Notizen zur Offenbarung (18)


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Offenbarung 1, 12 – 16:

“Und ich wandte mich um, die Stimme zu sehen, die mit mir redete; und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter, und inmitten der Leuchter Einen, der einem Menschensohne glich, angetan mit einem langen Gewande und um die Brust gegürtet mit einem goldenen Gürtel; sein Haupt aber und seine Haare waren weiß, wie weiße Wolle, wie Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme, und seine Füße wie schimmerndes Erz, im Ofen geglüht, und seine Stimme wie das Rauschen vieler Wasser. Und er hatte in seiner rechten Hand sieben Sterne, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtet wie die Sonne in ihrer Kraft.“

* “und inmitten der Leuchter Einen, der einem Menschensohne glich, angetan mit einem langen Gewande und um die Brust gegürtet mit einem goldenen Gürtel; sein Haupt aber und seine Haare waren weiß, wie weiße Wolle, wie Schnee (…)“ Wie schon zu Beginn von Teil 17 unserer Betrachtung angedeutet, wird uns der Herr Jesus Christus hier mit allen Kennzeichen des göttlichen Richters vorgestellt (vgl. insbesondere Vers 16 mit Hebräer 4, 12; Offenbarung 2, 16; 19, 15). Auffällig ist hier der Begriff „Menschensohn“.  Mit diesem Titel wird im Buch des Propheten Daniel der von Gott gesandte Messias, der Erlöser, bezeichnet:

Daniel 7, 13  – 14:

“Ich sah in den Nachtgesichten und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels, gleich einem Menschensohn; der gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn gebracht. Und ihm wurde Gewalt, Ehre und königliche Würde verliehen, daß ihm alle Völker, Stämme und Zungen dienen sollten; seine Gewalt ist eine ewige Gewalt, die nicht vergeht, und sein Königtum wird nie untergehen.“

Auch in den Evangelien, insbesondere bei Matthäus, ist der Titel „Menschensohn“ immer eine Bezeichnung für den Herrn Jesus Christus (vgl. Matthäus 8, 20; 9, 6; 10, 23; 11, 19; 12, 8; 12, 32; 12, 40; 13, 37; 13, 41; 16, 13; 16, 27 – 28; 17, 9; 17, 12; 17, 22; 18, 11; 19, 28; 20, 18; 20, 28; 24, 27; 24, 30; 24, 37; 24, 39; 24, 44; 25, 13; 25, 31; 26, 2; 26, 24; 26, 45; 26, 64 u. a. m.) Wir werden auf die Bedeutung dieses Titels noch genauer eingehen, wenn wir das Gericht über die Nationen betrachten. Damit wird einerseits deutlich, dass der Herr Jesus Christus der von Gott gesandte Messias, der Erlöser, ist. Andererseits erkennen wir, dass Er auch der von Gott bevollmächtigte Richter sein wird. In Offenbarung 1, 12 – 16 tritt Er jedoch nicht als Richter der Welt (vgl. Apostelgeschichte 10, 42; 17, 30 – 31; 2. Timotheus 4, 1) auf, sondern, wie wir aus Offenbarung 1, 20 und aus den Schilderungen in Offenbarung 2 und 3  ersehen können, um der Versammlung (= Gemeinde/Kirche) als Richter zu begegnen. Das steht in Übereinstimmung mit der Aussage, die der Apostel Petrus in 1. Petrus 4, 17 – 19 trifft:

“Denn es ist Zeit, daß das Gericht anfange am Hause Gottes; wenn aber zuerst bei uns, wie wird das Ende derer sein, die sich von dem Evangelium Gottes nicht überzeugen lassen? Und wenn der Gerechte kaum gerettet wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen?  So mögen denn die, welche nach Gottes Willen leiden, dem treuen Schöpfer ihre Seelen anbefehlen und dabei tun, was recht ist.“

Wenn wir im Zusammenhang mit der Versammlung von Gericht sprechen, so ist es wichtig, dass wir dabei einige grundsätzliche Dinge beachten:

