[Repost] Begegnung mit dem Auferstandenen – Anmerkungen zu Lukas 24, 13 – 34

Master of the Prodigal Son Christ and his disciples (detail)

Treffen auf der Straße nach Emmaus * Foto: Master of the Prodigal Son (fl. circa 1530–1560) [Public domain], via Wikimedia Commons

Der Wortverkündigung am Mittwoch dieser Woche liegt ein Vers aus dem 24. Kapitel des Lukasevangeliums (zum Hintergrund des Lukasevangeliums siehe: Klick! und Klick!) zugrunde. Wie immer betrachten wir diesen Vers in seinem Kontext:

“Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tag in ein Dorf, mit Namen Emmaus, sechzig Stadien von Jerusalem entfernt. Und sie unterhielten sich miteinander über dies alles, was sich zugetragen hatte. Und es geschah, während sie sich unterhielten und sich miteinander besprachen, dass Jesus selbst sich näherte und mit ihnen ging; aber ihre Augen wurden gehalten, so dass sie ihn nicht erkannten. Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Reden, die ihr im Gehen miteinander wechselt? Und sie blieben niedergeschlagen stehen. Einer aber, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der Einzige, der in Jerusalem weilt und nicht erfahren hat, was in ihr geschehen ist in diesen Tagen? Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das von Jesus, dem Nazarener, der ein Prophet war, mächtig in Werk und Wort vor Gott und dem ganzen Volk; und wie ihn die Hohenpriester und unsere Obersten zur Verurteilung zum Tod überlieferten und ihn kreuzigten. Wir aber hofften, dass er der sei, der Israel erlösen solle. Doch auch bei all dem ist dies [heute] der dritte Tag, seitdem dies geschehen ist. Aber auch einige Frauen von uns haben uns außer uns gebracht: Am frühen Morgen sind sie bei der Gruft gewesen, und als sie seinen Leib nicht fanden, kamen sie und sagten, dass sie auch eine Erscheinung von Engeln gesehen hätten, die sagen, dass er lebe. Und einige von denen, die mit uns sind, gingen zu der Gruft und fanden es so, wie auch die Frauen gesagt hatten; ihn aber sahen sie nicht. Und er sprach zu ihnen: O ihr Unverständigen und trägen Herzens, an alles zu glauben, was die Propheten geredet haben! Musste nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Und von Mose und von allen Propheten anfangend, erklärte er ihnen in allen Schriften das, was ihn selbst betraf. Und sie näherten sich dem Dorf, wohin sie gingen; und er stellte sich, als wolle er weitergehen. Und sie nötigten ihn und sagten: Bleibe bei uns, denn es ist gegen Abend, und der Tag hat sich schon geneigt. Und er ging hinein, um bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch lag, dass er das Brot nahm und segnete; und als er es gebrochen hatte, reichte er es ihnen.
Ihre Augen aber wurden aufgetan, und sie erkannten ihn; und er wurde ihnen unsichtbar. Und sie sprachen zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er auf dem Weg zu uns redete und als er uns die Schriften öffnete? Und sie standen zu derselben Stunde auf und kehrten nach Jerusalem zurück. Und sie fanden die Elf und die, die mit ihnen waren, versammelt, welche sagten: Der Herr ist wirklich auferweckt worden und dem Simon erschienen.

(Lukas 24, 13 – 34 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

Zum Hintergrund von Lukas 24, 13 – 34

Unser heutiger Predigttext ist Teil eines größeren Abschnittes, in dem uns der Evangelist Lukas von zwei Begegnungen des Auferstandenen mit Seinen Jüngern berichtet (Lukas 24, 13 – 49). Im ersten Abschnitt (Lukas 24, 13 – 35) finden wir die Begegnung Jesu mit den beiden so genannten “Emmaus-Jüngern“. Im zweiten Abschnitt geht es um die Begegnung des Herrn mit Seinen Jüngern in Jerusalem. Kommentatoren weisen darauf hin, dass in beiden Begegnungen die Kenntnis und das Verständnis der Schriften des Alten Testaments eine entscheidende Rolle spielten.

Anmerkungen zu Lukas 24, 13 – 34

* “Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tag in ein Dorf, mit Namen Emmaus, sechzig Stadien von Jerusalem entfernt. Und sie unterhielten sich miteinander über dies alles, was sich zugetragen hatte.“ – Lukas 24, 13 – 14 – Mit der Aussage “zwei von ihnen“ schließt Lukas an den vorausgehenden Bericht an, in dem von den Jüngern in Jerusalem die Rede ist. Zwei von diesen “gingen an demselben Tag in ein Dorf, mit Namen Emmaus, sechzig Stadien von Jerusalem entfernt“.  Es wird uns nicht gesagt, wer diese zwei Personen waren. Erst später im Text erfahren wir den Namen von einem dieser Menschen: Kleopas (Vers 18).
Der Tag, an dem “zwei von ihnen“ diesen Weg auf sich nahmen, war der “erste Tag der Woche“, d.h. Sonntag, der Tag der Auferstehung. Dies war auch der erste Arbeitstag nach dem Passahfest und zugleich der Tag an dem die Erstlingsfrüchte im Tempel dargebracht wurden (vgl. 4. Mose 18, 12; 4 Mose 28, 26). Aus diesem Grund bezeichnet der Apostel Paulus den auferstandenen Herrn Jesus Christus als den “Erstling der Entschlafenen“ (vgl. 1. Korinther 15, 20 + 23).
Der Name “Emmaus“ bedeutet “warme Quelle“. Es gab in Israel verschiedene Orte mit diesem Namen bzw. Orte die diesen “Emmaus“ als Namenszusatz führten. Es herrscht unter den Archäologen keine Einigkeit darüber, wo genau das in diesem Vers erwähnte Emmaus zu lokalisieren ist. Es befand sich 60 Stadien, also etwas mehr als 11 Kilometer, von Jerusalem entfernt. Der deutsche Literaturwissenschaftler, Historiker und Papyrologe Dr. Carsten Peter Thiede war nach Ausgrabungen in Motza (auf der Strecke zwischen Tel Aviv und Jerusalem) überzeugt, dass die meisten Belege für diesen Ort sprechen würden.¹

* “Und es geschah, während sie sich unterhielten und sich miteinander besprachen, dass Jesus selbst sich näherte und mit ihnen ging; aber ihre Augen wurden gehalten, so dass sie ihn nicht erkannten.“ – Lukas 24, 15 – 16 – Die zwei Personen, die sich auf dem Weg nach Emmaus befinden, bekommen plötzlich Begleitung. Sie sind in ein Gespräch vertieft als der Herr Jesus Christus sich ihnen nähert und anschließt. Doch sie erkennen Ihn nicht, denn “ihre Augen wurden gehalten“, d.h, Gott hinderte sie daran, den Herrn zu erkennen  (vgl. Lukas 9, 45; Lukas 18, 34). 

* “Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Reden, die ihr im Gehen miteinander wechselt? Und sie blieben niedergeschlagen stehen. Einer aber, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der Einzige, der in Jerusalem weilt und nicht erfahren hat, was in ihr geschehen ist in diesen Tagen?“ – Lukas 24, 17 – 18 – Die Frage des Herrn unterbricht den Gang der beiden Jünger. Sie blieben “niedergeschlagen“ stehen.
Aus der Antwort des Kleopas wird deutlich, dass die Geschehnisse um den Herrn Jesus Christus (Sein Einzug in Jerusalem, Seine Prozesse, Seine Demütigungen und Seine Kreuzigung) in der vergangenen Tage, das Gespräch in Jerusalem gewesen sein müssen. Sowohl die Einwohner Jerusalems als auch die Passahfest-Besucher hatten zumindest davon gehört.
Kleopas betrachtete den Herrn Jesus Christus augenscheinlich als einen jener Passahfest-Besucher (“der Einzige, der in Jerusalem weilt“) und war dementsprechend überrascht, dass Er überhaupt eine solche Frage stellte.

* “Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das von Jesus, dem Nazarener, der ein Prophet war, mächtig in Werk und Wort vor Gott und dem ganzen Volk; und wie ihn die Hohenpriester und unsere Obersten zur Verurteilung zum Tod überlieferten und ihn kreuzigten.“ – Lukas 24, 19 – 20 – Der Herr Jesus Christus fragt nach. Damit fordert Er sie heraus, Ihm zu sagen, was sie bewegt und was ihnen wichtig ist. Was ist das Ergebnis dieser “Befragung“? Sie sahen in Jesus Christus einen “Propheten mächtig in Werk und Wort“, doch sie hatten nicht erkannt, dass Er der Prophet war (vgl. 5. Mose 18, 15 + 18) und der verheißene Messias-Erlöser war.

* “Wir aber hofften, dass er der sei, der Israel erlösen solle. Doch auch bei all dem ist dies [heute] der dritte Tag, seitdem dies geschehen ist.“ – Lukas 24, 21 – Im Gegensatz zu jenen jüdischen Autoritäten, die den Herrn abgelehnt, verurteilt und den Römern zur Kreuzigung übergeben hatten, hatten diese (jüdischen!) Jünger die Hoffnung, “dass er der sei, der Israel erlösen solle“. Diese Hoffnung war im jüdischen Volk (vgl. Lukas 24, 19 – 20) weit verbreitet (vgl. Lukas 1, 68; Lukas 2, 30 +  38; Lukas 21, 28). Allerdings sahen die meisten den Messias als einen politischen Befreier, von dem sie sich ein Ende der Besetzung durch die Römer erhofften. Die Hoffnung auf die geistliche Befreiung, die der Messias-Erlöser Seinem Volk bringen sollte, war in den Hintergrund getreten.
Ähnlich wie Johannes der Täufer bei einer anderen Gelegenheit (vgl. Lukas 7, 19), waren auch diese beiden Jünger von einem Gefühl der Entmutigung erfasst worden.
Die Aussage “bei all dem ist dies [heute] der dritte Tag, seitdem dies geschehen ist“ wird von einigen Kommentatoren als Anspielung auf eine rabbinische (biblisch nicht belegbare!) Lehre gedeutet, nach der man glaubte, dass die Seele noch drei Tage nach dem Tod in den Körper des zurückkehren könnte.² Obwohl die frühesten bekannten schriftlichen Belege für diese rabbinische Lehre aus dem dritten Jahrhundert nach Christus datieren, halten es Ausleger für möglich, dass dieses Gedankengut bereits zur Zeit Jesu in  Israel verbreitet war. (Auch die Aussage der Martha in Johannes 11, 39 kann  auf diesem Hintergrund betrachtet werden.)
Ob die nach Emmaus wandernden Jünger von besagtem rabbinischen Gedankengut beeinflusst waren oder nicht – eines steht fest: sie hatten alle früheren Hoffnungen aufgegeben.

* “Aber auch einige Frauen von uns haben uns außer uns gebracht: Am frühen Morgen sind sie bei der Gruft gewesen, und als sie seinen Leib nicht fanden, kamen sie und sagten, dass sie auch eine Erscheinung von Engeln gesehen hätten, die sagen, dass er lebe. Und einige von denen, die mit uns sind, gingen zu der Gruft und fanden es so, wie auch die Frauen gesagt hatten; ihn aber sahen sie nicht.“ – Lukas 24, 22 – 24  – Die Auferstehung des Herrn war den Jüngern auf dreifache Weise bezeugt worden:  durch die Engel, durch die Frauen und durch das leere Grab (Lukas 23, 56 – Lukas 24, 12). Doch diese Beweise hatten sie nicht überzeugt. Ihr Problem war, wie wir noch sehen werden, auch nicht die verstandesmäßige Annahme dieser Beweise.

* “Und er sprach zu ihnen: O ihr Unverständigen und trägen Herzens, an alles zu glauben, was die Propheten geredet haben! Musste nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“ – Lukas 24, 25 – 26 – Anstatt “ihr Unverständigen“ übersetzen andere “ihre Toren“. Die alttestamentarische Definition eines Toren ist ein Mensch, der weder sein Denken noch sein Verhalten durch das Wort Gottes beeinflussen lässt. Genau das war bei den bzw. diesen Jüngern der Fall. Sie kannten die Schriften des Alten Testaments, einschließlich der Propheten, seit ihrer Kindheit. Doch sie hatten nicht verstanden, was die Propheten sagten. Sie hatten übersehen, dass die Propheten nicht nur von einem siegreichen, herrschenden Messias sprachen, sondern auch davon, dass dieser Messias zuvor leiden und für die Sünden der Welt sterben musste. Anstatt alles zu glauben, was die Propheten verkündet hatten, konzentrierten sie sich nur auf das, was ihnen wichtig war. Hätten die Jünger dem ganzen offenbarten Willen Gottes geglaubt, dann hätte es keinen Grund zur Entmutigung gegeben, sondern Grund zur Freude.
Die Frage Christi: “Musste nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“  erinnert uns zum einen an die zahlreichen Gelegenheiten, bei denen der Herr den Jüngern Sein bevorstehendes Leiden ankündigte (vgl.  Lukas 9, 22; Lukas 17, 25), zum anderen aber auch an die vielen alttestamentarischen Prophetien über das Leiden des verheißenen Messias  (vgl. 1. Mose 3, 15; 5. Mose 18, 15 – 19; Psalm 2; Psalm 16; Psalm 22; Psalm 69; Psalm 118; Jesaja 53; Sacharja 10, 12 u.a.m.)

* “Und von Mose und von allen Propheten anfangend, erklärte er ihnen in allen Schriften das, was ihn selbst betraf.“ – Lukas 24, 27 –  Nun beginnt der Herr diese Jünger selbst zu belehren. Er erklärte ihnen in allen alttestamentarischen Schriften (d.h. in dem Gesetz, den poetischen Büchern und den Propheten) das, was Ihn betraf. Der Herr gab diesen Jüngern also keine allgemeine Belehrung, sondern fokussierte sich auf das, was die (alttestamentarischen) Schriften über Ihn sagten. Er ist das Thema eines jeden biblischen Buches. In den fünf Büchern Mose wird Er auf vielfältige Weise vorgeschattet, in den poetischen Schriften und in den Propheten wird Er verheißen. Er ist das Zentrum der ganzen Heiligen Schrift.

* “Und sie näherten sich dem Dorf, wohin sie gingen; und er stellte sich, als wolle er weitergehen. Und sie nötigten ihn und sagten: Bleibe bei uns, denn es ist gegen Abend, und der Tag hat sich schon geneigt. Und er ging hinein, um bei ihnen zu bleiben.“ – Lukas 24, 28 – 29 – Es ist bemerkenswert, dass der Herr diese Jünger nicht drängte, Ihm zu glauben. Er drängte sich ihnen auch sonst nicht auf (“er stellte sich, als wolle er weitergehen“). Er stellte Ihnen die Wahrheit Gottes vor Augen und überließ ihnen dann die Entscheidung, wie sie darauf reagieren wollten. Der Geist Gottes wirkte an ihren Herzen und sie verschlossen sich Seinem Wirken nicht. Dementsprechend wünschten sie mehr zu hören und nötigten ihren unbekannten Begleiter, über Nacht zu bleiben.

* “Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch lag, dass er das Brot nahm und segnete; und als er es gebrochen hatte, reichte er es ihnen. Ihre Augen aber wurden aufgetan, und sie erkannten ihn; und er wurde ihnen unsichtbar.“ – Lukas 24, 30 – 31 – Bei diesem Mahl nun handelte es sich nicht um ein Abendmahl, wie der Herr es wenige Tage zuvor mit Seinen Jüngern gefeiert hatte. Denn Kleopas und der andere Jünger hatten daran ja nicht teilgenommen und deshalb können wir hier nicht von einem “Wiedererkennungseffekt“ ausgehen. Außerdem lesen wir hier nur, dass der Herr Brot brach und es segnete. Der zu einem Abendmahl gehörende Wein wird nicht erwähnt.  Wir könnten höchstens davon ausgehen, dass Kleopas und der andere Jünger bei der Speisung der 5.000 (Lukas 9, 10 – 17) anwesend waren. Doch auch das wissen wir nicht mit Sicherheit. – Es ist viel spekuliert worden. “woran“ die beiden Jünger den Herrn erkannten. Waren es Seine durchbohrten Hände? Auch diesbezüglich finden wir keinerlei Hinweis in der Heiligen Schrift. Im Gegenteil – der Evangelist sagt, dass die Augen der Jünger während dieser Handlung, nicht: durch diese Handlung (!),  geöffnet wurden und sie den Herrn erkannten.
Erinnern wir uns an die Belehrung, die der Herr Seinen Jüngern im Zusammenhang mit dem Mahl in Johannes 14 – Johannes 16 gab? Dort sprach er ausführlich über das Wort Gottes und den Dienst des Heiligen Geistes. Er wies darauf hin, dass die, die Ihn lieben würden, auch Sein Wort halten würden (Johannes 14, 23 – 24) und dass der Heilige Geist die Jünger Jesu an alles erinnern würde, was Er Ihnen gesagt hatte (Johannes 14, 26). Es ist also der Dienst des Heiligen Geistes, der die Jünger verstehen ließ. Dieser Gedanke wird auch vom griechischen Grundtext unterstützt. Die Augen der Emmaus-Jünger “wurden aufgetan“ bzw. “geöffnet“ – durch Gott – und “sie erkannten ihn“. Sie erkennen den Herrn nicht an irgendwelchen (Kenn-)Zeichen, sondern durch Gottes souveränes Eingreifen im Zusammenhang mit Seinem Wort.
Dieses Wirken Gottes steht auch in völliger Übereinstimmung mit der großen Veränderung, die die Auferstehung Jesu Christi bewirkt hatte. Gemäß 2. Korinther 5, 7 wandeln alle Gläubigen nun “im Glauben und nicht im Schauen“. Glaube aber, kommt gemäß Römer 10, 17 aus dem Wort Gottes. In völliger Übereinstimmung damit, stellt sich der Herr Jesus Christus den “Emmaus-Jüngern“ nicht persönlich als der Auferstandene vor, sondern “legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war“. Diese Verkündigung des Wortes Gottes  war es, die unter dem Dienst des Heiligen Geistes Glauben in den Herzen der Jünger bewirkte.
Wir lesen dann, dass der Herr “verschwand“ bzw. “unsichtbar wurde“. Noch ehe sie Ihn weiter hätten fragen können, war Er – in dieser Form – nicht mehr da. Genauso war es übrigens bei der Begegnung des Herrn mit Maria (Johannes 20, 17). Er ließ nicht zu, dass diese Gläubigen sich an etwas anderem festhielten, als an Seinem Wort. (Hatte Er nicht zuvor gesagt: “Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, so würden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten auferstände.“ [Lukas 16, 31]? Nicht Zeichen und Wunder haben Kraft, die Herzen zu überführen, sondern allein das Wort Gottes [vgl. Hebräer 4, 12; Apostelgeschichte 20, 32; 2. Timotheus 3, 16 – 17].) Darum schreibt der Apostel Paulus später auch: “(…)  wenn wir auch Christus nach dem Fleisch gekannt haben, so kennen wir ihn doch nicht mehr so“ (2. Korinther 5, 16b).  Wir erkennen und kennen Ihn heute durch Sein Wort, die Heilige Schrift (vgl. auch 1. Petrus 1, 8).

* “Und sie sprachen zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er auf dem Weg zu uns redete und als er uns die Schriften öffnete?“ – Lukas 24, 32 – In Hebräer 12, 29 wird uns gesagt, dass “unser Gott ein verzehrendes Feuer ist“. Feuer ist im Neuen Testament ein Symbol für das Gericht Gottes. Die “Emmaus-Jünger“ waren nach den Worten des Herrn Jesus Christus Menschen mit einem “trägen Herzen“ (Vers 25). Sie glaubten nicht “alles, was die Propheten geredet hatten“. Dieser Zustand ihres Herzens musste gerichtet werden und genau das tat der Heilige Geist, während der Herr Jesus Christus ihnen den ganzen Ratschluss Gottes  darlegte. Doch diese Überführung des Heiligen Geistes verbrennt ihre Herzen nicht, sie setzt sie neu in Brand für ihren Gott.

* “Und sie standen zu derselben Stunde auf und kehrten nach Jerusalem zurück. Und sie fanden die Elf und die, die mit ihnen waren, versammelt, welche sagten: Der Herr ist wirklich auferweckt worden und dem Simon erschienen.“ – Lukas 24, 33 – 34 – Die Überführung von ihrem Unglauben führt im zweiten Schritt zum Glauben an den ganzen Ratschluss Gottes und damit auch zu neuer Kraft. So ausgerüstet können die beiden Jünger nicht in Emmaus bleiben. Obwohl es schon spät ist, machen sie sich wieder auf den Weg und kehren nach Jerusalem zurück, um den dort verbliebenen Jüngern mitzuteilen, was sie soeben erlebt haben. Als sie in Jerusalem ankamen, erfuhren sie, dass der Herr auch Simon, d.h. Petrus, erschienen war.

