Hintergrund 1: Der Epheserbrief

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Ephesos: Blick vom Theater auf die Hafenstraße Foto: Hans Weingartz/Wikipedia

Ephesos: Blick vom Theater auf die Hafenstraße Foto: Hans Weingartz/Wikipedia

Autor, Zeit und Ort der Entstehung des Briefes

Die Mehrheit der konservativen Kommentatoren ist davon überzeugt, dass dieser Brief von dem Apostels Paulus stammt, so wie es der Absender angibt (Epheser 1, 1; 3, 1). Dafür spricht zum einen das Zeugnis vieler früher Kirchenväter, sein Vorkommen im Kanon Muratori und im Kanon des Marcion. Für die paulinische Autorenschaft sprechen außerdem die Struktur des Briefes, seine theologischen Aussagen, die mit der Theologie der anerkannten Paulusbriefe in Einklang steht (allein im Kolosserbrief gibt es 73 Verse, die mit Versen im Epheserbrief praktisch identisch sind) und das Selbstzeugnis des Autors (vgl. Epheser 3, 8 mit 1. Korinther 15, 9!).¹

In diesem Brief macht Paulus verschiedene Aussagen über seine Gefangenschaft (Epheser 3, 1; 3, 13; 4, 1; 6, 20). Aufgrund der bereits erwähnten Zeugnisse der Kirchenväter können wir davon ausgehen, dass es sich hier um die erste Gefangenschaft des Apostels handelt, die er zwei Jahre lang in Rom erdulden musste (vgl. Apostelgeschichte 28, 16 – 31, Philipper 1, 13; Philipper 4, 22) und die in die Zeit zwischen 60 und 62 n. Chr. datiert wird. (Für diese erste Gefangenschaft, aus der Paulus noch einmal frei kam, spricht die Schilderung der Umstände in Apostelgeschichte 28, 16 – 31: Paulus stand zu dieser Zeit unter „Hausarrest“, wurde von einem römischen Soldaten bewacht, konnte jedoch Gäste empfangen und in diesem Rahmen auch das Evangelium verkünden. Solche Freiheiten wurden dem Apostel bei seiner späteren Gefangenschaft nicht mehr zugestanden, wie wir aus 2. Timotheus 1, 16 entnehmen können.) Der Epheserbrief wird deshalb auch zu den Gefangenschaftsbriefen gerechnet, zu denen außerdem der Kolosserbrief, der Philipperbrief und der Brief an Philemon gehören (vgl. z.B. Epheser 6, 23 mit Kolosser 4, 8; sowie Kolosser 1, 7 und Kolosser 4, 10 ff. mit Philemon 23 – 25).

Missionsreisen des Paulus / Grafik: Wikipedia / User: Janz

Der Epheserbrief enthält sehr wenige Aussagen des Apostels über seine Person oder die gegenwärtigen Umstände seines Dienstes. Auch deswegen wurde die Authentizität des Briefes angezweifelt. Das Fehlen solcher persönlichen Mitteilungen ist jedoch verständlich, wenn man sich die enge Beziehung des Apostels zu der Versammlung (= Gemeinde) in Ephesus vor Augen führt: Paulus besuchte die Stadt zum ersten Mal auf seiner zweiten Missionsreise (Apostelgeschichte 18, 19; je nach Datierung ab 49 bzw. 51 n. Chr.). Seine Mitarbeiter Priscilla und Aquila blieben dort und unterwiesen Apollos, als dieser nach Ephesus kam (Apostelgeschichte 18, 24). Auch auf der dritten Missionsreise macht Paulus in Ephesus Station. Bei dieser Gelegenheit fand er dort Jünger vor, die noch nicht belehrt und getauft waren (Apostelgeschichte 19, 1 – 41). Er bliebt dann über zwei Jahre dort (Apostelgeschichte 19, 10; 20, 31). In dieser Zeit konzentrierte er sich auf die gründliche Belehrung der Gläubigen, wozu er die „Schule des Tyrannus“ mietete. Parallel dazu blieb Paulus aber auch seinem Auftrag der Evangelisation treu, so dass viele Menschen in der Region das Evangelium hörten und zum Glauben fanden (Apostelgeschichte 19, 10). Nach dem Abschied des Apostels von der Versammlung (= Gemeinde) in Ephesus wurde diese durch seine Mitarbeiter Timotheus und Tychikus weiter betreut (vgl. 1. Timotheus 1, 3; 2. Timotheus 4, 12). Zum Ende der 3. Missionsreise kam Paulus zwar noch einmal in die Nähe von Ephesus, hatte aber nur Gelegenheit, die Ältesten der Versammlung (= Gemeinde) zu sich nach Milet zu bestellen (Apostelgeschichte 20, 16). In der Apostelgeschichte ist uns seine eindringliche Abschiedsrede an diese Christen überliefert (Apostelgeschichte 20, 18 – 38). Diese „Wegmarken“ der „Gemeindechronik“ der Epheser machen deutlich, dass diese Gläubigen nicht nur eine enge Beziehung zu Paulus pflegten, sondern auch zu dessen Mitarbeitern. Aufgrund dieser engen Beziehung war ihnen vieles aus dem Leben und Dienst des Apostels bekannt. Hinzu kommt, dass der Epheserbrief durch einen Mitarbeiter des Apostels überbracht wurde. Der Name des Boten war Tychikus. Gemäß Epheser 6, 21 können wir sicher sein, dass Tychikus den Gläubigen in Ephesus mündlich Auskunft über die Lebensumstände und das Befinden (auch während der Zeit der Gefangenschaft) des Apostels geben konnte und dies auch getan hat.

