Hintergrund 33: Die Apostelgeschichte (Teil 2)

Missionsreisendespaulus

Missionsreisen des Paulus * Karte: I, Janz [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) oder CC BY 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.5)%5D, via Wikimedia Commons

 

Verschiedene Arten der Aufteilung der Apostelgeschichte

Wie bereits in Teil 1 dieser Hintergrundbetrachtung angeklungen, kann man dieses umfangreiche neutestamentarische Buch unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten. Dementsprechend haben Kommentatoren auch verschiedene Arten vorgeschlagen, auf die man die Apostelgeschichte nach Themen oder besonderen Gesichtspunkten aufteilen kann. So kann sich der Leser auf unterschiedliche Weise einen guten Überblick über die 28 Kapitel dieses Buches  verschaffen.  Im Folgenden werde ich einige Modelle vorstellen, um anschließend – wie bei den bereits auf diesem Blog veröffentlichten  Hintergrundbetrachtungen – eine ausführliche Themen- und Inhaltsübersicht zu geben.   

I. Einteilung nach geografischer Verbreitung des Evangeliums

Auf diese Einteilung bin ich in Teil 1 ausführlicher eingegangen:

Kernvers: Apostelgeschichte 1, 8 – Unterteilung:

  1. Das Evangelium in Jerusalem (Apostelgeschichte 1, 1Apostelgeschichte 7, 60)
  2. Das Evangelium erreicht Judäa und Samaria (Apostelgeschichte 8, 1Apostelgeschichte 9, 43)
  3. Das Evangelium setzt seine Verbreitung in die ganze Welt fort (Apostelgeschichte 10, 1 ff.)

 

II. Einteilung nach hauptsächlichen menschlichen Akteuren, Zentren  und Zielgruppen

  1. Apostelgeschichte 112: Der Apostel Petrus – In diesem Zeitabschnitt sind die in Jerusalem, Judäa, Samaria und darüber hinaus lebenden Juden die primäre Zielgruppe des Evangeliums (vgl. Römer 1, 16; Römer 2, 9 – 10). Das Ausgangszentrum bleibt dabei immer Jerusalem (vgl. Apostelgeschichte 8, 1c).
  2. Apostelgeschichte 1328: Der Apostel Paulus – Ab Apostelgeschichte 10, 1 gewinnt das Evangelium auch unter Menschen aus den Nationen Raum und ab Apostelgeschichte 13, 1 ff. wird die ganze Welt Zielgruppe der Evangeliumsverkündigung. Das Zentrum verlagert sich nach Antiochia, der Hauptstadt von Syrien. Sie war die drittgrößten Stadt des römischen Imperiums (nach Rom und Alexandria) und besaß die zahlenmäßig stärkste jüdische Einwohnerschaft einer römischen Stadt. Christen hatten im Lauf der Verfolgung (vgl. Apostelgeschichte 8, 1a) dort Zuflucht gefunden und das Evangelium verkündet (vgl. Apostelgeschichte  11, 19).

 

III. Themen- und Inhaltsübersicht zur Apostelgeschichte

Wir können die Apostelgeschichte entsprechend den Stationen der Evangeliumsverkündigung grob in drei große Blöcke aufteilen:

Der erste Block (Apostelgeschichte 1, 1Apostelgeschichte 7, 54) berichtet von der Evangeliumsverkündigung in Jerusalem, sowie der Entstehung und dem Wachstum der Versammlung (= Gemeinde / Kirche) in dieser Stadt. Wir können diesen Block in drei größere Abschnitte unterteilen:
In Abschnitt A) beschreibt Lukas die Zeit zwischen Der Auferstehung des Herrn und der Entstehung der ersten Versammlung (= Gemeinde / Kirche) in Jerusalem. Das Buch beginnt mit den bekannten einleitenden Worten an den Empfänger Theophilus (Apostelgeschichte 1, 1 – 5). Anschließend schildert Lukas die Aussendung der elf Jünger (Apostelgeschichte 1, 6 – 8) und die Himmelfahrt des Herrn (Apostelgeschichte 1, 9 – 11). In  Apostelgeschichte 1, 12 – 26 erfahren wir dann von der Wahl des Matthias, der Judas ersetzen sollte¹.  Dann werden uns die Entstehung der Versammlung (= Gemeinde / Kirche) in Jerusalem (Apostelgeschichte 2, 1 – 41) und die Gemeinschaft der Gläubigen (Apostelgeschichte 2, 42 – 47) geschildert.
In Abschnitt B) steht die Entwicklung der Versammlung (= Gemeinde / Kirche) in Jerusalem im Fokus (Apostelgeschichte 3, 1Apostelgeschichte 6, 7). In Apostelgeschichte 3, 1Apostelgeschichte 4, 31 geht es um die Opposition, die sich seitens der jüdischen geistlichen Autoritäten gegen die Gläubigen erhebt. Apostelgeschichte 4, 32Apostelgeschichte 5, 11 berichtet von Problemen innerhalb der jungen christlichen Gemeinschaft. Im Anschluss daran wird uns erneut von der Opposition der jüdischen geistlichen Autoritäten gegen die Gläubigen in Jerusalem geschildert. Gott bestätigt die Evangeliumsverkündigung durch machtvolle Zeichen und Wunder, woraufhin die Apostel auf Befehl des Hohen Rates festgenommen, dann aber  von Gott befreit werden. Kurz darauf finden wir die Apostel wieder im Tempel, wo sie erneut das Evangelium verkündigen und sogar eine Gelegenheit bekommen, Zeugnis gegenüber dem Hohen Rat abzulegen (Apostelgeschichte 5, 12 – 42). In Apostelgeschichte 6, 1 – 7 werden uns dann noch einmal  Schwierigkeiten der jungen christlichen Gemeinschaft geschildert. Zwischen den griechischsprachigen und den hebräischsprachigen Gläubigen kommt es zu Spannungen wegen der Behandlung der Witwen der jeweiligen Gruppen. Die Apostel lösen das Problem, indem sie und die Gläubigen sechs Männer “voll Glaubens und heiligen Geistes“ auswählen und zu Diakonen einsetzen.
Abschnitt C) berichtet von der falschen Anklage gegen Stephanus, einen der Diakone, sowie von seiner Verteidigungsrede vor dem Hohen Rat (Apostelgeschichte 6, 8 – 15Apostelgeschichte 7, 53) und seiner Steinigung (Apostelgeschichte 7,  54 – 60).

Block II (Apostelgeschichte 8, 1Apostelgeschichte 9, 43) konzentriert sich ganz auf die Ausbreitung des Evangeliums in Judäa und Samaria, sowie die Bekehrung des Saulus. In Abschnitt A) schildert Lukas die Evangeliumsverkündigung in Samaria, bei der Philippus eine entscheidende Rolle spielt (Apostelgeschichte 8, 1 – 5), sowie das Auftreten Simons, des Zauberers (Apostelgeschichte 8, 6 – 13), sowie die Abwehr seiner falschen lehren durch die Apostel Petrus und Johannes (Apostelgeschichte 8, 14 – 25).
Auch Abschnitt B) widmet sich dem Dienst des Philippus und zwar diesmal an einem äthiopischen Regierungsmitarbeiter, dem er auf dessen Rückreise von Jerusalem in seine Heimat begegnet (Apostelgeschichte 8, 26 – 40).
Abschnitt C) umfasst Apostelgeschichte 9, 1 – 31 und berichtet von der Begegnung des Paulus mit dem Auferstandenen und seiner Bekehrung (Apostelgeschichte 9, 1 – 19). In Apostelgeschichte 9, 20 – 30 berichtet Lukas von den ersten Diensten, die Paulus versah und den sich aufgrund seiner Vergangenheit ergebenden Problemen. In Apostelgeschichte 9, 31 wird angemerkt, dass die Versammlung (= Gemeinde / Kirche) in Judäa, Galiläa und Samaria Frieden hatte und wuchs.