Lehren aus dem Emmaus-Geschehen

Wir wissen nicht, welche Gedanken die beiden Jünger bewogen haben, nach Emmaus zu gehen. Vielleicht hatte die Entmutigung, die in ihren Herzen Raum gewonnen hatte, sie dazu geführt, wieder in ihr Alltagsleben zurück zu kehren, wie es auch bei Petrus der Fall war (vgl. Johannes 21, 3). Was wir jedoch wissen, ist, dass der Herr Jesus Christus, der gute Hirte, ihnen auf diesem Weg nachgeht. Er überlässt diese Jünger  (wie auch Petrus) nicht der Entmutigung. Als Er Ihnen begegnet, drängt Er sich Ihnen nicht auf. Er fragt danach, was sie bewegt und sie – unwissend mit wem sie es hier zu tun haben – schütten ihr ganzes Herz vor Ihm aus. Dabei wird offenbar, dass sie ein sehr eingeschränktes Verständnis von der Person des Messias haben. Sie erwarteten einen siegreichen Messias und hatten alle Prophetien über das Leiden des Erlösers ausgeblendet. Ihre eingeschränkte Kenntnis, ihr eingeschränktes Verständnis des Wortes Gottes ließ sie entmutigt und verwirrt zurück. Erst als sie ihrem Herzen “Luft gemacht“ haben, kann der Herr sie belehren. Anfangend von Mose führt Er sie durch das ganze Alte Testament und zeigt ihnen, was die Heilige Schrift wirklich über Ihn sagt. Er führt sie durch das ganze Alte Testament. Was sie nun zu hören bekommen, überführt sie von ihrem eingeschränkten Verständnis. Doch gleichzeitig wird ihre “Kleinsicht“ von Gott durch die Einsicht ersetzt, dass Er viel größer ist, als sie es sich vorstellen können und dass Er auch jetzt alles in der Hand hat. Ihm ist nichts unmöglich. Als dieser Glaube von ihrem Herzen Besitz ergreift, werden ihre Augen aufgetan und sie erkennen den Auferstandenen. Erfüllt mit neuer Freude und Kraft werden die noch kurz zuvor entmutigten Jünger zu mutigen Zeugen des Auferstandenen.
Eine eingeschränkte Kenntnis des Wortes Gottes kann auch bei uns zu Entmutigung und Verwirrung führen, z. B. wenn sich die Dinge in unserem Leben nicht so entwickeln, wie wir es von Gott erwarten. Wenn wir unser Glaubensleben als “Cafeteria-Christen“ führen, die sich aus den Büchern der Heiligen Schrift ein Menü zusammenstellen, das ihnen schmeckt, dann werden wir früher oder später Entmutigung und/oder Verwirrung erfahren. Das ist jedoch nicht in Gottes Sinn. Der Herr wünscht, dass wir den ganzen Ratschluss Gottes kennen, “damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werke ausgerüstet.“ (2. Timotheus 3, 16 – 17).  Dazu müssen wir das Wort Gottes mit dem Herzen erfassen, es in unserem Herzen bewegen, damit es in unserem Herzen Wurzeln schlagen kann. Wenn wir also feststellen, dass Entmutigung und/oder Verwirrung sich in unserem Leben ausbreiten wollen, dann sollte uns das zur intensiven Beschäftigung mit dem Wort Gottes, der Heiligen Schrift, motivieren. Durch Sein Wort wird uns der auferstandene Herr Jesus Christus überführen und neu ausrichten, uns mit neuer Freude und Kraft erfüllen, so dass wir mutige Zeugen für Ihn sein können.



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BAB am 17.04.2017

Bemerkenswertes aus der Blogosphäre … und von anderswo her:

* Lesenswert I : Frankfurter Allgemeine Zeitung: “’Entkolonialisierung‘ an Londoner Hochschule“: Klick!

* Lesenswert II: Premier Christianity: “Allowing the Koran to be read in church is wrong. It’s why I’ve resigned as Chaplain to the Queen.“: Klick!

* Lesenswert III: The Express Tribune: “Ancient Jewish scrolls found in north Afghanistan“: Klick!

* Lesenswert IV: The Smithsonian.com: “Huge Wine Cellar Unearthed at Biblical Era Palace in Israel“: Klick!

* Sehenswert I:


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Felix Mendelssohn – Verleih uns Frieden

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Dr. Mark Bailey: „The Value of the Cross“

Eine Andacht zum Karfreitag von Dr. Mark Bailey, Präsident des Dallas Theological Seminary und Professor für biblische Exegese, über den Wert des Kreuzes:

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[Repost] Leben statt labern – Anmerkungen zu Markus 11, 12 – 26

Vijgenboom R01

Feigenbaum mit Früchten * Foto: By Marc Ryckaert (MJJR) (Own work) [CC-BY-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Am morgigen Sonntag soll ein weiteres Bibelwort aus dem Markusevangelium  (zum Hintergrund des Markusevangeliums siehe: Klick!) betrachtet werden. Wir lesen dazu Markus 11, 12 – 26 (LUTH’84):

„Und am nächsten Tag, als sie von Betanien weggingen, hungerte ihn. Und er sah einen Feigenbaum von ferne, der Blätter hatte; da ging er hin, ob er etwas darauf fände. Und als er zu ihm kam, fand er nichts als Blätter; denn es war nicht die Zeit für Feigen. Da fing Jesus an und sprach zu ihm: Nun esse niemand mehr eine Frucht von dir in Ewigkeit! Und seine Jünger hörten das. Und sie kamen nach Jerusalem. Und Jesus ging in den Tempel und fing an auszutreiben die Verkäufer und Käufer im Tempel; und die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler stieß er um und ließ nicht zu, dass jemand etwas durch den Tempel trage. Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben (Jesaja 56,7): »Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker«? Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht. Und es kam vor die Hohenpriester und Schriftgelehrten, und sie trachteten danach, wie sie ihn umbrächten. Sie fürchteten sich nämlich vor ihm; denn alles Volk verwunderte sich über seine Lehre. Und abends gingen sie hinaus vor die Stadt.Und als sie am Morgen an dem Feigenbaum vorbeigingen, sahen sie, dass er verdorrt war bis zur Wurzel. Und Petrus dachte daran und sprach zu ihm: Rabbi, sieh, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt Glauben an Gott! Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berge spräche: Heb dich und wirf dich ins Meer!, und zweifelte nicht in seinem Herzen, sondern glaubte, dass geschehen werde, was er sagt, so wird’s ihm geschehen. Darum sage ich euch: Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr’s empfangt, so wird’s euch zuteil werden. Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemanden habt, damit auch euer Vater im Himmel euch vergebe eure Übertretungen.“

Anmerkungen zu Markus 10, 12 – 26

Dieser Bericht im Markusevangelium ist in vielen Bibeln mit der Überschrift “Die Verfluchung des Feigenbaums“ überschrieben. Wenn wir uns mit dieser Begebenheit beschäftigen, dann sollten wir beachten, dass es sich dabei um einen von mehreren Berichten im Markusevangelium handelt, die wir als “unterbrochene“ Berichte bezeichnen können. Im Markusevangelium finden sich insgesamt vier solcher “unterbrochener Berichte“ (vgl. Markus 3, 20 – 35; Markus 5, 21 – 43 und Markus  6, 7 – 31). Die hieraus erkennbare Struktur ist entscheidend für die Auslegung. Im Fall von Markus 10, 12 – 26 können wir folgende Abschnitte erkennen:

  • Der Herr verflucht den Feigenbaum.
  • Der Herr reinigt Er den Tempel.
  • Der Herr kehrt zurück zu dem verfluchten Feigenbaum und belehrt die Jünger über das Zeichen, das Er an diesem Baum vollbracht hat.

Alle drei Abschnitte behandeln dasselbe Thema und führen es zu einem Höhepunkt.

Die Verfluchung des Feigenbaums

* “Und als sie am folgenden Tag von Betanien weggegangen waren, hungerte ihn. Und er sah von weitem einen Feigenbaum, der Blätter hatte, und er ging hin, ob er wohl etwas an ihm fände; und als er zu ihm kam, fand er nichts als Blätter, denn es war nicht die Zeit der Feigen. Und er begann und sprach zu ihm: Nie mehr in Ewigkeit soll jemand Frucht von dir essen! Und seine Jünger hörten es.“ – Markus 11, 12 – 14 – Verschiedene Fragen ergeben sich aus diesem Bericht:
* * Während der Herr und Seine Jünger von Betanien nach Jerusalem gehen, sieht der Herr einen Feigenbaum. Was nun folgt, muss jeden mit der Flora Israels nicht vertrauten Bibelleser verwundern. Markus berichtet, dass der Herr Jesus Christus den Feigenbaum betrachtete, um zu sehen, ob Er daran Frucht fände. Dann sagt der Evangelist, dass der Herr keine Frucht fand und weist darauf hin, dass “es nicht die Zeit der Feigen war“. Anschließend beschreibt er die Verfluchung des Feigenbaums durch den Herrn. Jeder Leser muss sich doch fragen, warum der Herr einen Baum verflucht, der keine Früchte trägt wenn es doch gar nicht “die Zeit“ ist, in der dieser Baum normalerweise Früchte trägt? Die Verwirrung verschwindet, wenn man sich näher mit dem Feigenbaum beschäftigt: Der Feigenbaum kennt mehrere Blütezeiten. Im März/April entstehen mit den ersten Blättern in der Regel so genannte Vor-Früchte. Diese kleineren Vorfrüchte sind essbar und müssen vorhanden sein, wenn später – im Juni, also der eigentlichen “(Ernte-)Zeit der Früchte“ – die großen Feigen vorhanden sein sollen. Da diese Vor-Früchte mit den ersten Blättern wachsen, ist jedes neue Blatt ein Hinweis auf diese Vor-Früchte und damit auch ein Hinweis auf eine gute spätere Ernte der großen Früchte.  Der Baum, den der Herr nach begutachtete, verfügte offensichtlich über ein beachtliches Blattwerk, lies jedoch die zu erwartende Vor-Frucht völlig vermissen. Auf diese Weise vermittelte das Äußere des Baumes einen Zustand, der nicht gegeben war. Von ihm waren auch in Zukunft keine Früchte zu erwarten.
* * Warum verfluchte der Herr den Feigenbaum? Eine Antwort, die uns schnell über die Lippen geht, ist: “Weil er keine Frucht brachte!“ Doch seien wir vorsichtig, mit solchen schnellen Antworten! Der Herr sah diesen Feigenbaum als eine Gelegenheit an, um Seine Jünger mittels eines prophetischen Zeichens zu lehren. Diese Art der Unterweisung war den Jünger aus dem Alten Testament gut bekannt (vgl. z.B. Jesaja 20, 1 – 6; Jeremia 13, 1 – 11; Jeremia 19, 1 – 13; Hesekiel 4, 1 – 15 u.a.m.) Der Herr verfluchte den Feigenbaum nicht primär, weil dieser keine Frucht gebracht hatte. Dieser Baum illustrierte in deutlicher Weise das Verhalten eines großen Teiles des irdischen Volkes Gottes. Seit Jahrhunderten hatte Gott danach Ausschau gehalten, dass dieses Volk Frucht brachte, so wie der Herr Jesus Christus an diesem Feigenbaum nach Frucht suchte (vgl. Jeremia 8, 13; Hosea 9, 10; Micha 7, 1; Nahum 3, 12; Sacharja 10, 2 u.a.) Nach außen hin schmückte sich dieses Volk mit beeindruckenden religiösen Riten und Werken. Doch wie bei dem Feigenbaum, der trotz seines prachtvollen Blattwerks keine Frucht trug, so fand sich auch bei einem großen Teil dieses Volkes  trotz aller äußeren Religiosität keine wahre innere Frucht für Gott (vgl. Markus 7, 6; Markus 11, 15 – 19 +  27 – Markus 12, 40). Der Herr Jesus Christus hatte diese äußerliche Religiosität als das bezeichnet, was sie war: Heuchelei. Unter einem Heuchler versteht das Neue Testament einen Menschen, zwischen dessen äußeren  Verhalten und seinem wirklichen Zustand eine Lücke klafft. So, wie der Feigenbaum durch sein beeindruckendes Blattwerk den Anschein erweckte, dass er reichte Vor-Frucht trug, so vermittelten diese Menschen durch ihre beeindruckenden religiösen Riten und Werke, dass sie in den Willen Gottes täten und für ihn geistliche Frucht brachten. Doch zwischen dem äußeren Schein und dem inneren wahren Sein bestand eine große Diskrepanz. Heuchler reden viel über den Glauben, leben ihn aber nicht wirklich. Sie meine, durch fromme Reden und eine äußerliche Scheinfrömmigkeit Gott und Menschen beeindrucken zu können. Doch während der Mensch nur das sieht, was “Vor Augen ist“, blickt Gott tiefer und sieht das menschliche Herz mit allen seinen verborgenen Beweggründen (1. Samuel 16, 7).  Der Fluch erfolgt also nicht primär aufgrund der Fruchtlosigkeit, sondern aufgrund der Vortäuschung von Frucht. Nicht die geistliche Fruchtlosigkeit eines großen Teils des Volkes wird von dem Herrn in erster Linie verurteilt, sondern der Versuch, Gott mittels äußerer Aktivitäten über das Nichtvorhandensein von geistlicher Frucht hinweg zu täuschen. Diese Heuchelei ist nicht nur Lüge, sie ist auch ein Affront gegen die Allwissenheit Gottes.
* * Dass der Feigenbaum im Alten wie im Neuen Testament ein Bild für das Volk Israel ist, ist unbestreitbar (vgl. Hosea 9, 10; Joel 1, 7; Matthäus 24, 32; Lukas 21, 29-31). Unterschiede gibt es bei der Auslegung jedoch in der Frage, ob die Verfluchung des Feigenbaums ein Symbol für das Gericht Gottes über das ganze Volk oder nur für Teile dieses Volkes darstellt. Immer wieder haben Kommentatoren in dem Feigenbaum ein Symbol für das ganze Volk Israel gesehen, dass keine Frucht der Buße hervorgebracht hätte (vgl.  Jeremia 8, 13; Hosea  9, 10, 16; Lukas 13, 6 – 9 u.a.m.) Von dieser Prämisse ausgehend, verstiegen sich sogar einige zu der Aussage, das ganze Volk Israel sei verflucht. Dieser irrigen Ansicht, die zur so genannten Ersatztheologie geführt hat, widerspricht der Apostel Paulus in den Kapiteln 9 – 11 des Römerbriefes. Gott hat Israel zwar für eine Zeit in Seinem Plan beiseite gesetzt, aber Er hat es nicht für immer verworfen!  Andere Ausleger sehen in dem Feigenbaum ein Symbol für jene Generation im Volk Israel, die den Herrn Jesus Christus als Messias ablehnte. Nach ihrer Ansicht ist das Gericht Gottes über diese Generation dadurch vollzogen worden, dass Gott Sein Reich zurückgehalten hat. Eine dritte Gruppe von Auslegern sieht in dem Gericht über den Feigenbaum das Gericht Gottes über einen Teil des Volkes Israel, nämlich über jene Heuchler,  die nach außen hin den Schein von geistlicher Frucht abgaben, innerlich jedoch diese Frucht vermissen ließen (vgl. Matthäus  6, 2 + 5 +  16; Matthäus 7, 5; Matthäus 15, 7; Matthäus 22, 18; Mattthäus 23, 1 – 39). Als Heuchler hatte der Herr die Händler im Tempel, die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und die Pharisäer bezeichnet, nicht jedoch die Kinder, die Blinden, die Lahmen, die Armen oder andere Menschen, die glaubensvoll zu ihm kamen, ihre Sünden bekannten und diese bereuten. Wie der Feigenbaum trotz seiner vielen Blätter, keine Frucht hervorbrachte, so waren jene Heuchler trotz ihrer äußerlich zur Schau gestellten Religiosität geistlich unfruchtbar. Die dritte Auslegungsmöglichkeit halte ich im Kontext der ganzen Begebenheit für die zutreffendste.

Die Reinigung des Tempels

Die Reinigung des Tempels war die zweite Offenbarung, mit der der Herr Jesus Christus sich dem Volk Israel öffentlich als Messias vorstellte. Die erste Offenbarung dieser Art stellt der Einzug in Jerusalem wenige Tage zuvor  dar (vgl. Markus 11, 1 – 11).

* “Und sie kommen nach Jerusalem. Und er trat in den Tempel und begann die hinauszutreiben, die im Tempel verkauften und kauften; und die Tische der Wechsler und die Sitze der Taubenverkäufer stieß er um. Und er erlaubte nicht, dass jemand ein Gerät durch den Tempel trug.“ – Markus 11, 15 – 16 – Der  Vorhof der Heiden, also der äußerste Vorhofbereich innerhalb der Tempelmauern, ähnelte mehr einem Marktplatz, denn einer Anbetungsstätte. Insbesondere während der großen Feste des jüdischen Kalenders kauften Tempelbesucher in Jerusalem Opfertiere und wechselten zu diesem Zweck auch Geld. Damit die Festteilnehmer diese Geschäfte abwickeln konnten, waren  ursprünglich vier kleinere Markplätze am Ölberg eingerichtet worden. Die Existenz dieser Marktplätze ist nach Victor Eppstein historisch belegt. Sie macht zudem deutlich, dass es eines weiteren Marktplatzes innerhalb des heiligen Tempelbezirkes nicht bedurft hätte. Trotzdem wurde ein solcher fünfter Marktplatz innerhalb des Vorhofs der Heiden eingerichtet und die Erlaubnis dazu hatte niemand anderes als der Hohepreister Kaiphas (im Jahr 30 n. Chr.) erteilt¹.
In der Reinigung des Tempels wird erneut die Autorität Jesu deutlich: es ist die Autorität des Messias. Dieser “Sohn Davids“ (vgl. Matthäus 21, 9 + 15) reinigt das Haus Seines Vaters. In Vers 16 macht Markus das ganze Ausmaß der Tempelreinigung deutlich. In diesem machtvollen und zugleich prophetisch-zeichenhaften Handeln des Messias erfüllten sich auch die Worte aus Psalm 69, 10 deutlich:

“Denn der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt, und die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.“

* “Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben: „Mein Haus wird ein Bethaus genannt werden für alle Nationen“? Ihr aber habt es zu einer „Räuberhöhle“ gemacht.“ Markus 11, 17 – Obwohl die Erfüllung der hier von dem Herrn Jesus Christus zitierte Verheißung aus dem Buch des Propheten noch in der Zukunft lag, war die Absicht, die Gott mit dieser Aussage verband eindeutig:  Der Tempel sollte ein Haus des Gebets für alle Völker sein. Doch der Ort, der von Gott zu diesem heiligen Zweck ausgesondert worden war,  war zu einem Platz des Gelderwerbs und der Gewinnsucht degradiert worden. Die geistlichen Leiter des Volkes hatten erlaubt, dass aus diesem heiligen Ort, ein Ort  voll von weltlichem Handel und Betrug wurde. Damit hatten sie nicht nur völlig entgegen des in Jesaja 56, 7 zum Ausdruck gebrachten Willens Gottes gehandelt, sie hatten auch dem Kommen des Reiches Gottes entgegen gewirkt. Denn die Heiligkeit und Reinheit des Tempels war und ist gemäß Sacharja 14, 21 eine Voraussetzung für die Errichtung des messianischen Friedensreiches:

“(…) und jeder Kochtopf in Jerusalem und in Juda wird dem HERRN der Heerscharen heilig sein; und alle Opfernden werden kommen und von ihnen nehmen und darin kochen. An jenem Tag wird es keinen Viehhändler mehr geben im Haus des HERRN der Heerscharen.

Gottes Wunsch war es, dass Sein Tempel in Jerusalem auch Menschen aus den Nationen offen stand. Jeder Nichtjuden, der ein Verlangen nach Gott hatte, sollte hier die Möglichkeit haben, Gott zu nahen und zu Ihm zu beten. Indem die  geistlichen Leiter Israels diesen Ort zu einem Marktplatz umfunktionierten, hatten sie damit den Zugang zu Gott für die Nationen fast unmöglich gemacht. Sie hatten  den Platz für die Anbetenden aus den Nationen mit Marktständen besetzt. Auf diese Weise brachten sie auch zum Ausdruck, dass sie eine Beziehung der Nationen zu ihrem Gott gar nicht wünschten. Sie sahen ihre exklusive Stellung als Volk Gottes durch das weite Herz Gottes, dass alle Menschen einlädt, gefährdet. Ansehen, Exklusivität, angebliche religiöse Privilegien, bedeutete ihnen mehr, als die Liebe Gottes zu den Menschen. Wohl sprachen auch die Hohenpriester und Schriftgelehrten von der Liebe Gottes. Doch ihr Handeln sprach eine ganz andere Sprache. Indem der Herr Jesus Christus den Tempel reinigte, machte Er nicht deutlich, dass der Tempel Ihm und nicht den geistlichen Führern Israels gehörte. Mehr noch: Indem Er Jesaja 56, 7 zitierte, offenbarte Er erneut, dass Er Gott ist.

