Himmelfahrt: Alle Macht in Seiner Hand – Anmerkungen zu Apostelgeschichte 1, 9 – 11

Israel-2013-Aerial-Mount of Olives

Luftaufnahme des Ölbergs/Jerusalem * Foto: Andrew Shiva [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) oder Attribution], via Wikimedia Commons

Der Wortverkündigung am Donnerstag dieser Woche sollen Verse aus dem 1. Kapitel der Apostelgeschichte zu Grunde liegen, die wir  in ihrem Kontext betrachten wollen:

„Und als er dies gesagt hatte, wurde er emporgehoben, indem sie es sahen, und eine Wolke nahm ihn auf von ihren Augen weg. Und wie sie unverwandt zum Himmel schauten, als er auffuhr, siehe, da standen zwei Männer in weißen Kleidern bei ihnen, die auch sprachen: Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht hinauf zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird ebenso kommen, wie ihr ihn habt auffahren sehen in den Himmel.

(Apostelgeschichte 1, 9 – 11 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

Zum Hintergrund von Apostelgeschichte 1, 9 – 11

Der Name “Apostelgeschichte“ für dieses Buch des Neuen Testaments geht auf das Vorwort einer Ausgabe des Lukasevangeliums zurück, das in die Zeit von 150 – 180 n. Chr. datiert wird. In diesem gegen die Irrlehre des Marcion gerichteten Vorwort finden wir die Bezeichnung  “Πράξεις Ἀποστόλων“ (“Práxeis Apostólōn“), d.h. die “Taten der Apostel“,  zum ersten Mal.
Manche Ausleger halten diesen Titel für verfehlt, da das Buch im Wesentlichen den Fokus auf die Taten der Apostel Petrus und Paulus legt, von den Taten der übrigen Apostel aber kaum etwas berichtet. Aus diesem Grund sehen manche Ausleger in diesem Buch auch eher einen Bericht über die Ausbreitung des Evangeliums als einen ausführlichen Bericht über die Taten der Apostel. Ein weiterer Grund für diese Sichtweise besteht in der Stellung, die der Heilige Geist in diesem Buch einnimmt. Während die Hauptperson der Evangelien ganz eindeutig Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist, betont die Apostelgeschichte das Wirken der Person des Heiligen Geistes als Stellvertreter Christi auf dieser Erde.
Der Verfasser dieses Buches ist Lukas, der bekannte Arzt, Mitarbeiter und häufige Begleiter des Apostels Paulus, von dem wir auch ein Evangelium besitzen. Zwei Gründe sprechen nach Ansicht von Auslegern für seine Verfasserschaft:
Zum einen ist da die so genannte “innere Beweiskraft“ zu nennen. Sie findet sich u.a. in den Berichten, die in der ersten Person Plural geschrieben wurden und deutlich machen, dass diese Passagen von einem engen Mitarbeiter des Apostels Paulus stammen (vgl. Apostelgeschichte 16, 10 – 40; Apostelgeschichte 20, 5Apostelgeschichte 21, 18; Apostelgeschichte 27, 1Apostelgeschichte 28, 16). Außerdem leitet der Verfasser der Apostelgeschichte dieses Buch mit einem interessanten Hinweis ein:

Den ersten Bericht habe ich verfasst, o Theophilus, von allem, was Jesus anfing, sowohl zu tun als auch zu lehren, bis zu dem Tag, an dem er aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er sich auserwählt hatte, durch den Heiligen Geist Befehl gegeben hatte; (…)“

(Apostelgeschichte 1, 1 – 2 ELBEDHÜ)

Diese Angabe deckt sich mit Lukas 1, 1 – 4, wo wir lesen:

“Da es ja viele unternommen haben, eine Erzählung von den Dingen zu verfassen, die unter uns völlig geglaubt werden, so wie es uns die überliefert haben, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind, hat es auch mir gut geschienen, der ich allem von Anfang an genau gefolgt bin, es dir, vortrefflichster Theophilus, der Reihe nach zu schreiben, damit du die Zuverlässigkeit der Dinge erkennst, in denen du unterrichtet worden bist.“

