Hintergrund 33: Die Apostelgeschichte (Teil 1)

Israel-2013-Aerial-Mount of Olives

Luftaufnahme des Ölbergs/Jerusalem * Foto: Andrew Shiva [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) oder Attribution], via Wikimedia Commons

Zum historischen Hintergrund der Apostelgeschichte

1. Die Bezeichnung “Apostelgeschichte“

Die Bezeichnung “Apostelgeschichte“ für dieses Buch des Neuen Testaments geht auf das Vorwort einer Ausgabe des Lukasevangeliums zurück, das in die Zeit von 150 – 180 n. Chr. datiert wird. In diesem gegen die Irrlehre des Marcion gerichteten Vorwort finden wir den Namen “Πράξεις Ἀποστόλων“ (“Práxeis Apostólōn“), d.h. die “Taten der Apostel“, zum ersten Mal.
Manche Ausleger halten diesen Titel für verfehlt, da das Buch im Wesentlichen den Fokus auf die Taten der Apostel Petrus und Paulus legt, von den Taten der übrigen Apostel aber kaum etwas berichtet. Aus diesem Grund sehen sie in diesem Buch auch vielmehr einen Bericht über die Ausbreitung des Evangeliums als einen ausführlichen Bericht über die Taten der Apostel. Ein weiterer Grund für diese Sichtweise besteht in der Stellung, die der Heilige Geist in diesem Buch einnimmt. Während die Hauptperson der Evangelien ganz eindeutig Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist, betont die Apostelgeschichte das Wirken der Person des Heiligen Geistes als Stellvertreter Christi auf dieser Erde.

2. Lukas – der Verfasser der Apostelgeschichte

Der Verfasser dieses Buches ist Lukas, der bekannte Arzt, Mitarbeiter und häufige Begleiter des Apostels Paulus, von dem wir auch ein Evangelium besitzen. Zwei Gründe sprechen nach Ansicht von Auslegern für seine Verfasserschaft:
Zum einen die so genannte “innere Beweiskraft“. Sie findet sich u.a. in den Berichten, die in der ersten Person Plural geschrieben wurden und deutlich machen, dass diese Passagen von einem engen Mitarbeiter des Apostels Paulus stammen (vgl. Apostelgeschichte 16, 10 – 40; Apostelgeschichte 20, 5Apostelgeschichte 21, 18; Apostelgeschichte 27, 1Apostelgeschichte 28, 16). Außerdem leitet der Verfasser der Apostelgeschichte dieses Buch mit einem interessanten Hinweis ein:

Den ersten Bericht habe ich verfasst, o Theophilus, von allem, was Jesus anfing, sowohl zu tun als auch zu lehren, bis zu dem Tag, an dem er aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er sich auserwählt hatte, durch den Heiligen Geist Befehl gegeben hatte; (…)“

(Apostelgeschichte 1, 1 – 2 ELBEDHÜ)

Diese Angabe deckt sich mit Lukas 1, 1 – 4, wo wir lesen:

“Da es ja viele unternommen haben, eine Erzählung von den Dingen zu verfassen, die unter uns völlig geglaubt werden, so wie es uns die überliefert haben, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind, hat es auch mir gut geschienen, der ich allem von Anfang an genau gefolgt bin, es dir, vortrefflichster Theophilus, der Reihe nach zu schreiben, damit du die Zuverlässigkeit der Dinge erkennst, in denen du unterrichtet worden bist.“

Das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte richten sich also beide an denselben Adressaten – einen Mann namens Theophilus. Dafür, dass auch der Verfasser beider Bücher derselbe war, spricht auch die Betonung der Auferstehung Jesu Christi und Seiner danach über 40 Tage andauernden Lehrtätigkeit unter den Aposteln (Apostelgeschichte 1, 1 f.), denn beides findet sich so auch in Lukas 24, 1 ff. – Eine Analyse von “Wortschatz, Sprachstil, theologischer Gedankenführung und der Prolog der Apostelgeschichte weisen darauf hin“, so Erich Mauerhofer, “dass der Verfasser der Apostelgeschichte identisch ist mit demjenigen des Lukasevangeliums“¹.
Neben der “inneren Beweiskraft“, die für Lukas als Verfasser der Apostelgeschichte spricht, gibt es dafür auch außerbiblische Hinweise. Insbesondere die Schriften der so genannten frühen Kirchenväter bezeugen die Verfasserschaft des Lukas, so z.B. Irenäus von Lyon (ca. 140 n. Chr. – 202 n. Chr.), Eusebius von Cäsarea (260/264 n. Chr. – 339/340 n. Chr.), Clemens von Alexandrien (ca. 150 n. Chr. – 215 n. Chr.), Tertullian (zwischen 150 n. Chr. und 220 n. Chr.) und Origines (ca. 185 n. Chr. – 254 n. Chr.)².