* “Und die Hohenpriester und die Schriftgelehrten hörten es und suchten, wie sie ihn umbringen könnten; sie fürchteten ihn nämlich, denn die ganze Volksmenge geriet außer sich über seine Lehre. Und wenn es Abend wurde, gingen sie zur Stadt hinaus.“ Markus 11, 18 – 19 – Wie es um den wahren Herzenszustand eines Menschen wirklich bestellt ist, zeigt sich immer dann, wenn das, worauf dieses Herz am meisten ausgerichtet ist, angegriffen wird.  Die Worte und das Handeln Jesu brachten die herausgehobene Stellung und den Reichtum der Hohenpriester und der Mitglieder des Sanhedrins in Gefahr. Die Folge war, dass sie Pläne schmiedeten, wie sie Ihn töten könnten. Später sollte die Intensität ihres Hasses noch zunehmen (vgl. Markus 11, 27 – Markus 12,  37). Von allen Evangelisten ist es nur Markus, der davon berichtet, dass sie den Herrn fürchten. der Grund für ihre Furcht, war, dass die Lehre Jesu immer mehr Einfluss unter den Volksmassen, die zur Zeit des Passahfestes weiteren Zulauf durch die zahlreichen Festpilger hatten, gewann (vgl. Markus 1, 22; Markus 6, 2; Markus 7, 37; Markus 10, 26). Markus berichtet auch, dass der Herr mit Seinen Jüngern abends die Stadt verlies. Wie wir aus Lukas 21, 37 wissen, verbrachten sie die Nächte auf dem Ölberg, zeitweise aber auch in Bethanien (vgl. Markus 11, 11).

Die Lehre im Zusammenhang mit dem verdorrten Feigenbaum

* “Und als sie am Morgen an dem Feigenbaum vorbeigingen, sahen sie, dass er verdorrt war bis zur Wurzel. Und Petrus dachte daran und sprach zu ihm: Rabbi, sieh, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt Glauben an Gott! Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berge spräche: Heb dich und wirf dich ins Meer!, und zweifelte nicht in seinem Herzen, sondern glaubte, dass geschehen werde, was er sagt, so wird’s ihm geschehen. Darum sage ich euch: Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr’s empfangt, so wird’s euch zuteil werden. Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemanden habt, damit auch euer Vater im Himmel euch vergebe eure Übertretungen.“ – Markus 11, 20 – 26 – Dort, wo die Lutherübersetzung  davon spricht, dass der Feigenbaum “bis zur Wurzel“ verdorrt war, findet sich in  genaueren Übersetzungen “von den Wurzeln an verdorrt“. Diese Übersetzung ist auch besser nachvollziehbar: Der Tod setzte sich, ausgehend von der Quelle der Nahrung des Baumes, durch den Stamm in alle Äste hindurch fort. Die Wurzeln stehen hier symbolisch für die geistlichen Leiter der  Nation Israel. Ihre geistliche Heuchelei würde für den geistlichen Tod des “Baumes“ verantwortlich sein. Petrus brachte das Absterben des Baumes mit dem Gericht, das Jesus Christus über diesen ausgesprochenen hatte, in Verbindung.
Anstatt jedoch die symbolische Bedeutung des Gerichts über den Feigenbaum näher zu erläutern, sprach der Herr über das, was dem Wunder zugrunde lag. Diese wichtige Lehre hatten die Jünger bereits bei vorausgehenden Gelegenheiten von ihrem Meister gehört (vgl. Matthäus 6, 13 – 14; Matthäus 7, 7; Matthäus 17, 20; Matthäus 18, 19; Lukas 11, 9; Lukas 17, 6). Wir können diese Lehre in einem einzigen Satz zusammenfassen: Gebet, die in völlig abhängigem Vertrauen auf Gott dargebracht werden, können menschlich Unmögliches bewirken (vgl. Jakobus 1, 6), denn Gott allein ist die Quelle und Kraft dieser Veränderungen. Aus dieser Aussage Jesu wird deutlich, dass Er Seine Vollmacht und Autorität ganz allein aus der engen Lebens- und Vertrauensbeziehung zu seinem Vater empfing. Auch die Jünger des Herrn empfangen alles, was sie brauchen und einsetzen nur aus dieser Lebens- und Vertrauensbeziehung. Einige Kommentatoren weisen darauf hin, dass die Aufforderung: “Habt Glauben an Gott!“ auch als Ermutigung: “Ihr habt den Glauben Gottes!“ übersetzt werden kann. Versteht man die Aussage in dieser Weise, dann liegt der Schwerpunkt auf dem Wirken Gottes, was biblisch ist, und nicht auf dem Wirken des Menschen. Alle Jünger des Herrn haben diesen Glauben empfangen und deswegen können wir auch vertrauensvoll beten. Der Betende soll seinen Blick auf das richten, was Gott ihm schon geschenkt hat und dementsprechend handeln.
Der Hinweis darauf, dass mittels des Glaubens an Gott Berge versetzt werden können, ist zum einen natürlich ein symbolischer Ausdruck für die Kraft des ganz auf Gott vertrauenden Gebets. Zum anderen findet sich in dieser Aussage aber auch eine prophetische Verheißung. In Sacharja 14, 4 + 10 verheißt Gott das buchstäbliche Versetzen eines bestimmten Berges, nämlich des Ölberges:

“Und seine Füße werden stehen zu der Zeit auf dem Ölberg, der vor Jerusalem liegt nach Osten hin. Und der Ölberg wird sich in der Mitte spalten, vom Osten bis zum Westen, sehr weit auseinander, sodass die eine Hälfte des Berges nach Norden und die andere nach Süden weichen wird. (..) Und das ganze Land wird verwandelt werden in eine Ebene, von Geba bis nach Rimmon im Süden. Aber Jerusalem wird hoch liegen und an seiner Stätte bleiben, vom Tor Benjamin bis an die Stelle des ersten Tors, bis an das Ecktor, und vom Turm Hananel bis an des Königs Kelter.“

Dieses Geschehen wird sich ereignen, wenn der Sohn Gottes wiederkommen und das Reich Gottes buchstäblich aufrichten wird. Das Kommen dieses Reiches, das die geistlichen Führer Israels durch die Verunreinigung des Tempels verhinderten, wird ermöglicht durch das glaubensvolle Gebet der Nachfolger Jesu. Aus diesem Grund hatte der Herr Seine Jünger auch gelehrt, um das Kommen dieses Reiches zu bitten: “Dein Reich komme, Dein Wille geschehe …“ (Matthäus 6, 10) Dieses Gebet ist ein Gebet in völliger Übereinstimmung mit dem Willen Gottes. Darum steht auch überhaupt nicht in Frage, dass es erhört werden wird.

Hoffnung für Heuchler

Wie wir gesehen haben, geht es bei der Verfluchung Feigenbaumes zuerst um die Problematik der Heuchelei und erst in zweiter Linie um die Frage des Fruchtbringens. Geistliche Heuchelei oder Scheinheiligkeit waren nicht nur ein Problem der geistlichen Führer Israels zur Zeit des irdischen Wirkens Jesu. Auch der Apostel Paulus musste seinen Mitarbeiter Timotheus vor Menschen warnen, die unter dem Schein eines christlichen Lebens in der Gemeinschaft der Gläubigen aufhielten, jedoch innerlich von ganz anderen Motiven angetrieben wurden:

“(…) sie haben den Schein der Frömmigkeit, aber deren Kraft verleugnen sie (…)“

(2. Timotheus 3, 5)

Wir haben also keinen Grund, selbstgefällig auf die geistlichen Führer Israels zur Zeit Jesu zu zeigen und ihre Heuchelei zu verurteilen, sondern sollten uns der Tatsache bewusst sein, dass es auch unter dem Namen des Christentums immer Heuchler/Scheinheilige gegeben hat und bis zum Ende geben wird. Wenn der Apostel hier schreibt, dass solche Menschen die Kraft wahrer Frömmigkeit vermissen lassen, dann sagt er damit nichts anderes, als dass sie in Wahrheit keine Lebensbeziehung zu dem Erlöser, dem Herrn Jesus Christus, haben. Denn aus dieser Beziehung allein erwächst dem Gläubigen die Kraft, durch die er ein Leben nach dem Willen Gottes führen kann. Solche Menschen haben also nie Buße getan (Apostelgeschichte 2, 38) und die erlösende Liebe Gottes in Jesus Christus angenommen (Epheser 2,8). Sie nennen sich vielleicht Christen, aber Christus spielt in ihrem Leben nur eine Nebenrolle.
Wie schwerwiegend in den Augen Gottes solche Scheinheiligkeit ist, haben wir am Beispiel der geistlichen Führer Israels gesehen. Nach einer Gnadenzeit von 40 Jahren, ereilte sie im Jahr 70 n. Chr das angekündigte göttliche Gericht (Markus 13, 1 – 2). Wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, Gott würde die Heuchelei, die unter dem Namen des Christentums  begangen wird, weniger ernst nehmen und ungestraft lassen. Heuchler, so sagt es der Herr Jesus Christus selbst, werden keinen Platz bei Gott haben (Matthäus 24, 51). Doch es gibt Hoffnung für Heuchler: Für jeden, der erkannt hat, dass er zwar den Namen “Christ“ trägt, aber kein göttliches Leben bleibend in sich hat, besteht heute die Möglichkeit, zu Gott umzukehren, seine Sünde zu bekennen, Vergebung zu empfangen und in eine Lebensbeziehung zu Gott einzutreten. Wichtig ist, dass Sie diese Chance, die Gott Ihnen heute gibt, wahrnehmen:

“Aus diesem Grund mahnt uns der Heilige Geist: »Wenn ihr heute die Stimme Gottes hört, dann verschließt euch seinem Reden nicht!“

(Hebräer 3, 7 – 8)

Fußnoten:

¹= Victor Eppstein: “The Historicity of the Gospel Account of the Cleansing of the Temple“ in:  Zeitschrift für die neutesamentliche Wissenschaft, 55, Jahrgang 1964, Seite 42 – 58.

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Was mich heute ermutigt hat (05.04.2017)

Wasserkrug als Brunnen * Foto: Couleur / Pixabay

“Und Gideon kam an den Jordan; er ging hinüber, er und die dreihundert Mann, die bei ihm waren, ermattet und nachjagend.“ (Richter 8, 4; ELBEDHÜ)

“’ermattet und nachjagend“, nicht ‚ermattet und aufgebend‘.

Wir haben es wie Gideon mit Dem zu tun, der “dem Müden Kraft gibt und dem Unvermögenden Stärke darreicht in Fülle“ (Jesaja 40, 29).

Es ruht Segen darauf, wenn wir gelernt haben, in unserer Schwachheit und Mattigkeit die Fülle der Gnade und Kraft in Anspruch zu nehmen, die uns in Christus zur Verfügung steht.

Uns wird zugerufen: ‚Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke.‘ Und wem gilt das? Dem, der keine Kraft in sich selbst hat, der den Lauf aufgeben würde, wenn ihm nicht immer wieder neue Kraft von oben zuströmen würde (Epheser 6, 10).

Ist ein Sieg errungen – der Kampf beginnt von neuem. Stehen wir in Gefahr, im Geist zu ermatten? Lasst uns trotzdem weitergehen, denn unser Gott gibt uns Kraft in Fülle.

Heute gab es genug Böses, und es gab genug Gnade. Morgen wird es wieder genug Böses geben, aber auch genug Gnade. Was wir brauchen, ist dies, Tag für Tag für Gott und von Gott zu leben. Er ist treu.“

(J.N. Darby – Auszüge aus dem heutigen Abschnitt aus dem Kalender “Der Herr ist nahe“; 05.04.2017)

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[Repost] Die Fußwaschung – Anmerkungen zu Johannes 13, 1 – 20

 Das Glasfenster Nummer 23 (Mitte, Detail) in der Sint Janskerk in Gouda/Niederlande:

Das Glasfenster Nummer 23 (Mitte, Detail) in der Sint Janskerk in Gouda/Niederlande: „Die Fußwaschung“ * Foto: Joachim Köhler via Wikimedia commons

Ein Vers aus dem Kontext der Fußwaschung stehen im Fokus der Wortverkündigung am Mittwoch dieser Woche. Er ist dem 13. Kapitel des Johannesevangeliums  (zum Hintergrund des Johannesevangeliums siehe: Klick!) entnommen und soll nachfolgend in seinem Zusammenhang betrachtet werden:

“Vor dem Fest des Passah aber, als Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, dass er aus dieser Welt zu dem Vater hingehen sollte – da er die Seinen, die in der Welt waren, geliebt hatte, liebte er sie bis ans Ende. Und während des Abendessens, als der Teufel schon dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot, ins Herz gegeben hatte, ihn zu überliefern, steht [Jesus], wissend, dass der Vater ihm alles in die Hände gegeben hatte und dass er von Gott ausgegangen war und zu Gott hingehe, von dem Abendessen auf und legt die Oberkleider ab; und er nahm ein leinenes Tuch und umgürtete sich. Dann gießt er Wasser in das Waschbecken und fing an, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem leinenen Tuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war. Er kommt nun zu Simon Petrus, [und] der spricht zu ihm: Herr, du wäschst mir die Füße? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, weißt du jetzt nicht, du wirst es aber nachher verstehen. Petrus spricht zu ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus antwortete ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du kein Teil mit mir. Simon Petrus spricht zu ihm: Herr, nicht meine Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt!  Jesus spricht zu ihm: Wer gebadet ist, hat nicht nötig, sich zu waschen, ausgenommen die Füße, sondern ist ganz rein; und ihr seid rein, aber nicht alle. Denn er kannte den, der ihn überliefern würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein. Als er ihnen nun die Füße gewaschen und seine Oberkleider genommen hatte, legte er sich wieder zu Tisch und sprach zu ihnen: Versteht ihr, was ich euch getan habe? Ihr nennt mich Lehrer und Herr, und ihr sagt es zu Recht, denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und der Lehrer, euch die Füße gewaschen habe, so seid auch ihr schuldig, einander die Füße zu waschen.
Denn ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit, wie ich euch getan habe, auch ihr tut. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ein Knecht ist nicht größer als sein Herr, noch ein Gesandter größer als der, der ihn gesandt hat. Wenn ihr dies wisst, glückselig seid ihr, wenn ihr es tut. Ich rede nicht von euch allen, ich weiß, welche ich auserwählt habe; aber damit die Schrift erfüllt würde: „Der mit mir das Brot isst, hat seine Ferse gegen mich erhoben.“ Von jetzt an sage ich es euch, ehe es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, glaubt, dass ich es bin. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer aufnimmt, wen irgend ich senden werde, nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.“

(Johannes 13,  1- 20 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

Zum Hintergrund von Johannes 13, 1 ff.

In den synoptischen Evangelien (Matthäus, Markus und Lukas) finden wir die Berichte über den Umgang des Herrn mit Seinen Jüngern und Ihre Belehrung durch Ihn inmitten der Berichte über Seinen Dienst für die manchmal sehr großen Menschenmengen. Im Johannesevangelium finden wir eine stärkere Trennung dieser beiden Bereiche des Dienstes Jesu (auch wenn es zeitweise Überschneidungen gibt). Besonders deutlich wird dies in den Kapiteln 1317, die sich ganz auf den letzten Dienst des Herrn an Seinen Jüngern konzentrieren. Die in diesen Kapiteln niedergelegte Belehrung, das wird bei ihrer Lektüre deutlich, sollte die Zwölf für ihre Hirtenaufgabe innerhalb der Versammlung (= Gemeinde/Kirche) vorbereiten. Der Zeitpunkt, an dem der Herr diese Belehrungen gab, ist heilsgeschichtlich bedeutsam. Kurz zuvor hatten die religiösen Führer Israels Jesus Christus als den verheißenen Messias Gottes endgültig verworfen (Matthäus 12, 23 – 43). Das aber führte dazu, dass das Reich Gottes von ihnen genommen und seine Aufrichtung zeitlich verschoben wurde (vgl. Matthäus 8, 12; Matthäus 21, 43; Apostelgeschichte 1, 6 – 7).
Während der Evangelist Johannes den Herrn Jesus Christus im ersten großen Abschnitt seines Evangeliums als einen Lehrer zeigt, der zuerst ein Wunder tut und die Bedeutung dieses Wunders anschließend Seinen Zuhörern erklärt, ist dies im zweiten großen Abschnitt genau umgekehrt: Der Herr belehrt Seine Jünger über die Bedeutung Seines Todes, bevor Er zum Kreuz geht und anschließend aufersteht.

Anmerkungen zu Johannes 13, 1 – 20

* “Vor dem Fest des Passah aber, als Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, dass er aus dieser Welt zu dem Vater hingehen sollte – da er die Seinen, die in der Welt waren, geliebt hatte, liebte er sie bis ans Ende.“Johannes 13, 1 – Wie wir bereits bei anderen biblischen Betrachtungen festgestellt haben, sind Abschiedsreden vor dem Tod einer Person in der Heiligen Schrift von großer Bedeutung (vgl. 5. Mose 31 – 33; Josua 23 – 24; Apostelgeschichte 20, 1 ff.). Keine dieser Abschiedsreden hat jedoch ein solches Gewicht, wie jene, die uns Johannes in den Kapiteln  1317 überliefert.  Unser Herr stellte vor Seine Abschiedsreden eine sehr praktische Lektion, die Er im Anschluss daran mit einer Belehrung verband: die Fußwaschung (Johannes 13, 1, – 11).
Johannes betont, dass das nun folgende Geschehen während des Passah-Festes statt fand. Mit dem ersten Passah-Mahl wurde die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten, die am Morgen danach statt fand, eingeleitet. In ähnlicher Weise stellt das im Folgenden von Johannes geschilderte Mahl die Hinführung zu der Befreiung bußfertiger Menschen von der Macht der Sünde und des Todes  (Römer 8, 2) durch die am Kreuz von Golgatha kurz darauf vollbrachte Erlösung dar. Doch diesmal sollte sich diese Befreiung und Erlösung nicht nur auf ein einzelnes Volk beschränken, sondern allen Menschen  die Möglichkeit der Rückkehr zu Gott eröffnen. Verschiedene Kommentatoren weisen darauf hin, dass das Wort “κόσμος“ (“kosmos“) in diesem Abschnitt des Johannesevangeliums besonders häufig gebraucht wird (ca. 40-mal). Wenn Johannes hier von “Welt“ spricht, ist damit die Erde mit allen ihren Bewohnern gemeint. Aus der großen Zahl aller Verloren, hatte der Herr zuerst Seine Jünger erwählt. Diese Jünger, die an Ihn glaubten, sollten nach Seinem Tod, Seiner Auferstehung und Himmelfahrt in dieser Welt bleiben, um Sein Evangelium zu verkündigen. Obwohl Gottes Liebe allen Menschen gilt (Johannes 3, 16), spricht Johannes hier von der besonderen Liebe, die der Herr zu Seinen Jüngern hatte: Er liebte sie “bis ans Ende“. Die Worte “bis ans Ende“ (“εις τελος“; “eis telos“)  können auch mit “bis zum Äußersten“ übersetzt werden. Wir können sie so verstehen, dass der Herr Jesus Christus Seinen Jüngern mit Seinem herannahenden Tod am Kreuz das ganze Maß Seiner Liebe offenbaren würde (vgl. Johannes 15, 13!)
Da unser Herr wusste, dass Seine Stunde nun gekommen war (vgl. Johannes 12, 23 f.), bereitete Er Seine Jünger darauf noch intensiver vor, als Er dies bereits in den vorausgehenden Wochen getan hatte.

* “Und während des Abendessens, als der Teufel schon dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot, ins Herz gegeben hatte, ihn zu überliefern, (…)“ Johannes 13, 2 – Das Abendessen, von dem Johannes hier spricht, war das bereits erwähnte Passah-Mahl. Offenbar wusch der Herr die Füße Seiner Jünger nachdem dieses Passah-Mahl aufgetragen worden war (vgl. Johannes 13, 4 + 26). Johannes macht deutlich, dass der Herr Judas die Füße wusch, obwohl dieser bereits beschlossen hatte, seinen Herrn und Meister zu verraten. Diese Tatsache führt dem Leser noch einmal die Größe der Liebe Jesu vor Augen.