Das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte richten sich also beide an denselben Adressaten – einen Mann namens Theophilus. Dafür, dass auch der Verfasser beider Bücher derselbe war, spricht außerdem die Betonung der Auferstehung Jesu Christi und Seiner über 40 Tage andauernden Lehrtätigkeit unter den Aposteln im Anschluss daran (Apostelgeschichte 1, 1 f.). Denn beides wird auch in Lukas 24, 1 ff. erwähnt. Eine Analyse von “Wortschatz, Sprachstil, theologischer Gedankenführung und der Prolog der Apostelgeschichte“ machen nach Erich Mauerhofer deutlich, “dass der Verfasser der Apostelgeschichte identisch ist mit demjenigen des Lukasevangeliums“¹.
Zur Person des Lukas habe ich mich bereits in dem Artikel  “Hintergrund 15: Das Lukasevangelium (Teil 1)“ ausführlich geäußert. Bezüglich der Apostelgeschichte möchte ich ergänzen, dass Friedrich A. G. Tholuck² darauf hingewiesen hat, dass es im römischen Reich Sklaven gab, die man in bestimmten Berufen unterwies – z. B. auch im Beruf des Arztes – und die später freigelassen wurden. Tholuck schreibt  ferner, dass seit der Zeit des Kaisers Augustus die überwiegende Anzahl der römischen Ärzte griechischer Herkunft gewesen seien. Es gibt Ausleger, die daraus folgern, dass es sich bei dem im Lukasevangelium wie auch in der Apostelgeschichte genannten “Theophilus“ u.U. um einen früheren Herrn des Lukas gehandelt haben könnte, den der nun Freigelassene und zum Glauben an Jesus Christus gekommene, “geliebte Arzt“ (Kolosser 4, 14) mit dem Evangelium der Herrlichkeit und Gnade Gottes bekannt machen wollte.
Neben der “inneren Beweiskraft“, die für Lukas als Verfasser der Apostelgeschichte spricht, gibt es dafür auch außerbiblische Hinweise. Insbesondere die Schriften der so genannten frühen  Kirchenväter bezeugen die Verfasserschaft des Lukas, so z.B. Irenäus von Lyon (ca. 140 n. Chr. – 202 n. Chr.), Eusebius von Cäsarea (260/264 n. Chr. – 339/340 n. Chr.), Clemens von Alexandrien (ca. 150 n. Chr. – 215 n. Chr.), Tertullian (zwischen 150 n. Chr. und 220 n. Chr.) und Origines (ca. 185 n. Chr. – 254 n. Chr.).
Was die Abfassungszeit der Apostelgeschichte betrifft, so datieren konservative Ausleger diese in die frühen 60er Jahre (62/63 n. Chr.) des ersten christlichen Jahrhunderts. Für diese Entstehungszeit spricht, dass Lukas wichtige Ereignisse (so z.B. den Band von Rom und die anschließend einsetzende Christenverfolgung durch Nero im Jahr 64 n. Chr., die Hinrichtung des Paulus um 67/68 n. Chr.  und die Zerstörung des Tempels in Jerusalem im Jahr 70 n. Chr.) nicht erwähnt. Dementsprechend erstrecken sich die Berichte in der Apostelgeschichte über einen Zeitraum von ungefähr 30 Jahren, beginnend mit der Himmelfahrt des Herrn ca. 32/33. n. Chr. (Apostelgeschichte 1, 1 f.) bis zu dem zwei Jahre andauernden Hausarrest des Apostels Paulus in Rom im Jahr 62 n. Chr. (Apostelgeschichte 28, 30 – 31). Während sich die Entstehungszeit der Apostelgeschichte also recht klar eingrenzen lässt, ist der Ort der Abfassung des Buches nicht bekannt. Es ist möglich, dass Lukas die einzelnen Berichte über Jahre gesammelt und schließlich während der Zeit des Hausarrestes  des Apostels in Rom niedergeschrieben hat³.

