Reich und unbeschwert – Anmerkungen zu Matthäus 6, 19 – 34

Salaping papel Euro

Papiergeld, modernes Symbol für den „materiellen Reichtum“ * Foto: By Friedrich.Kromberg Potograpo: W.J.Pilsak (http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Euro-1_neu2.jpg) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or ECB decisions ECB/2003/4 and ECB/2003/5], via Wikimedia Commons

Der Wortverkündigung am Sonntag dieser Woche liegen Verse aus dem 6. Kapitel des Matthäusevangeliums (zum Hintergrund des Matthäusevangeliums siehe: Klick!) zugrunde. Wir betrachten diese Verse in ihrem Kontext:

“Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motte und Rost zerstören und wo Diebe einbrechen und stehlen; sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Rost zerstören und wo Diebe nicht einbrechen und nicht stehlen; denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein. Die Lampe des Leibes ist das Auge; wenn nun dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib licht sein;
wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß die Finsternis! Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird einem anhangen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Deshalb sage ich euch: Seid nicht besorgt für euer Leben, was ihr essen oder was ihr trinken sollt, noch für euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?
Seht hin auf die Vögel des Himmels, dass sie nicht säen noch ernten, noch in Scheunen sammeln, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel vorzüglicher als sie? Wer aber unter euch vermag mit Sorgen seiner Größe eine Elle zuzufügen? Und warum seid ihr um Kleidung besorgt? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen: Sie mühen sich nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch aber, dass selbst nicht Salomo in all seiner Herrlichkeit bekleidet war wie eine von diesen. Wenn Gott aber das Gras des Feldes, das heute da ist und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet: dann nicht viel mehr euch, ihr Kleingläubigen? So seid nun nicht besorgt, indem ihr sagt: Was sollen wir essen?, oder: Was sollen wir trinken?, oder: Was sollen wir anziehen? Denn nach all diesem trachten die Nationen; denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr dies alles nötig habt.  Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugefügt werden. So seid nun nicht besorgt für den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat an seinem Übel genug.

(Matthäus 6, 19 – 34 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)


Zum Hintergrund von Matthäus 6, 19 – 34

Wie wir aus vorausgegangenen biblischen Betrachtungen wissen, richtete Matthäus  sich mit seinem Evangelium insbesondere an jüdische Leser  (zur Zielgruppe des Matthäusevangeliums siehe: Klick!) Neben vielen Belegen für die Messianität Jesu Christi, berichtet dieser Evangelist daneben auch von einer Vielzahl von Gesprächen, die der Herr Jesus Christus mit unterschiedlichsten Gruppen des Judentums führte (vgl. dazu z. B. Matthäus 2223). Die Verse, die wir heute betrachten wollen, gehören zu einem sehr großen Textabschnitt, der ebenfalls ein solches Gespräch wiedergibt. Dieser Abschnitt beginnt bereits in Matthäus 5, 1. Dort heißt es:

“Als er aber die Volksmenge sah, stieg er auf den Berg; und als er sich setzte, traten seine Jünger zu ihm. Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach: (…)“

Beachten wir: Als der Herr Jesus Christus die Volksmenge sah, stieg er auf den Berg. Dort traten Seine Jünger zu Ihm und diese (nicht die Volksmenge) wurde von ihm belehrt. In Matthäus 5, 1 – 12 spricht der Herr über die uns sehr bekannten Seligpreisungen. Im Anschluss daran erläuterte Er die Aufgabe der Gläubigen, Licht und Salz in dieser Welt zu sein (Matthäus 5, 13 – 16). Es folgt in  Matthäus 5, 17 – 20 eine Erläuterung der Stellung unseres Herrn zum alttestamentarischen Gesetz als Wort Gottes (siehe auch: Klick!). Im Anschluss daran spricht der Herr fünf Themen an (das Töten, das Ehebrechen, das Schwören, das Vergelten und die Feindesliebe), die im alttestamentarischen Gesetz geregelt wurden, nun aber von Ihm neu interpretiert werden (Matthäus 5, 21 – 48).
Im sechsten Kapitel des Matthäusevangeliums werden die in Matthäus 5, 1 begonnenen Reden fortgeführt. Zuerst belehrt der Herr Jesus Christus Seine Jünger über das Almosengeben (Matthäus 6, 1 – 4) und daran anschließend über das Gebet (Matthäus 6, 5 – 15) sowie über das Fasten (Matthäus 6, 16 – 18). Nun schließt sich ein größerer Abschnitt über das Thema “Reichtum und Sorgen“ an (Matthäus 6, 19 – 34).

