Notizen zur Offenbarung (17)


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Offenbarung 1, 12 – 16:

“Und ich wandte mich um, die Stimme zu sehen, die mit mir redete; und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter, und inmitten der Leuchter Einen, der einem Menschensohne glich, angetan mit einem langen Gewande und um die Brust gegürtet mit einem goldenen Gürtel; sein Haupt aber und seine Haare waren weiß, wie weiße Wolle, wie Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme, und seine Füße wie schimmerndes Erz, im Ofen geglüht, und seine Stimme wie das Rauschen vieler Wasser. Und er hatte in seiner rechten Hand sieben Sterne, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtet wie die Sonne in ihrer Kraft.“

* “und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter, und inmitten der Leuchter Einen, der einem Menschensohne glich …“  Nachdem deutlich geworden ist, dass es sich bei der Offenbarung nicht primär um die Offenbarung zukünftiger Ereignisse handelt, sondern um die Offenbarung des Herrn Jesus Christus, beschreibt der Apostel Johannes nun die Person des Herrn. Wie wir noch sehen werden, wird Er uns hier mit allen Kennzeichen des göttlichen Richters gezeigt (vgl. insbesondere Vers 16 mit Hebräer 4, 12; Offenbarung 2, 16; 19, 15). Als dieser göttliche Richter wandelt er inmitten von sieben Leuchtern. Offenbarung 1, 20 erklärt uns dieses Symbol:

“Das Geheimnis der sieben Sterne, die du in meiner Rechten gesehen hast, und die sieben goldenen Leuchter: Die sieben Sterne sind Engel der sieben Versammlungen, und die sieben Leuchter sind sieben Versammlungen.“

Die sieben Leuchter stellen sieben Versammlungen (= Gemeinden) dar. Manche Kommentatoren haben vorgeschlagen, dass es sich bei den genannten Leuchtern um siebenarmige Leuchter (auch als Menorah bekannt) wie in der Stiftshütte (2. Mose 25, 31 – 40; 26, 35; 30, 27; 31, 8; 35, 40; 37, 17 – 24; 40, 4 + 24) bzw. dem jüdischen Tempel (1. Chronika 28, 15; 2. Chronika 4, 7 + 20; 13, 11) gehandelt habe. Einige Kommentatoren gehen sogar soweit, dass sie behaupten, dadurch würde angedeutet werden, dass die Versammlung (= Gemeinde) das „geistliche“ bzw. das “wahre“ Israel sei. Eine solche Auslegung ist m. E. aus zwei Gründen entschieden abzulehnen: Zum einen gibt uns der Text selbst keinen Anhaltspunkt für diese Auslegung, zum anderen lehrt die Heilige Schrift sehr klar, dass wird deutlich zwischen dem irdischen Volk Gottes, also Israel, und dem himmlischen Volk Gottes, der Versammlung (= Kirche/Gemeinde) zu unterscheiden haben und diese beiden Körperschaften nicht miteinander vermischen dürfen¹. Zum anderen verweist z.B. A. T. Robertson darauf, dass es sich bei diesen Leuchtern ausdrücklich nicht um siebenarmige Leuchter, sondern um sieben einzelne Leuchter handelt.² 

Aus Offenbarung 1, 20 wissen wir, wie ausgeführt, dass die Leuchter sieben Versammlungen (= Gemeinden) symbolisieren. Der Gedanke, der mit diesem Symbol zum Ausdruck gebracht wird, hat mit dem Bekenntnis und dem Zeugnis der Christen zu tun.

Wir haben bereits in Teil 4 dieser Betrachtung gesehen, dass schon das Volk Israel ein Zeuge Gottes für die Nationen sein sollte:

“Ihr seid meine Zeugen, spricht der HERR, und mein Knecht, den ich erwählt habe, damit ihr erkennet und mir glaubet und einsehet, daß ich es bin; vor mir ist kein Gott gemacht worden und nach mir wird keiner vorhanden sein. Ich, ich bin der HERR, und außer mir ist kein Erretter. Ich habe verkündigt, geholfen und von mir hören lassen und bin nicht fremd unter euch; und ihr seid meine Zeugen, spricht der HERR, daß ich Gott bin. Auch fernerhin bin ich derselbe, und niemand kann aus meiner Hand erretten. Ich wirke, wer will es abwenden?“

