Wahrheit aufgezeichnet ist; und nicht einer hält es mit mir gegen jene, als nur euer Fürst Michael.“

(Daniel 10, 9 – 14 + 18 – 21)

Im nächsten Artikel werden wir uns mit den Parallelen in Hiobs und Daniels Leben befassen und anschließend sehen, was wir für unser Glaubensleben daraus lernen können.

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Was wir von Hiob und Daniel lernen können (4)

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II. Einführende Gedanken zum Buch Daniel (Fortsetzung 1)

In dieser langen Zeit, die fast die gesamte Zeit der babylonischen Gefangenschaft umfasst, sah Daniel eine ganze Reihe von babylonischen Königen kommen und gehen. Auf Nebukadnezar II. folgt dessen Sohn Amel-Marduk. Dieser regierte jedoch nur für die kurze Zeit von 561 – 560 v. Chr. Auf ihn folgte ein Schwiegersohn Nebukadnezars II., Nergal-šarra-usur. Er regierte von 559 – 556 v. Chr. Ihm folgte sein Sohn Lā-abāši-Marduk, dessen Herrschaft noch im Jahr seiner Thronbesteigung (556 v. Chr.) durch einen Mordanschlag beendet wurde. Mit dem auf ihn folgenden Nabonid begann dann wieder eine Phase von dauerhafter Regentschaft und damit auch politischer Stabilität im babylonischen Reich. Er herrschte von 555 v. Chr. bis 539 v. Chr. In der Zeit von ca. 552 v. Chr. bis 542 v. Chr. setzte Nabonid seinen Sohn Bel-šarru-usur, den uns aus der Bibel bekannten Belsazar, als seinen Stellvertreter ein und zog es vor, außerhalb von Babylon an verschiedenen Orten auf der arabischen Halbinsel zu residieren.

539 v. Chr. beendet die Einnahme der Hauptstadt Babylon durch den persischen König Kyros II. nicht nur die Dynastie Nabonids, sondern auch das babylonische Reich, das nun von dem neu errichteten medo-persischen Großreich abgelöst wurde.

Das Buch Daniel erwähnt aus dieser Abfolge von Herrschern Nebukadnezar II., unter dem Daniel als “Gebieter über die ganze Provinz Babel und als oberster Präfekt aller Weisen von Babel“ (Daniel 2, 48) diente. Die auf Nebukadnezar II. folgenden, nur kurze Zeit regierenden Könige werden im Buch des Propheten übergangen und erst Belsazar findet wieder Erwähnung (Daniel 5, 1 – 25). Wenn Belsazar im Buch Daniel als “Sohn des Nebukadnezar“ bezeichnet wird, dann in dem Sinn eines “männlichen Nachfahren“, nicht im Sinn einer direkten Vater-Sohn-Abstammung. Nachdem der persische Großkönig Kyros II., der an drei Stellen des Buches Daniel erwähnt wird (Daniel 1, 21; Daniel 6, 28 und Daniel 10, 1) das babylonische Reich eingenommen hatte, nahm er nicht sofort den Titel “König von Babylon“ an, sondern setzte als seinen Vertreter Darius den Meder ein (Daniel 6, 1 + 28; Daniel 9, 1). Unter diesem wurde Daniel in sehr hohem Alter zu einem der drei Aufseher der 120 Satrapen, d.h. der Statthalter des Reiches, ernannt (Daniel 6, 2 – 3). – In dieser Zeit kommt es zu einem der eindrücklichsten Ereignisse im Leben des Propheten: König Darius wird von Neidern Daniels gedrängt, ein Gesetz zu erlassen, durch welches sie Daniel ausschalten wollen:

“Da suchten alsbald die Fürsten und Satrapen eine Anklage gegen Daniel zu finden auf Grund seiner Regierung; aber sie konnten keine Schuld noch irgend etwas Nachteiliges finden, weil er ganz treu und keine Vernachlässigung noch irgend ein Vergehen bei ihm zu finden war. Da sprachen jene Männer: Wir werden gegen diesen Daniel keinen Anklagegrund finden, es sei denn in seinem Gottesdienst!

Darauf bestürmten jene Fürsten und Satrapen den König und sprachen: König Darius, lebe ewiglich!  Sämtliche Fürsten des Königreichs, die Landpfleger und Satrapen, die Räte und Statthalter erachten es für ratsam, daß eine Verordnung aufgestellt und ein Verbot erlassen werde, wonach jeder, der innert dreißig Tagen irgend eine Bitte an irgend einen Gott oder Menschen richtet, außer an dich allein, o König, in den Löwenzwinger geworfen werden soll. Nun, o König, erlaß das Gebot und unterschreibe das Edikt, damit es unabänderlich sei wie das Gesetz der Meder und Perser, welches unwiderruflich ist. Daraufhin unterschrieb der König das Edikt und Verbot.

(Daniel 6, 4 -9)

Doch Daniel weiß, dass er in dieser Angelegenheit Gott mehr zu gehorchen hat, als den Gesetzen eines menschlichen Königs (vgl. Apostelgeschichte 4, 19). Darum weicht er nicht von seiner Gewohnheit ab und betet weiterhin dreimal täglich an seinem offenen Fenster in Richtung Jerusalems. Seine Widersacher haben auf diese Gelegenheit nur gewartet und handeln sofort:

„Als nun Daniel erfuhr, daß das Edikt unterschrieben sei, ging er hinauf in sein Haus – er hatte aber in seinem Obergemach offene Fenster gen Jerusalem -; und er fiel des Tages dreimal auf die Knie nieder, betete und dankte vor seinem Gott, ganz wie er vordem zu tun pflegte. Da stürmten jene Männer herein und fanden Daniel bittend und flehend vor seinem Gott. Alsbald erschienen sie vor dem König und brachten das königliche Verbot zur Sprache: Hast du nicht ein Verbot unterschrieben, wonach jeder, der innert dreißig Tagen von irgend einem Gott oder Menschen etwas erbitte, außer von dir allein, o König, in den Löwenzwinger geworfen werden soll? Der König antwortete und sprach: Die Sache steht fest nach dem Gesetz der Meder und Perser, welches unwiderruflich ist! Da antworteten sie und sprachen: Daniel, einer der gefangenen Juden, nimmt keine Rücksicht auf dich und achtet nicht auf das Verbot, das du unterzeichnet hast, sondern er verrichtet dreimal des Tages sein Gebet! Als der König solches vernahm, wurde er sehr betrübt, und er sann darüber nach, wie er den Daniel retten könnte, und gab sich Mühe bis zum Sonnenuntergang, ihn zu befreien. Da bestürmten jene Männer den König und sprachen: Wisse, o König, daß nach dem Gesetz der Meder und Perser jedes Verbot und Gebot, das der König bestätigt hat, unwiderruflich ist! Da befahl der König, daß man Daniel herbringe und in den Löwenzwinger werfe. Der König hob an und sprach zu Daniel: Dein Gott, dem du ohne Unterlaß dienst, der rette dich! Und man brachte einen Stein und legte ihn auf die Öffnung des Zwingers, und der König versah ihn mit seinem Siegel und mit dem Siegel seiner Gewaltigen, damit in der Sache Daniels nichts geändert werde.“

(Daniel 6, 10 – 18)

Daniel durchlebt eine Nacht in der Löwengrube und er über-lebt sie auch, denn Gott bewahrt ihr: “… und man fand keine Verletzung an ihm, denn er hatte seinem Gott vertraut“ (Daniel 6, 23).

Im folgenden Artikel werden wir noch ein weiteres Ereignis aus dem Leben Daniels betrachten, welches uns über die Art und Weise Auskunft geben wird, mit der der Prophet Problemen in seinem Leben begegnete,

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Was wir von Hiob und Daniel lernen können (3)

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II. Einführende Gedanken zum Buch Daniel

Im Jahr 605 v. Chr. schlug Nebukadnezar II.¹ als Heerführer der Armee seines Vaters, des babylonischen Königs Nabopolassar, die vereinigten Streitkräfte der Assyrer und Ägypter nahe der Stadt Karkemisch. Die Stadt, die zum Einflussgebiet zweier Völker – der Hethiter und der Mittani – gehörte, liegt heute auf türkischem Gebiet unmittelbar an der Grenze zu Syrien und trägt den türkischen Namen “Karkemiš“. Mit seinem Sieg über die Assyrer und Ägypter sicherte Nebukadnezar II. für Jahrzehnte die babylonische Vorherrschaft über den gesamten damaligen Nahen Osten. Für die Vasallenstaaten der Assyrer und Ägypter war die Schlacht bei Karkemisch ebenfalls ein historischer Wendepunkt, denn auch sie mussten sich nun genauso der Macht Babylons unterwerfen wie jene Staaten, von denen sie bisher abhängig gewesen waren.