Wie eng die Beziehung zu den Gläubigen in Ephesus war, zeigt sich m. E. auch in den zwei Gebeten des Apostels für sie, die wir in diesem Brief finden und zwar in Epheser 1, 15 – 22 und Epheser 3, 14 – 21.


Ephesus – der historische Hintergrund

Artemision di efeso 04

Ruinen des Artemis-Tempels in Ephesus * Foto: I. Sailko [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Ephesus war die Hauptstadt der römischen Provinz Asia (Klick!) und zugleich deren größte Hafen- und Handelsstadt. Diese römische Provinz umfasste große Teile der heutigen Westtürkei. 133 v. Chr. war dieses Gebiet des früheren Königreiches Pergamon nach dem Tod des kinderlosen Königs Attalos III., testamentarisch an das römische Reich übergegangen und vier Jahre später zur Provinz Asia erklärt worden. Historisch kann eine Siedlung auf dem Gebiet der späteren Stadt Ephesus ab dem 5. Jahrtausend v. Chr. belegt werden, eine griechischstämmige Bevölkerung lässt sich aber erst seit ca. 1000 v. Chr. nachweisen. Der griechische Historiker und Geograph Strabo (63 v. Chr. – 23 n. Chr.) bezeichnete die Stadt in seiner Schrift “Geographika“ als größte Stadt der Provinz Asia und des (West-)Taurus². Allgemein gilt Ephesus, deren Ruinen ca. 70 km. südlich der modernen Stadt Izmir an der türkischen Westküste liegen und jährlich bis zu 1, 8 Millionen Touristen anziehen, als zweitgrößte und -wichtigste Stadt des römischen Imperiums, die nur von der Hauptstadt Rom selbst noch übertroffen wurde. Der Philosoph Seneca verglich sie in einem seiner Briefe mit der ägyptischen Metropole Alexandria³.
An der Mündung des Flusses Kaystros (auch als “Kleiner Mäander“ bekannt; türk.: “Kücük Mendres“) gelegen, hatte Ephesus durch einen natürlich geschützten Hafen direkten Zugang zum Mittelmeer und war damit auch schon früh ein Umschlagsplatz für alle möglichen Handelsgüter. Im Verlauf der Zeit hat der Zufluss des Kaystros den einstigen Hafen von Ephesus versanden lassen. Die Ruinen der Stadt liegen daher heute ca. 5 km. vom Meer entfernt. Da in Küstennähe auch eine Süßwasserquelle vorhanden war, stellte sich das Gebiet als ein idealer Siedlungsplatz dar.
Seit ca. dem 8. Jahrhundert v. Chr. wurde in dieser Stadt die griechische Göttin Artemis (bzw. später deren römische Entsprechung Diana) verehrt, was im Verlauf der Geschichte dazu führte, dass die Stadt weit über die Grenzen des römischen Reiches hinaus bekannt wurde. Zentrum dieses Kultes war das so genannte Artemision. Dieser Tempel, der größte Tempelbau der Antike4, enthielt das Standbild der (Fruchtbarkeits-)Göttin, das nach einer Sage “aus dem Himmel gefallen“ war (vgl. dazu auch Apostelgeschichte 19, 24 + 35). Das Artemision diente neben der Verehrung der Göttin auch als Asyl für Menschen oder Güter. Dem Versprechen, als Asyl für Hilfesuchende zu fungieren, wurde der Tempel jedoch nicht immer gerecht. So wurde z.B. die Schwester der ägyptischen Königin Cleopatra, die Prinzessin Arsinoë, die hier Asyl gesucht hatte, im Jahr 41 v. Chr. von Dienern des römischen Feldherrn Marcus Antonius mit Gewalt aus dem Artemision entführt und umgebracht. Auf diese Weise entledigt sich Marcus Antonius einer politischen Rivalin seiner ägyptischen Verbündeten. Da der römische Feldherr dem Artemistempel kurz zuvor eine große Anzahl von Opfergaben gespendet hatte, wurde von Seiten der Artemis-Priesterschaft trotz dieses Frevels dann auch nichts gegen ihn unternommen.
Das Artemision zog nicht nur Menschen aus der ganzen Provinz Asia an, sondern auch viele Besucher aus anderen Teilen des römischen Reiches, die als Reisende mit dem Schiff nach Ephesus kamen. Da man der Göttin nicht nur Naturalien, sondern auch Geldwerte und Edelmetalle spendete, häufte das Heiligtum mit der Zeit große Reichtümer an. Der Reichtum des Artemistempels und der Wohlstand der Stadt speisten sich auch aus einem blühenden Devotionalienhandel, bei dem kleine Figuren der Göttin bzw. ihres Tempels hergestellt und an die Besucher des Heiligtums verkauft wurden.
Aufgrund seiner Ausstattung und Größe zählte das Artemision neben den hängenden Gärten der Semiramis zu Babylon, dem Koloss von Rhodos, dem Grab des Königs Mausolos II. zu Halikarnassos, dem Leuchtturm auf der Insel Pharos vor Alexandria, den Pyramiden von Gizeh und der Zeusstatue des Phidias von Olympia zu den sieben Weltwundern der Antike. Dies waren alles Bauwerke von immenser Größe und Zeugnisse von beachtlicher Ingenieurs- und Bildhauerkunst. Im Verlauf des so genannten “Gotensturms“ wurde der Tempel dann jedoch im Jahr 263 n. Chr. nach der Einnahme der Stadt Ephesus durch die Goten geplündert und zerstört. Der Artemiskult lebte an diesem Ort allerdings noch bis ins 4. nachchristliche Jahrhundert fort.
Neben dem Artemistempel verfügte Ephesus über weitere beeindruckende Bauwerke. So war die Stadt auch wegen ihres großen Theaters bekannt, das bis zu 25.000 Zuschauer (je nach Berechnung die Hälfte bzw. zwei Drittel der Zuschauerzahl des römischen Kolosseums) aufnehmen konnte und in dem neben Theateraufführungen und sportlichen Wettkämpfen auch Gladiatorenkämpfe abgehalten wurden. Dass dort Gladiatorenkämpfe ausgetragen wurden, bestätigt auch die archäologische Forschung. Im Jahr 2007 entdeckte man in Ephesus den ersten Gladiatorenfriedhof der Welt5. Dort, wo es Gladiatorenkämpfe gab, wurden oft auch Verurteilte dem Kampf mit wilden Tieren ausgesetzt (vgl. dazu 1. Korinther 15, 32, wo der Kampf mit wilden Tieren jedoch im übertragenen Sinn verstanden werden muss, weil Paulus – als römischer Bürger – von dieser Verurteilungsart ausgenommen war). Die Stadt verfügte außerdem über eines der am weitesten entwickelten Aquäduktsysteme, durch das alle Gebiete der Stadt mit Wasser versorgt werden konnten. Insbesondere wurden so auch die öffentlichen Thermen mit Wasser versorgt, von denen es eine Vielzahl in der Stadt gab.
Ephesus war eine multikulturelle Stadt, ein gesellschaftlicher und religiöser “Schmelztiegel“ für Kleinasien, ähnlich wie es New York viele Jahrhunderte später für die entstehenden Vereinigten Staaten von Amerika werden sollte. Das wird auch deutlich durch die vielen Kulte, denen neben dem Artemiskult, der oberste Priorität besaß, in Ephesus ebenfalls gehuldigt wurde. Vom phrygischen Kybelekult bis zur Verehrung des römischen Kaisers umfasste die Palette der religiösen Angebote dieser Stadt Heiligtümer für den größten Teil aller Götzen, die im damaligen Mittelmeerraum verehrt wurden. Ephesus war, wie wir aus Apostelgeschichte 19, 19 wissen, auch ein Zentrum des Aberglaubens und der okkulten Praktiken. Aber auch Menschen, die den wahren Gott als den Schöpfer und Bundesgott Israels kannten, lebten in dieser Stadt. Dr. Eckhard J. Schnabel, Professor für Neues Testament am Gordon-Conwell Theological Seminary, verweist in seinem Buch “Urchristliche Mission“ darauf, dass eine Gruppe jüdischer Einwohner in Ephesus seit der Zeit der Seleukiden, also im Zeitraum von 281 v. Chr. – 190 v. Chr., belegt ist und dass der jüdischen Historiker Flavius Josephus davon berichtet, dass diesen Juden von dem seleukidischen König Antiochus III. (261 v. Chr. – 246 v. Chr.) das Bürgerrecht verliehen wurde6.

