[Repost] Leben statt labern – Anmerkungen zu Markus 11, 12 – 26

Vijgenboom R01

Feigenbaum mit Früchten * Foto: By Marc Ryckaert (MJJR) (Own work) [CC-BY-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Am Mittwoch dieser Woche soll ein Bibelwort aus dem Markusevangelium (zum Hintergrund des Markusevangeliums siehe: Klick!) betrachtet werden. Wir lesen dazu Markus 11, 12 – 26 (LUTH’84):

„Und am nächsten Tag, als sie von Betanien weggingen, hungerte ihn. Und er sah einen Feigenbaum von ferne, der Blätter hatte; da ging er hin, ob er etwas darauf fände. Und als er zu ihm kam, fand er nichts als Blätter; denn es war nicht die Zeit für Feigen. Da fing Jesus an und sprach zu ihm: Nun esse niemand mehr eine Frucht von dir in Ewigkeit! Und seine Jünger hörten das. Und sie kamen nach Jerusalem. Und Jesus ging in den Tempel und fing an auszutreiben die Verkäufer und Käufer im Tempel; und die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler stieß er um und ließ nicht zu, dass jemand etwas durch den Tempel trage. Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben (Jesaja 56,7): »Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker«? Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht. Und es kam vor die Hohenpriester und Schriftgelehrten, und sie trachteten danach, wie sie ihn umbrächten. Sie fürchteten sich nämlich vor ihm; denn alles Volk verwunderte sich über seine Lehre. Und abends gingen sie hinaus vor die Stadt.Und als sie am Morgen an dem Feigenbaum vorbeigingen, sahen sie, dass er verdorrt war bis zur Wurzel. Und Petrus dachte daran und sprach zu ihm: Rabbi, sieh, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt Glauben an Gott! Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berge spräche: Heb dich und wirf dich ins Meer!, und zweifelte nicht in seinem Herzen, sondern glaubte, dass geschehen werde, was er sagt, so wird’s ihm geschehen. Darum sage ich euch: Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr’s empfangt, so wird’s euch zuteil werden. Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemanden habt, damit auch euer Vater im Himmel euch vergebe eure Übertretungen.“

Anmerkungen zu Markus 10, 12 – 26

Dieser Bericht im Markusevangelium ist in vielen Bibeln mit der Überschrift “Die Verfluchung des Feigenbaums“ überschrieben. Wenn wir uns mit dieser Begebenheit beschäftigen, dann sollten wir beachten, dass es sich dabei um einen von mehreren Berichten im Markusevangelium handelt, die wir als “unterbrochene“ Berichte bezeichnen können. Im Markusevangelium finden sich insgesamt vier solcher “unterbrochener Berichte“ (vgl. Markus 3, 20 – 35; Markus 5, 21 – 43 und Markus 6, 7 – 31). Die hieraus erkennbare Struktur ist entscheidend für die Auslegung. Im Fall von Markus 10, 12 – 26 können wir folgende Abschnitte erkennen:

  • Der Herr verflucht den Feigenbaum.
  • Der Herr reinigt Er den Tempel.
  • Der Herr kehrt zurück zu dem verfluchten Feigenbaum und belehrt die Jünger über das Zeichen, das Er an diesem Baum vollbracht hat.

Alle drei Abschnitte behandeln dasselbe Thema und führen es zu einem Höhepunkt.

Die Verfluchung des Feigenbaums

* “Und als sie am folgenden Tag von Betanien weggegangen waren, hungerte ihn. Und er sah von weitem einen Feigenbaum, der Blätter hatte, und er ging hin, ob er wohl etwas an ihm fände; und als er zu ihm kam, fand er nichts als Blätter, denn es war nicht die Zeit der Feigen. Und er begann und sprach zu ihm: Nie mehr in Ewigkeit soll jemand Frucht von dir essen! Und seine Jünger hörten es.“ – Markus 11, 12 – 14 – Verschiedene Fragen ergeben sich aus diesem Bericht:
* * Während der Herr und Seine Jünger von Betanien nach Jerusalem gehen, sieht der Herr einen Feigenbaum. Was nun folgt, muss jeden mit der Flora Israels nicht vertrauten Bibelleser verwundern. Markus berichtet, dass der Herr Jesus Christus den Feigenbaum betrachtete, um zu sehen, ob Er daran Frucht fände. Dann sagt der Evangelist, dass der Herr keine Frucht fand und weist darauf hin, dass “es nicht die Zeit der Feigen war“. Anschließend beschreibt er die Verfluchung des Feigenbaums durch den Herrn. Jeder Leser muss sich doch fragen, warum der Herr einen Baum verflucht, der keine Früchte trägt wenn es doch gar nicht “die Zeit“ ist, in der dieser Baum normalerweise Früchte trägt? Die Verwirrung verschwindet, wenn man sich näher mit dem Feigenbaum beschäftigt: Der Feigenbaum kennt mehrere Blütezeiten. Im März/April entstehen mit den ersten Blättern in der Regel so genannte Vor-Früchte. Diese kleineren Vorfrüchte sind essbar und müssen vorhanden sein, wenn später – im Juni, also der eigentlichen “(Ernte-)Zeit der Früchte“ – die großen Feigen vorhanden sein sollen. Da diese Vor-Früchte mit den ersten Blättern wachsen, ist jedes neue Blatt ein Hinweis auf diese Vor-Früchte und damit auch ein Hinweis auf eine gute spätere Ernte der großen Früchte. Der Baum, den der Herr nach begutachtete, verfügte offensichtlich über ein beachtliches Blattwerk, lies jedoch die zu erwartende Vor-Frucht völlig vermissen. Auf diese Weise vermittelte das Äußere des Baumes einen Zustand, der nicht gegeben war. Von ihm waren auch in Zukunft keine Früchte zu erwarten.
* * Warum verfluchte der Herr den Feigenbaum? Eine Antwort, die uns schnell über die Lippen geht, ist: “Weil er keine Frucht brachte!“ Doch seien wir vorsichtig, mit solchen schnellen Antworten! Der Herr sah diesen Feigenbaum als eine Gelegenheit an, um Seine Jünger mittels eines prophetischen Zeichens zu lehren. Diese Art der Unterweisung war den Jünger aus dem Alten Testament gut bekannt (vgl. z.B. Jesaja 20, 1 – 6; Jeremia 13, 1 – 11; Jeremia 19, 1 – 13; Hesekiel 4, 1 – 15 u.a.m.) Der Herr verfluchte den Feigenbaum nicht primär, weil dieser keine Frucht gebracht hatte. Dieser Baum illustrierte in deutlicher Weise das Verhalten eines großen Teiles des irdischen Volkes Gottes. Seit Jahrhunderten hatte Gott danach Ausschau gehalten, dass dieses Volk Frucht brachte, so wie der Herr Jesus Christus an diesem Feigenbaum nach Frucht suchte (vgl. Jeremia 8, 13; Hosea 9, 10; Micha 7, 1; Nahum 3, 12; Sacharja 10, 2 u.a.) Nach außen hin schmückte sich dieses Volk mit beeindruckenden religiösen Riten und Werken. Doch wie bei dem Feigenbaum, der trotz seines prachtvollen Blattwerks keine Frucht trug, so fand sich auch bei einem großen Teil dieses Volkes trotz aller äußeren Religiosität keine wahre innere Frucht für Gott (vgl. Markus 7, 6; Markus 11, 15 – 19 + 27 – Markus 12, 40). Der Herr Jesus Christus hatte diese äußerliche Religiosität als das bezeichnet, was sie war: Heuchelei. Unter einem Heuchler versteht das Neue Testament einen Menschen, zwischen dessen äußeren Verhalten und seinem wirklichen Zustand eine Lücke klafft. So, wie der Feigenbaum durch sein beeindruckendes Blattwerk den Anschein erweckte, dass er reichte Vor-Frucht trug, so vermittelten diese Menschen durch ihre beeindruckenden religiösen Riten und Werke, dass sie in den Willen Gottes täten und für ihn geistliche Frucht brachten. Doch zwischen dem äußeren Schein und dem inneren wahren Sein bestand eine große Diskrepanz. Heuchler reden viel über den Glauben, leben ihn aber nicht wirklich. Sie meine, durch fromme Reden und eine äußerliche Scheinfrömmigkeit Gott und Menschen beeindrucken zu können. Doch während der Mensch nur das sieht, was “Vor Augen ist“, blickt Gott tiefer und sieht das menschliche Herz mit allen seinen verborgenen Beweggründen (1. Samuel 16, 7). Der Fluch erfolgt also nicht primär aufgrund der Fruchtlosigkeit, sondern aufgrund der Vortäuschung von Frucht. Nicht die geistliche Fruchtlosigkeit eines großen Teils des Volkes wird von dem Herrn in erster Linie verurteilt, sondern der Versuch, Gott mittels äußerer Aktivitäten über das Nichtvorhandensein von geistlicher Frucht hinweg zu täuschen. Diese Heuchelei ist nicht nur Lüge, sie ist auch ein Affront gegen die Allwissenheit Gottes.
* * Dass der Feigenbaum im Alten wie im Neuen Testament ein Bild für das Volk Israel ist, ist unbestreitbar (vgl. Hosea 9, 10; Joel 1, 7; Matthäus 24, 32; Lukas 21, 29-31). Unterschiede gibt es bei der Auslegung jedoch in der Frage, ob die Verfluchung des Feigenbaums ein Symbol für das Gericht Gottes über das ganze Volk oder nur für Teile dieses Volkes darstellt. Immer wieder haben Kommentatoren in dem Feigenbaum ein Symbol für das ganze Volk Israel gesehen, dass keine Frucht der Buße hervorgebracht hätte (vgl. Jeremia 8, 13; Hosea 9, 10, 16; Lukas 13, 6 – 9 u.a.m.) Von dieser Prämisse ausgehend, verstiegen sich sogar einige zu der Aussage, das ganze Volk Israel sei verflucht. Dieser irrigen Ansicht, die zur so genannten Ersatztheologie geführt hat, widerspricht der Apostel Paulus in den Kapiteln 9 – 11 des Römerbriefes. Gott hat Israel zwar für eine Zeit in Seinem Plan beiseite gesetzt, aber Er hat es nicht für immer verworfen! Andere Ausleger sehen in dem Feigenbaum ein Symbol für jene Generation im Volk Israel, die den Herrn Jesus Christus als Messias ablehnte. Nach ihrer Ansicht ist das Gericht Gottes über diese Generation dadurch vollzogen worden, dass Gott Sein Reich zurückgehalten hat. Eine dritte Gruppe von Auslegern sieht in dem Gericht über den Feigenbaum das Gericht Gottes über einen Teil des Volkes Israel, nämlich über jene Heuchler, die nach außen hin den Schein von geistlicher Frucht abgaben, innerlich jedoch diese Frucht vermissen ließen (vgl. Matthäus 6, 2 + 5 + 16; Matthäus 7, 5; Matthäus 15, 7; Matthäus 22, 18; Mattthäus 23, 1 – 39). Als Heuchler hatte der Herr die Händler im Tempel, die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und die Pharisäer bezeichnet, nicht jedoch die Kinder, die Blinden, die Lahmen, die Armen oder andere Menschen, die glaubensvoll zu ihm kamen, ihre Sünden bekannten und diese bereuten. Wie der Feigenbaum trotz seiner vielen Blätter, keine Frucht hervorbrachte, so waren jene Heuchler trotz ihrer äußerlich zur Schau gestellten Religiosität geistlich unfruchtbar. Die dritte Auslegungsmöglichkeit halte ich im Kontext der ganzen Begebenheit für die zutreffendste.

Die Reinigung des Tempels

Die Reinigung des Tempels war die zweite Offenbarung, mit der der Herr Jesus Christus sich dem Volk Israel öffentlich als Messias vorstellte. Die erste Offenbarung dieser Art stellt der Einzug in Jerusalem wenige Tage zuvor dar (vgl. Markus 11, 1 – 11).

* “Und sie kommen nach Jerusalem. Und er trat in den Tempel und begann die hinauszutreiben, die im Tempel verkauften und kauften; und die Tische der Wechsler und die Sitze der Taubenverkäufer stieß er um. Und er erlaubte nicht, dass jemand ein Gerät durch den Tempel trug.“ – Markus 11, 15 – 16 – Der Vorhof der Heiden, also der äußerste Vorhofbereich innerhalb der Tempelmauern, ähnelte mehr einem Marktplatz, denn einer Anbetungsstätte. Insbesondere während der großen Feste des jüdischen Kalenders kauften Tempelbesucher in Jerusalem Opfertiere und wechselten zu diesem Zweck auch Geld. Damit die Festteilnehmer diese Geschäfte abwickeln konnten, waren ursprünglich vier kleinere Markplätze am Ölberg eingerichtet worden. Die Existenz dieser Marktplätze ist nach Victor Eppstein historisch belegt. Sie macht zudem deutlich, dass es eines weiteren Marktplatzes innerhalb des heiligen Tempelbezirkes nicht bedurft hätte. Trotzdem wurde ein solcher fünfter Marktplatz innerhalb des Vorhofs der Heiden eingerichtet und die Erlaubnis dazu hatte niemand anderes als der Hohepreister Kaiphas (im Jahr 30 n. Chr.) erteilt¹.
In der Reinigung des Tempels wird erneut die Autorität Jesu deutlich: es ist die Autorität des Messias. Dieser “Sohn Davids“ (vgl. Matthäus 21, 9 + 15) reinigt das Haus Seines Vaters. In Vers 16 macht Markus das ganze Ausmaß der Tempelreinigung deutlich. In diesem machtvollen und zugleich prophetisch-zeichenhaften Handeln des Messias erfüllten sich auch die Worte aus Psalm 69, 10 deutlich:

“Denn der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt, und die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.“

* “Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben: „Mein Haus wird ein Bethaus genannt werden für alle Nationen“? Ihr aber habt es zu einer „Räuberhöhle“ gemacht.“ Markus 11, 17 – Obwohl die Erfüllung der hier von dem Herrn Jesus Christus zitierte Verheißung aus dem Buch des Propheten noch in der Zukunft lag, war die Absicht, die Gott mit dieser Aussage verband eindeutig: Der Tempel sollte ein Haus des Gebets für alle Völker sein. Doch der Ort, der von Gott zu diesem heiligen Zweck ausgesondert worden war, war zu einem Platz des Gelderwerbs und der Gewinnsucht degradiert worden. Die geistlichen Leiter des Volkes hatten erlaubt, dass aus diesem heiligen Ort, ein Ort voll von weltlichem Handel und Betrug wurde. Damit hatten sie nicht nur völlig entgegen des in Jesaja 56, 7 zum Ausdruck gebrachten Willens Gottes gehandelt, sie hatten auch dem Kommen des Reiches Gottes entgegen gewirkt. Denn die Heiligkeit und Reinheit des Tempels war und ist gemäß Sacharja 14, 21 eine Voraussetzung für die Errichtung des messianischen Friedensreiches:

“(…) und jeder Kochtopf in Jerusalem und in Juda wird dem HERRN der Heerscharen heilig sein; und alle Opfernden werden kommen und von ihnen nehmen und darin kochen. An jenem Tag wird es keinen Viehhändler mehr geben im Haus des HERRN der Heerscharen.

Gottes Wunsch war es, dass Sein Tempel in Jerusalem auch Menschen aus den Nationen offen stand. Jeder Nichtjuden, der ein Verlangen nach Gott hatte, sollte hier die Möglichkeit haben, Gott zu nahen und zu Ihm zu beten. Indem die geistlichen Leiter Israels diesen Ort zu einem Marktplatz umfunktionierten, hatten sie damit den Zugang zu Gott für die Nationen fast unmöglich gemacht. Sie hatten den Platz für die Anbetenden aus den Nationen mit Marktständen besetzt. Auf diese Weise brachten sie auch zum Ausdruck, dass sie eine Beziehung der Nationen zu ihrem Gott gar nicht wünschten. Sie sahen ihre exklusive Stellung als Volk Gottes durch das weite Herz Gottes, dass alle Menschen einlädt, gefährdet. Ansehen, Exklusivität, angebliche religiöse Privilegien, bedeutete ihnen mehr, als die Liebe Gottes zu den Menschen. Wohl sprachen auch die Hohenpriester und Schriftgelehrten von der Liebe Gottes. Doch ihr Handeln sprach eine ganz andere Sprache. Indem der Herr Jesus Christus den Tempel reinigte, machte Er nicht deutlich, dass der Tempel Ihm und nicht den geistlichen Führern Israels gehörte. Mehr noch: Indem Er Jesaja 56, 7 zitierte, offenbarte Er erneut, dass Er Gott ist.

* “Und die Hohenpriester und die Schriftgelehrten hörten es und suchten, wie sie ihn umbringen könnten; sie fürchteten ihn nämlich, denn die ganze Volksmenge geriet außer sich über seine Lehre. Und wenn es Abend wurde, gingen sie zur Stadt hinaus.“ Markus 11, 18 – 19 – Wie es um den wahren Herzenszustand eines Menschen wirklich bestellt ist, zeigt sich immer dann, wenn das, worauf dieses Herz am meisten ausgerichtet ist, angegriffen wird. Die Worte und das Handeln Jesu brachten die herausgehobene Stellung und den Reichtum der Hohenpriester und der Mitglieder des Sanhedrins in Gefahr. Die Folge war, dass sie Pläne schmiedeten, wie sie Ihn töten könnten. Später sollte die Intensität ihres Hasses noch zunehmen (vgl. Markus 11, 27 – Markus 12, 37). Von allen Evangelisten ist es nur Markus, der davon berichtet, dass sie den Herrn fürchten. der Grund für ihre Furcht, war, dass die Lehre Jesu immer mehr Einfluss unter den Volksmassen, die zur Zeit des Passahfestes weiteren Zulauf durch die zahlreichen Festpilger hatten, gewann (vgl. Markus 1, 22; Markus 6, 2; Markus 7, 37; Markus 10, 26). Markus berichtet auch, dass der Herr mit Seinen Jüngern abends die Stadt verlies. Wie wir aus Lukas 21, 37 wissen, verbrachten sie die Nächte auf dem Ölberg, zeitweise aber auch in Bethanien (vgl. Markus 11, 11).

Die Lehre im Zusammenhang mit dem verdorrten Feigenbaum

* “Und als sie am Morgen an dem Feigenbaum vorbeigingen, sahen sie, dass er verdorrt war bis zur Wurzel. Und Petrus dachte daran und sprach zu ihm: Rabbi, sieh, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt Glauben an Gott! Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berge spräche: Heb dich und wirf dich ins Meer!, und zweifelte nicht in seinem Herzen, sondern glaubte, dass geschehen werde, was er sagt, so wird’s ihm geschehen. Darum sage ich euch: Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr’s empfangt, so wird’s euch zuteil werden. Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemanden habt, damit auch euer Vater im Himmel euch vergebe eure Übertretungen.“ – Markus 11, 20 – 26 – Dort, wo die Lutherübersetzung davon spricht, dass der Feigenbaum “bis zur Wurzel“ verdorrt war, findet sich in genaueren Übersetzungen “von den Wurzeln an verdorrt“. Diese Übersetzung ist auch besser nachvollziehbar: Der Tod setzte sich, ausgehend von der Quelle der Nahrung des Baumes, durch den Stamm in alle Äste hindurch fort. Die Wurzeln stehen hier symbolisch für die geistlichen Leiter der Nation Israel. Ihre geistliche Heuchelei würde für den geistlichen Tod des “Baumes“ verantwortlich sein. Petrus brachte das Absterben des Baumes mit dem Gericht, das Jesus Christus über diesen ausgesprochenen hatte, in Verbindung.
Anstatt jedoch die symbolische Bedeutung des Gerichts über den Feigenbaum näher zu erläutern, sprach der Herr über das, was dem Wunder zugrunde lag. Diese wichtige Lehre hatten die Jünger bereits bei vorausgehenden Gelegenheiten von ihrem Meister gehört (vgl. Matthäus 6, 13 – 14; Matthäus 7, 7; Matthäus 17, 20; Matthäus 18, 19; Lukas 11, 9; Lukas 17, 6). Wir können diese Lehre in einem einzigen Satz zusammenfassen: Gebet, die in völlig abhängigem Vertrauen auf Gott dargebracht werden, können menschlich Unmögliches bewirken (vgl. Jakobus 1, 6), denn Gott allein ist die Quelle und Kraft dieser Veränderungen. Aus dieser Aussage Jesu wird deutlich, dass Er Seine Vollmacht und Autorität ganz allein aus der engen Lebens- und Vertrauensbeziehung zu seinem Vater empfing. Auch die Jünger des Herrn empfangen alles, was sie brauchen und einsetzen nur aus dieser Lebens- und Vertrauensbeziehung. Einige Kommentatoren weisen darauf hin, dass die Aufforderung: “Habt Glauben an Gott!“ auch als Ermutigung: “Ihr habt den Glauben Gottes!“ übersetzt werden kann. Versteht man die Aussage in dieser Weise, dann liegt der Schwerpunkt auf dem Wirken Gottes, was biblisch ist, und nicht auf dem Wirken des Menschen. Alle Jünger des Herrn haben diesen Glauben empfangen und deswegen können wir auch vertrauensvoll beten. Der Betende soll seinen Blick auf das richten, was Gott ihm schon geschenkt hat und dementsprechend handeln.
Der Hinweis darauf, dass mittels des Glaubens an Gott Berge versetzt werden können, ist zum einen natürlich ein symbolischer Ausdruck für die Kraft des ganz auf Gott vertrauenden Gebets. Zum anderen findet sich in dieser Aussage aber auch eine prophetische Verheißung. In Sacharja 14, 4 + 10 verheißt Gott das buchstäbliche Versetzen eines bestimmten Berges, nämlich des Ölberges:

“Und seine Füße werden stehen zu der Zeit auf dem Ölberg, der vor Jerusalem liegt nach Osten hin. Und der Ölberg wird sich in der Mitte spalten, vom Osten bis zum Westen, sehr weit auseinander, sodass die eine Hälfte des Berges nach Norden und die andere nach Süden weichen wird. (..) Und das ganze Land wird verwandelt werden in eine Ebene, von Geba bis nach Rimmon im Süden. Aber Jerusalem wird hoch liegen und an seiner Stätte bleiben, vom Tor Benjamin bis an die Stelle des ersten Tors, bis an das Ecktor, und vom Turm Hananel bis an des Königs Kelter.“

Dieses Geschehen wird sich ereignen, wenn der Sohn Gottes wiederkommen und das Reich Gottes buchstäblich aufrichten wird. Das Kommen dieses Reiches, das die geistlichen Führer Israels durch die Verunreinigung des Tempels verhinderten, wird ermöglicht durch das glaubensvolle Gebet der Nachfolger Jesu. Aus diesem Grund hatte der Herr Seine Jünger auch gelehrt, um das Kommen dieses Reiches zu bitten: “Dein Reich komme, Dein Wille geschehe …“ (Matthäus 6, 10) Dieses Gebet ist ein Gebet in völliger Übereinstimmung mit dem Willen Gottes. Darum steht auch überhaupt nicht in Frage, dass es erhört werden wird.

Hoffnung für Heuchler

Wie wir gesehen haben, geht es bei der Verfluchung Feigenbaumes zuerst um die Problematik der Heuchelei und erst in zweiter Linie um die Frage des Fruchtbringens. Geistliche Heuchelei oder Scheinheiligkeit waren nicht nur ein Problem der geistlichen Führer Israels zur Zeit des irdischen Wirkens Jesu. Auch der Apostel Paulus musste seinen Mitarbeiter Timotheus vor Menschen warnen, die unter dem Schein eines christlichen Lebens in der Gemeinschaft der Gläubigen aufhielten, jedoch innerlich von ganz anderen Motiven angetrieben wurden:

“(…) sie haben den Schein der Frömmigkeit, aber deren Kraft verleugnen sie (…)“

(2. Timotheus 3, 5)

Wir haben also keinen Grund, selbstgefällig auf die geistlichen Führer Israels zur Zeit Jesu zu zeigen und ihre Heuchelei zu verurteilen, sondern sollten uns der Tatsache bewusst sein, dass es auch unter dem Namen des Christentums immer Heuchler/Scheinheilige gegeben hat und bis zum Ende geben wird. Wenn der Apostel hier schreibt, dass solche Menschen die Kraft wahrer Frömmigkeit vermissen lassen, dann sagt er damit nichts anderes, als dass sie in Wahrheit keine Lebensbeziehung zu dem Erlöser, dem Herrn Jesus Christus, haben. Denn aus dieser Beziehung allein erwächst dem Gläubigen die Kraft, durch die er ein Leben nach dem Willen Gottes führen kann. Solche Menschen haben also nie Buße getan (Apostelgeschichte 2, 38) und die erlösende Liebe Gottes in Jesus Christus angenommen (Epheser 2,8). Sie nennen sich vielleicht Christen, aber Christus spielt in ihrem Leben nur eine Nebenrolle.
Wie schwerwiegend in den Augen Gottes solche Scheinheiligkeit ist, haben wir am Beispiel der geistlichen Führer Israels gesehen. Nach einer Gnadenzeit von 40 Jahren, ereilte sie im Jahr 70 n. Chr das angekündigte göttliche Gericht (Markus 13, 1 – 2). Wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, Gott würde die Heuchelei, die unter dem Namen des Christentums begangen wird, weniger ernst nehmen und ungestraft lassen. Heuchler, so sagt es der Herr Jesus Christus selbst, werden keinen Platz bei Gott haben (Matthäus 24, 51). Doch es gibt Hoffnung für Heuchler: Für jeden, der erkannt hat, dass er zwar den Namen “Christ“ trägt, aber kein göttliches Leben bleibend in sich hat, besteht heute die Möglichkeit, zu Gott umzukehren, seine Sünde zu bekennen, Vergebung zu empfangen und in eine Lebensbeziehung zu Gott einzutreten. Wichtig ist, dass Sie diese Chance, die Gott Ihnen heute gibt, wahrnehmen:

“Aus diesem Grund mahnt uns der Heilige Geist: »Wenn ihr heute die Stimme Gottes hört, dann verschließt euch seinem Reden nicht!“

(Hebräer 3, 7 – 8)

Fußnoten:

¹= Victor Eppstein: “The Historicity of the Gospel Account of the Cleansing of the Temple“ in: Zeitschrift für die neutesamentliche Wissenschaft, 55, Jahrgang 1964, Seite 42 – 58.