Wie ich bereits oben ausgeführt habe, halten manche Ausleger den Titel “Apostelgeschichte“ für verfehlt, da das Buch im Wesentlichen den Fokus auf die Taten der Apostel Petrus und Paulus legt, von den Taten der übrigen Apostel aber kaum etwas berichtet. Aus diesem Grund sehen solche Ausleger in diesem Buch auch vielmehr einen Bericht über die Ausbreitung des Evangeliums durch die Wirksamkeit des Heiligen Geistes, der dritten Person der Gottheit. Das wird insbesondere an Apostelgeschichte 1, 8 deutlich. Dort verheißt der auferstandene Herr Jesus Christus:

“Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde.“

Diese Verheißung, die die Kernaussage der Apostelgeschichte ist, nahm den Anfang ihrer Erfüllung am Tag der Pfingsten in Jerusalem – alle Gläubigen und auch alle an diesem Tag zum Glauben an Jesus Christus Gekommenen, empfingen den Heiligen Geist und damit die Kraft, Zeugen für den Herrn Jesus Christus zu sein (Apostelgeschichte 2, 1 ff.).
In der Folge sehen wir, wie sich diese Verheißung genau nach den Worten des Herrn erfüllt: Nach der ersten vollmächtigen Verkündigung des Evangeliums in Jerusalem (Apostelgeschichte 2, 14 – 41; ca. 3.000 Gläubige, deren Zahl in Apostelgeschichte 4, 4 auf 5.000 – Männer – angewachsen ist und in Apostelgeschichte 6, 2, so groß geworden ist, dass sie nur noch als “die Menge“ bezeichnet werden kann), kommt die Botschaft des Evangeliums nach der Steinigung des Stephanus (Apostelgeschichte 6, 8 ff.) und der sich daran anschließenden Verfolgung der Gläubigen auch nach Judäa und Samaria:

“(…) Es entstand aber an jenem Tag eine große Verfolgung gegen die Versammlung, die in Jerusalem war; und alle wurden in die Landschaften von Judäa und Samaria zerstreut, ausgenommen die Apostel.“

(Apostelgeschichte 8, 1 ELBEDHÜ; z. Vgl.LUTH’84

Und ab  Apostelgeschichte 10, 1 f., beginnt – mit der Stadt Cäsarea Maritima als erster Station -, die Verkündigung des Evangeliums gegenüber allen Nationen der Erde. In diesem Zusammenhang muss festgehalten werden, dass die Apostelgeschichte keinen “Schluss“ im Sinne einer abgeschlossenen Dokumentation hat. Denn die Verbreitung des Evangeliums Jesu Christi, von deren Beginn die Apostelgeschichte uns berichtet, setzt sich bis heute fort.

Die Apostelgeschichte vermittelt uns auf diesem Hintergrund vier entscheidende Lehren:

  1. Die prophetische Verheißung des Herrn Jesus Christus aus Apostelgeschichte 1, 8 hat sich erfüllt, sie erfüllt sich bis zum heutigen Tag (“open end“) und bestätigt damit die Wahrhaftigkeit des Wortes Gottes.
  2. Gottes Plan und Wirken entfalten sich inmitten der menschlichen Geschichte (Historizität), die eine Geschichte von Völkern/Nationen (1. Mose 10, 1 ff.; Matthäus 28, 16 –  20) ist.
  3. Ausgehend von Jerusalem entfalten sich Gottes Plan und Wirken geografisch bis an “die Enden der Erde“4.
  4. Während das Lukasevangelium deutlich macht, dass die Person bzw. die Botschaft Jesu Christi alle Unterschiede gesellschaftlicher und religiöser Herkunft überwindet,  zeigt die Apostelgeschichte, dass auch die Grenzen ethnischer und nationaler Herkunft durch den Sohn Gottes bzw. Sein Evangelium überwunden werden. Das Evangelium des Lukas und die von ihm verfasste Apostelgeschichte zeigen auf diese Weise “die vertikale und horizontale Universalität des Evangeliums“5 und unterstreichen damit den Anspruch Jesu Christi, der Erlöser der ganzen Welt zu sein (Johannes 3, 16; Galater 3, 28). 