Das Südreich Juda, aus den beiden Stämmen Juda und Benjamin bestehend und bisher ein Vasallenstaat Ägyptens, geriet so unter die Herrschaft der Babylonier. (Das 10-Stämme- bzw. Nordreich Israel war bereits 722/721 v. Chr. von den Assyrern besiegt und ein großer Teil seiner Bevölkerung in die Gefangenschaft nach Assur und in weitere nordmesopotamische Städte deportiert worden (2. Könige 17, 6).

Noch im selben Jahr, kurze Zeit nach dem Sieg von Karkemisch, starb Nabopolassar und Nebukadnezar II. folgte ihm als König des babylonischen Großreiches. Schon bald nach seiner Thronbesteigung führte er die babylonischen Truppen gegen das Südreich Juda und eroberte es. Viele hochrangige Judäer wurden als Gefangene nach Babylon deportiert (Daniel 1, 1 – 3). Unter ihnen war auch Daniel mit seinen Freunden (Daniel 1, 1 – 2; 2. Könige 24, 1; 2. Chronika 36, 6 – 7). Mit diesen Ereignissen erfüllte sich die Weissagung des Propheten Jesaja, in der dieser dem König Hiskia angekündigt hatte, dass seine Nachkommen dem König von Babylon Untertan werden würden (Jesaja 39, 5 – 7). Bei dieser ersten Eroberung Jerusalems durch Nebukadnezar II. entwendeten die babylonischen Truppen auch einige der heiligen Gefäße aus dem salomonischen Tempel. Auf diese erste Eroberung und Wegführung sollten noch zwei weitere folgen. Der zu dieser Zeit in Juda herrschende König war Jojakim (2. Könige 24, 1 – 4). Sein Sohn Jojakin (der in den biblischen Berichten auch unter den Namen Jojachin, Jechonja oder unter der Kurzform Konja bekannt ist) folgte ihm im Jahr 598 v. Chr. auf dem Thron. Doch ihm war nur eine Regierungszeit von drei Monaten und zehn Tagen beschieden (2. Chronika 36, 9).

Dann brach Nebukadnezar II. erneut mit der babylonischen Armee in Juda ein und zum Jahreswechsel 597 v. Chr. wurde Jojakin gemeinsam mit der überwiegenden Anzahl der führenden Judäer und den restlichen Schätzen des Landes, einschließlich der heiligen Gefäße des Tempels, nach Babylon gebracht. Unter den Weggeführten war diesmal auch der junge Prophet Hesekiel (2. Könige 24, 10 – 17; 2. Chronika 36, 10). Aus Hesekiel 14, 14 + 20 und Hesekiel 28, 3 wird deutlich, dass die Propheten Hesekiel und Daniel miteinander bekannt waren.

Die dritte und letzte kriegerische Auseinandersetzung zwischen den Babyloniern und dem Südreich Juda und die damit verbundene dritte Deportation fand ca. 11 Jahre später, im Jahr 586 v. Chr., statt. Zu dieser Zeit herrschte Mattanja über das Land. Er war ein jüngerer Bruder Jojakims und dadurch Onkel seines Vorgängers Jojakin (2. Könige 24, 172. Könige 25, 7). Nebukadnezar hatte ihm den Namen “Zedekia“ gegeben, unter welchem er auch in den biblischen Berichten erwähnt wird. Im elften Jahr seiner Regentschaft lehnte sich Zedekia gegen die babylonische Herrschaft auf und schloss ein geheimes Abkommen mit dem ägyptischen Pharao Hophra (Jeremia 37 — 38). Als Reaktion auf diesen Treuebruch (vgl. 2. Chronik 36, 13; Hesekiel 17, 13 ff.) belagerten die babylonischen Armeen 18 Monate lang Jerusalem, bis die Stadt dann endgültig in ihre Hände fiel. Nebukadnezar II. wollte an der Stadt ein warnendes Exempel für die anderen Vasallenstaaten Babylons statuieren und ließ den Tempel niederbrennen, die Stadtmauern einreißen und alle restlichen Bewohner, außer den allerärmsten, als Gefangene nach Babylon deportieren. Auch Zedekia musste nach Babylon in die Gefangenschaft gehen. Zuvor jedoch ließ Nebukadnezar II. die Söhne Zedekias vor den Augen ihres Vaters töten, um diesen anschließend blenden zu lassen (2. Könige 24, 182. Könige 25, 24). Das Letzte, was Zedekia in seinem Leben sah, war der grausame Tod seiner Söhne.

Es sind diese Umstände, die auch den jungen Daniel im Alter von ca. 14 bis 20 Jahren zusammen mit seinen Freunden nach Babylon führen. Bereits in sehr jungem Alter erleidet der spätere Prophet also große Verluste. Er verliert seine Heimat und wahrscheinlich auch seine Familie. Denn von ihr lesen wir in den späteren Kapiteln nichts mehr. Nur drei seiner Freunde werden noch erwähnt. Daniel wird nach Babylon gebracht, einer weit entfernten Stadt, die so gar nichts gemein hat mit Jerusalem, dem Zentrum seines bisherigen Glaubens und Lebens. Das Leben in dieser Stadt, die mit ihrem Götzendienst der totale Gegenentwurf zur Herrschaft Gottes und Seinen Geboten war, wurde für ihn und seine Freunde zu einer ständigen geistlichen Auseinandersetzung, in der er nur durch die Gnade Gottes bestehen konnte. Diese Gnade Gottes war es auch, die Daniel die Kraft verlieh, fast 70 Jahre (!) lang (bis ca. 538 v. Chr., vgl. Daniel 1, 21) seinen Dienst in dieser antigöttlichen Umgebung zu versehen.

Fußnote:
¹= In der Geschichtsforschung sind vier babylonische Könige bekannt, die den Namen “Nebukadnezar“ (bzw. babyl. Nabu-kudurri-usur) trugen. Der in der Bibel erwähnte König ist Nebukadnezar II., der von 605 v. Chr. bis 562 v. Chr. regierte.

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Was wir von Hiob und Daniel lernen können (2)

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I. Einführende Gedanken zum Buch Hiob

Der Name Hiob wird mit “der Angefeindete“, “der Gehasste“ oder auch “der Verfolgte“ übersetzt.1 Einige Kommentatoren gehen davon aus, dass es sich bei diesem Namen um einen Namen handelt, der ihm von seinen Freunden beigelegt wurde.

Das Buch Hiob leitet seinen Namen wahrscheinlich eher von der Hauptperson des Buches, als dem Verfasser ab. Das Buch selbst benennt seinen Verfasser nicht. Es ist also möglich, dass Hiob das Buch selbst niedergeschrieben hat (vgl. Hiob 19, 23 – 24). Die Tatsache, dass von ihm in der dritten Person gesprochen wird, schließt diese Möglichkeit nicht aus, da wir auch in der außerbiblischen Literatur dieser Zeit Schriften kennen, in denen der Autor auf diese Weise von sich sprach.

In der jüdischen Tradition wird Mose als  Redaktor des Buches angesehen, der ihm vorliegende Berichte unter der Leitung des Geistes Gottes in einem Buch niedergeschrieben hat. Dafür spricht u.a., dass das Buch Hiob in den syrischen Bibelübersetzungen gleich nach dem 5. Buch Mose erscheint. Als ein am ägyptischen Hof ausgebildeter und mit dem Leben in der Wüste vertrauter Mensch wäre Mose auch vollkommen in der Lage gewesen, ein solches Buch zu schreiben. Das zeigen uns auch die im 2. Buch Mose aufgeführten Berichte über die Patriarchen.