(Jesaja 43, 10 – 13)

Israel sollte den Nationen gegenüber bezeugen, dass es nur den einen wahren und lebendigen Gott gibt, Jesaja 44, 8:

“Fürchtet euch nicht und erschrecket nicht! Habe ich es dir nicht vorlängst verkündigt und dir angezeigt? Ihr seid meine Zeugen! Ist auch ein Gott außer mir? Nein, es gibt sonst keinen Fels, ich weiß keinen!“

Doch das Volk war Gott untreu geworden und hatte sich immer wieder anderen Göttern, die doch keine Götter waren, zugewandt. Sie waren somit auch ihrem Auftrag, Gottes Zeugen zu sein, untreu geworden.

Auch die christlichen Gläubigen sind zu Zeugen Gottes und des Herrn Jesus Christus berufen (vgl. Lukas 24, 45 – 49; Johannes 15, 27; Apostelgeschichte 1, 81. Timotheus 3, 15). In Matthäus 5, 14 – 16 spricht der Herr Jesus Christus die Berufung bzw. die Aufgabe der Gläubigen in dieser Welt an und bezeichnet sie in diesem Zusammenhang  als „Licht der Welt“:

“Ihr seid das Licht der Welt; eine Stadt, die oben auf einem Berge liegt, kann nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht eine Lampe an und setzt sie unter den Scheffel sondern auf das Lampengestell, und sie leuchtet allen, die im Hause sind. Also  lasset euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten  Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.“

Durch ihre Worte und Taten sollen die Gläubigen ihrer Umwelt Zeugnis von Gott geben. Eine erleuchtete Stadt, die auf einem Berg liegt, ist selbst in der Dunkelheit der Nacht noch ein Wegweiser für jeden Wanderer. So bzw. ähnlich einem Leuchtturm, sollen die Gläubigen für ihre Umwelt sein. Der Apostel Paulus greift diesen Gedanken auf, wenn er an die Gläubigen in Philippi schreibt:

„Tut alles ohne Murren und Zweifel, damit ihr tadellos und lauter seid, unbescholtene Kinder Gottes inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts, unter dem ihr leuchtet wie Himmelslichter in der Welt, indem ihr das Wort des Lebens festhaltet, mir als Grund zum Rühmen auf den Tag Christi, dass ich nicht vergeblich gelaufen bin, auch nicht vergeblich gearbeitet habe.“

(Philipper 2, 14 – 16)

Wir dürfen aber aus Matthäus 5, 14 – 16 keine falschen Schlüsse (insbesondere nicht im Zusammenhang mit Offenbarung 1, 13 oder Offenbarung 1, 20) ziehen. In Offenbarung 1, 13 und Offenbarung 1, 20 werden die Versammlungen (= Gemeinden) als Leuchter bezeichnet, also als der Gegenstand, der das Licht trägt – nicht als das Licht selbst. Das Licht ist der Herr Jesus Christus selbst. Das wird bereits in Johannes 1, 5 – 9 angedeutet:

“Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen. Es wurde ein Mensch von Gott gesandt, der hieß Johannes. Dieser kam zum Zeugnis, um zu zeugen von dem Licht, damit alle durch ihn glaubten. Nicht er war das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht. Das wahrhaftige Licht, welches jeden Menschen erleuchtet, sollte in die Welt kommen. Es war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.“

In vielen anderen Stellen des Johannesevangeliums sagt der Herr Jesus Christus von sich, dass Er dieses Licht ist:

„Nun redete Jesus wieder zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern er wird das Licht des Lebens haben.“

(Johannes 8, 12)

“Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.“

(Johannes 9, 5)

“Da sprach Jesus zu ihnen: Noch eine kleine Zeit ist das Licht bei euch. Wandelt, solange ihr das Licht noch habt, damit euch die Finsternis nicht überfalle! Wer in der Finsternis wandelt, weiß nicht, wohin er geht.“

(Johannes 12, 35)

“Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen, daß Gott Licht ist und in ihm gar keine Finsternis ist. Wenn wir sagen, daß wir Gemeinschaft mit ihm haben, und doch in der Finsternis wandeln, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit; wenn wir aber im Lichte wandeln, wie er im Lichte ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde.“

