Die Hoffnung, die in uns ist – Anmerkungen zu 1. Petrus 3, 13 – 17

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„Kleines warmes Licht“ * Foto: twinlili / pixelio.de

 

Der Wortverkündigung am Sonntag dieser Woche soll ein Vers aus dem 1. Petrusbrief (zum Hintergrund des 1. Petrusbriefes siehe: Klick!) als Grundlage dienen.  Wir betrachten diesen Vers in dem Kontext, in dem er sich findet:

„Und wer ist es, der euch Böses tun wird, wenn ihr Eiferer für das Gute geworden seid? Aber wenn ihr auch leiden solltet um der Gerechtigkeit willen, glückselig seid ihr! Fürchtet aber nicht ihre Furcht, noch seid bestürzt, sondern heiligt Christus, den Herrn, in euren Herzen. Seid jederzeit bereit zur Verantwortung gegen jeden, der Rechenschaft von euch fordert über die Hoffnung, die in euch ist, aber mit Sanftmut und Furcht; indem ihr ein gutes Gewissen habt, damit, worin sie gegen euch als Übeltäter reden, die zuschanden werden, die euren guten Wandel in Christus verleumden. Denn es ist besser, wenn der Wille Gottes es will, für Gutes tun zu leiden als für Böses tun.“

(1. Petrus 3, 13 – 17; ÜEBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

 