* “(…) steht [Jesus], wissend, dass der Vater ihm alles in die Hände gegeben hatte und dass er von Gott ausgegangen war und zu Gott hingehe, von dem Abendessen auf und legt die Oberkleider ab; und er nahm ein leinenes Tuch und umgürtete sich. Dann gießt er Wasser in das Waschbecken und fing an, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem leinenen Tuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.“Johannes 13, 3 – 5 – Im völligen Bewusstsein Seiner Ihm von Gott übertragenen Autorität, wäscht der Herr Jesus Christus nun die Füße Seiner Jünger. Wie wir wissen, war dies der Dienst, den normalerweise der niedrigste Knecht in einem Haus versah (vgl. dazu auch Johannes 1, 27).  Indem sich der Sohn Gottes so weit erniedrigt,  wird erneut das ganze Ausmaß, die Größe Seiner Liebe, deutlich. Er, der Größte unter ihnen, übernimmt die Aufgabe des niedrigsten Knechtes. Anstatt den herausgehobenen Platz eines Pharisäers oder Schriftgelehrten zu beanspruchen (vgl. Matthäus 23, 2), nimmt Er den Platz eines Dieners ein. Damit zeigt Er Seinen Jüngern aber nicht nur Seine Liebe, Er gibt Ihnen auch ein Beispiel, dem sie folgen sollten. Indem der Herr Sein Oberkleid ablegte und sich mit einem leinenen Tuch umgürtete, kleidete er sich wie ein Haussklave (vgl. Philipper 2, 6 – 7).  Seine demütige Haltung des Dienens würde sich von der Fußwaschung bis zu Seinem Tod am Kreuz fortsetzen (vgl. Philipper 2, 8).
Normalerweise fand eine solche Fußwaschung beim Betreten des Hauses des Gastgebers eines solchen Mahles statt. Dabei wurden den Gästen die Füße von einem Hausknecht gewaschen. Doch hier war alles anders. Neben den Jüngern und ihrem Herrn  war kein Hausknecht anwesend und die Jünger hatten es ganz offensichtlich nicht für notwendig gehalten, sich die Füße zu waschen. Dazu waren sie auch viel zu sehr mit sich selbst und der Frage, wer unter ihnen der Größte sei (vgl. Lukas 22, 24) beschäftigt. – Was für ein Beispiel der Liebe: Während Seine Jünger nur an sich selbst und ihre “Größe“ denken, nimmt Ihr Herr, der Sohn Gottes, der Schöpfer der Welt (Hebräer 1, 2; Kolosser 1, 16), die Stellung eines Knechtes ein und wäscht ihnen die Füße!

* “Er kommt nun zu Simon Petrus, [und] der spricht zu ihm: Herr, du wäschst mir die Füße? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, weißt du jetzt nicht, du wirst es aber nachher verstehen.“Johannes 13, 6 – 7 – Es scheint, dass alle Jünger, mit Ausnahme von Petrus, diese Fußwaschung ohne Einwände an sich vollziehen ließen. Ihm war wohl klar geworden, dass hier die Rollen völlig vertauscht worden waren. Doch der Herr weist ihn zurecht. Petrus soll sich dem Handeln Seines Meisters unterordnen, eine Belehrung, durch die er diese Handlung verstehen würde, sollte folgen. So war es mit vielen Dingen, die die Jünger nicht verstanden, als der Herr sie tat. Die Erklärung bzw. das Verständnis folgten oft erst später, insbesondere aber nachdem der Heilige Geist zu Pfingsten ausgegossen wurde und sie in alle Wahrheit führte (Johannes 16, 13).

* “Petrus spricht zu ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus antwortete ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du kein Teil mit mir. Simon Petrus spricht zu ihm: Herr, nicht meine Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt!“Johannes 13, 8 – 9 – Doch Petrus will nicht auf die Weisung Seines Meisters hören, zu ungewohnt, ja zu unannehmbar  ist ihm diese auf den Kopf gestellte Rollenverteilung. Der Herr antwortet ihm, indem Er auf die geistliche Bedeutung dieser Handlung verweist: Nur wenn Petrus seine Füße von Ihm waschen ließe, hätte er auch Anteil an dem Dienst Seines Meisters. Aus dem Zusammenhang wird deutlich, dass der Herr Jesus hier von einer geistlichen Reinigung sprach. Doch Petrus verstand den geistlichen Hintergrund dieser Handlung nicht. Darum zog er den falschen Schluss: Wenn die Reinigung durch den Herrn Jesus über den Grad seiner Beziehung zu seinem Meister entschied, dann wollte er noch mehr gereinigt werden! Der Wunsch des Petrus lässt eine  große Zuneigung zu seinem Meister erkennen. Gleichzeitig wird jedoch deutlich, dass dieser Jünger sich damit mehr in den Fokus stellt, als den Willen seines Herrn. Die wahre Bedeutung des Handelns Jesu hatte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkannt.

* “Jesus spricht zu ihm: Wer gebadet ist, hat nicht nötig, sich zu waschen, ausgenommen die Füße, sondern ist ganz rein; und ihr seid rein, aber nicht alle. Denn er kannte den, der ihn überliefern würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.“Johannes 13, 10 – 11 – Mit diesen Worten belehrt der Herr Seine Jünger über die geistliche Bedeutung, die der symbolischen Handlung der Fußwaschung zugrunde liegt: Er unterscheidet zwischen zwei Arten der geistlichen Reinigung: der grundsätzlichen, einmaligen Reinigung und der  täglichen Reinigung. Der Apostel Paulus erläutert diesen Unterschied im Brief an die Römer: Kommt ein Mensch zum Glauben an den Herrn Jesus Christus als seinen Erlöser, so empfängt dieser Mensch eine grundsätzliche geistliche Reinigung. Gott vergibt dem Betreffenden alle seine Sünden (Römer 5, 1; Römer 8, 1). Diese grundsätzliche Reinigung bezeichnete der Herr  Seinen Jüngern gegenüber als “(Voll-)bad“ (Johannes 13, 10). Das hier gebrauchte griechische Wort “λούω“ (“louo“) bezeichnet das Bad einer ganzen Person. Nachdem ein Mensch diese  grundsätzliche, einmalige Reinigung erfahren hat, ist er jedoch weiterhin in der Lage zu sündigen. Solche Sünden werfen den Gläubigen zwar nicht mehr in den Zustand vor seiner Gotteskindschaft zurück, sie beeinträchtigen jedoch die Gemeinschaft mit Gott (vgl. 1. Johannes 1, 5 – 7). Die Reinigung, die nötig ist, um die Gemeinschaft mit Gott von dieser Beeinträchtigung zu befreien, vergleicht der Herr Jesus mit dem Waschen der Füße, grch. “νίπτω“ (“nipto“). So, wie diese durch das tägliche Gehen verschmutzt werden und vor dem Essen (einem Symbol für Gemeinschaft) gereinigt werden müssen, so benötigen die Gläubigen auf ihrem Weg durch diese Welt ebenso eine tägliche Reinigung. Der Apostel Johannes erläutert diese Reinigung in seinem ersten Brief. Er macht deutlich, dass wir diese Reinigung durch das Bekenntnis unserer Sünden Gott gegenüber vollziehen (vgl. 1. Johannes 1, 7 – 91. Johannes 2, 24; 1. Johannes 5, 13). Beide Arten der Reinigung, d.h. der Vergebung, haben jedoch nur eine einzige Grundlage und das ist das vollbrachte Werk Jesu Christi am Kreuz von Golgatha. 

* “Als er ihnen nun die Füße gewaschen und seine Oberkleider genommen hatte, legte er sich wieder zu Tisch und sprach zu ihnen: Versteht ihr, was ich euch getan habe?“Johannes 13, 12 – Nachdem der Herr Jesus Christus Seine praktische Lektion vollendet hatte, beginnt Er damit Seine Jünger zu belehren. Dieser Wechsel in der Art des Unterrichts wird durch den Wechsel der Kleidung unterstrichen. 

* “Ihr nennt mich Lehrer und Herr, und ihr sagt es zu Recht, denn ich bin es.“Johannes 13, 13 – Als “Lehrer“ hebr. “Rabbi“ war der Herr Jesus Christus den Volksmengen bekannt, für Seine Jünger war Er aber auch “der Herr“. Die Bedeutung dieses Titels bzw. seine Auswirkungen, sollten die Jünger aber erst nach der Auferstehung des Herrn begreifen (vgl. Johannes 20, 28; Apostelgeschichte 2, 36; Philipper 2, 9 -11).

* “Wenn nun ich, der Herr und der Lehrer, euch die Füße gewaschen habe, so seid auch ihr schuldig, einander die Füße zu waschen. Denn ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit, wie ich euch getan habe, auch ihr tut.“Johannes 13, 14 – 15 – Die grundlegende Lektion, die der Herr Jesus Christus Seinen Jüngern durch das Waschen ihrer Füße gegeben hat, ist die eines gegenseitigen demütigen Dienstes. Wie Er sollten die Jünger die Rolle des Dieners einnehmen, um dem Anderen Gutes zu tun (vgl. Philipper 2, 1 – 11). Ihre Motivation sollte dem Inhalt des bekannten Sprichwortes “Gemeinnutz geht vor Eigennutz“, das erst 17. Jahrhunderte später so formuliert wurde, entsprechen.
Während einige Konfessionen und Denominationen davon überzeugt sind, dass Christen die Handlung der Fußwaschung buchstäblich im Zusammenhang mit dem Mahl des Herrn praktizieren sollen (z.B. verschiedene mennonitische Bewegungen), betrachtet die Mehrheit der Christen die Fußwaschung als ein Beispiel demütigen Dienstes, das der Herr Seinen Jüngern geben wollte. Diese Sicht wird durch die Tatsache unterstützt, dass wir an keiner anderen Stelle  im ganzen Neuen Testament einen weiteren Hinweis auf die Fußwaschung finden. Weder wird sie noch einmal in den Evangelien erwähnt, noch geben die apostolischen Briefe uns einen Hinweis in diese Richtung. In 1. Timotheus 5, 9 – 10 heißt es zwar:

“Als Witwe werde nur eine solche in die Liste eingetragen, welche nicht weniger als sechzig Jahre alt ist, eines Mannes Frau war  und ein Zeugnis guter Werke hat; wenn sie Kinder auferzogen, Gastfreundschaft geübt, der Heiligen die Füße gewaschen, Bedrängten ausgeholfen hat, jedem guten Werk nachgekommen ist.“

Aus dem Zusammenhang geht jedoch hervor, dass es sich hier um einen Dienst an anderen und nicht um eine regelmäßig zu wiederholende Verordnung des Herrn Jesus Christus handelt. Außerdem bezeichnet der Herr selbst die Fußwaschung als ein “Beispiel“, “ὑπόδειγμα“ (“hupodeigma“), also als ein Muster, eine Vorlage für ein Verhalten, zur Nachahmung, bezeichnete.

* “Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ein Knecht ist nicht größer als sein Herr, noch ein Gesandter größer als der, der ihn gesandt hat.“Johannes 13, 16 – Wo immer der Herr Jesus Christus eine Belehrung mit den Worten “wahrlich, wahrlich“ einleitet, deutet diese Einleitung die Wichtigkeit dieser Belehrung an. Seine Belehrung im Zusammenhang mit der vorausgegangenen Fußwaschung fasst der Herr dann in einem Sinnspruch zusammen: “Ein Knecht ist nicht größer als sein Herr, noch ein Gesandter größer als der, der ihn gesandt hat.“ Diese Aussage ist nur auf dem Hintergrund des Beispiels verständlich, das der Herr Seinen Jüngern mit der gerade geschehenen Fußwaschung gegeben  hatte: Wenn Er, ihr Herr, bereit war, einen so niedrigen Dienst auszuführen, dann sollten auch Seine Jünger einen solchen Dienst bzw. jeden demütigen Dienst anderen gegenüber niemals als “unter ihrer Würde“ betrachten. Denn würden Seine Jünger sich als “zu fein“ für einen solchen Dienst ansehen, dann würden sie sich mit dieser Geisteshaltung über ihren Herrn und Meister erheben. Was für die Jünger Jesu galt, gilt auch heute noch für jeden Gläubigen.

* “Wenn ihr dies wisst, glückselig seid ihr, wenn ihr es tut.“Johannes 13, 17 – Der Herr belässt es jedoch nicht bei der theoretischen Belehrung. Er fordert von Seinen Jüngern (und damit auch von uns) die praktische Umsetzung Seiner Lehre ein. Für Ihn zählt das Ergebnis, das erst der Praxistest erbringen kann. Wir treffen hier wieder auf den in Jakobus 1, 22 so präzise zusammengefassten Grundsatz: “Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst.“ Ein Leben, in dem dieser demütige Dienst sichtbar wird, ist ein Leben mit göttlicher Verheißung (vgl. Johannes 8, 31; Jakobus 4, 6 + 10; 1. Petrus 3, 8 – 9; 1. Petrus 5, 5 – 6). 

* “Ich rede nicht von euch allen, ich weiß, welche ich auserwählt habe; aber damit die Schrift erfüllt würde: „Der mit mir das Brot isst, hat seine Ferse gegen mich erhoben.“ Von jetzt an sage ich es euch, ehe es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, glaubt, dass ich es bin.“Johannes 13, 18 – 19 – Das Passah-Mahl (das dem zeitlich später folgenden Mahl des Herrn vorausging und mit diesem nicht verwechselt bzw. gleichgesetzt werden darf), tritt nun in eine andere Phase. Der Herr zeigt zum einen auf, dass sich Seine Belehrung nur auf jene Jünger bezieht, die wirklich an Ihn glauben, zum anderen offenbart Er Seinen Verräter. Seine Jünger sollten sich später an Seine Worte erinnern und den Verrat durch Judas richtig einordnen. Trotz des nun bevorstehenden Verrats und der darauf folgenden Kreuzigung sollten die Jünger erkennen, “dass ich es bin“. Die Worte, die der Herr Jesus Christus in diesem Zusammenhang benutzt, sind von großer Bedeutung: ”Ich bin” – hebr.  אֶהְיֶה אֲשֶר אֶהְיֶה” (ehyeh aser ehyeh) – mit diesem Namen stellte sich Gott Seinem Volk vor (vgl. auch 2. Mose 3, 14; 2. Mose 33, 19 + 22; 1. Könige 19, 11 ff.; Jesaja 41, 4; Jesaja 43, 10; Jesaja 51, 12; Jesaja 52, 6 u.a.m). In der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta, wurde diese  Aussage mit den Worten ἐγώ εἰμι ὁ ὤν” (”ego eimi ho on”) wiedergegeben. Genau diese zwei ersten griechischen Worte ἐγώ εἰμιleiten nicht nur jedes der so genannten  sieben ”Ich-bin-Worte” Jesu ein, sondern sie sollen hier in Johannes 13, 19 (wie an vielen anderen Stellen im Neuen Testament) Seine Gottheit hervorheben.  Daran sollten sich die Jünger erinnern, wenn sie  nun das Leiden und den Tod, später aber auch die Auferstehung ihres Herrn (mit-)erleben sollten.
Im Zusammenhang mit der Ankündigung des Verrats zitiert der Herr Psalm 41, 9. In diesem Psalm beschreibt König David den Verrat, den er durch einen vormals engen Freund erleben musste. Einige Kommentatoren haben vermutet, dass es sich bei diesem Freund Davids um  Ahithophel gehandelt hat, weil dieser, wie Judas später, nach seinem Verrat Selbstmord begangen hatte (vgl. 2. Samuel 15, 12; 2. Samuel 16, 15 – 23; 2. Samuel 17, 3 – 4; 2. Samuel 17, 14 + 23). Auf dem Hintergrund der großen Bedeutung, die Gastfreundschaft und das gemeinsame Essen in der Kultur des Nahen Ostens besitzen,  wiegt der Verrat nach einem solchen Essen umso schwerer.

* “Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer aufnimmt, wen irgend ich senden werde, nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.“Johannes 13, 20 – Auch diese Bemerkung leitet der Herr mit dieser doppelten Versicherung ein. Wir sollten beachten, dass die nun folgende Aussage des Herrn sofort nach Seiner Bemerkung über den Verräter Judas erfolgt. Ein Kommentator hat dazu angemerkt: „Judas war nicht rein; er war nicht wiedergeboren. Weil er aber vom Herrn ausgesandt war, so hatten die, welche ihn aufnahmen, gleichwohl Christum aufgenommen; und dies ist auch hinsichtlich derer wahr, die Er durch Seinen Geist aussendet.“¹ Auch heute ist es möglich, dass Christen mit der schmerzlichen Erfahrung eines Verrats durch andere Menschen, die sich als Mitgläubige ausgeben, konfrontiert werden können. Vielleicht haben wir solche Menschen als von Gott gesandt auf- und angenommen. Dann sollten wir zum einen wissen, dass jene, die uns verraten, zuvor auch Gott verraten haben. Andererseits dürfen wir jedoch gleichzeitig auch gewiss sein, dass Gott Seine  Beziehung zu uns durch diesen Verrat nicht in Frage stellen lässt.

Fußnoten:

¹= J. N. Darby: „Betrachtungen über das Wort Gottes“, Band IV (Matthäus – Johannes), Seite 541, Ernst-Paulus-Verlag Neustadt, o.J.

 
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BAB am 03.04.2017

Bemerkenswertes aus der Blogosphäre … und von anderswo her:

* Lesenswert I : Marlies Hübner: “Alles Böse ist Autist“: Klick!

* Lesenswert II: Ferrell’s Travel Blog: “Rare 7th century B.C. Hebrew papyrus with name of Jerusalem revealed“: Klick!

* Lesenswert III: Welt.de: “Downsyndrom: Der Junge, der seine Abtreibung überlebte“: Klick! * Zeit.online: “Down-Syndrom: Wer darf leben?“: Klick!

* Lesenswert IV: T-Online: “Notizen von Martin Luther entdeckt“: Klick!

* Hörenswert I: Deutschlandfunk “Tag für Tag“: “Wir werden erniedrigt“ – Aramäische Christen in der Türkei“: Klick!


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Der zweite und der dritte Kelch – Anmerkungen zu Lukas 22, 17 – 18

 

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Abendmahl * Foto: Ralf Dietermann / pixelio.de

Text als pdf downloaden: Klick!

 

Die Bibelworte für die Wortverkündigung am kommenden Sonntag stammen aus dem Lukasevangelium (zum Hintergrund des Lukasevangeliums siehe hier und hier):

“Und er nahm einen Kelch, dankte und sprach: Nehmt diesen und teilt ihn unter euch. Denn ich sage euch, dass ich von jetzt an nicht von dem Gewächs des Weinstocks trinken werde, bis das Reich Gottes kommt.“

(Lukas 22, 17 – 18; LUTH’84)


Zum Kontext von Lukas 22, 17 – 18

* Der Kontext von Lukas 22, 17 – 18: In den Kapiteln 2224 des Lukasevangeliums schildert der Evangelist das Leiden, die Kreuzigung und die Auferstehung Jesu Christi, sowie die damit zusammenhängenden Ereignisse: In Lukas 22, 1 – 6 lesen wir, wie die geistlichen Führer Israels die Verhaftung Jesu planen und wie Judas sich ihnen zur Verfügung stellt, um seinen Herrn zu verraten. In Lukas 22, 7 – 13 werden uns dann die Vorbereitungen der Jünger für das Passahfest geschildert. In Lukas 22, 14 – 38 berichtet der Evangelist von den Geschehnissen, die sich rund um das letzte Passahfest des Herrn und Seiner Jünger im Obersaal zugetragen haben: die bewegenden Worte des Herrn zu Beginn der Feier (Lukas 22, 15 – 16), Seine Worte über den zweiten Kelch (Lukas 22, 17 – 18) und die Einsetzung des Herrenmahles (Lukas 22, 19 – 20), die Ankündigung Jesu, dass Er verraten werden wird (Lukas 22, 21 – 23). Aus diesem Zusammenhang stammen auch die Bibelworte für den morgigen Sonntag. 

