Feindesliebe – Anmerkungen zu 1. Petrus 3, 8 – 12

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Öffne Dein Herz! * Foto: Maren Beßler / pixelio.de

Für den morgigen Mittwoch wurden Bibelworte aus dem 1. Petrusbrief (zum Hintergrund des 1. Petrusbriefes siehe: Klick!) als Grundlage der  Wortverkündigung ausgewählt. Wir betrachten diese Verse in ihrem  Zusammenhang:

Endlich aber seid alle gleich gesinnt, mitleidig, voll brüderlicher Liebe, barmherzig, demütig, und vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern im Gegenteil segnet, weil ihr dazu berufen worden seid, dass ihr Segen erbt. „Denn wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der halte seine Zunge vom Bösen zurück und seine Lippen, dass sie nicht Trug reden; er wende sich aber ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach;
denn die Augen des Herrn sind gerichtet auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Flehen; das Angesicht des Herrn aber ist gegen die, die Böses tun.“

(1. Petrus 3, 8 – 12; ÜEBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

 

Zum Hintergrund von 1. Petrus 3, 8 – 12

Anlass für diesen Brief waren die Anfeindungen, Bedrängnisse, ja schweren Verfolgungen, denen die Christen in Kleinasien zu diesem Zeitpunkt durch ihre heidnische Umwelt ausgesetzt waren. Es war der Wunsch des Petrus, diese Mitchristen in ihrer schwierigen Situation zu ermutigen (1. Petrus 5, 12). Nero hatte die Christen für den Brand Roms im Jahr 64 n. Chr. verantwortlich gemacht, um so die Gerüchte, er selbst sei Auslöser des Brandes gewesen, zum Schweigen zu bringen. Die römische Propaganda scheint insbesondere im nördlichen Teil Kleinasiens erste Verfolgungswellen ausgelöst zu haben. Der 1. Petrusbrief wird aufgrund dieser historischen Hinweise in die Zeit von 64. n. Chr. datiert. Das Thema Leiden nimmt im 1. Petrusbrief dementsprechend auch großen Raum ein. Leben als Christ in Kleinasien zur Zeit Neros war wahrlich kein “Sonntagsspaziergang“. Um das Leiden der Gläubigen zu beschreiben, benutzt der Apostel in 1. Petrus 5, 10 das Wort “παθοντας“ (“pathontas“), womit eine Erfahrung oder ein Erlebnis beschrieben wird, das mit schwerem Leiden bzw. einer schwierigen Situation verbunden ist. Dasselbe Wort wird auch benutzt, wenn von einer kranken Person die Rede ist. Im Neuen Testament wird das Wort u. a. in Matthäus 16, 21, Apostelgeschichte 1, 3, Apostelgeschichte 17, 3 und 1. Petrus 4, 1 benutzt, wenn von dem Leiden Christi die Rede ist.
Doch Petrus bleibt nicht bei Trost und Ermutigung stehen. Der ganze 1. Petrusbrief ist kein Aufruf zum passiven Abwarten, sondern ein Aufruf zum aktiven Erwarten und zwar des wiederkommenden Herrn Jesus Christus. Aus diesem Grund zeigt Petrus seinen Lesern über den Trost und die Ermutigung hinaus auf, wie sie aktiv als Christen in dieser schweren Situation durch die Kraft der Gnade und den Beistand des Heiligen Geistes als Christen leben und gleichzeitig ein Zeugnis für ihre Umwelt sein können. Es ist bemerkenswert, wie Petrus die Gläubigen zu diesen Punkt führt:
Nachdem der Apostel die Leser seines Briefes gegrüßt hat (1. Petrus 1, 1 – 2), spricht er zuerst über die wunderbare Erlösung, die wir als Christen erleben durften und nun besitzen (1. Petrus 1, 3 – 12). Sie ist die Grundlage für alles andere in unserem Leben als Nachfolger des Herrn Jesus Christus. Darauf aufbauend erinnert Petrus die Christen in Kleinasien daran, dass diese wunderbare Erlösung zu einer neuen Art des Lebens führt (1. Petrus 1, 13 – 25). Dieses neue Leben ist gekennzeichnet von Heiligkeit, Ehrfurcht vor und Liebe zu Gott, dann aber auch von Respekt und Liebe zu den Menschen. Als dritten Punkt spricht der Apostel die Berufung des Christen als König und Priester an (1. Petrus 2, 1 – 10). Wenn der Gläubige auf Gott hört, er im Glauben an Gott wächst und seinen Glauben auf Christus gründet, dann lebt er dieser Berufung entsprechend. Nachdem Petrus die Gläubigen so an die Identität, die sie in Christus besitzen, erinnert hat, geht er dazu über, sie bzgl. der Verantwortung zu belehren, die sie der Welt gegenüber haben (1. Petrus 2, 111. Petrus 4, 11). Zuerst spricht er über die Bedeutung des christlichen Zeugnisses in dieser Welt. Anschließend folgt ein großer Abschnitt (1. Petrus 2, 131. Petrus 3, 12), in dem sich auch die heute von uns zu betrachtenden Bibelverse finden. Im Fokus dieses großen Abschnitts steht der Respekt, mit dem die Gläubigen allen Menschen begegnen sollen. Petrus schließt diesen großen Abschnitt mit einer Belehrung über die Bedeutung der Feindesliebe (1. Petrus 3, 8 – 12).