Zum Hintergrund von 1. Petrus 3, 13 – 17

Anlass für diesen Brief waren die Anfeindungen, Bedrängnisse, ja schweren Verfolgungen, denen die Christen in Kleinasien zu diesem Zeitpunkt durch ihre heidnische Umwelt ausgesetzt waren. Es war der Wunsch des Petrus, diese Mitchristen in ihrer schwierigen Situation zu ermutigen (1. Petrus 5, 12). Nero hatte die Christen für den Brand Roms im Jahr 64 n. Chr. verantwortlich gemacht, um so die Gerüchte, er selbst sei Auslöser des Brandes gewesen, zum Schweigen zu bringen. Die römische Propaganda scheint insbesondere im nördlichen Teil Kleinasiens erste Verfolgungswellen ausgelöst zu haben. Der 1. Petrusbrief wird aufgrund dieser historischen Hinweise in die Zeit von 64. n. Chr. datiert. Das Thema Leiden nimmt im 1. Petrusbrief dementsprechend auch großen Raum ein. Leben als Christ in Kleinasien zur Zeit Neros war wahrlich kein “Sonntagsspaziergang“. Um das Leiden der Gläubigen zu beschreiben, benutzt der Apostel in 1. Petrus 5, 10 das Wort “παθοντας“ (“pathontas“), womit eine Erfahrung oder ein Erlebnis beschrieben wird, das mit schwerem Leiden bzw. einer schwierigen Situation verbunden ist. Dasselbe Wort wird auch benutzt, wenn von einer kranken Person die Rede ist. Im Neuen Testament wird das Wort u. a. in Matthäus 16, 21, Apostelgeschichte 1, 3, Apostelgeschichte 17, 3 und 1. Petrus 4, 1 benutzt, wenn von dem Leiden Christi die Rede ist.
Doch Petrus bleibt nicht bei Trost und Ermutigung stehen. Der ganze 1. Petrusbrief ist kein Aufruf zum passiven Abwarten, sondern ein Aufruf zum aktiven Erwarten und zwar des wiederkommenden Herrn Jesus Christus. Aus diesem Grund zeigt Petrus seinen Lesern über den Trost und die Ermutigung hinaus auf, wie sie aktiv als Christen in dieser schweren Situation durch die Kraft der Gnade und den Beistand des Heiligen Geistes als Christen leben und gleichzeitig ein Zeugnis für ihre Umwelt sein können. Es ist bemerkenswert, wie Petrus die Gläubigen zu diesen Punkt führt:
Nachdem der Apostel die Leser seines Briefes gegrüßt hat (1. Petrus 1, 1 – 2), spricht er zuerst über die wunderbare Erlösung, die wir als Christen erleben durften und nun besitzen (1. Petrus 1, 3 – 12). Sie ist die Grundlage für alles andere in unserem Leben als Nachfolger des Herrn Jesus Christus. Darauf aufbauend erinnert Petrus die Christen in Kleinasien daran, dass diese wunderbare Erlösung zu einer neuen Art des Lebens führt (1. Petrus 1, 13 – 25). Dieses neue Leben ist gekennzeichnet von Heiligkeit, Ehrfurcht vor und Liebe zu Gott, dann aber auch von Respekt und Liebe zu den Menschen. Als dritten Punkt spricht der Apostel die Berufung des Christen als König und Priester an (1. Petrus 2, 1 – 10). Wenn der Gläubige auf Gott hört, er im Glauben an Gott wächst und seinen Glauben auf Christus gründet, dann lebt er dieser Berufung entsprechend. Nachdem Petrus die Gläubigen so an die Identität, die sie in Christus besitzen, erinnert hat, geht er dazu über, sie bzgl. der Verantwortung zu belehren, die sie der Welt gegenüber haben (1. Petrus 2, 111. Petrus 4, 11). Zuerst spricht er über die Bedeutung des christlichen Zeugnisses in dieser Welt. Anschließend folgt ein großer Abschnitt (1. Petrus 2, 131. Petrus 3, 12), in dessen Fokus der Respekt steht, mit dem die Gläubigen allen Menschen begegnen sollen. Petrus schließt diesen großen Abschnitt mit einer Belehrung über die Bedeutung der Feindesliebe (1. Petrus 3, 8 – 12).
Es schließt sich dann ein weiterer, großer Abschnitt an (1. Petrus 3, 131. Petrus 4, 6), indem sich auch die Verse finden, die wir heute betrachten wollen. Nachdem Petrus in den vorausgegangenen Versen dargelegt hat, wie ein Christ sich inmitten der Leiden freuen kann,  welche Verantwortung er in dieser Welt trägt und wie er sich in Zeiten des Leidens verhalten soll, geht es ihm in diesem neuen Abschnitt um die innere Gewissheit, die der Christ haben soll, der Verfolgung und Leiden um seines Glaubens willen erdulden muss. Der Apostel möchte seinen Lesern zeigen, wie sie auch in solchen Zeiten gemäß dem Willen Gottes leben und das Böse, das ihnen begegnet, überwinden können.

 

Anmerkungen zu 1. Petrus 3, 8 – 12

* “Und wer ist es, der euch Böses tun wird, wenn ihr Eiferer für das Gute geworden seid?“1. Petrus 3, 13 –  In 1. Petrus 3, 12 hatte Petrus aus Psalm 34, 12 – 16 zitiert. Auf diese Weise hat er seinen Lesern deutlich gemacht, dass seine Belehrung in völliger Übereinstimmung mit der früheren Offenbarung Gottes steht. Der Apostel führt nun das in Vers 12 Gesagte noch weiter aus: Wer sollte den Gläubigen Böses tun, wenn sie sich ganz dem Guten widmen? Die Antwort lautet: Unter normalen Umständen niemand! Es entspricht dem menschlichen Gerechtigkeitsverständnis, Gutes mit Gutem und Böses mit Bösem zu vergelten. Wie ich bereits in den Anmerkungen zu den vorausgegangenen Versen (Klick!) schrieb, hat der amerikanische Theologe Warren W. Wiersbe in seinem Kommentar zum Neuen Testament darauf hingewiesen, dass es drei Ebenen des Verhaltens gegenüber dem Bösen gibt: Man kann Gutes mit Bösem vergelten. Das ist die Ebene auf der der Böse selbst handelt. Man kann Gutes mit Gutem und Böses mit Bösem vergelten. Das ist die menschliche Ebene der Vergeltung: “Wie du mir, so ich dir!“ Oder man kann Böses mit Gutem vergelten. Das ist die Ebene Gottes, die unser Herr Jesus Christus uns in vollkommener Weise vorgelebt hat¹ (vgl. Apostelgeschichte 10, 38).
Das Neue  Testament lehrt uns daher an vielen Stellen, dass wir als Christen jede uns von Gott gegebene Möglichkeit nutzen sollen, das Gute zu tun (vgl. Galater 6, 9 – 10; 1. Thessalonicher 5, 15; 2. Thessalonicher 3, 13; 1. Timotheus 6, 18; 1. Petrus 2, 20). Denn auf diese Weise wird das Wesen unseres Herrn und Heilandes in dieser Welt deutlich. So können wir ein lebendiges Zeugnis für die “Güte und Menschenliebe Gottes“ (Titus 3, 4) sein.