 
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BAB am 07.08.2017

Bemerkenswertes aus der Blogosphäre … und von anderswo her:

* Lesenswert I / Hörenswert I: Deutschlandfunk “Lesart“: “It can’t happen here“ – Ein Roman von Sinclair Lewis aus dem Jahr 1936  mit erstaunlich aktuellem Bezug: Klick!

* Lesenswert II / Hörenswert II: Deutschlandradio Kultur: “Kritik an der EKD: Religionen müssen sich nicht verstehen“: Klick!

* Lesenswert III: The Times of Israel: “Allies could have saved 4 million Jews if they’d bombed death camps in 1942“: Klick! Deutsche Welle: “UN-Akten enthüllen neue Details über den Holocaust“: Klick!  * Israel-Nachrichten: “Den Alliierten lagen schon 1942 detaillierte Berichte über den Holocaust vor“: Klick! * theguardian.com: “Opening of UN files of Holocaust will rewrite chapters of Holocaust“: Klick! *

* Lesenswert IV /Unterstützenswert I: Change.org: “Keine Zwangseinweisung behinderter menschen in Heime“: Klick!

* Sehenswert I: “Is Christianity Based on Threats?“

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Dr. Mark L. Bailey: The Gospel in a Hostile Culture

Ausgehend von Markus 1, 14 – 15 spricht Dr. Mark Bailey, Präsident des Dallas Theological Seminary und Professor für biblische Exegese, über die Hoffnung, die  Wert des Kreuzes:

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Der dreifache Dienst des Heiligen Geistes – Anmerkungen zu Johannes 16, 5 – 15

Tim Tebow Tebowing

Wenn der Heilige Geist im Leben eines Gläubigen wirkt, wird dieser Jesus Christus auch vor  der Welt bekennen und verherrlichen * Tim Tebow beim Gebet auf dem Spielfeld, dem so genannten „tebowing“,hier  untypischerweise ohne seinen Kopf mit der geballten Faust zu stützen * By Ed Clemente Photography (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

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Der dreifache Dienst des Heiligen Geistes im Leben des Gläubigen – Anmerkungen zu Johannes 16, 5 – 15

Der Bibeltext, der für die Wortverkündigung am Sonntag dieser Woche ausgewählt wurde, entstammt dem 16. Kapitel des Johannesevangeliums  (zum Hintergrund des Johannesevangeliums siehe: Klick!). Wir betrachten ihn in seinem Zusammenhang:

“Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat, und niemand von euch fragt mich: Wohin gehst du? Doch weil ich dies zu euch geredet habe, hat Traurigkeit euer Herz erfüllt. Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch nützlich, dass ich weggehe, denn wenn ich nicht weggehe, wird der Sachwalter nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden. Und wenn er gekommen ist, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht.  Von Sünde, weil sie nicht an mich glauben; von Gerechtigkeit aber, weil ich zum Vater hingehe und ihr mich nicht mehr seht; von Gericht aber, weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht von sich selbst aus reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen. Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er empfangen und euch verkündigen.  Alles, was der Vater hat, ist mein; darum sagte ich, dass er von dem Meinen empfängt und euch verkündigen wird.“

(Johannes 16, 5 – 15 ELBEDHÜ; z. Vgl.  LUTH’84)

Einige grundsätzliche Gedanken zum Hintergrund der so genannten Abschiedsreden Jesu in  Johannes 13 – 16

In den synoptischen Evangelien (Matthäus, Markus und Lukas) finden wir die Berichte über den Umgang des Herrn mit Seinen Jüngern und Ihre Belehrung durch Ihn inmitten der Berichte über Seinen Dienst für die manchmal sehr großen Menschenmengen. Im Johannesevangelium hingegen sehen wir eine stärkere Trennung dieser beiden Bereiche des Dienstes Jesu (auch wenn es zeitweise Überschneidungen gibt). Besonders deutlich wird dies in den Kapiteln 1316, die sich ganz auf den letzten Dienst des Herrn an Seinen Jüngern konzentrieren.
Während Johannes den Herrn Jesus Christus im ersten großen Abschnitt seines Evangeliums als einen Lehrer zeigt, der zuerst ein Wunder tut und die Bedeutung dieses Wunders anschließend Seinen Zuhörern erklärt, ist dies im zweiten großen Abschnitt genau umgekehrt: Der Herr belehrte Seine Jünger zuerst über die Bedeutung Seines Todes, bevor Er zum Kreuz ging und anschließend von den Toten auferstand.
Der Zeitpunkt, an dem der Herr diese Belehrungen gab, ist heilsgeschichtlich bedeutsam: Kurz zuvor hatten die religiösen Führer Israels den Herrn als den verheißenen Messias Gottes endgültig verworfen (Matthäus 12, 23 – 43). Das aber führte dazu, dass das Reich Gottes von ihnen genommen und seine Aufrichtung auf dieser Erde zeitlich verschoben wurde (vgl. Matthäus 8, 12; Matthäus 21, 43; Apostelgeschichte 1, 6 – 7). Anstelle der Aufrichtung Seines Reiches führt Gott nun die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) ein (vgl. Epheser 3, 1 – 10; Römer 16, 25; Kolosser 1, 26; Kolosser 4, 3; Epheser 5, 32; Offenbarung 1, 20).
Mit den in Johannes 1316 niedergelegten Belehrungen, das wird bei ihrer Lektüre deutlich, wollte der Herr die Zwölf auch auf ihre Hirtenaufgabe innerhalb der Versammlung (= Gemeinde/Kirche) vorbereiten. Aus diesem Grund gehen die in diesen Kapiteln niedergelegten Belehrungen auch über die Erläuterung des Sterbens und der Auferstehung des Herrn hinaus. Kapitel 13 enthält – neben der Ankündigung des Verrats durch Judas und der Ankündigung der Verleugnung des Petrus – die Belehrung über die Notwendigkeit der gegenseitigen Vergebung der Gläubigen und der täglich Vergebung durch Gott, sowie das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe.  In Johannes 14 finden wir die Verheißung des Herrn bzgl. Seines Kommens für die Gläubigen, gefolgt von der Belehrung über den einzigen Heilsweg zu Gott, dem Vater, der Verheißung des Heiligen Geistes und der Verheißung des Friedens Christi. Nachdem Kapitel 14 den Blick der Zuhörer/Leser mehr auf himmlische Dinge richtete, geht es in Kapitel 15 um Dinge, die mit der Erde in Verbindung stehen: Christus tritt als der wahre Weinstock an die Stelle des Weinstocks Israel (vgl. Psalm 80, 8; Jesaja 5, 4). Er belehrt die Jünger über die Bedeutung der Liebe zu Gott und bereitet sie auf den Hass der Welt vor. Angesichts der Leiden, die Seinen Jüngern in dieser Welt bevorstehen werden, führt der Herr Jesus Christus Seine Belehrungen über den Heiligen Geist in Kapitel 16 weiter aus. Der Geist Gottes, die dritte Person der Gottheit, wird nicht nur ihr Tröster, sondern auch ihr Lehrer, Sachwalter und Beistand sein. Er wird der vollkommene und einzige Stellvertreter des Herrn Jesus Christus auf Erden und  für die Gläubigen sein. Den Abschluss dieses Kapitels bilden Ausführungen des Herrn bzgl. Seiner Auferstehung und der Freude, die damit verbunden sein wird, sowie Ausführungen über das Gebet in Seinem Namen.

Anmerkungen zu Johannes 16, 5  – 15

* “Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat, und niemand von euch fragt mich: Wohin gehst du?“: – Johannes 16, 5 – Mit diesen Worten des Herrn beginnt ein größerer Abschnitt, in dem Er Seine Jünger über den dreifachen Dienst des Heiligen Geistes in ihrem Leben belehrt. Er leitet diese Belehrung mit dem Hinweis ein, dass Er sie in Kürze verlassen würde. Dies hatte Er schon zweimal zuvor getan (vgl. Johannes 13, 36; Johannes 14, 5). Bei beiden vorausgegangenen Gelegenheiten hatten Ihn Jünger (Petrus, Thomas) danach gefragt, wohin Er gehen würde. Doch dieser Frage lag weniger das Interesse an einer konkreten Antwort zu Grunde – diese Antwort hatte der Herr bereits in Johannes 14, 1 – 3 gegeben – sie war vielmehr ein Ausdruck ihrer Traurigkeit darüber, dass Er sie verlassen würde. Johannes 16, 5 finden wir nun fast schon gegen Ende der so genannten Abschiedsreden Jesu, doch  trotz aller Unterweisung in den vorausgegangenen Kapiteln werden die Seelen der Jünger immer noch von dieser Trauer dominiert. Das aber zeigt, dass die Jünger wenig Interesse an dem hatten, was der Herr ihnen in dieser Zeit offenbarte. Sie waren vielmehr mit sich selbst beschäftigt.

* “Doch weil ich dies zu euch geredet habe, hat Traurigkeit euer Herz erfüllt. Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch nützlich, dass ich weggehe, denn wenn ich nicht weggehe, wird der Sachwalter nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden.Johannes 16, 6 – 7  – Der Herr erkennt den inneren Zustand der Jünger an. Er macht ihnen mit diesen Worten jedoch zugleich deutlich, dass sie mit ihren Gedanken und Gefühlen der Trauer falsch liegen: „Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch nützlich, dass ich weggehe, denn wenn ich nicht weggehe, wird der Sachwalter nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden.“ – Immer wieder begegne ich Gläubigen, die mir früher oder später sagen: „Ach, wenn der Herr Jesus noch auf der Erde wäre, dann wäre vieles einfacher!“ So oder so ähnlich scheinen auch die Jünger gedacht zu haben. Es ist ein Kennzeichen des natürlichen (fleischlichen) und des seelischen Menschen, dass er Dinge/Ereignisse/Personen sehen muss (1. Samuel 16, 71. Korinther 2, 14; 1. Korinther 3, 1). Dann ist er beruhigt, dann geht es ihm gut.  Dabei ist doch alles Sichtbare vergänglich, das Unsichtbare hingegen aber ewig (2. Korinther 4, 18), denn alles Sichtbare ist begrenzt, nur das Unsichtbare vermag alle Grenzen zu überwinden. Im Gegensatz zum fleischlichen bzw. seelischen Menschen, der auf das Sichtbare schaut, beurteilt der geistliche Mensch alles auf geistliche Weise  (2. Korinther 2, 15; Johannes 8, 47). Doch soweit waren die Jünger noch nicht. Erst später sollten sie erkennen und erfahren, welcher Segen durch diesem Handeln ihres Herrn freigesetzt wurde: Während Seines irdischen Dienstes konnte  der Herr Jesus Christus immer nur an einem Ort gegenwärtig sein. Er konnte auf diese Weise zwar großen, aber doch immer noch begrenzten Menschenmengen dienen. Mit Seinem Weggang zum Vater, Seiner Verherrlichung durch den Vater und der Sendung des Heiligen Geistes wurde dieser Zustand aufgehoben. Seit dem Kommen des Heiligen Geistes lebt Christus in den Gläubigen und ist durch sie überall auf der Erde gegenwärtig und tätig (vgl. Apostelgeschichte 2, 1 ff.; Kolosser 1, 27). Eine so enge, untrennbare Beziehung zu dem Sohn Gottes war während Seines irdischen Dienstes nicht möglich. Doch diese neue Dimension ihres geistlichen Lebens konnten die Jünger noch nicht erkennen, zu sehr waren sie mit sich selbst und ihren Gefühlen beschäftigt.

Aufgabe Nr. 1: Überführen

* “Und wenn er gekommen ist, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht.“ Johannes 16, 8 – Nachdem der Herr das Kommen des Heiligen Geistes angekündigt hat, beginnt er nun, den Dienst des Geistes Gottes zu erläutern. Seine erste Aufgabe würde darin bestehen, die Welt von  der Sünde, der Gerechtigkeit und dem Gericht zu überführen. Das Wort “überführen“, griech. “ἐλέγχω“ (“elegcho“) kommt im Neuen Testament an 18 Stellen vor (Matthäus 18, 15; Lukas 3, 19; Johannes 3, 20; Johannes 8, 46; Johannes 16, 8; 1. Korinther 14, 24; Epheser 5, 11; Epheser 5, 13; 1. Timotheus 5, 20; 2. Timotheus 4, 2; Titus 1, 9; Titus 1, 13; Titus 2, 15; Hebräer 12, 5; Jakobus 2, 9; Judas 15, Judas 22; Offenbarung 3, 19.  In allen diesen Stellen bedeutet “ἐλέγχω“, dass einem Menschen seine/ihre Sünde, gleichzeitig aber auch die rettende Möglichkeit der Buße vor Augen gestellt wird¹. Die Überführung von der Sünde bewirkt in dem Menschen Sündenerkenntnis (vgl. Apostelgeschichte 2, 37 – 38) ohne die wahre Buße und damit auch Erlösung nicht möglich ist.
Der Herr Jesus Christus bezeichnet den kommenden Heiligen Geist  hier als “Sachwalter“ (Luther übersetzt “Tröster“), griech. “παράκλητος“ („parakletos“). Genau dieses Wort wird in 1. Johannes 2, 1 benutzt, um den Herrn Jesus Christus zu beschreiben. Damit wird die vollkommene Stellvertretung des Herrn Jesus Christus durch den Heiligen Geist, sowie Seine Gottheit zum Ausdruck gebracht.

* “Von Sünde, weil sie nicht an mich glauben; (…) Johannes 16, 9 – Drei Dinge nennt der Herr in unserem Bibelabschnitt, von denen der Heilige Geist die Welt überführen wird. Die Heilige Schrift unterscheidet zwischen “der Sünde“ und “den Sünden“. Alle Sünden haben ihre Wurzel in der einen Sünde des Unglaubens. Seit der Sendung und dem Kommen Jesu ist die Sünde der Unglaube dem Erlöser gegenüber (Johannes 3, 18 + 36; Johannes 8, 24). Wenn der  Heilige Geist Menschen von diesem Unglauben überführt, dann stellt Er ihnen gleichzeitig auch die rettende Möglichkeit der Buße und die Erlösung in Jesus Christus vor Augen. Wenn Menschen an den Herrn Jesus Christus glauben,  dann werden sie auch annehmen, was der Heilige Geist ihnen über ihre Sünde deutlich macht.

* “(…) von Gerechtigkeit aber, weil ich zum Vater hingehe und ihr mich nicht mehr seht; (…)“ Johannes 16, 10 – Der Heilige Geist wird also die Welt von der  Sünde des Unglaubens an den Erlöser überführen. Dann ist es aber auch Seine Aufgabe, die Welt von der Gerechtigkeit zu überführen. Normalerweise wird im Neuen Testament mit dem Begriff “Gerechtigkeit“, griech “δικαιοσύνη“ („dikaiosune), der richtige Stand und das richtige Verhalten des Menschen vor Gott bezeichnet. Er wird aber auch benutzt, um Selbstgerechtigkeit zu beschreiben (vgl. Matthäus 5, 20; Römer 10, 3; Philipper 3, 9). Die Aufgabe des Heiligen Geistes ist es, die Welt von der Unzulänglichkeit ihrer eigenen Gerechtigkeit zu überführen und ihr gleichzeitig die Gerechtigkeit Gottes, die allein durch Jesus Christus erlangt werden kann, vor Augen zu stellen. Während Seines irdischen Dienstes hatte der Herr Jesus Christus den Menschen diese Tatsache vor Augen geführt. Nach Seinem Weggang zum Vater, Seiner Verherrlichung durch den Vater und der Sendung des Heiligen Geistes, wird dieser Dienst nun durch den Geist Gottes  fortgeführt.

* “(…) von Gericht aber, weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist.“ Johannes 16, 11 – Die dritte Tatsache, von der der Heilige Geist die Welt überführen sollte, ist das Gericht. Dabei handelt es sich um das Gericht, das wegen der Sünde des Unglaubens, die sich in der Ablehnung des von Gott gesandten Erlösers ausdrückte,  über die Welt kommen sollte. Die Ergebnisse dieses Dienstes des Heiligen Geistes können wir schon kurz nach Seinem Kommen auf diese Erde beobachten (vgl. Apostelgeschichte 2, 37 – 38). Ein Grund für dieses Wirken des Heiligen Geistes lag darin, dass Gott in dem Tod Christi am Kreuz das Gericht über die  Sünde und den Satan bereits vollzogen hatte (Johannes 12, 31; Kolosser 2, 15; Hebräer 2, 14). Da “der Fürst dieser Welt“ bereits gerichtet ist, kann eine Welt, die ihm folgt, nur dasselbe Gericht erwarten. Der einzige Weg, diesem  Gericht Gottes zu entgehen, ist die Erlösung, die Gott der Welt in Seinem Sohn Jesus Christus anbietet (Johannes 3, 16). Aus diesem Grund überführt der Heilige Geist die Welt von dem Gericht und macht sie gleichzeitig mit der Erlösung bekannt, die allein durch Jesus Christus erlangt werden kann (Johannes 14, 6).

Zusammenfassend können wir sagen: Ein Mensch, der sich dem überführenden  Wirken des Heiligen Geistes in seinem Leben nicht verschließt, wird dreierlei erkennen:

  • die Sünde des Unglaubens an den Erlöser Jesus Christus,
  • die Unvollkommenheit seiner eigenen Gerechtigkeit und
  • dass er deswegen unter dem gerechten Gericht Gottes steht

Gleichzeitig wird ein solcher Mensch aber auch erkennen, dass Erlösung von der Sünde, Befreiung vom Gericht Gottes und eine vollkommene Gerechtigkeit allein in Jesus Christus gefunden werden kann, wie es Paulus in 1. Korinther 1, 30 sagt:

“(…) durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, welcher uns von Gott gemacht worden ist zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung, (…)“

Ohne Überführung durch den Heiligen Geist, kann also kein Mensch zu einer wirklichen Bekehrung und damit auch zu einer wahren Wiedergeburt aus dem Heiligen Geist (Johannes 3, 1 – 6) finden. Die Mittel, die der Heilige Geist benutzt, um einen Menschen zu überführen, sind das Wort Gottes und das Zeugnis des Christen. Die christliche Existenz beginnt also mit dem überführenden Wirken des Heiligen Geistes, das zur Sündenerkenntnis, Buße und Wiedergeburt führt. Aus einem von Gott losgelösten Menschen wird ein Kind Gottes.

Aufgabe Nr. 2: In alle Wahrheit leiten

* “Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht von sich selbst aus reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen.“ Johannes 16, 12 – 13 – Die zweite Aufgabe des Heiligen Geistes besteht darin, die Gläubigen “in alle Wahrheit zu leiten“. Bereits in Johannes 14, 26 hatte der Herr den Jüngern versprochen, dass der kommende Heilige Geist einen solchen Dienst tun würde:

“Der Sachwalter aber, der Heilige Geist, welchen der Vater senden wird in meinem Namen, jener wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“

Diese Verheißung erfüllte sich zum einen, als die Evangelisten Seine Worte und Taten in den Evangelien und der Apostelgeschichte niederschrieben (”an alles erinnern”). Zum anderen dann, als die Apostel in ihren Briefen die ”Lehre des Christus” (2. Johannes 9) niederlegten. Die zweite diesbezügliche Verheißung finden wir in Johannes 16, 13:

”Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht von sich selbst aus reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen.”

Diese Verheißung erfüllte sich in den prophetischen Aussagen der Evangelien, der apostolischen Briefe und insbesondere im Buch der Offenbarung. Daraus schließen wir, dass das gesamte Neue Testament das vom Geist Gottes eingegebene Wort Gottes ist. Dabei fiel es dem Apostel Paulus zu, das Wort Gottes in Bezug auf die Lehre zu vollenden (Kolosser 1, 25), wohin gegen es die Aufgabe des Apostels Johannes war, mit dem von ihm empfangenen prophetischen Buch den biblischen Kanon abzuschließen (Offenbarung 22, 18 – 19).
Darüber hinausführende Offenbarungen oder so genanntes ”neues Licht”, sind uns nicht verheißen. Ganz im Gegenteil, wir werden ausdrücklich davor gewarnt, irgendeiner Lehre oder Verkündigung zu folgen, die über die (in der Heiligen Schrift niedergelegten) Lehre des Christus hinausgeht:

”Jeder, der weitergeht und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht; wer in der Lehre bleibt, dieser hat sowohl den Vater als auch den Sohn. Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmt ihn nicht ins Haus auf und grüßt ihn nicht. Denn wer ihn grüßt, nimmt teil an seinen bösen Werken.”

(2. Johannes 9 – 11)

Was uns jedoch verheißen ist, ist dass der Geist Gottes auch uns “in alle Wahrheit leiten“ will, d.h. dass Er uns das Verständnis all dessen schenken möchte, was Gott uns durch Sein Wort geoffenbart hat.  Der Heilige Geist benutzt dazu jede Gelegenheit, bei der wir uns mit dem Wort Gottes beschäftigen. Dies kann durch eine Predigt geschehen, aber auch in unserer persönlichen Stillen Zeit und bei unserem persönlichen Bibelstudium. Je mehr wir unser Herz dem Wort Gottes öffnen und das bereits Erkannte mit Gottes Hilfe in unserem Leben umsetzen, desto mehr Verständnis kann uns der Heilige Geist schenken. Dabei sollten wir jedoch einen wichtigen Punkt im Auge behalten:
So, wie der Herr Jesus Christus nie aus sich selbst heraus handelte, sondern nur das tat, was der Wille Seines Vaters im Himmel war (Johannes 5, 19; Johannes 5, 30; Johannes 12, 49), so wird auch der Heilige Geist nicht aus sich selbst reden. Dementsprechend wird der Heilige Geist auch nie etwas verkündigen oder als Wahrheit lehren, das im Widerspruch zu dem geoffenbarten Wort Gottes steht. Wenn das Wort Gottes etwas als Sünde bezeichnet und jemand behauptet, eine Offenbarung des Heiligen Geistes empfangen zu haben, mit der diese Sünde im Leben des Gläubigen legitimiert wird (vielleicht als “höhere Art der Offenbarung“), so entlarvt sich eine solche Person als Lügner und Irrlehrer. Genauso wird der Heilige Geist auch keinen Gläubigen zu einem Verhalten anleiten, dass dem Wort Gottes widerspricht.

Aufgabe Nr. 3: Verherrlichen

* “Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er empfangen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum sagte ich, dass er von dem Meinen empfängt und euch verkündigen wird.“ Johannes 16, 14 – 15 – Die dritte Aufgabe des Heiligen Geistes, die der Herr Jesus in unserem Bibelabschnitt erläutert, ist, dass der Geist Gottes Ihn verherrlichen wird. Der Heilige Geist verherrlicht den Sohn Gottes, indem Er das, was der Vater dem Sohn gegeben hat, nimmt und den Gläubigen verkündigt/offenbart/erklärt. Im Kolosserbrief spricht Paulus zweimal von dem Reichtum des Geheimnisses Gottes:
In Kolosser 1, 27 ist die Rede von dem “Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses„. Dieses Geheimnis Gottes ist Jesus Christus, der Sohn Gottes. Er ist das Zentrum aller Gedanken und Pläne Gottes, denn in Ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis Gottes verborgen. In Kolosser 1, 27 geht es insbesondere um die wunderbare Beziehung, die Christus zu den Gläubigen Seines Leibes hat. Dieses Geheimnis hat Gott uns durch Sein Wort kundgemacht. Aber wir erkennen den großen Reichtum  dieses Geheimnisses nur schrittweise und zwar durch den Christus verherrlichenden Dienst des Heiligen Geistes.
In Kolosser 2, 2 – 3 spricht der Apostel von allem  “Reichtum der vollen Gewissheit des Verständnisses, zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes, in welchem verborgen sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis„.  Auch hier geht es um das “Geheimnis Gottes“, das Christus ist und das durch das Evangelium offenbart wurde. Wir können gar nicht ermessen, welcher geistliche Reichtum mit der Person des Erlösers verbunden ist, wenn dieser uns nicht durch den Dienst des Heiligen Geistes mittels des Wortes Gottes erklärt wird.
Der Heilige Geist wird also Christus verherrlichen, indem Er uns immer tiefer in all die geistlichen Reichtümer, die mit der Person unseres Erlösers verbunden sind, hineinführt. Der Heilige Geist wird Christus verherrlichen, indem Er uns eine Facette dieser wunderbaren Person nach der anderen zeigen und verstehen lassen wird. Je mehr wir von dem Reichtum des Geheimnisses Gottes in dem Sohn Gottes erkennen, desto mehr werden unser Herz und unser Mund überfließen von Dankbarkeit, Liebe und Anbetung Gott gegenüber. So wird das Werk der Verherrlichung, das der Heilige Geist  tut, in dem Leben der Gläubigen seine Fortsetzung finden.

Fußnoten:

¹= vgl. Gerhard Kittel/Otto Bauerfeind: Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, Abschnitt “ἐλέγχω“,  W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1979

 
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[Repost] In Gottes Liebe bleiben – Anmerkungen zu 1. Johannes 4, 1 ff.

Vergebung * Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

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In Gottes Liebe bleiben – Anmerkungen zu 1. Johannes 4, 1 ff.