Anmerkungen zu Matthäus 6, 19  – 34

* “Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motte und Rost zerstören und wo Diebe einbrechen und stehlen; sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Rost zerstören und wo Diebe nicht einbrechen und nicht stehlen; denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.“Matthäus 6, 19 – 21 – Der Herr leitet diese Rede mit dem Hinweis ein, dass sich Seine Nachfolger sich Schätze im Himmel sammeln sollen. Auf dem Hintergrund der besonderen Verwendung des Wortes “Himmel“ im Matthäusevangelium, bedeutet dies nichts anderes, als dass Seine Nachfolger sich Schätze bei Gott sammeln sollen.
Nachdem der erste Abschnitt des 6. Kapitels des Matthäusevangeliums die Ernsthaftigkeit der Nachfolge betonte, liegt der Schwerpunkt im zweiten Abschnitt dieses Kapitels auf der Fokussierung, der konsequenten Ausrichtung  des Gläubigen. Angesichts der Tatsache, dass die Gläubigen jederzeit entrückt werden (1. Thessalonicher 4, 17) und das Reich Gottes in Kürze darauf anbrechen kann, sollen die Nachfolger Jesu sich auf Erden keine Schätze sammeln. Die Erde ist ein vergänglicher Ort und alles, was Menschen sich hier zusammen sammeln, wird vergehen. Nur der Mensch, der allein mit einer irdischen Einstellung lebt und keine himmlische Hoffnung besitzt, setzt alle seine Kraft darauf, hier auf Erden Schätze zu sammeln. Der Mensch jedoch, der durch Jesus Christus neues, ewiges Leben empfangen hat (Johannes 3, 1 – 6) und der folglich auf die ewige Gemeinschaft mit Gott ausgerichtet ist, kann so nicht mehr leben. Damit stellt die Aufforderung des Herrn auch einen Bruch mit dem bisherigen Verhalten Seiner Jünger dar.
Doch wir müssen diese Worte im Kontext der gesamten Heiligen Schrift betrachten, sonst bekommen wir ein sehr verzerrtes Bild. Die Heilige Schrift bezeichnet Geld oder Reichtum nicht grundsätzlich als böse. Gemäß Sprüche 6, 6 – 8 arbeitet der weise Mensch hart und sorgt für schwere Zeiten vor. Gläubige haben auch eine Verantwortung für ihre Angehörigen  zu sorgen (1. Timotheus 5, 8) und sollen auch anderen, die Not leiden, unterstützend beistehen. Dazu waren zur Zeit Jesu wie in unserer heutigen Zeit auch finanzielle Mittel notwendig. Aus 1. Timotheus 4, 3 – 4 bzw. 1. Timotheus 6, 17 wird deutlich, dass wir alle Dinge, die Gott uns geschenkt hat, mit Freude genießen dürfen. Worum es dem Herrn Jesus Christus hier in Matthäus 6, 19 ff. geht, ist Selbstsucht, Egoismus. Geizige Menschen horten, was sie haben und zwar mehr, als sie selbst brauchen (vgl. Jakobus 5, 2 – 3). Das Herz des materialistischen Menschen will immer mehr, es kennt keine Zufriedenheit. Der Dichter Johann Martin Miller (1750 – 1814) hat dies in seinem Gedicht “Zufriedenheit“ mit den Worten : “Je mehr er hat, je mehr er will / Nie schweigen seine Klagen still.“ zum Ausdruck gebracht. Es geht in Matthäus 6, 19 ff. um die Liebe zum Geld als Wurzel allen Übels (vgl. 1. Timotheus 6, 10) Die Anhäufung von Reichtum kann nicht das Lebensziel des Gläubigen sein.  Denn aus der Sicht des biblisch-christlichen Glaubens ist es dumm, sinnlos, seine ganze Kraft und Sinnen auf die Ansammlung vergänglicher Dinge zur richten. Diese Verführung stellt auch für den Gläubigen eine Gefahr dar. Doch wahres Glück wird nach der Lehre der Heiligen Schrift nur in der Abhängigkeit von Gott gefunden. Er sorgt auch für die Zufriedenheit unserer Seelen (vgl. Sprüche 1, 1 ff.; Sprüche 2, 1 ff. ;  Sprüche 2, 24 – 25; Sprüche 3, 12 + 22; Sprüche 5, 18; Sprüche  8, 15; Sprüche 9, 7 – 9; Philipper 4, 11 – 12).
