„Mehr von der Wiederkunft Christi sprechen“


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Vor einigen Wochen erschien eine Schrift, die dazu aufforderte, „mehr über die Wiederkunft Christi“ zu sprechen und die dazu „eschatologische Orientierungshilfe“ geben wollte. Grundsätzlich ist die lebendige Erwartung des wiederkommenden Herrn ein Anliegen, dass alle Christen teilen sollten. Denn die Heilige Schrift lehrt uns, dass diese Erwartung ein Kennzeichen aller an den Herrn Jesus Christus Glaubenden ist. So bezeugt der Apostel Paulus im ersten Thessalonicherbrief:

„Denn sie selbst verkündigen von uns, welchen Eingang wir bei euch hatten, und wie ihr euch von den Götzenbildern zu Gott bekehrt habt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten, den er aus den Toten auferweckt hat, Jesus, der uns errettet von dem kommenden Zorn.“

(1. Thessalonicher 1, 9 – 10)

Drei Dinge kennzeichneten demnach die Gläubigen in Thessalonich:

1) Diese Thessalonicher hatten sich „von den Götzenbildern zu Gott bekehrt“. Die Abkehr von einem Leben ohne den wahren, lebendigen Gott, die Abkehr von allen Götzen, welcher Art sie auch sein mögen, eine aufrichtige Reue und Buße, stehen bei jedem Christen am Anfang seines Glaubenslebens (vgl. Apostelgeschichte 2, 38; Apostelgeschichte 3, 19; Lukas 24, 45 – 47). Nur wenn ein Mensch sich von seinem bisherigen Leben in Sünde und Gottesferne abwendet und die ihm von Gott in Jesus Christus angebotene Erlösung annimmt, entsteht neues geistliches Leben. Nur dann wird ein Mensch „von neuem geboren“ und so ein Kind Gottes (vgl. Johannes 3, 1 – 6;   1. Petrus 1, 23; Römer 10, 17).

2) Die Gläubigen in Thessalonich begannen, „dem lebendigen und wahren Gott zu dienen“. Das neue geistliche Leben in ihnen brach sich Bahn und verlieh sich in Gott wohlgefälligen Werken Ausdruck. Ein Mensch kann noch so sehr seinen Glauben äußerlich zur Schau stellen oder seine Gläubigkeit mit vielen Worten betonen. Wo aber im Leben eines Gläubigen keine dem Glauben entsprechenden Werke sichtbar werden, da ist dies ein deutliches Zeichen dafür, dass trotz aller Worte keine Neugeburt aus dem Geist Gottes (vgl.  Jakobus 2, 14 – 26) stattgefunden hat. Dabei handelt es nicht um Gesetzeswerke, durch die der Gläubige meint, seine Errettung erwerben oder erhalten zu müssen. Solche Gedanken stehen im klaren Widerspruch zur  Lehre des Evangeliums, dass der Mensch nicht durch Werke, sondern allein  aus Gnade mittels des Glaubens Erlösung empfängt (vgl. Römer 3, 20 – 24). Es geht auch nicht um selbst- oder fremdauferlegte, schwer zu erfüllende Werke, durch die man meint, eine „besondere Heiligkeit“ zeigen zu müssen. Nein, aus einem wirklich erneuerten Wesen entspringen auf eine ganz natürliche Weise auch veränderte Verhaltensformen: gute Werke, Dienst an Gott und den Menschen. Dieses erneuerte Verhalten und die damit einhergehenden Werke kommen aus einem Herzen, das jetzt von der Liebe zu Gott, zu den Mitgläubigen und zu allen Menschen erfüllt ist:

„… denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, welcher uns gegeben worden ist.“

(Römer 5, 5)

3) Die Christen in Thessalonich erwarteten „den Sohn Gottes aus den Himmeln … Jesus, der uns errettet {O. befreit} von dem kommenden Zorn.“ Diese Erwartungshaltung ist die natürliche Folge der Liebe, die die Erlösten zu ihrem Erlöser haben (vgl. 1. Petrus 1, 8). Wer erlebt hat, was es bedeutet, aus ewiger Verlorenheit errettet worden zu sein, der kann gar nicht anders, als seinen Erlöser zu lieben. Liebe aber schließt auch den Wunsch nach Gemeinschaft mit dem geliebten Gegenüber ein und genau das ist es auch, wonach sich Gläubige sehnen: nach der ewigen Gemeinschaft mit ihrem Erlöser. Aus diesem Grund gebraucht die Heilige Schrift auch das Bild der Braut und des Bräutigams, um die Liebe und Beziehung der Gläubigen zu ihrem Erlöser zu verdeutlichen (vgl. Matthäus 25, 6 – 13; Epheser 5, 25 – 32).