Viele Details im Buch Hiob weisen darauf hin, dass die in diesem Buch berichteten Geschehnisse in die Zeit vor den Patriarchen, d.h. in das 3. Jahrtausend vor Christus, fallen. So nimmt das Buch nur auf Ereignisse Bezug, die in den ersten elf Kapiteln des 1. Buches Mose berichtet werden (Adam: Hiob 31, 33; Sintflut: Hiob 38, 8 – 11) und erwähnt das Volk Israel nicht. Gott wird im Buch Hiob als der Allmächtige beschrieben, eine persönlichere Beziehung wie z.B. die zu einem Bundesgott, wird nicht erwähnt. Hiob opfert für seine Familie Brandopfer (Hiob 1, 5). Das war eine verbreitete Weise der Gottesverehrung bis zur Zeit der Patriarchen. Ein nomadisches Leben der in Hiob 1, 15 + 17 erwähnten Sabäer und Chaldäer ist bis in die Zeit der Patriarchen belegt. Das Zahlungsmittel “Kesita“ (Hiob 42, 11), eine Münze bzw. Gewichtseinheit, wird nur an zwei weiteren Stellen im Alten Testament erwähnt (1. Mose 33, 19; Josua 24, 32). Danach war dieses Zahlungsmittel offensichtlich nicht mehr in Gebrauch. Auch das in Hiob 42, 16 erwähnte Alter, Hiob lebte nach seinen Leiden noch 142 Jahre, deutet auf ein Alter hin, wie wir es nur aus der Zeit vor den Patriarchen bzw. aus ihrer Zeit kennen.

Die Landschaft Uz (Hiob 1, 1; Jeremia 25, 20), in der Hiob lebte, wird im Land Edom verortet (Klagelieder  4, 21), einem Landstrich der heute von der Grenze zwischen dem heutigen Südjordanien und Saudi-Arabien.

Sowohl im Judentum als auch im Christentum wurde das Buch als kanonisch angesehen. Der Prophet Hesekiel spricht von Hiob als einer historischen Person (Hesekiel 12, 14 + 20), ebenso der Apostel Jakobus (Jakobus 5, 11). Außerdem zitiert der Apostel Paulus das Buch Hiob mehrfach (vgl. Römer 11, 35 mit Hiob 41, 3; 1. Korinther 3, 19 mit Hiob 5, 13 und Philipper 1, 19 mit Hiob 13, 16) und erkennt damit das Buch als vom Geist Gottes inspiriert an.

Hiob wird uns in diesem Buch als ein wohlhabender Mensch vorgestellt, dessen Leben auch geistlich gut ausgerichtet ist, denn  er wird als gottesfürchtig und gerecht bezeichnet (Hiob 1, 1 – 5). Dann brechen jedoch – quasi wie aus dem Nichts – große Katastrophen in das Leben des Hiob ein: Er verliert seinen Reichtum, seine Kinder (Hiob 1, 6 – 22) und dann auch noch seine Gesundheit (Hiob 2, 1 – 10). Von den zwei ersten Katastrophen erhält Hiob Nachricht durch seine Knechte (Hiob 1, 14 – 19). Aus diesem Zusammenhang ist uns der Begriff “Hiobsbotschaft“ bekannt, der in der deutschen Sprache sprichwörtlich geworden ist. Nach diesen Katastrophen erhält Hiob Besuch von seinen drei Freunden Eliphas, Bildad und Zophar (Hiob 2, 11 ff). Mit ihnen diskutiert Hiob die Frage, warum er als gerechter Mensch unschuldig leiden muss. Diese Diskussionen nehmen einen  großen Teil des Buches ein (Kapitel 4 – 27). Während die Freunde Hiobs diesem seine Gerechtigkeit absprechen und unbekannte Sünde als Grund für seine Leiden ausmachen, hält Hiob ihnen gegenüber an seiner Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit fest. Gegen Ende des Buches tritt eine weitere Person auf: Elihu (Kapitel 32 – 37). Im Gegensatz zu den drei anderen Freunden Hiobs zeigt er auf, dass Gott den Menschen durch das Leiden läutern und näher zu sich ziehen will. Anschließend spricht Gott zu Hiob (Hiob 38 – 41). Daraufhin tut dieser Buße, weil er erkennt, dass auch er das Handeln Gottes nicht verstanden und sich selbst überschätzt hatte. Doch er kann bekennen, dass er durch den Prozess, den er durchlebt hat, Gott nun nicht nur besser, sondern erstmals persönlich kennengelernt hat (Hiob 42, 5 – 6).

Fußnoten:
1= Abraham Meister, Biblisches Namenslexikon, Verlag Mitternachtsruf, Pfäffikon/Schweiz, 3. überarbeitete Auflage 1991, Seite 157 (1517)

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Was wir von Hiob und Daniel lernen können (1)

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Die Frage nach dem “Wie lange noch, Herr?“

Es ist ein Problem, das wohl allen Menschen irgendwann in ihrem Leben begegnet: Wir geraten in eine schwierige Situation, deren Probleme oder Auswirkungen einfach nicht aufzuhören scheinen. Die Frage, wie lange diese Situation wohl noch andauern wird, ist da ganz natürlich. Christen beten zudem in solchen Situationen. Aber auch sie erleben, dass ihre Probleme nicht “über Nacht“ verschwinden und das Eingreifen Gottes manchmal “auf sich warten lässt“. So kommt es, dass Gläubige sich nicht nur mit der Frage nach der Dauer ihres Leidens konfrontiert sehen, sondern zusätzlich auch mit der Frage, warum Gott ihre Gebete nicht oder nicht schneller beantwortet.

Die Artikelserie “Was wir von Hiob und Daniel lernen können“, soll aufzeigen, wie wir auf diese Fragen eine Antwort finden können. Denn die Lebensberichte dieser beiden biblischen Personen – Hiob und Daniel – können uns dabei helfen, die Situation, in der wir stehen, besser zu verstehen. Wenn wir darüber hinaus das, was wir aus diesen Lebensberichten lernen können, mit den Belehrungen der Apostel Paulus und Jakobus über das Gebet verbinden, dann werden wir nicht nur  unsere Situation besser verstehen, sondern auch erkennen, wie wir mit ihr in der richtigen Weise umgehen können. Wir werden erkennen, dass wir unserer jeweiligen (schwierigen) Situation nicht hilflos ausgeliefert sind, sondern, dass wir aktiv mitwirken können, um dieselbe zu einem guten Ende zu bringen.

Wir beginnen diese Artikelserie, indem wir uns in den folgenden Tagen zuerst mit dem Hintergrund des Buches und der Person des Hiob beschäftigen.

Dies ist der erste Artikel in einer Serie. Bleiben Sie informiert, indem sie den Blog-Newsletter kostenfrei abonnieren:

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Planen Sie das nächste Jahr – mit unbegrenzter Weisheit

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In wenigen Tagen beginnt das neue Jahr 2023 und mit den 365 neuen Tagen dieses Jahres eröffnen sich für uns unendlich viele positive Möglichkeiten. Die Frage ist jedoch, ob wir diese Möglichkeiten nutzen werden. Der Autor und Redner Ryan Holiday schrieb in seinem Newsletter vom 14.12.2022 (Übersetzung durch mich):

„Jedes neue Jahr fassen wir Vorsätze. Wir wollen bessere Menschen werden. Wir werden neue Dinge ausprobieren. Wir werden besser in Form kommen. Wir werden mehr lesen. Wir werden besser organisiert sein. Wir werden mehr Zeit mit unseren Familien verbringen. Wir werden geduldiger sein. Wir werden weniger gestresst sein. Wir werden glücklicher sein. Wir werden einen Unterschied machen. Dann passiert das Leben. Wir werden beschäftigt. Wir werden müde. Wir werden krank. Wir haben einen schlechten Tag. Wir nehmen uns etwas vor und geben unsere Vorsätze dann ganz auf. Und um diese Zeit des Jahres fragen wir uns, ob wir uns dieses Jahr überhaupt die Mühe machen sollten.“