Anmerkungen zu Lukas 22, 17 – 18

* “Und er nahm einen Kelch, dankte und sprach: Nehmt diesen und teilt ihn unter euch.“ Lukas 22, 17 – Im Neuen Testament wird uns die Einsetzung des Herrenmahls durch vier Berichte überliefert: Matthäus 26, 26 – 29; Markus 14, 22 – 25; 1. Korintherbrief 11, 23 – 26 und in Lukas 22, 19 – 20. Jeder dieser Berichte hat einen unterschiedlichen Schwerpunkt. Auf diese Weise ergänzen alle Berichte einander und geben für uns ein vollständiges Bild.
Mehrere Kelche: Wer den Bericht des Lukas über die Einsetzung des Mahles des Herrn vollständig liest, also Lukas 22, 7 – 22, der wird feststellen, dass in diesem Bericht von verschiedenen Kelchen die Rede ist. Ein Kelch wird in Vers 17 genannt (“einen Kelch“), ein anderer in Vers 20 (“den Kelch nach dem Mahl“). Dabei wird deutlich, dass der Kelch, der in Vers 17 genannt wird, nichts mit dem erst anschließend (ab Vers 19) eingesetzten Mahl des Herrn zu tun hat.
Warum ist in diesem Abschnitt von mehreren Kelchen die Rede? Der Herr Jesus Christus benutzt das Passahmahl, das den Kindern Israel, also dem irdischen Volk Gottes, zur Erinnerung an Gottes wunderbare Errettung aus dem Sklavenhaus Ägypten gegeben wurde (vgl. 2. Mose 12, 14 – 28), um bei dieser Gelegenheit das Mahl zu Seinem Gedächtnis einzuführen, das der Versammlung (= Gemeinde / Kirche), also dem himmlischen Volk Gottes gegeben werden sollte. Zwischen beiden Feiern – dem Passahmahl und dem Mahl des Herrn – gibt es Parallelen aber eben auch entscheidende Unterschiede. Es ist hier weder Raum noch Zeit, auf alle wichtigen Gemeinsamkeiten / Unterschiede einzugehen, darum möchte ich nur auf die wichtigsten Punkte hinweisen:
Aus Lukas 22, 15 + 19 wird deutlich, dass der Herr Jesus Christus das “wahre Passahlamm“ (vgl. dazu: 1. Korinther 5, 7!) ist. Während das Blut der Opfertiere, und damit auch des Passahlammes, die Sünden des Volkes nur “bedecken“ konnte, können sie nun durch das Blut des Sohnes Gottes vollkommen weggenommen werden (vgl. Hebräer 10, 4 + 11 + 17; 1. Johannes 3, 5). Das Passahlamm war also ein typologischer Hinweis auf den kommenden Erlöser, das “wahre Passahlamm“, das nicht nur die Sünden der Kinder Israels, sondern der Welt wegnehmen sollte (vgl. 1. Johannes 2, 2). Dies wird auch insbesondere dadurch deutlich, dass uns die Heilige Schrift an vielen Stellen bezeugt,  dass Er – Jesus Christus – , “das Lamm Gottes“ ist (vgl. Johannes 1, 29 + 36; Offenbarung 5, 6; Offenbarung 15, 3; Offenbarung 19, 9).
Während das Passahmahl symbolisch auf das Kommen des Erlösers (in der Zukunft) hindeutete, gedenken wir beim Mahl des Herrn der durch den Sohn Gottes (in der Vergangenheit) vollbrachten Erlösung.
Im Rahmen des Passahmahles werden nach einem genau festgelegten Ritus verschiedene Speisen gegessen. Zwischen diesen Speisen werden – ebenfalls nach einer bestimmten Reihenfolge – vier Becher bzw. Kelche Wein getrunken. Dieser Brauch hat seinen Ursprung nicht in der Heiligen Schrift, sondern hat sich erst im rabbinischen Judentum herausgebildet. In 2. Mose 12, 14 ff. findet sich dazu keine Anweisung Gottes. Wein wird in diesem Kapitel nicht einmal erwähnt. Dennoch greift unser Herr diese Tradition zuerst auf. Aus Lukas 22, 15 erfahren wir, dass der Herr diese Feier eindeutig als eine Passahfeier ansieht:

“Mit Sehnsucht habe ich mich gesehnt, dieses Passah mit euch zu essen, ehe ich leide.“

Dementsprechend haben der Herr und die anwesenden Jünger auch bei dieser Passahfeier vier Becher (oder Kelche) Wein getrunken. Von dem ersten Becher bzw. Kelch, der zu Beginn der Feier getrunken wurde, lesen wir in Lukas 22, 17 f. nichts.
Der zweite Becher bzw. Kelch, der während der eigentlichen Passahfeier getrunken wurde, ist jener Becher bzw. Kelch, der in Lukas 22, 17 erwähnt wird. Wein ist in der Heiligen Schrift sehr oft ein Symbol für irdische Freude (vgl. Psalm 104, 15; Prediger 9, 7; Joel 1, 12). Wenn der Herr Jesus Christus in Lukas 22,  18 also sagt:

* “Denn ich sage euch, dass ich von jetzt an nicht von dem Gewächs des Weinstocks trinken werde, bis das Reich Gottes kommt.“Lukas 22, 18 – dann macht er in Übereinstimmung mit Vers 15, wo Sein Leiden angekündigt wird, deutlich, dass die Zeit dieser Art der Freude für Ihn hiermit beendet ist. Diese Freude wird unser Herr erst wieder in dem kommenden Reich Gottes empfinden und mit uns teilen (vgl. Lukas 22, 16 + 18). Mit diesem zweiten Kelch verbindet der Herr Jesus Christus also die Verheißung des Kommens Seines Reiches, das für alle, die es erleben und in es eingehen werden (vgl. Johannes 3, 1 – 6) große Freude bedeuten wird.
Erst im Anschluss an diese Worte setzt der Herr das Mahl zu Seinem Gedächtnis ein. In diesem Zusammenhang versah  der Herr die Elemente des Passahmahls – Brot und Wein – mit einer neuen Bedeutung: In Zukunft würden sie Seinen Leib und Sein Blut versinnbildlichen. Die getrennte Nennung von Brot und Wein und ihre getrennte Austeilung an die Jünger hat eine tiefe Bedeutung: Nur auf diese Weise symbolisieren sie die den Opfertod Jesu am Kreuz, bei dem Er Seinen Leib für uns hingab und Sein Blut für uns vergoss. Indem der Gläubige beide Elemente in sich aufnimmt, wird die in geistlicher Weise bereits durch die neue Geburt (vgl. Johannes 3, 1 – 6) bestehende Lebensgemeinschaft mit dem Erlöser verdeutlicht.
Gleich mit dem ersten Satz der so genannten “Einsetzungsworte“ macht der Herr klar, dass Er der Mittelpunkt dieser Feier sein muss: “Mein Leib …. zu meinem Gedächtnis.“ Unser Augenmerk soll sich primär auf dem Herrn Jesus Christus und Sein Opfer konzentrieren und erst dann auf die Segnungen, die uns dadurch zuteil werden.
“ … zum meinem Gedächtnis“ ist ein Gebot unseres Herrn, nicht eine Möglichkeit unter vielen. Dies bestätigt auch der Apostel Paulus, wenn er schreibt:

“Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“

(1. Korinther 11, 23 – 26; LUTH’84)

Dass die dankbare und anbetende Erinnerung an den Herrn Jesus Christus selbst und an Sein stellvertretendes Sühnopfer im Mittelpunkt dieser Feier stehen müssen, sollte jedem Gläubigen verständlich sein: Nur durch Sein in unendlicher Liebe dargebrachtes Opfer können uns all jene geistlichen und materiellen Segnungen zuteil werden, die wir in unserem Glaubensleben empfangen. Er ist die Quelle, der einzige Ausgangspunkt unserer Erlösung.
Wo Gläubige sich in erster Linie auf die Segnungen Gottes konzentrieren – auch auf die Segnungen, die mit dem kommenden Reich Gottes einhergehen werden -, da gleichen sie Kindern unter dem Weihnachtsbaum, die angesichts der Geschenke die Liebe ihrer Eltern vergessen. Wahre Dankbarkeit entsteht aber erst dann, wenn wir uns auf die Quelle unserer Segnungen besinnen. Wenn wir uns bei diesem Mahl Zeit nehmen, um über die Person unseres Erlösers und Sein Werk nachzudenken, dann kann das nur dazu führen, dass Er in unseren Herzen immer größer wird und wir im Anschauen Seiner Person in Sein Bild verwandelt werden (2. Korinther 3, 18; Römer 8, 29).

Anschließend an die Austeilung des gebrochenen Brotes heißt es dann, dass der Herr einen weiteren Becher bzw. Kelch nahm: “Desgleichen auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird!“ (vgl.  Lukas 22, 20). Bei diesem Kelch handelte es sich um den dritten Becher bzw. Kelch der im Verlauf des Passahfestes und zwar nach dem eigentlichen Passahmahl –  getrunken wurde. Das Brechen des Brotes und das Reichen des – dritten – Kelches wird von dem Herrn nun – wie das gebrochene Brot – mit einer ganz neuen Bedeutung versehen: Während das gebrochene Brot Seinen für uns hingegebenen Leib symbolisiert, stellt der Becher bzw. Kelch Wein, von dem die Glaubenden genießen, Sein vergossenes Blut dar.  Der hier genannte – dritte Becher bzw. Kelch – symbolisiert also fortan nicht mehr die Freude auf das Kommen des Reiches Gottes, sondern Sein vergossenes Blut. Damit verweist dieser Kelch auf die Grundlage unserer Erlösung, den Tod Jesu Christi am Kreuz, und damit auf die Quelle aller Freude, die der Christ bereits hier und jetzt sowie in der Zukunft erfahren wird.
Wie ich bereits an anderer Stelle aufgezeigt habe (Klick!) gilt der neue Bund Gottes Seinem Volk Israel. Als Christen sind wir keine “Bundesgenossen“, sondern Kinder Gottes und als solche dürfen wir an den Segnungen dieses Bundes heute schon teilhaben, auch wenn dieser nicht mit uns geschlossen wurde. Wenn wir nun hier die Worte des Herrn lesen : “Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut ….“, dann sollten wir daran denken, zu wem der Herr hier sprach. Es waren Seine ersten 12 Jünger und sie alle stammten aus dem Volk  Israel. Auf diese Weise bildeten sie nicht nur die Keimzelle der Gläubigen des Gnadenzeitalters, also der Versammlung (= Gemeinde/Kirche), sondern auch gleichzeitig die Keimzelle jenes “Überrestes aus Israel“, der zum Glauben an Jesus Christus als den von Gott gesandten Messias findet und mit dem dieser Bund geschlossen werden wird.

 

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Weisheit erlangen – Anmerkungen zu Psalm 90, 1 – 17

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Weisheit * Foto: Richi Choraria via Pixabay

Für die Wortverkündigung am Mittwoch dieser Woche wurde ein Vers aus dem 90. Psalm gewählt. Zum besseren Verständnis betrachten wir diesen Vers im Zusammenhang des Abschnitts, in dem er vorkommt:

“Ein Gebet von Mose, dem Mann Gottes.Herr, du bist unsere Wohnung gewesen von Geschlecht zu Geschlecht.
Ehe geboren waren die Berge und du die Erde und den Erdkreis erschaffen hattest – ja, von Ewigkeit zu Ewigkeit bist du Gott.
Du lässt zum Staub zurückkehren den Menschen und sprichst: Kehrt zurück, ihr Menschenkinder!
Denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der gestrige Tag, wenn er vergangen ist, und wie eine Wache in der Nacht.
Du schwemmst sie weg, sie sind wie ein Schlaf; am Morgen wie Gras, das aufsprosst: Am Morgen blüht es und sprosst auf, am Abend wird es abgemäht und verdorrt.
Denn wir vergehen durch deinen Zorn, und durch deinen Grimm werden wir weggeschreckt. Du hast unsere Ungerechtigkeiten vor dich gestellt, unser verborgenes Tun vor das Licht deines Angesichts. Denn alle unsere Tage schwinden durch deinen Grimm, wir bringen unsere Jahre zu wie einen Gedanken.
Die Tage unserer Jahre – es sind siebzig Jahre, und wenn in Kraft, achtzig Jahre, und ihr Stolz ist Mühsal und Nichtigkeit, denn schnell eilt es vorüber, und wir fliegen dahin. Wer erkennt die Stärke deines Zorns und, deiner Furcht gemäß, deinen Grimm?
So lehre uns denn zählen unsere Tage, damit wir ein weises Herz erlangen!
Kehre wieder, HERR! – Bis wann? – Und lass es dich über deine Knechte gereuen! Sättige uns früh mit deiner Güte, so werden wir jubeln und uns freuen in allen unseren Tagen. Erfreue uns nach den Tagen, da du uns gebeugt hast, nach den Jahren, da wir Böses gesehen haben! Lass deinen Knechten dein Tun erscheinen und deine Majestät über ihren Söhnen! Und die Huld des Herrn, unseres Gottes, sei über uns! Und befestige über uns das Werk unserer Hände; ja, das Werk unserer Hände, befestige es!“

(Psalm 90, 1 – 17 ÜELBEDHÜ, z. Vgl. Luther’84)

 

Zum Hintergrund: Das 4. Buch des Psalters

Wie ich bereits in den Anmerkungen zu anderen Psalmen geschrieben habe, ist es auch an dieser Stelle nicht möglich, den Hintergrund des großen und umfangreichen biblischen Buches der Psalmen in seinen Einzelheiten zu betrachten. Deshalb folgen auch hier nur einige grundlegende Informationen zum Buch der Psalmen, insbesondere zum 4. Buch des Psalters, in dem der heute zu betrachtende Psalm steht:
Das Buch der Psalmen (תְּהִלִּים bzw. תהילים, “Tehillim“ = die Preisungen/Lobpreisungen) ist das erste Buch der “Ketuvim“, d.h. der “Schriften“, also des dritten und letzten Abschnitts der jüdischen Heiligen Schrift. Der Begriff “Preisungen“ bzw. “Lobpreisungen“ ist sehr treffend gewählt für dieses biblische Buch, da jeder der 150 Psalmen, mit Ausnahme von Psalm 88, Lobpreisungen Gottes enthält.
Unser deutsches Wort “Psalm“ ist die eingedeutschte Form des griechischen Wortes “ψαλμός“ (“psalmos“) bzw. der “ψαλμοί“ (“psalmoi“), womit “Worte bzw. Lieder mit instrumentaler Begleitung“ bezeichnet wurden (vgl. Lukas 20, 42; Apostelgeschichte 1, 20).  Das gesamten Buches der Psalmen wurde in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta (LXX), als “ψαλτήριον“ (“psalterion“) bezeichnet. Darauf zurückgehend entwickelte sich unser Begriff “Psalter“, mit dem auch heute noch das ganze Buch bzw. die Gesamtheit der 150 Psalmen bezeichnet wird.

Traditionell wird das Buch der Psalmen in fünf große Abschnitte bzw. Bücher unterteilt:

Buch I (Psalm 1Psalm 41)

Buch II (Psalm 42Psalm 72)

Buch III (Psalm 73Psalm 89)

Buch IV (Psalm 90Psalm 106)

Buch V (Psalm 107 Psalm 150)

Auf wen diese Unterteilung zurückzuführen ist, ist genauso unbekannt, wie die Kriterien, nach denen die einzelnen Psalmen dem jeweiligen Buch zugeordnet wurden. Manche Kommentatoren sehen in dieser Aufteilung eine Parallele zu den fünf Büchern Mose, d.h. der Torah.
Das 4. Buch des Psalters, in dem wir den heute zu betrachtenden  Psalm finden, wird auch als “Buch des Königs“ bezeichnet, denn Gott wird in diesem Buch als König Israels angesprochen. Dieses Buch enthält insgesamt 17 Psalmen (Psalm 90Psalm 106). Von diesen 17 Psalmen stammt ein Psalm von Moses (Psalm 90), zwei weitere wurden von König David verfasst (Psalm 101; Psalm 103). Die restlichen 14 Psalmen stammen von Liederdichtern, die uns namentlich nicht bekannt sind. Dieses Psalmbuch beginnt mit einem Psalm von Mose (Psalm 90) und es endet mit einem Psalm, in dem es vorrangig um Mose geht (Psalm 106). Weitere Themen dieses Psalmbuches sind die Kürze des menschlichen Lebens, die zukünftige Herrschaft Gottes über diese Erde und wie der Mensch, dem diese Hoffnung verkündet wurde, darauf reagieren soll. Auch Gottes schöpferische und alles erhaltende  Kraft ist ein wichtiges Thema in diesen Psalmen
In Psalm 90 bittet Mose Gott das Volk Israel zu segnen und zwar insbesondere angesichts der Kürze und Fragilität des menschlichen Lebens. Der Eingangsvers erinnert an den Segen, den Mose den Stämmen Israels erteilt (5. Mose 33, 1). Kommentatoren gehen aufgrund seines Inhalts davon aus, dass dieser Psalm  während der Wüstenwanderung geschrieben wurde, eventuell  in Pisga (5. Mose 34, 1 f.).
Im Verlauf der Kirchengeschichte wurde dieser Psalm, neben 1. Korinther 15, zu einem festen Bestandteil von Beerdigungsliturgien und fand – in paraphrasierter Form – auch Eingang in das christliche Liedgut, so insbesondere in das bekannte Lied ‚‚O God, our help in ages past“ von Isaac Watts. (Dieses Lied wurde u.a. auch während des Trauergottesdienstes am 14.09.2001 für die Opfer der Terroranschläge des 11. September 2001 in der National Cathedral in Washington gesungen.)

Anmerkungen zu Psalm 90, 1 – 17

* “Ein Gebet von Mose, dem Mann Gottes. Herr, du bist unsere Wohnung gewesen von Geschlecht zu Geschlecht. Ehe geboren waren die Berge und du die Erde und den Erdkreis erschaffen hattest – ja, von Ewigkeit zu Ewigkeit bist du Gott. Du lässt zum Staub zurückkehren den Menschen und sprichst: Kehrt zurück, ihr Menschenkinder! Denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der gestrige Tag, wenn er vergangen ist, und wie eine Wache in der Nacht. Du schwemmst sie weg, sie sind wie ein Schlaf; am Morgen wie Gras, das aufsprosst: Am Morgen blüht es und sprosst auf, am Abend wird es abgemäht und verdorrt.“Psalm 90, 1 – 6 –  Ein wichtiges Thema dieses Psalms ist, wie eingangs gesagt, die Kürze und Fragilität des menschlichen Lebens. Doch bevor Mose dieses Thema anspricht, widmet er die ersten Verse seines Psalms dem ewigen Gott. Alle Generationen zuvor haben in Ihm “Wohnung“, d.h. Schutz und Heimat, gefunden. Der ewige Gott ist “von Ewigkeit zu Ewigkeit“, d.h. Er überdauert die Schöpfung und damit auch das Leben eines jeden Menschen.
Aus Gottes ewiger Perspektive sind selbst 1.000 Jahre nur wie ein Tag (vgl. 2. Petrus 3, 8). Gott steht über der Zeit und wird von ihr – im Gegensatz zu uns geschaffenen Menschen – nicht eingeschränkt. Im Vergleich zur Ewigkeit Gottes sind die 70, 80 oder vielleicht 90 Jahre, die ein Mensch lebt, verschwindend kurz. Davon sprechen auch die Begriffe der Nachtwache, die nur vier Stunden betrug, der Wasserflut, die vorbei rauscht, des Schlafes, der Vergangenheit ist, sobald ein Mensch erwacht, des Grases, das schnell aufsprosst und bei Hitze oder wenn es gemäht wird, in Kürze verdorrt.