Anmerkungen zu Apostelgeschichte 1, 9 – 11

* “Und als er dies gesagt hatte, wurde er emporgehoben, indem sie es sahen, und eine Wolke nahm ihn auf von ihren Augen weg.“Apostelgeschichte 1, 9 – Wie wir aus den Abschiedsreden Jesu wissen (insbesondere Johannes 14, 1626; Johannes 15, 26; Johannes 16, 7), war Seine Rückkehr zu Gott, dem Vater, die Voraussetzung dafür, dass der Heilige Geist kommen konnte. Wenn Lukas hier schreibt, dass die Apostel sahen, wie der Herr von ihnen emporgehoben wurde, dann betont er damit die Tatsache, dass die Apostel wirkliche Augenzeugen dieses Geschehens waren. Er macht damit außerdem deutlich, dass es sich bei diesem Weggehen des Herrn, um ein Geschehen handelte, das wir von anderen Erlebnissen den Jünger zu unterscheiden haben, z.B. in Lukas 24, 31, wo es heißt, dass der Herr vor ihren Augen unsichtbar wurde.
Viele Kommentatoren sehen in dem Verweis auf die Wolke einen Hinweis auf die bereits in 2. Mose 40, 34 (vgl. Nehemia 9, 19) erwähnte Schechina, das Symbol der Gegenwart Gottes. Auch während der Zeit des Lebens und Wirkens Jesu auf dieser Erde war die Wolke der Gegenwart Gottes immer wieder sichtbar geworden (vgl. Matthäus 3, 17; Matthäus 17, 5; Markus 1, 11; Markus 9, 7; 2. Petrus 1, 17). Die Jünger, die sich an das Erscheinen der Schechina zu den erwähnten Gelegenheiten erinnerten, mussten dieses letzte Erscheinen derselben als göttliche Anerkennung des gesamten Werkes ihres Herrn und Meisters verstehen. Zugleich musste das Erscheinen der Wolke Gottes die im Alten Testament verwurzelten Jünger auch an Daniel 7, 13 – 14 erinnern, wo der Prophet sieht, wie “der Menschensohn“, d.h. der von Gott verheißene Messias-Erlöser,  zu Gott gebracht wird. Der Sohn Gottes hatte Sein Werk auf dieser Erde beendet. Gott, der Vater, hatte dieses Werk anerkannt und nun kehrte der Sohn wieder zu Seinem Vater zurück, um Seinen rechtmäßigen Platz zur Rechten Gottes einzunehmen (Markus 16, 19). So war es prophetisch angekündigt worden (vgl. Psalm 110, 1) und so hatte es der Sohn Gottes auch selbst angekündigt  (Lukas 22, 69). Wir werden später noch auf die weitreichenden Folgen dieses Geschehens eingehen.

* “Und wie sie unverwandt zum Himmel schauten, als er auffuhr, siehe, da standen zwei Männer in weißen Kleidern bei ihnen, die auch sprachen: Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht hinauf zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird ebenso kommen, wie ihr ihn habt auffahren sehen in den Himmel.“Apostelgeschichte 1, 10 – 11 – Das griechische Wort, das in den meisten unserer Bibelübersetzungen mit “unverwandt“  übersetzt wird, ist “ἀτενίζω“ (“atenizo“). Es bedeutet, dass man “konzentriert“ auf etwas schaut, seine Blicke auf etwas “richtet“ bzw. mit seinen Blicken etwas “fixiert“.  Lukas gebraucht dieses Wort an zwölf Stellen in seinen Schriften (Lukas 4, 20; Lukas 22, 56; Apostelgeschichte 1, 10; Apostelgeschichte 3, 4 + 12; Apostelgeschichte 6, 15; Apostelgeschichte 7, 55; Apostelgeschichte 10, 4; Apostelgeschichte 11, 16; Apostelgeschichte 13, 9; Apostelgeschichte 14, 9, Apostelgeschichte 23, 1). Mit jeder dieser Stellen betont Lukas, dass das Berichtete wirklich so geschehen ist.
An fünf Stellen dieses ersten Kapitels spricht Lukas davon, dass der Herr in den Himmel ging. Er gebraucht verschieden Worte. So spricht er

  • in Vers 2 davon, dass “er aufgenommen wurde“,
  • in Vers 9 davon, dass “er emporgehoben“ wurde,
  • in Vers 11 davon, dass er “in den Himmel aufgenommen worden ist“ bzw., dass er auf(ge)fahren (ist) in den Himmel“,
  • und in Vers 22, dass “er von uns weg aufgenommen wurde“