Diese und ähnliche Erfahrungen machen wahrscheinlich die meisten Menschen. Sie nehmen sich für das neue Jahr viel vor, starten mit Elan, nur um dann festzustellen, dass unvorhergesehene Dinge ihr Leben in Beschlag nehmen, und … am Ende des Jahres ist wenig oder gar nichts aus ihren Plänen geworden. Dabei braucht es nicht einmal die bekannten Neujahrsvorsätze. Viele Menschen machen sich oder anderen nach schwierigen Erlebnissen große Versprechungen – nur um dann zu erleben, dass sie in schwachen Momenten dem „easy going with the flow“ nachgeben und dann völlig aus der Bahn geworfen werden … Und irgendwann sagt man sich, dass es einfach nicht geht, dass man einfach zu schwach ist, dass … Es gibt tausend „gute“ Argumente, mit denen man sich rechtfertigen kann. Der bekannte Coach Jim Rohn hat diesen Prozess folgendermaßen zusammengefasst (Übersetzung durch mich):

„Wenn du etwas wirklich tun willst, findest du einen Weg. Wenn nicht, findest du eine Ausrede.“

Beide Männer, Holiday und Rohn, geben ihren Zuhörern und Lesern gute Ratschläge, wie sie ihre Pläne verwirklichen können. Daran ist nichts Falsches oder Verwerfliches. Allerdings handelt es sich um Tipps, die auf menschlicher Energie und menschlichem Können beruhen. Doch beides ist, wie wir wissen, begrenzt und kann durch eine Vielzahl von äußeren Einflüssen schnell zu Ende gehen.

Im alttestamentarischen Buch der Sprüche finden wir Worte der Weisheit von König Salomo und einigen anderen weisen Männern Israels. Diese Männer beschränkten ihren Erfolg nicht durch eine enge Konzentration auf ihre menschlichen Fähigkeiten, ihre menschliche Kraft. Sie kannten Gott persönlich – auch und gerade als Quelle ihrer Kraft, als Helfer in scheinbar ausweglosen Situationen. Und aus dieser Lebenserfahrung heraus machen sie uns Mut:

“Befiehl dem Herrn deine Werke, so kommen deine Pläne zustande.“

Sprüche 16,3

Warum sollten wir den Erfolg unserer Projekte einschränken, indem wir uns nur auf unsere begrenzten Stärken, Fähigkeiten und Ressourcen verlassen? Wenn der allmächtige und allwissende Gott uns seine Hilfe anbietet?

“Wenn aber jemandem unter euch Weisheit mangelt, so erbitte er sie von Gott, der allen gern und ohne Vorwurf gibt, so wird sie ihm gegeben werden.“

Jakobus 1,5

 

Der Prophet Daniel machte eine ähnliche Erfahrung wie König Salomon und die Weisen aus Israel:

Im Jahr 605 v. Chr. besiegte Nebukadnezar II¹ als Heerführer seines Vaters, des babylonischen Königs Nabopolassar, die vereinten Streitkräfte der Assyrer und Ägypter in der Nähe der Stadt Kachemisch, einer Stadt, die heute in der türkischen Provinz Gaziantep liegt, direkt an der Grenze zu Syrien. Mit seinem Sieg über die Assyrer und Ägypter sicherte Nebukadnezar II. die babylonische Vorherrschaft über den gesamten Nahen Osten der damaligen Zeit für Jahrzehnte. Auch für die Vasallenstaaten der Assyrer und Ägypter war die Schlacht von Kachemisch ein historischer Wendepunkt, denn auch sie mussten sich nun der Macht Babylons ebenso unterwerfen wie die Staaten, von denen sie zuvor abhängig gewesen waren.

Das als „Südreich Juda“ bezeichnete Restreich Israels, das aus den beiden Stämmen Juda und Benjamin bestand und bis dahin ein Vasallenstaat Ägyptens war, geriet durch den Sieg bei Kachemisch ebenfalls unter die Herrschaft Babylons. (Das Zehn-Stämme- oder Nordreich Israel war bereits 722/721 v. Chr. von den Assyrern besiegt und ein großer Teil seiner Bevölkerung in die Gefangenschaft nach Assyrien und in andere nordmesopotamische Städte deportiert worden [2 Könige 17,6]).

Im selben Jahr, nur kurze Zeit nach dem Sieg bei Kachemisch, starb Nabopolassar und Nebukadnezar II. wurde sein Nachfolger als König des babylonischen Reiches. Bald nach seiner Thronbesteigung führte er die babylonischen Truppen gegen das südliche Königreich Juda und eroberte es. Viele hochrangige Judäer, meist aus dem jüdischen Adel, wurden als Gefangene nach Babylon deportiert (Daniel 1, 1 – 3). Unter ihnen waren auch vier junge Männer aus den Adelsfamilien Jerusalems: Daniel, der später ein Prophet Gottes wurde, und seine drei Freunde Hananja, Misael und Asarja (Daniel 1, 1 – 2; 2. Könige 24, 1; 2. Chronik 36, 6 – 7). Damit erfüllte sich die Prophezeiung des Propheten Jesaja, der König Hiskia angekündigt hatte, dass seine Nachkommen Untertanen des Königs von Babylon werden würden (Jesaja 39, 5 – 7). Bei dieser ersten Eroberung Jerusalems durch Nebukadnezar II. raubten die babylonischen Truppen auch einige der heiligen Gefäße aus dem Tempel Salomos. Auf diese erste Eroberung und den Abtransport sollten noch zwei weitere folgen.

Während ihrer Gefangenschaft gerieten die vier jungen Männer am Hof des babylonischen Königs Nebukadnezar in eine sehr gefährliche Situation. In Daniel 2, 1 – 12 wird berichtet, dass König Nebukadnezar einen Traum hatte, der ihn sehr beunruhigte. Darüber hinaus konnte der König keine Erklärung für die Dinge finden, die er in diesem Traum gesehen hatte. Viele Fragen müssen den babylonischen Alleinherrscher geplagt haben: War sein Leben in Gefahr? War sein Reich, für das er so lange und so hart gekämpft hatte, bedroht? Würde seine Dynastie von einem anderen Herrscher ausgelöscht werden? Unter Androhung der Todesstrafe rief der Despot seine „Wahrsagerpriester, Astrologen, Magier und Chaldäer“ auf, ihm den Traum zu wiederholen und seine Bedeutung zu erklären. Bei diesen Männern handelte es sich im Wesentlichen um Personen, die sich dem Okkultismus verschrieben hatten. (Die Bezeichnung „Chaldäer“ bezieht sich nicht auf die Mitglieder des Volkes, die ebenfalls diesen Namen trugen [2. Könige 24,2; Daniel 5,30]. Vielmehr handelte es sich bei diesem Volk um eine besondere Gruppe von Weisen, die im Buch Daniel mehrfach erwähnt werden.) Aber die menschliche Weisheit versagte vor dieser Aufgabe, und die „Weisen“ von Babylon konnten nicht anders, als ihre Unfähigkeit zuzugeben:

“Die Chaldäer antworteten dem König und sprachen: Es ist kein Mensch auf Erden, der kundtun könnte, was der König befiehlt; deshalb hat auch nie irgend ein großer und mächtiger König dergleichen von einem Schriftkundigen, Wahrsager oder Chaldäer verlangt! Denn die Sache, die der König verlangt, ist schwer. Es ist auch niemand, der es dem König kundtun könnte, ausgenommen die Götter, deren Wohnung nicht bei dem Fleische ist!“

Daniel 2, 10 – 11

 

Wie jedes jüdische Kind war auch Daniel von klein auf in der Heiligen Schrift unterrichtet worden. Deshalb wusste er auch, dass es menschlich und möglich war, die Forderung des Königs zu erfüllen. Aber er hatte auch gelernt, dass er sich mit jeder Frage und jedem Problem an Gott wenden konnte und dass Gott versprochen hatte, zu helfen:

Das Geheimnis[a] des Herrn ist für die, welche ihn fürchten,
und seinen Bund lässt er sie erkennen.