2.1. Lukas – Sein Leben und sein Dienst

Der Kanon Muratori beschreibt Lukas als Arzt und Begleiter des Apostels Paulus. Irenäus bezeichnet Lukas in seiner Schrift “Gegen die Häresien“ als einen “untrennbaren Begleiter“ des Apostels Paulus. Diese Aussagen stimmen mit den neutestamentarischen Berichten, in denen Lukas erwähnt wird, überein. Diese machen zugleich deutlich, dass er, was die Berichte der Apostelgeschichte betrifft, ein Augenzeuge der meisten darin erwähnten Geschehnisse war (vgl. Apostelgeschichte 16, 10 – 17; Apostelgeschichte 20, 5 – 15; Apostelgeschichte 21, 1 – 18; Apostelgeschichte 27, 1Apostelgeschichte 28, 16; Kolosser 4, 14; Philemon 24; 2. Timotheus 4, 11).
Der Evangelist war ein aus dem Heidentum stammender Gläubiger. Dies geht aus Kolosser 4, 10 – 14 hervor, wo Paulus von einigen seiner Mitarbeiter als jenen, die “aus der Beschneidung“, d.h. dem Judentum, sind, spricht. Lukas wird gemeinsam mit Epaphras und Demas nicht zu dieser Gruppe gezählt, sondern von Paulus extra erwähnt. Auch in Apostelgeschichte 1, 19 finden wir einen Hinweis darauf, dass Lukas nicht aus dem Judentum stammte. Wenn Lukas hier davon spricht, dass der Blutacker “in ihrer eigenen Sprache“ als “Akeldama“ bezeichnet wurde, dann nimmt er damit auf die aramäische Sprache Bezug und macht zugleich deutlich, dass diese Sprache nicht seine eigene Sprache war.
Lukas war ganz offensichtlich keiner der direkten Jünger Jesu, denn er leitet sein Evangelium mit dem Hinweis ein, dass er die Einzelheiten des Berichtes, den er verfasst hat, genau recherchiert (Lukas 1, 1 – 4) und dazu auch noch lebende Augenzeugen dieser Geschehnisse persönlich befragt habe.

Die Sprache, die wir im Lukasevangelium und in der Apostelgeschichte finden, zeigt, dass der Autor im griechischen Kulturbereich verwurzelt war.  Altphilologen haben auf den gehobenen Stil der Sprache und der Struktur des Lukasevangeliums verwiesen. Der Autor verfügte erkennbar über eine gehobene Bildung. Diese kommt nicht nur in seiner Sprache zum Ausdruck, sondern auch in den Kenntnissen, über die er  im medizinischen³ wie im nautischen4 Bereich verfügte. An vielen Stellen seiner beiden Bücher gebraucht er medizinische Fachausdrücke. Obwohl selbst Arzt und medizinisch sehr gebildet, unterschlägt Lukas die negative Äußerung über die Ärzte in Markus 5, 26 nicht, sondern erwähnt sie ebenfalls (siehe die Parallelstelle Lukas 8, 43). Wenn der Evangelist aus dem Alten Testament zitiert, benutzt er dazu Zitate aus der Septuaginta (LXX). Der Gebrauch der Septuaginta und verschiedener Hebräismen zeigt auch, dass Lukas das Alte Testament gut kannte.