Lukas verdeutlicht auf diese Weise mit großem Nachdruck, dass der Herr  Jesus Christus nun im Himmel ist. Auf diese wichtige Tatsache und was sie für uns bedeutet, werden wir noch ausführlich eingehen. An dieser Stelle wollen wir nur festhalten, dass unser Herr vom Himmel aus Seinen Dienst fortsetzt. Dazu bedient sich  der Gläubigen, die Er zu diesem Zweck mit der Kraft des Heiligen Geistes ausrüsten will.
Dann ist die Rede von “zwei Männern in weißen Kleidern“. Der Hinweis auf ihre Kleidung kennzeichnet sie als Engel, die schon zu früheren Zeiten so gegenüber den Jüngern auftraten (vgl. Johannes 20, 12; Lukas 24, 1 – 7).  Von Engeln ist bei der Geburt und bei der Auferstehung Jesu Christi die Rede. Doch während Seines Lebens und Dienstes erscheinen sie nie, um Botschaften Gottes zu übermitteln. Das ist auch nur logisch. Denn gemäß Psalm 103, 20 sind Engel “Täter seines Wortes, gehorsam der Stimme seines Wortes“. Als solche verkünden sie keine eigenen Meinungen oder Botschaften, sondern geben wieder, was sie von Gott gehört haben bzw. was Gott ihnen aufgetragen hat. Da Gott während der Zeit des Lebens und Dienstes Christi auf dieser Erde “durch den Sohn“ geredet hat (Hebräer 1, 1 – 2), war ein Überbringen von göttlichen Botschaften durch Engel weder notwendig, noch angezeigt. Das gilt auch heute, da Gott durch Sein geschriebenes Wort zu uns redet.
Es ist bemerkenswert, wie die Engel die Jünger ansprechen. Sie sagen: “Ihr Männer aus Galiläa …“ Die elf verbliebenen Jünger waren buchstäblich alle aus Galiläa, wohingegen Judas Iskariot (= Judas aus Kerioth; vgl. Josua 15, 25), der nicht mehr bei ihnen war (vgl. Matthäus 27, 3 – 5), als einziger Jünger aus Judea stammte.
Zwei Dinge sind es, die diese Engel nun ankündigen (Apostelgeschichte 1, 11):

“Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird ebenso kommen, wie ihr ihn habt auffahren sehen in den Himmel.“

  1. Der Jesus Christus, den sie gekannt hatten, der war – persönlich und leibhaftig –  in den Himmel aufgefahren und
  2. genau dieser Jesus Christus würde “ebenso“ auf diese Erde zurückkehren, wie sie ihn hatten  auffahren sehen.

Die erste Aussage ist klar: Unser Herr Jesus Christus wird genauso persönlich und leibhaftig wiederkommen, wie Er in den Himmel gefahren ist. Diese Aussage mag überflüssig erscheinen, sie ist jedoch ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber jenen falschen Christussen, deren Auftreten unser Herr selbst angekündigt hat (vgl. Matthäus 24, 24 – 26!; Markus 13, 22). In der Vergangenheit sind immer wieder Menschen aufgetreten, die behaupteten sie seien der  “im Geist“ oder “im Körper eines anderen Menschen“  wiedergekommene Christus. Andere wiederum verkündigten, Christus sei “unsichtbar“ wiedergekommen usw. usf. Sie alle waren falsche Propheten, deren “Verkündigung“ dem Test der biblischen Kriterien nicht standhalten konnten.

Die wichtige Bedeutung der zweiten Aussage erschließt sich, wenn wir uns vor Augen führt, wo dieses Geschehen statt fand. Apostelgeschichte 1, 12 gibt uns dazu den entscheidenden Hinweis:

“Dann kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, der Ölberg heißt, der nahe bei Jerusalem ist, einen Sabbatweg entfernt.“