Psalm 25, 14

Gott hat versprochen, denen Rat zu geben, die ihn um Hilfe bitten. Er hat versprochen, denen, die sein Angesicht suchen, Geheimnisse zu offenbaren. Er hat versprochen, denen seine Weisheit zu geben, die ihn fürchten (= respektieren). Und das ist genau das, was Daniel und seine drei Freunde erlebt haben:

“Darauf zog sich Daniel in sein Haus zurück und teilte seinen Mitverbundenen Hananja, Misael und Asarja die Sache mit; damit sie von dem Gott des Himmels Erbarmen erflehen möchten wegen dieses Geheimnisses, damit nicht Daniel und seine Mitverbundenen samt den übrigen Weisen von Babel umkämen.“

Daniel 2, 17 – 19
 

Gott ist treu. Er steht zu dem, was er verspricht. Daniel und seine Freunde haben genau das erlebt. Dementsprechend dankt Daniel seinem Gott. Sein Gebet verrät viel darüber, wie Gott wirkt:

“Daniel hob an und sprach:

Gepriesen sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit! Denn sein ist beides, Weisheit und Macht. Er führt andere Zeiten und Stunden herbei; er setzt Könige ab und setzt Könige ein; er gibt den Weisen ihre Weisheit und den Verständigen ihren Verstand. Er offenbart, was tief und verborgen ist; er weiß, was in der Finsternis ist, und bei ihm wohnt das Licht! Dir, dem Gott meiner Väter, sage ich Lob und Dank, daß du mir Weisheit und Kraft verliehen und mir jetzt kundgetan hast, was wir von dir erbeten haben; denn die Sache des Königs hast du uns kundgetan!“

Daniel 2, 20 – 23

 

Wie wir in Jakobus 1,5 gesehen haben, bietet Gott seine Weisheit nicht nur besonderen Menschen wie seinen Propheten an, sondern jedem, der darum bittet! Im Gegensatz zur menschlichen Weisheit beschränkt sich Gottes Weisheit nicht auf „gute Ratschläge“ oder „motivierende Tipps“. Sie ist immer mit seiner Macht und Stärke verbunden:

“Er ist’s, der die Erde durch seine Kraft erschaffen,
in seiner Weisheit den Weltkreis abgegrenzt
und mit seinem Verstand den Himmel ausgespannt hat.“

Jeremia 10, 12

“Der Herr hat die Erde mit Weisheit gegründet
und die Himmel mit Verstand befestigt.
Durch seine Erkenntnis brachen die Fluten hervor
und träufelten die Wolken Tau.“

Sprüche 3, 19 – 20

Gott verspricht uns nicht nur Weisheit, sondern auch die Kraft, nach dieser Weisheit zu leben und zu handeln. Zugang zu beidem – seiner Weisheit und seiner Kraft – erhalten wir durch den engen Kontakt mit Gott im Gebet. Wenn wir uns von ihm anleiten lassen, nach seiner Weisheit zu leben, können wir ähnliche Erfahrungen machen wie König Salomo und die Weisen Israels:

“Solches, mein Sohn, laß niemals aus den Augen;
bewahre Überlegung und Besonnenheit!
Sie werden deiner Seele zum Leben dienen
und zum Schmuck deinem Hals.
Dann wirst du sicher deines Weges gehen,
und dein Fuß stößt nicht an.
Ohne Furcht wirst du dich niederlegen,
und liegst du, so wird dein Schlaf süß sein.
Du brauchst keinen plötzlichen Schrecken zu fürchten,
auch nicht den Untergang der Gottlosen, wenn er kommt.
Denn der Herr wird in deinem Herzen sein
und deinen Fuß bewahren vor dem Fallstrick.“

Sprüche 3, 21 – 26

Warum sollten Sie auch nur einen Tag länger versuchen, die Probleme Ihres Lebens mit begrenzter menschlicher Weisheit zu meistern, wenn Gott selbst Ihnen nicht nur seine unbegrenzte Weisheit anbietet, sondern auch seine Macht, sie anzuwenden? Treffen Sie heute eine Entscheidung für eine gute Zukunft. Nähern Sie sich Gott im Gebet und bitten Sie ihn täglich um seine Weisheit und die Kraft, sie richtig anzuwenden. Sie brauchen dazu keine besonderen Worte. Sprechen Sie mit Ihm, als ob Sie mit einem vertrauten Freund sprechen würden. Denn das ist genau das, was er für Sie sein möchte. Machen Sie das Lesen Seines Wortes zu einem regelmäßigen Bestandteil Ihres Tages, um Ihn besser kennen zu lernen und mehr über Seine unergründliche Weisheit zu erfahren. Sie werden überrascht sein, wie sich Ihr Leben verändern wird.

Fußnote:

1 In der historischen Forschung sind vier babylonische Könige bekannt, die den Namen „Nebukadnezar“ (oder Babyl. Nabu-kudurri-usur) trugen. Der in der Bibel erwähnte König ist Nebukadnezar II., der von 605 bis 562 v. Chr. regierte.

 

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The Question that Stops Christians in Their Tracks

Greg Koukl of Stand to Reason explains how to rephrase the question that stops Christians in their tracks.

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FLIGHT: The Genius of Birds – Hummingbird tongue

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[Repost] Leben statt labern – Anmerkungen zu Markus 11, 12 – 26

Vijgenboom R01

Feigenbaum mit Früchten * Foto: By Marc Ryckaert (MJJR) (Own work) [CC-BY-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Am Mittwoch dieser Woche soll ein Bibelwort aus dem Markusevangelium (zum Hintergrund des Markusevangeliums siehe: Klick!) betrachtet werden. Wir lesen dazu Markus 11, 12 – 26 (LUTH’84):

„Und am nächsten Tag, als sie von Betanien weggingen, hungerte ihn. Und er sah einen Feigenbaum von ferne, der Blätter hatte; da ging er hin, ob er etwas darauf fände. Und als er zu ihm kam, fand er nichts als Blätter; denn es war nicht die Zeit für Feigen. Da fing Jesus an und sprach zu ihm: Nun esse niemand mehr eine Frucht von dir in Ewigkeit! Und seine Jünger hörten das. Und sie kamen nach Jerusalem. Und Jesus ging in den Tempel und fing an auszutreiben die Verkäufer und Käufer im Tempel; und die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler stieß er um und ließ nicht zu, dass jemand etwas durch den Tempel trage. Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben (Jesaja 56,7): »Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker«? Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht. Und es kam vor die Hohenpriester und Schriftgelehrten, und sie trachteten danach, wie sie ihn umbrächten. Sie fürchteten sich nämlich vor ihm; denn alles Volk verwunderte sich über seine Lehre. Und abends gingen sie hinaus vor die Stadt.Und als sie am Morgen an dem Feigenbaum vorbeigingen, sahen sie, dass er verdorrt war bis zur Wurzel. Und Petrus dachte daran und sprach zu ihm: Rabbi, sieh, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt Glauben an Gott! Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berge spräche: Heb dich und wirf dich ins Meer!, und zweifelte nicht in seinem Herzen, sondern glaubte, dass geschehen werde, was er sagt, so wird’s ihm geschehen. Darum sage ich euch: Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr’s empfangt, so wird’s euch zuteil werden. Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemanden habt, damit auch euer Vater im Himmel euch vergebe eure Übertretungen.“

Anmerkungen zu Markus 10, 12 – 26

Dieser Bericht im Markusevangelium ist in vielen Bibeln mit der Überschrift “Die Verfluchung des Feigenbaums“ überschrieben. Wenn wir uns mit dieser Begebenheit beschäftigen, dann sollten wir beachten, dass es sich dabei um einen von mehreren Berichten im Markusevangelium handelt, die wir als “unterbrochene“ Berichte bezeichnen können. Im Markusevangelium finden sich insgesamt vier solcher “unterbrochener Berichte“ (vgl. Markus 3, 20 – 35; Markus 5, 21 – 43 und Markus 6, 7 – 31). Die hieraus erkennbare Struktur ist entscheidend für die Auslegung. Im Fall von Markus 10, 12 – 26 können wir folgende Abschnitte erkennen:

  • Der Herr verflucht den Feigenbaum.
  • Der Herr reinigt Er den Tempel.
  • Der Herr kehrt zurück zu dem verfluchten Feigenbaum und belehrt die Jünger über das Zeichen, das Er an diesem Baum vollbracht hat.

Alle drei Abschnitte behandeln dasselbe Thema und führen es zu einem Höhepunkt.