Das Neue Testament gibt uns keinen Hinweis darauf, wann und auf welche Weise Lukas zum Glauben an den Herrn Jesus Christus fand. Seine erste (nicht namentliche) Erwähnung findet sich in Apostelgeschichte 16, 10. Hier schließt sich Lukas in die Gruppe der Begleiter des Apostels Paulus ein (“wir“). Daraus können wir schlussfolgern, dass er ab dem Zeitpunkt, an dem Paulus auf seiner zweiten Missionsreise die Stadt Troas besuchte, zu den Mitarbeitern des Apostels gehörte. Seine Beziehung zu dem Apostel hielt bis zu dessen Tod an, denn wir finden Lukas auch als Begleiter des Paulus auf dessen letztem Weg nach Rom (Apostelgeschichte 27, 1), wo er, wie wir aus 2. Timotheus 4, 11 ersehen können, treu zu ihm stand.


2.2. Die Person des “Theophilus“

Aus Lukas 1, 1 – 4 geht hervor, dass das von Lukas verfasste Evangelium als Bericht für einen bestimmten Empfänger namens “Theophilus“ geschrieben wurde. Gemäß Apostelgeschichte 1, 1 war dieser Mann auch der (erste Empfänger) des Buches der Apostelgeschichte. Wir können daher das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte als zwei aufeinander aufbauende Berichte verstehen, die dem Empfänger einen präzisen Einblick in das Leben, Wirken und die Lehre Jesu Christi, aber auch über die Ausbreitung des Evangeliums und die Entwicklung der christlichen Versammlung (= Gemeinde / Kirche) geben sollten. Dabei konnte Lukas im Gegensatz zu den Geschehnissen, die er in seinem Evangelium aufgrund von Augenzeugenberichten schildert, viele Geschehnisse, die er in der Apostelgeschichte erwähnt, aus erster Hand berichten.
Der griechische Name “Theophilus“ bedeutet “Freund Gottes“. Ob der Empfänger wirklich so hieß, ob dieser Name ihm als “Taufname“ zugelegt wurde oder ob er von Lukas als Freund Gottes bezeichnet wurde, weil er sich als ein solcher verhielt, wissen wir nicht. Es muss sich bei diesem Mann jedoch um eine Persönlichkeit von Rang und Ansehen gehandelt haben, denn Lukas bezeichnet ihn als “κράτιστος“ (“kratistos“), was mit “vortrefflich“ oder “sehr ehrenvoll“ übersetzt werden kann und nach Thayer benutzt wurde, wenn man Menschen von vornehmer Herkunft oder hohem politischen Rang ansprach5. Mit genau diesem Wort wendet sich der Apostel Paulus auch an den römischen Landpfleger Felix (Apostelgeschichte 23, 26; Apostelgeschichte 24, 3) und an dessen Nachfolger Porcius Festus (Apostelgeschichte 26, 25). Einige Kommentatoren haben aufgrund dieser beiden Stellen geschlossen, dass es sich auch bei dem in der Apostelgeschichte genannten “Theophilus“ um einen römischen Landpfleger/Statthalter gehandelt habe. Doch diese Vermutung kann nicht bestätigt werden.

Friedrich A. G. Tholuck6 hat in seinen Erörterungen zur Verfasserfrage der Apostelgeschichte aufgezeigt, dass es im römischen Reich Sklaven gab, die man in bestimmten Berufen unterwies – z. B. auch im Beruf des Arztes – und die später freigelassen wurden. Er schreibt ferner, dass seit der Zeit des Kaisers Augustus die überwiegende Anzahl der römischen Ärzte griechischer Herkunft gewesen seien. Es gibt Ausleger, die daraus folgern, dass es sich bei dem im Lukasevangelium wie auch in der Apostelgeschichte genannten “Theophilus“ u.U. um einen früheren Herrn des Lukas gehandelt haben könnte, den der nun Freigelassene und zum Glauben an Jesus Christus gekommene, “geliebte Arzt“ (Kolosser 4, 14) mit dem Evangelium der Herrlichkeit und Gnade Gottes bekannt machen wollte.