* “Denn wir vergehen durch deinen Zorn, und durch deinen Grimm werden wir weggeschreckt. Du hast unsere Ungerechtigkeiten vor dich gestellt, unser verborgenes Tun vor das Licht deines Angesichts. Denn alle unsere Tage schwinden durch deinen Grimm, wir bringen unsere Jahre zu wie einen Gedanken. Die Tage unserer Jahre – es sind siebzig Jahre, und wenn in Kraft, achtzig Jahre, und ihr Stolz ist Mühsal und Nichtigkeit, denn schnell eilt es vorüber, und wir fliegen dahin. Wer erkennt die Stärke deines Zorns und, deiner Furcht gemäß, deinen Grimm? So lehre uns denn zählen unsere Tage, damit wir ein weises Herz erlangen!“90, 7 – 12  – Zuerst kommt Moses auf den Grund zurück, warum das menschliche Leben so kurz ist: Es ist die Sünde, die den Menschen vom ewigen Leben trennt (vgl. Römer 6, 23). Denn durch die Sünde hat sich der Menschen von Gott – und damit von der Quelle des Lebens  (Psalm 36, 9) – getrennt. Erst durch den Sündenfall, die willentliche Loslösung des Menschen von Gott, kam der Tod in die Welt und dadurch die Begrenzung des menschlichen Lebens.
Gottes Gericht über die Menschen, hier als “dein Zorn“ bezeichnet, hat nichts mit der menschlichen Emotion des Zorns gemeinsam. Gott zürnt und richtet nicht, weil Ihm danach ist oder Er es möchte. Sein Gericht entspricht Seiner Gerechtigkeit, Seinem gerechten Charakter. Auch das Gericht über den in Sünde gefallenen Menschen (1. Mose 3, 1 f.) war “nur“ die konsequente Folge des Gebotes Gottes (vgl. 1. Mose 2, 15 – 17) und damit gerecht.
Während Menschen sich mit der Illusion betrügen, es sei schon nicht so schlimm, was sie tun und Gott würde „Fünfe grade sein lassen“ (vgl. Psalm 10, 11; Psalm 94, 6 – 7), sind dem ewigen Gott selbst die Sünden, die wir vor anderen Menschen erfolgreich verbergen können, nicht unbekannt.
Da die Tage eines menschlichen Lebens begrenzt sind und kein Mensch weiß, wann er an das Ende seiner Tage gelangten wird, fordert Mose dazu auf, von Gott zu lernen und unsere “Tage zu zählen“ (Vers 12).  Das bedeutet, dass wir zuerst einmal erkennen, wie kurz unsere Lebensspanne im Vergleich zur Ewigkeit ist. Das Nachdenken über die Kürze, Fragilität und vielfältige Begrenztheit unseres Lebens soll uns dann zu der Erkenntnis führen, wie wichtig es ist, dass wir unsere Lebenszeit weise nutzen (vgl. Prediger 12, 1 – 7).
Die Weisheit, die hier angesprochen wird, hat nichts zu tun mit der “Weisheit“ der griechischen Philosophie, vor der wir an verschiedenen Stellen des Neuen Testaments eindrücklich gewarnt werden (Kolosser 2, 8 + 23; 1. Korinther 1, 17 – 24 + 30). Die Weisheit, nach der Gläubige streben sollen, ist die Weisheit, die allein Gott schenken kann (Daniel 2, 20 – 21; Jakobus 1, 5). Der Empfang dieser Weisheit ist nicht abhängig von der Erziehung oder Bildung, die ein Mensch genossen hat. Auch sozialer Status oder besondere finanzielle Mittel sind keine Bedingungen, um in den Genuss der Weisheit Gottes zu kommen. Die Heilige Schrift nennt uns zwei Voraussetzungen, die wir erfüllen müssen, um göttliche Weisheit zu empfangen:

  1. Gott in Demut und Ehrfurcht begegnen (Sprüche 1, 7; Sprüche 9, 10; Sprüche 11, 2; Sprüche 15, 33; Hiob 28, 28).
  2. Wir müssen mit einem so starken inneren Verlangen (hebr. “בָּקַשׁ“), mit solcher Leidenschaft und Ausdauer nach göttlicher Weisheit streben, als würden wir einen vergrabenen Schatz suchen (Sprüche 2, 1 – 5), wobei die Weisheit Gottes mit keinen irdischen Schatz zu vergleichen ist. Dieses Streben (das willentliche Anstrengung voraussetzt) nach göttlicher Weisheit soll sich gemäß Sprüche 2, 1 – 9 primär im Hören auf das Wort Gottes und im anhaltenden Gebet um göttliche Weisheit äußern. Denn die Weisheit, vor der die Heilige Schrift spricht, ist die Weisheit, die Gott uns in der Person Seines Sohnes (1. Korinther 1, 30; Kolosser 2, 1 – 3) und durch Sein Wort (Sprüche 2, 6; 1. Korinther 2, 13) geoffenbart hat bzw. offenbaren will. Der englische Ausleger William Kelly weist im Zusammenhang mit Sprüche 2, 1 f. darauf hin¹, dass wir in Lukas 10, 38 f. ein gutes Beispiel für das Streben nach göttlicher Weisheit finden. Der Evangelist Lukas berichtet uns in diesen Versen davon, wie der Herr Jesus Christus und Seine Jünger im Haus der Geschwister Martha, Maria und Lazarus in Bethanien aufgenommen werden. Während Maria sich in vielen Aktivitäten für die angekommenen Gäste ergeht, wählt Martha den Platz zu den Füßen des Herrn, um Seinen Worten zuzuhören. Als sich Maria über die “Untätigkeit“ ihrer Schwester Martha beschwert, wird sie von dem Herrn zurechtgewiesen. Nicht die selbst erwählte Aktivität Marias, sondern das Sprüche 2, 2 (“so dass du dein Ohr aufmerksam auf Weisheit hören lässt, dein Herz neigst zum Verständnis“) entsprechende Verhalten Marthas wird von Ihm als “das gute Teil“ bezeichnet, das es zu erwählen gilt. Heute steht der Aktionismus in vielen christlichen Kreisen hoch im Kurs. Man meint, durch spezielle “Events“ Menschen für den christlichen Glauben gewinnen zu können. Die “Ergebnisse“ sprechen eine beredte Sprache. Wieviel besser würden wir unseren Mitgläubigen und unseren Mitmenschen dienen können, wenn wir auf unseren selbst erwählten, dem Willen Gottes oftmals widersprechenden, Aktionismus verzichten und das “gute Teil“ erwählen würden?!

Während sich die “Weisheit“ der Philosophen in Spekulationen ergeht und maßgeblich eine Angelegenheit des Denkens ist, leitet die Weisheit Gottes den Gläubigen dazu an, die ewigen Dinge und Wege Gottes von vergänglichen Dingen und Wegen der Menschen zu unterscheiden und aus dieser Unterscheidung ganz konkrete, praktische Handlungsmöglichkeiten abzuleiten. Die uns in der so genannten biblischen “Weisheitsliteratur“ vorgestellte göttliche Weisheit ist immer eine Weisheit, die sich im Leben unter Beweis stellt (vgl. Jakobus 3, 13 – 18!). Das hebräische Wort für Weisheit, “חָכמָה“ (“chokmah“) meint nicht nur eine “Liebe zur Weisheit“ (so das griechische Wort “φιλοσοφία“ (“philosophia“), sondern konkrete Weisheit im alltäglichen Leben. So wird “חָכמָה“ (“chokmah“) u.a. als Geschicklichkeit in der Kriegsführung, der Verwaltung bzw. der Regierung, als sittliches oder geistliches Verständnis,  als Klugheit und als Umsicht übersetzt.

* “Kehre wieder, HERR! – Bis wann? – Und lass es dich über deine Knechte gereuen! Sättige uns früh mit deiner Güte, so werden wir jubeln und uns freuen in allen unseren Tagen. Erfreue uns nach den Tagen, da du uns gebeugt hast, nach den Jahren, da wir Böses gesehen haben!“ Psalm 90, 13 – 15 – Mose beendet seinen Psalm mit zwei Bitten. In den Versen 13 – 15 finden wir zuerst die Bitte um Gottes Güte und Barmherzigkeit für Sein Volk. Mose bittet, Gott möge mit Güte und Barmherzigkeit zu Seinem Volk zurückkehren. Das Entspricht seinem Wissen über den Charakter Gottes.  Für das Volk, das sich aufgrund seiner Sünde vor Gott beugen und “Böses“, d.h. die Folgen seiner Sünde, sehen musste (Psalm 31, 10; Psalm 39, 11), erbittet er nun Gottes Güte und Freude. Beides – Gottes Güte und Freude in Gott – sind auch Teil derer, die nach der Weisheit Gottes streben (Prediger 2, 26).

* “Lass deinen Knechten dein Tun erscheinen und deine Majestät über ihren Söhnen! Und die Huld des Herrn, unseres Gottes, sei über uns! Und befestige über uns das Werk unserer Hände; ja, das Werk unserer Hände, befestige es!“Psalm 90, 16 – 17 – Die zweite Bitte, die Mose an Gott heran trägt, ist die Bitte um Gottes Gegenwart unter und die Bitte um Gottes Segen über Seinem Volk. Nur auf diese Weise würde das kurze menschliche Leben von Freude erfüllt sein können. Nur durch die Gegenwart und den segen Gottes würde das Werk “ihrer Hände“ Bestand haben und nicht sinnlos vergehen.

Die neutestamentarische Anwendung

In 1. Korinther 10, 6 erklärt uns der Apostel Paulus:

“Diese Dinge aber sind als Vorbilder für uns geschehen, (…)“

Welche Hinweise können wir aus Psalm 90, 1 – 17 für unser Leben als Christen entnehmen?

Gott hat die Schuld unserer Sünde/n weggenommen, als Sein Sohn am Kreuz für uns starb und dieses Handeln Gottes wurde in unserem Leben wirksam, als wir begannen, Jesus Christus als unserem Erlöser zu vertrauen. Doch auch wenn der Christ Erlösung erfahren hat und die ewigen Konsequenzen der Sünde von ihm genommen wurden, so ist er trotzdem noch immer den irdischen Folgen der Sünde – und damit dem Tod seines Leibes – unterworfen. Auch für einen Christen kann das – irdische Leben – kurz sein. Selbst die hingegebensten Gläubigen müssen sterben. Auch Christen tun daher gut daran, die in Psalm 90, 12 überlieferte Ermahnung zu befolgen, indem sie “ihre Tage zählen“ und mit leidenschaftlicher Ausdauer danach streben, Gottes Weisheit für jeden Tag dieses kurzen, fragilen Lebens zu durch die Gemeinschaft mit Gott im Gebet und durch das Hören auf Sein Wort empfangen. Indem wir in dieser Weisheit Seinen Weg für unser Leben gehen, werden wir nicht nur selbst Freude und Zuversicht empfangen, sondern auch in der Lage sein, einen ganz praktischen, nützlichen Beitrag  für unsere Umwelt zu leisten. 

Fußnoten:
¹= William Kelly: “Major Works“, Anmerkungen zu Proverbs 2, 1 f.; zitiert nach dem gleichnamigen Modul der “The Word“ Software,  V. 1.0

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BAB am 27.02.2017

Bemerkenswertes aus der Blogosphäre … und von anderswo her:

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* Lesenswert II:  Enough Light: “Are you trying to study the Bible without reading it?“: Klick!

* Lesenswert III: NZZ.ch: “Kirchen ohne Nachwuchs: Unheilige Jugend“: Klick!

* Lesensewert IV: The Cripplegate: “For Lent, giving up Lent“: Klick!

* Lesenswert V: Bible History Daily: “Biblical Sha’arayim: Khirbet Qeiyafa’s Second Gate Discovered“: Klick!

* Sehenswert I: Caspar David Friedrich

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Mit aller Kraft – Anmerkungen zu Psalm 5, 1- 13

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Glaube * Foto: Michel Bertolotti, via Pixabay

 

Für die Wortverkündigung am Mittwoch dieser Woche wurde ein Vers aus dem 5. Psalm gewählt. Zum besseren Verständnis betrachten wir diesen Vers im Zusammenhang des gesamten Psalms:

“Dem Vorsänger, zu Nechilot. Ein Psalm von David.
Nimm zu Ohren, HERR, meine Worte, merke auf mein Seufzen! Horche auf die Stimme meines Schreiens, mein König und mein Gott! Denn zu dir bete ich.
Früh wirst du, HERR, meine Stimme hören, früh werde ich dir mein Anliegen vorstellen und harren. Denn nicht ein Gott bist du, der an Gottlosigkeit Gefallen hat; bei dir wird das Böse nicht weilen. Nicht werden die Toren bestehen vor deinen Augen; du hasst alle, die Frevel tun. Du wirst die Lügenredner vertilgen; den Mann des Blutes und des Truges verabscheut der HERR. Ich aber, ich werde in der Größe deiner Güte eingehen in dein Haus, ich werde anbeten in deiner Furcht gegen deinen heiligen Tempel. Leite mich, HERR, in deiner Gerechtigkeit um meiner Feinde willen; ebne vor mir deinen Weg. Denn in ihrem Mund ist nichts Zuverlässiges; ihr Inneres ist Verderben, ein offenes Grab ihr Schlund; ihre Zunge glätten sie. Lass sie büßen, o Gott; mögen sie fallen durch ihre Pläne! Stoße sie weg wegen der Menge ihrer Übertretungen, denn sie sind widerspenstig gegen dich gewesen. So werden sich freuen alle, die zu dir Zuflucht nehmen: Ewig werden sie jubeln, und du wirst sie beschirmen; und in dir werden frohlocken, die deinen Namen lieben. Denn du wirst den Gerechten segnen; HERR, mit Gunst wirst du ihn umgeben wie mit einem Schild.“

(Psalm 5, 1 – 13 ÜELBEDHÜ, z. Vgl. Luther’84)

 

Zum Hintergrund: Das 1. Buch des Psalters

Wie ich bereits in den Anmerkungen zu anderen Psalmen geschrieben habe, ist es auch an dieser Stelle nicht möglich, den Hintergrund des großen und umfangreichen biblischen Buches der Psalmen in seinen Einzelheiten zu betrachten. Aus diesem Grund folgen auch hier nur einige grundlegende Informationen zum Buch der Psalmen, insbesondere zum 1. Buch des Psalters, in dem wir den heute zu betrachtende Psalm finden:
Das Buch der Psalmen (תְּהִלִּים bzw. תהילים, “Tehillim“ = die Preisungen/Lobpreisungen) ist das erste Buch der “Ketuvim“, d.h. der “Schriften“, also des dritten und letzten Abschnitts der jüdischen Heiligen Schrift. Der Begriff “Preisungen“ bzw. “Lobpreisungen“ ist sehr treffend gewählt für dieses biblische Buch, da jeder der 150 Psalmen, mit Ausnahme von Psalm 88, Lobpreisungen Gottes enthält.
Unser deutsches Wort “Psalm“ ist die eingedeutschte Form des griechischen Wortes “ψαλμός“ (“psalmos“) bzw. der ψαλμοί“ (“psalmoi“), womit “Worte bzw. Lieder mit instrumentaler Begleitung“ bezeichnet wurden (vgl. Lukas 20, 42; Apostelgeschichte 1, 20).  Das gesamten Buches der Psalmen wurde in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta (LXX), als “ψαλτήριον“ (“psalterion“) bezeichnet. Darauf zurückgehend entwickelte sich unser Begriff “Psalter“, mit dem auch heute noch das ganze Buch bzw. die Gesamtheit der 150 Psalmen bezeichnet wird.

Traditionell wird das Buch der Psalmen in fünf große Abschnitte bzw. Bücher unterteilt:

Buch I (Psalm 1Psalm 41)

Buch II (Psalm 42Psalm 72)

Buch III (Psalm 73Psalm 89)

Buch IV (Psalm 90Psalm 106)

Buch V (Psalm 107 Psalm 150)

Auf wen diese Unterteilung zurückzuführen ist, ist genauso unbekannt, wie die Kriterien, nach denen die einzelnen Psalmen dem jeweiligen Buch zugeordnet wurden. Manche Kommentatoren sehen in dieser Aufteilung eine Parallele zu den fünf Büchern Mose, d.h. der Torah.
Im 1. Buch des Psalters, das die Psalmen 1 bis 41 umfasst, befindet sich jener Psalm, den wir heute betrachten wollen. Die überwiegende Anzahl der Psalmen in diesem Buch wurden von David verfasst. Nur vier Psalmen stammen nicht von dem bekanntesten König Israels: Psalm 1, Psalm 2, Psalm 10 und Psalm 33 enthalten keine Angaben zu ihrem jeweiligen Verfasser. Die in diesem Buch enthaltenen Psalmen spiegeln eine enge Gottesbeziehung wieder. Das wird u.a. daran deutlich, dass sie nicht primär das allgemeinere hebräische Wort für Gott (“Elohim“; 15 Vorkommen), sondern den Namen des Bundesgottes Israels (“Jahwe“; 273 Vorkommen) benutzen. Kommentatoren haben dieses Buch des Psalters auch als “Buch der Erfahrungen“ bezeichnet, da es uns von vielen persönlichen Erfahrungen, die David mit Gott machen durfte, berichtet.
Es gibt einen Grundton, der sich ab Psalm 1 durch dieses ganze erste Psalmbuch zieht. Es ist die Trennung der Gerechten von den Gottlosen. Bei diesen Gottlosen handelt es sich nicht um Menschen aus dem Heidentum, die Gott nicht kennen, sondern um Menschen, die zum irdischen Volk Gottes – Israel – gehören,  Gott jedoch nicht anerkennen. Kommentatoren führen diesen Schwerpunkt darauf zurück, dass die hier zusammengefassten Psalmen in jener Zeit entstanden, in der Konflikt zwischen Saul, dem vom Volk erwählten und von Gott verworfenen König Israels, und David, dem von Gott erwählten, aber noch nicht bestätigten König, ihren Höhepunkt erreichten.
Psalm 5 ist – wie die Psalmen 3 und 4 – ein Gebet Davids, das aus einer Zeit stammt, in der er von Feinden bedrängt wurde.  Alle drei Psalmen ist gleich, dass es sich bei ihnen um individuelle Gebete handelt, die auch Klagen einschließen. In Psalm 5 finden sich jedoch auch Zeiten gemeinschaftlicher Klage (vgl. Verse 11 – 13).

Anmerkungen zu Psalm 5, 1 – 13

* “Dem Vorsänger, zu Nechilot. Ein Psalm von David. Nimm zu Ohren, HERR, meine Worte, merke auf mein Seufzen! Horche auf die Stimme meines Schreiens, mein König und mein Gott! Denn zu dir bete ich.“ – Psalm 5, 1 – 3 –  Der erste Sinnabschnitt dieses Psalms kann als Bitte um Erhörung bezeichnet werden. Aus großer Not und Bedrängnis schreit David  zu Gott um Erhörung seiner dann folgenden Bitten.
“Schreien“ wird als “Ausdruck großer Schmerzen, eines großen Schreckens oder plötzlich auftretender Angst“ verstanden. Es “kann … auch die Form sprachlicher Äußerungen annehmen, etwa durch laute nachdrucksvolle Äußerungen von Worten oder Lauten“ und Schreien “kann eine intensive Aufforderung zum Handeln“¹ sein. Um Letzteres handelt es sich hier bei David. Sein Schreien ist eine intensive Aufforderung an Gott, seine Bitten zu erhören und ihm zu helfen.
Dass Menschen – wie David – diese Not auf ähnliche Weise empfunden und zu Gott geschrien haben, schildert uns die Heilige Schrift an verschiedenen Stellen:

“Und es geschah während jener vielen Tage, da starb der König von Ägypten; und die Kinder Israel seufzten wegen des Dienstes und schrien; und ihr Schreien wegen des Dienstes stieg hinauf zu Gott.“

(2. Mose 2, 23 ELBEDHÜ)

“Und du hast das Elend unserer Väter in Ägypten angesehen und hast ihr Schreien am Schilfmeer gehört.“

(Nehemia 9, 9 ELBEDHÜ)

“Du hast meine Stimme gehört; verbirg dein Ohr nicht vor meinem Seufzen, meinem Schreien!“

(Klagelieder 3, 56 ELBEDHÜ)

Insbesondere in den Psalmen finden wir das Schreien zu Gott an zahlreichen Stellen (vgl. Psalm 9, 13; Psalm 17, 1; Psalm 18, 7; Psalm 28, 2; Psalm 34, 16 + 18; Psalm 40, 2; Psalm 77, 2; Psalm 88, 3 + 14; Psalm 106, 44; Psalm 142, 7; Psalm 145, 19 – um nur einige Stellen zu nennen).

