Hintergrund 22: Der 2. Thessalonicherbrief

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Via Egnatia-en

Via Egnatia * By Eric Gaba (Sting – fr:Sting) [CC-BY-SA-2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)%5D, via Wikimedia Commons

Zum Hintergrund

Thessalonich (das heutige Thessaloniki) entstand ca. 315 v. Chr. an der Stelle der ehemaligen Thrakersiedlung Therme, die dem thermaischen Golf, einem Meeresgebiet in der nordwestlichen Ägäis seinen Namen gab. Der makedonische König Kassandros nannte die neue Stadt nach seiner Halbschwester Thessalonike. Nachdem das makedonische Reich 146 v. Chr. an die Römer fiel, erklärten diese das Gebiet zur römischen Provinz Macedonia mit Thessalonich als Hauptstadt. An der Via Egnatia, die die Adriaküste mit dem Bosporus und damit auch die Metropolen Rom und Byzanz (Konstantinopel) verband, und am thermaischen Golf gelegen, wurde Thessalonich bald zu einer blühenden Handelsstadt. Das moderne Thessaloniki profitiert noch immer von dieser Lage und ist dadurch heute nach Athen die zweitgrößte Stadt Griechenlands.
Man könnte meinen, die strategische Lage der Stadt und die Tatsache, dass dort bereits eine jüdische Synagoge bestand (Apostelgeschichte 17, 1), wären Gründe dafür gewesen sein, dass der Apostel Paulus Thessalonich auf seiner zweiten Missionsreise ansteuerte. Aus Apostelgeschichte 16, 9 – 10 wissen wir jedoch, dass der Apostel auf ein direktes Reden Gottes hin die Stadt aufsuchte. Ganz offensichtlich gab es in Thessalonich Menschen, deren Herzen für den Empfang des Evangeliums vorbereitet waren.
Von Philippi, der ersten Missionsstation auf europäischen Boden, kommend, reiste Paulus mit Silas und Timotheus über die Städte Amphipolis und Apollonia Richtung Süden nach Thessalonich. Gemäß Apostelgeschichte 17, 2 sprach er dort an mindestens drei Sabbaten mit jüdischen Gläubigen in der lokalen Synagoge. Aus 1. Thessalonicher 2, 9 und Philipper 4, 15 – 16 können wir jedoch schließen, dass der Apostel dort länger als drei Wochen wirkte. Apostelgeschichte 17, 3 – 7 berichtet davon, dass durch die Evangeliumsverkündigung Juden, zum Judentum konvertierte Heiden, sowie einige angesehene (heidnische) Frauen der Stadt zum Glauben an den Auferstandenen (Apostelgeschichte 17, 3) kamen. Einige Juden widerstanden jedoch dem Wirken Gottes und zettelten einen Aufruhr an, der sich insbesondere gegen Jason richtete. Im Haus dieses Mannes hatte Paulus mit seinen Mitarbeitern Unterkunft gefunden. Von den “Aufrührern“, wie Paulus diese aufrührerischen Menschen nannte, wurden die Gläubigen beschuldigt, eine politische Revolution zu planen. Als Beleg für diese Anschuldigung wurde angeführt, die Christen würden einem anderen König – Jesus – folgen (Apostelgeschichte 17, 7). Diese Anklage blieb bei den politischen Autoritäten der Stadt nicht ohne Wirkung (Apostelgeschichte 17, 8) und sie entließen Jason und seine Gäste erst aus der Haft, nachdem diese eine Bürgschaft hinterlegt hatten. Angesichts der Gefahr, die durch die aufgeheizte Stimmung in der Stadt entstanden war, sandten die jungen Gläubigen Paulus und seine Mitarbeiter noch in der Nacht aus Thessalonich fort (Apostelgeschichte 17, 9 – 10). Die nächste Stadt, die sie erreichten, war Beröa, wo sie von den dort lebenden Juden freundlicher aufgenommen wurden (Apostelgeschichte 17, 11). Bereits kurze Zeit später erschienen jedoch in Beröa Abgesandte der Juden aus Thessalonich und versuchten auch dort gegen Paulus “Stimmung“ zu machen, so dass er diese Stadt ebenfalls verlassen musste. Silas und Timotheus blieben bei den jungen Gläubigen in Beröa (Apostelgeschichte 17, 15). Erst einige Zeit später traf der Apostel mit seinen Mitarbeitern für kurze Zeit wieder in Athen zusammen, von wo aus er Silas nach Philippi und Timotheus nach Thessalonich zurück sandte (vgl. 1. Thessalonicher 3, 1 – 3; Apostelgeschichte 17, 15). Aus den dortigen Versammlungen (= Gemeinden) brachten sie Gaben für die Gläubigen nach Korinth, als sich Paulus später dort aufhielt (vgl. 2. Korinther 11, 9 mit Philipper 4, 15). Von Korinth aus schrieb der Apostel dann seinen ersten Brief an die Gläubigen in Thessalonich (siehe dazu weitere Ausführungen unter: “Hintergrund 12: der 1. Thessalonicherbrief“: Klick!)