Die Verfluchung des Feigenbaums

* “Und als sie am folgenden Tag von Betanien weggegangen waren, hungerte ihn. Und er sah von weitem einen Feigenbaum, der Blätter hatte, und er ging hin, ob er wohl etwas an ihm fände; und als er zu ihm kam, fand er nichts als Blätter, denn es war nicht die Zeit der Feigen. Und er begann und sprach zu ihm: Nie mehr in Ewigkeit soll jemand Frucht von dir essen! Und seine Jünger hörten es.“ – Markus 11, 12 – 14 – Verschiedene Fragen ergeben sich aus diesem Bericht:
* * Während der Herr und Seine Jünger von Betanien nach Jerusalem gehen, sieht der Herr einen Feigenbaum. Was nun folgt, muss jeden mit der Flora Israels nicht vertrauten Bibelleser verwundern. Markus berichtet, dass der Herr Jesus Christus den Feigenbaum betrachtete, um zu sehen, ob Er daran Frucht fände. Dann sagt der Evangelist, dass der Herr keine Frucht fand und weist darauf hin, dass “es nicht die Zeit der Feigen war“. Anschließend beschreibt er die Verfluchung des Feigenbaums durch den Herrn. Jeder Leser muss sich doch fragen, warum der Herr einen Baum verflucht, der keine Früchte trägt wenn es doch gar nicht “die Zeit“ ist, in der dieser Baum normalerweise Früchte trägt? Die Verwirrung verschwindet, wenn man sich näher mit dem Feigenbaum beschäftigt: Der Feigenbaum kennt mehrere Blütezeiten. Im März/April entstehen mit den ersten Blättern in der Regel so genannte Vor-Früchte. Diese kleineren Vorfrüchte sind essbar und müssen vorhanden sein, wenn später – im Juni, also der eigentlichen “(Ernte-)Zeit der Früchte“ – die großen Feigen vorhanden sein sollen. Da diese Vor-Früchte mit den ersten Blättern wachsen, ist jedes neue Blatt ein Hinweis auf diese Vor-Früchte und damit auch ein Hinweis auf eine gute spätere Ernte der großen Früchte. Der Baum, den der Herr nach begutachtete, verfügte offensichtlich über ein beachtliches Blattwerk, lies jedoch die zu erwartende Vor-Frucht völlig vermissen. Auf diese Weise vermittelte das Äußere des Baumes einen Zustand, der nicht gegeben war. Von ihm waren auch in Zukunft keine Früchte zu erwarten.
* * Warum verfluchte der Herr den Feigenbaum? Eine Antwort, die uns schnell über die Lippen geht, ist: “Weil er keine Frucht brachte!“ Doch seien wir vorsichtig, mit solchen schnellen Antworten! Der Herr sah diesen Feigenbaum als eine Gelegenheit an, um Seine Jünger mittels eines prophetischen Zeichens zu lehren. Diese Art der Unterweisung war den Jünger aus dem Alten Testament gut bekannt (vgl. z.B. Jesaja 20, 1 – 6; Jeremia 13, 1 – 11; Jeremia 19, 1 – 13; Hesekiel 4, 1 – 15 u.a.m.) Der Herr verfluchte den Feigenbaum nicht primär, weil dieser keine Frucht gebracht hatte. Dieser Baum illustrierte in deutlicher Weise das Verhalten eines großen Teiles des irdischen Volkes Gottes. Seit Jahrhunderten hatte Gott danach Ausschau gehalten, dass dieses Volk Frucht brachte, so wie der Herr Jesus Christus an diesem Feigenbaum nach Frucht suchte (vgl. Jeremia 8, 13; Hosea 9, 10; Micha 7, 1; Nahum 3, 12; Sacharja 10, 2 u.a.) Nach außen hin schmückte sich dieses Volk mit beeindruckenden religiösen Riten und Werken. Doch wie bei dem Feigenbaum, der trotz seines prachtvollen Blattwerks keine Frucht trug, so fand sich auch bei einem großen Teil dieses Volkes trotz aller äußeren Religiosität keine wahre innere Frucht für Gott (vgl. Markus 7, 6; Markus 11, 15 – 19 + 27 – Markus 12, 40). Der Herr Jesus Christus hatte diese äußerliche Religiosität als das bezeichnet, was sie war: Heuchelei. Unter einem Heuchler versteht das Neue Testament einen Menschen, zwischen dessen äußeren Verhalten und seinem wirklichen Zustand eine Lücke klafft. So, wie der Feigenbaum durch sein beeindruckendes Blattwerk den Anschein erweckte, dass er reichte Vor-Frucht trug, so vermittelten diese Menschen durch ihre beeindruckenden religiösen Riten und Werke, dass sie in den Willen Gottes täten und für ihn geistliche Frucht brachten. Doch zwischen dem äußeren Schein und dem inneren wahren Sein bestand eine große Diskrepanz. Heuchler reden viel über den Glauben, leben ihn aber nicht wirklich. Sie meine, durch fromme Reden und eine äußerliche Scheinfrömmigkeit Gott und Menschen beeindrucken zu können. Doch während der Mensch nur das sieht, was “Vor Augen ist“, blickt Gott tiefer und sieht das menschliche Herz mit allen seinen verborgenen Beweggründen (1. Samuel 16, 7). Der Fluch erfolgt also nicht primär aufgrund der Fruchtlosigkeit, sondern aufgrund der Vortäuschung von Frucht. Nicht die geistliche Fruchtlosigkeit eines großen Teils des Volkes wird von dem Herrn in erster Linie verurteilt, sondern der Versuch, Gott mittels äußerer Aktivitäten über das Nichtvorhandensein von geistlicher Frucht hinweg zu täuschen. Diese Heuchelei ist nicht nur Lüge, sie ist auch ein Affront gegen die Allwissenheit Gottes.
* * Dass der Feigenbaum im Alten wie im Neuen Testament ein Bild für das Volk Israel ist, ist unbestreitbar (vgl. Hosea 9, 10; Joel 1, 7; Matthäus 24, 32; Lukas 21, 29-31). Unterschiede gibt es bei der Auslegung jedoch in der Frage, ob die Verfluchung des Feigenbaums ein Symbol für das Gericht Gottes über das ganze Volk oder nur für Teile dieses Volkes darstellt. Immer wieder haben Kommentatoren in dem Feigenbaum ein Symbol für das ganze Volk Israel gesehen, dass keine Frucht der Buße hervorgebracht hätte (vgl. Jeremia 8, 13; Hosea 9, 10, 16; Lukas 13, 6 – 9 u.a.m.) Von dieser Prämisse ausgehend, verstiegen sich sogar einige zu der Aussage, das ganze Volk Israel sei verflucht. Dieser irrigen Ansicht, die zur so genannten Ersatztheologie geführt hat, widerspricht der Apostel Paulus in den Kapiteln 9 – 11 des Römerbriefes. Gott hat Israel zwar für eine Zeit in Seinem Plan beiseite gesetzt, aber Er hat es nicht für immer verworfen! Andere Ausleger sehen in dem Feigenbaum ein Symbol für jene Generation im Volk Israel, die den Herrn Jesus Christus als Messias ablehnte. Nach ihrer Ansicht ist das Gericht Gottes über diese Generation dadurch vollzogen worden, dass Gott Sein Reich zurückgehalten hat. Eine dritte Gruppe von Auslegern sieht in dem Gericht über den Feigenbaum das Gericht Gottes über einen Teil des Volkes Israel, nämlich über jene Heuchler, die nach außen hin den Schein von geistlicher Frucht abgaben, innerlich jedoch diese Frucht vermissen ließen (vgl. Matthäus 6, 2 + 5 + 16; Matthäus 7, 5; Matthäus 15, 7; Matthäus 22, 18; Mattthäus 23, 1 – 39). Als Heuchler hatte der Herr die Händler im Tempel, die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und die Pharisäer bezeichnet, nicht jedoch die Kinder, die Blinden, die Lahmen, die Armen oder andere Menschen, die glaubensvoll zu ihm kamen, ihre Sünden bekannten und diese bereuten. Wie der Feigenbaum trotz seiner vielen Blätter, keine Frucht hervorbrachte, so waren jene Heuchler trotz ihrer äußerlich zur Schau gestellten Religiosität geistlich unfruchtbar. Die dritte Auslegungsmöglichkeit halte ich im Kontext der ganzen Begebenheit für die zutreffendste.