3. Zur Abfassungszeit der Apostelgeschichte

Was die Abfassungszeit der Apostelgeschichte betrifft, so datieren konservative Ausleger diese in die frühen 60er Jahre (62/63 n. Chr.) des ersten christlichen Jahrhunderts. Für diese Entstehungszeit spricht, dass Lukas wichtige Ereignisse (so z.B. der Band von Rom und die anschließend einsetzende Christenverfolgung durch Nero im Jahr 64 n. Chr., die Hinrichtung des Paulus um 67/68 n. Chr. und die Zerstörung des Tempels in Jerusalem im Jahr 70 n. Chr.) nicht erwähnt. Dementsprechend erstrecken sich die Berichte in der Apostelgeschichte über einen Zeitraum von ungefähr 30 Jahren, beginnend mit der Himmelfahrt des Herrn ca. 33. n. Chr. (Apostelgeschichte 1, 1 f.) bis zu dem zwei Jahre andauernden Hausarrest des Apostels Paulus in Rom im Jahr 62 n. Chr. (Apostelgeschichte 28, 30 – 31). Während sich die Entstehungszeit der Apostelgeschichte also klar eingrenzen lässt, ist der Ort der Abfassung dieses neutestamentarischen Buches nicht bekannt. Es ist möglich, dass Lukas die einzelnen Berichte über Jahre gesammelt und schließlich während der Zeit des Hausarrestes des Apostels in Rom niedergeschrieben hat7.

4. Zielgruppe der Apostelgeschichte

Wie wir aus den ersten Versen dieses Buches erfahren (Apostelgeschichte 1, 1 – 4), schrieb Lukas seinen Bericht um “Theophilus“ gründliche über jene Dinge zu unterrichten, die der auferstandene und zum Himmel gefahrene Herr Jesus Christus durch Seine Gläubigen wirkte. In diesem Sinn ist die Apostelgeschichte also ein historisches Dokument, dass “Theophilus“ und allen nachfolgenden Generationen von Christen einen Einblick in die ersten 30 Jahre der christlichen Gemeinschaft gibt. Die primäre Zielgruppe sind also Christen, die durch diese Schrift informiert und ermutigt werden sollten.
Darüber hinaus können wir bei einer genaueren Betrachtung des Buches feststellen, dass es Lukas außerdem darum geht ein Signal an seine jüdische und römische Umwelt auszusenden. In diesem Sinn hat die Apostelgeschichte neben ihrem historischen auch einen apologetischen Charakter. Jüdische Leser sollten bei der Lektüre die enge Beziehung zwischen Judentum und Christentum erkennen. Das wird insbesondere daran deutlich, dass in der Apostelgeschichte die Autorität und Inspiration des Alten Testaments bestätigt wird (vgl. z.B. Apostelgeschichte 1, 8 f. mit Jesaja 49, 1 – 6; Apostelgeschichte 2, 25 – 36 mit Psalm 16, 8 – 11 und Psalm 110, 1; Apostelgeschichte 8, 32 – 35 mit Jesaja 53, 7 – 8; Apostelgeschichte 13, 23 mit Jesaja 11, 1; Apostelgeschichte 13, 33 mit Psalm 2, 7Apostelgeschichte 13, 47 mit Jesaja 49, 6Apostelgeschichte 28, 17 – 28 mit Jesaja 6, 9 – 10, um nur einige der zahlreichen Stellen zu nennen). Auch einige der ausführlichen Ansprachen des Apostels Paulus, die Lukas wiedergibt, sollen diese enge Beziehung verdeutlichen (vgl. z.B. Apostelgeschichte 13, 33; Apostelgeschichte 13, 16 f.Apostelgeschichte 28, 23 f.). Seinen römischen Lesern versucht Lukas zu vermitteln, dass die christliche Gemeinschaft keine Gefahr für den Staat bzw. die Gesellschaft darstellt, auch wenn dies von Gegnern des christlichen Glaubens immer wieder behauptet wird. Zu diesem Zweck berichtet Lukas von zahlreichen längeren Ansprachen des Apostels Paulus vor griechischsprachigen Zuhörern (Apostelgeschichte 14, 15 f.; Apostelgeschichte 24, 10 f.; Apostelgeschichte 27, 21 f.).