* “Aber wenn ihr auch leiden solltet um der Gerechtigkeit willen, glückselig seid ihr! Fürchtet aber nicht ihre Furcht, noch seid bestürzt, (…)“1. Petrus 3, 14 – Doch nicht immer und auch nicht unter allen Umständen wird uns das Gute, das wir tun, mit Gutem vergolten. Wir leben in einer durch die Sünde und die Abwendung von Gott gekennzeichneten Welt. Selbst in Weltregionen, in denen der christliche Glaube einmal sehr verbreitet und prägend war, haben sich durch die immer stärkere Abwendung von Gott in den vergangenen dreihundert Jahren innere Einstellungen verbreitet, aufgrund derer viele Menschen heute nicht mehr primär das Gute für den Nächsten, sondern zuerst einmal das Beste für sich suchen. Und dann? Dann kommt lange erst einmal nichts! Ein Werbespot aus den 90ger Jahren brachte es mit sechs Worten auf den Punkt: “Mein Haus, mein Auto, mein Boot“! Ich, meiner, mir, mich, mehr interessiert mich nicht. Unsere heutige Welt ähnelt in vielerlei Hinsicht wieder jener Welt, in der die Leser des Petrus lebten und in der das Evangelium noch nicht weit verbreitet war. (Nero war es scheinbar egal, wieviel Menschenleben der Brand Roms kostete, Hauptsache er bekam dadurch freie Flächen für neue, seine Person verherrlichende Bauwerke.)  Wir sollten uns daher nicht wundern, wenn auch wir erleben, dass das Gute, das wir tun, von einigen Menschen nicht nur nicht anerkannt, sondern uns sogar mit Bösem vergolten wird.  Was kann uns in einer solchen Situation ganz praktisch helfen? Zuerst einmal können wir lernen, alles, was wir tun, nicht für Menschen, sondern für den Herrn Jesus Christus zu tun:

“Und alles, was immer ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus, danksagend Gott, dem Vater, durch ihn.“

(Kolosser 3, 17 ELBEDHÜ)

Wenn wir unser Alltagsleben unter der Prämisse gestalten, dass wir alles, was wir tun, für unseren Herrn und Erlöser tun, dann bekommt unser Tun nicht nur eine ganz andere Qualität, wir werden damit auch unabhängig von der Reaktion und Meinung anderer Menschen. Vergelten sie das Gute, das wir tun, mit Gutem, so können wir uns darüber freuen und Gott die Ehre geben, indem wir Ihm danken. Vergelten sie das Gute, das wir tun jedoch mit Bösem, so muss uns das nicht schmerzen. Denn alles, was wir tun, tun wir ja für unseren Herrn und Erlöser und dieser wird es uns zur richtigen Zeit auf die richtige Weise vergelten. Wenn wir mit dieser Einstellung und der daraus folgenden Gewissheit leben, dann können wir “glückselig“ sein, selbst wenn wir um unseres Glaubens willen leiden sollten. Das griechische Wort “μακάριος“ (“makarios“), das in unseren Bibeln mit “glückselig“ übersetzt wird, bezeichnet eine große Freude, die nicht von äußeren Einflüssen/Gegebenheiten/Reaktionen abhängig ist, sondern ihre Quelle im Segen Gottes hat. Wie groß und beständig der Segen ist, mit dem Gottes uns beschenkt hat, wird in Epheser 1, 3 deutlich, wo der Apostel Paulus schreibt:

“Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus, (…)“

Es ist hier nicht Raum, alle Segnungen zu betrachten, die der Apostel in den dann folgenden elf Versen (Epheser 1, 3 – 14) aufführt. Aber ich empfehle jedem Leser, sich einmal die Zeit zu nehmen und über den Reichtum des Segens, der uns in dem Herrn Jesus Christus geschenkt worden ist, intensiv nachzudenken. Wer sich dieser Segnungen bewusst ist und sie in der Gemeinschaft mit Gott genießt, der kann sich auch inmitten von Bedrängnis in seinem Gott freuen. Der Prophet Habakuk (zum Hintergrund des Propheten Habakuk: Klick!) lebte zu einer Zeit, in der es dem Südreich Juda und Benjamin sehr schlecht ging. Das Volk war von Gott abgefallen und stand unter dem Gericht Gottes, feindliche Heere waren auf dem Weg, das Land einzunehmen und die Bewohner als Gefangene nach Babylon zu führen. Habakuk sieht die Verwüstung seines Heimatlandes schon kommen:

“Denn der Feigenbaum wird nicht blühen, und kein Ertrag wird an den Reben sein; und es trügt die Frucht des Olivenbaumes, und die Getreidefelder tragen keine Speise; aus der Hürde ist verschwunden das Kleinvieh, und kein Rind ist in den Ställen.“

(Habakuk 3, 17 ELBEDHÜ)

Doch inmitten dieser Situation bekennt der Prophet:

“Ich aber, ich will in dem HERRN frohlocken, will jubeln in dem Gott meines Heils.“

(Habakuk 3, 18 ELBEDHÜ)

Wieviel mehr Grund zur Freude in Gott haben wir, die wir “in Christus“ mit “jeder geistlichen Segnung“ beschenkt wurden? Dieser Segen geht weit über die Segnungen hinaus, die Habakuk zu seiner Zeit gegeben waren. Und diese Segnungen sind völlig unabhängig von äußeren Faktoren.

Nachdem der Apostel Petrus uns gezeigt hat, wie wir inmitten von Bedrängnis glückselig in Gott sein können, schließt er eine Ermahnung an, die zugleich Ermutigung ist:

“Fürchtet aber nicht ihre Furcht, noch seid bestürzt, (…)“

(1. Petrus 3, 14 ELBEDHÜ)

Mit diesem Hinweis nimmt der Apostel Bezug auf ein Geschehen zur Zeit des Propheten Jesaja. In Jesaja 8, 12 – 13 (ELBEDHÜ) ließ Gott dem Volk Israel, das den Angriff der assyrischen Armee fürchtete, sagen:

“Ihr sollt nicht alles Verschwörung nennen, was dieses Volk Verschwörung nennt; und fürchtet nicht ihre Furcht und erschreckt nicht davor. Den HERRN der Heerscharen, den sollt ihr heiligen; und er sei eure Furcht, und er sei euer Schrecken.“

Der Apostel Petrus greift auf und zeigt im darauffolgenden Vers, welches Mittel Gläubige anwenden können, um der Furcht zu begegnen:

* “(…) sondern heiligt Christus, den Herrn, in euren Herzen. Seid jederzeit bereit zur Verantwortung gegen jeden, der Rechenschaft von euch fordert über die Hoffnung, die in euch ist, (…)““1. Petrus 3, 15 –  Gläubige sollen sich nicht von der Furcht anderer anstecken lassen, schon gar nicht von der Furcht, die Menschen verbreiten, die nicht an Gott glauben. In beiden Schriftstellen – bei dem Propheten Jesaja wie auch im ersten Brief des Apostels Petrus – werden wir darauf hingewiesen, wie wir der Furcht begegnen, ja sie überwinden können. Das beste Mittel gegen Furcht ist Gottesfurcht. Jesaja und Petrus bringen das zum Ausdruck, wenn sie sagen, dass wir den “HERRN der Heerscharen“ heiligen sollen, dass Er “unsere Furcht sein soll“ bzw. dass wir “Christus, den Herrn“ in unseren Herzen “heiligen“ sollen.
Wenn wir aufgefordert werden, den Herrn Jesus Christus “in unseren Herzen zu heiligen“, dann bedeutet das, dass wir Ihm einen ganz besonderen Platz in unserem Leben einräumen sollen: den ersten und entscheidenden Platz. Er soll in unserem Leben genauso den Vorrang haben, wie Er ihn in allem den Vorrang hat:

“Und er ist das Haupt des Leibes, der Versammlung, der der Anfang ist, der Erstgeborene aus den Toten, damit er in allem den Vorrang habe.

(Kolosser 1, 18 ELBEDHÜ)

Den “Herrn in unseren Herzen zu heiligen“ bedeutet, dass unser Leben von Gottesfurcht geprägt ist. Gottesfurcht hat nichts mit Angst vor Gott zu tun. Gottesfurcht bedeutet, Gott in Ehrfurcht zu begegnen, Ihm Respekt zu erweisen,  Ihn als den anzuerkennen, der Er ist. Das setzt ein Bewusstsein der Tatsache voraus, dass wir unser ganzes Leben vor diesem heiligen, allmächtigen Gott führen. An diesem Punkt muss das theoretische Wissen in die Praxis unseres Alltags überführt werden. Es reicht nicht aus, von dem heiligen Gott nur zu sprechen, es gilt diesem Bekenntnis entsprechend zu leben, dieses Bekenntnis in unserem praktischen Handeln sichtbar werden zu lassen.  Gott hat uns durch die Kraft der Gnade und durch den Beistand des Heiligen Geistes alles geschenkt, was wir brauchen, um entsprechend Seinem Willen leben zu können. Wir wachsen in der Gottesfurcht, indem wir Gott begegnen. Durch das Lesen Seines Wortes und im Gebet lernen wir Ihn immer besser kennen. Dann werden wir nicht nur erkennen, dass es der Wille Gottes ist, dass wir uns von allem trennen, was Ihm nicht entspricht (vgl. Sprüche 8, 13; 1. Thessalonicher 4, 3), nein, wir werden auch den Wunsch verspüren, so leben zu wollen, dass unser Leben ein Leben zur Ehre Gottes ist (2. Korinther 7, 1). Gottesfurcht ist also keine religiöse Haltung, die wir am Sonntagmorgen für 90 Minuten annehmen und beim anschließenden Mittagessen wieder ablegen. Gottesfurcht ist eine Überzeugung, die unser Leben  zutiefst prägt und ein entsprechendes Handeln hervorbringt, weil sie aus der Begegnung mit Gott erwächst. Ein solcher Glaube hat Verheißung.

Wenn unser Leben aus der Beziehung zu Gott seine Kraft schöpft und von der Ehrfurcht vor Gott bestimmt wird, dann werden wir auch in der Lage sein, uns jederzeit gegenüber jedermann bzgl. der “Hoffnung“, die in uns ist, zu verantworten. Hier geht es nicht um ein nettes Glaubensgespräch, dass man am Samstagnachmittag mit dem Nachbarn am Gartenzaun führt. Erinnern wir uns: Petrus schreibt an Gläubige, die gerade unter einer massiven Welle staatlicher Verfolgung ihres Glaubens litten. Wäre es da nicht angebracht gewesen, diesen Gläubigen zu raten, erst einmal zu schweigen? Nein. Für das Christentum, welches das Neue Testament lehrt, ist das Verschweigen der Hoffnung, die in uns ist, auch angesichts von Verfolgung, Gefängnis oder gar Tod keine Alternative. Der Apostel Paulus schrieb in einer ähnlichen Situation an seinen Mitarbeiter Timotheus:

“Ich bezeuge ernstlich vor Gott und Christus Jesus, der richten wird Lebende und Tote, und bei seiner Erscheinung und seinem Reich: Predige das Wort, halte darauf zu gelegener und ungelegener Zeit; überführe, weise ernstlich zurecht, ermahne mit aller Langmut und Lehre. (…) Du aber sei nüchtern in allem, leide Trübsal, tu das Werk eines Evangelisten, vollführe deinen Dienst.“

(2. Timotheus 4, 1 f.; ELBEDHÜ)

Auch Timotheus sollte seinen Dienst als Evangelist ausführen “zu gelegener und ungelegener Zeit“, also in Zeiten, in denen es leicht war, das Evangelium zu verkündigen, aber auch in Zeiten, in denen Menschen der Evangeliumsverkündigung weniger offen, ja vielleicht sogar feindlich gegenüber standen. Über das Evangelium zu schweigen, kann für einen Christen nie eine Alternative sein, denn das Wort vom Kreuz ist das einzige Mittel, durch das Menschen errettet werden können:

“Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, denn es ist Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen.“

(Römer 1, 16 ELBEDHÜ; vgl. 1. Korinther 1, 18)

Weil der rettende Glaube aus der Verkündigung  des Wortes Gottes kommt, darf der Gläubige nicht schweigen (Römer 10, 17; vgl. Sprüche 24, 11; 2. Könige 7, 9). Für Menschen in der westlichen Welt mag dieser Hinweis merkwürdig erscheinen, leben wir doch mehrheitlich in Ländern, in denen die Religions- und Meinungsfreiheit verfassungsrechtlich verbürgt ist und wo wir, wenn wir über unseren christlichen Glauben sprechen, keine Repressalien befürchten müssen. Dafür dürfen wir Gott sehr dankbar sein. Aber nur wenige Flugstunden entfernt sieht die Situation ganz anders aus. In Saudi-Arabien und in Nordkorea ist der Besitz einer Bibel bei Strafe verboten (Klick! & Klick!), in China lässt die kommunistische Regierung Kreuze von Kirchengebäude entfernen und ganze Kirchen zerstören (Klick!) und in Nigeria sterben – von der Welt mittlerweile gar nicht mehr beachtet – fast täglich Christen, nur weil sie eben Christen sind (Klick!). Das sind nur wenige Beispiele dafür, wie Christen weltweit (Klick!) um ihres Glaubens willen diskriminiert, bedrängt, offen verfolgt und mit dem Tod bedroht werden. Gleichzeitig aber ist festzustellen, dass die Christen in genau diesen Ländern, in denen sie das Bekenntnis zu Jesus Christus alles kosten kann, nicht schweigen. Im Gegenteil! Bei einer intensiven Beschäftigung mit dem Leben dieser Gläubigen fällt auf, dass sie ein lebendiges und von der Ehrfurcht von Gott erfülltes Leben führen. Darum finden sie – wie Petrus, Paulus und Timotheus – auch in schwierigen Zeiten die Kraft, ihren Glauben zu bezeugen. Wir, die wir das Privileg haben, in Ländern zu leben, in denen wir unseren Glauben ohne Einschränkungen praktizieren können, dürfen uns durch das Leben dieser Mitchristen auch für unseren Dienst ermutigen lassen.