Die Reinigung des Tempels

Die Reinigung des Tempels war die zweite Offenbarung, mit der der Herr Jesus Christus sich dem Volk Israel öffentlich als Messias vorstellte. Die erste Offenbarung dieser Art stellt der Einzug in Jerusalem wenige Tage zuvor dar (vgl. Markus 11, 1 – 11).

* “Und sie kommen nach Jerusalem. Und er trat in den Tempel und begann die hinauszutreiben, die im Tempel verkauften und kauften; und die Tische der Wechsler und die Sitze der Taubenverkäufer stieß er um. Und er erlaubte nicht, dass jemand ein Gerät durch den Tempel trug.“ – Markus 11, 15 – 16 – Der Vorhof der Heiden, also der äußerste Vorhofbereich innerhalb der Tempelmauern, ähnelte mehr einem Marktplatz, denn einer Anbetungsstätte. Insbesondere während der großen Feste des jüdischen Kalenders kauften Tempelbesucher in Jerusalem Opfertiere und wechselten zu diesem Zweck auch Geld. Damit die Festteilnehmer diese Geschäfte abwickeln konnten, waren ursprünglich vier kleinere Markplätze am Ölberg eingerichtet worden. Die Existenz dieser Marktplätze ist nach Victor Eppstein historisch belegt. Sie macht zudem deutlich, dass es eines weiteren Marktplatzes innerhalb des heiligen Tempelbezirkes nicht bedurft hätte. Trotzdem wurde ein solcher fünfter Marktplatz innerhalb des Vorhofs der Heiden eingerichtet und die Erlaubnis dazu hatte niemand anderes als der Hohepreister Kaiphas (im Jahr 30 n. Chr.) erteilt¹.
In der Reinigung des Tempels wird erneut die Autorität Jesu deutlich: es ist die Autorität des Messias. Dieser “Sohn Davids“ (vgl. Matthäus 21, 9 + 15) reinigt das Haus Seines Vaters. In Vers 16 macht Markus das ganze Ausmaß der Tempelreinigung deutlich. In diesem machtvollen und zugleich prophetisch-zeichenhaften Handeln des Messias erfüllten sich auch die Worte aus Psalm 69, 10 deutlich:

“Denn der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt, und die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.“

* “Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben: „Mein Haus wird ein Bethaus genannt werden für alle Nationen“? Ihr aber habt es zu einer „Räuberhöhle“ gemacht.“ Markus 11, 17 – Obwohl die Erfüllung der hier von dem Herrn Jesus Christus zitierte Verheißung aus dem Buch des Propheten noch in der Zukunft lag, war die Absicht, die Gott mit dieser Aussage verband eindeutig: Der Tempel sollte ein Haus des Gebets für alle Völker sein. Doch der Ort, der von Gott zu diesem heiligen Zweck ausgesondert worden war, war zu einem Platz des Gelderwerbs und der Gewinnsucht degradiert worden. Die geistlichen Leiter des Volkes hatten erlaubt, dass aus diesem heiligen Ort, ein Ort voll von weltlichem Handel und Betrug wurde. Damit hatten sie nicht nur völlig entgegen des in Jesaja 56, 7 zum Ausdruck gebrachten Willens Gottes gehandelt, sie hatten auch dem Kommen des Reiches Gottes entgegen gewirkt. Denn die Heiligkeit und Reinheit des Tempels war und ist gemäß Sacharja 14, 21 eine Voraussetzung für die Errichtung des messianischen Friedensreiches:

“(…) und jeder Kochtopf in Jerusalem und in Juda wird dem HERRN der Heerscharen heilig sein; und alle Opfernden werden kommen und von ihnen nehmen und darin kochen. An jenem Tag wird es keinen Viehhändler mehr geben im Haus des HERRN der Heerscharen.

Gottes Wunsch war es, dass Sein Tempel in Jerusalem auch Menschen aus den Nationen offen stand. Jeder Nichtjuden, der ein Verlangen nach Gott hatte, sollte hier die Möglichkeit haben, Gott zu nahen und zu Ihm zu beten. Indem die geistlichen Leiter Israels diesen Ort zu einem Marktplatz umfunktionierten, hatten sie damit den Zugang zu Gott für die Nationen fast unmöglich gemacht. Sie hatten den Platz für die Anbetenden aus den Nationen mit Marktständen besetzt. Auf diese Weise brachten sie auch zum Ausdruck, dass sie eine Beziehung der Nationen zu ihrem Gott gar nicht wünschten. Sie sahen ihre exklusive Stellung als Volk Gottes durch das weite Herz Gottes, dass alle Menschen einlädt, gefährdet. Ansehen, Exklusivität, angebliche religiöse Privilegien, bedeutete ihnen mehr, als die Liebe Gottes zu den Menschen. Wohl sprachen auch die Hohenpriester und Schriftgelehrten von der Liebe Gottes. Doch ihr Handeln sprach eine ganz andere Sprache. Indem der Herr Jesus Christus den Tempel reinigte, machte Er nicht deutlich, dass der Tempel Ihm und nicht den geistlichen Führern Israels gehörte. Mehr noch: Indem Er Jesaja 56, 7 zitierte, offenbarte Er erneut, dass Er Gott ist.

* “Und die Hohenpriester und die Schriftgelehrten hörten es und suchten, wie sie ihn umbringen könnten; sie fürchteten ihn nämlich, denn die ganze Volksmenge geriet außer sich über seine Lehre. Und wenn es Abend wurde, gingen sie zur Stadt hinaus.“ Markus 11, 18 – 19 – Wie es um den wahren Herzenszustand eines Menschen wirklich bestellt ist, zeigt sich immer dann, wenn das, worauf dieses Herz am meisten ausgerichtet ist, angegriffen wird. Die Worte und das Handeln Jesu brachten die herausgehobene Stellung und den Reichtum der Hohenpriester und der Mitglieder des Sanhedrins in Gefahr. Die Folge war, dass sie Pläne schmiedeten, wie sie Ihn töten könnten. Später sollte die Intensität ihres Hasses noch zunehmen (vgl. Markus 11, 27 – Markus 12, 37). Von allen Evangelisten ist es nur Markus, der davon berichtet, dass sie den Herrn fürchten. der Grund für ihre Furcht, war, dass die Lehre Jesu immer mehr Einfluss unter den Volksmassen, die zur Zeit des Passahfestes weiteren Zulauf durch die zahlreichen Festpilger hatten, gewann (vgl. Markus 1, 22; Markus 6, 2; Markus 7, 37; Markus 10, 26). Markus berichtet auch, dass der Herr mit Seinen Jüngern abends die Stadt verlies. Wie wir aus Lukas 21, 37 wissen, verbrachten sie die Nächte auf dem Ölberg, zeitweise aber auch in Bethanien (vgl. Markus 11, 11).