5. Fokus der Apostelgeschichte

Wie ich bereits ausgeführt habe, halten manche Ausleger den Titel “Apostelgeschichte“ für verfehlt, da das Buch im Wesentlichen den Fokus auf die Taten der Apostel Petrus und Paulus legt, von den Taten der übrigen Apostel aber kaum etwas berichtet. Aus diesem Grund sehen solche Ausleger in diesem Buch auch vielmehr einen Bericht über die Ausbreitung des Evangeliums durch die Wirksamkeit des Heiligen Geistes, der dritten Person der Gottheit. Das wird insbesondere an Apostelgeschichte 1, 8 deutlich. Dort verheißt der auferstandene Herr Jesus Christus:

“Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde.“

Diese Verheißung, die die Kernaussage der Apostelgeschichte ist, nahm den Anfang ihrer Erfüllung am Tag der Pfingsten in Jerusalem – alle Gläubigen und auch alle an diesem Tag zum Glauben an Jesus Christus Gekommenen, empfingen den Heiligen Geist und damit die Kraft, Zeugen für den Herrn Jesus Christus zu sein (Apostelgeschichte 2, 1 ff.).
In der Folge sehen wir, wie sich diese Verheißung genau nach den Worten des Herrn erfüllt: Nach der ersten vollmächtigen Verkündigung des Evangeliums in Jerusalem (Apostelgeschichte 2, 14 – 41; ca. 3.000 Gläubige, deren Zahl in Apostelgeschichte 4, 4 auf 5.000 – Männer – angewachsen ist und in Apostelgeschichte 6, 2, so groß geworden ist, dass sie nur noch als “die Menge“ bezeichnet werden kann), kommt die Botschaft des Evangeliums nach der Steinigung des Stephanus (Apostelgeschichte 6, 8 ff.) und der sich daran anschließenden Verfolgung der Gläubigen auch nach Judäa und Samaria:

“(…) Es entstand aber an jenem Tag eine große Verfolgung gegen die Versammlung, die in Jerusalem war; und alle wurden in die Landschaften von Judäa und Samaria zerstreut, ausgenommen die Apostel.“

(Apostelgeschichte 8, 1 ELBEDHÜ; z. Vgl.LUTH’84)

Und ab Apostelgeschichte 10, 1 f., beginnt – mit der Stadt Cäsarea Maritima als erster Station -, die Verkündigung des Evangeliums gegenüber allen Nationen der Erde. In diesem Zusammenhang muss festgehalten werden, dass die Apostelgeschichte keinen “Schluss“ im Sinne einer abgeschlossenen Dokumentation hat. Denn die Verbreitung des Evangeliums Jesu Christi, von deren Beginn die Apostelgeschichte uns berichtet, setzt sich bis heute fort.

Die Apostelgeschichte vermittelt uns auf diesem Hintergrund vier entscheidende Lehren:

  1. Die prophetische Verheißung des Herrn Jesus Christus aus Apostelgeschichte 1, 8 hat sich erfüllt, sie erfüllt sich bis zum heutigen Tag (“open end“) und bestätigt damit die Wahrhaftigkeit und Zuverlässigkeit des Wortes Gottes.
  2. Gottes Plan und Wirken entfalten sich inmitten der menschlichen Geschichte (Historizität), die eine Geschichte von Völkern/Nationen (1. Mose 10, 1 ff.; Matthäus 28, 16 – 20) ist.
  3. Ausgehend von Jerusalem entfalten sich Gottes Plan und Wirken geografisch bis an “die Enden der Erde“8.
  4. Während das Lukasevangelium deutlich macht, dass die Person bzw. die Botschaft Jesu Christi alle Unterschiede gesellschaftlicher und religiöser Herkunft überwindet, zeigt die Apostelgeschichte, dass auch die Grenzen ethnischer und nationaler Herkunft durch den Sohn Gottes bzw. Sein Evangelium überwunden werden. Das Evangelium des Lukas und die von ihm verfasste Apostelgeschichte zeigen auf diese Weise “die vertikale und horizontale Universalität des Evangeliums“9 und unterstreichen damit den Anspruch Jesu Christi, der Erlöser der ganzen Welt zu sein (Johannes 3, 16; Galater 3, 28).