Wenn Petrus die Christen in Kleinasien in diesem Vers ermutigt, trotz der schweren Bedrängnis, die sie erleiden, ihren Glauben freimütig zu bekennen, dann benutzt er eine sehr interessante Formulierung. Er spricht nicht allgemein von “dem Evangelium“ oder “dem christlichen Glauben“, er spricht von “der Hoffnung, die in euch“, d.h. den Gläubigen, ist. Was unter dieser Hoffnung, die in den Gläubigen ist, zu verstehen ist, wird deutlich, wenn wir betrachten, was Paulus an die Christen in Kolossä schrieb:

“(…) denen Gott kundtun wollte, welches der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses ist unter den Nationen, das ist: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit; den wir verkündigen, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen lehren in aller Weisheit, damit wir jeden Menschen vollkommen in Christus darstellen; (…)“

(Kolosser 1, 27 – 28 ELBEDHÜ)

Durch die Formulierung “Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“ werden wir auf zwei äußerst wichtige geistliche Tatsachen hingewiesen:
“Christus in euch“: Zur Zeit des Alten Testaments wohnte Gott in der Wolken- und Feuersäule unter seinem Volk (2. Mose 13, 2). Gott hatte sich Seinem Volk zwar geoffenbart, jedoch nicht vollkommen. Darum wird die Offenbarung Gottes im Alten Testament sehr häufig mit dem Begriff der “Dunkelheit“ oder “Finsternis“ verbunden (vgl. 2. Mose 20, 21; 5. Mose 4, 11; 5. Mose 5, 22 – 23; 5. Mose 20, 21; 1. Könige 8, 12). Erst durch das Kommen des Sohnes Gottes auf diese Erde hat sich Gott, der Vater, vollkommen geoffenbart (Johannes 1, 18; Johannes 12, 45; Johannes 14, 9). Während Gott im Alten Testament nur in dem einen Tempel in Jerusalem Wohnung nahm, ist der Sohn Gottes, der Herr Jesus Christus heute nicht nur in der Mitte der Seinen (Matthäus 18, 20), nein, Er selbst lebt auch in ihnen!  Es wird meist gesagt, dass Christus durch den Heiligen Geist in den Gläubigen leben würde, doch das ist so nicht richtig. Christus selbst nimmt durch das neue Leben in den Gläubigen Wohnung (Kolosser 3, 4; Kolosser 1, 27). Und es ist dieses neue, göttliche und damit ewige Leben in uns, das der Garant für unser Leben in der zukünftigen Herrlichkeit. ist. Denn Er selbst, Jesus Christus, ist das ewige Leben:

“Und dies ist das Zeugnis: dass Gott uns ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn.“

(1. Johannes 5, 11 ELBEDHÜ; vgl. 1. Johannes 5, 20)

Das ewige Leben ist nach der Lehre der Heiligen Schrift “in dem Sohn Gottes“ und darum kann es auch nur in uns sein, wenn Christus, der Sohn Gottes, in uns lebt (Johannes 14, 19). Damit ist aber eine wunderbare Sicherheit verbunden. Denn Gottes Wort lehrt uns auch, dass der Tod nicht mehr über Christus herrschen kann (Römer 6, 9). Wenn der Tod aber nicht mehr über Christus herrschen kann, dann kann er auch nicht mehr über die herrschen, in denen Christus lebt! (Römer 6, 8).
“Die Hoffnung der Herrlichkeit“: Verstehen wir nun, was Paulus uns mit den Worten “Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“ sagen will? Weil Christus in uns lebt, darum haben wir eine sichere Hoffnung auf das Leben in der Herrlichkeit! Lesen sie genau, was der Apostel schreibt: “Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“ (Kolosser 1, 27). Nicht die ewige Herrlichkeit ist unsere Hoffnung, sondern Christus Selbst! Von Ihm allein empfängt der Gläubige alles, was er auf bzw. für dem Weg zu der kommenden Herrlichkeit benötigt. Auf die zukünftige Herrlichkeit dürfen wir uns freuen. Aber die zukünftige Herrlichkeit ist – lassen Sie mich das mit aller Ehrfurcht sagen – nur zweitrangig. Denn Christus selbst ist ja der “Herr der Herrlichkeit“ (Jakobus 2, 1).
Bereit sein “zur Verantwortung gegen jeden, der Rechenschaft von euch fordert über die Hoffnung, die in euch ist,“ bedeutet also, dass wir uns – auch unter schwierigen Umständen – freimütig zu dem Herrn Jesus Christus bekennen. Er lebt in uns (Kolosser 1, 27) in uns. Er ist unser Leben (Kolosser 3, 4; Philipper 1, 21). und Er ist es auch, auf den allein wir unsere Hoffnung setzen (1. Timotheus 1, 1).

