Diese Generation wird nicht vergehen, bis …?


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Vor einigen Tagen erhielt ich das Script eines Vortrages.  Dieser Vortrag befasste sich mit Fragestellungen rund um das Thema der Wiederkunft Jesu.

In Matthäus 24, 32 – 35 lesen wir:

„Von dem Feigenbaum aber lernet das Gleichnis: Wenn sein Zweig schon weich geworden ist und die Blätter hervortreibt, so erkennet ihr, daß der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr alles dieses sehet, so erkennet, daß es nahe an der Tür ist.  Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis alles dieses geschehen ist. Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber sollen nicht vergehen.“

Bezugnehmend auf die Verse aus Matthäus 24, 32 – 35 führt der Autor  des genannten Scripts aus, dass der Feigenbaum in der Bibel ein Symbol für Israel ist.  Als Folge der Einnahme und Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. durch die Römer wurde das jüdische Volk über die ganze Erde zerstreut und Israel hörte auf, ein Staat zu sein. Doch wie prophetisch von Gott vielfach im Alten Testament angekündigt, kehrte das Volk der Juden nach fast 2000 Jahren in sein Land zurück. Dieser Wiederherstellungsprozess, der am 14.  Mai 1948 mit der Staatsgründung Israels begann, wird in dem Bild des wieder austreibenden Feigenbaums hier in Matthäus 24, 32 – 35 prophetisch angekündigt. Soweit kann ich dem Autor folgen. Dann jedoch weist er darauf hin, dass im  Zusammenhang mit der zu erwartenden Wiederkunft Jesu ein Vers von ganz besonderer Bedeutung sei, nämlich Matthäus 24, 34. Dort heißt es:

„Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis alles dieses geschehen ist.“

Der Verfasser des besagten Scripts benutzt allerdings eine Übersetzung, die Matthäus 24, 34 so wiedergibt:

“Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles geschieht.“

Daraus folgert er, dass die Generation, die die Zeit der Staatsgründung Israels erlebt, auch die Zeit vor der Wiederkunft Jesu und das Kommen des Herrn Selbst  erleben wird.¹ Da die Staatsgründung Israels  zwischenzeitlich mehr als 60 Jahre zurück liegt und dementsprechend die Generation, die dieses Ereignis erlebt  hat, bald aussterben wird,  folgert der Autor weiter, dass Matthäus 24, 34 direkt in unsere Zeit weist. Um diese Aussage zu untermauern, kombiniert er andere Bibelstellen, auf die ich in einem späteren Artikel eingehen möchte. Festzuhalten  ist jedoch, dass  der Autor diese Kombination von Bibelstellen als Hinweis darauf deutet, dass die Wiederkunft Jesu entweder in Kürze oder aber in den nächsten 20 – 25 Jahren stattfinden würde. Der Autor schreibt es zwar nicht explizit, man kann ihn aber durchaus so verstehen, dass er mit diesem Ereignis bis spätestens zum Jahr 2033/2035 rechnet.

Was ist nun von diesen Ausführungen, insbesondere dieser Auslegung von Matthäus 24, 34 zu halten? Ist damit wirklich gemeint, dass die Generation, die die Wiederherstellung des Staates Israel erlebt, auch die Generation ist, die die Wiederkunft Jesu erleben wird?

Zuerst einmal ist festzustellen, dass bei der gesamten Auslegung ein wichtiger Vers fehlt, nämlich Matthäus 24, 36. Ihn bezieht der Autor nicht in seine Überlegungen mit ein. Darum hier noch einmal der gesamte Text Matthäus 24, 32 – 36 (Fettdruck von mir):

„Von dem Feigenbaum aber lernet das Gleichnis: Wenn sein Zweig schon weich geworden ist und die Blätter hervortreibt, so erkennet ihr, daß der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr alles dieses sehet, so erkennet, daß es nahe an der Tür ist. Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis alles dieses geschehen ist. Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber sollen nicht vergehen. Von jenem Tage aber und jener Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel der Himmel, sondern mein Vater allein.

Matthäus 24, 36 ist ganz offensichtlich eine Parallelstelle von Markus 13, 32. Ich habe es bereits in einem anderen Zusammenhang erwähnt, möchte aber hier noch einmal darauf hinweisen.

In Markus 13, 32 belehrt uns der Herr Jesus Christus bzgl. Seines Kommens indem Er sagt:

„Von jenem Tage aber oder der Stunde weiß niemand, weder die Engel, die im Himmel sind, noch der Sohn, sondern nur der Vater.“

In diesem Vers sagt der Herr Jesus Christus Selbst, dass a) niemand (d.h., kein Mensch), b) auch nicht die Engel im Himmel noch c) Er Selbst um den Tag oder die Stunde (d.h. den Zeitpunkt) Seiner Wiederkunft weiß. Wie bitteschön, hätte Er es dann irgendeinem Menschen offenbaren können, dass Seine Wiederkunft zu dessen Lebenszeit bzw. zur Lebenszeit einer ganz bestimmten Generation geschehen würde? Diese Frage beantwortet der Autor nicht. Sie ist auch nicht zu beantworten.