Der Apostel Paulus und die Gläubigen in Ephesus

Aus dieser Gruppe jüdischer Bewohner der Stadt Ephesus kamen die ersten Menschen durch den Dienst des Apostels Paulus zum Glauben an den Herrn Jesus Christus. Paulus hatte die Stadt zum ersten Mal auf seiner zweiten Missionsreise (Apostelgeschichte 18, 19 – 21; 1. Korinther 16, 8; je nach Datierung ab 49 n. Chr. bzw. 51 n. Chr.) besucht und dort evangelisiert. Nach seinem Abschied aus Ephesus blieben seine beiden Mitarbeiter Priscilla und Aquila in der Stadt und unterwiesen u.a. Apollos, als dieser nach Ephesus kam (Apostelgeschichte 18, 24). Auch auf der dritten Missionsreise (ca. 53/54 n. Chr. – 58 n. Chr.) machte Paulus in Ephesus Station. Bei dieser Gelegenheit fand er dort eine Gruppe von Jüngern vor, die noch nicht belehrt und getauft worden waren (Apostelgeschichte 19, 1 – 41). Offensichtlich waren diese Jünger mit dem Dienst Johannes des Täufers in Kontakt gekommen, hatten aber keine darüber hinausgehende christliche Belehrung empfangen. Und so sollte sich dann dieser zweite Besuch des Apostels in Ephesus über einen Zeitraum von zwei Jahre erstrecken (Apostelgeschichte 19, 10; 20, 31). In dieser Zeit konzentrierte sich Paulus ganz auf die gründliche Belehrung der Gläubigen, wozu er die „Schule des Tyrannus“ mietete. Es wird angenommen, dass Epaphroditus, ein Mitarbeiter des Apostels Paulus, den wir auch  unter der Kurzform seines Namens als Epaphras kennen (vgl. Philipper 2, 25; Philipper 4, 18; Kolosser 1, 7; Kolosser 4, 12; Philemon 23) in dieser Zeit zum Glauben an  den Herrn Jesus Christus gekommen ist. Parallel zu seiner Lehrtätigkeit in der Schule des Tyrannus, blieb der Apostel auch seinem Auftrag der Evangelisation treu. Durch ihn und durch die Menschen, die infolge seines Dienstes Christen geworden waren, hörten zahlreiche andere Menschen in der ganzen Provinz Asia das Evangelium und fanden zum christlichen Glauben (Apostelgeschichte 19, 10).