Wenn der Herr an der Versammlung (= Gemeinde/Kirche) Gericht übt, dann wird Er natürlich nicht den Bau richten, der von Gott Selbst errichtet worden ist, denn Sein Werk ist vollkommen:

“So seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge und Gäste, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, auferbaut auf die Grundlage der Apostel und Propheten, während Jesus Christus selber der Eckstein ist, in welchem der ganze Bau, zusammengefügt, wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn, in welchem auch ihr miterbaut werdet zu einer Behausung Gottes im Geist.“

(Epheser 2, 19 – 22)

“Da ihr zu ihm gekommen seid, als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt und köstlich ist, so lasset auch ihr euch nun aufbauen als lebendige Steine zum geistlichen Hause, zum heiligen Priestertum, um geistliche Opfer zu opfern, die Gott angenehm sind durch Jesus Christus. Darum steht in der Schrift: «Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, wertvollen Eckstein; und wer an ihn glaubt, soll nicht zuschanden werden.» Für euch nun, die ihr glaubet, hat er Wert; für die Ungläubigen aber ist der Stein, den die Bauleute verworfen haben und der zum Eckstein geworden ist, ein Stein des Anstoßens und ein Fels des Ärgernisses. Sie stoßen sich, weil sie dem Wort nicht glauben, wozu sie auch gesetzt sind.  Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, damit ihr die Tugenden dessen verkündiget, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat, die ihr einst nicht ein Volk waret, nun aber Gottes Volk seid, und einst nicht begnadigt waret, nun aber begnadigt seid.“

(1. Petrus 2, 4 – 10)

Dieser Bau ist das vollkommene Werk des Herrn Jesus Christus:

“(…) und auf diesen Felsen will ich meine Versammlung bauen, und des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen.“

(Matthäus 16, 18)

Aber dort, wo der Mensch in Bezug auf die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) von Gott Verantwortung übertragen bekommen hat und er dieser Verantwortung nicht gerecht geworden ist, kann und wird Gott richtend eingreifen. Auf diese große Verantwortung weist uns der Apostel Paulus in 1. Korinther 3, 10 – 17 hin:

“Nach der Gnade Gottes, die mir gegeben ist, habe ich als ein weiser Baumeister den Grund gelegt; ein anderer aber baut darauf; ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Denn einen anderen Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf [diesen]Grund baut Gold, Silber, köstliche Steine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden, denn der Tag wird es klar machen, weil er in Feuer geoffenbart wird; und welcherlei das Werk eines jeden ist, wird das Feuer bewähren.  Wenn das Werk jemandes bleiben wird, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen; wenn das Werk jemandes verbrennen wird, so wird er Schaden leiden, er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer. Wisset ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig, und solche seid ihr.“

Deutlich zeigt die Kirchengeschichte das vielfältige Versagen der Verantwortlichen: da wurde auf dem einmal gelegten Grund, Jesus Christus, nicht auf göttlich geleitete Weise weitergebaut, sondern nach menschlichem Gutdünken: Anstatt das freimachende Evangelium zu verkündigen, wurden neue, religiöse Gesetze aufgestellt. Anstatt Buße und Bekehrung, zu predigen, wie es das Evangelium fordert und auf die hin allein neues, göttliches Leben empfangen wird (Lukas 24, 45 – 49; Apostelgeschichte 3, 19; Apostelgeschichte 20, 26; Johannes 3, 1 – 6) wurden magisch anmutende Rituale und Zeremonien, Sakramente genannt,  etabliert, die den Gläubigen angeblich geistliches Leben vermitteln sollen. Anstatt die frohe Botschaft zu verkündigen, dass jeder Mensch durch das Opfer Jesu Christi direkten Zugang zu Gott haben kann (Hebräer 4, 16), wurde eine Priesterkaste etabliert, ohne die ein Zugang zu Gott – so wurde gelehrt – nicht möglich sei. Der alleinige Mittler zwischen Gott und den Menschen – der Herr Jesus Christus (1. Timotheus 2, 5) – wurde durch eine, angeblich das Heil vermittelnde, Geistlichkeit ersetzt. Anstatt das Gebot des Herrn zu erfüllen und sich ganz einfach zu Seinem Namen hin zu versammeln (Matthäus 18, 20), benannte man Zusammenkunftsorte nach angeblich besonders heiligen Menschen und versammelt sich als Angehörige der ABC-Kirche oder der YXZ-Gemeinde. Der lebendige geistliche Organismus der Gläubigen wurde durch eine hierarchische Organisation ersetzt.