Der dritte und letzte Block (Apostelgeschichte 9, 32Apostelgeschichte 28, 31) verfolgt den Siegeszug des Evangeliums in die damals bekannte Welt. Abschnitt A) konzentriert sich auf die Ereignisse die das Evangelium bis Antiochia in Syrien ausbreiten (Apostelgeschichte 9, 32Apostelgeschichte 12, 24). Lukas berichtet vom Dienst des Petrus in Lydda und Joppe (Apostelgeschichte 9, 32 – 43), der Bekehrung des Kornelius und seiner Verwandten (Apostelgeschichte 10, 1Apostelgeschichte 11, 18), sowie des Missionsdienstes (Apostelgeschichte 11, 19 – 26) und des diakonischen Dienstes (Apostelgeschichte 11, 27 – 30) der Versammlung (= Gemeinde / Kirche) in Antiochien.
In Abschnitt B) finden wir einen Bericht über die Ausbreitung des Evangeliums nach Zypern und Kleinasien (Apostelgeschichte 12, 25Apostelgeschichte 16, 5). Diese Entwicklung beginnt mit der Berufung von Barnabas und Paulus (Apostelgeschichte 12, 25Apostelgeschichte 13, 3). Die erste Station ihres Missionsdienstes ist Zypern (Apostelgeschichte 13, 4 – 12). Im Anschluss daran besuchen die Apostel Kleinasien (Apostelgeschichte 13, 13Apostelgeschichte 14, 21). In Apostelgeschichte 14, 21 – 28 geht es um die Rückkehr der Apostel nach Antiochien. Apostelgeschichte 15, 1 – 35 berichtet von dem Apostelkonzil in Jerusalem, wobei das Verhältnis von Juden- und Heidenchristen geklärt wird. Aus Apostelgeschichte 15, 36Apostelgeschichte 16, 5 erfahren wir von Streitigkeiten zwischen Barnabas und Paulus wegen Johannes Markus und dem Beginn der zweiten Missionsreise des Apostels Paulus, die zur Stärkung der Gläubigen in im Gebiet von Derbe und Lystra führte.
Abschnitt C) umfasst den Text von Apostelgeschichte 16, 6Apostelgeschichte 19, 20. Lukas berichtet uns vom Ruf des Apostels Paulus nach Mazedonien (Apostelgeschichte 16, 6 – 10) und seinem Dienst in dieser Provinz (Apostelgeschichte 16, 11Apostelgeschichte 17, 15). Anschließend werden der Dienst des Apostels in der Provinz Achaia (Apostelgeschichte 17, 16Apostelgeschichte 18, 17) und die Anfänge des Dienstes in der Provinz Asia geschildert (Apostelgeschichte 18, 18 – 22). In Apostelgeschichte 18, 23Apostelgeschichte 19, 20 werden die Ergebnisse des Missionsdienstes in dieser Provinz zusammengefasst.
Abschnitt D) schildert dann die Ausbreitung des Evangeliums bis nach Rom, der Hauptstadt des römischen Reiches (Apostelgeschichte 19, 21Apostelgeschichte 28, 31). Dabei begleiten wir Paulus und seine Mitarbeiter zuerst noch einmal auf ihrem Weg nach Jerusalem (Apostelgeschichte 19, 21Apostelgeschichte 21, 16). Dort berichtet der Apostel den Gläubigen von seiner Reise (Apostelgeschichte 21, 17 – 26) und wird im Tempel festgenommen (Apostelgeschichte 21, 27 – 40). Anschließend erhält der Apostel Gelegenheit, vor dem jüdischen Volk (Apostelgeschichte 22, 1 – 22), vor dem römischen Befehlshaber (Apostelgeschichte 22, 23 – 30) und vor dem Hohen Rat (Apostelgeschichte 23, 1 – 11) zu sprechen. Ein Mordanschlag auf Paulus wird durch Gottes Eingreifen verhindert (Apostelgeschichte 23, 12 – 22) und der Apostel durch römische Soldaten nach Cäsarea verbracht (Apostelgeschichte 23, 23 – 35). Dort erhält Paulus die Gelegenheit gegenüber dem Statthalter Felix das Evangelium zu bezeugen (Apostelgeschichte 24, 1 – 27). Nachdem Paulus längere Zeit in Cäsarea gefangen gehalten wurde, bekommt er Gelegenheit, vor dem neuen Statthalter Festus zu den Anklagen des Hohen Rates gegen seine Person Stellung zu nehmen (Apostelgeschichte 25, 1 – 27) Festus bespricht sich mit König Agrippa über den Fall des Paulus und in der Folge kann Paulus auch gegenüber dem König Zeugnis für das Evangelium ablegen (Apostelgeschichte 26, 1 – 32). Da Paulus sich als römischer Bürger auf den Kaiser berufen hatte, wird er mit Soldaten nach Rom geschickt. Die Reisegruppe besteigt ein Schiff, das auf der Überfahrt nach Italien in einen Sturm gerät und kurz vor der Insel Melite zerstört wird (Apostelgeschichte 27, 1 – 44). Die Reisegruppe verharrt drei Monate auf der Insel, ehe die Reise nach Rom fortgesetzt werden kann (Apostelgeschichte 28, 1 – 16). Dort angekommen verkündet Paulus den in Rom lebenden Juden das Evangelium (Apostelgeschichte 28, 17 – 29). Das Buch schließt mit dem Hinweis, dass Paulus noch zwei Jahre in seiner Mietwohnung  blieb und dort ungehindert allen seinen Gästen das Evangelium verkünden konnte (Apostelgeschichte 28, 30 – 31).

Fußnoten:

¹= Es ist bemerkenswert, dass Matthias anschließend an keiner weiteren Stelle der Apostelgeschichte genannt wird. Kommentatoren verweisen außerdem darauf, dass die Auswahlmethode – das Werfen des Loses – nicht der neutestamentarischen Lehre über die Leitung bzw. Auswahl des Heiligen Geistes (wie z.B. in Apostelgeschichte 13, 1) entspricht. Viele sehen daher die Auswahl des Matthias als nicht richtig an, sie hätte frühestens nach der Ausgießung des Heiligen Geistes erfolgen dürfen und dann auch in der in Apostelgeschichte 13, 1 f. geschilderten Weise.

Dieser Beitrag wurde unter Glimpses/Impulse, Hintergrund, Israel/Judaica, Kirchengeschichte abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hier ist Platz für Ihre Meinung

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s