Was hat es nun mit der in Matthäus 24, 34 genannten „Generation“ bzw. diesem „Geschlecht“ auf sich?

Das in Matthäus 24, 34 gebrauchte griechische Wort „γενεὰ“ (genea) kann mit „Generation“, aber auch mit „Geschlecht“ übersetzt werden. Zweimal wird es im Neuen Testament auch mit „Zeit“ übersetzt (vgl. Apostelgeschichte 13, 36Apostelgeschichte 15, 21).²  Die überwiegende Mehrheit wortgetreuer Übersetzungen übersetzt in Matthäus 24, 34 (ebenso in den Parallelstellen Markus 13, 30 und Lukas 21, 32) „γενεὰ“ (genea) mit dem deutschen Wort „Geschlecht“ und nicht mit „Generation“.³  Das ist auch aus zwei Gründen sehr gut nachvollziehbar:

1)Würde man „γενεὰ“ (genea) in Matthäus 24, 34 und den Parallelstellen mit „Generation“ übersetzten, so würde ein unlösbarer Konflikt mit Matthäus 24, 36 (Markus 13, 32) bestehen.

2) Übersetzt man hingegen „γενεὰ“ (genea) in Matthäus 24, 34 mit „Geschlecht“, so wird diese Stelle – im Kontext gelesen und verstanden – umso deutlicher: Wie ich bereits an anderer Stelle ausgeführt habe, richtet sich das Matthäusevangelium insbesondere an Leser aus dem Judentum (vgl. hierzu:  „Unterscheidung: Die vier Evangelien und ihre Zielgruppen“). In Matthäus 24 werden Geschehnisse geschildert, die insbesondere Israel betreffen bzw. auf dieses Volk Bezug nehmen. Bereits im Alten Testament ist der Feigenbaum ein Symbol für Israel (vgl.  Richter 9, 10 f.; Hosea 9, 10; Joel 1, 7). Übersetzt man nun in  Matthäus 24, 34 „γενεὰ“ (genea) mit „Geschlecht“ und bezieht diesen Begriff auf das bereits im Symbol des Feigenbaums angesprochene jüdische Volk, so wird deutlich, was hier ausgesagt werden soll: Trotz der vielen und großen Trübsale, die Israel erleiden wird (vgl. Matthäus 24, 15 – 21 im Zusammenhang mit Jeremia 30, 7; Daniel 12, 1) wird dieses Volk trotzdem nie vergehen. Das ist die Bestätigung Gottes für Sein bereits in Jeremia 31, 35 – 37 gemachtes Versprechen:

„So spricht der HERR, der die Sonne als Licht bei Tag gegeben hat, die Ordnungen des Mondes und der Sterne zur Leuchte bei Nacht; der das Meer erregt, daß seine Wellen brausen, HERR der Heerscharen ist sein Name:  Wenn diese Ordnungen vor meinem Angesicht beseitigt werden können, spricht der HERR, dann soll auch der Same Israels aufhören, allezeit ein Volk vor meinem Angesicht zu sein!  So spricht der HERR: Wenn man den Himmel droben messen kann und die Grundfesten der Erde drunten zu erforschen vermag, so will ich auch den ganzen Samen Israels verwerfen wegen all dessen, was sie getan haben, spricht der HERR.“

Die Erinnerung bzw. die Bestätigung dieser göttlichen Zusage wird für  Israel insbesondere in der in Matthäus 24, 15 – 21 angekündigten und beschriebenen Trübsalszeit eine große Hilfe und ein großer Trost sein.  Genau das aber  ist Gottes Absicht mit diesen Versen:  Nicht die Verbreitung einer biblisch unhaltbaren Endzeitspekulation, sondern Trost für Sein irdisches Volk in Zeiten schwerster Bedrängnis.

¹= Diese These wurde in etwas anderer Form bereits in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von diversen Buchautoren vertreten. Die damals weit verbreitete Ansicht war, dass, da eine biblische Generation i.d.R. 40 Jahre umfasse, die im Zusammenhang mit Matthäus 24, 34 beschriebenen Ereignisse im Jahr 1988, also 40 Jahre nach der Staatsgründung Israels, ihre Erfüllung finden würden. Schon damals zeigte sich, dass dieser Spekulation eine Missachtung  der Warnung in Matthäus 24, 36 bzw. Markus 13, 32 und eine falsche Übersetzung des Wortes „γενεὰ“ (genea) zu Grunde liegt. Da jedoch solche Spekulationen bis heute immer wieder auftauchen, halte ich es für notwendig, dieses Thema im Folgenden erneut aufzugreifen.

²= vgl. James Strong: Strong’s Exhaustive Concordance, Hendrickson Publishers 1991, Strg-Nr. G 1074; Walter Bauer: Wörterbuch zum Neuen Testament, 6. völlig neu bearbeitete Auflage von K. und B. Aland, W. de Gruyter 1988, Sp. 308.