 

Anmerkungen zu 1. Petrus 3, 8 – 12

* “Endlich aber seid alle gleich gesinnt, mitleidig, voll brüderlicher Liebe, barmherzig, demütig, (…)“1. Petrus 3, 8 –  Indem Petrus diesen Vers mit dem Wort “endlich“ einleitet, macht er deutlich, dass alles zuvor über den Respekt gegenüber anderen Menschen Gesagte mit zu der nun folgenden Belehrung gehört. Der Apostel fordert die Gläubigen auf, bestimmte, nun folgende Einstellungen in ihrem Leben zu kultivieren:
Das in unseren Bibeln mit “gleichgesinnt“ übersetzte griechische Wort  “ὁμόφρων“ (homophron) bedeutet “eines Sinnes sein“, “in Harmonie mit einander sein“. In Christus ist durch die Kraft der Gnade und die Verbundenheit des Heiligen Geistes (1. Korinther 12, 13) eine Harmonie möglich, die ungeachtet individueller Unterschiede bestehen kann. Es ist kein menschlich gemachter Einheitsbrei nach dem Motto: “Piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb“, sondern ein (An)Erkennen und Ausleben der Tatsache, dass alle Gläubigen durch den einen Geist Gottes zu  einem Leib getauft sind (1. Korinther 12, 13).
Wenn Petrus die Gläubigen auffordert, “mitleidig“ zu sein, gebraucht er das griechische Wort “συμπαθής“ (“sumpathes“). Dieses Wort drückt das Mitempfinden bzw. Mitleiden aus, das man für einen anderen hat bzw. erduldet. Dabei geht es nicht nur um ein passives Mitleiden aus der Distanz, sondern um ein aktives Mittragen des Leides des anderen, wie es 1. Korinther 12, 26 lehrt.
Die von Petrus dann erwähnte brüderliche Liebe sollten wir hier, da “ἀδελφός“ (“adelphos“) je nach Zusammenhang auch Schwestern einschließt, als Liebe zu allen Glaubensgeschwistern verstehen. Es ist die besondere Liebe, die alle Gläubigen verbindet (Kolosser 3, 14) und ihren Ursprung in der Liebe hat, die von Gott in unsere Herzen ausgegossen wurde (Römer 5, 5).
Barmherzigkeit beinhaltet ein “starkes Mitgefühl“ für andere zu haben, das einem anteilnehmenden, zartfühlenden Herzen entspringt.
Unter Demut versteht das Neue Testament eine Gesinnung, gemäß der der Christ den anderen höher achtet als sich selbst (vgl. Philipper 2, 3; Römer 12, 10).

* “(…) und vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern im Gegenteil segnet, weil ihr dazu berufen worden seid, dass ihr Segen erbt.“1. Petrus 3, 9 – Petrus leitet nun zu dem wichtigen Punkt der Feindesliebe über. Christen sollen sich dadurch von ihrer Umwelt unterscheiden, dass sie eben nicht das Böse, das ihnen angetan wird, mit Bösem vergelten. Dazu gehören auch böse, verletzende Worte.  Ein solches Leben können Christen nicht aus eigener Kraft führen. Nur die Liebe Gottes, die durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen wurde  (Römer 5, 5), und die Kraft der Gnade können uns dazu befähigen.
Petrus greift, wenn er die Gläubigen zur Feindesliebe ermutigt, ein Gebot des Herrn Jesus Christus auf (vgl. Matthäus 5, 9). Und er verweist auf das Vorbild Jesu, wenn er die Gläubigen auffordert, “Scheltwort nicht mit Scheltwort“ zu vergelten (vgl. 1. Petrus 2, 23).
Der amerikanische Theologe Warren W. Wiersbe erläutert in seinem Kommentar zum Neuen Testament, dass es drei Ebenen des Verhaltens gegenüber dem Bösen gibt: Man kann Gutes mit Bösem vergelten. Das ist die Ebene auf der der Böse selbst handelt. Man kann Gutes mit Gutem und Böses mit Bösem vergelten. Das ist die menschliche Ebene der Vergeltung: “Wie du mir, so ich dir!“ Oder man kann Böses mit Gutem vergelten. Das ist die Ebene Gottes, die unser Herr Jesus Christus uns in vollkommener Weise vorgelebt hat¹ (vgl. Apostelgeschichte 10, 38).
Zu einem solchen Verhalten will uns der Sohn Gottes durch Seine Kraft befähigen. Die Grundlage dazu wurde in unserer Erlösung bereits gelegt. Wir können vergeben, weil Gott uns vergeben hat (Matthäus 18, 23 – 35).  Mit der Erfahrung unserer Erlösung haben wir den größten Reichtum und den größten Segen empfangen, den sterbliche Menschen auf dieser Erde empfangen können. In den vollumfänglichen Genuß dieses Segens werden wir gelangen, wenn wir bei dem Herrn Jesus Christus sind. Bis dahin möchte Gott uns in unseren menschlichen Beziehungen – sei es zu Gläubigen oder Menschen, die unseren Glauben nicht teilen – segnen bzw. zum Segen für andere gebrauchen. Wir werden ein Segen für andere, wenn wir Böses mit Gutem vergelten, wenn wir segnen, wenn andere uns schmähen. Wir werden zum Segen für andere, wenn wir Feindschaft mit Vergebung, Hass mit Liebe begegnen. Auf diese Weise überwinden wir das Böse mit Gutem und lassen uns nicht vom Bösen überwinden (Römer 12, 21).