Der Wortverkündigung für den kommenden Sonntag liegt eine Passage aus dem 1. Johannesbrief (zum Hintergrund des 1. Johannesbriefes siehe: Klick!) zugrunde, die wir im Folgenden in ihrem Kontext betrachten werden:

“Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt ausgegangen. Hieran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder Geist, der Jesus Christus im Fleisch gekommen bekennt, ist aus Gott; und jeder Geist, der nicht Jesus [Christus im Fleisch gekommen] bekennt, ist nicht aus Gott; und dies ist der Geist des Antichrists, von dem ihr gehört habt, dass er komme, und jetzt ist er schon in der Welt.
Ihr seid aus Gott, Kinder, und habt sie überwunden, weil der, der in euch ist, größer ist als der, der in der Welt ist. Sie sind aus der Welt, deswegen reden sie aus der Welt, und die Welt hört sie. Wir sind aus Gott; wer Gott erkennt, hört uns; wer nicht aus Gott ist, hört uns nicht. Hieraus erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums. Geliebte, lasst uns einander lieben, denn die Liebe ist aus Gott; und jeder, der liebt, ist aus Gott geboren und erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe. Hierin ist die Liebe Gottes zu uns offenbart worden, dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben möchten. Hierin ist die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als Sühnung für unsere Sünden. Geliebte, wenn Gott uns so geliebt hat, sind auch wir schuldig, einander zu lieben. Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir einander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollendet. Hieran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat. Und wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt. Wer irgend bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in ihm bleibt Gott und er in Gott.
Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm.
Hierin ist die Liebe mit uns vollendet worden, damit wir Freimütigkeit haben an dem Tag des Gerichts, dass, wie er ist, auch wir sind in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, ist nicht vollendet in der Liebe. Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, so ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er gesehen hat, wie kann der Gott lieben, den er nicht gesehen hat? Und dieses Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, auch seinen Bruder liebe.“

(1. Johannes 4, 1 -21 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

Einige grundlegende Bemerkungen

Der Textabschnitt, mit dem wir uns heute beschäftigen, umfasst eigentlichen 1. Johannes 3, 241. Johannes 4, 16. Bereits in 1. Johannes 3, 24 wird das Thema des “Bleibens in Gott“ aufgenommen. Beides – Gottes Bleiben in uns und unser Bleiben in Gott – ist entscheidend, damit wir “Zuversicht haben am Tag des Gerichts“. Auch dieses Thema wird bereits zuvor angesprochen (1. Johannes 2, 28) und auf dieses Thema führen unsere Verse erklärend hin (vgl. 1. Johannes 4, 17 – 18).
In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass wir 1. Johannes 3, 24 (“Und wer seine Gebote hält, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Und daran erkennen wir, dass er in uns bleibt: an dem Geist, den er uns gegeben hat.“) im Kontext des gesamten Neuen Testaments verstehen. Häufig wurde dieser Vers missbraucht, um Gläubigen damit zu drohen, dass sie ihr Heil verlieren würden, wenn sie nicht “die Gebote“ – meist verstand man darunter den Dekalog – halten würden. Im Licht des Neuen Testaments betrachtet, ist eine solche Aussage nicht nur Unsinn, sondern eine bösartige Verfremdung des Evangeliums. Denn in Römer 3, 20 – 24 werden wir wie folgt belehrt:

“Darum: Aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden; denn durchs Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde. Jetzt aber ist ohne Gesetz Gottes Gerechtigkeit offenbart worden, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten: Gottes Gerechtigkeit aber durch Glauben an Jesus Christus für alle, die glauben. Denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist.

Diese grundlegende biblische Wahrheit – Errettung aus Gnade mittels des Glaubens und nicht mittels der menschlichen Werke – wird uns im Neuen Testament immer wieder bezeugt:

“Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.“

(Epheser 2, 8 – 9)

“Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.“

(Römer 6, 23)

So kann also auch in 1. Johannes 3, 24 das Halten der Gebote nicht das Mittel zur Erlangung der Erlösung bzw. zum “Bleiben“ in der Erlösung sein. Die Frage, wie wir 1. Johannes 3, 24 zu verstehen haben ist auch für unser Verständnis von 1. Johannes 4, 1 ff. von Bedeutung. Diese Frage beantwortet sich sehr leicht, wenn wir Jakobus 2, 26 betrachten:

“Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot.“

Menschliches Leben wird sich immer Ausdruck verleihen. Ein Kind wird geboren – woran erkennen wir, dass es lebt? Es atmet, es schreit, es strampelt. Niemand muss es dazu anhalten, niemand muss ihm diese Regungen gebieten. So etwas wäre lächerlich. Ebenso ist es, wenn ein Mensch zum Glauben kommt und von neuem geboren wird (Johannes 3, 1 – 6). Das neue, göttliche Leben in dem Gläubigen wird sich auf ganz natürliche Weise ausdrücken und zwar in dem der Gläubige danach strebt, die Werke zu tun, die Gott für ihn vorbereitet hat (Epheser 2, 10). Die Werke des Gläubigen sind ein ganz natürlicher Ausfluss des neuen, geistlichen Lebens in ihm. Durch sie wird deutlich, dass dieser Mensch wirklich eine neue Schöpfung in Christus (2. Korinther 5, 17) und damit errettet ist. Wo ein Mensch behauptet, von neuem geboren zu sein, solche Werke jedoch dauerhaft fehlen, da ist Zweifel an seinem/ihrem Bekenntnis angebracht und Seelsorge notwendig.
In Bezug auf 1. Johannes 3, 24 (“Und wer seine Gebote hält, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Und daran erkennen wir, dass er in uns bleibt: an dem Geist, den er uns gegeben hat.“) können wir also festhalten, dass das Halten der Gebote, um die es hier geht, nicht die Voraussetzung für die Erlangung der Erlösung bzw. zum “Bleiben“ in der Erlösung sein kann. Wie die “Werke des Glaubens“ in Jakobus 2, 26, ist auch das “Halten der Gebote“ in 1. Johannes 3, 24 die Folge von bzw. der Beweis für das neue Leben aus Gott in dem Gläubigen.

Anmerkungen zu 1. Johannes 4, 1 ff.

* “Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt ausgegangen. Hieran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder Geist, der Jesus Christus im Fleisch gekommen bekennt, ist aus Gott; und jeder Geist, der nicht Jesus [Christus im Fleisch gekommen] bekennt, ist nicht aus Gott; und dies ist der Geist des Antichrists, von dem ihr gehört habt, dass er komme, und jetzt ist er schon in der Welt.“1. Johannes 4, 1 – 3 – Im letzten Vers des 3. Kapitels schrieb der Apostel: “Und wer seine Gebote hält, bleibt in ihm, und er in ihm; und hieran erkennen wir, dass er in uns bleibt, durch den Geist, den er uns gegeben hat.“ Nachdem Johannes in diesem Vers den Geist Gottes erwähnt hat, fühlt er sich gedrängt, in den nächsten Versen (1. Johannes 4, 1 – 3) darauf hinzuweisen, dass es neben dem Geist Gottes auch andere geistliche Mächte und Einflüsse gibt (vgl. Epheser 2, 2; Epheser 6, 12 – 18). Diese Mächte bedienen sich

Dass dem so ist, sollte keinen Gläubigen überraschen (1. Timotheus 4, 1). Aus diesem Grund wird uns geboten, “die Geister zu prüfen, ob sie aus Gott sind“.
Mancher mag nun einwenden, er habe die “Gabe der Geisterunterscheidung“ (1. Korinther 12, 10) nicht und könne darum nicht prüfen, welcher Dinge vom Geist Gottes stammen und welche nicht. Doch dieses neutestamentarische Gebot, das heute leider oft missachtet wird, gilt jedem Gläubigen und zwar ganz unabhängig von der erwähnten Gabe. Jeder Gläubige ist auch in der Lage, diesem Gebot Folge zu leisten und zwar indem er alles, was ihm gelehrt und verkündigt wird, anhand des Wortes Gottes prüft. Die Heilige Schrift ist das durch den Geist Gottes eingegebene Wort Gottes (2. Timotheus 3, 16; Römer 15, 4; 2. Petrus 1, 20 – 21). Wenn uns etwas gelehrt oder verkündigt wird, das nicht in Übereinstimmung mit dem Wort der Heiligen Schrift steht, dann kann es sich dabei folglich nicht um eine Verkündigung/Lehre aus dem Geist Gottes handeln. Es handelt sich dann um eine falsche Lehre, von der wir uns distanzieren müssen (vgl. 1. Thessalonicher 5, 21 – 22!)
Manche Gläubigen sind leider so naiv, dass sie davon ausgehen, dass jede geistliche Manifestation in einem christlichen Kontext vom Geist Gottes gewirkt sei. Doch dabei vergessen sie, dass wir, solange wir auf dieser Erde sind, noch nicht in einem vollkommenen Zustand leben. Auf dieser Erde wird es immer Licht und Finsternis, Heiligkeit und Sünde, echten Weizen und Scheinweizen geben. Der Herr Jesus Christus hat dies in den prophetischen Gleichnissen von Matthäus 13 sehr deutlich dargelegt. Doch diese Tatsache muss und soll uns nicht verunsichern. Der Apostel Johannes gibt uns in den ersten drei Versen dieses Kapitels klare Hinweise, wie wir das Wirken des Heiligen Geistes von der Wirksamkeit anderer Geister unterscheiden können. Dabei macht Johannes deutlich, dass es bei dieser Unterscheidung im Kern immer um die Person des Herrn Jesus Christus geht: “Jeder Geist, der Jesus Christus im Fleisch gekommen bekennt, ist aus Gott; und jeder Geist, der nicht Jesus [Christus im Fleisch gekommen] bekennt, ist nicht aus Gott; und dies ist der Geist des Antichrists, von dem ihr gehört habt, dass er komme, und jetzt ist er schon in der Welt.“
Zuerst einmal ist festzuhalten, dass Johannes uns auffordert, das Bekenntnis dieser Menschen, also das, was sie lehren und verkündigen, zu prüfen. Es geht nicht darum, ihre Werke zu prüfen. Aus Matthäus 7, 15 – 20 haben viele den Gedanken abgeleitet, dass man falsche Propheten an ihren Werken (= Früchten) prüfen könne und dazu müsse man erst einmal abwarten, denn “Früchte bräuchten ja Zeit, ehe sie reif seien“ und erst dann könne man sie beurteilen. Ein verhängnisvoller, verführerischer Gedanke! Denn wenn wir diesen Text in Verbindung mit der Lehre des Herrn Jesus Christus in Matthäus 12, 33 – 37 untersuchen, dann wird deutlich, dass es auch in Matthäus 7, 15 – 20 um das Prüfen der Lehre bzw. Verkündigung geht. Das ist auch nur logisch, denn jeder Mensch – ob gläubig oder nicht – ist in der Lage, nach menschlichem Maßstab “gute Werke“ zu vollbringen. Doch davon dürfen wir uns nicht blenden lassen. Bedenken wir, äußerlich wirkten die falschen Propheten, vor denen der Herr Jesus Christus in Matthäus 7, 15 – 20 warnt, “wie Schafe“, denn sie waren ja “Wölfe in Schafskleidern“. D.h., dass sie äußerlich nicht zu unterscheiden waren. Erst “als sie den Mund öffneten“ wurde deutlich, wer sich da unter dem Schafspelz verbarg. Es geht also um das Bekenntnis, den Inhalt der Verkündigung und Lehre.
Aber dabei geht es nicht um irgendein Bekenntnis wie “Ich glaube auch an Gott“, “Ich bin auch Christ“ oder “Ich liebe Jesus“. Nein, Johannes zeigt auf, dass es um ein ganz konkretes Bekenntnis geht: “Jeder Geist, der Jesus Christus im Fleisch gekommen bekennt, ist aus Gott; und jeder Geist, der nicht Jesus [Christus im Fleisch gekommen] bekennt, ist nicht aus Gott; (..)“ – Jesus Christus – im Fleisch gekommen! Das ist der alles entscheidende Punkt! Doch was ist damit gemeint? Das christliche Bekenntnis hat zweierlei zum Gegenstand: Zuerst Jesus Christus, GOTT, den Sohn und dann Seine Inkarnation, Seine Kommen im Fleisch. Wir können es auch so sagen: Jesus Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich. Dabei geht es nicht nur darum, dass wir die historische Tatsache der Menschwerdung Christi anerkennen. Der Herr Jesus Christus hat trotz Seiner Menschwerdung Seine Gottheit nie aufgegeben. Wie viele Menschen gibt es, die in Jesus Christus einen “weisen Lehrer“, einen “sozialen Revolutionär“, einen “Propheten wie die alttestamentarischen Propheten“ oder einen “guten Menschen“ sehen und gleichzeitig Seine Gottheit leugnen? Solche Bekenntnisse können ihren Ursprung nicht im Geist Gottes haben. Andere bekennen durchaus, dass die Menschwerdung Christi eine historische Tatsache sei, aber dass Jesus Christus auch heute noch wahrer Gott und wahrer Mensch ist, diese Aussage lehnen sie ab. Auch ein solches Bekenntnis kann nicht vom Heiligen Geist gewirkt sein.
Wir sollten außerdem beachten, dass der Apostel davon spricht, dass jeder Geist, der “der nicht Jesus [Christus im Fleisch gekommen] bekennt“ ein anderer, ein falscher Geist ist. Fällt Ihnen etwas auf? Johannes sagt nicht: “Jeder Geist, der Jesus Christus verleugnet.“ Nein, er sagt: “Jeder Geist der …. nicht bekennt …“ Falsche Lehre verleugnet Jesus Christus nicht unbedingt, sie benutzt den Namen des Herrn sogar oft, um damit ihrer Zuhörer zu täuschen und um sie auf diese Weise zu verführen. Aber Irrlehre bekennt nicht die grundlegenden göttlichen Wahrheiten und schon gar nicht die göttliche Wahrheit, dass Jesus Christus wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Manche Irrlehrer leugnen diese göttliche Wahrheit offen, die meisten jedoch “umgehen“ bzw. “vermeiden“ (= “bekennen nicht“) klare Aussagen dazu. Wie schwerwiegend das ist, wird an den Worten deutlich, die Johannes dann anfügt: “(…) und dies ist der Geist des Antichrists, von dem ihr gehört habt, dass er komme, und jetzt ist er schon in der Welt.“
Die Heilige Schrift spricht an verschiedenen Stellen vom Kommen der Person des Antichristen (vgl. z.B. 2. Thessalonicher 2, 7 – 8; 1. Johannes 2, 18 + 21; 2. Johannes 7). Die griechische Vorsilbe “αντί“, hat eine doppelte Bedeutung, sie kann sowohl mit “gegen“ als auch mit “anstelle von“ übersetzt werden. Der Antichrist wird also eine Person sein, die gegen den Herrn Jesus Christus auftritt (vgl. Offenbarung 19, 11 – 13 + 19). Aber der Antichrist wird vor allem auch eine Person sein, die sich an die Stelle des Herrn Jesus Christus setzen wollen wird (2. Thessalonicher 2, 4). Aber auch wenn das Kommen der Person des Antichristen noch zukünftig ist, so bezeugt uns der Apostel Johannes, dass der “Geist des Antichristen“ bereits jetzt in dieser Welt wirksam ist. Die Wirksamkeit dieses Geistes richtet sich gegen die göttliche Person unseres Erlösers und will Ihn – Jesus Christus, Gott, den Sohn – durch falsche Lehren und falsche Lehrer ersetzen. Dem müssen wir standhaft widerstehen (2.Timotheus 3, 8; 2. Johannes 9 – 11).

* “Ihr seid aus Gott, Kinder, und habt sie überwunden, weil der, der in euch ist, größer ist als der, der in der Welt ist.“1. Johannes 4, 4 – In diesem Vers ermutigt Johannes seine Leser. Die angeschriebenen Gläubigen, die Kinder Gottes, haben bereits in der Vergangenheit falsche Propheten (“sie“) überwunden, indem sie – wie bereits ausgeführt, diesen falschen Propheten und ihren verführerischen Lehren standhaft widerstanden und keinerlei Gemeinschaft mit solchen hatten, die derartige Lehren brachten (2. Timotheus 3, 8; 2. Johannes 9 – 11). Aber Johannes ist davon überzeugt, dass die Gläubigen auch in Zukunft die falschen Propheten und die von ihnen ausgehende Gefahr überwinden werden. Der Grund für diese Zuversicht liegt in der Quelle der Kraft, durch die die Gläubigen überwunden haben. Es ist nicht ihre eigene Kraft oder Intelligenz, sondern “der, der in ihnen ist“. Wer ist diese Person, von der Johannes hier spricht? Es ist Gott, der Heilige Geist, der in den Gläubigen lebt. Im Vers davor sprach Johannes von dem Geist des Antichristen, der “jetzt schon in der Welt ist“. Diesem falschen Geist wird der Heilige Geist, der in den Kindern Gottes lebt (1. Korinther 3, 16 – 17; 1. Korinther 6, 19; 1. Johannes 3, 24; 1. Johannes 4, 2 + 13), gegenüber gestellt. Der Geist Gottes, der größer ist als der Geist des Antichristen und alle Macht des Bösen (1. Johannes 5, 19; 2. Korinther 4, 4; Johannes 12, 31), schenkt uns die Kraft, dass wir die falschen Lehren erkennen und ihnen widerstehen können. Dies geschieht ganz praktisch, indem wir uns intensiv mit dem Wort Gottes, der Heiligen Schrift, und so mit Dem, der “das Wort“ (Johannes 1, 1 – 3; Offenbarung 19, 13) genannt wird, beschäftigen. Verführungen zu überwinden durch das Wort Gottes – angewandt in der Kraft des Heiligen Geistes – das ist der Weg, den der Herr Jesus Christus uns Selbst vorgelebt hat (vgl. Matthäus 4, 1 – 11; Epheser 6, 17).

* “Sie sind aus der Welt, deswegen reden sie aus der Welt, und die Welt hört sie. „1. Johannes 4, 5 – Johannes erläutert nun, warum die Welt “sie“, d.h. die falschen Propheten, so gern hört und ihnen folgt. Der Grund dafür ist, dass die falschen Propheten “aus der Welt“ sind – im Gegensatz zu den Gläubigen, von denen Johannes in Vers 4 gesagt hat, dass sie “aus Gott“ sind. Wenn die falschen Propheten also zur “Welt“ sprechen, dann sprechen sie, so könnte man sagen, zu Menschen, die “auf derselben Wellenlinie“ senden und empfangen (vgl. auch Johannes 3, 31; Johannes 15, 19).

* “Wir sind aus Gott; wer Gott erkennt, hört uns; wer nicht aus Gott ist, hört uns nicht. Hieraus erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums.“1. Johannes 4, 6 – Auch Gott sendet Sein Wort, aber um es empfangen zu können, muss man den richtigen “Empfänger“ besitzen – man muss von “neuem“ bzw. “von oben“ geboren sein (Johannes 3, 1 – 6; Römer 8, 14 + 16; Galater 4, 6). Wer aber göttliches Leben bleibend in sich hat, wird auch in der Erkenntnis Gottes wachsen (Kolosser 1, 9 – 10). Solche Menschen haben damals, zur Zeit des Johannes, Seine Worte und die der anderen neutestamentarischen Apostel und Propheten (Epheser 2, 20) als Gottes Wort angenommen, sie – die Augenzeugen Seiner Herrlichkeit (1. Johannes 1, 1 – 4) – “gehört“, und wir tun dies heute auch, indem wir ihre verschriftlichten Worte, das Neue Testament, als das Gottes Wort
anerkennen. Es gibt viele theologische Systeme und Anschauungen, die die göttliche Inspiration des Neuen Testaments leugnen. Einige leugnen die Inspiration des Neuen Testaments ganz, andere sehen nur bestimmte Teile als inspiriert an. Es ist hier nicht Raum und Zeit, um auf diese verschiedenen Ansichten einzugehen. Wir dürfen aber festhalten, dass der Herr Jesus Christus Seinen Jüngern zwei Verheißungen gegeben hatte:

“Der Sachwalter aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“

(Johannes 14, 26)

Diese Verheißung erfüllte sich zum einen, als die Evangelisten Seine Worte und Taten in den Evangelien und der Apostelgeschichte niederschrieben (“an alles erinnern“). Zum anderen dann, als die Apostel in ihren Briefen die “Lehre des Christus“ (2. Johannes 9) niederlegten.

Die zweite diesbezügliche Verheißung finden wir in Johannes 16, 13:

“Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht von sich selbst aus reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen.“

Diese Verheißung erfüllte sich in den prophetischen Aussagen der Evangelien, der apostolischen Briefe und insbesondere im Buch der Offenbarung. Daraus schließen wir, dass das gesamte Neue Testament das vom Geist Gottes eingegebene Wort Gottes ist. Dabei fiel es dem Apostel Paulus zu, das Wort Gottes in Bezug auf die Lehre zu vollenden (Kolosser 1, 25), wohin gegen es die Aufgabe des Apostels Johannes war, mit dem von ihm empfangenen prophetischen Buch den biblischen Kanon abzuschließen (Offenbarung 22, 18 – 19).
Darüber hinausführende Offenbarungen oder so genanntes “neues Licht“, sind uns nicht verheißen. Ganz im Gegenteil, wir werden ausdrücklich davor gewarnt, irgendeiner Lehre oder Verkündigung zu folgen, die über die Lehre des Christus hinausgeht:

Jeder, der weitergeht und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht; wer in der Lehre bleibt, dieser hat sowohl den Vater als auch den Sohn. Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmt ihn nicht ins Haus auf und grüßt ihn nicht. Denn wer ihn grüßt, nimmt teil an seinen bösen Werken.“

(2. Johannes 9 – 11)

Wie gesagt, es gibt viele theologische Systeme und Anschauungen, die die göttliche Inspiration des Neuen Testaments leugnen. Nach den Worten des Apostels Johannes ist dies ein (weiteres) Prüfkriterium, um Wahrheit und Irrtum unterscheiden zu können: “Wir sind aus Gott; wer Gott erkennt, hört uns; wer nicht aus Gott ist, hört uns nicht. Hieraus erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums.“ Wer aus Gott geboren ist und Gott erkennt, der anerkennt auch das, was Er uns durch die Apostel und Propheten des Neuen Testaments geoffenbart hat.

* “Geliebte, lasst uns einander lieben, denn die Liebe ist aus Gott; und jeder, der liebt, ist aus Gott geboren und erkennt Gott. „1. Johannes 4, 7 – Mit diesem Vers kehrt der Apostel Johannes nun zu dem Thema der Liebe Gottes und der Bruderliebe zurück. (Manche Ausleger haben 1. Johannes 4, 7 – 16 im Vergleich zu 1. Korinther 13, 1 ff. als das johanneische “Hohelied der Liebe“ bezeichnet.) Zuerst erinnert der Apostel seine Leser daran, dass sie selbst “Geliebte“ sind. Die Feststellung, dass die Gläubigen “Geliebte“, “Geliebte Gottes“ sind, ist – wie wir noch sehen werden – von großer Wichtigkeit.
Als “Geliebte Gottes“ werden wir aufgefordert, einander zu lieben, “denn die Liebe ist aus Gott“. Hier werden wir an die Quelle der Bruderliebe geführt – es ist Gott selbst. Dabei erkennen wir sogleich, dass nicht irgendeine Art von Liebe gemeint sein kann. Auch “die Welt“, die Johannes in den vorausgehenden Versen den Kindern Gottes gegenüber gestellt hat, hat ja eine gewisse Art von “Liebe“ (Johannes 15, 19). Aber diese von Egoismus gekennzeichnete “Liebe“ ist hier natürlich nicht gemeint. Es geht um Gottes Liebe, die immer das Heil und das Wohl des anderen im Fokus hat. Diese Liebe Gottes wurde durch den Heiligen Geist in die Herzen der Gläubigen ausgegossen (Römer 5, 5). Sie, die Liebe Gottes in uns, befähigt uns zu wahrhaftiger Menschen- und Bruderliebe. Wo immer diese Liebe sichtbar wird, wird auch deutlich, dass ein Mensch von neuem geboren ist und Gott erkennt. Beides – göttliches Leben und die Erkenntnis Seiner Person – sind nach der Lehre des Neuen Testaments auf das Engste miteinander verbunden (vgl. Johannes 17, 3; 2. Petrus 3, 18).

* “Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe.“1. Johannes 4, 8 – So, wie die ausgelebte Bruderliebe ein Kennzeichen dafür ist, dass jemand Gott erkannt hat, so zeigt nicht vorhandene Bruderliebe deutlich, dass ein solcher Mensch Gott nicht erkannt hat, denn “Gott ist Liebe“. Indem Johannes dies sagt, macht er zweierlei deutlich:
1) Nur Menschen, die durch die “Geburt von oben“ (Johannes 3, 1 – 6) von neuem geboren und so “Teilhaber der göttlichen Natur“ (2. Petrus 1, 4) geworden sind, können diese Art von Liebe auch ausleben. Denn nur in ihre Herzen wurde die Liebe Gottes durch den Heiligen Geist ausgegossen (Römer 5, 5).
2) “Gott ist Liebe“, d.h. Liebe ist ein Teil des Wesens Gottes. In diesem Zusammenhang ist eine Warnung angebracht, ja notwendig: Viele Menschen folgern aus der Aussage des Johannes “Gott ist Liebe“, dass alles, was sie als “Liebe“ ansehen bzw. unter dem Begriff “Liebe“ verstehen, auch “Gott“ sei! Ich las dieser Tage die Aussage “Liebe ist nur ein anderes Wort für Gott“. Weit gefehlt! Diese Schlussfolgerung ist nicht nur durch die griechische Syntax ausgeschlossen, sie ist auch nicht biblisch. Denn Gott ist nicht nur Liebe. Er ist Licht (vgl. 1. Johannes 1, 5), Er ist Geist (Johannes 4, 24) und Er ist “ein verzehrendes Feuer“ (Hebräer 12, 29). Nein, Liebe ist nicht ein anderes Wort für Gott und Gott ist nicht ein anderes Wort für Liebe. Wer das denkt und verkündigt, der reduziert Gott auf eine Seiner Charaktereigenschaften. Davor aber sollten wir uns unbedingt hüten.

* “Hierin ist die Liebe Gottes zu uns offenbart worden, dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben möchten.“1. Johannes 4, 9 – Der größte Beweis dafür, dass Gott Liebe ist bzw. Liebe zu uns hat, ist, dass Gott Seinen Sohn in diese Welt sandte, um uns zu erlösen. Grundsätzlich ist jeder Mensch “tot in Sünden“ (Epheser 2, 5; Kolosser 2, 13) und aus diesem Zustand des geistlichen Todes kann sich kein Mensch selbst befreien. Keine “guten“ Werke, kein noch so religiöses Verhalten vermag den Menschen vor Gott gerecht zu machen. Wir brauchten einen Erlöser, der für unsere Sünde starb, der uns wieder in eine Beziehung zu Gott bringen und der uns neues, ewiges Leben schenken konnte. Nur der von Gott gesandte, eingeborene Sohn war dazu in der Lage. Er, Jesus Christus, Gott der Sohn, starb für unsere Sünde (Galater 1, 4; 1. Johannes 2, 2). Er hat uns durch das Blut Seines Kreuzes mit Gott versöhnt (Kolosser 1, 20), so dass wir Frieden mit Gott haben dürfen (Römer 5, 1). Und Er ist es auch, durch den wir ewiges Leben empfangen haben (Johannes 3, 16; Johannes 3, 36). Jeder Mensch empfängt dieses ewige Leben, das Leben aus Gott, in dem Moment, in dem er an Ihn – Jesus Christus – glaubt:

“Denn das ist der Wille meines Vaters, dass, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, das ewige Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage.“

(Johannes 6, 40)

So ist der Herr Jesus Christus alles für uns geworden:

“Aus ihm aber kommt es, dass ihr in Christus Jesus seid, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung; damit, wie geschrieben steht: ‚Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!'“

(1. Korinther 1, 30 – 31)

Weil Er, Gott, der Sohn, uns “das Leben“ schenkt und es dieses Leben nirgendwo außerhalb von Ihm gibt, spricht der Apostel Paulus von dem Herrn Jesus Christus als “unserem Leben“ (Kolosser 3, 4). Von Cyprian von Karthago stammt der Satz “Extra ecclesiam salus non est – Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil.“ Diese Aussage, dass es außerhalb der katholischen Kirche kein Heil gibt, wurde dann in der Allgemeinen Kirchenversammlung zu Florenz (1438 – 1445) als Dogma festgeschrieben. Was für eine böse, gegen Christus gerichtete Lehre! Allein in dem Sohn Gottes ist “das Leben“ und Er gibt es, wem Er will (Johannes 5, 21). “Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil“ ist eine böse, den “Fürst des Lebens“ (Apostelgeschichte 3, 15) beiseite setzende Lüge, durch welche unzählige Menschen durch alle Jahrhunderte von dem Leben aus Gott ferngehalten wurden. Die Wahrheit, wie sie die Reformatoren wieder betonten, ist “Extra Christum salus non est – Außerhalb von Jesus Christus gibt es kein Heil“:

“Und dies ist das Zeugnis: dass Gott uns ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht.