Gegen Ende seines Aufenthaltes in Ephesus kam es dann zu dem bekannten Aufruhr, angefacht durch den Goldschmied Demetrius (Apostelgeschichte 19, 23Apostelgeschichte 20, 1). Dieser Schmied, der wie viele andere Handwerker, jene kleinen silbernen Götterbilder der Artemis und ihres Tempels herstellte und verkaufte, sah in der Abwendung vieler Menschen vom Artemiskult und ihrer Hinwendung zum christlichen Glauben eine Bedrohung seines Geschäftsbetriebes. In diesem Aufruhr kam jedoch noch mehr zusammen: Da war zum einen natürlich die Angst, das blühende Geschäft mit den heidnischen Devotionalien und damit die Grundlage für den eigenen Lebensunterhalt und Wohlstand einzubüßen. Diese Angst war ganz eindeutig die treibende Kraft hinter diesem Aufruhr. Aber in Ephesus kamen noch zwei weitere Faktoren hinzu. Die wirtschaftlichen Interessen waren hier eng mit der religiösen Überzeugung und einem daraus resultierenden Stolz auf die Zugehörigkeit zu dieser Stadt verbunden. Die Epheser waren treue Anhänger ihrer Göttin und sie waren stolz darauf, dass ihre Stadt durch deren Heiligtum in der ganzen damaligen Welt berühmt war. So strahlte auch etwas von dem Glanz der Berühmtheit ihrer Göttin auf sie ab. Diese drei Faktoren bedingten und verstärkten einander und sie verstellten den aufgebrachten Ephesern den Blick für die Erlösung in Jesus Christus. (Hier haben wir es mit einem Mechanismus zu tun, den wir auch heute noch – wenn auch in anderen religiösen Kontexten – immer wieder beobachten können: Wirtschaftliche Abhängigkeit, die an Lokalpatriotismus und an die Zugehörigkeit zu einer bestimmten religiösen Gruppe geknüpft ist, verstellt auch heute noch vielen Menschen den Blick und damit auch den Weg zur Erlösung in Jesus Christus.) Seinen Höhepunkt fand dieser Aufruhr, als zahllose aufgebrachte Menschen sich im Theater der Stadt versammelt hatten und – zwei Stunden lang! – laut “Groß ist die Diana [oder Artemis] der Epheser!“ skandierten. So reagieren Menschen, die sich gegenseitig ihrer Überzeugung vergewissern müssen. Eine Massenveranstaltung, auf der lauthals und gemeinsam der “eigene Glaube“ proklamiert wird, soll gegenüber Außenstehenden “Masse“ und “Macht“ demonstrieren und die eigene Gruppe durch “Gemeinschaft“ und “gemeinsames Bekenntnis“ nach innen hin stärken. (Auch diesen Mechanismus können wir – in anderen religiösen Kontexten – auch heute noch beobachten: religiöse Gruppen veranstalten Massenevents, um so vor dem Rest der Gesellschaft “Größe“ und “Geschlossenheit“ zu demonstrieren und um die eigenen Mitglieder durch das [emotionale] Gemeinschaftserlebnis “bei der Stange“ zu halten. Fragt man die Besucher eines solchen “Events“, so geben sie i.d.R. an, dass ihr Glaube dadurch gestärkt worden sei bzw. neue Impulse erhalten habe. Untersuchungen belegen jedoch, dass diese “Glaubensstärkung“ nur kurze Zeit anhält und “verpufft“, wenn sich dieser “Glaube“ im Alltag bewähren muss. Damit unterscheidet sich dieser “Glaube“ eindeutig von dem, was christlicher Glaube in seinem Kern ist: eine Lebensbeziehung zu Gott durch Jesus Christus, die tragfähig und stark bleibt, selbst wenn jede Gemeinschaft mit anderen Gläubigen fehlt. Das Zeugnis vieler tausender Christen, die um ihres Glaubens willen Verfolgung erlitten haben und darum zum Teil Jahrzehnte auf jede Gemeinschaft mit anderen Christen verzichten mussten, ist hierfür ein eindeutiger Beleg. Denn christlicher Glaube, die Lebensbeziehung zu Gott, wird nicht durch die Gemeinschaft mit anderen Menschen [so schön und hilfreich diese Gemeinschaft auch sein kann], sondern allein durch die Gemeinschaft mit Jesus Christus erhalten und gestärkt [vgl. Philipper 4, 10 – 13!])