Zur Entstehung des 2. Thessalonicherbriefes

Auch der zweite Thessalonicherbrief wurde nach Ansicht der Mehrheit konservativer Bibelkommentatoren von Korinth aus geschrieben. Die Tatsache, dass Silas und Timotheus gemäß Apostelgeschichte 18, 5 ebenfalls in Korinth waren, kann ein Indiz dafür sein. Im 2. Thessalonicherbrief selbst gibt es Hinweise dafür, dass  Paulus kurz zuvor Nachrichten aus der Versammlung (= Gemeinde) in Thessalonich erhalten hatte, auf die er reagieren wollte. Wie diese Nachrichten zu ihm gelangten, wissen wir nicht genau. Es kann sein, dass Silas und Timotheus ihm davon erzählten. Aber es besteht auch die Möglichkeit, dass die Person, die den 1. Thessalonicherbrief im Auftrag des Apostels den Gläubigen in Thessalonich übergebracht hatte, ihm von den Zuständen in der Versammlung (= Gemeinde) berichtete.  Überwiegend konnte der Bote Gutes aus Thessalonich vermelden: Die Mehrheit der jungen Gläubigen wuchs und verharrte treu im Glauben an Jesus Christus trotz der Verfolgung, die sie erleiden mussten. Aber es gab auch Beunruhigendes zu berichten: Eine falsche Lehre über die Wiederkunft des Herrn Jesus hatte sich unter den Christen ausgebreitet, die sie dazu verführte, ihre Arbeit für ihren täglichen Lebensunterhalt aufzugeben. Einige Kommentatoren vertreten die Meinung, dass Paulus im 2. Thessalonicherbrief auf Probleme eingeht, die  er im 1. Thessalonicherbrief bereits teilweise angesprochen hatte, die aber zwischenzeitlich ganz evident geworden waren. Aus diesem Grund geht man auch davon aus, dass Paulus den 2. Thessalonicherbrief relativ kurz nach dem 1. Thessalonicherbrief, vielleicht innerhalb von 12 Monaten danach, geschrieben habe. Damit würde die Entstehung des 2. Thessalonicherbriefes in die frühen 50ger Jahre des ersten christlichen Jahrhunderts fallen, vielleicht in die Jahre 51/52 n. Chr.  Damit wäre der 2. Thessalonicherbrief der 3 (kanonisierte) Brief des Apostels.

Themen und Einteilung

Drei große Themen bestimmen den 2. Thessalonicherbrief:

  1. Ermutigung für Christen, am Glauben trotz der gegenwärtigen Verfolgung festzuhalten (2. Thessalonicher 1, 3 – 10)
  2. Korrektur der falschen Lehre bzgl. des Wiederkommens Jesu Christi (2. Thessalonicher 2, 1 – 12)
  3. Umgang mit Gläubigen, die durch ihren Lebenswandel den Glauben verleugnen (2. Thessalonicher 3, 6 – 15)

Grob können wir den 2. Thessalonicherbrief wie folgt einteilen:

Eingeleitet wird auch dieser Brief des Apostels mit der Anrede der Versammlung (= Gemeinde) und dem Gruß an die Gläubigen (2. Thessalonicher 1, 1 – 2).

Es folgt ein erster Abschnitt, der die Verse 2. Thessalonicher 1, 3 – 12 umfasst. Darin spricht der Apostel zuerst seine Dankbarkeit für das weitere, beständige Wachstum der Christen im Glauben an den Herrn Jesus Christus aus (2. Thessalonicher 1, 3 – 4). Dann ermutigt er die Gläubigen trotz der Verfolgung, die sie erleiden müssen, am Herrn festzuhalten (2. Thessalonicher 1, 5 – 10), um sie abschließend seines und der anderen Gläubigen Gebets zu versichern (2. Thessalonicher 1, 11 – 12).

Der zweite Abschnitt enthält die Korrektur für die falschen Lehren bzgl. des Kommens des Herrn und umfasst die Verse 2. Thessalonicher 2, 1 – 12. Hier spricht Paulus zuerst über die Gerichtsperiode, die die Heilige Schrift als “Tag des Herrn“ bezeichnet und durch die alle Ungläubigen gehen werden (2. Thessalonicher 2, 1 – 5). Im Anschluss daran erläutert er das “Geheimnis der Gesetzlosigkeit“, d.h. das Erscheinen des Antichristen (2. Thessalonicher 2, 6 – 12).

In einem dritten  Abschnitt (2. Thessalonicher 2, 13 – 17) bringt Paulus noch einmal seine Dankbarkeit für die Berufung der Christen in Thessalonich zum Ausdruck (2. Thessalonicher 2, 13 – 15) und betet dafür, dass sie im Glauben auch weiterhin gestärkt werden  (2. Thessalonicher 2, 16 – 17).

Abschnitt vier (2. Thessalonicher 3, 1- 15) kann in zwei größere Themenbereiche aufgeteilt werden: In Teil A (2. Thessalonicher 3, 1 – 5) finden wir zwei Gebete – Gebet für Missionare (2. Thessalonicher 3, 1 – 2) und Gebet für die Gläubigen in Thessalonich (2. Thessalonicher 3, 3 – 5). In Teil B befasst sich der Apostel mit dem Thema der Zucht, d.h. dem Umgang mit Gläubigen, die durch ihren Lebenswandel das Evangelium verleugnen. Dabei geht es zuerst zum allgemeine Prinzipien bzgl. eines unordentlichen Lebenswandels (2. Thessalonicher 3, 6 – 10), dann um Ermahnungen bzgl. derer, die der den Erwerb des täglichen Lebensunterhaltes eingestellt haben (2. Thessalonicher 3, 11 – 13). Dabei ist es wichtig zu beachten, dass Paulus hier keine Menschen tadelt, die keine Arbeit bekommen oder krankheitsbedingt keine Arbeit ausüben können. Sein Tadel gilt solchen, die Arbeit haben, diese aber mit fadenscheinigen, pseudogeistlichen Argumenten aufgeben und dann auf Kosten anderer leben. Abschließend geht es um den Umgang mit jenen, die von ihren falschen Wegen nicht umkehren wollen (2. Thessalonicher 3, 14 – 15).

Der fünfte und letzte Abschnitt (2. Thessalonicher 3, 16 – 18) enthält Grüße und Segenswünsche des Apostels an die Gläubigen in Thessalonich.

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