Auf diesem Hintergrund ist das in der besagten Schrift zum Ausdruck gebrachte Anliegen zu völlig bejahen. Was mich allerdings beim Lesen derselben verwunderte, war, dass es dort u.a. heißt:

„Unter den amerikanischen Evangelikalen (teilweise auch in andern Ländern) gibt es unter dem Einfluss des sog. Dispensationalismus John Nelson Darbys eine leidenschaftlich geführte Kontroverse zwischen 3 Richtungen, ob die in 1Thess 4,17 angesprochene Entrückung der glaubenstreuen Gemeinde „in Wolken dem Herrn entgegen“ vor, während oder nach der Großen Trübsal (Engl. tribulation) stattfinden werde (“pre-, mid-, post-tribulation“), ob sich also wiedergeborene Christen hinsichtlich der vom Antichrist veranstalten endzeitlichen Verfolgung Sorgen zu machen brauchen oder nicht. Die biblische Antwort ist insofern klar, als Jesus in Mt 24,22b ausdrücklich sagt, dass „jene Tage um der Auserwählten willen verkürzt werden“ sollen. Auch müsste man bei der ersten und zweiten Alternative von einer zweifachen Wiederkunft Christi ausgehen, von der aber in keiner biblischen Schrift die Rede ist.“¹

Dazu einige Gedanken:

Eine unwahre These wird nicht wahrer, auch wenn sie unendlich oft wiederholt wird. Die Behauptung, die Lehre von den biblischen Haushaltungen (Dispensationalismus) bzw. die Lehre der Entrückung vor der Trübsal seien Erfindungen J. N. Darbys und daher unbiblisch, ist in zahlreichen Publikationen widerlegt worden², so dass ich hier nicht weiter darauf eingehen muss. Aber auf zwei andere wichtige Punkte aus diesem Zitat muss hingewiesen werden: Zum einen wird in dieser Publikation aufgrund von Matthäus 24, 22b gelehrt, dass Christen ganz offensichtlich durch die große Trübsal gehen müssten. Steht das aber nicht gerade im völligen Widerspruch zu 1. Thessalonicher 1, 10, wo es heißt, dass die Christen in Thessalonich „den Sohn Gottes aus den Himmeln (kommend, JNj.) erwarten, (…) Jesus, der uns (d.h. die Gläubigen, JNj.) errettet vor dem kommenden Zorn„? Das entspricht auch der Aussage des Apostels Paulus in 1. Thessalonicher 5, 9: „Denn Gott hat uns nicht gesetzt zum Zorn, sondern die Seligkeit zu besitzen durch unsern HERRN Jesus Christus …“ (vgl. auch Kolosser 3, 6). Zum anderen wird ganz pauschal behauptet, dass, wenn die Lehre von der Entrückung vor der Trübsal biblisch sei, man von „einer zweifachen Wiederkunft Christi ausgehen“ müsste, von der aber in keiner biblischen Schrift die Rede“ sei. Da stutzt der Bibelleser erstaunt und reibt sich die Augen. Es gibt keine biblischen Belege für den Unterschied zwischen dem Kommen des Herrn für die Gläubigen und dem endgültigen Kommen des Herrn als Richter über diese Welt? Mir fallen da ohne zu zögern mindestens zehn biblische Unterschiede ein³. Darum  werde ich mich mit diesen Fragen in weiteren Beiträgen auseinandersetzen. Denn wenn man über die Wiederkunft Christi sprechen will, dann sollte man es auch auf dem Boden der Bibel und nicht auf der Grundlage menschlicher Glaubensbekenntnisse tun.

Fußnoten:

¹= Eschatologische Orientierungshilfe der IKGB 2010, Seite 7, Fußnote 7

²= Zum Beispiel: R. A. Huebner, The Truth of thePre-Tribulation Rapture Recovered (Millington, N.J.: Present TruthPublishers, 1976); Precious Truths Revived and Defended Through J. N. Darby, Vol. 1 (Morganville, N. J.: Present Truth Publishers, 1991; Dr. Thomas Ice: „A short history of dispensationalism“ (pdf), „Alleged Irvingite Influence on Darby and the Rapture“ (pdf), „A Brief History of The Rapture“ (pdf), „A Brief History of Early Premillennialism“ (pdf), „Rapture Myths“, „Myths of the Origin of Pretribulationism (Part 1)“ (pdf), „Myths of the Origin of the Rapture (Part 2)“ (pdf), Vortrag Dr. Thomas Ice (read by Crawford Gribben): „Darby and the Irvingites“ (mp3).

³= Zur Entrückung:  1. Thessalonicher 4, 13 – 18; 2. Thessalnicher 2, 1 – 2; 2. Timotheus 4, 1 + 8; Titus 2, 13; Kolosser 3,4.  Zur Wiederkunft: Judas 14; 1. Thessalonicher 3, 13; 2. Thessalonicher 1, 6 – 10; 2. Thessalonicher 2, 8; Sacharja 14, 1 – 15 um nur einige zu nennen.

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Eine Antwort zu „Mehr von der Wiederkunft Christi sprechen“

  1. dikosss schreibt:

    Bin auch auf die Fortsetzung gespannt!

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