(1. Johannes 5, 11 – 12)

Dieses Ziel verfolgte Gottes Liebe mit der Sendung Seines Sohnes: “(…) damit wir durch ihn leben möchten.“ (1. Johannes 4, 9).

* “Hierin ist die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als Sühnung für unsere Sünden.“1. Johannes 4, 10 – Die Sendung des Sohnes Gottes war keine Reaktion Gottes auf unsere Liebe. Gott allein ergriff die Initiative zu unserer Erlösung. “Tot in Sünden“ (Epheser 2, 5) waren wir gar nicht fähig, Gott zu lieben. Denn auch wir waren “(…) verfinstert am Verstand, entfremdet dem Leben Gottes wegen der Unwissenheit, (…) wegen der Verstockung (des) Herzens (…)“ (Epheser 4, 18). Ja, wir waren Feinde Gottes. Nur weil Gott der Sohn, unsere Sünden sühnte, konnten wir mit Gott versöhnt werden und dürfen jetzt Seine Liebe genießen:

“Denn wenn wir mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, um wie viel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, nachdem wir nun versöhnt sind.“

(Römer 5, 10)

Der Sohn Gottes starb nicht für Freunde Gottes am Kreuz, sondern für uns, als wir noch Feinde waren. Kann es einen größeren Beweis der Liebe Gottes geben? Ist der Herr Jesus Christus nicht unser aller Anbetung wert?

* “Geliebte, wenn Gott uns so geliebt hat, sind auch wir schuldig, einander zu lieben.“1. Johannes 4, 11 – Verstehen wir nun, was es bedeutet, wenn wir als “Geliebte“ – “Geliebte Gottes“ – angesprochen werden? Das Vorbild der Liebe Gottes und die in unsere Herzen ausgegossene Liebe Gottes (Römer 5, 5) befähigen uns, einander zu lieben. Dabei sollten wir beachten, dass Gott uns nicht erst liebte, als wir Ihm angenehm waren. Seine langmütige Liebe liebte uns “als wir noch Feinde“ waren. Gottes Liebe kannte keine Vorbedingungen. Wie ist es da um unsere Liebe bestellt? Je mehr wir uns Seiner Liebe bewusst werden und sie im Glauben zu genießen lernen, desto größer wird diese Liebe auch in uns werden und durch uns unseren Bruder und Nächsten erreichen (vgl. 1. Thessalonicher 3, 12).

* “Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir einander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollendet.“1. Johannes 4, 12 – Gott wird im Neuen Testament als der unsichtbare Gott (Kolosser 1, 15; Hebräer 11, 27) bezeichnet. Im ersten Moment scheint uns hier ein Widerspruch vorzuliegen. Denn das Alte Testament spricht ja davon, dass Menschen Gott gesehen haben. So wird z.B. von Mose gesagt: “Der Herr sprach mit Mose Auge in Auge wie ein Mensch mit einem andern. Darauf kehrte Mose ins Lager zurück. Sein Diener Josua aber, der Sohn Nuns, damals noch ein junger Mann, blieb stets als Hüter im Zelt.“ (2. Mose 33, 11) Dabei ist es wichtig, dass wir beachten, wie die Begegnung Gottes mit Mose beschrieben wird. In 2. Mose 33, 9 heißt es: „Wenn Mose in das Zelt ging, kam die Wolkensäule herab und blieb am Eingang des Zeltes stehen. Dann redete der Herr mit Mose.“ Mose sah Gott also nicht in Seiner Gottheit, sondern in der Erscheinung der Wolkensäule. Wenn wir die anderen Stellen des Alten Testaments untersuchen, in denen davon die Rede ist, dass Menschen Gott sahen, dann werden wir feststellen, dass es sich dabei immer um Begegnungen handelte, in denen Gott sich in einer besonderen Erscheinungsform offenbarte, aber nie in Seiner absoluten Gottheit. Denn die damit einhergehende Herrlichkeit hätte kein sterblicher Mensch überlebt (siehe 2. Mose 33, 20). Erst durch den Herrn Jesus Christus wurde Gott in dieser Welt so geoffenbart, dass Menschen ihn sehen konnten:

“Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. „

(Johannes 14, 9; vgl. Kolosser 1, 15)

Aber nun kommt Johannes zu der wunderbaren Feststellung, dass durch uns, die Gläubigen, Gott in dieser Welt geoffenbart wird. Der Herr Jesus Christus hat diese Wahrheit schon in dem so genannten “Liebesgebot“ in Johannes 13, 34 – 35 angesprochen:

“Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebet, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebet. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“

Sind wir uns dieser hohen Berufung und der damit verbundenen Verantwortung bewusst? Wenn wir einander lieben, dann hat das – gemäß 1. Johannes 4, 12 – drei Auswirkungen: Wir offenbaren Gott in dieser Welt, wir erfahren Gottes Gegenwart in unserem Leben und Gottes Liebe wird in uns vollendet, d.h. sie hat ihr Ziel in uns erreicht. Leben wir schon so, dass die Welt Gott durch uns erkennt, dass wir Gottes Gegenwart in unserem Leben beständig erfahren? Hat Gottes Liebe ihr Ziel in uns erreicht?

* “Hieran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat.“1. Johannes 4, 13 – Woran erkennen wir, dass wir in Gottes Gegenwart bleiben? Diese Frage beantwortet Johannes hier mit dem Verweis auf den Heiligen Geist, den Gott uns gegeben hat. Wenn es hier heißt “von seinem Geist gegeben hat“, dann dürfen wir nicht den Fehler machen und daraus schließen, Gott habe uns einen “Teil“ Seines Geistes gegeben. Der Heilige Geist ist die dritte Person der Gottheit, Er ist nicht teilbar. Durch diesen Geist wurden wir von neuem geboren (Johannes 3, 1 – 6) und so in die Gemeinschaft mit Gott gebracht. Er, der in uns lebt (1. Korinther 3, 16 – 17; 1. Korinther 6, 19; 1. Johannes 3, 24; 1. Johannes 4, 2 + 13), schenkt uns die Gewissheit, dass wir “in Gott bleiben“, d.h. in Gottes Gegenwart leben.

* “Und wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt.“1. Johannes 4, 14 – Der Geist Gottes befähigt uns, einander zu lieben (Römer 5, 5) und er befähigt uns Gott und Seinen Sohn, den Heiland (Erlöser) der Welt in dieser Welt zu bezeugen (Apostelgeschichte 1, 6 – 8). Dabei ist es von großer Bedeutung, was der Inhalt unseres Zeugnisses ist, nämlich “dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt“. Viele Menschen haben mit “dem Glauben an Gott“ kein Probleme. Doch wenn die Rede auf den Sohn Gottes, den Herrn Jesus Christus kommt, dann machen sie einen Rückzieher: “Gott ja, Jesus Christus …“
Unter dem Begriff “Gott“ kann der Mensch noch alles mögliche verstehen, doch mit dem Hinweis auf den Herrn Jesus Christus wird ganz deutlich, um welchen Gott es hier geht und vor dieser Eindeutigkeit weichen viele Menschen gern zurück, weil sie ihr Leben eben doch nach ihren eigenen Wünschen leben und es nicht der Herrschaft Christi unterordnen wollen (Johannes 3, 36). Unter all‘ den Göttern, die Menschen auf dieser Erde anbeten gibt es nur einen Gott, den allein wahren Gott, der Seinen Sohn als Erlöser der Welt gesandt hat. Dieser Erlöser ist der Sohn Gottes von Ewigkeit her. Er wurde nicht erst mit Seinem Kommen auf diese Erde “zum Sohn Gottes“, wie es einige irregeleitete theologische Systeme darstellen. Nein, Er ist der Sohn Gottes von Ewigkeit her (Johannes 1, 1 – 3 + 14), denn Er Selbst ist Gott (Hebräer 1, 8) und Sein Erlösungswerk gilt der ganzen Welt. Die ganze Welt liegt “im Bösen“ (1. Johannes 5, 19) und darum braucht auch die ganze Welt den Erlöser, den Gott gesandt hat: Jesus Christus!

Wer also nach Gottes Liebe sucht, der darf weder in sein Inneres, noch in diese Welt schauen. In uns – so bezeugt es der Apostel Paulus – ist nichts Gutes (Römer 7, 18). Und auch in dieser von Gott losgelösten und unter dem Flucht der Sünde stehenden Welt ist die Liebe Gottes nicht zu finden (1. Johannes 5, 19). Wer nach der Liebe Gottes sucht, der muss auf das Kreuz von Golgatha blicken, denn dort wurde sie ein für allemal geoffenbart:

“Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“

(Johannes 3, 16)

Diese Liebe Gottes, die sich am Kreuz von Golgatha offenbarte, ist von allen erkannt worden, die zum Glauben an Jesus Christus gekommen sind (“Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat.“) Durch Gottes Gnade durften wir die Liebe, die Gott zu uns hat, erkennen und diese Erkenntnis führte wiederum zu einem tieferen Glauben an Gottes Liebe. Geistliche Erkenntnis und Glaube stehen in einer Interaktion, d.h. sie wirken aufeinander ein: Um geistlich erkennen bzw. verstehen zu können, ist immer auch Glaube notwendig (vgl. Hebräer 11, 3). Dann aber führen geistliche Erkenntnis/geistliches Verständnis dazu, dass unser Glaube auferbaut und vertieft wird. Genau das ist der Wille Gottes, der hier – in 1. Johannes 4, 16 – zum Ausdruck kommt: Unser Glaube soll fest verankert werden in Seiner Liebe. Wir sollen ein beständiges Bewusstsein Seiner Liebe haben, uns an Gottes Liebe erfreuen, ja Gottes Liebe genießen. Es ist wichtig, dass wir hier ganz genau sind: Es geht nicht um unsere Liebe – weder zu anderen Menschen, noch zu Gott -, sondern allein um Gottes Liebe. In dieser – Seiner – Liebe sollen wir fest verankert sein. Wie wir gesehen haben, hat sich diese Liebe Gottes am Kreuz auf Golgatha geoffenbart. Dort und nirgendwo anders, wurde sie manifest, sichtbar, begreifbar, ergreifbar. Um also in Gottes Liebe zu bleiben, müssen wir beständig dieses Kreuz von Golgatha vor Augen haben. Weder der Blick in uns selbst hinein, noch der Blick auf andere Menschen im Einzelnen, noch der Blick auf die Welt als Ganzes, werden uns in der Liebe Gottes bewahren. Das vermag nur der beständige Blick auf das Erlösungswerk des Sohnes Gottes. Als Gläubige sind wir zwar nicht mehr “von der Welt“, aber wir sind noch immer “in der Welt“ (Johannes 17, 9 – 11 + 14), d.h., dass wir uns während unseres Lebens in dieser Welt – auch als Gläubige – mit einer Vielzahl von Problemen, Nöten und Bedrängnissen auseinandersetzen müssen. Wenn wir unseren Blick auf diese Dinge richten, dann werden wir – wie Petrus auf dem See Genezareth – straucheln und versinken. Richten wir unseren Blick jedoch fest auf die Liebe Gottes, wie sie sich am Kreuz Christi geoffenbart hat, dann wird uns nichts und niemand diese Überzeugung von der Liebe Gottes nehmen können. Wir werden treu bleiben, wir werden überwinden, wir werden in Gott bleiben (d.h. wir werden Gottes beständige Gegenwart erfahren)!
Wenn der Apostel Johannes davon spricht, dass die Gläubigen die Liebe erkannt haben, die Gott zu uns hat, dann kommt in dieser Aussage noch eine andere wichtige Tatsache zum Ausdruck: Gottes Liebe, die sich vor fast 2000 Jahren geoffenbart hat, ist jetzt und hier Realität. Seine Liebe zu uns ist nicht Vergangenheit – obwohl sie in der Vergangenheit geoffenbart wurde. Gottes Liebe ist auch keine zukünftige Angelegenheit, obwohl wir Seine Liebe in alle Ewigkeit genießen werden. Gottes Liebe gilt Ihnen und mir gerade jetzt! Vielleicht sagen Sie jetzt: “Aber ich fühle das gar nicht so, ich empfinde Gottes Liebe zu mir jetzt gar nicht.“ Erlauben Sie mir eine Gegenfrage: Hat der Apostel Johannes gesagt: “Wir haben erkannt und empfunden/gefühlt, die Liebe, die Gott zu uns hat.“? Nein, er sagte: “Wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat.“ Gottes Liebe ist nicht Gegenstand unserer oft sehr wechselhaften Gefühle. Gottes Liebe ist Gegenstand unseres Glaubens – völlig unabhängig von dem, was wir fühlen mögen oder nicht fühlen mögen.
Erinnern Sie sich einmal an den Apostel Paulus und seinen Mitarbeiter Silas. nachdem Gott den Apostel durch einen Traum darüber in Kenntnis gesetzt hatte, dass er in Mazedonien das Evangelium verkündigen sollte (Apostelgeschichte 16, 9 – 10), bricht dieser mit seinem Mitarbeiter sofort nach Philippi – der Hauptstadt Mazedoniens – und damit nach Europa auf. In Philippi angekommen finden sie eine Gruppe von jüdischen Frauen, der sie das Evangelium verkündigen (Apostelgeschichte 16, 11 – 13). Eine dieser Frauen – Lydia – öffnet ihr Herz für das Evangelium und kommt zum Glauben an Jesus Christus (Apostelgeschichte 16, 14 – 15). Doch der Feind Gottes schläft nicht. Er benutzt eine Sklavin, die von einem Wahrsagegeist besessen ist und die durch ihre Wahrsagerei ihren Herren viel Geld einbrachte, um das von Paulus und Silas verkündete Evangelium zu verfälschen. Zwar redet diese Frau auf die Bewohner von Philippi ein, sie sollten Paulus und Silas anhören, doch sie bezeichnet die Verkündiger des Evangeliums als “Diener des höchsten Gottes“, womit impliziert wird, dass es neben dem “höchsten Gott“ noch andere Götter geben könnte (Apostelgeschichte 16, 17). Als Paulus diesem Treiben wehrt und die arme Frau von dem Geist befreit, der von ihr Besitz ergriffen hatte, wird er von den Besitzern dieser Sklavin angezeigt und vor Gericht gebracht. Denn diese Menschen hatten damit ihre Einnahmequelle verloren (Apostelgeschichte 16, 16 – 22). In ihrem Zorn wiegeln sie dann auch andere Bewohner der Stadt auf, so dass es zu einer Art Aufstand kommt. Paulus und Silas werden festgenommen, geschlagen und ins Gefängnis gebracht. Dort werden ihre Füße in den Block eingeschlossen und so wird ihnen jede Bewegungsfreiheit genommen. Doch was berichtet uns die Heilige Schrift von diesen verfolgten und gefolterten Männern? “Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott mit Gesang, und die Gefangenen hörten sie.“ (Apostelgeschichte 16, 25). Paulus und Silas stimmten keinen Klagegesang an, ganz im Gegenteil. Sie lobten Gott! Wie ist so etwas in einer solchen Situation möglich? Paulus und Silas konnten Gott inmitten ihrer schwierigen und ungewissen Umstände loben und preisen, weil sie eben nicht auf diese Umstände, sondern auf Gott, der sie liebte, schauten!
Gottes Liebe zu Ihnen ist eine gegenwärtige Realität – Gott hat Liebe zu Ihnen! Gott hat Liebe zu Ihnen – Seine Liebe ist direkt auf Ihre Person gerichtet! Warten Sie nicht auf irgendwelche Gefühle, vertrauen, d.h. glauben Sie Ihm jetzt, was Er gesagt hat!
Denn: “Gott ist Liebe.“ – Diese Aussage des 1. Johannesbriefes, die uns schon in 1. Johannes 4, 8 begegnete, ist wohl eines der bekanntesten Bibelworte überhaupt. Es ist auch eines der Bibelworte, das am meisten missbraucht wird. Ich möchte darum in diesem noch einmal darauf hinweisen, was ich bereits im Zusammenhang mit Vers 8 gesagt habe: Viele Menschen folgern aus der Aussage des Johannes ”Gott ist Liebe”, dass alles, was sie als ”Liebe” ansehen auch ”Gott” sei! Ich las dieser Tage die Aussage ”Liebe ist nur ein anderes Wort für Gott”. Weit gefehlt! Diese Schlussfolgerung ist nicht nur durch die Syntax ausgeschlossen, sie ist auch nicht biblisch. Denn Gott ist nicht nur Liebe. Er ist Licht (vgl. 1. Johannes 1, 5), Er ist Geist (Johannes 4, 24) und Er ist ”ein verzehrendes Feuer” (Hebräer 12, 29). Nein, Liebe ist nicht ein anderes Wort für Gott und Gott ist nicht ein anderes Wort für Liebe. Wer das denkt und verkündigt, der reduziert Gott auf eine seiner Charaktereigenschaften. Davor aber sollten wir uns unbedingt hüten.
Halten wir noch einmal fest: In der Liebe Gottes zu bleiben heißt, sich Seiner Liebe stetig bewusst sein und sich daran zu erfreuen. Das können wir nur, wenn wir beständig das Kreuz von Golgatha vor Augen haben. Je mehr wir von dieser Offenbarung der Liebe Gottes erkennen, desto größer wird unsere Freude daran, desto stärker wird auch unser Glaube.

* “Hierin ist die Liebe mit uns vollendet worden, damit wir Freimütigkeit haben an dem Tag des Gerichts, dass, wie er ist, auch wir sind in dieser Welt.“1. Johannes 4, 17 – Während Gottes Liebe ihr Ziel “in uns“ durch die Bruderliebe erreicht (Vers 11), geht es nun darum, dass die Liebe Gottes ihr Ziel “mit uns“ in Bezug auf den Tag des Gerichts erreicht. Wir können in diesem Zusammenhang festhalten, dass es, wenn von der Vollendung der Liebe Gottes “in uns“ gesprochen wird, um unsere Beziehungen zu unseren Mitgläubigen geht. Im Fokus steht die richtige Art unserer Beziehung zu unseren Mitbrüdern. Wenn Johannes nun davon spricht, dass die Liebe Gottes ihr Ziel “mit uns“ erreicht, dann steht die richtige Art unserer Beziehung zu Gott im Vordergrund.
Wie dies geschehen kann, wird uns hier erläutert. Johannes sagt, dass wir – die Gläubigen – in dieser Welt sind, wie auch Er, Jesus Christus in dieser Welt ist. Jesus Christus – unser Leben (Kolosser 3, 4) – ist nach Seiner Auferstehung und Himmelfahrt verherrlicht worden und sitzt nun zur Rechten Gottes (Kolosser 3, 1 – 3). Auch wir, die wir von Ihm das Leben empfangen haben, sind mit Ihm in dieselbe Stellung versetzt worden:

“Er hat uns mitauferweckt und mitsitzen lassen in der Himmelswelt in Christus Jesus.“

(Epheser 2, 6)

Diese geistliche Tatsache können wir kaum ermessen und dennoch ist sie wahr: Weil Gott uns in Seiner unermesslichen Liebe und Gnade dieselbe Stellung verliehen hat, wie Seinem Sohn, darum brauchen wir das Gericht nicht fürchten. Heute schon stehen wir ja auf der Seite des Richters. Gottes Liebe kommt “mit uns“ zum Ziel, wenn wir das begreifen. Gläubige kommen nicht mehr in das Gericht, in dem Gott über “ewiges Leben“ und “ewigen Tod“ entscheidet (Johannes 3, 16 – 18; Johannes 5, 24), denn sie haben dieses ewige Leben ja schon durch Seinen Sohn erhalten (Römer 8, 1)!
Gläubige werden vor dem Richterstuhl Christi offenbar (1. Korinther 3, 12 – 15; 2. Korinther 5, 10; Römer 14, 10 – 12). Doch vor dem Richterstuhl Christi wird nicht mehr über unsere ewige Bestimmung, sondern über unseren Lohn entschieden.

* “Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, ist nicht vollendet in der Liebe.“1. Johannes 4, 18 – In Gottes Liebe, denn um diese Liebe geht es hier, hat Furcht keinerlei Raum. Gottes vollkommene Liebe, die Er in Seinem Sohn geoffenbart hat, treibt alle Furcht aus. Wie könnte ich mich auch fürchten, wenn Gott mich doch mit Seiner vollkommenen Liebe liebt?
Die Furcht, von der hier die Rede ist, ist die Furcht vor der zukünftigen Bestrafung. Zweimal wird diese zukünftige Bestrafung im Neuen Testament erwähnt (Matthäus 25, 46; 2. Petrus 2, 9). Wie sollten Gläubige diesen Tag fürchten, wo sie doch “Begnadigt in dem Geliebten“ (Epheser 1, 6), also in dem Sohn Gottes sind?
Wer sich als Gläubiger immer noch vor einer zukünftigen Bestrafung durch Gott fürchtet, der ist noch nicht “in der Liebe Gottes vollendet“, der hat die Vollkommenheit des Erlösungswerkes Christi noch nicht in seiner Tiefe erfasst bzw. erfahren. Sollte das bei Ihnen der Fall sein, dass lesen und studieren Sie bitte betend Gottes Wort, bis auch Sie die vollkommene Liebe Gottes genießen können und alle Furcht aus Ihrem Herzen weichen muss.

* “Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.“1. Johannes 4, 19 – Noch einmal macht Johannes deutlich, wozu uns diese vollkommene Liebe Gottes, die die Furcht austreibt, befähigt. Dabei weist er darauf hin, dass alle Initiative bei Gott lag. Ohne Sein Eingreifen, ohne Seine Liebe, wäre es uns nicht möglich, wirklich zu lieben.

* “Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, so ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er gesehen hat, wie kann der Gott lieben, den er nicht gesehen hat?“1. Johannes 4, 20 – So, wie Johannes dieses Kapitel damit beginnt, dass er uns Kennzeichen gibt, an denen wir den “Geist der Wahrheit“ von dem “Geist des Irrtums“ unterscheiden können (1. Johannes 4, 1 – 3) so schließt dieses Kapitel mit einem Hinweis darauf, woran jene erkennbar sind, die sich nicht nur “christlich“ geben oder “christlich“ nennen, sondern wirklich Leben aus Gott haben: Wer bekennt, dass er Gott liebt, der kann nicht gleichzeitig seinen Bruder ablehnen, ja ihn hassen. Das Urteil, das Gottes Wort über einen solchen Menschen fällt, ist sehr erst: er ist ein Lügner! Ein solcher Mensch kann das ewige Leben nicht bleibend in sich haben (Offenbarung 21, 8).
Warum fällt das Wort Gottes hier ein so schwerwiegendes Urteil? Wie wir in Vers 12 gesehen haben, offenbart sich Gott dieser Welt durch die Liebe, die die Kinder Gottes untereinander haben (Johannes 13, 35; Apostelgeschichte 4, 32 – 33). Er lebt ja durch Seinen Geist in ihnen. Wenn nun jemand seinen Bruder hasst, so trifft dieser Hass auch Gott. Darum kann niemand sagen, dass er Gott liebt, wenn er gleichzeitig seinen Bruder hasst.

* “Und dieses Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, auch seinen Bruder liebe.“1. Johannes 4, 21 – Nachdem Johannes uns erst das Negativkennzeichen vorgestellt hat, zeigt er nun die positive Seite auf. Es ist Gottes Wunsch und Gebot, dass derjenige, der Ihn liebt, auch seinen Bruder lieben soll. Grundsätzlich hat Gott uns alles geschenkt, damit wir unseren Bruder lieben können. Hier geht es um den “Praxistest“ und in der Praxis, das wissen wir alle, versagen wir noch häufig. Wie können wir also dahin kommen, dass wir auch jene Mitgläubigen von ganzem Herzen lieben können, die uns vielleicht durch irgendetwas Mühe bereiten? Die Antwort ist einfach: Indem wir danach streben, Gottes Wesen und Wirken in unserem Mitgläubigen zu erkennen. Je mehr Mühe wir damit haben, einen Mitgläubigen zu lieben, desto mehr Kraft sollten wir aufwenden, um Gottes Wesen und Wirken in diesem Menschen zu erkennen. Wir können damit beginnen, dass wir uns vor Augen führen, dass auch dieser Mensch ein geliebtes Kind Gottes ist, dass er/sie von demselben Heiland erlöst wurden, wie wir, dass er/sie für Zeit und Ewigkeit errettet sind und nicht mehr verloren gehen! Sind das nicht schon zahlreiche Gründe, Gott für Sein Wirken in diesem Mitgläubigen zu danken? Und wir können für diesen Mitgläubigen beten, z.B. dass Gottes Wesen und Wirken noch viel mehr Raum in seinem/ihrem Leben gewinnt, dass er/sie die Tiefe des Erlösungswerkes Christi erkennt und so in den vollen Genuss der Liebe Gottes kommt. Je mehr wir uns für unseren Mitgläubigen im Gebet einsetzen, desto weniger kann unser Herz sich ihm widersetzen und desto leichter wird es auch, den Wunsch, das Gebot, unseres Gottes zu erfüllen. Denn: “Seine Gebote sind nicht schwer.“ (1. Johannes 5, 3).