Fußnoten:

¹= So Prof. Dr. Erich Mauerhofer: “Einleitung in die Schriften des Neuen Testaments“, Gesamtausgabe, 3. Auflage 2004, Verlag für Theologie und Religionswissenschaft Nürnberg & reformatorischer Verlag Beese, Hamburg, Seite 256.

²= Zur altkirchlichen Überlieferung siehe Prof. Dr. Erich Mauerhofer: “Einleitung in die Schriften des Neuen Testaments“, Gesamtausgabe, 3. Auflage 2004, Verlag für Theologie und Religionswissenschaft Nürnberg & Reformatorischer Verlag Beese, Hamburg, Seite 254 f.

³= Siehe hierzu W.K. Hobart: „The Medical Language of St. Luke“, Dublin: Hodges, Figgis & Co., London: Longmans, Green & Co., 1882. Der Autor W. K. Hobart führt über 300 Stellen an, in denen Lukas medizinische Begriffe benutzt, die auch von Hyppocrates und anderen medizinischen Autoren der Antike benutzt wurden.

4= Siehe hierzu  James Smith: „The Voyage and Shipwreck of St. Paul“, 4th ed., London: Longmans, Green & Co., 1880 für eine sehr ausführliche Darstellung.  – Siehe weiter: A.T. Robertson, A.M., D.D., LL. D., Litt.D., „Word Pictures in the New Testament“, Vol. 3, Renewal 1960 Broadman Press. Seite. 456, wo der Autor ausführt, dass Lukas neun Wortverbindungen mit “pleo“, dt. “segeln“, benutzt.

5= Siehe Thayer, Joseph Henry: ‘Thayer’s Greek-English Lexicon of the New Testament”, New York: Harper & Brothers, 1889, Seite 1188, Anmerkung zu ”kratistos”.

6= Friedrich A. G. Tholuck: “Die Glaubwürdigkeit der evangelischen Geschichte, zugleich eine Kritik des Lebens Jesu von Strauß, für theologische und nicht theologische Leser dargestellt“, Verlag Friedrich Perthes, Hamburg 1837, Seite 148 ff.

7=Zur Erwähnung bei den genannten Kirchenvätern und zur Datierung siehe Prof. Dr. Erich Mauerhofer, a.a.O., Seite 254 – 255 und Seite 272 – 273

8= Einige haben aus dem Gebrauch des griechischen Begriffs “ἔσχατος“ (“eschatos“) in Apostelgeschichte 1, 8 (“καὶ ἕως ἐσχάτου τῆς γῆς“) gefolgert, dass hier das “Ende der Welt“, also ein zeitlicher Schlusspunkt angekündigt wird. Das ist jedoch nicht richtig, da der ganze Vers eine Aussage mit eindeutig geographischer Richtung tätigt und “γῆ“ (“ge“) in Apostelgeschichte 1, 8 eindeutig die (ganze) Erde/den Erdboden meint, wohingegen  in Matthäus 28, 20 (“ἕως τῆς συντελείας τοῦ αἰῶνος“) mit “αἰών“ (“aion“) das “Ende der Welt“ als zeitliches Ende markiert.  Vgl. Thayer, Joseph Henry: ‘Thayer’s Greek-English Lexicon of the New Testament”, New York: Harper & Brothers, 1889, Seite 253 – 254, Anmerkungen zu “ἔσχατος“ (“eschatos“). Hinzu kommt, dass Apostelgeschichte 1, 8 den – von Israel nicht erfüllten – Auftrag Gottes aus Jesaja 49, 1 – 6 aufgreift, in dem es ebenfalls eindeutig darum ging, die Kenntnis von Gott und Seinem Willen bis an “die Enden der Erde“ (vgl. LUTH’84) zu tragen, siehe dazu: Stephen S. Liggins: “Many Convincing Proofs: Persuasive phenomena associated with gospel proclamation in Acts“, Verlag Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2016, Seite 236.

9= vgl. Dr. Ben Witherington III, “The Acts of the Apostles – A Socio-Rhetorical Commentary“, William B. Erdmanns Company, Grand Rapids/Michigan; Paternoster Press, Carlisle;  1998, Seite 69 f.

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