Wie gesagt, diese drei Faktoren (wirtschaftlicher Wohlstand, verquickt mit religiöser Überzeugung und Stolz auf die Zugehörigkeit zu einer berühmten Stadt) verstellten den aufgebrachten Ephesern den Blick für die Erlösung, die Gott ihnen durch  den Dienst des Paulus anbot. Viele andere, die durch den Verkündigungsdienst des Apostels und seiner Mitarbeiter erreicht wurden, erkannten jedoch die Wahrheit und zwar nicht nur die Wahrheit über Jesus Christus, sondern auch die Wahrheit über die “Göttin“ Artemis (oder Diana). Hier müssen wir noch einmal einen Blick in die Geschichte richten: Bevor der in der Apostelgeschichte erwähnte und in der Weltgeschichte als siebtes Weltwunder der Antike bekannt gewordene Tempel der Artemis in Ephesus errichtet wurde, stand bereits an gleicher Stelle seit mehreren Jahrhunderten ein etwas kleineres, ebenfalls der Artemis geweihtes Heiligtum. Auch dieses Heiligtum war über die Grenzen von Ephesus hinaus bekannt. Doch in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli des Jahres 356 v. Chr. wurde dieser (ältere) Tempel der Artemis durch den Hirten Herostratos in Brand gesetzt. Herostratos wollte mit seiner Tat angeblich zu historischem Ruhm kommen, was ihm auch gelang. (Noch heute bezeichnet man Menschen, die religiöse oder kulturelle Güter aus Geltungssucht zerstören als “Herostraten“ bzw. die ihre Taten als “Herostratentum“.) Im Nachgang zum Brand des Artemistempels entstand die Sage, dass die Göttin in jener Nacht ihren Tempel in Ephesus habe nicht beschützen können, weil sie der Mutter Alexander des Großen bei dessen Geburt in der makedonischen Hauptstadt Pella habe beistehen müssen. Mit dieser Legende sicherten sich die Priester der Artemis das Wohlwollen Alexander des Großen, der das Artemision finanziell in großem Umfang unterstützte. Aber mit dieser Legende offenbarten die Priester der Artemis auch die Wahrheit über die “Göttin“, der sie dienten. Diese “Göttin“, die in einem großartigen, von Menschen erbauten Gebäude wohnte, konnte ihr eigenes Haus nicht beschützen, wenn sie sich zeitgleich an einem anderen Ort aufhielt. Was für ein Armutszeugnis über ihre angebliche “Macht“. Wie anders war da doch der allmächtige Schöpfergott, den der Apostel Paulus verkündigte. Ich bin sicher, dass vielen seiner Zuhörer der große Unterschied sogleich auffiel, ohne dass Paulus extra darauf hinweisen musste. Da, wie Apostelgeschichte 19, 11 – 12 berichtet, Gott den Dienst des Paulus durch Zeichen und Wunder bestätigte (vgl. Markus 16, 20), wurde dieser Unterschied zwischen dem wahren Gott und dem Götzen der Epheser dadurch auf eindrucksvolle Weise zusätzlich unterstrichen. Auf diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass sich, wie uns Lukas mitteilt, “das Wort (…) durch die Kraft des Herrn ausbreitete und (…) mächtig (wurde)“ (Apostelgeschichte 19, 20). Diese Tatsache bestätigt sogar der Goldschmied Demetrius in seinem Aufruf an die Bevölkerung von Ephesus, wenn er sagt: “(…) ihr seht und hört, dass nicht allein in Ephesus, sondern auch fast in der ganzen Provinz Asien dieser Paulus viel Volk abspenstig macht (…)“ (Apostelgeschichte 19, 26). Keine Verblendung, auch keine “kombinierte“ Verblendung aus Gewinnsucht, Lokalpatriotismus und falscher Religiosität, ist auf Dauer stark genug, um der Wahrheit Gottes zu widerstehen (2. Korinther 4, 1 – 7).

Nachdem Paulus erneut Abschied von der Versammlung (= Gemeinde) in Ephesus genommen hatte, wurde diese durch seine Mitarbeiter Timotheus und Tychikus  weiter betreut (vgl. 1. Timotheus 1, 3; 2. Timotheus 4, 12). Zum Ende der 3. Missionsreise kam Paulus zwar noch einmal in die Nähe von Ephesus, hatte aber nur Gelegenheit, die Ältesten der Versammlung (= Gemeinde) zu sich nach Milet zu bestellen (Apostelgeschichte 20, 16). In Apostelgeschichte 20, 18 – 38 finden wir seine eindrucksvolle, prophetisch warnende Rede an diese Gläubigen. Wie notwendig und wie wichtig diese prophetische Warnung war, werden wir später noch sehen.

Die Versammlung (= Gemeinde) in Ephesus steht aber nicht nur mit der Entstehung bzw. dem Empfang des Epheserbriefes in Zusammenhang. In Ephesus erreichten Timotheus auch die beiden Briefe, die der Apostel Paulus an ihn richtete (vgl. 1. Timotheus 1, 3; 2. Timotheus 4, 12) und aus 1. Korinther 16, 8 wissen wir, dass Paulus in Ephesus den 1. Korintherbrief verfasste.

Der Apostel Johannes und die Gläubigen in Ephesus

Neben dem Apostel Paulus und seinen Mitarbeitern stand auch der Apostel Johannes in einer engen Beziehung zu den Gläubigen in Ephesus. Nach den Schriften verschiedener früher sog. Kirchenväter (Irenäus, Clemens von Alexandria, Eusebius und Victorinus) nahmen die Römer im Jahr 95 n. Chr. Johannes in Ephesus gefangen, wo er als Ältester einen Hirtendienst versah7. Von dort aus verbannte die römische Regierung ihn auf die griechische Insel Patmos. Diese Insel liegt nur rund 105 km. Luftlinie südwestlich von Ephesus entfernt in der Ägäis. Johannes blieb dort bis kurz nach 96 n. Chr. Mit dem Tod Kaiser Domitians, der sich selbst zu Lebzeiten schon zu einem Gott erhoben hatte und von großem Hass gegen die Christen, die seinen Anspruch auf göttliche Verehrung ablehnten, erfüllt war, ebbte die Christenverfolgung für kurze Zeit ab. Unter Domitians Nachfolger Nerva durfte der Apostel Johannes nach Ephesus zurückkehren. Auf diesem Hintergrund ist es möglich, dass die Gläubigen in Ephesus auch die ersten Leser des Johannesevangeliums, der drei Johannesbriefe und des Buches der Offenbarung waren. Wir sehen also, dass diese Versammlung (= Gemeinde) in den Genuss vieler geistlicher Segnungen gekommen war.

