Hoffnung aber lässt nicht zu Schanden werden


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Im 5. Kapitel des Römerbriefes wird uns eine wunderbare Zusage gemacht:

„Hoffnung aber lässt nicht zu Schanden werden“.

(Römer 5, 5)

Andere Übersetzungen sagen: „… die Hoffnung aber beschämt nicht …“ (Elberfelder Übersetzung) oder: „… in dieser Hoffnung werden wir nicht enttäuscht …“ (Neue evangelistische Übersetzung).

Aber ist das wirklich so? Wird unsere Hoffnung, auch unsere geistliche Hoffnung, nie enttäuscht?

Immer wenn ich diesen Vers lese, denke ich auch an Menschen, deren (geistliche) Hoffnungen enttäuscht wurden.

Ich werde dann an S. erinnert, einen jungen Pastor, der nach seinem Studium voller Energie eine Gemeindegründungsarbeit begann. Seit Jahren hatte er sich mit der Geschichte der Erweckungsbewegungen beschäftigt, hatte alles gelesen, was es zu diesem Thema auf dem Büchermarkt zu kaufen gab. Er war mit ganze Herzen und großer Hingabe „bei der Sache“ – und scheiterte kläglich. Trotz allem Einsatz in der Evangelisation, trotz großer Opferbereitschaft und einem vorbildlichen Gebetsleben – die Gemeindegründung kam nicht in Gang, wuchs nicht. Einige Jahre später bekannte er mir gegenüber: Ich habe alles, was möglich war, getan. Ich habe mich an all‘ die Dinge gehalten, die ich gelesen habe, ich habe alles ausprobiert, was doch bei „großen Männern Gottes“ zum Erfolg geführt hat, aber nichts hat geholfen. Und sein erschütterndes Fazit war: „Ich habe mein Teil getan, aber Gott hat seine Zusagen nicht erfüllt!“ Am Ende legte er seinen Dienst nieder und kehrte, wie er sagte, Gott „den Rücken zu“. Seine Hoffnung war ganz offensichtlich zu Schanden geworden.

Viele Jahre habe ich nicht verstanden, warum dieser hingegebene, treue Mensch so scheitern musste. Erst das Nachdenken über eine andere Hoffnung, die zu Schanden geworden war, öffnete mir die Augen für den größeren Zusammenhang:

1951 verkündete der Leiter einer christlichen Gemeinschaft in einem Weihnachtsgottesdienst, der Herr Jesus Christus habe ihm geoffenbart, er würde nicht mehr sterben, sondern bis zur Wiederkunft Jesu leben. An seiner Hand, so behauptete dieses geistliche Oberhaupt von mehreren Millionen Gläubigen, würden alle, die dieser „Botschaft“ vertrauten, dem Herrn entgegen gehen. Unzählige Menschen vertrauten diesem Mann und schenkten dieser Hoffnung nur zu gern Glauben. Nur wenige Jahre später, am 6. Juli 1960 wurde sie schlagartig enttäuscht. Der „Prophet“ starb, doch die Wiederkunft Christi trat nicht ein. Man gab die Parole aus, der Kirchenführer habe sich nicht geirrt, sondern „Gott habe seinen Plan geändert“!

Was war geschehen? Warum wurde diese Hoffnung enttäuscht, musste sie enttäuscht werden? Nun, man hatte den Zusagen eines Menschen geglaubt und das, obwohl Gottes Wort etwas ganz Gegenteiliges sagt.

In Markus 13, 32 belehrt uns der Herr Jesus Christus bzgl. Seines Kommens:

„Von jenem Tage aber oder der Stunde weiß niemand, weder die Engel, die im Himmel sind, noch der Sohn, sondern nur der Vater.“

In diesem Vers sagt der Herr Jesus Christus Selbst, dass a) niemand (d.h., kein Mensch), b) auch nicht die Engel im Himmel noch c) Er Selbst um den Tag oder die Stunde (d.h. den Zeitpunkt) Seiner Wiederkunft wissen. Wie bitteschön, hätte Er es dann irgendeinem Menschen offenbaren können, dass Seine Wiederkunft zu dessen Lebenszeit geschehen würde?

Ein in Foren beliebter Spruch ist: „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.“ Das gilt auch für Christen und zwar insbesondere in Bezug auf das Buch, durch das Gott zu uns spricht: die Bibel. Bibelleser sind klar im Vorteil. Hätten all‘ jene, die 1960 enttäuscht wurden, wenigstens dieses eine Bibelwort ernst genommen und die Aussage ihres Kirchenführers daran gemessen, ihre Hoffnung wäre nicht zu Schanden geworden. Sie hätten die Aussage Johann Gottfried Bischoffs, der Herr Jesus Christus würde zu seiner Lebenszeit wiederkommen, als das entlarvt, was sie war: die vermessene Aussage eines falschen Propheten (vgl. 5. Mose 18, 22).