Welche Gefahren drohen diesem vergänglichen, irdischen Reichtum? “Motten“ waren im Altertum ein Feind jedweder Kleidung. Kleidung aber war teuer und war in jener Zeit ein Ausdruck von Wohlstand. Das griechische Wort “ βρῶσις“ (“brosis“)  kann sich sowohl auf Rost als auch auf andere zerstörerische, “fressende“ Kräfte (Ratten, Heuschrecken, Käfer) beziehen.
“Diebe“ können jeden beweglichen Gegenstand  nehmen und wegtragen. Worum handelt es sich bei den himmlischen Reichtümern, von denen der Herr Jesus Christus hier spricht? Es ist der Lohn der treuen Gläubigen (vgl. Matthäus 5, 12 + 30 + 46; Matthäus 6, 6 + 15; vgl. auch Matthäus 10, 42; Matthäus 18, 5; Matthäus  25, 40; 2. Korinther 4, 17; 1. Timotheus 6, 13 – 19). Dieser Lohn ist das Ergebnis der Werke, die der Gläubige in Treue und gemäß der Wegweisung Gottes tut (vgl. Epheser 3, 10). Dieser Lohn erwartet den Gläubigen am Richterstuhl Christi (vgl. 1. Korinther 3, 11 – 15; 1. Petrus 1, 4).
Mit der Aussage “Wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein ….“, macht der Herr Jesus Christus Seinen Zuhörern und uns deutlich, dass das unser Herz erfüllen wird, was wir wirklich am meisten schätzen. Im biblischen Kontext ist das Herz das Zentrum des Menschen, von dem aus die ganze Person samt Wille, verstand und Gefühlen aus gesteuert/kontrolliert wird.
Das, was wir am meisten schätzen, was uns am wertvollsten ist, das wird uns kontrollieren, das wird uns steuern. Wenn wir uns nach Anerkennung und Ehre sehnen, dann werden wir in allen Dingen nach der Ehre, die von Menschen kommt, trachten. Wenn Reichtum unsere erste Priorität ist, dann wird das Streben nach Besitz und Geld uns bestimmen. Wenn wir uns an erster Stelle ein Leben voller Wohlbefinden wünschen, dann werden wir nach immer mehr Luxus suchen. Auf der anderen Seite wird ein Mensch, bei dem die himmlischen Schätze an erster Stelle stehen, sich nach dem Herrn Jesus Christus, dem größten Schatz des Gläubigen, und Seinem Lohn ausstrecken (vgl. Kolosser 3, 1 – 2; Offenbarung  14, 13). Manche Christen haben dieses Streben nach der göttlichen Belehrung des Gläubigen als ungeistlich verurteilt. Doch hat nicht unser Herr uns angewiesen, genau das zu tun (vgl. 1. Korinther 3, 11 – 15; 2. Korinther 5, 10)? Dem Herrn zu dienen und Lohn zu erwarten, um sich damit zu brüsten, ist natürlich falsch. Aber Ihm zu dienen, um den empfangenen Lohn später in Anbetung (Offenbarung 4, 10) Ihm darzubringen, das ist in keiner Weise falsch.
Schätze im Himmelreich zu sammeln, bedeutet also, dass wir alles, was wir haben und können, zur Ehre Gottes einsetzen. Es bedeutet, dass wir materielle Dinge nicht zu den Prioritäten unseres Lebens werden lassen. Eine solche Einstellung kultivieren wir, wenn wir die Prioritäten unseres Herrn Jesus Christus, wie Er sie uns in Seinem Wort offenbart, zu unseren Prioritäten machen.