* “Denn wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der halte seine Zunge vom Bösen zurück und seine Lippen, dass sie nicht Trug reden; er wende sich aber ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach; denn die Augen des Herrn sind gerichtet auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Flehen; das Angesicht des Herrn aber ist gegen die, die Böses tun.““1. Petrus 3, 10 – 12 – Petrus zitiert hier Psalm 34, 12 – 16. Er belegt damit, dass das, was er in diesem Abschnitt gesagt hat, in völliger Übereinstimmung mit der früheren Offenbarung Gottes steht. Der Gläubige wird aufgefordert zu

Wer mit Hilfe der Kraft der Gnade Gottes und des Beistandes des Heiligen Geistes in dieser Weise im Glauben an Gott wächst, der darf sicher sein, dass Gott mit Wohlgefallen auf ihn/sie blickt und dass Gott auf ihr Gebet hört. Warum? Sind dies Menschen bessere Menschen? Erarbeiten sie sich durch ihr Verhalten den Segen und das Wohlwollen Gottes? Keineswegs! Denn ein Wachstum in Christus ist nicht aus eigener, sondern nur durch die Kraft Gottes möglich. Es ist Gottes Gerechtigkeit aufgrund derer Er denjenigen segnet, der auf die beschriebene Weise gerecht vor Ihm wandelt. In genau derselben Gerechtigkeit wird Gott aber auch das Böse bestrafen.
Durch diese beiden Aussagen will Petrus seinen Lesern noch einmal deutlich vor Augen führen, dass ein  Lebenswandel, der Gottes Willen entspricht, nicht vergeblich ist und dass Gott jene, die hinter den Verfolgungen standen, die seine Leser erdulden mussten, ganz sicher zur Rechenschaft ziehen würde. Während der Segen, den die Verfolgten erleben sollten, schon hier auf Erden beginnen und dann von ewiger Dauer sein würde, würde das Leid und die Herrschaft des Bösen zeitlich begrenzt sein. Wer als Christ aus dieser Perspektive heraus die Zusammenhänge betrachtete, in denen er stand, musste eigentlich Mitleid mit den Verfolgern bekommen. Was stand ihnen bevor? “Ewiges Verderben vom Angesicht des Herren“ (2. Thessalonicher 1, 9). Wer konnte eine solche Strafe selbst seinem ärgsten Feind wünschen? Jedenfalls kein Christ, der begriffen hatte, dass er/sie selbst nur ein/e Begnadigter/Begnadigte Gottes war. Feindesliebe, die durch Vergebung und Gebet für die Verfolger (Römer 12, 14) zum Ausdruck kommt, sollte die natürliche Folge dieser Erkenntnis sein.

Fußnoten:

¹= vgl. Warren W. Wiersbe: “The Wiersbe Bible Commentary: New Testament“, Published by David C. Cook, Colorado Springs, Second Edition 2007, Seite 911

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2 Antworten zu Feindesliebe – Anmerkungen zu 1. Petrus 3, 8 – 12

  1. chr schreibt:

    Ich denke der Ausspruch Jesu ist _auch_ eine Parabel: Wenn Du deine Feinde liebst, dann hast du keine Feinde.

    Ich habe auch noch eine Frage hinsichtlich des Bloggens generell. Du gebrauchst das „Wir“ in deinen Beiträgen. Warum? Ich meine stilistisch, was wären gute Gründe das (auf einem Blog) zu tun oder zu lassen?

  2. JNj. schreibt:

    Hallo chr, bzgl. des “wir“: Das Thema, das ich auf meinem Blog einstelle ist oft eine biblische Ausarbeitung, die ich so im Rahmen eines Treffens gehalten habe. Ich benutze das “wir“ weil “wir“, d.h. alle anwesenden Personen gemeinsam diesen Text betrachtet haben. Über die Frage, ob dies stilistisch sinnvoll ist für einen Blog oder nicht, habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Welche Stilmittel ein Blogger einsetzt, sollte jeder für sich entscheiden. Wenn Du gute Tips zum Bloggen suchst und Englisch liest, dann würde ich Problogger.com empfehlen.
    Freundliche Grüße!

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