Unbiblische Legenden und Bräuche im Zusammenhang mit Ephesus

Bald nach dem Tod des letzten Apostels des Herrn etablierten sich jedoch auch in Ephesus verschiedene unbiblische Legenden und Bräuche: So wurde u.a. das angebliche Grab des Johannes zu einem Wallfahrtsort und “ihm zu Ehren“ wurde dort auch ein Kirchengebäude errichtet. Maria, von der man wusste, dass der Herr Jesus Christus sie der Fürsorge des Johannes anbefohlen hatte (vgl. Johannes 19, 25), wurde ebenfalls mit Ephesus in Verbindung gebracht. Ein Haus, von dem man annahm, dass sie dort gelebt habe, wurde später als “Haus der Maria“ bezeichnet und zu einem (weiteren) Wallfahrtsort für Pilger umgestaltet. Auch viele Muslime besuchen dieses Haus und verehren dort Maria (Maryam bzw. Meriem) als “Mutter des Propheten Isa“.
Im Jahr 431 n. Chr. wurde Maria auf dem Konzil von Ephesus als “Gottesgebärerin“ (griech. “Theotokos“ bzw. lat. “Dei Genetrix“) bezeichnet. Schon einige Zeit davor existierte die Vorstellung, Maria sei eine “Miterlöserin“. Eine Lehre, die im 15. Jahrhundert dann unter dem Titel “Coredemptrix“ in der römisch-katholischen Kirche gebräuchlich wurde. Allen diesen Maria beigelegten Titeln fehlt jegliche Begründung aus der Heiligen Schrift. Es gibt Wissenschaftler8, die davon ausgehen, dass das Konzil von Ephesus Maria den Titel “Gottesgebärerin“ zusprach, weil es damit auf den sich – trotz Verbot durch den Kaiser – noch immer in weiten Teilen der Bevölkerung Asias haltenden Kybelekult reagierte. In diesem sehr populären Kult wurde eine “Gottheit“ als „Große Gottesmutter“ verehrt. Indem man Maria den Titel “Gottesgebärerin“ verlieh, glich man sie in gewisser Weise der Kybele an bzw. ersetzte die heidnische Kybele durch eine christianisierte Form der so genannten „Gottesmutter“. Dass diese Lehren bzw. solchen Handlungen im absoluten Gegensatz zu allen Lehren des Neuen Testaments stehen, bedarf keiner gesonderten Erläuterung. Viele Kritiker dieser Lehren verweisen darauf, dass die Marienverehrung, die insbesondere in der römisch-katholischen Kirche dominierend wurde, eher der alttestamentarischen Verehrung der “Himmelsgöttin“ (vgl. Jeremia 7, 18) ähnelt, als dass sie den Berichten des Neuen Testaments über die Mutter des Herrn entspricht.
Verstärkt wurde diese Verehrung, als Papst Pius XII. 1950 das Dogma der “leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel“ verkündete. Dieses Dogma, das volkstümlich auch als “Himmelfahrt Marias“ bezeichnet wird, geht auf Legenden zurück. Die aus dem 4. oder 5. nachchristlichen Jahrhundert stammende, apokryphe, also nicht zum Kanon der vom Heiligen Geist inspirierten Bücher der Bibel gehörende, Schrift “Transitus Mariae“ (“Hinübergang Marias“) beschreibt den Tod und die direkte Aufnahme Marias in den Himmel. Auf diese Weise sei Maria “vor der Verwesung bewahrt direkt in den Himmel aufgenommen worden“. Als Ort, an dem dies geschehen sei, wird Ephesus angegeben. Warum bei einer “leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel“ dennoch ihr Grab in Ephesus verehrt wird, zeigt deutlich, welchen Widerspruch diese unbiblische Lehre in sich selbst darstellt. Andere Quellen widersprechen der Aussage, Maria sei von Ephesus aus “leiblich in den Himmel aufgenommen“ worden. So gibt es zum einen ein Mariengrab im Kidrontal in Jerusalem. Die Überlieferung, Maria sei in Jerusalem gestorben, ist auch älteren Ursprungs, als die Behauptung, der “direkten Aufnahme in den Himmel“ von Ephesus aus. Zum anderen haben wir die Aussage des Bischofs Epiphanius von Salamis, der um das Jahr 370 n. Chr. schrieb: “Wenn übrigens einige glauben, das sei ein Irrtum, so mögen sie nur den Spuren der Schrift nachgehen, sie werden da wohl weder etwas finden vom Tode Mariens, noch ob sie gestorben oder ob sie nicht gestorben, noch ob sie begraben oder ob sie nicht begraben. Und doch hatte sich Johannes auf die Reise nach Asien begeben, und nirgends heißt es, daß er die heilige Jungfrau mit sich führte, sondern die Schrift schweigt einfach darüber, überwältigt von Staunen, um nicht der Menschen Sinn allzusehr aufzuregen.“9 Über das Lebensende von Maria gibt es also keine historisch belegten Informationen. Im Neuen Testament wird sie zum letzten Mal im Zusammenhang mit dem Pfingstfest und der auf die Ausgießung des Heiligen Geistes in Jerusalem wartenden Gläubigen erwähnt (vgl. Apostelgeschichte 1, 14). Auch für die Lehre, Maria sei „leibhaftig (von Ephesus aus) in den Himmel aufgenommen worden“, gibt es keinerlei biblischen Beleg.
Eine letzte unbiblische Legende muss im Zusammenhang mit der Stadt Ephesus noch erwähnt werden und zwar die Legende der “Sieben Schläfer von Ephesus“. Diese Legende besagt, dass in einer Höhle nahe Ephesus sieben junge Männer eingemauert wurden, die sich gegenüber dem römischen Kaiser Decimus weigerten, ihrem christlichen Glauben abzuschwören. 200 Jahre später, just zu einem Zeitpunkt, als in der dortigen Region gewisse Sektierer die Auferstehung der Toten leugneten, hätten Männer die Steine, mit denen die Höhle vermauert worden war, herausgebrochen, um damit einen Viehstall zu bauen. Gott habe nun bei dieser Gelegenheit die sieben Schlafenden auferweckt und zu den Menschen nach Ephesus geführt, um den Bewohnern der Stadt ein Zeugnis von der Auferstehung der Toten zu geben. Nach dieser “Glaubensstärkung“ seien die sieben Jünglinge wieder verstorben und in der Höhle bei Ephesus beigesetzt worden. Über dieser Höhle wurde dann ein Kirchengebäude zum Andenken an die “sieben Schlafenden“ erbaut. Die Höhle und das Kirchengebäude wurden schnell zu einer Wallfahrtsstätte. Pilger sollen sogar testamentarisch verfügt haben, dort begraben zu werden, weil dies angeblich ihren Glauben an die Auferstehung stärken würde. An den Wänden des Kirchengebäudes, von dem heute noch Ruinen vorhanden sind, hat man schriftliche Gebete gefunden, die an die “sieben Jünglinge“ gerichtet wurden. Hier wurde also der Glaube an den auferstandenen Sohn Gottes, unseren “Retter Jesus Christus, der dem Tode die Macht genommen, aber Leben und Unvergänglichkeit ans Licht gebracht hat“ (2. Timotheus 1, 10) ersetzt durch den Glauben an angebliche “Heilige“. Der Sohn Gottes wurde aus dem Fokus der Gläubigen gerückt und durch sterbliche Menschen ersetzt! Auf diesem Hintergrund erkennen wir, welche Berechtigung und Dringlichkeit, die Mahnung des Herrn Jesus Christus an die Gläubigen in Ephesus hatte: “Aber ich habe wider dich, daß du deine erste Liebe verlassen hast.“ (Offenbarung 2, 4). Auch die prophetische Warnung des Apostels Paulus an die Ältesten von Ephesus hat sich hier erfüllt:

”Habet nun acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist euch als Aufseher gesetzt hat, die Versammlung Gottes zu hüten, welche er sich erworben hat durch das Blut seines Eigenen. Denn ich weiß dieses, daß nach meinem Abschiede verderbliche Wölfe zu euch hereinkommen werden, die der Herde nicht schonen. Und aus euch selbst werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her.

(Apostelgeschichte 20, 28 – 30)

Heute feiert die katholische Kirche sm 27. Juni einen Gedenktag zu Ehren dieser “Heiligen“, die orthodoxen Kirchen gedenken dieser Männer ebenfalls, allerdings an einem Tag im Oktober. In diesem Zusammenhang sollte nicht unerwähnt bleiben, dass diese Legende auch in den Koran Eingang gefunden hat. Dort findet sie sich in der 18. Sure, Verse 9 – 26, und trägt dem Titel “Die Höhle“. Auch von Muslimen werden diese Männer, dort als “Gefährten der Höhle“ bezeichnet, verehrt. Es gibt im Zusammenhang mit den “Gefährten der Höhle“ muslimische Wallfahrtsstätten u.a. in Kairo, Damaskus und Ephesus.
Diese unbiblischen Legenden und der daraus erwachsene Kult um angebliche “Heilige“ verdeutlich sehr eindrücklich, wie weit sich die Christenheit in Ephesus im 4. Jahrhundert bereits von der Wahrheit des Wortes Gottes entfernt hatte. Ganz offensichtlich haben die Gläubigen dort nach dieser Zeit auch keine Buße mehr getan, denn nach dem 11. Jahrhundert findet kein lebendiges christliche Zeugnis in dieser Stadt mehr (vgl. Offenbarung 2, 5). Christus hatte den Leuchter der Versammlung (= Gemeinde) in Ephesus weggenommen, denn die Gläubigen dort waren keine treuen Zeugen mehr für Ihn.

 

Thema und Einteilung des Epheserbriefes

Schon bei einem einmaligen Lesen des Briefes in seiner Gesamtheit wird deutlich, dass es in allen Belehrungen um die Versammlung (= Gemeinde) geht. Sie (gesehen in den drei Bildern: als Leib des Christus [Epheser 1, 22 – 23; 4, 11 – 16], als Tempel des Heiligen Geistes [Epheser 2, 19 – 22] und als Braut Christi [Epheser 5, 22 – 33]), und die Stellung, die sie in den Gedanken und Plänen Gottes einnimmt, sind d a s Thema dieses apostolischen Schreibens. Wir können den Epheserbrief grob in zwei Bereiche einteilen:

In Teil 1 (Epheser 1, 13, 21) erläutert Paulus nach einem Lobpreis Gottes die geistlichen Segnungen, die wir durch die Liebe des Vaters in Seinem Sohn Jesus Christus jetzt schon empfangen haben (Epheser 1, 4 – 8; 1, 11 – 14) und in Zukunft noch empfangen werden (Epheser 1, 9 – 10). Danach folgt das erste Gebet für die Gläubigen (Epheser 1, 15 – 22). An dieses Gebet schließt sich eine Belehrung über die Gnade Gottes und ihre Verwirklichung in Christus (Kapitel 2, 11 f.) sowie eine Belehrung über das Geheimnis und den unergründlichen Reichtum des Christus (Epheser 3, 2 – 11) an. Ab Epheser 3, 14 folgt das zweite Gebet. Abgeschlossen wird Teil 1 mit dem Hinweis auf die Liebe des Christus und einem Lobpreis des Erlösers.