Diese Entwicklungen müssen uns nicht überraschen, denn sie wurden zum einen durch den Herrn selbst in den prophetischen Gleichnissen (Matthäus 13), auf die wir später noch eingehen werden, angekündigt. Zum anderen wird aus den letzten Briefen des Apostels Paulus deutlich, dass diese Entwicklungen schon zu seiner Zeit begonnen hatten. Schreibt der Apostel in seinem ersten Brief an seinen Mitarbeiter Timotheus, wenn er von der Versammlung (= Gemeinde/Kirche) spricht, noch von dem “Haus Gottes“, das die Säule und Grundfeste der Wahrheit ist, so muss er die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) bereits im zweiten Brief an Timotheus als das „große Haus“ bezeichnen, in dem sich nun neben Gefäßen zur Ehre Gottes auch Gefäße zur Unehre befanden:

“Dieses schreibe ich dir in der Hoffnung, bald zu dir zu kommen; wenn ich aber zögere, auf daß du wissest, wie man sich verhalten soll im Hause Gottes, welches die Versammlung des lebendigen Gottes ist, der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit.“

(1. Timotheus 3, 14 – 15)

“In einem großen Hause aber sind nicht allein goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene, und die einen zur Ehre, die anderen aber zur Unehre. Wenn nun jemand sich von diesen reinigt, so wird er ein Gefäß zur Ehre sein, geheiligt, nützlich dem Hausherrn, zu jedem guten Werke bereitet.“

(2. Timotheus 2, 19 – 20)

Schon zur Zeit des Apostels war es zu einer Vermischung gekommen. Nicht alle, die fortan den Namen „Christ“ trugen, hatten auch wirklich Leben aus Gott empfangen. Dementsprechend konnten sie auch nicht nach den Maßstäben Gottes, d.h. zur Ehre Gottes, leben und brachten durch ihr Verhalten den Namen Christi in Verruf (2. Petrus 2, 10 – 17; Judas 16 – 18). Auch wahrhaft Gläubige haben sich immer wieder von diesem Verhalten anstecken lassen (vgl. z.B. 2. Timotheus 1, 15; 4, 10). Wenn der Herr nun Gericht an Seinem Haus übt, so wird Er alles, was nicht der Ehre Gottes dient, richten, egal ob dies im Leben von wahren Gläubigen oder bei Menschen zu finden ist, die sich „Christen“ nennen, aber nie wirklich Christus folgten.
In diesem Gericht wird das Zeugnis des Betreffenden für Jesus Christus gerichtet.  Dieses Gericht wird nach Aussage des Apostels Petrus in 1. Petrus 4, 17 – 19 „am Haus Gottes anfangen“ und es wird durch Bedrängnis und Verfolgung (1. Petrus 4, 12 – 16) gekennzeichnet sein. Schon durch diese Bedrängnis wird es zu einer Trennung zwischen jenen kommen, die Leben aus Gott haben und jenen, die nur dem Bekenntnis nach Jesus Christus folgen. Dieses Gerichtshandeln des Herrn dürfen wir nicht mit dem Gericht vor dem Preisrichterstuhl Christi (2. Korinther 5, 10; Römer 14, 10) verwechseln. Während das Gericht vor dem Preisrichterstuhl Christi über den Lohn des Gläubigen entscheidet (1. Korinther 3, 10 – 17) hat dieses Gerichtshandeln einen zwischen Gläubigen und Ungläubigen trennenden Charakter.

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