³= Luther-Übersetzung 1912, 1956 und 1984, Revidierte Elberfelder Bibel 2006, Elberfelder Übersetzung 1871, Elberfelder Übersetzung 1905, Überarbeitete nicht rev. Elberfelder Übersetzung (Edition Hückeswagen), Schlachter-Übersetzung 1951, Schlachter-Übersetzung 2000, Menge-Übersetzung, die Zürcher-Übersetzung, die NT-Übersetzung von Bengel,  die Neue Genfer Übersetzung verweist auf die andere Übersetzungsmöglichkeit „dieses Volk“.

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5 Antworten zu Diese Generation wird nicht vergehen, bis …?

  1. Felizi schreibt:

    Jesus hat seine Wiederkunft nicht für einen bestimmten Zeitpunkt im Kalender oder Jahrhundert offenbart, sondern ab Eintritt eines bestimmten Ereignisses. Das heißt, nicht die Generation zu einem bestimmten Zeitpunkt, sondern die Generation, die ein bestimmtes Ereignis erlebt, wird nicht vergehen, bevor Jesus wieder kommt. Wann dieses Ereignis – nämlich die Neugründung des Staates Israels- stattfinden würde, hat Jesus offen gelassen. Gott hat den Menschen als freies Wesen in die Welt gesetzt. Wahrscheinlich hat Gott diesen Zeitpunkt in die Hand der Menschen gelegt, bis sie so weit waren, den Staat Israel wieder neu zu gründen.Solange diese Generation, nämlich die Generation, die 1948 erlebt hat oder ab dann geboren wurde, noch nicht vergangen ist, sollte man diesen Gedanken nicht verwerfen.

  2. JNj. schreibt:

    Liebe Felizi,
    Deine Argumentation ist leider wie eine Katze, die sich selbst in den Schwanz beißt. Selbst wenn man die Wiederkunft Jesu mit einem Ereignis verbinden würde, so hat doch dieses Ereignis einen Zeitpunk. Im Fall der Wiederherstellung des Staates Israel ist es der 8. Mai 1948. Wenn man die Generation nur derart auslegt, dass sie dieses Ereignis – wenigstens als Babys – miterlebt haben soll, dann folgt daraus, dass das damit verbundene Ereignis der Wiederkunft Jesu in den darauffolgenden 100 – 120 Jahren (älter wird derzeit kein Mensch mehr) eintreffen muss. Also ist es doch wieder Rechnerei, die gegen die klare Warnung des Herrn Jesus in Markus 13, 32 verstößt. Christen sollen nicht nach irgendwelchen Zeichen Ausschau halten, sondern den Herrn Jesus täglich erwarten:

    „Der Herr ist nahe!“ (Philipper 4, 5)

  3. homafa schreibt:

    So wie fast niemand hohe Mathematik versteht, versteht niemand die Bibel.
    Die Urangst der Menschen vor ewiger Vergänglichkeit hat eine Biblische Geschichte hervorgebracht.
    Gott existiert nicht. Angst und Geld macherei ist eine gewaltige Triebfeder.
    Mit dem Tod ist nun mal alles vorbei.
    Hindert mich irgend ein Gott, diesen Text zu schreiben?
    Schade…..aber der Gott der Bibel ist wo?????????

  4. Kathi schreibt:

    Sehr guter und aufschlussreicher Artikel. Ich hatte mir eben die Frage gestellt beim Lesen von Mt 24.
    Über die Existenz Gottes muss ich ebenso wenig diskutieren wie über die Existenz der Luft. Beides kann ich nicht sehen, aber beides benötige ich zum atmen – das eine für den Körper, das andere für meine Seele. Gott zwingt niemanden, an sich zu glauben und er wird auch niemanden daran hondern, Unwahrheiten zu schreiben. Nur für die Folgen unseres Handelns stehen wir selber gerade. Woher ich komme, kann ich ebensowenig beweisen, als wohin icb gehe. Beides hängt von meinem Glauben ab. Ich bin die letzten Jahrzehnte glücklich und erfüllt mit Gott unterwegs zu sein und habe unzählige Male sein Eingreifen erlebt. Jesus lebt in mir und möchte in jedem Menschen wohnen. Dort ist er zu finden – bis ans Ende der Zeiten wenn Er wiederkommt.

  5. TanerÖğüt schreibt:

    Die damalige Generation kann schon einem Leid tun doch ich befürchte ihre Generationen nach der 3. bzw. 4. Glied sind nicht unbedingt besser dran.

    Offenbarung 1 Vers 7Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und die ihn zerstochen haben; und werden heulen alle Geschlechter auf der Erde. Ja, amen.

    Ich nehme an, die 12 Jünger werden ihn ebenso mitansehen. Götter, die auf Erden ihren Unheil anstiften, richten, bemächtigt sind über Dämonen, so gesehen die Pharaos durch und durch werden wohl kaum mit Namen im Himmelreich geschrieben stehen.

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