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Herz ist Trumpf – Anmerkungen zu Johannes 21, 15 – 23

Ein Vers aus dem 21. Kapitel des Johannesevangeliums (zum Hintergrund des Johannesevangeliums siehe: Klick!) steht im Fokus der Wortverkündigung am Mittwoch dieser Woche. Er soll nachfolgend in seinem Zusammenhang betrachtet werden:

“Als sie nun gefrühstückt hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn Jonas, liebst du mich mehr als diese? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Er spricht zu ihm: Weide meine Lämmer! Wieder spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, Sohn Jonas, liebst du mich? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Er spricht zu ihm: Hüte meine Schafe!
Er spricht zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn Jonas, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, dass er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb?, und spricht zu ihm: Herr, du weißt alles; du erkennst, dass ich dich lieb habe. Jesus spricht zu ihm: Weide meine Schafe! Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wohin du wolltest; wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und hinbringen, wohin du nicht willst. Dies aber sagte er, andeutend, mit welchem Tod er Gott verherrlichen sollte. Und als er dies gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach! Petrus wandte sich um und sieht den Jünger nachfolgen, den Jesus liebte, der sich auch bei dem Abendessen an seine Brust gelehnt und gesagt hatte: Herr, wer ist es, der dich überliefert? Als nun Petrus diesen sah, spricht er zu Jesus: Herr, was wird aber mit diesem?
Jesus spricht zu ihm: Wenn ich will, dass er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an? 7  Folge du mir nach!
Es ging nun dieses Wort unter die Brüder aus: Jener Jünger stirbt nicht. Aber Jesus sprach nicht zu ihm, dass er nicht sterbe, sondern: Wenn ich will, dass er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an?“

(Johannes 21, 15 – 23 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

Zum Hintergrund von Johannes 21, 15 – 23

Die 25 Verse des 21. Kapitels des Johannesevangeliums bilden den fünften und letzten Block dieses Buches. Es handelt sich dabei um eine Art Epilog, also ein Schlusswort, dieses Evangeliums. Drei Abschnitte können wir in diesem Kapitel unterscheiden: a) Das Zusammentreffen des Herrn Jesus Christus mit sieben Jüngern in Galiläa (Johannes 21, 1 – 14), b) die Wiederherstellung des Petrus und c) das Schlusswort des Verfassers.
Wir finden in dieser Abfolge die Struktur wieder, die Johannes oft benutzt: Er berichtet von einem Ereignis, an das er die diesbezügliche Lehre des Herrn anschließt. Der Evangelist schließt das Kapitel und damit das Evangelium mit einigen persönlichen Bemerkungen ab.
Die in diesem Kapitel geschilderten Ereignisse (Verse 1 – 14) gehören zu den Berichten über die Begegnungen des Auferstandenen mit Seinen Jüngern und anderen Gläubigen. Die Evangelien berichten uns von verschiedenen Begegnungen des auferstandenen Herrn Jesus Christus mit Seinen Jüngern. Das Neue Testament erwähnt insgesamt sieben solcher Begegnungen (vgl.  Matthäus 28, 8 – 10; Matthäus 28, 16 – 20; 1. Korinther 15, 5; Lukas 24, 13 – 32; Johannes 20, 11 – 18; Johannes 20, 19 – 23; Johannes 20, 26 – 29). Allein drei dieser Begegnungen werden uns im Johannesevangelium geschildert.
Im 21. Kapitel seines Evangeliums berichtet uns Johannes zuerst von der Begegnung des auferstandenen Herrn Jesus Christus mit sieben Jüngern in Galiläa (Johannes 21, 1 – 12). Im Zusammenhang mit dieser Begegnung tut der Herr ein Wunder: Die Jünger, die die ganze Nacht gefischt haben ohne etwas zu fangen, werfen auf Sein Geheiß erneut die Netze aus und ziehen diese nun mit einem sehr großen Fang wieder ein.  Auf dem Hintergrund dieses Wunders erfolgt dann das Gespräch, um das es in den heute von uns zu betrachtenden Versen geht. Darin stellt der Herr Jesus Christus die Beziehung Seines Jüngers Simon Petrus zu sich wieder her, der Ihn kurz zuvor verleugnet hatte (Markus 14, 66 – 72).
Johannes ist der einzige Evangelist, ja der einzige Autor des Neuen Testaments, der den Namen “See von Tiberias“ für  den See von Galiläa, der auch als Galiläisches Meer bezeichnet wurde, gebraucht.  Immer wieder weist Johannes in seinem Evangelium und in seinen Briefen darauf hin, dass der Herr Jesus Christus sich Menschen gegenüber offenbarte (vgl. Johannes 1, 31; Johannes 2, 11; Johannes 9, 3; Johannes 17, 6; Johannes 21, 14; 1.  Johannes 1, 2; 1. Johannes 2, 28; 1. Johannes 3, 2 + 5 + 8; 1. Johannes 4, 9). In seinem Evangelium stellt die in Kapitel 21 berichtete Offenbarung Jesu die letzte Offenbarung gegenüber Seinen Jüngern dar. Doch selbst durch diese letzte Offenbarung sollten die Jünger des Herrn noch etwas ganz Neues lernen.

Anmerkungen zu Johannes 21, 15 – 23

* “Als sie nun gefrühstückt hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn Jonas, liebst du mich mehr als diese? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Er spricht zu ihm: Weide meine Lämmer!“ – Johannes 21, 15 – Wie bei den Abschiedsreden Jesu in Johannes 13 – 16 (Klick!, Klick!) findet auch hier die Belehrung nach dem Essen, einem Zeichen der Gemeinschaft, statt. Der Bericht des Johannes über die Einzelheiten dieses Gesprächs enthält alle Kennzeichen eines Augen- und Ohrenzeugen. Doch beachten wir zuerst einmal, wie der Herr Jesus Christus Seinen Jünger anspricht. Er sagt “Simon, Sohn (des) Jona“! Er spricht nicht von “Simon Petrus“. Wie ich andernorts ausgeführt habe (Klick!) bedeutet “Petrus“ Stein (nicht, wie fälschlich immer wieder behauptet “Fels“). Doch in den Geschehnissen, die diesem Gespräch mit dem Herrn Jesus Christus vorausgingen, hatte Simon noch nicht einmal die Festigkeit eines Steins gezeigt! Dennoch liegt in der andersartigen Anrede des Herrn keine Abwertung oder Bestrafung. Denn die Bezeichnung “Simon, Sohn des Jonas“ wurde von Ihm nur bei ganz besonderen Gelegenheiten benutzt: 1) Als der Herr ihn in Seine Nachfolge berief (vgl. Johannes 1, 42), 2) im Zusammenhang mit dem Bekenntnis des Simon zu Jesus Christus als dem Sohn des lebendigen Gottes (vgl. Matthäus 16, 17) und 3) als die Jünger im Garten Gethsemane eingeschlafen waren (vgl. Markus 14, 37). Wenn der Herr Seinen Jünger also auch bei dieser Gelegenheit mit genau dieser Namensbezeichnung ansprach, dann deshalb, damit der Jünger erkannte, dass das, was Sein Herr ihm nun zu sagen hatte, von größter Wichtigkeit war. Gleichzeitig führte diese Namensbezeichnung “Simon Sohn des Jonas“ den so angesprochenen zu Seinen Wurzeln zurück. Er sollte bei allen Wundern, machtvollen Zeichen, seiner Berufung und der ihm geschenkten Offenbarung niemals vergessen “woher er kam“.
Dann fragt der Herr ihn, ob er Ihn liebe. Es ist in der Kirchengeschichte viel über die griechische Wortwahl diskutiert worden. Der Evangelist Johannes benutzt an dieser Stelle das griechische Wort “ἀγαπάω“ (“agapao“), das eine besondere Stärke von Liebe ausdrückt und auch für die Liebe Gottes gebraucht wird. Im Gegensatz dazu steht das griechische Wort “φιλέω“ (“phileo“), welches der Herr bei Seiner dritten Frage (Vers 17) benutzt und das die freundschaftliche bzw. brüderliche Liebe bezeichnet. Der australische Neutestamentler Leon Morris vertritt in seinem Kommentar “The Gospel According to John“¹ die Meinung, dass der Fokus nicht auf diese sprachlichen Unterschiede gelegt werden sollte. Nach Morris hat die Verleugnung des Petrus gezeigt, dass dieser keinen gekreuzigten Erlöser wünschte bzw. sich mit einem solchen nicht identifizieren wollte. Die Kernfrage des Geschehens, das uns hier von Johannes überliefert wird, sei, so Morris, also die Frage, wie es nun, nach der Kreuzigung, um die Nachfolge des Petrus stand? War Petrus bereit Seinen Erlöser als den zu lieben, der Er war und nicht als jenen Erlöser, den er, Petrus, sich gewünscht hatte? Ich stimme Morris in diesem Punkt vollkommen zu, denn ich denke, dass wir es hier mit einem Konflikt zu tun haben, der jedem Gläubigen während seiner gesamten Nachfolge immer wieder begegnet: Lieben und folgen wir Gott, so wie Er sich uns in Seinem Wort offenbart und zwar auch in all jenen Bereichen, Erscheinungsweisen und Forderungen die wir nicht sofort verstehen? Oder lieben und folgen wir nur einem Abziehbild dieses Gottes, unserer Vorstellung von dem “lieben Gott“ (eine Bezeichnung bzw. Benennung Gottes, die sich übrigens nirgendwo in der Heiligen Schrift findet!)? Bedenken wir: Wir müssen gar nicht “laustartk“ den Herrn mit Worten verleugnen, wie es Petrus tat. Wir müssen “nur“ leben und handeln, als ob es diesen Gott gar nicht gibt.
Wenn der Herr hier Simon fragt, ob er Ihn mehr liebe “als diese“ (griech.: “πλεον τουτων“; “pleon touton“), so kann sich dies entweder auf Sachen oder auf Personen beziehen. Es kann sich dabei um den Beruf des Petrus als Fischer und die Dinge, die damit verbunden waren (Fischerboote, Netze, die vertraute Arbeit am See etc.) gehandelt haben. Doch es scheint hier mehr ein Vergleich zwischen der Liebe der anderen Jünger zu ihrem Herrn und der Liebe des Petrus zu Jesus Christus vorzuliegen. Denn es war ja Petrus, der während des letzten Mahls im Oberssaal und auch danach sehr deutlich verkündet hatte, dass er seinem Meister auch dann noch folgen würde, wenn alle anderen Jünger Ihn verlassen würden (vgl. Johannes 13, 37; Johannes 18, 10; Matthäus 26, 33; Markus 14, 29; Lukas 22, 33). “Große Klappe, nichts dahinter!“ möchte man mit dem bekannten Sprichwort sagen. Wenn es ein Geschehen im Neuen Testament gibt, dass uns vor schnellen und “großartigen“ Versprechungen Gott gegenüber warnt, dann ist es sicherlich die Verleugnung des Herrn Jesus durch Petrus. Dreimal verleugnet dieser Jünger Seinen Herrn bis dahin, dass er sogar leugnet Ihn je gekannt zu haben! Auf diesem Hintergrund war die (dreifache) Frage des Herrn nur verständlich.
Petrus antwortet und gebraucht dabei das Wort griechische Wort “φιλέω“ (“phileo“). Er weiß, dass er gefehlt hat und dass seine ach so laut verkündete “Nachfolge bis zuletzt“, “Nachfolge unter allen Umständen“ den Test nicht bestanden hat. Er hat sich selbst besser kennengelernt und dementsprechend fällt seine Antwort aus. Was folgt ist eine neue Beauftragung: “Weide meine Lämmer!“ Hätten wir das erwartet? Muss man bei einem solchen Versagen nicht viel rigoroser vorgehen? Weg mit diesem Sprücheklopfer, diesem Versager!  Doch wer so denkt, der fällt genau in jenes Verhaltensmuster, das schon Petrus zum Verhängnis geworden ist. Gott ist kein Gott, der nach unseren Vorstellungen oder Wünschen zu handeln hat. Wer einen solchen “Gott“ wünscht, muss ihn sich außerhalb der Heiligen Schrift suchen.

* “Wieder spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, Sohn Jonas, liebst du mich? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Er spricht zu ihm: Hüte meine Schafe! Er spricht zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn Jonas, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, dass er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb?, und spricht zu ihm: Herr, du weißt alles; du erkennst, dass ich dich lieb habe. Jesus spricht zu ihm: Weide meine Schafe!“ – Johannes 21, 16 – 17 – Viele Kommentatoren gehen davon aus, dass der Herr Jesus Christus mit seinen drei Frage nach der Liebe des Petrus auf die dreifache Verleugnung dieses Jüngers abzielte und sie auf diese Weise umkehren wollte. Dreimal hatte Petrus den Herrn verleugnet (Johannes 18, 17 + 25 + 27) und zwar jedesmal vor Zeugen und dabei stand Petrus auch an einem Kohlenfeuer, um sich zu wärmen (Johannes 18, 18). Nun hatte der Herr selbst ein Kohlenfeuer entzündet, an dem die vom Fischfang zurückgekehrten Jünger sich nicht nur gewärmt hatten, sondern auf dem Er ihnen auch ein Essen zubereitet hatte (vgl. Johannes 21, 9). Vor diesen Zeugen und an diesem Kohlenfeuer hatte Petrus nun die Chance, sich neu zu Seinem Herrn zu bekennen. Nur der gute Hirte vermochte ein abgeirrtes Schaf auf diese Weise zu sich zurück zu bringen.
Es ist in diesem Zusammenhang bemerkenswert, das die Frage des Herrn auf das Herz abzielt. Es geht im Dienst für Ihn um die Stellung unseres Herzens. Nicht große Worte, Versprechungen, Schwüre wünscht Er, sondern einen Glauben “der durch Liebe tätig ist“ (Galater 5, 6). Man könnte auch sagen, unser Herr sucht einen Glauben bzw. Dienst, dessen Motor die Liebe zu Ihm ist (Klick!). Denn wo die Liebe fehlt … bleibt nur tönendes Erz oder die klingende Schelle (1. Korinther 13, 1 – 3) – ein hohler Nachklang allzu großer Worte.
Diese Lektion hat Petrus gelernt und so vergleicht er seine Liebe nicht mehr mit der Liebe der anderen Jünger zu Jesus Christus. Schon gar nicht behauptet er, dass seine Liebe größer sei. Alles, was er tut, ist darauf zu verweisen, dass der Erlöser sein Herz kennt.
Zwei weitere Male beauftragt der Herr den Jünger, Seine Schafe zu weiden. Dabei wird deutlich, die Schafe, die dem Jünger hier anvertraut werden sind und bleiben die Schafe des Herr (“meine Schafe“). Sie gehen nicht in den Besitz des Jüngers über. Diese Schafe des Herrn sind zu weiden, nicht zu beherrschen, zu gängeln, zu manipulieren, zu … Petrus war sich dessen bewusst, denn später gibt er genau diese Weisungen an jene weiter, die denselben Dienst wie er versehen:

“Die Ältesten unter euch ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge der Leiden Christi, der ich auch teilhabe an der Herrlichkeit, die offenbart werden soll: Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist; achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt; nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund; nicht als Herren über die Gemeinde, sondern als Vorbilder der Herde. So werdet ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unvergängliche Krone der Herrlichkeit empfangen.“

(1. Petrus 5, 1 – 4 LUTH’84)

 

* “Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wohin du wolltest; wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und hinbringen, wohin du nicht willst. Dies aber sagte er, andeutend, mit welchem Tod er Gott verherrlichen sollte. Und als er dies gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach! „ – Johannes 21, 18 – 19 – In diesen Versen finden wir nun den ultimativen Widerspruch zu den Wünschen des Petrus. Seine nun erneut bekannte Liebe zu seinem Erlöser würde ein weiteres mal geprüft werden. Der hier gebrauchte Ausdruck “wirst du deine Hände ausstrecken“ war in der römischen Welt ein Synonym für den Kreuzestod, bei dem die Arme des Delinquenten rechts und links an das Kreuz genagelt wurden. Wäre Petrus bereit, seinem Erlöser auf diese Weise nachzufolgen oder würde er erneut einen Weg wählen, der seinen Wünschen entsprach? Die Briefe des Petrus bezeugen uns an vielen Stellen, dass er sich von seinen eigenen Vorstellungen über Gott abgewandt hatte (vgl. z.B. 1. Petrus 4, 14 – 16 u.a.m.) Und die Kirchengeschichte bezeugt uns, dass er Seinem Erlöser auch auf dem Weg und in der Form Seines Todes nachfolgte.
Der auferstandene Herr schließt seine Ansprache an Petrus mit den Worten “Folge mir nach!“ Aus dem griechischen Text wird deutlich, dass es hier um ein andauerndes Geschehen geht. Nachfolge schließt jeden  Moment unseres Lebens ein. Will christliche Nachfolge echt sein, dann muss sie andauernd und beharrlich sein. Eine “Sonntagsnachfolge“ oder eine “Nachfolge in bestimmten Dingen“ kennt das Neue Testament nicht. Hier gilt der Grundsatz: Ganz oder gar nicht, Gott oder mein selbstgemachtes (Götzen-)Bild von Ihm. So, wie der Herr Jesus Christus in allem Seinem Vater folgte, so soll der Jünger seinem Meister ebenfalls in allen Dingen folgen – ganz gleich wohin der Herr uns führt. Für Petrus führte die Nachfolge Jesu an Kreuz, für viele Christen weltweit führt die Nachfolge Christi heute zu Verfolgung, Bedrängnis ja sogar zum Tod.  Dieses Bild eines christlichen Lebens mag uns nicht gefallen, dennoch entspricht es in vielen Teilen der Welt der Realität. Nehmen wir einmal für einen kurzen Augenblick an, unsere demokratischen Freiheitsrechte – und damit auch unsere Religionsfreiheit – würden über Nacht eingeschränkt werden. Wieviele Christen, die ihre Liebe zum Sohn Gottes mit vielen lauten Worten bekannt haben würden Ihm wohl dann noch folgen wollen? Wieviele würden wir am Kohlenfeuer der Welt sich wärmen sehen? Wieviele würden Ihm, wenn es sein muss, an Sein Kreuz folgen? Bedenken wir diese Fragen, ehe wir große Worte machen.

* “Petrus wandte sich um und sieht den Jünger nachfolgen, den Jesus liebte, der sich auch bei dem Abendessen an seine Brust gelehnt und gesagt hatte: Herr, wer ist es, der dich überliefert? Als nun Petrus diesen sah, spricht er zu Jesus: Herr, was wird aber mit diesem?“ – Johannes 21, 20 – 21 – Bei dem betreffenden Jünger handelt es sich um Johannes, was auch ein weiterer Hinweis auf dessen Augenzeugenschaft ist. Petrus sieht ihn und erkundigt sich, was aus Johannes werden wird. Wir wissen nicht, aus welchen Beweggründen Petrus diese Frage stellte. Vielleicht wollte er erfahren, ob Johannes das ihm in den Versen zuvor angekündigte Lebensende teilen würde.

* “Jesus spricht zu ihm: Wenn ich will, dass er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach!“ – Johannes 21, 22  –  Was immer jedoch die Beweggründe des Petrus waren, er wird erneut von seinem Herrn zu Recht gewiesen. Es war nicht die Aufgabe des Petrus, sich um die Zukunft des Johannes zu sorgen. Anstatt sich über den Willen Gottes für andere Gedanken zu machen, sollte Petrus sich einzig und allein darauf konzentrieren, Jesus treu nachzufolgen: “Folge du mir nach!“ – Wie oft können wir ein solches Verhalten auch unter Gläubigen beobachten? Da kümmert man sich um “alles und jeden“ um nur nicht die Bereiche des eigenen Lebens in Angriff zu nehmen, die dringend einer Revision im Licht des Wortes Gottes bedürfen! Wieviel Probleme, mit denen Christen untereinander konfrontiert werden, würden erst gar nicht auftreten, wenn jede/r Gläubige sich zuerst auf die eigene Beziehung zu Gott und die Qualität der eigenen Nachfolge konzentrieren würde?

* “Es ging nun dieses Wort unter die Brüder aus: Jener Jünger stirbt nicht. Aber Jesus sprach nicht zu ihm, dass er nicht sterbe, sondern: Wenn ich will, dass er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an? „ – Johannes 21, 23 – Die Worte Jesu: “Wenn ich will, dass er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an?“ haben zu vielen Spekulationen geführt – nicht nur unter den Jüngern die direkt dabei waren, als der Herr diese Worte sprach. Bis in die Gegenwart hinein haben sich immer wieder Gläubige den Kopf zerbrochen und irrige Auslegungen in die Welt gesetzt. Doch genau damit gingen und gehen solche Menschen an der Intention des Herrn vorbei. Es ist eben genau nicht unsere Aufgabe, über das Handeln oder die Führung des Herrn mit anderen nachzudenken, sondern, wie der Herr im Vers zuvor betont hat, Ihm in Treue nachzufolgen.

Fußnoten:

¹= Leon Morris: “The Gospel According to John: Revised Edition. New International Commentary
on the New Testament series“,  Eerdmans Publishing Co., Grand Rapids, 1995, Seite 786.

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[Repost] Der wahre Weinstock – Anmerkungen zu Johannes 15, 1 – 8

Bijelo grozde

Weiße Trauben * Foto: By Samir Budimčić (Own work) [CC BY-SA 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)%5D, via Wikimedia Commons

Zwei Verse aus dem 15. Kapitel des Johannesevangeliums  (zum Hintergrund des Johannesevangeliums siehe: Klick!) sind die Grundlage für die Wortverkündigung am kommenden Sonntag. Sie sollen nachfolgend in ihrem Zusammenhang betrachtet werden:

Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner. Jede Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, die nimmt er weg; und jede, die Frucht bringt, die reinigt er, damit sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir, und ich in euch. Wie die Rebe nicht von sich selbst aus Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, dieser bringt viel Frucht, denn außer mir könnt ihr nichts tun. Wenn jemand nicht in mir bleibt, wird er hinausgeworfen wie die Rebe und verdorrt; und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, um was ihr wollt, und es wird euch geschehen. Hierin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt, und ihr werdet meine Jünger werden.“

(Johannes 15,  1 – 8 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

 

Zum Hintergrund von Johannes 15, 1 – 8

Um zum korrekten Verständnis dieser Verse zu gelangen, ist es wichtig, diesen Text biblisch und heilsgeschichtlich richtig einzuordnen. Häufig wurde dieser Text so ausgelegt, dass es sich bei den Adressaten, den Jüngern, um Christen gehandelt habe bzw. handele. Dementsprechend ging man davon aus, dass sich dieser Text an die Versammlung (= Gemeinde / Kirche) richten würde. Dass dies nicht der Fall sein kann, geht ganz eindeutig aus zwei Aussagen des Herrn Jesus Christus in Johannes 15 hervor:

“Jede Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, die nimmt er weg; und jede, die Frucht bringt, die reinigt er, damit sie mehr Frucht bringe.“

(Johannes 15, 2 ELBEDHÜ)

“Wenn jemand nicht in mir bleibt, wird er hinausgeworfen wie die Rebe und verdorrt; und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.“

(Johannes 15, 6 ELBEDHÜ)

Dass es sich bei den Reben dieses Weinstocks nicht um Gläubige/Christen handeln kann, wird bereits daran deutlich, dass diese Reben a) abgeschnitten und b) ins Feuer geworfen werden. Letzteres ist ein ganz klares biblisches Bild für das Gericht bzw. die ewige Verdammnis.
Christen, die Gläubigen des Neuen Testaments, werden jedoch nicht aufgrund ihrer Frucht, d.h. aufgrund von Werken (Römer 3, 28; Römer 4, 6), gerettet, sondern aus Gnade mittels des Glaubens (Epheser 2, 8 – 9, Römer 5, 1 – 2)! Für die Erlösung des Menschen im Zeitalter der Gnade ist also allein der Glaube an Jesus Christus entscheidend (vgl. Johannes 5, 24!). Werke (auch im Sinn von Frucht) im Leben des Gläubigen entscheiden nicht mehr über ewiges Leben oder ewigen Tod, sondern allein über den Lohn, den er/sie von Christus empfangen wird (vgl. 1. Korinther 3, 11 – 15; 2. Korinther 5, 10; Römer 14, 10).
Die Versammlung (= Gemeinde / Kirche) wird im Neuen Testament als Leib Christi gesehen (vgl. 1. Korinther 12, 12 – 31). Nirgendwo im Neuen Testament aber wird uns gesagt, dass Glieder dieses Leibes von demselben “abgeschnitten“ werden würden/könnten und so ihr ewiges Heil verlieren könnten.¹ Außerdem wird an dem Bild des Leibes, der mit seinem erhöhten Haupt im Himmel untrennbar verbunden ist, deutlich, dass die Versammlung (= Gemeinde /Kirche) ein himmlischer Organismus ist. Dieser himmlische Organismus hat – im Gegensatz zum Volk Israel, dem (ursprünglichen) Weinstock, keine Wurzeln in dieser Erde (Hebräer 3, 1; 1. Korinther 15, 49; Epheser 1, 3; Epheser 2, 6; Philipper 3, 20 – 21). Hinzu kommt, dass der Herr Jesus Christus in diesem ganzen Abschnitt nicht ein einziges Mal von “glauben“ spricht. Es geht immer um ein “Tun“, das Bleiben in Ihm. Das sind fundamentale Unterschiede, die es unbedingt zu beachten gilt. Tut der Ausleger dies nicht, dann werden diese Verse sehr schnell zu einem Vehikel, durch das die Schafe Christi, die der Herr Jesus Christus sicher in  Seiner Hand bewahrt (Johannes 10, 28), verunsichert und ihrer durch den Erlöser bewirkten Heilssicherheit (Hebräer 10, 14; 1. Korinther 1, 31) erschüttert werden. Das Ergebnis sind Gläubige, die sich rastlos um sich selbst und die angebliche “Sicherstellung“ ihres Heils durch irgendwelche Werke oder Verhaltensweisen drehen. Dabei sollten sie doch dem Willen Gottes entsprechend voller Freude dieser Welt das Evangelium bringen!
Im Alten Testament hatte Gott das Volk Israel dazu bestimmt, Sein Weinstock auf dieser Erde zu sein (vgl. Jesaja 5, 1 ff.; Jeremia 2, 21; Psalm 80, 8 ff.; Hosea 10, 1 ff.; vgl. auch Matthäus 21, 33 – 41). Gottes Wunsch war es, dass dieser Weinstock Frucht für Ihn bringen sollte. Israel aber versagte. Wie wir aus Matthäus 21, 33 – 46 und den Berichten in den Evangelien wissen, brachte dieser Weinstock keine Frucht für Gott, sondern nur schlechte Trauben. Am Ende töteten die “Weingärtner“, d.h. die geistlichen und säkularen Autoritäten Israels, sogar den “Erben des Weinbergbesitzers“,  den Herrn Jesus Christus.
Doch bevor dies geschah, hatte Gott Israel als Weinstock bereits durch den “wahren Weinstock“, den Herrn Jesus Christus, den Menschensohn, ersetzt, so wie Er es in Psalm 80, 18 prophetisch angekündigt hatte.
Der Herr Jesus Christus brachte – als vollkommener Mensch (1. Petrus 2, 22; 2. Korinther 5, 21; Hebräer 4, 15; 1. Johannes 3, 5) –  während Seines Lebens auf dieser Erde “in Wort und Werk und allem Wesen“ vollkommene Frucht für Gott (Apostelgeschichte 2, 22; Apostelgeschichte 10, 38; Matthäus 3, 17).
Als der wahre Weinstock hatte der Herr Jesus Christus während Seines Lebens auf dieser Erde auch “Reben“. Darunter sind all‘ jene Menschen zu verstehen, die sich während Seines irdischen Dienstes zu Ihm als dem von Gott verheißenen Messias bekannt haben, insbesondere die zwölf Jünger. Diese Menschen stehen, wenn man es einmal so sagen will, “auf der Grenze zweier Welten“: Sie sind bereits an den Herrn Jesus Christus gläubig, aber sie sind noch nicht die Versammlung (= Gemeinde / Kirche), die erst am Tag der Pfingsten entstehen sollte. Der Heilige Geist ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht gekommen.
Es ist wichtig, dass wir in diesem Zusammenhang auch Folgendes beachten: Ein Jünger, grch. “μαθητής“, “mathetes“ (= Schüler, Lernender) zu sein, bedeutet nicht notwendigerweise, dass derselbe Mensch auch erlöst ist, d.h. neues, ewiges Leben besitzt. Erlösung und damit verbunden der Besitz des ewigen Lebens (1. Johannes 5, 11 – 13), ist erst möglich, seitdem der Sohn Gottes am Kreuz für die Sünden der Welt gestorben und anschließend auferstanden (1. Petrus 1, 3) ist. Beides lag jedoch zu dem Zeitpunkt, als der Herr diese Worte an Seine Jünger richtete, noch in der Zukunft.