Das Himmelfahrtsgeschehen ereignete sich also auf dem Ölberg, der nahe bei Jerusalem ist. Wenn Lukas in Lukas 24, 51 – 52 das Himmelfahrtsgeschehen mit Bethanien in Verbindung bringt, so widerspricht das der Aussage in Apostelgeschichte 1, 12 nicht, da dieser Ort an der Ostseite des Ölbergs lag. Warum ist diese Feststellung so wichtig? Weil sie uns Auskunft darüber gibt, welches der noch ausstehenden Kommen Christi die Engel hier ankündigen. Wie ich bereits an anderer Stelle anhand von 12 unterscheidbaren Punkten dargelegt habe (Klick!), vollzieht sich das zweite Kommen Christi6 in zwei Phasen: Die erste Phase wird das Kommen Jesu Christi zur Entrückung der Gläubigen sein, die zweite Phase ist das Kommen Jesu Christi in Macht und Herrlichkeit. Wenn  die Heilige Schrift etwas so deutlich unterscheidet, dann müssen auch wir es unterscheiden, denn wir sind dazu verpflichtet, das Wort der Wahrheit recht zu teilen:

“Befleißige dich, dich selbst Gott als bewährt darzustellen, als einen Arbeiter, der sich nicht zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit recht teilt.“

(2. Timotheus 2, 15 ELBEDHÜ)

Wenn wir also aus Apostelgeschichte 1, 11 – 12 erfahren, dass der Herr Jesus Christus persönlich und leibhaftig vom Ölberg aus mit der Wolke der Gegenwart Gottes zum Himmel auffuhr und wenn die Engel verkünden, dass Er “genauso“ wiederkommen wird, dann ist hier nicht die Rede von dem Kommen Christi zur Entrückung der Gläubigen, sondern von dem Kommen Christi zum Gericht über diese Welt (vgl. Sacharja 14, 4; Matthäus 24, 30; Matthäus 26, 64; Markus 13, 26; Markus 14, 62; Lukas 21, 27; Lukas 24, 50 – 51; Offenbarung 1, 7).
Wie wir aus Lukas 24, 51 – 52 wissen, wurden die Jünger nach dem Abschied des Herrn mit großer Freude erfüllt. Als Grund für ihre Freude geben einige Ausleger die Verheißung der Wiederkunft Christi an. Da die Engel den Jüngern – wie wir gesehen haben – im Zusammenhang mit der Himmelfahrt jedoch die 2. Phase des zweiten Kommens Christi ankündigen, jene Phase, die nicht mit der Entrückung der Gläubigen, sondern mit dem Gericht über diese Welt verbunden ist, ankündigen, glaube ich nicht, dass dieser Schluss zutreffend ist. Denn nicht das Kommen Christi zum Gericht, sondern das Kommen Christi zur Entrückung wird als “glückselige Hoffnung“ der Gläubigen bezeichnet (Titus 2, 13). Daher glaube ich, dass die Freude der Jünger zu diesem Zeitpunkt einen anderen Grund hatte. Ich glaube, dass ihre Freude primär in der Bedeutung zu finden ist, die die Himmelfahrt Christi für sie und für alle Christen (!) hat.

Die Bedeutung der Himmelfahrt Christi für den Gläubigen

Um die tiefe Bedeutung der Himmelfahrt Christi für den Gläubigen richtig zu verstehen und um sie auf unser Glaubensleben anwenden zu können, müssen wir das gesamte Zeugnis der Heiligen Schrift zu diesem Thema betrachten, von dem uns Apostelgeschichte 1, 9 – 11 den historischen Hintergrund bezeugt:

“Dieser Jesus ….“ – Der Herr Jesus Christus war und ist der Sohn Gottes von Ewigkeit her (vgl. Johannes 1, 18). Er kam auf diese Erde und wurde Mensch. Die Heilige Schrift bezeichnet diesen Vorgang als “Fleischwerdung“ (1. Johannes 4, 2 – 3; Johannes 1, 14; Philipper 2, 5 – 11; Kolosser 1, 15 – 20). Theologisch sprechen wir von der “Inkarnation Gottes“ oder der “Menschwerdung Gottes“. Dabei gab der Sohn Gottes Seine Gottheit jedoch zu keinem Zeitpunkt auf (Kolosser 2, 9). Die Heilige Schrift bezeugt uns die Wahrheit, dass der Herr Jesus Christus ganzer Gott und ganzer Mensch war und ist. Er war während Seines Lebens auf dieser Erde vollkommen Gott (Kolosser 1, 19) und vollkommen Mensch (1. Johannes 4, 2 – 3). Er “machte sich selbst zu nichts und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch befunden“ (Philipper 2, 7). D.h. Er nahm die Leiblichkeit eines Menschen an, jedoch mit einem entscheidenden Unterschied: Niemals wohnte Sünde in Ihm (Hebräer 4, 15).  Auch jetzt, da Er im Himmel ist, ist und bleibt Er vollkommen Gott (Kolosser 2, 9) und vollkommen Mensch (vgl. 1. Timotheus 2, 5; Hebräer 4, 14 – 16). Denn als der Herr Jesus Christus auferstand, da erstand Er nicht mit einem “Geistleib“ oder “Astralleib“, wie es einige Irrlehren behaupten, sondern mit einem Auferstehungsleib. Diese Tatsache bezeugte Er deutlich im Zusammentreffen mit Seinen Jüngern (vgl. Lukas 24, 39; Johannes 20, 19 + 27; 1. Johannes 1, 1). Mit diesem Auferstehungsleib  fuhr der Herr Jesus Christus in den Himmel. Darum sieht Stephanus Ihn dort auch als den Sohn des Menschen zur Rechten Gottes stehen (vgl. Apostelgeschichte 7, 55 – 56). Es ist also ein vollkommener, verherrlichter Mensch, der jetzt zur Rechten Gottes sitzt. Genau so hatte es der Herr Jesus Christus bereits früh angekündigt:

“Wenn ihr nun den Sohn des Menschen dahin auffahren seht, wo er zuvor war ….“

(Johannes 6, 62 ELBEDHÜ)

Nach Seiner Himmelfahrt wurde der Herr Jesus Christus verherrlicht (Hebräer 2, 9) und besitzt nun einen verherrlichten Leib, einen “Leib der Herrlichkeit“ (Philipper 3, 21). Die Tatsache, dass der Herr Jesus Christus als vollkommener Gott und vollkommener Mensch nun zur Rechten Gottes im Himmel ist eine überaus wichtige und wunderbare Wahrheit für jeden, der sie recht versteht:

I. Er ist dort als “unser Vorläufer“ eingetreten (Hebräer 6, 20). Niemals zuvor war ein Mensch an diesem Ort. Die Tatsache, dass Er als verherrlichter Mensch nun dort ist,  ist die Garantie für uns, dass Er Seine Verheißung erfüllen und uns zu sich nehmen wird (Johannes 14, 1 – 4; Philipper 3, 20 – 21), d.h. dass aquch wir an diesen Ort gelangen werden.

II. Außerdem ist der Herr Jesus Christus jetzt dort im Himmel als unser Hoherpriester für uns tätig (Hebräer 4, 14; Hebräer 9, 24; Hebräer 7, 25). Durch Ihn, unseren himmlischen Sachwalter und Fürsprecher, erfahren wir die Errettung aus den täglichen Bedrängnissen und Gefahren. Durch Ihn nahen wir uns Gott. Weil Er als verherrlichter Mensch dort beim Vater ist, haben wir einen Hohenpriester, der uns vollkommen versteht und zu dem wir allezeit mit jedem Anliegen im Gebet Zuflucht nehmen können:

“Da wir nun einen großen Hohenpriester haben, der durch die Himmel gegangen ist, Jesus, den Sohn Gottes, so lasst uns das Bekenntnis festhalten; denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid zu haben vermag mit unseren Schwachheiten, sondern der in allem versucht worden ist in gleicher Weise wie wir, ausgenommen die Sünde. Lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe.“

(Hebräer 4, 14 – 16 ELBEDHÜ)

III. Als Folge Seiner Himmelfahrt hat uns der Herr Jesus Christus gemäß Seiner Verheißung den Heiligen Geist gesandt. Er ist das Unterpfand unseres Erbes (Epheser 1, 14), das in den Himmeln für uns aufbewahrt ist (1. Petrus 1, 4).