* “Die Lampe des Leibes ist das Auge; wenn nun dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib licht sein; wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß die Finsternis!“ – Matthäus 6, 22 – 23 – Unser Auge ist das Organ, durch das unser Körper die Welt um uns herum wahrnimmt und durch das er dementsprechend auch durch die Welt geleitet wird. Darum bezeichnet der Sohn Gottes unser Auge hier als die “Lampe des Liebes“ (vgl. Lukas 11, 34 – 36). Ein gesundes, klares Auge versorgt den Körper mit Licht für seine täglichen Verrichtungen. Ein krankes oder sogar blindes Auge lässt ihn hingegen “in der Dunkelheit“  zurück. Der Herr vergleicht hier das Auge mit dem Herzen, das Er im Vers zuvor erwähnt hat. So, wie ein Herz, das auf Gott ausgerichtet ist (vgl. Psalm 119, 10), so bestimmt auch ein Auge, das ganz auf das Wort Gottes gerichtet ist (Psalm 119, 18 +  148) den Weg des Menschen. So, wie ein krankes, blindes Auge den Körper, zu dem es gehört, zum Stolpern bringt, so wird es auch mit einem Herzen sein, dass geistlich nicht richtig ausgerichtet ist. Wo geistliche Blindheit herrscht, kann der gerade Weg nach dem Willen Gottes nicht gefunden werden.

* “Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird einem anhangen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ – Matthäus 6, 24 – Die Wahl zwischen den irdischen und den himmlischen Schätzen, ist auch eine Wahl zwischen zwei Herren. Diese Tatsache, die wir nur zu leicht vergessen, wird uns hier deutlich vor Augen gestellt.
Das Wort “Mammon“ ist die eingedeutschte Form des aramäischen Wortes “mamona“, was soviel wie Reichtum, Besitz oder Wohlstand bedeutet. Die Wurzel dieses Wortes weist sowohl in der aramäischen als auch in der hebräischen Sprache auf etwas hin, in das man sein Vertrauen setzt. Der Herr Jesus Christus gibt dieser Sache hier eine personale Bedeutung und setzt sie zugleich in den absoluten Gegensatz zu Gott. man kann nur Gott oder dem “Mammon“ vertrauen. Wem man der vertraut, dem wird man gehören und dem wird man auch gehorchen müssen. Ein Mensch mag für zwei Arbeitgeber zugleich arbeiten können, doch Gott und der Mammon werden hier nicht als Arbeitgeber gesehen, sondern als Besitzer derjenigen, die dem jeweiligen Herrn dienen. Und Besitzer erlauben keine geteilte Loyalität. Wer gegenüber Gott eine geteilte Loyalität zeigt, weil sein Herz auch noch am Materialismus hängt, ist nach den Worten des Herrn ein Götzendiener.

* “Deshalb sage ich euch: Seid nicht besorgt für euer Leben, was ihr essen oder was ihr trinken sollt, noch für euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?“ – Matthäus 6, 25 –  Wo immer wir ein “deshalb“ finden, da folgt eine Schlussfolgerung dessen, was an Erklärungen oder Belehrungen vorausgegangen ist. Da Gott uns einen Körper und Leben gegeben hat, wird Er uns auch mit allem versorgen, was wir zum Erhalt unseres Körpers bzw. unseres Lebens brauchen (vgl.  Luke 12, 22 – 31; Philipper  4, 6 – 7; Hebräer  13, 5; 1. Petrus 5, 7). Darum ist es für einen Jünger des Herrn nicht angebracht, sich um diese Dinge zu sorgen. Der Jünger soll diesbezüglich ganz einfach Gott vertrauen und dem folgen, was Er geoffenbart und geboten hat.