Anmerkungen zu Johannes 15, 1 – 8

* “Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner.“Johannes 15, 1  – Siehe zu dieser Aussage des Herrn meine obigen Ausführungen, sowie Matthäus 21, 33 – 46.

* “Jede Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, die nimmt er weg; und jede, die Frucht bringt, die reinigt er, damit sie mehr Frucht bringe.“Johannes 15, 2 – Wie ich oben ausgeführt habe, sind unter den “Reben“ jene Menschen zu verstehen, die während des irdischen Dienstes des Herrn Jesus Christus an Ihn als den von Gott verheißenen Messias glaubten und sich auch zu Ihm bekannten. “Reben“, die keine Frucht brachten, nahm Gott weg. Eine dieser “Reben“ war ohne Zweifel Judas Iskariot. Dieser wird in der Heilige Schrift eindeutig als “Jünger“ bzw. als “Apostel“ bezeichnet (vgl. Johannes 12, 4; Lukas 6, 13 – 16) bezeichnet. Zugleich überliefert uns dieselbe Heilige Schrift, dass der Herr Jesus Christus ihn als “einen Teufel“ (Johannes 6, 70 – 71; vgl. Johannes 13, 2 + 27), als “verloren“ und “Sohn des Verderbens“ (Johannes 17, 12) bezeichnet.
Auch andere “Reben“ brachten keine Frucht. In Johannes 6, 60 – 66 werden Jünger erwähnt, die dem Herrn Jesus Christus nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt folgten und dann “zurück gingen“ bzw. “nicht mehr mit Ihm gingen“. Unter diesen Jüngern wird auch Judas genannt und zwar als der, “der ihn überliefern würde“.
Im Gegensatz zu jenen “Reben“, die keine Frucht brachten und dementsprechend von Gott weggenommen wurden, gab es andere “Reben“, die Frucht brachten und als Folge davon von Gott gereinigt wurden, damit sie noch mehr Frucht bringen konnten. Eine dieser “Reben“ war zweifellos Petrus. Er war, wie wir wissen, ein sehr unvollkommener Jünger, doch er liebte den Herrn und brachte Frucht. Als viele Jünger sich abwandten und dem Herrn Jesus Christus nicht mehr folgten (Johannes 6, 60 – 66), fragte der Herr diejenigen Jünger, die bei Ihm ausharrten: “Wollt ihr auch gehen?“ Die Antwort des Petrus war eindeutig: “Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Heilige Gottes bist.“ (Johannes 6, 68 – 69). Diese Antwort zeigt, dass er seinem Herrn nicht wegen irgendwelcher Wunder folgte, sondern weil es ihm um den Sohn Gottes selbst ging. Eine Frucht, die wir weder bei Judas noch den anderen, die sich abwandten, sehen können. Petrus musste in den Jahren, die auf dieses Bekenntnis folgten, noch viele – zum Teil harte – Lektionen lernen. Der englische Bibelausleger Hamilton Smith soll gesagt haben: “Wie groß das Versagen der Gläubigen auch ist: Gott gibt sein Volk nie auf. Er wird Seine Perlen nicht wegwerfen, weil Sand an sie gekommen ist. Er wird uns von allem reinigen, was sich in uns im Widerspruch zu Ihm befindet. Das mag für uns selbst schmerzhaft sein. Aber Er möchte uns zu Teilhabern Seiner Heiligkeit machen.“ Die Briefe des Petrus legen Zeugnis davon ab, dass Gott auch ihn von allem “Sand“  reinigen konnte und er auf diese Weise fähig wurde, mehr Frucht für Ihn zu bringen.

* “Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.“ Johannes 15, 3  – Dieses Wort konnte der Herr Jesus Christus nur an elf der zwölf Jünger richten. Denn schon in  Johannes 13, 10 – 11  + 18 bezeichnet der Herr Judas als “nicht rein“ und macht deutlich, dass Er Seinen Verräter kannte. Hier in Johannes 15 befindet sich Judas auch schon gar nicht mehr unter den Jüngern. Er, dessen Herz der Satan erfüllt hatte (Johannes 13, 27), war zu diesem Zeitpunkt bereits in die Nacht hinaus gegangen (Johannes 13, 30).
Was bedeutet es, wenn der Herr hier sagt, dass die Jünger bereits rein seien “um des Wortes willen“? Jene Jünger, die bei Ihm ausgeharrt hatten, hatten Sein Wort angenommen und auf sich angewandt. Wo immer aber Menschen das Wort Gottes annehmen und auf sich anwenden, da entfaltet es Seine göttliche Kraft: es überführt von Sünde und es führt zur Buße (Hebräer 4, 12 – 13; Jeremia 23, 29). Dass das Wort Gottes diesen reinigenden Dienst bereits zur Zeit des Alten Testaments vollbrachte, wird besonders am Beispiel Davids deutlich. Nachdem der König sich durch Ehebruch und Mord verunreinigt hatte, wird er durch das Wort Gottes, überbracht durch den Propheten Nathan, von seiner Sünde überführt und zur Buße geleitet (vgl. 2. Samuel 12, 1 ff.) Die vollkommene Reinigung, die durch das Blut Christi geschieht (vgl. 1. Johannes 1, 7 – 9) ist jedoch erst durch den Tod Christi am Kreuz von Golgatha und Seine anschließende Auferstehung möglich geworden.

* “Bleibt in mir, und ich in euch. Wie die Rebe nicht von sich selbst aus Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.“Johannes 15, 4 – In Hosea 14, 9 (ELBEDHÜ) heißt es:

“Ephraim wird sagen: Was habe ich fortan mit den Götzen zu schaffen? – Ich habe ihn erhört und auf ihn geblickt. – Ich bin wie eine grünende Zypresse. – Aus mir wird deine Frucht gefunden.

Damit wird bereits angedeutet, dass “Frucht“ einzig und allein nur aus der direkten Beziehung zu Gott bzw. in Abhängigkeit von Ihm entstehen kann. Dieser Grundsatz wird von dem Herrn Jesus Christus in Johannes 15, 4 bestätigt.

* “Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, dieser bringt viel Frucht, denn außer mir könnt ihr nichts tun.“Johannes 15, 5 – Der in Johannes 15, 4 bestätigte Grundsatz wird hier noch einmal genauer erläutert.

* “Wenn jemand nicht in mir bleibt, wird er hinausgeworfen wie die Rebe und verdorrt; und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.“Johannes 15, 6  – Wie bereits eingangs ausgeführt, macht dieser Vers deutlich, dass es sich bei den in Johannes 15, 1 – 8 genannten Menschen nicht um die Versammlung (= Gemeinde / Kirche) handeln kann.

* “Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, um was ihr wollt, und es wird euch geschehen.“Johannes 15, 7 – Jenen Jüngern, die bei Ihm bleiben, gibt der Herr mit diesen Worten eine weitreichende Verheißung. Die Aussage “und meine Worte in euch bleiben“ macht deutlich, worum es hier geht: Jünger, die in enger Abhängigkeit zu ihrem Herrn leben und in denen Seine Worte bleiben, d.h. die Sein Wort betrachten, es studieren und in ihren Herzen bewahren, werden dementsprechend auch Seinen Willen kennen und entsprechend Seines Willens beten können. Das aber ist die Voraussetzung für erhörliches Gebet (vgl. 1. Johannes 5, 14).

* “Hierin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt, und ihr werdet meine Jünger werden.“Johannes 15, 8 – Bezgl. der Frucht ist in Johannes 15 eine Steigerung zu erkennen, die so auch im Leben des Jüngers erkennbar sein soll:

  1. “Frucht“ (Vers 2)
  2. “mehr Frucht“ (Vers 2)
  3. “viel Frucht“ (Verse 5 + 8)

Jünger, die Frucht bringen, werden gereinigt, damit sie mehr Frucht bringen können. Je mehr Frucht die Jünger bringen, desto mehr wird der himmlische Vater verherrlicht.

Grundsätzliche Lehren aus Johannes 15, 1 – 8

Auch wenn Johannes 15, 1 – 8 nicht von den Gläubigen der Versammlung (= Gemeinde / Kirche), also des Gnadenzeitalters spricht, gibt es in diesen Versen doch einige grundsätzliche geistliche Prinzipien, die auch auf das Leben des Christen anzuwenden sind:

1) Auch der Christ bedarf der täglichen Reinigung durch das Wort Gottes (vgl. Epheser 5, 26). Wir müssen das Wort Gottes annehmen und auf uns anwenden, so dass es Seine göttliche Kraft in uns entfalten. uns von Sünde überführen und zur Umkehr führen kann.

2) Auch der Christ muss anerkennen, dass er unabhängig von seinem Herrn “nichts tun kann“ (Johannes 15, 5). Das bedeutet, dass der Gläubige, um Frucht bringen zu können, die beständige Gemeinschaft mit Christus suchen und sich seiner Abhängigkeit von Ihm bewusst sein muss. Wieviele “christliche Aktionen“ sind aus gutem Willen, aber nicht aus der Abhängigkeit von Christus entstanden! Wieviel unnötigen Aufwand, menschliche Kraft und Geld haben sie gekostet, ohne wirklich Frucht zu bringen! All‘ das hätte vermieden werden können, wenn man im Gebet und dem Studium des Wortes Gottes nach dem Willen Gottes gefragt und entsprechend gehandelt hätte!

3) Auch der Gläubige des Gnadenzeitalters sollte sich der Tatsache bewusst sein, dass nur dem Gebet gemäß dem Willen Gottes Erhörung verheißen wurde (vgl. 1. Johannes 5, 14). Um Gottes Willen erkennen zu können, bedarf es der beständigen Gemeinschaft mit Ihm im Gebet und im Studium Seines Wortes.

4) Die Erlösung ist ein Geschenk, das uns Gott aus Gnaden und völlig unabhängig von Werken (und jeder Art von Frucht), allein mittels des Glaubens zugänglich macht (Römer 3, 28; Römer 4, 6, Epheser 2, 8 – 9, Römer 5, 1 – 2). Wo aber wahrer Glaube und damit göttliches Leben vorhanden ist, werden ganz natürlich auch von Gott gewirkte Werke zum Vorschein kommen (vgl. Johannes 7, 37 – 39). Im Umkehrschluss kann dort, wo auf Dauer keine von Gott gewirkten Werke offenbar werden, auch kein wirkliches Leben aus Gott vorhanden sein (Jakobus 2, 26).

5) Gott wird verherrlicht, wenn Gläubige Frucht für Ihn bringen, d.h., wenn Er Frucht in unserem Leben wirken kann. Damit dies geschehen kann, muss der Gläubige in der Gnade und Erkenntnis Jesu Christi wachsen (2. Petrus 3, 18). Dieser Wachstumsprozess verläuft nicht immer ohne Schwierigkeiten. Wer jedoch bereit ist, in diesen Wachstumsprozess einzuwilligen, wird erfahren, wie Gott ihn reinigt, damit er mehr Frucht bringt und auf diese Weise Ihn verherrlicht.

Fußnoten:

¹= Gläubige können gemäß Matthäus 18, 15 – 17; 1. Korinther 5, 10 – 13 und 2. Thessalonicher 3, 6 – 18 zeitweise aus der Gemeinschaft der Gläubigen ausgeschlossen werden, wenn nachweislich schwere Verfehlungen vorliegen und über einen längeren Zeitraum trotz anhaltender, ernster  seelsorgerischer  Bemühungen keine Umkehr des Betroffenen erfolgt. Ziel aller Bemühungen muss jedoch die Wiederherstellung der Gemeinschaft des Betroffenen mit Gott und den Mitgläubigen sein. Ein solcher temporärer Ausschluss aus der Gemeinschaft der Gläubigen darf jedoch auf keinen Fall mit einem Ausschluss vom Heil verwechselt oder gleichgestellt werden. 

I'm part of Post A Day 2017

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Aktuell wie vor 2000 Jahren (Russland, China, Jemen)

… Gebetsanliegen zur Christenverfolgung heute

Coat of Arms fictional for Martyrs

Coat of Arms fictional for Martyrs : palm of martyrdom, mingled with seven flames (gifts of the Holy Spirit), can also be seen as an ear of wheat. * Foto: By Eugenio Hansen, OFS (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

 Russland bzw. die Russische Förderation nimmt auf dem Weltverfolgungsindex 2017 zwar keinen Platz ein, wird dort jedoch als Land unter Beobachtung geführt, denn: “Im Juli 2015 kam es zu einer Änderung im russischen Religionsgesetz, nach der nun alle Religionen ohne rechtlichen Status bei den Behörden registriert werden müssen und diese über ihre Aktivitäten, einschließlich Namen und Adressen aller Mitglieder und Treffen, zu informieren haben. Außerdem sind registrierte Gruppen in ihren Aktivitäten während der ersten zehn Jahre stark eingeschränkt, beispielsweise ist es äußerst schwierig, christliche Lehrer aus dem Ausland einzuladen. Nicht registrierte Gruppen erfahren in ganz Russland Diskriminierung. Im Nordkaukasus können Christen keine öffentlichen Ämter innehaben. In russischem Fernsehen und Presse werden evangelikale Gemeinden durchweg als Sekten kritisiert und auf eine Stufe mit Satanisten und Scientology gestellt. Gemeinschaften von ausländischen Christen und Arbeitsmigranten sowie traditionelle Kirchen werden vom Staat überwacht und können nicht ungehindert funktionieren. Christen muslimischer Herkunft erfahren Gewalt und Druck vonseiten ihrer Familie und Gemeinschaft, besonders im Kaukasus. Christen aus protestantischen Freikirchen werden von drei verschiedenen Seiten verfolgt: Die russisch-orthodoxe Kirche sieht Freikirchen als Häretiker und verurteilt sie dafür „ihre Schäfchen zu stehlen“, der Staat betrachtet sie als Deckmantel westlicher Spione, und in muslimischen Gebieten werden sie oft unter dem Verdacht zu evangelisieren angegriffen.“ (Zitat Open Doors): Klick! Jetzt haben russische Behörden die Religionsgemeinschaft der “Zeugen Jehovas“ verboten. Auch wenn man als Christ die Lehren dieser Gemeinschaft konsequent und eindeutig ablehnen muss, so macht dieses Geschehen doch deutlich, dass Russland auf dem Weg ist, die Religionsfreiheit weiter einbzuschränken: Global Voices: “Bereitschaftspolizei in einem Kindergarten: Russlands Krieg gegen religiöse Minderheiten eskaliert“: Klick! Zeit online: “Russland: Oberstes Gericht verbietet Zeugen Jehovas“: Klick!  ARD-Tagesschau: “Oberstes Gericht: Russland verbietet Zeugen Jehovas“: Klick! Deutschlandfunk “Tag für Tag“: “Russland – Ein Schlag gegen die Religionsfreiheit“: Klick! Huffington Post: “Russia Moves To Label Jehovas Witnesses as ‚Extremists“‘: Klick! Christianity Today: “Russia Bans Jehova’s Witnesses as Extremists“: Klick!  

* In China, das auf dem Weltverfolgungsindex 2017 den 39. Platz einnimmt, führt die Regierung seit längrer Zeit eine Kampagne gegen christliche Kirchen, bei der besonders der Abbruch sichtbarer Kreuze massiv vorangetrieben wird: Klick!, Klick!Klick!, Gesellschaft für bedrohte Völker: “China: Ermittlungen gegen christlichen Zeitungsherausgeber“: Klick! theguardian.com: “China ‚eliminating civil society‘ by targeting human rights activist“: Klick!  Gesellschaft für bedrohte Völker: “Glaubensfreiheit in China wird weiter eingeschränkt – Neues Religionsgesetz in Kraft“: Klick!  &  “China / Vatikan: Beilegung des langen Streits wird keine Religionsfreiheit bringen – Christen, Buddhisten und Muslime leiden unter Verfolgung“: Klick!

* Der Yemen leidet nicht nur seit Jahren unter dem Krieg zwischen Saudi Arabien und den vom Iran unterstützten Schiiten im Yemen. Das durch den Krieg verursachte Chaos wird von verschiedensten extremistischen Gruppierungen auch dazu genutzt, alle nichtislamischen Glaubensgemeinschaften zu verfolgen. Das Land steht daher auf Platz 9 des Weltverfolgungsindex 2017. WorldWatchMonitor: “As a christian woman in Yemen, life is about survival“: Klick!   theguardian.com: “Yemen famine feared as starving children fight for live in hospital“: Klick! Der Tagesspiegel: “Krieg und Not: Der geschundene Jemen“: Klick!

“Gedenket der Gefangenen als Mitgefangene und derer, die Ungemach leiden, als solche, die selbst auch noch im Leibe leben.“

(Hebräer 13, 3)


 

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Wiederherstellung der Farben des Titusbogens in Rom

Der so genannte “Titusbogen“ in Rom ist eines der bekanntesten Bauwerke die Touristen in der italienischen Hauptstadt besichtigen können. Er steht ganz in der Nähe des Kolosseums und markiert den Eingang der für damalige Römer heiligen Straße zum Forum Romanum. Der Bau an diesem Triumphbogen wurde im Jahr 81 n. Chr. beendet. Titus selbst sah seine Vollendung nie, da das Bauwerk erst durch seinen Bruder und Nachfolger, Kaiser Domitian, in Auftrag gegeben wurde. Mit diesem Triumphbogen sollte insbesondere der Sieg des Titus über die aufständische Provinz Judäa und die Eroberung Jerusalems geehrt werden. Besonders bekannt ist der Titusbogen bis in die Gegenwart, weil auf einer Innenseite des Bogens die Wegführung der jüdischen Tempelschätze, insbesondere der Menorah und der priesterlichen Silbertrompeten, gezeigt wird. Heute ist diese Darstellung nur noch als weißes Bild zu sehen, die natürlichen Umwelteinflüsse haben dazu geführt, dass es  verblichen ist. Doch ursprünglich fand sich hier eine farbliche Darstellung. Jetzt haben Archäologen den Titusbogen neu untersucht und dem Bild – digital – seine Farbe wiedergegeben:

 

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Die Heilung des Bartimäus und ihre Bedeutung für uns – Anmerkungen zu Markus 10, 46 – 52

Jericho (30186979605)

Jericho * Foto: By DYKT Mohigan (P1100676) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

Am Mittwoch dieser Woche soll ein weiteres Bibelwort aus dem Markusevangelium  (zum Hintergrund des Markusevangeliums siehe: Klick!) betrachtet werden. Wir lesen  den entsprechenden Vers in seinem Kontext:

„Und sie kommen nach Jericho. Und als er aus Jericho hinausging mit seinen Jüngern und einer zahlreichen Volksmenge, saß der Sohn des Timäus, Bartimäus, der Blinde, bettelnd  am Weg. Und als er hörte, dass es Jesus, der Nazarener, sei, fing er an zu schreien und zu sagen: Sohn Davids, Jesus, erbarme dich meiner! Und viele fuhren ihn an, dass er schweigen solle; er aber schrie umso mehr: Sohn Davids, erbarme dich meiner! Und Jesus blieb stehen und sprach: Ruft ihn! Und sie rufen den Blinden und sagen zu ihm: Sei guten Mutes; steh auf, er ruft dich! Er aber warf sein Oberkleid ab, sprang auf und kam zu Jesus. Und Jesus hob an und sprach zu ihm: Was willst du, dass ich dir tun soll? Der Blinde aber sprach zu ihm: Rabbuni, dass ich wieder sehend werde.
Und Jesus sprach zu ihm: Geh hin, dein Glaube hat dich geheilt. Und sogleich wurde er wieder sehend und folgte ihm nach auf dem Weg.

(Markus 10, 46 – 52  ELBEDHÜ; z. Vergl. LUTH’84)

 

Zum Hintergrund von Markus 10, 46 – 52

Der Textstrang von Markus 8, 31 bis  Markus 10, 52 bildet den fünften großen Block des Markusevangeliums. In ihm berichtet uns der Evangelist von dem Weg, den der Herr Jesus Christus nach Jerusalem und damit zu Seiner göttlichen Bestimmung als Erlöser der Menschheit, einschlägt. Diesen Block können wir in drei größere Abschnitte einteilen. Das Hauptthema des 1. Abschnitt ist die erste Ankündigung des Leidens Jesu und die daraus folgende Lehre für die Jünger  (Markus  8, 31 – Markus 9, 29). Dabei werden zuerst die prophetische Leidensankündigung Jesu (Markus 8, 31 – 33) und im Anschluss daran die Bedingungen für die Nachfolge Jesu betrachtet (Markus 8, 34 – Markus 9, 1). Es folgen der Bericht über die Verklärung Jesu auf dem Berg (Markus 9, 2 – 8), die Rede über das Kommen Elias (Markus 9, 9 – 13) und die Befreiung des epileptischen Knaben (Markus 9, 14 – 29). Im zweiten Abschnitt dieses Blocks geht es um die zweite Leidensankündigung und die damit verbundene Lehre für die Jünger (Markus 9, 30 – Markus 10, 31). Zuerst lesen wir von der prophetischen Leidensankündigung Jesu (Markus 9, 30 – 32), an die sich die Warnung vor den Fallstricken, vor denen sich die Jünger vorsehen sollen (Markus 9, 33 – 50) und eine Belehrung über die Opfer der Nachfolge  (Markus 10, 1 – 31) anschließt.  Abschnitt 3 enthält die dritte Leidensankündigung Jesu und die  Lehre, die die Jünger daraus ziehen sollen (Markus 10, 32 – 52). Auch hier spricht Markus zuerst von der prophetischen Ankündigung des Leidens Jesu (Markus 10, 32 – 34), danach von der  Lehre Jesu über das Dienen (Markus 10, 35 – 45). Dann folgt der Bericht über die Heilung eines Bilden nahe Jerichos (Markus 10, 46 – 52), den wir heute eingehender betrachten wollen. Markus 10, 46 – 52 ist der zweite Bericht über die Heilung eines Blinden im Markusevangelium. Der erste Bericht dieser Art findet sich in Markus 8, 22 – 26. Zwischen diesen beiden Berichten finden sich die Leidensankündigungen Christi, die von großem geistlichen Unverständnis der Jünger begleitet werden. Nicht zu Unrecht haben Kommentatoren dieses geistliche Unverständnis der Jünger als “geistliche Blindheit“ bezeichnet. Dem gegenüber stehen die buchstäblich Blinden, die nach Heilung durch den Sohn Gottes verlangen und diese auch erfahren. .

