Die Kraft der Gnade

Die Gnade Jesu Christi

Die Gnade Gottes ist die Grundlage unseres christlichen Glaubens. Ohne die Gnade Jesu Christi ist eine christliche Existenz überhaupt nicht denkbar. Wenn wir von “Gnade“ sprechen, dann definieren wir diesen Begriff sehr schnell als “unverdiente Güte“. Doch die Gnade, die uns durch Jesus Christus zuteil wird, ist weit mehr als “unverdiente Güte“. Diese Gnade begegnet uns in verschiedenen Wirkungsweisen. Die drei wichtigsten möchte ich kurz ansprechen:

Die Erlösungsgnade: Die Gnade, die ein Mensch empfängt wenn er erlöst/errettet/von Neuem geboren wird, können wir als „heilbringende Gnade“ (Titus 2, 11; 2. Timotheus 1, 9 – 10) oder als Erlösungsgnade bezeichnen. Diese Erlösungsgnade hat ihren Grund allein in der Person und dem Werk Jesu Christi. Wir sind begnadigt „in dem Geliebten“ (Epheser 1, 6), die Gnade ist „erschienen“ in Seiner Person (Titus 2, 11; Johannes 1, 17). Diese Gnade wird durch die Verkündigung des „Evangeliums der Gnade und Herrlichkeit“ (Apostelgeschichte 20, 24; 1. Timotheus 1, 11) allen Menschen angeboten (Apostelgeschichte 17, 30). Die Reaktion des Menschen auf dieses Angebot zu seinen Lebzeiten (Hebräer 9, 27) entscheidet über seine ewige Zukunft. Nimmt ein Mensch dieses Angebot Gottes an, indem er Buße tut und sich zu Gott bekehrt, so werden seine Sünden „ausgetilgt“ (Apostelgeschichte 3, 19; 1. Johannes 1, 7 – 9), der Zorn Gottes nicht mehr auf ihm, er hat Frieden mit Gott (1. Thessalonicher 1, 9 – 10; Römer 5, 1). Durch den Glauben an das vollbrachte Werk Christi wird dieser Mensch von neuem geboren. Damit geht eine „ungeheuerliche“ Veränderung einher: Aus dem (nun ehemaligen) Sünder (Römer 5, 8) wird eine neue Schöpfung in Christus (2. Korinther 5, 17), ein geborenes (nicht nur adoptiertes!) Kind Gottes (Johannes 3, 1 – 6), ein Teilhaber der göttlichen Natur (2. Petrus 1, 4), ein Heiliger (Epheser 1, 1 u.a.). Der so Glaubende empfängt die Gabe des ewigen Lebens (Römer 6, 23), Christus selbst (Kolosser 1, 27) und mit Ihm den „Reichtum Seiner Gnade“ (Epheser 1, 7; Epheser 2, 7).

Die Vergebungsgnade: Von der Erlösungsgnade können wir die Vergebungsgnade, also die Gnade, in der Gott uns (täglich) vergibt, unterscheiden. Wenn der Gläubige sündigt (Hebräer 12, 1; 1. Timotheus 5, 20; Römer 14, 23b u.a.m.), dann tangiert dies nicht seine Stellung. Die Sünde, die ein Gläubiger tut, wirft ihn nicht in den Zustand vor seiner Erlösung zurück. Wäre dem so, dann wäre die Erlösung nämlich wieder von Werken abhängig und kein Gnadengeschenk (Galater 2, 16). Sünde trennt den Erlösten nicht mehr von Gott. Aber sie beeinträchtigt den Genuss unserer Gemeinschaft mit dem Vater. Für den Fall, dass ein Gläubiger sündigt, gibt es eine klare apostolische Aussage:

„Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt; und wenn jemand gesündigt hat – wir haben einen Sachwalter (a.Ü.: Fürsprecher) bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten.“

(1. Johannes 2, 1)