* “Seht hin auf die Vögel des Himmels, dass sie nicht säen noch ernten, noch in Scheunen sammeln, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel vorzüglicher als sie? Wer aber unter euch vermag mit Sorgen seiner Größe eine Elle zuzufügen?“ – Matthäus 6, 26 – 27Wenn wir uns beständig darum sorgen, ob wir genug zu essen und zu trinken haben, dann zeigen wir damit, dass wir keine Einsicht in die grundlegenden Zusammenhänge der göttlichen Schöpfung haben. Schon die natürliche Schöpfung lehrt uns, dass Gott für Seine Geschöpfe sorgt. Doch die Jünger des Herrn (und wir!) sollten das nicht nur wegen dem, was sie in der Schöpfung beobachten konnten, glauben, sondern umso mehr. Denn der Gott und Schöpfer, dessen versorgende Liebe sie (und wir!) in der Natur beobachten können, ist ja nicht nur ihr (unser!) Gott und Schöpfer, sondern ihr  (und unser!) himmlischen Vater! Die Konsequenz dieses Gedankens ist, dass dieser Gott und Schöpfer für  Seine Kinder mit umso größerer Sorgfalt und umso größerer Liebe sorgt!
Das bedeutet nicht, dass wir unsere Arbeit niederlegen können, weil Gott uns nun in ein “Schlaraffenland“ versetzt oder uns alles, was wir brauchen, aus dem Himmel vor die Füße fallen lässt. Wir sollen nicht aufhören, zu arbeiten, aber wir sollen aufhören, uns zu sorgen. Sorge kann unser Leben nicht verlängern, im Gegenteil. Wie wir aus der Medizin mittlerweile wissen, können Sorgen und der mit ihnen verbundene Stress die Ursache mancher Krankheit und eines vorzeitigen Todes sein. Aber selbst wenn Sorge nicht zum Tod führt, verkürzt sie  unser Leben indem sie unsere Freude, unseren Frieden und unsere innere Ruhe tötet. Genau das aber sind die Dinge, die wir in schwierigen Situationen umso mehr brauchen, um dieselben in der richtigen Weise zu durchleben und zu überwinden.  

* “Und warum seid ihr um Kleidung besorgt? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen: Sie mühen sich nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch aber, dass selbst nicht Salomo in all seiner Herrlichkeit bekleidet war wie eine von diesen. Wenn Gott aber das Gras des Feldes, das heute da ist und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet: dann nicht viel mehr euch, ihr Kleingläubigen?“ – Matthäus 6, 28 – 30 –   Nun führt der Herr ein drittes Argument gegen das Sorgen an und wieder entnimmt Er es der Schöpfung. Bei den hier erwähnten “Lilien des Feldes“ handelt es sich nach Ansicht von Kommentatoren um wilde Krokusse, die in der Frühlingszeit in Galiläa überall zahlreich anzutreffen waren. Vielleicht soll dieser Begriff aber auch für alle Wildblumen stehen. Was will der Herr Seinen Jüngern (und uns!) mit diesem Hinweis sagen? Sollte der Gott und Schöpfer, der so gut ist, dass Er den Erdboden mit allen diesen wunderschönen wilden Blumen bedeckt (die ja nur eine kurze Zeit blühen und dann schon wieder vergangen sind, also keinen dauerhaften Nutzen haben), nicht auch für sie (und uns!) sorgen? Wenn dieser Gott und Schöpfer, der ihr (und unser!) himmlischer Vater war (und ist!), die Täler Israels mit einer größeren Pracht “einkleiden“ konnte, als der reichste König Israels sich selbst, sollte Er dann nicht in der Lage sein sie (und uns!) mit dem Lebensnotwendigen versorgen können? Eine solche Sorge offenbart nach der Aussage des Herrn Zweifel an Gott.

* “So seid nun nicht besorgt, indem ihr sagt: Was sollen wir essen?, oder: Was sollen wir trinken?, oder: Was sollen wir anziehen? Denn nach all diesem trachten die Nationen; denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr dies alles nötig habt.“ – Matthäus 6, 31 – 32 – Weil Gott in so großer Fülle für Seine Schöpfung und Seine Kinder sorgt, ist das Sorgen  um die Alltagsnotwendigkeiten nicht nur dumm, sondern ein Kennzeichen von Heiden, also Menschen, die Gott nicht kennen.  Ein so sorgender Jünger lebt in diesem Bereich seines Lebens genau so, wie ein Ungläubiger, der Gott nicht anerkennt und Ihm auch nicht vertraut. Eine solche Person benutzt den größten Teil ihrer Zeit und Aufmerksamkeit um materielle Güter zu sammeln und dabei vernachlässigt ein solcher Mensch die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. 