Anmerkungen zu Markus 10, 46 – 52

* “Und sie kommen nach Jericho. Und als er aus Jericho hinausging mit seinen Jüngern und einer zahlreichen Volksmenge, saß der Sohn des Timäus, Bartimäus, der Blinde, bettelnd  am Weg.“ – Markus 10, 46 –  Jericho war bereits im Alten Testament eine Stadt, in der sich bemerkenswerte Ereignisse abspielten. Jericho war die Heimatstadt Rahabs, jener Hure, die (mit ihrer Familie) durch ihren Glauben an den Gott Israels gerettet wurde (vgl. Josua 2, 1 – 22; Josua 6, 1 – 27). Aus diesem Grund wird sie auch unter die “Glaubenshelden“ gezählt (vgl. Hebräer 11, 31). Die Stadt wurde durch Josua zerstört (vgl. Josua 6, 1 – 27; Hebräer 11, 30) und verflucht (vgl. Josua 6, 26 mit 1. Könige 16, 34). Vor der Schlacht um Jericho begegnete Josua dort dem “Obersten des Heeres des Herrn“, einer Epiphanie des Herrn Jesus Christus. In 5. Mose 34, 5 wird die Stadt als “Palmenstadt“ bezeichnet, da die Umgebung der Stadt sehr fruchtbar und reich an Palmbäumen war (so auch in: Richter 1, 16; Richter 3, 13; 2. Chronika 28, 15;  2. Könige 25, 5; Jeremia 39, 5; Esra 2, 34; Nehemia 3, 2; Nehemia 7, 36). Der jüdische Historiker Jospehus Flavius geht im ersten Kapitel des fünften Buches seines Werkes “Jüdische Altertümer“ (Antiquitates Judaicae) auf die Stadt und ihre Geschichte ausführlich ein. In diesem Zusammenhang beschreibt auch er die landwirtschaftliche Fruchtbarkeit dieser Gegend. Nach Strong bedeutet der Name “wohlriechend“.  Gemäß Josua 18, 21 gehörte die Stadt zum Gebiet des Stammes Benjamin. Der Prophet Elisa vollbrachte in dieser Stadt sein erstes Wunder (vgl. 2. Könige 2, 18 – 22). Zur Zeit des Propheten Elisa lebten auch eine Anzahl anderer Propheten in dieser Stadt (vgl. 2. Könige 2, 4 – 5; 2. Könige 2, 15 + 18). Unter den Rückkehrern aus Babylon waren auch ehemalige Bewohner aus Jericho (Esra 2, 34; Nehemia 7, 36). Einige dieser Rückkehrer beteiligten sich auch an dem Wiederaufbau der Mauern Jerusalems (vgl. Nehemia 3, 2).
Die Stadt ist im Neuen Testament insbesondere als Wohnort des Zöllners Zachäus bekannt (vgl. Lukas 19, 1 – 10). Dabei ist zu beachten, dass es zur Zeit Jesu  zwei Städte mit Namen Jericho gab und zwar die alte, wiederaufgebaute Stadt Jericho und eine neue römische Siedlung gleichen Namens, die ungefähr zwei Kilometer entfernt lag. Während Matthäus und Markus sagen, dass der Herr Jericho verließ, spricht Lukas davon, dass das Wunder geschah, als der Herr nach Jericho kam. Auf den ersten Blick erscheint das wie ein Widerspruch. Es ist jedoch möglich, dass das Heilungswunder geschah, als der Herr die alte, wiederaufgebaute Stadt Jerusalem verließ (vgl. Matthäus 20, 29; Markus 10, 46) und die neue, von den Römern erbaute Siedlung betrat (vgl. Lukas 18, 35).
Es gilt zu bedenken, dass sich das in Markus 10, 46 f. berichtete Geschehen kurz vor dem Passahfest ereignete. Zu diesem Zeitpunkt im jüdischen Jahr waren große Menschenmengen auf dem Weg zum Tempel in Jerusalem. Dementsprechend mussten große Scharen von Pilgern, die aus Galiläa oder Peräa kamen, durch Jericho hindurch ziehen. Wie wir aus Lukas 18, 35 – 36 wissen, hatte auch der Herr die Stadt als Teil einer solchen Schar von Pilgern betreten.
Markus berichtet uns davon, wie der Herr während Seines Aufenthaltes in diesem Gebiet den Blinden Bartimäus, Sohn des Timäus, heilte.
Entgegen dem Bericht des Markus (und des Lukas) spricht Matthew von zwei Blinden, die durch den Herrn in Jericho geheilt wurden. Ein Grund dafür könnte sein, dass Bartimäus als blinder Bettler in diesem Gebiet sehr bekannt war. Nach meiner Überzeugung benennt Markus Bartimäus jedoch noch aus einem anderen Grund, auf den ich im nächsten Abschnitt genauer eingehen werde.

* “Und als er hörte, dass es Jesus, der Nazarener, sei, fing er an zu schreien und zu sagen: Sohn Davids, Jesus, erbarme dich meiner! Und viele fuhren ihn an, dass er schweigen solle; er aber schrie umso mehr: Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ – Markus 10, 47 – 48 – Nur im Markusevangelium wird der Herr Jesus Christus mit dem expliziten Titel “der Nazarener“ bezeichnet. Er bezieht sich auf die Stadt Nazareth, in der der Herr aufwuchs (Matthäus 2, 23; Lukas 2, 39 + 51; Lukas 4, 16). Die Stadt wird weder im Alten Testament, noch im Talmud oder bei Josephus Flavius erwähnt. Allerdings konnte durch archäologische Ausgrabung im Gebiet des heutigen Nazareth eine Besiedlung des Gebietes bis in die Zeit 2000 v. Chr. nachgewiesen werden. Zwischenzeitlich wurde auch ein Wohnhaus aus der Zeit Jesu ausgegraben¹. Man schätzt die Anzahl der Bewohner Nazareths zu dieser Zeit auf 200 bis 500 Personen.   Die Tatsache, dass Maria und Joseph in diesem Ort lebten, kann darauf hindeuten, dass eventuell ein größerer Teil der Davidischen Familien-Linie hier lebte.
Der Herr Jesus Christus erlebte in seiner Heimatstadt große Ablehnung. Ja, man wollte Ihn dort sogar zur Tode bringen (vgl. Lukas 4, 16 – 30). Aufgrund des Unglaubens der Bewohnerschaft Nazareths konnte der Herr dort nur wenige Wunder vollbringen (vgl. Markus 6, 1 – 6; Matthäus 13, 54 – 58). Kommentatoren verweisen auf die Verbindung des Namens der Stadt mit dem hebräischen Wort “נֵצֶר“ (“netser“), das mit “Spross“, “Reis“, “Zweig“, “Sprössling“ übersetzt werden kann. Im Alten Testament wird dieser Begriff im Zusammenhang mit dem verheißenen Messias erwähnt (vgl. Jesaja 11, 1; Jeremia 23, 5; Jeremia 33, 15; Sacharja 3, 8; Sacharja 6, 12; vgl. dazu auch: Offenbarung 5, 5; Offenbarung 22, 16).
Zusätzlich zu diesem Titel bezeichnet Bartimäus den Herrn Jesus Christus als den “Sohn Davids“. Dieser Titel ist ebenfalls ein messianischer Titel und zwar mit direktem Bezug zur Nation Israel (vgl. Markus 11, 9 – 10; Markus 12, 35 – 37; 2. Samuel 7, 8 – 16; Jesaja 11, 1 + 10; Jeremia 23, 5 – 6; Hesekiel 34, 23 – 24). Im Markusevangelium finden wir ihn nur in drei Versen (vgl. Mark 10, 47 – 48; Markus 12, 35)
Indem Bartimäus Even diese zwei messianischen Titel für den Herrn Jesus Christus benutzt, bringt er seinen Glauben an die Messianität Christi zum Ausdruck. Wir können davon ausgehen, dass diese Überzeugung, dieser Glaube an den Herrn Jesus Christus als den verheißenen und gekommenen Messias, sich auf das gründete, was Bartimäus über den Sohn Gottes gehört hatte. Durch diesen Glauben wurde der blinde Bartimäus befähigt, etwas zu sehen, das Menschen, die gesunde Augen aber keinen Glauben hatten, verborgen war. Sein Schrei um Gnade drückt seinen Glauben den Herrn Jesus Christus und das Vertrauen, das er in Ihn setzte, aus.
Während der Herr Jesus Christus in Markus 8, 30 den Anwesenden noch gebietet, seine wahre Identität nicht preis zu geben, so lässt Er es hier  zu. Der Grund dafür ist, dass Er sich bereits auf der letzten Wegstrecke nach Jerusalem befindet, wo seine messianische Bestimmung Erfüllung finden wird.
Doch während der Herr Jesus Christus positiv auf das Verlangen des Blinden reagiert, tut die anwesende Menschenmenge alles, um Bartimäus zum Schweigen zu bringen. Wir können nur spekulieren, was die Menge bewogen hat, so auf den blinden Bettler einzuwirken, ganz gewiss aber taten sie es nicht aus Barmherzigkeit und Liebe zu diesem Menschen. Wie anders ist da der Herr Jesus Christus! Selbst auf Seinem letzten Weg auf dieser Erde findet Er noch Zeit, sich diesem Bedürftigen zuzuwenden.

* “Und Jesus blieb stehen und sprach: Ruft ihn! Und sie rufen den Blinden und sagen zu ihm: Sei guten Mutes; steh auf, er ruft dich! Er aber warf sein Oberkleid ab, sprang auf und kam zu Jesus.“ –  Markus 10, 49 – 50 – Der Herr Jesus Christus reagiert auf den Schrei und den dadurch zum Ausdruck gebrachten Glauben des Bartimäus. Die Reaktion des Bartimäus zeigt deutlich, dass er davon überzeugt war, dass der Herr ihm helfen konnte.

* “Und Jesus hob an und sprach zu ihm: Was willst du, dass ich dir tun soll? Der Blinde aber sprach zu ihm: Rabbuni, dass ich wieder sehend werde. Und Jesus sprach zu ihm: Geh hin, dein Glaube hat dich geheilt. Und sogleich wurde er wieder sehend und folgte ihm nach auf dem Weg.“ Markus 10, 50 – 52 – Indem der Herr den Blinden nach seinem Begehren fragt, gibt Er ihm eine Möglichkeit, seinen Glauben deutlich zum Ausdruck zu bringen und in eine persönliche Beziehung zu Ihm zu treten. Der Begriff “Rabbuni“, den Bartimäus hier gebracht, bedeutet “mein Lehrer, mein Meister“ (vgl. Johannes 20, 16).  Indem Bartimäus den Herrn Jesus um die Heilung seines Augenlichts bittet, bekräftigt er nochmals seinen Glauben an Ihn als den verheißenen und gekommenen Messias, denn die Heilung von Blinden war als eines der Kennzeichen des Messias prophetisch vorhergesagt worden (vgl. Jesaja 35, 4 – 5; Jesaja 42, 7 + 16; Jesaja 61, 1). Der Herr reagiert auf den so zum Ausdruck gebrachten Glauben des Bartimäus. Er spricht “nur ein Wort“ (vgl. Matthäus 8, 8) und heilt Bartimäus. Die Reaktion des Bartimäus ist bezeichnend: Er (Bartimäus) folgte Ihm (Jesus Christus) auf dem Weg nach.

Hinweise für das persönliche Glaubensleben

Zusammenfassend können wir sagen, dass die Reaktion des Bartimäus, Christus nachzufolgen, genau die Reaktion war, von der der Herr in den Kapiteln 8 – 10 zu Seinen Jüngern gesprochen hatte. Auf diese Weise wird er zu einem Beispiel dafür, was es heißt, den wahren Charakter Jesu Christi zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Folgende konkrete Hinweise kann uns der Bericht über die Heilung des Bartimäus für unser persönliches Glaubensleben geben:

  • Glaube an Jesus Christus und Sein Wirken muss seine Grundlage im Wort Gottes haben (Römer 10, 17). Die Jünger, die dem Herrn schon viele Monate folgten, hatten diesen Glauben zu diesem Zeitpunkt ganz offensichtlich noch nicht, genauso wenig wie die Menschenmenge, die alles daran setzte, Bartimäus zum Schweigen zu bringen.
  • Das zeigt uns, dass das natürliche Sehen nicht unbedingt mit geistlicher Einsicht einhergehen muss.
  • Wer seinen Glauben an den Herrn Jesus Christus und Seine Hilfe zum Ausdruck bringt, muss mit Widerstand rechnen.
  • Gleichzeitig sollten jene, die dem Herrn Jesus Christus dienen, niemals durch den Widerstand der Masse davon abhalten lassen, sich den Bedürftigen in der Liebe des Herrn zuzuwenden.
  • Der Herr fordert jeden, der Ihm glaubt, auf, seinen Glauben und sein Verlangen konkret zu artikulieren. Auch wir sollten unsere Anliegen im Gebet dem Herrn gegenüber ganz konkret zum Ausdruck bringen.
  • Genau wie Bartimäus sollten auch wir ausdauernd sein, wenn wir unsere Anliegen dem Herrn vortragen.
  • Die persönliche Begegnung mit dem Herrn Jesus Christus führt – wie bei Bartimäus – immer in die Jüngerschaft bzw. Nachfolge. Ein Christsein ohne Nachfolge kennt das Neue Testament nicht.

 

Fußnoten:

¹= Israel Antiquities Authority: “For the Very First Time: A Residentital Building from the Time of Jesus was Exposed in the Heart of Nazareth (12/21/09): http://www.antiquities.org.il/article_eng.aspx?sec_id=25&subj_id=240&id=1638

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BAB am 01.05.2017

Bemerkenswertes aus der Blogosphäre … und von anderswo her:

* Lesenswert I : Zwinglius Redivivus: “It’s Time For Christianity to Say ‚This is Who We Are : Take it or Leave it“‘: Klick!

* Lesenswert II: The Guardian: “What is the historical evidence that Jesus Christ lived and died?“: Klick!

* Lesenswert III: kath.net.: “Berliner Lehrerin darf kein Kreuz an Halskette tragen“: Klick!

* Lesenswert IV / Hörenswert: Deutschlandfunk “Tag für Tag“: “UN-Sonderbotschafterin Nadja Murad: “Noch immer sind 3.000 Frauen und Kinder in IS-Gefangenschaft“: Klick!

* Sehenswert I:

Falls das Voideo im E-Mail-Abonnement nicht angezeigt wird: Klick!

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Dr. Simon Gathercole: “The Journeys of Jesus and Jewish Geography“

Dr. Simon Gathercole ist ein bekannter britischer Theologe, dessen Lehr- und Forschungsschwerpunkt auf dem Neuen Testament liegt. Er ist Senior Lecturer in New Testament Studies und Director of Studies at Fitzwilliam College an der Cambridge University. Zuvor war er sieben Jahre als Senior Lecturer in New Testament Studies an der University of Aberdeen, Scotland, tätig. .

Im Rahmen einer Veranstaltung der Lanier Library sprach Dr. Gathercole über die “The Journeys of Jesus and Jewish Geography“ und darüber, wie diese Reisen und die in den Evangelien dazu enthaltenen Angaben zur jüdischen Geographie einmal mehr die historische Glaubwürdigkeit der Evangelien untermauern:

Falls das Video im E-Mail-Abonnement nicht funktioniert: Klick!

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BAB am 24.04.2017

Bemerkenswertes aus der Blogosphäre … und von anderswo her:

* Lesenswert I / Hörenswert I: Deutschlandfunk “Tag für Tag“: “Christen in der Türkei: Hauptsache unauffällig“: Klick!

* Lesenswert II: Welt.de: “Neutralitätsgesetz: Berliner Schule verbietet Lehrerin einen Kreuz-Anhänger“: Klick!

* Lesenswert III: Siegerland-Kurier: “Richter entscheidet: Acht Monate altes baby muss sterben“: Klick! Zum Thema außerdem: “Judge Says Hospital Can Remove Baby’s Life Support Without His Parents’ Consent“: Klick!

* Lesenswert IV: Spiegel online: “Schweden Cyborg: Firma implantiert Mitarbeitern Microchips“: Klick! 

* Lesenswert / Sehenswert I: “Ant Medics Captured on Video Caring for Their Wounded Comrades“: Klick!


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[Repost] Stilberatung: Perfekt gekleidet! – Anmerkungen zu Kolosser 3, 1 – 17


Der heutige Ort Honaz in der Westtürkei nahe der ehemaligen Stadt Kolossä / Foto: Wikipedia, User: Blaberus

Der heutige Ort Honaz am Fuß des Berges Honaz in der Westtürkei, nahe der ehemaligen Stadt Kolossä Foto: Wikipedia, User: Blaberus

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Ein Bibelwort aus dem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser (zum Hintergrund des Kolosserbriefes siehe: Klick!) soll die Grundlage für die Wortverkündigung am morgigen Sonntag sein. Wir betrachten dieses Bibelwort im Zusammenhang mit der Thematik des Abschnitts, in dem wir ihn finden:

“Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so sucht, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Sinnt auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist; denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott. Wenn der Christus, unser Leben, offenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbart werden in Herrlichkeit. Tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind: Hurerei, Unreinheit, Leidenschaft, böse Lust und Habsucht, die Götzendienst ist, um derentwillen der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehorsams kommt; unter denen auch ihr einst gewandelt seid, als ihr in diesen Dingen lebtet.  Jetzt aber legt auch ihr das alles ab: Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung, schändliches Reden aus eurem Mund. Belügt einander nicht, da ihr den alten Menschen mit seinen Handlungen ausgezogen und den neuen angezogen habt, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Bild dessen, der ihn erschaffen hat; wo nicht ist Grieche und Jude, Beschneidung und Vorhaut, Barbar, Skythe, Sklave, Freier, sondern Christus alles und in allen. Zieht nun an, als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Sanftmut, Langmut, einander ertragend und euch gegenseitig vergebend, wenn einer Klage hat gegen den anderen; wie auch der Christus euch vergeben hat, so auch ihr. Zu diesem allen aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist. Und der Friede des Christus regiere in euren Herzen, zu dem ihr auch berufen worden seid in einem Leib; und seid dankbar. Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen, indem ihr in aller Weisheit euch gegenseitig lehrt und ermahnt mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern, Gott singend in euren Herzen in Gnade. Und alles, was immer ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus, danksagend Gott, dem Vater, durch ihn.“

(Kolosser 3, 1 – 17 ELBEDHÜ; z. Vgl.  LUTH’84)

Zum Hintergrund von Kolosser 3, 1 – 17

Nachdem Paulus in Kapitel 1 und 2 zuerst auf die Person und das Werk des Herrn Jesus Christus eingegangen ist (Kolosser 1, 15 – 29) legt er anschließend die Gefahren von Irrlehren dar und widerlegt dieselben (Kolosser 2, 1 – 23).  Danach wechselt der Apostel in Kapitel 3, 1 von den lehrmäßigen Themen dieses Briefes zu Themen der Glaubenspraxis. Wie soll die gelernte Wahrheit im Alltag angewandt werden? Nachdem er in Kolosser 3, 1 – 4 die grundlegenden Prinzipien des christlichen Lebens aufgezeigt hat, geht er dann auf die Art und Weise ein, wie diese Prinzipien in die Praxis umgesetzt werden sollen: Dinge, die nicht dem Wandel mit Christus entsprechen, gilt es abzulegen, d.h. auszuziehen wie ein altes Kleidungsstück  (Kolosser 3, 5 – 11) und Dinge, die den Wandel mit Christus fördern, gilt es anzulegen bzw. anzuziehen (Kolosser 3, 12 – 17).  Im Anschluss daran belehrt Paulus seine Leser in Kolossä,  wie die besprochenen Prinzipien in den Beziehungen, in denen der Christ steht (Kolosser 3, 18Kolosser 4, 1), gelebt werden können. 

Anmerkungen zu Kolosser 3, 1 – 17

* “Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so sucht, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Sinnt auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist; (…)“ Kolosser 3, 1 – 2 –  In diesen beiden Versen finden wir den Übergang von den Ausführungen des Paulus von den vorausgegangenen lehrmäßigen Themen zu den Themen der Glaubenspraxis. Paulus hatte in Kolosser 2, 1 – 23 vor verschiedenen falschen Lehren und ihren Gefahren für den Glauben des Christen gewarnt. Einige dieser Lehren, die besonders in der Region um Kolossä ihr Unwesen trieben, hatte er genannt und auch widerlegt. Doch der Widerstand gegen gefährliche Irrlehren ist nach Paulus nicht nur eine Frage des Verstandes und der lehrmäßigen Widerlegung. In Kolosser 3, 1 – 2 erinnert Paulus die Christen in Kolossä an ihre Stellung in Christus, ihrem Herrn. An diese Stellung gilt es sich zu erinnern und gemäß dieser Stellung gilt es zu leben. Nur so kann der Gläubige den genannten Irrlehren wirklich widerstehen. Seiner Stellung nach ist der Christ bereits jetzt mit Christus auferweckt. Menschen, die Jesus Christus als ihren Erlöser angenommen (Epheser 2, 8 – 9), Vergebung der Sünden (1. Johannes 1, 7 – 9) und Frieden mit Gott (Römer 5, 1) erfahren haben, sind dadurch bereits vom Tod zum Leben durchgedrungen und haben in der neuen Geburt (Johannes 3, 1 – 6) ewiges Leben empfangen. Christen haben also gemäß der Lehre der Heiligen Schrift in dieser Weise “das Grab bereits hinter sich“:

“Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.“

(Johannes 5, 24; ELBEDHÜ)

Die Identifikation des Gläubigen mit Christus in Seinem Tod, Seiner Grablegung und Seiner Auferstehung hatte Paulus bereits in Kolosser 2, 9 – 15 ausführlich dargelegt. Daraus folgt für den Apostel nun ein ganz bestimmtes Verhalten des Gläubigen: Weil der Christ seiner Stellung gemäß bereits mit Christus auferweckt ist, soll er das suchen und auf das sinnen, was dort ist, wo Christus ist und nicht auf irdische Dinge.  Manche haben aus dieser Aufforderung des Paulus den Schluss gezogen, der Christ solle sich beständig mit dem Himmel beschäftigen und viele Gläubige sind auf darauf nur zu gern eingegangen. Da wurden dann Predigten gehalten, in denen die Herrlichkeiten des Himmels bis in das kleinste Detail ausgeschmückt wurden. Doch das alles ist Unsinn und hat überhaupt nichts mit der Aufforderung des Apostels in Kolosser 3, 1 – 2 zu tun. Es geht nicht um die “Herrlichkeiten des Himmels“. Der Himmel hat keine wirkliche Herrlichkeit aus sich selbst. Und Christen, die nur deswegen “in den Himmel“ wollen, weil es ihnen dann dort besser geht als auf dieser Erde, haben überhaupt nicht verstanden, was der Kern des christlichen Glaubens ist. Der Himmel hat keine Herrlichkeit aus sich selbst. Der Himmel ist nur aus einem einzigen  Grund herrlich – weil dort der Herr Jesus Christus, der verherrlichte Sohn Gottes, jetzt zur Rechten Gottes, des Vaters, sitzt! Er ist das Zentrum des Himmels, ja der ganzen Schöpfung:

“Und er ist das Haupt des Leibes, der Versammlung, der der Anfang ist, der Erstgeborene aus den Toten, damit er in allem den Vorrang habe.“

(Kolosser 1, 18; ELBEDHÜ)

“(…) und hat alles seinen Füßen unterworfen und ihn als Haupt über alles der Versammlung gegeben,“

(Epheser 1, 22; ELBEDHÜ)

“Denn durch ihn sind alle Dinge geschaffen worden, die in den Himmeln und die auf der Erde, die sichtbaren und die unsichtbaren, es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: Alle Dinge sind durch ihn und für ihn geschaffen. Und er ist vor allen, und alle Dinge bestehen durch ihn.

(Kolosser 1, 16 – 17; ELBEDHÜ)

Es geht in keiner Weise um den Himmel, es geht um Jesus Christus – weil Er verherrlicht wurde und nun Seinen Platz zur Rechten des Vaters eingenommen hat, darum soll der Gläubige beständig seine Gedanken auf Ihn ausrichten.
In den vergangenen Jahren sind in christlichen Kreisen wieder vermehrt Bücher über den Himmel in Mode gekommen. Wir sollten damit jedoch nicht unsere Zeit verschwenden. Das Nachdenken über die Details des Himmels (egal ob diese biblisch belegbar sind oder von den Autoren solcher Bücher in die Bibel hinein interpretiert werden), fördert nur eine ungesunde innere Weltflucht der Gläubigen. Das aber ist genau das Gegenteil von dem, was Paulus beabsichtigt. Paulus zeigt uns in Kolosser 3, 1 – 2 den verherrlichten, zur Rechten Gottes sitzenden Herrn Jesus Christus. Er ist das Zentrum aller Macht und Autorität dieses Universums und mit Ihm sind wir durch den Glauben und die neue Geburt bereits jetzt so eng verbunden (Galater 2, 19 – 21), dass wir gleichsam mit Ihm auf diesem Thron gesehen werden:

“Gott aber, der reich ist an Barmherzigkeit, wegen seiner vielen Liebe, womit er uns geliebt hat, hat auch uns, als wir in den Vergehungen tot waren, mit dem Christus lebendig gemacht – durch Gnade seid ihr errettet, und hat uns mitauferweckt und mitsitzen lassen in den himmlischen Örtern in Christus Jesus, (…)“

(Epheser 2, 4 – 6; ELBEDHÜ)

Wenn Paulus uns also auffordert, unsere Gedanken auf das auszurichten, was “droben“ ist, dann sollen wir nicht unsere Gedanken auf irgendwelche Details des Himmels ausrichten. Das Nachdenken über “goldene Gassen“ oder “himmlische Wohnungen“ macht uns nicht stark für unser Leben als Christen auf dieser Erde. Aber das Wissen um bzw. das Erforschen der Tatsache, dass unser Herr Jesus Christus jetzt schon alle Macht im Himmel und auf Erden hat und dass Er diese Macht zu Gunsten all jener einsetzt, die Ihm vertrauen – das macht uns stark. Es geht nicht um “goldene Gassen“ oder “himmlische Wohnungen“, es geht allein um den verherrlichten und erhöhten Herrn Jesus Christus. Auf das zu sinnen, was “droben“ ist, bedeutet eben nicht, “himmlisch zu denken“ oder gar “den Himmel zu denken“, es bedeutet “Christus zu denken“. Nur so werden wir zu dem Leben in Lehre und Praxis befähigt, das Gott sich von uns wünscht. Das wird auch sehr klar, wenn wir uns daran erinnern, dass Paulus bereits in Epheser 2, nachdem er in den Versen 4 – 6 unsere Stellung in Christus im Himmel dargelegt hat, in Vers 10 desselben Kapitels folgende Konsequenzen für unseren Wandel auf dieser Erde ableitet:

“Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.

(Epheser 2, 10 ELBEDHÜ)

Unser Denken soll auf Ihn, den auferstandenen, verherrlichten, erhöhten und zur Rechten Gottes sitzenden Herrn Jesus Christus ausgerichtet sein – dann wird unser Leben nach Gottes Willen hier auf der Erde auch gelingen.

 

* “(…) denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott.“Kolosser 3, 3 – Mit diesen Worten verstärkt Paulus noch einmal das, was wir bereits gesehen haben: Der Stellung nach ist der Gläubige mit Christus gestorben, begraben, auferweckt und sitzt bereits jetzt mit Christus in der Himmelswelt (Epheser 2, 4 – 6) und dieses Leben des Christen ist gleichsam jetzt mit Christus verborgen in Gott, d.h., es ist für die Welt gegenwärtig unsichtbar. Aus dieser vor der Welt verborgenen Gemeinschaft mit Christus  bezieht der Gläubige seine Nahrung und Kraft (Hebräer 3, 1 f.; Hebräer 4, 14Hebräer 12, 2 – 3; Johannes 6, 33 i.V.m.  Johannes 3, 13). 