IV. Der Apostel Petrus bezeugt uns bzgl. des auferstandenen und in den Himmel gefahrenen Herrn Jesus Christus:

“Dieser ist seit seiner Himmelfahrt zur Rechten Gottes; und Engel und Gewalten und Mächte sind ihm unterworfen.

(1. Petrus 3, 22 SCHL’2000)


Er ist der Heiland, der uns erlöst hat. Er ist der Hohepriester, der uns jetzt vertritt und sich für uns verwendet und Er ist der verherrlichte und über alles erhöhte Herr, dem alle Mächte und Gewalten unterworfen sind. Himmelfahrt bedeutet: Alle Macht ist in Seiner – unseres Herrn und Erlösers – Hand! Wovor sollten wir uns noch fürchten?

 

Fußnoten:

¹= So Prof. Dr. Erich Mauerhofer: “Einleitung in die Schriften des Neuen Testaments“, Gesamtausgabe, 3. Auflage 2004, Verlag für Theologie und Religionswissenschaft Nürnberg & reformatorischer Verlag Beese, Hamburg, Seite 256.

²= Friedrich A. G. Tholuck: “Die Glaubwürdigkeit der evangelischen Geschichte, zugleich eine Kritik des Lebens Jesu von Strauß, für theologische und nicht theologische Leser dargestellt“, Verlag Friedrich Perthes, Hamburg 1837, Seite 148 ff.

³= Zur Erwähnung bei den genannten Kirchenvätern und zur Datierung siehe Prof. Dr. Erich Mauerhofer, a.a.O., Seite 254 – 255 und Seite 272 – 273

4= Einige haben aus dem Gebrauch des griechischen Begriffs “ἔσχατος“ (“eschatos“) in Apostelgeschichte 1, 8 (“καὶ ἕως ἐσχάτου τῆς γῆς“) gefolgert, dass hier das “Ende der Welt“, also ein zeitlicher Schlusspunkt angekündigt wird. Das ist jedoch nicht richtig, da der ganze Vers eine Aussage mit eindeutig geographischer Richtung tätigt und “γῆ“ (“ge“) in Apostelgeschichte 1, 8 eindeutig die (ganze) Erde/den Erdboden meint, wohingegen  in Matthäus 28, 20 (“ἕως τῆς συντελείας τοῦ αἰῶνος“) mit “αἰών“ (“aion“) das “Ende der Welt“ als zeitliches Ende markiert.  Vgl. Thayer, Joseph Henry: ‘Thayer’s Greek-English Lexicon of the New Testament”, New York: Harper & Brothers, 1889, Seite 253 – 254, Anmerkungen zu “ἔσχατος“ (“eschatos“). Hinzu kommt, dass Apostelgeschichte 1, 8 den – von Israel nicht erfüllten – Auftrag Gottes aus Jesaja 49, 1 – 6 aufgreift, in dem es ebenfalls eindeutig darum ging, die Kenntnis von Gott und Seinem Willen bis an “die Enden der Erde“ (vgl. LUTH’84) zu tragen, siehe dazu: Stephen S. Liggins: “Many Convincing Proofs: Persuasive phenomena associated with gospel proclamation in Acts“, Verlag Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2016, Seite 236.

5= vgl. Dr. Ben Witherington III, “The Acts of the Apostles – A Socio-Rhetorical Commentary“, William B. Erdmanns Company, Grand Rapids/Michigan; Paternoster Press, Carlisle;  1998, Seite 69 f.

6= Wir unterscheiden grundsätzlich zwei Kommen Christi: Das erste Kommen Christi ereignte sich vor rund 2000 Jahren in Bethlehem. Gottes Sohn wurde Mensch und vollbrachte am Kreuz von Golgatha das Werk der Erlösung, wie es die alttestamentarischen Propheten angekündigt hatten. Dieses erste Kommen Christi, das mit Seiner Himmelfahrt (Apostelgeschichte 1, 1 f.) endete, ist gekennzeichnet von Seinem Leiden. Sein zweites Kommen, das zum einen die Entrückung der Gläubigen (1. Thessalonicher 4, 13 – 18) und Sein Kommen zum Gericht über diese Welt (Matthäus 24, 30) umfasst, wird von Seiner Herrlichkeit gekennzeichnet sein (vgl. 1. Petrus 1, 11).

 

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