Die Lehre im Zusammenhang mit dem verdorrten Feigenbaum

* “Und als sie am Morgen an dem Feigenbaum vorbeigingen, sahen sie, dass er verdorrt war bis zur Wurzel. Und Petrus dachte daran und sprach zu ihm: Rabbi, sieh, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt Glauben an Gott! Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berge spräche: Heb dich und wirf dich ins Meer!, und zweifelte nicht in seinem Herzen, sondern glaubte, dass geschehen werde, was er sagt, so wird’s ihm geschehen. Darum sage ich euch: Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr’s empfangt, so wird’s euch zuteil werden. Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemanden habt, damit auch euer Vater im Himmel euch vergebe eure Übertretungen.“ – Markus 11, 20 – 26 – Dort, wo die Lutherübersetzung davon spricht, dass der Feigenbaum “bis zur Wurzel“ verdorrt war, findet sich in genaueren Übersetzungen “von den Wurzeln an verdorrt“. Diese Übersetzung ist auch besser nachvollziehbar: Der Tod setzte sich, ausgehend von der Quelle der Nahrung des Baumes, durch den Stamm in alle Äste hindurch fort. Die Wurzeln stehen hier symbolisch für die geistlichen Leiter der Nation Israel. Ihre geistliche Heuchelei würde für den geistlichen Tod des “Baumes“ verantwortlich sein. Petrus brachte das Absterben des Baumes mit dem Gericht, das Jesus Christus über diesen ausgesprochenen hatte, in Verbindung.
Anstatt jedoch die symbolische Bedeutung des Gerichts über den Feigenbaum näher zu erläutern, sprach der Herr über das, was dem Wunder zugrunde lag. Diese wichtige Lehre hatten die Jünger bereits bei vorausgehenden Gelegenheiten von ihrem Meister gehört (vgl. Matthäus 6, 13 – 14; Matthäus 7, 7; Matthäus 17, 20; Matthäus 18, 19; Lukas 11, 9; Lukas 17, 6). Wir können diese Lehre in einem einzigen Satz zusammenfassen: Gebet, die in völlig abhängigem Vertrauen auf Gott dargebracht werden, können menschlich Unmögliches bewirken (vgl. Jakobus 1, 6), denn Gott allein ist die Quelle und Kraft dieser Veränderungen. Aus dieser Aussage Jesu wird deutlich, dass Er Seine Vollmacht und Autorität ganz allein aus der engen Lebens- und Vertrauensbeziehung zu seinem Vater empfing. Auch die Jünger des Herrn empfangen alles, was sie brauchen und einsetzen nur aus dieser Lebens- und Vertrauensbeziehung. Einige Kommentatoren weisen darauf hin, dass die Aufforderung: “Habt Glauben an Gott!“ auch als Ermutigung: “Ihr habt den Glauben Gottes!“ übersetzt werden kann. Versteht man die Aussage in dieser Weise, dann liegt der Schwerpunkt auf dem Wirken Gottes, was biblisch ist, und nicht auf dem Wirken des Menschen. Alle Jünger des Herrn haben diesen Glauben empfangen und deswegen können wir auch vertrauensvoll beten. Der Betende soll seinen Blick auf das richten, was Gott ihm schon geschenkt hat und dementsprechend handeln.
Der Hinweis darauf, dass mittels des Glaubens an Gott Berge versetzt werden können, ist zum einen natürlich ein symbolischer Ausdruck für die Kraft des ganz auf Gott vertrauenden Gebets. Zum anderen findet sich in dieser Aussage aber auch eine prophetische Verheißung. In Sacharja 14, 4 + 10 verheißt Gott das buchstäbliche Versetzen eines bestimmten Berges, nämlich des Ölberges:

“Und seine Füße werden stehen zu der Zeit auf dem Ölberg, der vor Jerusalem liegt nach Osten hin. Und der Ölberg wird sich in der Mitte spalten, vom Osten bis zum Westen, sehr weit auseinander, sodass die eine Hälfte des Berges nach Norden und die andere nach Süden weichen wird. (..) Und das ganze Land wird verwandelt werden in eine Ebene, von Geba bis nach Rimmon im Süden. Aber Jerusalem wird hoch liegen und an seiner Stätte bleiben, vom Tor Benjamin bis an die Stelle des ersten Tors, bis an das Ecktor, und vom Turm Hananel bis an des Königs Kelter.“

Dieses Geschehen wird sich ereignen, wenn der Sohn Gottes wiederkommen und das Reich Gottes buchstäblich aufrichten wird. Das Kommen dieses Reiches, das die geistlichen Führer Israels durch die Verunreinigung des Tempels verhinderten, wird ermöglicht durch das glaubensvolle Gebet der Nachfolger Jesu. Aus diesem Grund hatte der Herr Seine Jünger auch gelehrt, um das Kommen dieses Reiches zu bitten: “Dein Reich komme, Dein Wille geschehe …“ (Matthäus 6, 10) Dieses Gebet ist ein Gebet in völliger Übereinstimmung mit dem Willen Gottes. Darum steht auch überhaupt nicht in Frage, dass es erhört werden wird.

Hoffnung für Heuchler

Wie wir gesehen haben, geht es bei der Verfluchung Feigenbaumes zuerst um die Problematik der Heuchelei und erst in zweiter Linie um die Frage des Fruchtbringens. Geistliche Heuchelei oder Scheinheiligkeit waren nicht nur ein Problem der geistlichen Führer Israels zur Zeit des irdischen Wirkens Jesu. Auch der Apostel Paulus musste seinen Mitarbeiter Timotheus vor Menschen warnen, die unter dem Schein eines christlichen Lebens in der Gemeinschaft der Gläubigen aufhielten, jedoch innerlich von ganz anderen Motiven angetrieben wurden:

“(…) sie haben den Schein der Frömmigkeit, aber deren Kraft verleugnen sie (…)“

(2. Timotheus 3, 5)

Wir haben also keinen Grund, selbstgefällig auf die geistlichen Führer Israels zur Zeit Jesu zu zeigen und ihre Heuchelei zu verurteilen, sondern sollten uns der Tatsache bewusst sein, dass es auch unter dem Namen des Christentums immer Heuchler/Scheinheilige gegeben hat und bis zum Ende geben wird. Wenn der Apostel hier schreibt, dass solche Menschen die Kraft wahrer Frömmigkeit vermissen lassen, dann sagt er damit nichts anderes, als dass sie in Wahrheit keine Lebensbeziehung zu dem Erlöser, dem Herrn Jesus Christus, haben. Denn aus dieser Beziehung allein erwächst dem Gläubigen die Kraft, durch die er ein Leben nach dem Willen Gottes führen kann. Solche Menschen haben also nie Buße getan (Apostelgeschichte 2, 38) und die erlösende Liebe Gottes in Jesus Christus angenommen (Epheser 2,8). Sie nennen sich vielleicht Christen, aber Christus spielt in ihrem Leben nur eine Nebenrolle.
Wie schwerwiegend in den Augen Gottes solche Scheinheiligkeit ist, haben wir am Beispiel der geistlichen Führer Israels gesehen. Nach einer Gnadenzeit von 40 Jahren, ereilte sie im Jahr 70 n. Chr das angekündigte göttliche Gericht (Markus 13, 1 – 2). Wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, Gott würde die Heuchelei, die unter dem Namen des Christentums begangen wird, weniger ernst nehmen und ungestraft lassen. Heuchler, so sagt es der Herr Jesus Christus selbst, werden keinen Platz bei Gott haben (Matthäus 24, 51). Doch es gibt Hoffnung für Heuchler: Für jeden, der erkannt hat, dass er zwar den Namen “Christ“ trägt, aber kein göttliches Leben bleibend in sich hat, besteht heute die Möglichkeit, zu Gott umzukehren, seine Sünde zu bekennen, Vergebung zu empfangen und in eine Lebensbeziehung zu Gott einzutreten. Wichtig ist, dass Sie diese Chance, die Gott Ihnen heute gibt, wahrnehmen:

“Aus diesem Grund mahnt uns der Heilige Geist: »Wenn ihr heute die Stimme Gottes hört, dann verschließt euch seinem Reden nicht!“

(Hebräer 3, 7 – 8)

Fußnoten:

¹= Victor Eppstein: “The Historicity of the Gospel Account of the Cleansing of the Temple“ in: Zeitschrift für die neutesamentliche Wissenschaft, 55, Jahrgang 1964, Seite 42 – 58.

 
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BAB am 07.08.2017

Bemerkenswertes aus der Blogosphäre … und von anderswo her:

* Lesenswert I / Hörenswert I: Deutschlandfunk “Lesart“: “It can’t happen here“ – Ein Roman von Sinclair Lewis aus dem Jahr 1936  mit erstaunlich aktuellem Bezug: Klick!

* Lesenswert II / Hörenswert II: Deutschlandradio Kultur: “Kritik an der EKD: Religionen müssen sich nicht verstehen“: Klick!

* Lesenswert III: The Times of Israel: “Allies could have saved 4 million Jews if they’d bombed death camps in 1942“: Klick! Deutsche Welle: “UN-Akten enthüllen neue Details über den Holocaust“: Klick!  * Israel-Nachrichten: “Den Alliierten lagen schon 1942 detaillierte Berichte über den Holocaust vor“: Klick! * theguardian.com: “Opening of UN files of Holocaust will rewrite chapters of Holocaust“: Klick! *

* Lesenswert IV /Unterstützenswert I: Change.org: “Keine Zwangseinweisung behinderter menschen in Heime“: Klick!

* Sehenswert I: “Is Christianity Based on Threats?“

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