* “Wenn der Christus, unser Leben, offenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbart werden in Herrlichkeit.“Kolosser 3, 4 – Dieses Leben, das Christen gemäß ihrer von Gott gegebenen ihrer Stellung bereits jetzt im Verborgenen leben, wird dann offenbar, wenn Christus mit den Gläubigen auf diese Erde zurückkehrt, um Sein Reich aufzurichten (vgl. 2. Thessalonicher 1, 3 – 12). Gegenwärtig ist dieses Leben noch verborgen, dann jedoch wird es vor aller Welt offenbar sein.
In der Zwischenzeit gilt es nun, dass wir unser praktisches Leben auf dieser Erde in einer Weise gestalten, die der Stellung entspricht, die wir jetzt schon mit Christus im Himmel eingenommen haben. In diesem Zusammenhang stellt Paulus zuerst einmal klar, dass dem Gläubigen in Christus bereits alles geschenkt worden ist, was er zu einem solchen Leben braucht. Entgegen den Aussagen der in Kolosser 2 erwähnten Irrlehren braucht der Christ keine darüber hinausgehenden Offenbarungen oder Erfahrungen (vgl. auch 2. Petrus 1, 3). Jetzt gilt es auf der Grundlage dessen, was Gott uns in Christus geschenkt hat, zu handeln und zu leben und auf genau diese Glaubenspraxis wird Paulus in den folgenden Versen eingehen.

 

* “Tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind: Hurerei, Unreinheit, Leidenschaft, böse Lust und Habsucht, die Götzendienst ist, (…)“Kolosser 3, 5 – In den Versen 5 – 11 werden nun alle Verhaltensweisen angesprochen, die der Gläubige ablegen soll. Es sind Verhaltensweisen, die unser gottloses Leben geprägt haben, die aber mit unserer Stellung in Christus nicht vereinbar sind.  Das neue, ewige Leben, das Gott uns durch die “Geburt von oben“ (Johannes 3, 1 – 6) geschenkt hat, und die Gemeinschaft mit dem erhöhten Herrn Jesus Christus, befähigen uns auch zu einem Verhalten, das unserer Stellung in Christus entspricht. Es reicht nicht aus, um die göttliche Wahrheit nur zu wissen (Kolosser 1), es reicht auch nicht aus, die göttliche Wahrheit zu verteidigen (Kolosser 2), sie muss auch ausgelebt werden (Kolosser 3)! Hierin besteht ein entscheidender Unterschied zwischen den heidnischen Religionen und dem christlichen Glauben. Während in heidnischen Religionen Opfer zur Besänftigung der Gottheit die wichtigste Rolle spielen, geht es im christlichen Glauben darum, dass Gott Seinen eigenen Sohn dahin gibt, um den Menschen, die Ihm glauben ein neues, mit Seinem Willen übereinstimmendes Leben zu ermöglichen. Dementsprechend offenbart ein Mensch, dessen Leben von vielen Worten über den Glauben an Jesus Christus geprägt ist, gleichzeitig aber einen Christus entsprechenden Lebenswandel vermissen lässt, dass er nie neues Leben aus Gott empfangen hat (Titus 1, 16). Wenn Jesus Christus durch den Glauben in uns lebt (Kolosser 1, 27!), dann können wir nicht gleichzeitig willentlich und dauerhaft in Sünde leben (1. Johannes 3, 9; siehe Fußnote).
Diese Tatsachen voraussetzend, widmet sich Paulus jetzt einer ganzen Reihe von Sünden, die der Gläubige “töten“, d.h. aus seinem Leben verbannen, soll:

  1. Hurerei. Das griechische Wort “πορνεία“ (“porneia“) bezeichnet jeden sexuellen Verkehr außerhalb der Ehe (vgl. 1. Korinther 7, 9).
  2. Unreinheit. Das griechische Wort “ἀκαθαρσία“ (“akatharsia“) meint jede Art von Unreinheit, wobei in diesem Zusammenhang der Schwerpunkt auf moralischer Unreinheit liegt.
  3. Leidenschaft. Mit dem griechischen Wort “πάθος“ (“pathos“)  wird hier jedes unkontrollierte, unrechte Verlangen bezeichnet.
  4. Böse Lust, griechisch “επιθυμιαν κακην“ (“epithymian kaken“), hat die Bedeutung von bösem Verlangen in einem mehr allgemeinen Sinn.
  5. Habsucht, griechisch “πλεονεξία“ (“pleonexia“) ist das das materialistische Verlangen, immer mehr haben zu wollen und zwar unter Nichtbeachtung der Rechte und des Wohls anderer.

* “(…) um derentwillen der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehorsams kommt; unter denen auch ihr einst gewandelt seid, als ihr in diesen Dingen lebtet. Jetzt aber legt auch ihr das alles ab: Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung, schändliches Reden aus eurem Mund. Belügt einander nicht, da ihr den alten Menschen mit seinen Handlungen ausgezogen (…)“Kolosser 3, 6 – 9 – Es sind diese Verhaltensweisen, die so überhaupt nicht dem Wesen und Willen Gottes entsprechen, die schlussendlich das Gericht Gottes herausfordern. Und es sind diese Verhaltensweisen, die eine gottlose Welt kennzeichnen (Epheser 2, 3), von denen sich der Gläubige, der neues, göttliches Leben aus Christus empfangen hat, unbedingt distanzieren, ja trennen, muss (vgl. Kolosser 3, 8; Römer 8, 13; Epheser 5, 3 – 14).
Der Begriff  “Zorn Gottes“, den Paulus hier in Vers 6 benutzt (vgl. auch Epheser 5, 6!), findet sich im Neuen Testament gewöhnlich im Zusammenhang mit der Zeitperiode der “großen Trübsal“ (vgl. Matthäus 24, 20 – 21; 1. Thessalonicher 1, 10; 1. Thessalonicher 5, 9; Römer 5, 9).
Paulus führt in diesen Versen weitere Verhaltensweisen auf, die  dem neuen Leben in Jesus Christus nicht entsprechen und von denen sich Christen daher ganz eindeutig zu trennen haben:

  1. Zorn, grch. “ὀργή“ (“orge“), meint hier eine bösartige Leidenschaft, dem eigenen Ärger ohne Rücksicht auf andere freien Lauf zu lassen.
  2. Wut, grch. “θυμός“ (“thumos“), bezeichnet den verbalen, evtl. auch gewalttätigen  Ausbruch menschlichen Ärgers.
  3. Bosheit, grch. “κακία“ (“kakia“), ist der böse Wunsch, den Nächsten körperlich oder seelisch zu verletzen. 
  4. Lästerung, grch. “ βλασφημία“ (“blasphemia“), in der deutschen Sprache als Blasphemie, d.h. Gotteslästerung, bekannt, bezeichnet das beleidigende, lästernde Reden über Gott.
  5. Schändliches Reden, grch. “αἰσχρολογία“ (“aischrologia“), meint alles unsaubere, anzügliche Reden, das Menschen entehrt, denen wir doch Gnade erweisen sollen.
  6. Lüge, grch . “ψεύδομαι“ (“pseudomai“),  bezeichnet alles unwahre, betrügerische, verzerrende, manipulative Reden.

Die letzte Aufforderung des Paulus in diesem Vers “Belügt einander nicht“ steht in der Befehlsform. Vers 9 erläutert uns den Grund dafür und für alle vorausgehend abgelehnten Verhaltensweisen: Der “alte Mensch“ bezeichnet die Person des Christen bevor er von Gott mit Christus verbunden wurde. Alle Verhaltensweisen, die Paulus bisher aufgelistet hat, gehören zu diesem “alten Menschen“, im Leben des “neuen“, d.h. des mit Christus verbundenen Menschen, haben sie nichts mehr zu suchen. Sie sind schon längst mit Christus gestorben und begraben.

* “(…) und den neuen angezogen habt, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Bild dessen, der ihn erschaffen hat; (…)“Kolosser 3, 10  – Durch den Glauben an Jesus Christus und die Erfahrung der neuen Geburt, wird ein Mensch, der bisher “tot in Sünden“ und  „ein Kind des Zorns“ (Epheser 2, 1) war, zu einem “neuen Menschen“ in Christus (vgl. 2. Korinther 5, 17!). Dieser neue Mensch soll nun lernen, wie er sein praktisches Alltagsleben im Prozess der persönlichen Heiligung in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes führen kann.  Die Erkenntnis, von der Paulus hier spricht, bezieht sich auf die Erkenntnis der Person und des Willens Gottes. Sie ist die Voraussetzung für ein dem Willen Gottes entsprechendes Leben. Unsere persönliche Heiligung soll in eine wachsende Christusähnlichkeit münden. Nur auf diese Weise kann das Bildnis Gottes, nach dem der Mensch einstmals geschaffen wurde (1. Mose 1, 26 – 28) wiederhergestellt werden.  das aber ist Gottes Wunsch und Ziel mit uns.

* “(…) wo nicht ist Grieche und Jude, Beschneidung und Vorhaut, Barbar, Skythe, Sklave, Freier, sondern Christus alles und in allen.“Kolosser 3, 11 – Die Möglichkeit, ein neuer Mensch in Christus zu werden, ist völlig unabhängig von Rasse, Religion oder sozialem Status. Allein durch Jesus Christus empfangen wir alles, was zu der neuen Geburt (Johannes 3, 1 – 6; 2. Korinther 5, 17) und zum Wachstum in diesem neuen Leben notwendig ist. Er – Jesus Christus – lebt in jedem Gläubigen (Kolosser 1, 27) und will alle Bereiche seines Lebens mit Seiner Kraft durchdringen. Wo bisher ethnische, nationale, religiöse, kulturelle oder soziale Unterschiede eine wichtige Rolle spielten, ist die Person Jesu Christus nun allein maßgeblich. Während die in Kolosser 1 + 2 angesprochenen Irrlehrer behaupteten, dass die Kolosser zur Erlösung auch noch der Vermittlung von Engeln bedurften, stellt Paulus klar, dass Jesus Christus der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen ist (Kolosser 1, 18 – 22; Kolosser 2, 18; 1. Timotheus 2, 5). Während die genannten Irrlehrer Gesetzeswerke und Askese als Mittel zur persönlichen Heiligung anpriesen (Kolosser 2, 16 – 23),  macht Paulus deutlich, dass der Christ allein aus der Lebensgemeinschaft mit seinem Herrn Jesus Christus die Kraft zur persönlichen Heiligung empfängt (Kolosser 3, 3 – 4). Er – der auferstandene, verherrlichte und erhöhte Herr Jesus Christus -, ist alles, was der Christ braucht. “Er ist unser Leben“ (Kolosser 3, 4) und alles, was Menschen uns neben Ihm noch anpreisen wollen, ist einfach nur unnütz und schädlich. Denn es zieht unseren Fokus von der einzigen Quelle aller Kraft ab, die Gott uns gegeben hat. 

* “Zieht nun an, als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Sanftmut, Langmut, einander ertragend und euch gegenseitig vergebend, wenn einer Klage hat gegen den anderen; wie auch der Christus euch vergeben hat, so auch ihr. Zu diesem allen aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist.“Kolosser 3, 12 – 14 – Doch Paulus ermutigt seine Leser nicht nur, sich von einem Verhalten, das nicht ihrer Lebensbeziehung  mit Christus entspricht, eindeutig zu distanzieren bzw. solche Verhaltensweisen “abzulegen“. Er ermutigt die Christen in Kolossä (und uns!) außerdem, jene Verhaltensweisen “anzulegen“, die unserem Einssein mit Christus entsprechen. Erst wenn wir beides betrachten – das Ablegen des Negativen bzw. Alten und das Anziehen des Positiven bzw. Neuen, bekommen wir ein richtiges Verständnis von unserer Verantwortung als Christen in dieser Welt.  Wie ich bereits schrieb: Es reicht nicht aus, um die göttliche Wahrheit nur zu wissen (Kolosser 1), es reicht auch nicht aus, die göttliche Wahrheit zu verteidigen (Kolosser 2), sie muss auch ausgelebt werden (Kolosser 3)! Darum erinnert Paulus die Kolosser hier zuerst daran, wer bzw. was sie nun in Christus sind: Auserwählte Gottes, Heilige und Geliebte! Unser Denken, insbesondere auch unser Denken über uns selbst, bestimmt unser Handeln mehr, als uns oft bewusst ist. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass wir uns durch das Lesen des Wortes Gottes immer wieder vor Augen führen, wer wir in Christus sind und was unser Gott und Vater über uns denkt: Er hat uns erwählt, Er hat uns abgesondert für Ihn, Er hat uns zu Gegenständen Seiner unendlichen Liebe gemacht. Wenn wir diese wunderbaren Privilegien unserer heiligen Berufung (Epheser 4, 1; 2. Timotheus 1, 9) betrachten, verstehen wir auch, warum uns die folgenden Verhaltensweisen charakterisieren sollen:

  1. Herzliches Erbarmen, grch. “σπλαγχνα οικτιρμου“ (“splagchna oiktirmou“), kommt aus einem Herzen das sensibel ist und sich denen zuwendet, die sich in Not und anderen Leiden befinden.
  2. Güte, grch. “χρηστότης“ (“chrestotes“), bezeichnet moralisch-charakterliche Integrität, die in einem besonnenen Umgang mit anderen zum Ausdruck kommt.
  3. Demut, grch. “ταπεινοφροσύνη“ (“tapeinophrosune“), bedeutet, eine realistische Selbsteinschätzung zu besitzen, über die hinaus man nicht agiert (“Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben worden ist, jedem, der unter euch ist, nicht höher von sich zu denken, als zu denken sich gebührt, sondern so zu denken, dass er besonnen sei, wie Gott einem jeden das Maß des Glaubens zugeteilt hat.“ – Römer 12, 3).
  4. Sanftmut, grch. “πρᾳότης“ (“praotes“),  auch als “Milde“ übersetzt, ist ein Verhalten, dass nicht hart, arrogant oder egoistisch, sondern mit Rücksicht auf bzw. unter Einbeziehung anderer handelt.
  5. Langmut, grch. “μακροθυμία“ (“makrothumia“) bezeichnet die Fähigkeit, sich selbst zurückzunehmen. Sie schließt Ausdauer, Geduld und Beharrlichkeit ein.  Diese Fähigkeit wird durch die folgenden Verhaltensweisen ergänzt bzw. erweitert:
  6. Einander ertragen, grch. “ανεχομενο αλληλων“ (“anechomeno allelon“), meint den anderen höher als sich selbst zu achten und dabei auch bereit zu sein, Unannehmlichkeiten zu ertragen.
  7. Gegenseitige Vergebung, grch. “χαριζομενο εαυτοις“ (“charizomeno eautois“) muss nicht weiter erklärt werden. Sie schließt aus, dass man weiterhin gegenüber dem Menschen, dem man vergeben hat, Groll oder Anklagen aufrecht erhält.
  8. Liebe, grch. “ἀγάπη“ („agape“), können wir im Zusammenhang dieses Verses am besten verstehen als ein Handeln, das immer das Beste des Nächsten im Blick hat.

 

Alle in diesen Versen aufgeführten Verhaltensweise und Fähigkeiten zielen auf die zwischenmenschlichen Beziehungen des Gläubigen ab. Insbesondere in diesem Gebiet unseres Lebens soll also die geistliche Realität unseres Einsseins mit Christus zum Ausdruck kommen. Wer diese Verhaltensweisen/Fähigkeiten “anzieht“, der ist nach Paulus für den Umgang mit anderen Menschen “perfekt gekleidet“, sprich vollkommen ausgerüstet.
Über dem allen soll unser Verhalten und Handeln von Liebe gekennzeichnet sein. Sie ist es, die alle anderen “Kleidungsstücke“ wie eine Art Gürtel zusammen halten soll. Damit wird deutlich, dass die Liebe die Grundlage aller anderen Verhaltensweisen/Fähigkeiten ist. Doch bei dieser Liebe kann es sich nicht um unsere kleine, menschliche Liebe handeln, sie wäre dazu nie in der Lage. Es ist die Liebe Gottes, die durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen worden ist (Römer 5, 5). Nur diese göttliche Liebe ermöglicht es uns, in den Verhaltensweisen zu wachsen, die Paulus hier aufzählt. Denn im Gegensatz zu unserer kleinen, menschlichen Liebe, kommt die Liebe Gottes niemals an ihr Ende:

“Die Liebe ist langmütig, ist gütig; die Liebe neidet nicht, die Liebe tut nicht groß, sie bläht sich nicht auf, sie gebärdet sich nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich mit der Wahrheit, sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles. Die Liebe vergeht niemals …..“

(1. Korinther 13, 4 – 8; ELBEDHÜ)


* “Und der Friede des Christus regiere in euren Herzen, zu dem ihr auch berufen worden seid in einem Leib; und seid dankbar.“Kolosser 3, 15 – In den Versen 15 – 17 gibt Paulus uns nun wichtige Leitlinien, die das Leben des Gläubigen bestimmen sollen: Der Friede des Christus soll unsere Herzen regieren. Wir sollen unser Augenmerk und unsere Anstrengungen auf das richten, was diesen Frieden erhält und zwar zwischen uns und Gott (Philipper 4, 7), zwischen uns und unseren Mitgläubigen (Epheser 4, 3) und zwischen uns und allen Menschen (Römer 12, 18). Voraussetzung ist dabei immer, dass unser auf den Frieden mit anderen Mensch gerichtetes Verhalten nicht gegen den Willen Gottes verstößt (vgl. Johannes 14, 27; Apostelgeschichte 4, 19 – 20; Apostelgeschichte 5, 29). Wenn wir als Christen Entscheidungen treffen müssen, sollte die Frage, ob unsere Entscheidung von dem Frieden Christi in unserem Herzen begleitet wird, ausschlaggebend sein.
Paulus weist dann darauf hin, dass wir “zu einem Leib berufen“ worden sind. Unser Verhalten soll dieser durch den Heiligen Geist gestifteten Einheit der Gläubigen entsprechen. Beides – die Erfahrung des Friedens Christi und der Einheit der Gläubigen – soll uns zur Dankbarkeit gegenüber Gott führen und so ebenfalls unser Leben kennzeichnen.

* “Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen, indem ihr in aller Weisheit euch gegenseitig lehrt und ermahnt mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern, Gott singend in euren Herzen in Gnade.“Kolosser 3, 16 – Die dritte Leitlinie, an der wir uns ausrichten sollen, ist das “Wort des Christus“. Dieser Begriff findet sich nur an dieser Stelle des Neuen Testaments. Gemeint ist damit das ganze, durch Gottes Geist inspirierte Wort, wie wir es im Alten wie im Neuen Testament finden. Während das Alte Testament Christus verheißt und vorschattet, finden wir im Neuen Testament nicht nur die Erfüllung Seinem Kommen, sondern auch Seine Belehrungen in den Evangelien. Die Apostelgeschichte und die Briefe des Neuen Testaments wiederum vertiefen die Lehre Christ, während uns die Offenbarung die Verheißung Seiner Wiederkunft mitteilt. Dieses ganze Wort Gottes sollen wir nicht nur sporadisch lesen. Es soll “reichlich“ in uns wohnen. Wenn das Wort Christi reichlich in uns wohnen soll, dann müssen wir es reichlich aufnehmen! Sein Wort soll unser ganzes Sein durchdringen, so dass es unser ganzes Verhalten verändern, prägen und bestimmen kann. Der Gedanke, der dieser Aufforderung zugrunde liegt, ist, dass derjenige, der ein Haus  bewohnt (und nicht nur als Gast benutzt), der Herr dieses Hauses ist. Leider nehmen sich viele Christen viel zu wenig Zeit für das  Lesen, das Studieren oder Auswendiglernen des Wortes Gottes, so dass es eher einem zeitweisen Gast ähnelt, als dem Hausherrn.
Auch im gegenseitigen Umgang der Gläubigen miteinander soll das Wort Gottes Priorität haben. Wenn unsere Gespräche und die Lieder, die wir singen, vom Wort Gottes geprägt sind, dann werden wir einander auferbauen, ermutigen und stärken. Von welchen Inhalten sind die Gespräche gefüllt, die Sie – z.B. nach dem Gottesdienst – mit anderen Mitgläubigen führen?

* “Und alles, was immer ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus, danksagend Gott, dem Vater, durch ihn.“Kolosser 3, 17 – In Vers 17 fasst Paulus das bisher Gesagte zusammen. Auch wenn Paulus in den Versen zuvor bestimmte Verhaltensweisen anspricht und einige Leitlinien aufzeigt, die unser Leben als Christen prägen sollen, so geht es ihm doch nicht um die Einführung eines neuen Gesetzes oder neuer “Gebötlein“! Die Grundlage unseres Verhaltens ist: Alle unsere Worte und Taten müssen in Übereinstimmung mit dem offenbarten Willen unseres Herrn Jesus Christus stehen. Denn was wir tun, tun wir ja als Seine Jünger und unter Seiner Autorität (siehe Kolosser 3, 1 – 2!). Hier schließt sich der in Kolosser 3, 1 begonnen Kreis: Unsere Lebenspraxis soll immer mehr unserer Stellung in Christus entsprechen. Wenn dem nicht so ist, dann sind wir einfach nur Heuchler. Doch das muss nicht so sein. Gott hat uns in Christus alles gegeben, was wir zu einem Ihm wohlgefälligen Lebenswandel benötigen (2. Petrus 1, 3). Darum können wir Gott auch von Herzen dankbar sein. Es ist an uns, diese Gaben zu gebrauchen und einzusetzen, um in der praktischen Heiligung zu wachsen und so Christus immer ähnlicher zu werden.

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Aktuell wie vor 2000 Jahren (Ägypten)

… Christenverfolgung heute:

Ägypten steht auf Platz 22 des diesjährigen Weltverfolgungsindex. Damit befindet sich das Land ungefähr in der Mitte jener 50 Länder, in denen Christen weltweit am meisten verfolgt werden. Nach den Geschehnissen den letzten Wochen könnte sich diese Einordnung jedoch rasch ändern. Bereits in vergangenen Dezember wies die Gesellschaft für bedrohte Völker (Göttingen) darauf hin, dass die koptische Minderheit in Ägypten vermehrt Anschläge gegen ihre Angehörigen und ihre Kirchen befürchte: Klick! Auch der Deutschlandfunk griff dieses Thema in seiner Rubrik “Tag für Tag“ auf und bemerkte: “Anschlag auf eine koptische Kirche – das Bild vom friedlichen Zusammenleben zerbricht leicht“: Klick! Zuvor hatte die New York Times getitelt: “Egypt’s Christians Say They Are at a ‘Breaking Point’: Klick! Im Februar 2017 kam es zu vermehrten Bedrohungen, dann zu mehreren Morden und anschließend zu Vertreibungen von koptischen Christen im Sinai. Spiegel online berichtete: “Ägypten: Christen fliehen aus dem Nordsinai“: Klick! Die Jerusalem Post berichtete von sieben Toten in drei Wochen: “Egypt’s Christians flee Sinai admid IS Killing spree“: Klick! Und Die Zeit online titelte: “Christen in Ägypten: Haut ab oder ihr werdet sterben! – Der ‚Islamische Staat auf dem Sinai‘ hat den koptischen Christen den Krieg erklärt“: Klick!  Im März d. J. berichtete die taz.de unter dem Titel: “Koptische Christen in Ägypten: Sie schlachten uns ab wie Hühner“ von Todeslisten mit Namen von Christen und der mörderischen  Hetzjagd auf diese Gläubigen, die der ‚Islamische Staat‘  dort veranstaltet: Klick! Eine Meldung, die CNN mit Interviews von Betroffenen unterstrich: “Egyptian Christians flee after ISIS attacks“: Klick!  Auch das Magazin “Al Monitor“ griff die Vertreibungswelle auf. Es wies darauf hin, dass die Christen aus einem Gebiet vertrieben wurden, das nur 110 Kilometer von der ägyptischen Hauptstadt entfernt liegt. Auch zu den Ermordungen der sieben Christen machte das Magazin genaue Angaben: Fünf wurden erschossen, einer geköpft und ein weiterer verbrannt. Das Magazin wies auch darauf hin, dass bereits im Dezember 15 Menschen auf brutale Weise ermordet wurden, weil ISIS-Kämpfer ihnen eine Zusammenarbeit mit den ägyptischen Behörden unterstellten. Als Hintergrund bzw. Ziel dieser Aktionen vermutet “Al Monitor“, dass die Extremisten den ägyptischen Staat bloß stellen und destabilisieren wollen: “Why is IS targeting Copts in Sinai?“: Klick! Die Zeit online wies – ebenfalls im März – erneut auf das Schicksal der verfolgten Christen in Ägypten hin: “Christen als ‚bevorzugte Beute“‘: Klick!  Doch alle Warnungen der Medien und Hilferufe der Betroffenen schienen nichts zu nützen. Kurz vor Ostern kam es zu den tödlichen Anschlägen auf Kopten in Tanta und Alexandria, bei denen 40 Menschen starben. Der Deutschlandfunk berichtete in seiner Rubrik “Tag für Tag“ darüber und nannte als einen Grund für die Verfolgung der ägyptischen Christen, dass sie als “als Symbol für den Westen“ betrachtet würden: Klick! Kirchen in Südägypten haben daraufhin keine vorerst ihre Gottesdienste eingestellt: “Churches in southern Egypt will not celebrate Easter“: Klick! Und heute Nacht – also ganz aktuell – wurde das weltbekannte Katharinenkloster im Sinai angegriffen. Ein Mensch starb mehrere Menschen sollen verwundet worden sein:

  • AFP: “Shooting near Egypt monastry kills policeman“: Klick!
  • Reuters: “Gunmen kill policeman in attack near Egypt’s St. Catherine’s Monastry“: Klick!
  • Ynetnews: “ISIS claims responsibility for Sinai monastery attack“: Klick!
  • Zeit online: “Ägypten: Mindestens ein Toter bei Anschlag auf Katharinenkloster“: Klick!
  • Tagesschau.de: “Ägypten: Tödlicher Angriff auf Katharinenkloster“: Klick!

Ob der ägyptische Staat sich wirklich für den Schutz der christlichen Minderheit einsetzen wird und wenn ja mit welcher Vehemenz, ist fraglich. Wie die Gesellschaft für bedrohte Völker bereits 2016 berichtete, hat Ägypten ganz offensichtlich nicht vor, den Christen dort eine wirkliche Gleichbehandlung zukommen zu lassen: “Ägyptisches Parlament verabschiedet umstrittenes Gesetz zum Neubau von Kirchen“: Klick! Ein Artikel von Human Rights Watch scheint diese Einschätzung zu teilen: “Egypt’s Christians Flee ISIS Violence – Displaced Call Security Officials’ Response ‘Apathetic’“: Klick! Noch vor den Anschlägen in der Woche vor Ostern hatte die englische Ausgabe von “al Arabiya“ darauf hingewiesen, dass in Ägypten 3000 Fatwas von Extremisten dazu aufrufen, Kirchen zu zerstören: Klick!

„Gedenket der Gefangenen als Mitgefangene und derer, die Ungemach leiden, als solche, die selbst auch noch im Leibe leben.“

(Hebräer 13, 3)


 

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