(1. Johannes 1, 5 – 7)

Damit bestätigt Er das, was die Propheten über den Messias sagten. Auch durch sie wird Er als das „Licht der Welt“ bezeichnet:

“Ich, der HERR, habe dich in Gerechtigkeit berufen und ergreife dich bei deiner Hand und will dich behüten und dich dem Volk zum Bund geben, den Heiden zum Licht; „

(Jesaja 42, 6)

“(..) ja, er spricht: Es ist zu gering, daß du mein Knecht bist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Geretteten Israels wiederzubringen; darum will ich dich zum Lichte der Heiden machen, daß du mein Heil seiest bis ans Ende der Erde.“

(Jesaja 49, 6)

Erinnern wir uns an 1. Mose 1, 16, wo es heißt:

“Und Gott machte die zwei großen Lichter, das große Licht zur Beherrschung des Tages und das kleinere Licht zur Beherrschung der Nacht; dazu die Sterne.“

Hier heißt es, dass Gott die zwei großen Lichter schuf, womit die Sonne und der Mond gemeint sind. Wir wissen aber, dass der Mond nur deshalb „leuchtet“, also eine Art „Licht“ ist, weil er das Licht der Sonne bzw. das Erdlicht reflektiert:

“Die nicht von der Sonne beleuchteten Teile der erdzugewandten Mondseite sind dabei nie völlig dunkel, denn sie werden durch das von der sonnenbeleuchteten Erde zurückgeworfene Licht, das Erdlicht oder Erdschein genannt wird, erhellt. Dessen Widerschein durch die Reflexion von Stellen der Mondoberfläche wird auch Aschgraues Mondlicht genannt. Es ist am besten bei schmaler Mondsichel zu sehen. (…) Die ständig erdabgewandte Rückseite des Mondes ist natürlich nicht immer dunkel, sondern unterliegt dem entsprechend versetzten Phasenwechsel – bei Neumond wird sie vom Sonnenlicht vollständig beschienen.“³

Der Mond hat im Gegensatz zur Sonne keine eigene Energiequelle und damit auch keine eigene Strahlkraft. Auch die Gläubigen können immer nur so weit „Licht der Welt“ sein, wie sie mit dem wahren Licht der Welt, also mit Jesus Christus, verbunden sind und Sein Licht widerstrahlen:

„Denn der Gott, welcher aus der Finsternis Licht hervorleuchten hieß, der hat es auch in unsern Herzen licht werden lassen zur Erleuchtung mit der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi.“

(2. Korinther 4, 6)

„Wir alle aber spiegeln mit unverhülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider und werden umgewandelt in dasselbe Bild, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, nämlich von des Herrn Geist.“

(2. Korinther 3, 18)

Gute Werke sind das tätige, praktische Zeugnis des Gläubigen für Gott. Sie  sind das äußerliche Zeichen für die geistliche, innere Realität, d.h. für die Lebensgemeinschaft mit Jesus Christus, die das Leben des Gläubigen bestimmt.  Der an Jesus Christus Gläubige wird niemals gute Werke tun, um dadurch sein Heil zu sichern oder um dadurch bei Gott anerkannt zu sein (vgl. Römer 4, 4 – 5; Römer 6, 23; Epheser 2, 8 – 9). Aber das neue, göttliche Leben, das der Gläubige  empfangen hat, wird gute Werke hervorbringen (Philipper 1, 11). Wenn die Gläubigen und damit die Versammlung (= Gemeinde) auf diese Weise ein Zeugnis für Gott ist, dann wird sie ein Leuchter sein, der  das wahre Licht der Welt, Jesus Christus, erhebt.

Fußnoten:

¹ = Siehe die Auflistung der Unterscheidungsmerkmale in der Artikelserie „Unterscheidung: Israel und die Versammlung/Gemeinde“ Teil 1 ff. auf der Seite „Glimpses 2008“

² = vgl. A. T. Robertson, „The Robertson’s Word Pictures of the New Testament“, Broadman Press 1932/33, 1960. Anmerkung zu Offenbarung 1, 12.

³ = vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Mond#Mondphasen, abgerufen am 04.04.2012

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