Notizen zur Offenbarung (4)


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Offenbarung 1, 5:

„… und von Jesus Christus, welcher der treue Zeuge ist …“

* „der treue Zeuge“: Diese Bezeichnung wird in Offenbarung 3, 14 wiederholt.  Der hier für „Zeuge“ gebrauchte griechische Begriff ist „μάρτῠς“ („martys“), von dem sich unser Wort „Märtyrer“ ableitet. Ein „Märtyrer“ ist  jemand, der bereit ist, für das Zeugnis, das er ablegt, zu sterben. Jesus Christus ist in diesem Sinne „der treue Zeuge“ (vgl. 1. Timotheus 6, 13). Er hat Sein Zeugnis für Gott mit Seinem Blut besiegelt.

Schon zur Zeit Seines irdischen Dienstes hatte der Herr Seinen Jüngern gesagt, dass  auch sie um ihres Zeugnisses willen verfolgt und u. U. getötet werden würden (vgl. Matthäus 5, 11 + 44; Matthäus 10, 22 – 24;  Matthäus 23, 34; Lukas 11, 49; Lukas 21, 12;  Johannes 15, 20; Offenbarung 2, 13). In der Kirchengeschichte finden wir dafür  in jedem Jahrhundert zahlreiche Beispiele. Auch in jeder anderen Hinsicht war unser Herr „der treue Zeuge“ (Johannes 3, 31 – 36;  Johannes 5, 32; Johannes 8, 14; Johannes 10, 25;  Johannes 18, 37). 

Zuvor hatte Gott die Israeliten zu Seinen Zeugen berufen (vgl. Jesaja 43, 10 – 13 [Diese Stelle wird fälschlicherweise von den so genannten „Zeugen Jehovas“ auf ihre Glaubensgemeinschaft bezogen, sie gilt aber eindeutig dem ethnischen Israel]). Israel sollte den Nationen gegenüber bezeugen, dass es nur einen wahren und lebendigen Gott gibt (vgl. Jesaja 44, 8). Doch das Volk war Gott untreu geworden und hatte sich immer wieder anderen Göttern, die doch keine Götter waren, zugewandt. Sie waren somit ihrem Auftrag, Gottes Zeugen zu sein, untreu geworden.

Auch die christlichen Gläubigen sind zu Zeugen Gottes und des Herrn Jesus Christus berufen (vgl. Lukas 24, 45 – 49; Johannes 15, 27; Apostelgeschichte 1, 8;  1. Timotheus 3, 15).  Aber auch die Christenheit blieb diesem Auftrag nicht treu. Wir sehen das bereits im 2. Timotheusbrief, dem letzten Brief des Apostels Paulus: In Kapitel 2, 20 muss der Apostel die Gläubigen als ein „großes Haus“ bezeichnen, in dem Gefäße  zur Ehre und Gefäße zur Unehre beieinander sind. Aus dem „Haus Gottes“ in 1. Timotheus 3, 15 ist ein „großes Haus“ geworden, in dem nun alles Platz  hat. Wir können hier bereits die Anfänge der Erfüllung  des prophetischen Gleichnisses vom „Unkraut unter dem Weizen“ (vgl. Matthäus 13, 24 – 30) sehen. In diesem Gleichnis kündigte der Herr  Jesus prophetisch an, dass von einem feindseligen Menschen Unkraut unter den Weizen gesät wird. Das griechische Wort, dass hier für „Unkraut“ benutzt wird ist „ζιζάνιον“ („zizanion“). Es bezeichnet eine Art des Schein-Weizens (nähere Informationen zum Schein-Weizen oder „Taumelloch“ hier oder hier). Das „Reich der Himmel“, welches wir kurz gesagt mit dem Bereich des Christentums, d. h. mit dem Bereich auf Erden, in dem der Herr Jesus Christus – und sei es nur der äußeren Form nach – anerkannt wird, gleichsetzen können, ist also – zumindest zeitweise – eine Mischung aus Wahrem und Falschem, aus Schein-Weizen und echtem Weizen, aus wirklichen Gläubigen und aus Menschen, die nur ein äußerliches Bekenntnis des christlichen Glaubens abelegen.
Diese im Gleichnis prophetisch angekündigte Entwicklung brach sich schon früh in der Christenheit Bahn. Spätestens mit Anerkennung als Staatskirche wurden immer mehr Menschen getauft und als „Christen“ anerkannt, die nie persönlich Christus als ihren Herrn und Heiland angenommen, geschweige denn Leben aus Gott (Johannes 3, 1 – 6) empfangen hatten. Für sie war „Kirche“ nur mehr eine weitere einflussreiche Organisation, in der oder durch die es Karriere zu machen galt um im damaligen römischen Reich (und darüber hinaus) gesellschaftlich einflussreich zu sein.
Diese Vermischung, das macht Matthäus 13, 30 deutlich, wird bis zu dem Augenblick bestehen, an dem  der Herr die wahren Gläubigen zu sich entrückt (vgl. 1. Thessalonicher 4, 17).  Es ist nicht unsere Aufgabe, das „Unkraut“ vom „Weizen“ zu trennen, sondern in der Treue und im Zeugnis für den Herrn – und sei es auch nur mit einer kleinen Kraft – auszuharren (vgl. Offenbarung 3, 8). Denn trotz dieser Vermischung  und Untreue Vieler bleibt die Versammlung (= Gemeinde / Kirche) nach wie vor der „Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit“, d.h. dass nur im christlichen Glauben die Wahrheit über Gott zu finden ist.

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