Doch diese Art des intensiven Flehens um die Erhörung von Gebet ist nicht auf das Alte Testament beschränkt. Im Neuen Testament finden sich zwar diesbezüglich nur wenige Hinweise, diese sind jedoch umso bedeutsamer:

In Markus 10, 47 (ELBEDHÜ) wird uns von dem Blinden namens Bartimäus berichtet:

“Und als er hörte, dass es Jesus, der Nazarener, sei, fing er an zu schreien und zu sagen: Sohn Davids, Jesus, erbarme dich meiner!“

Viele Menschen versuchten, den Blinden zum Verstummen zu bringen. Doch Bartimäus ließ sich nicht einschüchtern und schrie umso lauter. Und der Herr Jesus Christus erhörte ihn und ging an dieser flehentlich vorgetragenen Bitte nicht vorbei:

“Und Jesus blieb stehen und sprach: Ruft ihn! Und sie rufen den Blinden und sagen zu ihm: Sei guten Mutes; steh auf, er ruft dich! Er aber warf sein Oberkleid ab, sprang auf und kam zu Jesus. Und Jesus hob an und sprach zu ihm: Was willst du, dass ich dir tun soll? Der Blinde aber sprach zu ihm: Rabbuni, dass ich wieder sehend werde. Und Jesus sprach zu ihm: Geh hin, dein Glaube hat dich geheilt. Und sogleich wurde er wieder sehend und folgte ihm nach auf dem Weg.“

(Markus 10, 49 – 52 ELBEDHÜ)

In vollkommener Übereinstimmung mit diesem “göttlichen Praxisbeispiel“ sagt der Herr Jesus Christus darum auch in seiner Belehrung über das Gebet in Lukas 18, 1 – 8:

“Gott aber, sollte er das Recht seiner Auserwählten nicht ausführen, die Tag und Nacht zu ihm schreien, und ist er in Bezug auf sie langsam?“

(Lukas 18, 7 ELBEDHÜ)

Wir tun gut daran, Ihm, dem Sohn Gottes, diesbezüglich zu vertrauen und Seiner Belehrung zu folgen. Denn der Hebräerbrief bezeugt uns, dass Er selbst während Seines irdischen Dienstes so zu Gott gebetet hat:

“Der in den Tagen seines Fleisches, da er sowohl Bitten als Flehen dem, der ihn aus dem Tod zu erretten vermochte, mit starkem Schreien und Tränen dargebracht hat (und wegen seiner Frömmigkeit erhört worden ist), (..)“

(Hebräer 5, 7 ELBEDHÜ)

* “Früh wirst du, HERR, meine Stimme hören, früh werde ich dir mein Anliegen vorstellen und harren. Denn nicht ein Gott bist du, der an Gottlosigkeit Gefallen hat; bei dir wird das Böse nicht weilen. Nicht werden die Toren bestehen vor deinen Augen; du hasst alle, die Frevel tun.“ – Psalm 5, 4 – 6 – Einige Kommentatoren merken im Zusammenhang mit diesem Vers an, dass “früh“ sich nicht auf den Morgen beziehen würde, da im Judentum der Tag mit dem Sonnenuntergang beginnt. Letzteres ist zwar richtig, jedoch ist das an dieser Stelle gebrauchte hebräische Wort “בּקר“ (“boqer“), womit der Anbruch des Morgens bezeichnet wird. Dieser Hinweis Davids zeigt nicht nur die drängende Not, in der er sich befand, sondern auch die Ernsthaftigkeit, mit der er sein Anliegen verfolgte.  Gleich zu Beginn des Tages betete der König Israels zu Gott. Ihm war bewusst, dass er in seinen drängenden Nöten unbedingt der Hilfe und des Beistandes Gottes bedurfte. Darum richtete er seine Gedanken am frühen Morgen auf Gott aus, ehe die Aufgaben des Tages ihn ablenken und seine Gedanken füllen konnten. Ehe er anderen Menschen begegnete oder sein Tagewerk in Angriff nahm, suchte er zu allererst die Gemeinschaft mit dem allmächtigen Gott. Zum Ihm richtete er seine Gedanken und seine Worte aus.
Die Nöte, die David in dieser Zeit bedrängten, werden uns nicht im Detail geschildert. Aber ganz offensichtlich hatten Gottlosigkeit und Bosheit im Volk Israel, dem irdischen Volk Gottes, Raum gewonnen.
David war davon überzeugt, dass allein Gott diesen Zuständen ein Ende bereiten konnte und dass Er das auch tun würde. Denn David kannte “seinen Gott“ (vgl. Vers 3) und wusste, dass Gottlosigkeit und Böses dem Charakter Gottes vollkommen entgegen stehen.

* “Du wirst die Lügenredner vertilgen; den Mann des Blutes und des Truges verabscheut der HERR.“ – Psalm 5, 7 – In diesem Vers konkretisiert der Psalmist das, was er in den vorausgehenden Versen allgemein als Gottlosigkeit und Böses bezeichnet hat. Es geht um Lüge, Betrug und Gewalttätigkeit, Letzteres ganz offensichtlich bis zum Mord. Eine Gesellschaft, die sich in einem solchen Zustand befindet, kann einen Menschen Verzweifeln lassen. Doch auch in diesem Punkt zieht David seine Zuversicht aus der Kenntnis des Charakters seines Gottes. Er weiß, dass sein Gebet in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes ist, weil der Gott Israels Lüge, Betrug und Gewalttat (ebenfalls) ablehnt. Diese Übereinstimmung mit dem Willen Gottes ist eine Voraussetzung für die Erhörung von Gebet. Wo sie vorhanden ist, darf der Betende sich der Erhörung seines Gebets sicher sein.

* “Ich aber, ich werde in der Größe deiner Güte eingehen in dein Haus, ich werde anbeten in deiner Furcht gegen deinen heiligen Tempel.“ – Psalm 5, 8 – David nahm für sich nicht in Anspruch, aufgrund seiner eigenen Gerechtigkeit vor Gott stehen und Ihm seine Anliegen vortragen zu können (vgl. dazu Daniel 9, 18!). Er vertraute der Güte Gottes und den Verheißungen, die Gott ihm und seinem Haus gegeben hatte (2. Samuel 7, insbesondere Verse 9 – 10). Die demütige Haltung des Königs fand ihren Ausdruck insbesondere  in der Anbetung Gottes und der Heiligung Seines Namens. Diese Demut und die Ehrfurcht vor Gott unterscheiden den gottesfürchtigen Menschen von jenen Menschen, deren Leben von Lüge, Betrug und Gewalttat gekennzeichnet sind.

* “Leite mich, HERR, in deiner Gerechtigkeit um meiner Feinde willen; ebne vor mir deinen Weg.“ – Psalm 5, 9 – Im Gegensatz zu den Gottlosen sucht der gottesfürchtige Mensch die Leitung und Wegweisung Gottes. Es reicht einem solchen Menschen nicht aus, den Weg der Gottlosen zu meiden (vgl. Psalm 1, 1) oder als Gerechter seinen Lebensweg zu gehen. Sein Wunsch ist es, unbedingt den Weg Gottes (“deinen Weg“) zu beschreiten. Es ist sein Wunsch, diesen Weg klar vor sich zu sehen, so dass er nicht mehr davon abweicht (vgl. Psalm 119, 105).

* “Denn in ihrem Mund ist nichts Zuverlässiges; ihr Inneres ist Verderben, ein offenes Grab ihr Schlund; ihre Zunge glätten sie.“ – Das Bestreben, den Weg Gottes klar vor sich zu erkennen, ist dem Gottesfürchtigen wichtig, da er um den Einfluss des Bösen weiß. Dieser Einfluss, der oft seinen  Ausdruck in entsprechenden Worten findet, hat niemals Klarheit, Gedeihen oder Auferbauung, sondern nur Verwirrung, Verderben und Zerstörung, zum Ziel.

* “Lass sie büßen, o Gott; mögen sie fallen durch ihre Pläne! Stoße sie weg wegen der Menge ihrer Übertretungen, denn sie sind widerspenstig gegen dich gewesen. So werden sich freuen alle, die zu dir Zuflucht nehmen: Ewig werden sie jubeln, und du wirst sie beschirmen; und in dir werden frohlocken, die deinen Namen lieben. Denn du wirst den Gerechten segnen; HERR, mit Gunst wirst du ihn umgeben wie mit einem Schild.“ – Psalm 5, 11- 13 – David bat Gott, diese Bösen zur Rechenschaft zu ziehen und zu richten. Aus alttestamentarischer Sicht war eine solche Bitte gerechtfertigt, da sich diese Menschen gegen ihren souveränen Schöpfer erhoben. Der Psalmist stellt dem Gericht Gottes über die Gottlosen den Segen und die Bewahrung gegenüber, die jene Menschen erfahren, die Gott lieben. Wenn der Psalmist hier davon spricht, dass die Gottesfürchtigen “deinen Namen“, d.h. den Namen Gottes, lieben, dann bezieht sich der Begriff “Name“ auf den gesamten Charakter und alle Eigenschaften Gottes.
Die Gottesfürchtigen werden in dem Handeln Gottes gegenüber ihren boshaften Bedrückern Seine Gerechtigkeit erkennen. Gottes fürsorgendes, gerechtes Eingreifen wird bei ihnen Freude, Jubel und Lobpreis Gottes hervorrufen. (Verschiedene Kommentatoren weißen darauf hin, dass wir an dieser Stelle den ersten Hinweis auf Gesang im Buch der Psalmen finden.)

Lehren, die wir aus Psalm 5, 1 – 13 ziehen können

Im 1. Korintherbrief 10,  11 (ELBEDHÜ) schreibt der Apostel Paulus mit Blick auf das Alte Testament:

“[Alle] diese Dinge aber widerfuhren jenen als Vorbilder und sind geschrieben worden zu unserer Ermahnung, auf die das Ende der Zeitalter gekommen ist.“

Welche Lehren und praktischen Anwendungen können wir aus diesem Psalm und der darin zum Ausdruck gebrachten Erfahrung Davids für unser Leben als Christen entnehmen?

Wie David können wir eine innere Haltung kultivieren, die in allen Dingen Gott an die erste Stelle setzt. Diese Haltung kann und soll inbesondere in unserem Gebetsleben zum Ausdruck kommen:
Sind wir – wie David – zu einer vollkommenen Hingabe bereit? Anders gesagt: Widmen wir uns unserem Gebetsleben – und damit unserer Beziehung zu Gott – mit aller Kraft? Sind wir bereit, unsere Anliegen intensiv und mit Nachdruck zu vertreten, d.h. zu Gott zu schreien?  Sind wir uns unserer totalen Abhängigkeit von Gott bewusst? Sind wir uns bewusst, dass wir nicht auf der Grundlage unserer eigenen Gerechtigkeit (die wir gar nicht besitzen, vgl. Römer 3, 11 – 12) zu Gott kommen, sondern weil Er ein barmherziger Gott ist? Wissen wir um Seine liebevolle Fürsorge, die alle uns gegebenen Verheißungen erfüllen möchte? Suchen wir zuerst die Hilfe Gottes? Lassen wir unsere Gedanken zuerst von Ihm erfüllen? Ist es unser Herzensanliegen, nicht nur in Gottesfurcht “unseren“ Lebensweg, sondern den Weg Gottes für unser Leben zu gehen? Sind unsere Anliegen in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes (1. Johannes 5, 14)? Dann dürfen wir wie David darauf vertrauen, dass Gott unser Gebet hört und Seiner Zeit eingreifen wird.

Im Gegensatz zu David leben wir nicht mehr im Zeitalter des Gesetzes, sondern im Zeitalter der Gnade. Darum kann es in unseren Gebeten keine Bitten um Gottes Gericht über jene geben, die uns bedrängen oder Böses antun / angetan haben. Als Menschen, die Vergebung empfangen haben, hat Gott uns durch Seinen Geist und Seine Gnade auch mit der Kraft ausgestattet, anderen zu vergeben (Epheser 4, 32). Unser Gebet wird vielmehr sein, dass Gott diesen Menschen in Seiner Gnade begegnet, damit auch sie Frieden mit Gott (Römer 5, 1) und Vergebung ihrer Sünden (1. Johannes 1, 7 – 9) und damit neues, ewiges Leben empfangen (Johannes 3, 1 – 6). Denn nur Menschen, die mit Gott versöhnt wurden², sind auch in der Lage, sich mit anderen zu versöhnen und so zur Versöhnung unter den Menschen beizutragen³.

Fußnoten: 

¹= alle Zitate nach: https://de.wikipedia.org/wiki/Schreien

²= vgl. “Biblische Begriffe (2): Versöhnung mit Gott“

³= vgl. “Versöhnte als Botschafter der Versöhnung – Anmerkungen zu 2.- Korinther 5, 11 – 21“

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BAB am 20.02.2017

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* Lesenswert IV: TheGuardian.com: “Jewish community centers in US receive nearly 50 bomb threats in 2017 so far“: Klick!

* Sehenswert I: Trailer zu einer neuen Luther-Dokumentation, die Ende April erscheinen wird:

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Von offenen Türen und vielen Widersachern – Anmerkungen zu 1. Korinther 16, 5 – 12

Korinth_Muendung / Foto: Wikipedia/Don Vincenzo

Kanal von Korinth. Die Mündung von Korinth * Foto: Don Vincenzo – selbst fotographiert (während einer Schulreise) via Wikimedia Commons


Als Grundlage für die Wortverkündigung am kommenden Sonntag soll ein Vers aus dem 16. Kapitel des 1. Korintherbriefes (zum Hintergrund des 1. Korintherbriefes siehe: Klick!) dienen, den wir in seinem Sinnzusammenhang betrachten werden:

“Ich werde aber zu euch kommen, wenn ich Mazedonien durchzogen habe, denn ich ziehe durch Mazedonien.
Vielleicht aber werde ich bei euch bleiben oder auch überwintern, damit ihr mich geleitet, wohin irgend ich reise; denn ich will euch jetzt nicht auf der Durchreise sehen, denn ich hoffe, einige Zeit bei euch zu bleiben, wenn der Herr es erlaubt. Ich werde aber bis Pfingsten in Ephesus bleiben, denn eine große und wirkungsvolle Tür ist mir aufgetan, und die Widersacher sind zahlreich. Wenn aber Timotheus kommt, so seht zu, dass er ohne Furcht bei euch sei; denn er arbeitet am Werk des Herrn wie auch ich. Es verachte ihn nun niemand. Geleitet ihn aber in Frieden, damit er zu mir komme; denn ich erwarte ihn mit den Brüdern. Was aber den Bruder Apollos betrifft, so habe ich ihm viel zugeredet, dass er mit den Brüdern zu euch komme; und er war durchaus nicht gewillt, jetzt zu kommen, doch wird er kommen, wenn er eine gelegene Zeit finden wird.“

(1. Korinther 16, 5 – 12 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

Zur Situation der Christen in Korinth

Korinth zur Zeit des Apostels Paulus war, wie die Geschichtsforschung vielfach bestätigt, eine Stadt, in der “alles möglich war“. Aufgrund ihrer zentralen maritimen Lage war die Stadt zu einem machtvollen Wirtschaftsknotenpunkt herangewachsen, der Menschen aus allen Teilen des römischen Reiches und von darüber hinaus anzog. So wurde die Stadt auch zu einem Schmelztiegel vieler Kulturen und Religionen. Zahllose Tempel der verschiedensten Götter prägten ihr Bild. Außerdem konnte Korinth auf eine lange Geschichte als Wirkungsstätte verschiedener griechischer Philosophen, Dichter und Redner verweisen, durch die sie geprägt worden war. Eine Philosophie, die den Menschen zum Mittelpunkt aller Dinge machte, Götzendienst und sexuelle Unmoral kennzeichneten den Lebensstil dieser einflussreichen Handelsmetropole.
Auch einige Christen in Korinth hatten sich von diesem Gedankengut anstecken lassen. In ihrem Glauben und Handeln spiegelten sie mehr die heidnischen Vorstellungen der Bürger ihres Wohnortes als die Lehre des Wortes Gottes wider. Unter anderem aus diesem Grund wendet sich der Apostel Paulus mit diesem Brief an die Gläubigen in Korinth. Im ersten Teil des Briefes stellt er den Gläubigen die großen Unterschiede zwischen dem heidnischen Lebensstil und dem Willen Gottes gegenüber (1. Korinther 3, 18 – 23: Die beschränkte menschliche Weisheit im Gegensatz zur unendlichen Weisheit Gottes; 1. Korinther 5, 1 ff.: Sexuelle Unreinheit im Gegensatz zu Gottes gutem Plan der Ehe; 1. Korinther 6, 1 – 11: Gegenseitiges Verklagen vor heidnischen Gerichten im Gegensatz zur göttlichen Kraft der Versöhnung u.a.m.) Der Apostel zeigt den Christen in Korinth in diesem Brief noch einmal die Grundlagen des christlichen Lebens auf, um dann deutlich zu machen, dass der Christ auf diesen Grundlagen durch die Gnade Gottes ein heiliges, Gottes Willen entsprechendes und Christus verherrlichendes Leben führen kann.
Im zweiten Teil des Briefes (1. Korinther 7, 11. Korinther 16, 12) beantwortet der Apostel dann eine Vielzahl von Fragen, die ihm von den Gläubigen in Korinth gestellt wurden. Dabei geht es zuerst um Fragen bzgl. der Ehe und des Verhaltens Unverheirateter (1. Korinther 7, 1 – 40). Anschließend erörtert Paulus Fragen bzgl. des Genusses von Opferfleisch, das auf den Märkten Korinths günstig angeboten wurde, zuvor aber den heidnischen Götzen als Opfer dargebracht worden war (1. Korinther 8, 11. Korinther 11, 1).  In Kapitel 11 geht es dann um das würdige Verhalten der Gläubigen und zwar im Zusammenhang mit der Anbetung (1. Korinther 11, 2 – 16)  sowie im Zusammenhang mit dem Tisch des Herrn (1. Korinther 11, 17 – 34). Die Kapitel 1214 des 1. Korintherbriefes behandeln dann Fragen der Gläubigen bzgl. der geistlichen Gaben und in Kapitel 15 geht Paulus auf Fragen bzgl. der  Auferstehung ein. Er nutzt diese Gelegenheit, um die christliche Lehre darüber ausführlich darzulegen. Das große Thema  des 16. Kapitels dieses Briefes ist die apostolische Belehrung über christliche Haushalterschaft, d.h. die Verwaltung bzw. der praktische Umgang mit Gaben, die Gott dem Christen anvertraut. Diese Belehrung erfolgt durch das persönliche Vorbild des Apostels. Paulus zeigt an drei Beispielen aus der Praxis, wie der Christ diese Gaben auf eine dem Willen Gottes entsprechende Weise verwalten bzw. einsetzen kann. Bei diesen Praxisbeispielen geht es um die finanziellen Mittel, mit denen Gott jedes seiner Kinder versorgt (1. Korinther 16, 1 – 4), dann um Gott gegebene Möglichkeiten, die der Gläubige in seinem Leben entdeckt (1. Korinther 16, 5 – 9) und schließlich um die Menschen, mit denen Gott jeden einzelnen Christen zusammenführt / zusammenstellt (1. Korinther 16, 10 – 24).

Anmerkungen zu 1. Korinther 16, 5 – 9

* “Ich werde aber zu euch kommen, wenn ich Mazedonien durchzogen habe, denn ich ziehe durch Mazedonien.“ 1. Korinther 16, 5  – Nachdem Paulus in den ersten vier Versen über die Sammlung für die Gläubigen in Jerusalem gesprochen hat, spricht er nun über seine Reisepläne, d.h. er äußert sich dazu, welche Gläubigen er in den nahen Zukunft besuchen bzw. in welchen Städten er sich länger aufhalten will. Der Apostel wollte die Korinther wissen lassen, dass er beabsichtigte, erneut nach Korinth zu kommen und dort, wenn es möglich war, einige Monate zu verweilen. Zugleich hoffte er, dass auch Timotheus und Apollos nach Korinth kommen konnten. Zum Zeitpunkt der Abfassung des Briefes befand sich Paulus in Ephesus, einer der größten Städte der Provinz Asia. Er plante von dort aus nach Norden in die Provinz  Mazedonien zu reisen. Von dort aus wollte er Richtung Süden nach Korinth weiterreisen. Wie wir aus dem 2. Korintherbrief wissen (vgl. 2. Korinther 2, 1; 2. Korinther 12, 14; 2. Korinther 13, 1 – 2), änderte Paulus später seine Pläne und reiste direkt von Ephesus nach Korinth, um dann nach Ephesus zurückzukehren (vgl. 2. Korinther 2, 5 – 8; 2. Korinther 7, 12). Erst später besuchte er Mazedonien, um anschließend noch einmal nach Korinth zu reisen (vgl. 2. Korinther 2, 12 – 13; 2. Korinther 7, 6 – 16).

* “Vielleicht aber werde ich bei euch bleiben oder auch überwintern, damit ihr mich geleitet, wohin irgend ich reise; denn ich will euch jetzt nicht auf der Durchreise sehen, denn ich hoffe, einige Zeit bei euch zu bleiben, wenn der Herr es erlaubt.“ 1. Korinther 16, 6 – 7 – Es war die Absicht des Apostels eine längere Zeit in Korinth zu bleiben, um den dort lebenden Gläubigen zu helfen, die unter ihnen aufgetretenen Probleme zu lösen. Allerdings konnte Paulus nicht den Winter 56/57 n. Chr. in Korinth verbringen, sondern erst den Winter 57/58 n. Chr. (vgl. Apostelgeschichte 20, 2 – 3; Römerbrief 1, 23). Indem der Apostel hier sagt, dass er diese Dinge tun möchte “wenn der Herr es erlaubt“, macht er deutlich, dass nicht seine eigenen Planungen, sondern der Wille Gottes bzw. die Leitung des Heiligen Geistes ausschlaggebend sein werden (vgl. hierzu auch: Jakobus 4, 13 – 15). (Dieser Hinweis ist wichtig, da später Gläubige in Korinth behaupteten, Paulus wäre in seinen Aussagen nicht zuverlässig.)

* “Ich werde aber bis Pfingsten in Ephesus bleiben, (…)“1. Korinther 16, 8 – Schawuot, das jüdische “Wochenfest“ bzw. “Fest der Erstlingsfrüchte“, uns Christen als “Pfingsten“ bekannt, wurde 50 Tage nach dem Passahfest gefeiert (vgl. 2. Mose 34, 22; 2. Mose 23, 16; 3. Mose 23, 15 – 21; 4. Mose 28, 26; 5. Mose 16, 1). Zur Zeit des Paulus fiel die Feier dieses Festes zeitlich in die letzten Wochen des Monats Mai bzw. in die ersten Wochen des Monats Juni. Wir können also davon ausgehen, dass Paulus diesen Brief im Frühling 57 n. Chr. verfasst hat (vgl. auch 1. Korinther 5, 7; 1. Korinther 15, 20).