Die Aussage, dass wir einen Sachwalter bzw. Fürsprecher bei dem Vater – Jesus Christus, den Gerechten – erinnert uns an 1. Petrus 3, 18. Dieser Gerechte ist für mich Ungerechten gestorben und Er hat alle meine Sünde bereits getragen. Genau daran erinnert (bildlich und mit allem Respekt vor der Heiligkeit Gottes gesprochen) Er den Vater, wenn Er sich bei diesem für mich verwendet. Mein Verteidiger beantragt meinen Freispruch und zwar nicht wegen Geringfügigkeit meiner Schuld, sondern weil Er, der Gerechte, bereits für diese Sünde gelitten hat. Jede meiner Sünden ist schwerwiegend und für jede einzelne hätte ich den ewigen Tod verdient. Aber weil ich meine Zuflucht zu dem einzig existierenden „Gnadenstuhl“ genommen habe (Römer 3, 25) wird mir die Gerechtigkeit dieses Gerechten zugerechnet und ich darf frei sein. Gott straft keine Sünde zweimal. Christus aber ist für mich am Kreuz durch das Feuer des göttlichen Zorns gegangen und hat meine Strafe auf sich genommen. Das gilt für die Sünden, die ich tat, bevor ich zum Glauben an den Sohn Gottes kam, für die Sünden, die ich seitdem getan habe und auch für die Sünden, die ich noch tun werde. Das ist die Grundlage, auf der mein Fürsprecher meinen Freispruch beantragt und auf dieser Grundlage wird Seinem Antrag stattgegeben, mir wird vergeben. Praktisch sieht das so aus, dass der Herr mich durch Seinen Geist und Sein Wort von meiner Sünde überführt (Johannes 16, 8), so dass ich meine Sünde bereue und bekenne (1. Johannes 1, 7 – 9). Wenn ich das tue, steht mein Sachwalter beim Vater bereits bereit.

Die Kraft der Gnade: Mit der Erlösungsgnade und der Vergebungsgnade sind die meisten Christen wohl vertraut. Weniger Verständnis besteht jedoch bei den meisten Christen über die Kraft der Gnade.
Wie gesagt: Gnade definieren wir häufig ganz schnell als “unverdiente Güte“. Doch “χάρις“ (“charis“), also Gnade im Sinn des Neuen Testaments, ist mehr als nur „unverdiente Güte“ oder „Begnadigung“, d.h. Erlass der/einer Strafe. “χάρις“ – Gnade ist auch „der göttliche Einfluss auf das Objekt der Gnade“¹, eine Gabe bzw. eine Kraft, die das Objekt der Gnade befähigt bzw. in den Stand versetzt, das zu tun, was von ihm verlangt wird. Ein irischer Bibelkommentator spricht daher auch sehr treffend von „the energy of Grace“², zu deutsch “die Energie bzw. Kraft der Gnade“. Und um diese Kraft der Gnade geht es m.E. in diesen abschließenden Worten des Apostels.
Gnade ist also die Kraft/Energie, die uns dazu befähig, das zu tun, was Gott von uns wünscht. Im Fall der Gläubigen, an die Paulus den 2. Korintherbrief schrieb, hieß dies, dass sie die Kraft der Gnade ganz konkret zur Überwindung ihrer innergemeinschaftlichen Probleme in Anspruch nehmen sollten. Auch uns stellt der Herr Jesus Christus die Kraft Seiner Gnade für alle Bereiche unseres Lebens zur Verfügung. Wie kann diese Kraft der Gnade in unserem Leben Wirklichkeit werden? Wie wird sie empfangen? Wie wird sie angewendet?
Zuerst einmal sollten wir uns bewusst sein, dass die Kraft der göttlichen Gnade unerschöpflich ist. Bereits im alttestamentarischen Buch der Klagelieder bezeugt der Prophet Jeremia:

“Ja, die Gnadenerweise des HERRN sind nicht zu Ende, ja, sein Erbarmen hört nicht auf, es ist jeden Morgen neu. Groß ist deine Treue. Mein Anteil ist der HERR, sagt meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen. Gut ist der HERR zu denen, die auf ihn harren, zu der Seele, die nach ihm fragt.“

(Jeremia 3, 23 – 25)

Und der Apostel Johannes konkretisiert diese Aussage in seinem Evangelium:

Denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.“

(Johannes 1, 16 – 17)

Aus dieser täglich neuen Fülle der Gnade Jesu Christi dürfen auch wir die Kraft der Gnade für jede Aufgabe, jedes Problem, jede Herausforderung nehmen und empfangen. Die beiden Mittel, durch die der Empfang dieser Kraft der Gnade möglich wird, sind – wie bei der Erlösungs- und bei der Vergebungsgnade – Gebet und Glaube. Im Gebet bitten wir Gott um die Kraft der Gnade und im Glauben empfangen wir sie:

“Darum sage ich euch: Alles, um was ihr auch betet und bittet, glaubt, dass ihr es empfangen habt, und es wird euch werden.

(Matthäus 11, 24; REVEBF’2006; vgl. Jesaja 65, 24; Matthäus 6, 8)

Vor allem anderen, was wir zum Leben benötigen, brauchen wir die Kraft der Gnade an jedem neuen Tag. Der Herr Jesus Christus will uns diese Kraft schenken. Es ist Sein Wunsch, uns mit der Kraft der Gnade auszurüsten. Das Gebet um diese Kraft der Gnade ist daher ein Gebet, das Seinem Willen entspricht und darum auch Erhörung finden wird (1. Johannes 5, 14 – 15). Wir müssen Ihm das aber auch glauben und im Glauben diese Kraft annehmen, in Empfang nehmen.

 

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