* “Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugefügt werden.“ – Matthäus 6, 33 –  Wie können sich die Jünger (und wir) vor einer solchem, dem Heidentum ähnelnden  Lebensweise schützen? Indem sie (und wir) das Reich Gottes, d.h. die Herrschaft Gottes und Seinen Willen, zur Nummer-1-Priorität ihres (und unseres) Lebens machen. Was bedeutet es, “das Reich Gottes zu suchen“? Es bedeutet, dass wir uns auf die Dinge konzentrieren, die das Reich Gottes ausmachen und sein Kommen beschleunigen als da wären: das Gebet um das Kommen des Reiches Gottes, ein Leben zur Ehre und nach dem Willen Gottes (vgl. Matthäus 6, 9 – 10). Gottes Gerechtigkeit zu suchen, bedeutet ein Leben zu führen, dass mit Gottes Willen im Einklang ist (vgl. Matthäus 5, 6 + 10 + 20; Matthäus 6, 1). So, wie die Entscheidung zwischen Gott und dem “Mammon“ eine Entscheidung zwischen zwei Herren/Besitzen ist, so ist diese Entscheidung auch eine Entscheidung zwischen zwei sich widersprechenden Lebensstilen: Entweder lebt der Jünger Christi ein Leben, das sich um ihn selbst dreht oder er lebt ein Leben, dessen Mittelpunkt Gott ist. Beides zugleich ist nicht möglich.
Die “Dinge“, die Gott uns hinzufügen wird, sind die Lebensnotwendigkeiten, für die Gott sorgt und um die die Jünger (und wir) nicht sorgen sollen (Matthäus 5, 45; Matthäus 6, 11). Gott verheißt jene zu versorgen, die Sein Reich und Seine Gerechtigkeit zum Mittelpunkt ihres Lebens machen.  (Diese Verheißung schließt das Leiden der Gläubigen, wie wir aus dem Gesamtkontext der Heiligen Schrift sehen können, nicht aus. Der Herr erwähnt diese Dinge hier nicht, weil Er dieses Wissen bei Seinen Jüngern, die im Alten Testament wohl bewandert waren und daher auch Psalm 73 oder das Buch Hiob  gut kannten, voraussetzen konnte.)

* “So seid nun nicht besorgt für den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat an seinem Übel genug.“ – Matthäus 6, 34 – Aufgrund all‘ dessen, was der Herr Jesus Christus bis hierher über die wunderbare Fürsorge Gottes dargelegt hat, fordert Er Seine Jünger (und uns) auf, das Sorgen um die Zukunft zu unterlassen. Jeder einzelne Tag unseres Lebens fordert uns, hat seine eigenen (schweren) Aufgaben, die es zu bestehen gilt.  Das Unheil, das wir uns in Gedanken aufgrund unserer Sorgen vorstellen, wird sich vielleicht gar nicht realisieren. Warum sollten wir uns also damit heute beschweren, wenn die Aufgaben dieses Tages uns bereits genug fordern? Gott gibt uns immer nur soviel Gnade, wie wir für einen Tag brauchen. Morgen wird Er wieder neue Gnade zur Bewältigung des neuen Tages schenken.
Zusammenfassend können wir festhalten, dass das Verhältnis der Jünger Jesu (und damit auch unser Verhältnis) zu allen materiellen Gütern vom Vertrauen in Gott bestimmt werden muss. Das Leben in der Nachfolge Jesu soll gekennzeichnet sein, von der Sorge um das unvergängliche und unerschütterliche Reich Gottes, nicht von der Sorge um den vergänglichen Reichtum der Welt. Gott, nicht der Mammon, ist der Mittelpunkt im Leben des Gläubigen. Die Frucht, die ein solches Leben mit den richtigen Prioritäten hervorbringt, ist ein Leben, das frei von Sorge um die materiellen Alltagsnotwendigkeiten sein wird. So kann ein Leben im Vertrauen zu Gott ein im besten Sinne reiches und unbeschwertes Leben sein.

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