* “(…) denn eine große und wirkungsvolle Tür ist mir aufgetan, und die Widersacher sind zahlreich.“ 1. Korinther 16, 9 –  In zwei weiteren Briefen benutzt Paulus den Begriff der “Tür“ als Synonym für Gott gegebene Möglichkeiten, so in 2. Korinther 2, 12 und Kolosser 4, 3 (siehe auch:  Apostelgeschichte 14, 27; Offenbarung 3, 8). Mindestens zwei Jahre blieb der Apostel in  Ephesus um die Möglichkeiten, die Gott ihm dort zum Dienst unter den Einwohnern dieser Stadt gab, zu nutzen. Es ist in diesem Zusammenhang sehr bemerkenswert, dass der Apostel die “zahlreichen Widersacher“ nicht als Beleg für eine “geschlossene Tür“ oder einen Hinweis Gottes verstand, dass er in eine andere Stadt gehen sollte, wo es weniger Widerstand gegen seinen Dienst gab. Denn Paulus praktizierte, was er lehrte und so  blieb er angesichts des Widerstandes gegen das Evangelium in Ephesus “fest, unerschütterlich und überströmend“ (vgl. “Die Gewissheit, die fest, unerschütterlich und überströmend macht – Anmerkungen zu 1. Korinther 15, 50 – 58“: Klick!).
Um zu verstehen, wie sich der von Paulus erwähnte Widerstand gegen das Evangeliums in Ephesus äußerte und um zu verstehen, welche Lehren wir aus dem Verhalten des Apostels wir für ähnliche Situationen in unserem Leben ziehen können, betrachten wir die Situation, die der Apostel in Ephesus vorfand:

Der Apostel Paulus und die Gläubigen in Ephesus

Ephesus war eine multikulturelle Stadt, ein gesellschaftlicher und religiöser “Schmelztiegel“ für Kleinasien, ähnlich wie es New York viele Jahrhunderte später für die entstehenden Vereinigten Staaten von Amerika sein sollte. Das wurde auch deutlich durch die vielen Kulte, denen neben dem Artemiskult, der oberste Priorität besaß, in Ephesus ebenfalls gehuldigt wurde. Vom phrygischen Kybelekult bis zur Verehrung des römischen Kaisers umfasste die Palette der religiösen Angebote dieser Stadt Heiligtümer für den größten Teil aller Götzen, die im damaligen Mittelmeerraum verehrt wurden. Ephesus war, wie wir aus Apostelgeschichte 19, 19 wissen, auch ein Zentrum des Aberglaubens und der okkulten Praktiken. Aber auch Menschen, die den wahren Gott als den Schöpfer und Bundesgott Israels kannten, lebten in dieser Stadt. Dr. Eckhard J. Schnabel, Professor für Neues Testament am Gordon-Conwell Theological Seminary, verweist in seinem Buch “Urchristliche Mission“ darauf, dass eine Gruppe jüdischer Einwohner in Ephesus seit der Zeit der Seleukiden, also im Zeitraum von 281 v. Chr.  – 190 v. Chr., belegt ist und dass der jüdischen Historiker Flavius Josephus davon berichtet, dass Juden von dem seleukidischen König Antiochus III. (261 v. Chr. – 246 v. Chr.) das Bürgerrecht verliehen wurde¹.

Aus dieser Gruppe jüdischer Bewohner der Stadt Ephesus kamen die ersten Menschen durch den Dienst des Apostels Paulus zum Glauben an den Herrn Jesus Christus. Paulus hatte die Stadt zum ersten Mal auf seiner zweiten Missionsreise (Apostelgeschichte 18, 19 – 21; 1. Korinther 16, 8; je nach Datierung ab 49 n. Chr. bzw. 51 n. Chr.) besucht und dort evangelisiert. Nach seinem Abschied aus Ephesus blieben seine beiden Mitarbeiter Priscilla und Aquila in der Stadt und unterwiesen u.a. Apollos, als dieser nach Ephesus kam (Apostelgeschichte 18, 24). Auch auf der dritten Missionsreise (ca. 53/54 n. Chr. – 58 n. Chr.) machte Paulus in Ephesus Station. Bei dieser Gelegenheit fand er dort eine Gruppe von Jüngern vor, die noch nicht belehrt und getauft worden waren (Apostelgeschichte 19, 1 – 41). Offensichtlich waren diese Jünger mit dem Dienst Johannes des Täufers in Kontakt gekommen, hatten aber keine darüber hinausgehende Belehrung empfangen. Und so sollte sich dann dieser zweite Besuch des Apostels in Ephesus über einen Zeitraum von zwei Jahre erstrecken (Apostelgeschichte 19, 10; 20, 31). In dieser Zeit konzentrierte sich Paulus ganz auf die gründliche Belehrung der Gläubigen, wozu er die “Schule des Tyrannus“ mietete. Parallel dazu blieb der Apostel aber auch seinem Auftrag der Evangelisation treu, so dass viele Menschen in der Region das Evangelium hörten und zum christlichen Glauben fanden (Apostelgeschichte 19, 10).

Gegen Ende seines Aufenthaltes in Ephesus kam es dann zu dem bekannten Aufruhr, angefacht durch den Goldschmied Demetrius (Apostelgeschichte 19, 23Apostelgeschichte 20, 1). Dieser Schmied, der wie viele andere, jene kleinen silbernen Götterbilder der Artemis und ihres Tempels herstellte und verkaufte, sah in der Abwendung vieler Menschen vom Artemiskult und ihrer Hinwendung zum christlichen Glauben eine Bedrohung seines Geschäftsbetriebes. In diesem Aufruhr kam vieles zusammen: Da war zum einen natürlich die Angst, das blühende Geschäft mit den heidnischen Devotionalien und damit die Grundlage für den eigenen Lebensunterhalt und Wohlstand einzubüßen. Diese Angst war ganz eindeutig die treibende Kraft hinter diesem Aufruhr. Aber in Ephesus kamen noch zwei weitere Faktoren hinzu. Die wirtschaftlichen Interessen waren hier eng mit der religiösen Überzeugung und einem daraus resultierenden Stolz auf die Zugehörigkeit zu dieser Stadt verbunden. Die Epheser waren treue Anhänger ihrer Göttin und sie waren stolz darauf, dass ihre Stadt durch deren Heiligtum in der ganzen damaligen Welt berühmt war. So strahlte auch etwas von dem Glanz der Berühmtheit ihrer Göttin auf sie ab. Diese drei Faktoren bedingten und verstärkten einander und sie verstellten den aufgebrachten Ephesern den Blick für die Erlösung in Jesus Christus. (Hier haben wir es mit einem Mechanismus zu tun, den wir auch heute noch – wenn auch in anderen religiösen Kontexten – immer wieder beobachten können: Wirtschaftliche Abhängigkeit, die an Lokalpatriotismus und an die Zugehörigkeit zu einer bestimmten religiösen Gruppe geknüpft ist, verstellt auch heute noch vielen Menschen den Blick und damit auch den Weg zur Erlösung in Jesus Christus.) Seinen Höhepunkt fand dieser Aufruhr, als zahllose aufgebrachte Menschen sich im Theater der Stadt versammelt hatten und – zwei Stunden lang! – laut “Groß ist die Diana [oder Artemis] der Epheser!“ skandierten. So reagieren Menschen, die sich gegenseitig ihrer Überzeugung vergewissern müssen. Eine Massenveranstaltung, auf der lauthals und gemeinsam der “eigene Glaube“ proklamiert wird, soll gegenüber Außenstehenden “Masse“ und “Macht“ demonstrieren und die eigene Gruppe durch “Gemeinschaft“ und “gemeinsames Bekenntnis“ nach innen hin stärken. (Auch diesen Mechanismus können wir – in anderen religiösen Kontexten – auch heute noch beobachten: religiöse Gruppen veranstalten Massenevents, um so vor dem Rest der Gesellschaft “Größe“ und “Geschlossenheit“ zu demonstrieren und um die eigenen Mitglieder durch das [emotionale] Gemeinschaftserlebnis “bei der Stange“ zu halten. Fragt man die Besucher eines solchen “Events“, so geben sie i.d.R. an, dass ihr Glaube dadurch gestärkt worden sei bzw. neue Impulse erhalten habe. Untersuchungen belegen jedoch, dass diese “Glaubensstärkung“ nur kurze Zeit anhält und “verpufft“, wenn sich dieser “Glaube“ im Alltag bewähren muss. Damit unterscheidet sich dieser “Glaube“ eindeutig von dem, was christlicher Glaube in seinem Kern ist: eine Lebensbeziehung zu Gott durch Jesus Christus, die tragfähig und stark bleibt, selbst wenn jede Gemeinschaft mit anderen Gläubigen fehlt. Das Zeugnis vieler tausender Christen, die um ihres Glaubens willen Verfolgung erlitten haben und darum zum Teil Jahrzehnte auf jede Gemeinschaft mit anderen Christen verzichten mussten, ist hierfür ein eindeutiger Beleg. Denn christlicher Glaube, die Lebensbeziehung zu Gott, wird nicht durch die Gemeinschaft mit anderen Menschen [so schön und hilfreich diese Gemeinschaft auch sein kann], sondern allein durch die Gemeinschaft mit Jesus Christus erhalten und gestärkt [vgl. Philipper 4, 10 – 13!])

Wie gesagt, diese drei Faktoren (wirtschaftlicher Wohlstand, verquickt mit religiöser Überzeugung und Stolz auf die Zugehörigkeit zu einer berühmten Stadt) verstellten den aufgebrachten Ephesern den Blick für die Erlösung in Jesus Christus. Viele andere, die durch den Verkündigungsdienst des Apostels Paulus und seiner Mitarbeiter erreicht wurden, erkannten jedoch die Wahrheit und zwar nicht nur die Wahrheit über Jesus Christus, sondern auch die Wahrheit über die “Göttin“ Artemis (oder Diana). Hier müssen wir noch einmal einen Blick in die Geschichte richten: Bevor der in der Apostelgeschichte erwähnte und in der Weltgeschichte als siebtes Weltwunder der Antike bekannt gewordene Tempel der Artemis in Ephesus errichtet wurde, stand bereits an gleicher Stelle seit mehreren Jahrhunderten ein etwas kleineres, ebenfalls der Artemis geweihtes Heiligtum. Auch dieses Heiligtum war über die Grenzen von Ephesus hinaus bekannt. Doch in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli des Jahres 356 v. Chr. wurde dieser (ältere) Tempel der Artemis durch den Hirten Herostratos in Brand gesetzt. Herostratos wollte mit seiner Tat angeblich zu historischem Ruhm kommen, was ihm auch gelang. (Noch heute bezeichnet man Menschen, die religiöse oder kulturelle Güter aus Geltungssucht zerstören als “Herostraten“ bzw. die ihre Taten als “Herostratentum“.) Im Nachgang zum Brand des Artemistempels entstand die Sage, dass die Göttin in jener Nacht ihren Tempel in Ephesus habe nicht beschützen können, weil sie der Mutter Alexander des Großen bei dessen Geburt in der makedonischen Hauptstadt Pella habe beistehen müssen. Mit dieser Legende sicherten sich die Priester der Artemis das Wohlwollen Alexander des Großen, der das Artemision finanziell in großem Umfang unterstützte. Aber mit dieser Legende offenbarten die Priester der Artemis auch die Wahrheit über die “Göttin“, der sie dienten. Diese “Göttin“, die in einem großartigen, von Menschen erbauten Gebäude wohnte, konnte ihr eigenes Haus nicht beschützen, wenn sie sich zeitgleich an einem anderen Ort aufhielt. Was für ein Armutszeugnis über ihre angebliche “Macht“. Wie anders war da doch der allmächtige Schöpfergott, den der Apostel Paulus verkündigte. Ich bin sicher, dass vielen seiner Zuhörer der große Unterschied sogleich auffiel, ohne dass Paulus extra darauf hinweisen musste. Da, wie Apostelgeschichte 19, 11 – 12 berichtet, Gott den Dienst des Paulus durch Zeichen und Wunder bestätigte (vgl. Markus 16, 20), wurde dieser Unterschied zwischen dem wahren Gott und dem Götzen der Epheser dadurch auf eindrucksvolle Weise zusätzlich unterstrichen. Auf diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass sich, wie uns Lukas mitteilt,  “das Wort (…) durch die Kraft des Herrn ausbreitete und (…) mächtig (wurde)“ (Apostelgeschichte 19, 20). Diese Tatsache bestätigt sogar der Goldschmied Demetrius in seinem Aufruf an die Bevölkerung von Ephesus, wenn er sagt: “(…)  ihr seht und hört, dass nicht allein in Ephesus, sondern auch fast in der ganzen Provinz Asien dieser Paulus viel Volk abspenstig macht (…)“ (Apostelgeschichte 19, 26). Keine Verblendung, auch keine “kombinierte“ Verblendung, ist auf Dauer stark genug, um der Wahrheit Gottes zu widerstehen (2. Korinther 4, 1 – 7).

Nachdem Paulus erneut Abschied von der Versammlung (= Gemeinde) in Ephesus genommen hatte, wurde diese durch seinen Mitarbeiter Timotheus weiter betreut (vgl. 1. Timotheus 1, 3; 2. Timotheus 4, 12). Zum Ende der 3. Missionsreise kam Paulus zwar noch einmal in die Nähe von Ephesus, hatte aber nur Gelegenheit, die Ältesten der Versammlung (= Gemeinde) zu sich nach Milet zu bestellen (Apostelgeschichte 20, 16). In der Apostelgeschichte ist uns seine eindringliche Abschiedsrede an diese Christen überliefert (Apostelgeschichte 20, 18 – 38). Hierin warnt er vor einer Opposition, einem Widerstand, der nicht von außen, sondern von innen, d.h. aus der Mitte der Gläubigen selbst kommen würde: Verführer / Irrlehrer, die die die Gläubigen “hinter sich selbst her“ und damit von dem Herrn Jesus Christus, dem einzigen Mittelpunkt christlichen Glaubens, abziehen würden. Das diese prophetische Warnung berechtigt war, zeigt uns das Sendschreiben an die Versammlung (= Gemeinde) in Ephesus, das wir in Offenbarung 2, 1 f. finden.
Aus diesem Sendschreiben erfahren wir, dass die Gläubigen in Ephesus Gott rund 40 Jahre lang treu gedient hatten und dafür auch gleich zu Beginn Seines Sendschreibens von Ihm gelobt werden. Treue ebenfalls ein Teil des Wesens Gottes (2. Timotheus 2, 13) und sie  hat bei Gott einen sehr hohen Stellenwert. So wird von Dienern des Herrn “nur“ verlangt, dass sie treu sind (1. Korinther 4, 2).  Nicht der Erfolg, den jemand in seinem Dienst für Gott hat,  ist also für Gott ausschlaggebend, sondern die Treue, mit der jemand seinen Dienst versieht – selbst wenn er/sie sich in diesem Dienst vielen Widersachern und großem Widerstand von außen oder innen ausgesetzt sieht.
Aus den Worten Jesu in diesem Sendschreiben wird deutlich, dass diese Gläubigen trotz großer innergemeindlicher Anfechtung (durch Irrlehrer; “falsche Apostel“) und schwerer äußere Umstände (Verfolgung durch die römischen Autoritäten im Besonderen und die heidnische Umwelt im Allgemeinen) im Glauben an Ihn ausgeharrt und Ihm die Treue gehalten hatten. Diese Treue hat Gott erfreut ((Matthäus 25, 21 ff.) und darum bzw. dafür lobt Er die Gläubigen in Ephesus. Auch wir können durch Gottes Gnade und Kraft (2. Korinther 12, 9) Ihm die Treue bewahren, in schwierigen Situationen ausharren (Kolosser 1, 11) ohne zu ermüden (Hebräer 12, 3) und auf diese Weise Gottes Herz erfreuen.
Bei den erwähnten falschen Lehrern handelte es sich offensichtlich um Männer, die von Ort zu Ort reisten und sich als “Apostel“ ausgaben, jedoch nicht zum Kreis der anerkannten Apostel des Herrn gehörten, die Augenzeugen des Auferstandenen gewesen sein mussten (Apostelgeschichte 1, 15 – 26). Vor solchen falschen Aposteln hatte bereits Paulus die  Versammlungen (= Gemeinden) warnen müssen (vgl. 2. Korinther 11, 13).
Obschon die Gläubigen in Ephesus also durch schwierige Zeiten gegangen waren und noch gingen, hatten sie den Dienst für Gott nicht aufgegeben. Sie waren nicht nachlässig geworden. Ihre Werke und ihre Arbeit für den Herrn waren offenbar. Selbst unter innerer und äußerer Bedrängnis hatten sie keine Mühe gescheut und waren nicht müde geworden. Aufgeben war für sie ganz offensichtlich nie eine Alternative. Der Grund dafür war offensichtlich, dass sie den Rat befolgt hatten, der ihnen von Paulus in 1. Korinther 15, 58 gegeben worden war.
Auch uns dürfen darum die Gläubigen in Ephesus in diesen Dingen ein Vorbild sein. Und wir dürfen wissen: Der Gott, der sie befähigte, beharrlich im Dienst für ihn zu bleiben, will auch uns zu unserem Dienst – besonders in schweren Zeiten – Seine Gnade und Kraft schenken. Auch in Zeiten innerer und äußerer Anfechtung sollen wir Seine Kraft und Gnade erleben, um beharrlich und treu bleiben.

* “Wenn aber Timotheus kommt, so seht zu, dass er ohne Furcht bei euch sei; denn er arbeitet am Werk des Herrn wie auch ich. Es verachte ihn nun niemand. Geleitet ihn aber in Frieden, damit er zu mir komme; denn ich erwarte ihn mit den Brüdern.“-  1. Korinther 16, 10 – 11 – Wahrscheinlich hatte Paulus seinen Mitarbeiter Timotheus zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Briefes bereits nach Korinth gesandt (vgl. Apostelgeschichte  19, 22; 1. Korinther 4, 17). Da dieser Mitarbeiter noch recht jung war (vgl. 1. Timotheus 4, 12), weist der Apostel die Gläubigen in Korinth an, ihn nicht zu verachten. Das griechische Wort “ἐξουθενέω“ (“exoutheneo“) kann auch mit “geringschätzen“ oder “für Nichts achten“ übersetzt werden. Doch die Christen in Korinth sollten nicht auf diese Äußerlichkeit achten. Denn trotz seines noch jungen Alters bezeugt Paulus, dass Timotheus “am Werk des Herrn arbeitet“ und zwar “wie auch ich“, d.h. wie der Apostel. Wenn die Gläubigen in Korinth den Dienst des Paulus wertschätzten und ihm Respekt erwiesen, so sollten sie ebenso den Dienst und die Person des jungen Mitbruders ebenso wertschätzen. Diese Wertschätzung sollte sich u.a. darin ausdrücken, dass die korinthischen Christen Timotheus für die Weiterreise ausrüsteten und evtl. auch eine Strecke des Weges geleiteten.
Verschiedene Kommentatoren gehen davon aus, dass es der Bericht über die Zustände unter den Gläubigen in Korinth war, den Paulus durch Timotheus empfing, der ihn dazu bewog, direkt von Ephesus nach Korinth zu reisen und die Weiterreise nach Mazedonien aufzuschieben. Im 2. Brief an die Korinther bezeichnet der Apostel diesen Besuch in Korinth als  “traurig“ bzw. “schmerzhaft“, denn er erfuhr von den Gläubigen dort viel Widerstand (vgl. 2. Korinther 2, 1 – 8; 2. Korinther 7, 12; 2. Korinther 12, 14 und 2. Korinther  13, 1 – 2).

* “Was aber den Bruder Apollos betrifft, so habe ich ihm viel zugeredet, dass er mit den Brüdern zu euch komme; und er war durchaus nicht gewillt, jetzt zu kommen, doch wird er kommen, wenn er eine gelegene Zeit finden wird.“ 1. Korinther 16, 12 –  Ein Grund, warum Apollos zum diesem Zeitpunkt nicht nach Ephesus kommen wollte, wird uns an keiner Stelle im Neuen Testament genannt. Aus 1. Korinther 1, 12 können wir jedoch ersehen, dass der Grund nicht in der Beziehung des Apostels zu seinem Mitarbeiter lag.
Bei diesem Hinweis scheint es sich jedoch um die letzte Antwort des Apostels auf die Fragen der Korinther zu handeln. Denn Paulus benutzt hier, wie verschiedene Kommentatoren hervorheben, zum sechsten und zum letzten Mal in diesem Brief die Formulierung “περί δὲ‘ (“peri de“), in deutscher Sprache ungefähr  “betreffs / betreffend“.

Fußnoten:

¹= Dr. Eckhardt J. Schnabel: “Urchristliche Mission“, Theologische Verlagsgemeinschaft SCM R. Brockhaus-Verlag Wuppertal, 1. Auflage 2002, Seite 1161

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