Teil 2 (Epheser 4, 1Epheser 6, 24) befasst sich mit dem Leib des Christus, d.h. dem universalen Aspekt der Versammlung (= Gemeinde), seiner Versorgung und Auferbauung durch Christus (Epheser 4, 1 – 16). Danach beleuchtet der Apostel das alte und das neue Leben, d.h. das Leben des Ungläubigen und das durch Christus erneuerte Leben des Gläubigen (Epheser 4, 17 – 24). Die praktischen Aspekte der christlichen Gemeinschaft im Alltagsleben sind das darauf folgende Thema (Epheser 4, 25Epheser 5, 21). Ehe, Familie und berufliche Verpflichtungen gehören zwar auch zu diesem Themenkomplex, werden aber von Paulus noch einmal besonders betrachtet (Epheser 5, 22Epheser 6, 9). Den letzten Abschnitt bildet eine Belehrung über den geistlichen Kampf, in den der Gläubige hineingestellt ist (Epheser 6, 10 – 24).

Schon diese grobe Einteilung macht deutlich, dass es der Schwerpunkt in Teil 1 auf den geistlichen Segnungen des Gläubigen, in Teil 2 auf den praktischen Belehrungen für das (Alltags-)Leben des Gläubigen in der Versammlung (= Gemeinde), Familie und Welt liegt.

In Christus gesegnet

Wie bereits erwähnt, erläutert der Apostel nach dem Lobpreis Gottes die geistlichen Segnungen des Gläubigen. Es geht hier nicht um die vielfältigen (auch materiellen) Segnungen, mit denen Gott uns im Alltag beschenkt. Es geht um Wichtigeres: die geistliche Segnungen. Diese geistlichen Segnungen sind, obwohl sie sich nicht in irdischen Dingen ausdrücken, nicht minder konkret. Es handelt sich dabei um: die Gotteskindschaft, die Sohnschaft, das ewige Leben und die Innewohnung des Heiligen Geistes. Diese Segnungen werden all jenen zuteil, die dem Evangelium glauben und das Erlösungswerk Christi annehmen (Epheser 1, 7). Wer dies getan hat, der ist „in Christus“. Dieser Begriff (“ἐν Χριστῷ“/ “en Christo“) kommt 12mal im Epheserbrief vor, an 13 anderen Stellen finden wir die Begriffe „in ihm“ o. ä., die sich ebenfalls auf Christus beziehen10. Daraus wird deutlich, dass diese Segnungen einzig und allein in Christus zu finden sind und nur durch Ihn zu uns kommen.

Fußnoten:

¹= vgl. (auch zu einer eingehenderen Beschäftigung mit der Frage der Autorenschaft) Daniel B. Wallace in seiner online zugänglichen Einleitung zum Epheserbrief: „Ephesians: Introduction, Argument, and Outline“, sowie Erich Mauerhofer: „Einleitung in die Schriften des Neuen Testaments“, Band I & II, Seite 122 ff. [Band II], Verlag für Theologie und Religionswissenschaft Nürnberg, 3. Auflage 2004, bei dem sich eine Auflistung der Zeugnisse der Kirchenväter sowie eine ausführliche Diskussion über die Autorenschaft des Paulus und die Echtheit des Epheserbriefes findet.

²= Strabo „Geographika“, Buch 14, Absätze 1 & 24; englische Übersetzung siehe hier: http://rbedrosian.com/Classic/strabo14.htm

³= siehe Seneca “Epistulae morales“ /“Moral letters to Lucilius“, Brief 102, Absatz 21: http://en.wikisource.org/wiki/Moral_letters_to_Lucilius/Letter_102; Unterschiedliche Schätzungen beziffern die Bevölkerungszahl beider Städte zu ihren jeweiligen Blütezeiten auf ca. 200.000 – 500.000 Bewohner.

4= Auf einer 2, 70 m erhöhten, 125,67 x 65,05 m großen Fläche erhob sich ein Bau mit 117 Säulen, die sich über 18 Meter hoch erhoben und das Dach trugen. Damit war das Artemision größer als der Athener Parthenon, dessen Ruine noch heute auf der Akropolis zu sehen ist. Zum Artemision vgl. z.B. http://www.dialbforblog.com/archives/181/artemis_templex.jpg

5 =siehe dazu z.B. die BBC-Dokumentation “The Gladiator Graveyard“ unter: http://www.youtube.com/watch?v=nMpf_XYXEJk und den BBC-News-Artikel unter http://news.bbc.co.uk/2/hi/science/nature/6614479.stm Diese Entdeckung

6= Dr. Eckhardt J. Schnabel: “Urchristliche Mission“, Theologische Verlagsgemeinschaft SCM R. Brockhaus-Verlag Wuppertal, 1. Auflage 2002, Seite 1161.

7= vgl. z. B. Eusebius von Cäsarea: “Kirchengeschichte“ (III. Buch, 31, 2 – 6), Herausgegeben und eingeleitet von Heinrich Kraft, Kösel-Verlag München, 3., unveränderte Auflage 1989, Seite 180 – 181

8= vgl. dazu z.B. die Aussagen von Steven Benko, Ph.D., Assistant Professor of Religious and Ethical Studies, Department of Religious and Ethical Studies am Meredith College Raleigh-Durham, North Carolina, in seinem Buch “The Virgin Goddess – Studies in the Pagan and Christian Roots of Mariology“, E.J. Brill, Leiden; New York, 1993

9= Ephiphanius von Salamis (+ 403 n. Chr.) in seiner Schrift “Panarion Adversus Haereses 78″ (Gegen die Antidikomarianiten“) deutsch: “Des heiligen Epiphanius von Salamis Erzbischofs und Kirchenlehrers ausgewählte Schriften, aus dem Griechischen übersetzt von Josef Hörmann“, Bibliothek der Kirchenväter, Band 38, J. Kösel, 1919, Panarion Adversus Haereses 78. Brief, Abschnitt 11.


10= Siehe: Epheser 1, 1; 1, 3; 1, 10; 1, 20; 2, 6; 2, 7; 2, 10; 2, 13; 3, 6; 3, 11; 3, 21; 4, 32.

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