Aber es wäre falsch, wenn wir nun auf jene Enttäuschten mit dem Finger zu zeigen und uns selbst in Hoffnungen verrennen, zu denen die Heilige Schrift, das Wort Gottes, uns keinen Anlass gibt. Auch heute gibt es viele Hoffnungsversprechen, auch unter solchen, die „mit Ernst Christen sein wollen“. Insbesondere der „christliche Büchermarkt“ fließt über an Werken, die schnelle Lösungen, sichere Lösungen, absolut sichere Lösungen und Antworten versprechen und zwar zu fast jeder Frage des Glaubens und für jeden Bereich des Glaubenslebens. Des vielen Büchermachens ist wahrlich kein Ende (vgl. Prediger 12, 12). Wie viele von uns haben in einer Problemsituation schneller die Hand an irgendeinem Buch („Sieben Schritte zu einem erfüllten Eheleben“, „Fünf Schritte zum Erfolg im Beruf“, „912837465 Schritte zu einem besseren Miteinander“) als am Buch der Bücher? Kann es sein, dass so viele Hoffnungen enttäuscht, ja zu Schanden, werden, weil wir uns ebenso auf menschliche Hoffnungsversprechen und Verheißungen verlassen wie jene, die bis 1960 die Wiederkunft Christi erwarteten? Der einzige Unterschied, den ich dabei erkenne, ist die jeweilige Thematik.

Was wir auf Fragen unseres Glauben, unseres Glaubenslebens, des Gemeindelebens, der Evangelisation etc. brauchen, sind tragfähige,  ewige Antworten, sind Antworten Gottes. Nur darauf kann unser Glaube unerschütterlich aufbauen.

In Matthäus 7, 24 – 27 sagt Jesus Christus:

„Jeder nun, der irgend diese meine Worte hört und sie tut, den werde ich einem klugen Manne vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute; und der Platzregen fiel hernieder, und die Ströme kamen, und die Winde wehten und stürmten wider jenes Haus; und es fiel nicht, denn es war auf den Felsen gegründet.“

Nur Gottes Verheißungen können uns diesen festen Grund geben. Denn nur Gott ist in der Lage, Seine Verheißungen  zu 100 Prozent zu erfüllen. Menschliche Erfahrungen, z.B. aus der Zeit der Erweckungsbewegung, mögen uns motivieren, uns ermutigen. Das sollten sie auch. Aber sie sind keine göttliche Zusage, dass Gott mit uns genau diesen Weg in genau derselben Weise beschreiten wird. Nur was Gott uns eindeutig in Seinem Wort zusagt, kann Grundlage unserer Hoffnung und unseres Glaubens sein.
Dazu aber müssen wir Gottes Wort, die Bibel kennen, sie studieren, in ihr „graben“ (Sprüche 2, 4; Sprüche 4, 7), nicht nur an der Oberfläche „schaben“. Dazu müssen wir auch lernen zu unterscheiden. Nicht jedes Wort Gottes richtet sich an uns als Christen, Gott redet in Seinem Wort sehr viel zum Volk Israel und auch zu anderen Nationen. Wenn wir alle Aussagen einfach auf uns beziehen und diese drei Gruppen, die in der Bibel angesprochen werden, nicht unterscheiden, dann müssen wir zwangsläufig zu falschen Schlüssen kommen. Nur so ist z.B. die Entstehung des so genannten „Wohlstandsevangeliums“ zu erklären. In dieser Lehre wird eben nicht zwischen Israel und der Versammlung (= Gemeinde/Kirche) unterschieden. Ganz im Gegenteil: Viele Verheißungen, die Gott Israel für die Zeit des Millenniums, des 1000jährigen Friedensreiches, gegeben hat, werden auf christliche Gläubige übertragen und man lehrt, alle diese Verheißungen können schon jetzt und hier im Leben des Christen Erfüllung finden. Unzählige Christen sind durch solche falschen Hoffnungsversprechen schon enttäuscht worden und haben sich vom Glauben abgewandt.

Wir müssen Gottes Wort, die Bibel, kennen und zwar nicht nur oberflächlich, sondern gründlich. Wir müssen sie studieren und wir müssen lernen, das, was Gott gesagt hat, recht zu unterscheiden:

„Befleißige dich, dich selbst Gott bewährt darzustellen, als einen Arbeiter, der sich nicht zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit recht teilt . {Eig. in gerader Richtung schneidet}“

(2. Timotheus 2, 15)

Nur so werden wir den ganzen Reichtum des Wortes Gottes in all‘ seinen Facetten für uns entdecken und erleben können. Aber auch nur so werden wir vor falschen, enttäuschenden Hoffnungen bewahrt. Gottes Wort ist der einzige Grund zur Hoffnung, die nicht zu Schanden werden wird.

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2 Antworten zu Hoffnung aber lässt nicht zu Schanden werden

  1. dikosss schreibt:

    Guter Artikel! Danke!

    Unsere Hoffnung kann sich nur auf das eindeutige Wort Gottes beziehen.
    Und das kann ziemlich erhellend sein! 🙂
    Uns wird auf dieser Erde keine immerwährende Gesundheit, kein „irdischer“ Erfolg, keine Verschonung vor Spott und Verfolgung zugesagt.

    Nach Röm 5,5 muss sich unsere Hoffnung auf den Gott beziehen, der mit uns durch Jesus Christus Frieden geschlossen hat. D.h.: Was auch immer geschehen mag – weiter auf Gott hoffen, der den Ausgang schaffen wird.
    Und sei es durch den Tod hindurch.

    Gott ist mit Dir!

  2. Tom Proehl schreibt:

    Hallo Jnj.,

    sehr klar geschrieben, gefällt mir gut.
    Und ich stimme dir zu: Die christlichen Verlage mit ihren bunten Katalogen und vielfältigen Kaufanreizen … die braucht eigentlich keiner.

    Gottes Segen
    Tom

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