* “(…) aber mit Sanftmut und Furcht; indem ihr ein gutes Gewissen habt, damit, worin sie gegen euch als Übeltäter reden, die zuschanden werden, die euren guten Wandel in Christus verleumden.““1. Petrus 3, 16 – Nachdem der Apostel im vorausgegangenen Vers den Inhalt des christlichen Bekenntnisses dargelegt und die Gläubigen dazu ermutigt hat, ihren Herrn und Erlöser auch unter schwierigen Umständen zu bekennen, geht er nun darauf ein, in welcher Art und Weise das christliche Bekenntnis abgelegt werden soll. Zwei Dinge sollen die Art und Weise, wie wir unseren Glauben bekennen, kennzeichnet sein:
Sanftmut: Das griechische Wort “πραΰτης“ (= “prautes“), das in unseren Bibeln mit Sanftmut übersetzt wird, kann auch “Milde“ bedeuten und hat einen Anklang an “Demut“. In der deutschen Sprache wird “Sanftmut“ dementsprechend auch als “ausgeglichene, ruhige, geduldige und wohlwollende Gesinnung, die einen Menschen selbst bei Kränkungen nicht in Zorn geraten lässt, sondern ein besonnenes Verhalten hervorbringt, das die Mitmenschen positiv beeinflusst“¹ In der Heiligen Schrift werden uns Mose (4. Mose 12, 3) und unser Herr Jesus Christus (Matthäus 11, 29) als Beispiele für wahre Sanftmut vorgestellt.
“Furcht“: Das hier benutzte griechische Wort ist “φόβος“ (“phobos“). W.E. Vine erläutert in seinem Wörterbuch zum Neuen Testament, dass das Wort hier im Sinn einer Ehrfurcht vor Gott zu verstehen ist, die den Gläubigen dazu anleitet, anderen Menschen  mit Sorgfalt (oder: Verantwortungsbewusstsein, Umsicht, Achtsamkeit, Besonnenheit) zu begegnen². 
Dieses Verhalten der Gläubigen soll sich nach Petrus auf das gute Gewissen der Gläubigen gründen. Das setzt voraus, dass das Leben der Gläubigen den Verleumdungen derer, die sie verfolgen, keine Angriffspunkte bietet. Die Neue Genfer Übersetzung bringt diesen Gedanken  gut zum Ausdruck: “Denn wenn ihr ein vorbildliches Leben führt, wie es eurer Zugehörigkeit zu Christus entspricht, werden die, die euch verleumden, beschämt dastehen, weil ihre Anschuldigungen sich als haltlos erweisen.“ (1. Petrus 3, 16 NGÜ).

* “Denn es ist besser, wenn der Wille Gottes es will, für Gutes tun zu leiden als für Böses tun.““1. Petrus 3, 17 – Hier schließt sich der Kreis, mit dem Petrus seine Belehrungen in Vers 12 begonnen hat: Wenn Gläubige durch eine Zeit des Leidens gehen sollten, dann ist es besser, sie leiden für das Gute als dass sie für Böses Strafe erleiden würden.

Fußnoten:

¹= vgl. https://de.wiktionary.org/wiki/Sanftmut

²= W.E. Vine: “Expository Dictionary of New Testament Words“, Anmerkung zu “φόβος“ (“phobos“).

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