Hintergrund 34: Das Buch Rut(h)

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Die Königreiche, die Israel und Juda umgaben * Quelle: von Kingdoms_of_Israel_and_Judah_map_830.svg: *Oldtidens_Israel_&_Judea.svg: FinnWikiNo derivative work: Richardprins (Diskussion) derivative work: Richardprins (Diskussion) (Kingdoms_of_Israel_and_Judah_map_830.svg) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) oder GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)%5D, via Wikimedia Commons

Zum Hintergrund des Buches Rut(h)

Der Name “Rut(h)“ stammt ursprünglich aus der moabitischen, nicht aus der hebräischen Sprache. Verschiedene Bedeutungen sind vorgeschlagen worden: “Trost“, “Freundschaft“, aber auch “Erfrischung“. Die etymologische Ableitung ist jedoch unsicher.
Ebenso schwierig ist eine genaue Datierung dieses alttestamentarischen Buches. Im Babylonischen Talmud findet sich ein Hinweis, dass der Prophet Samuel die Geschichte Ruts aufgezeichnet haben soll (Traktat Baba Bathra 14b). Konservative Ausleger datieren das Buch um das Jahr 1000 v. Chr., da sich in Kapitel 4, 17 f. eine  Genealogie findet, die bis zu König David reicht. Auf eine Entstehung zwischen 950 v. Chr. bis 750 v. Chr. weisen nach Ansicht von Kommentatoren auch Sprachstil und Wortwahl in diesem Buch hin (vgl. Rut 1, 15; Rut 1, 20 – 21; Rut 1, 1 – 2; 6 + 22)¹.
Ursprünglich fand sich das Buch im Alten Testament als Anhang zum Buch Josua. Später, als das Buch während des Wochenfestes (Schawuot/Pfingsten) im Tempelgottesdienst gelesen wurde, übernahm man es in den dritten Teil des hebräischen Tanach. Dieser Teil umfasst die Bücher Rut, Hoheslied, Prediger, Klagelieder und Esther. Sie wurden während des Gottesdienstes an den fünf wichtigsten jüdischen Festen (Schawuot, Pessach, Sukkot, Tischa beAv und Purim) gelesen. Aus diesem Grund bezeichnet man diese Schriftrollen auch als  “Megillot“ (Festrollen).
Der Bezug zum Wochenfest (Schawuot) ist sehr plausibel. Während dieses Festes wurden die Erstlingsfrüchte der Getreideernte dargebracht und während der Getreideernte ereigneten sich auch die wichtigsten Geschehnisse, von denen uns das Buch Rut berichtet (vgl. Rut 1, 22; Ruth 2, 23). Da in der rabbinischen Tradition das Wochenfest auch mit der Verkündung des Gesetzes am Sinai in Verbindung gebracht wird, gilt Rut als ein besonders positives Beispiel für einen Menschen, der –  aus den heidnischen Nationen kommend –  das Gesetz Gottes annimmt und sich auf diese Weise zu dem wahren und lebendigen Gott bekehrt. Symbolisch betrachtet, stellt Rut so eine “Erstlingsgarbe“ für Gott dar. In ähnlicher Weise wurde Schawuot / Pfingsten auch im Neuen Testament verstanden, da zu diesem Zeitpunkt durch die Sendung des Heiligen Geistes die erste Versammlung (= Gemeinde/Kirche) entstand (Apostelgeschichte 2, 1 – 47), die  ebenfalls als eine “Erstlingsgabe“ an Gott betrachtet werden kann.

Inhalt und Aufteilung des Buches Rut(h)

Als Christen betonen wir im Zusammenhang mit diesem Buch immer schnell und gern, wie gut es doch Gottes erlösendes Wirken darstellt. Das ist wahr, denn zu Recht können wir in der Person des Lösers Boas einen Typus auf den Erlöser Jesus Christus sehen. Aber häufig wird bei dieser Betonung die eigentliche Botschaft dieses Buches übersehen.
Das Buch Rut möchte uns primär zeigen, wie fürsorglich Gott im Leben des Gläubigen alle Dinge führt und leitet. In den 89 Versen dieses Buches (andere Zählungen kommen auf 85 Verse) wird Gott nur in 23 Versen erwähnt. Von diesen 23 Versen sind Rut 1,6 und Rut 4, 14 Kommentare des Autors. Die restlichen Vorkommen finden wir in den Reden, der im Buch auftretenden Personen. In dieser Weise ähnelt das Buch Rut dem Buch Esther. Im Buch Esther wird Gott nicht ein einziges Mal erwähnt, und dennoch zeigt uns dieses Buch Sein liebevolles und fürsorgliches Handeln für die an Ihn Glaubenden auf sehr eindrückliche Weise.
Ein zweiter Schwerpunkt dieses Buches liegt auf dem Bezug zu König David. Durch die in diesem Buch aufgezeichnete Genealogie wird seine Abstammung über Boas und Rut bis auf Perez bezeugt und damit seine Herkunft aus dem Stamm Juda belegt. Dabei ist zu beachten, dass diese Genealogie nur die wichtigsten Personen aus seiner Ahnenreihe erwähnt und andere, nicht so wichtig erscheinende Personen aber unerwähnt lässt.

Einteilung und Themenübersicht des Buches Rut(h)

Wir können das vier Kapitel umfassende Buch in drei große Abschnitte einteilen:

Abschnitt I (Rut 1, 1 – 22) beschreibt den Auszug der Familie Naomis in das Land der Moabiter. Dort sterben ihr Ehemann und ihre Söhne (Rut 1, 1 – 5). Als Witwe ist Naomi nicht in der Lage, für die Zukunft ihrer beiden Schwiegertöchter Rut und Orpa zu sorgen (Rut 1, 6 – 14).  Naomi wird dann von ihren Schwiegertöchtern auf ihrem Rückweg nach Israel begleitet. Hier kommt es zur Trennung von Orpa, die in ihre Heimat zurückkehrt. Rut hingegen bekennt sich nicht nur zu Naomi, sondern auch zum Glauben an den Gott Israels (Rut 1, 15 – 18). Im letzten Teil dieses Abschnitts wird uns der schwache Glaube Naomis gezeigt (Rut 1, 19 – 21) und die Jahreszeit genannt, in der Naomi und Rut nach Israel zurückkehrten.

Im zweiten Abschnitt (Rut 2, 1 – 3, 18) wird berichtet, wie Naomi und Rut mit ihrer neuen Lebenssituation in Israel umgehen (Kapitel 2). Dabei wird in Rut 2, 1 – 7 die Fürsorge Gottes beschrieben, die die beiden Frauen bei ihrer Suche nach einem neuen Ehemann für Rut (der gleichzeitig auch ein Versorger für die Witwe Naomi sein würde) leitet. So wird Rut eine Magd von Boas (Rut 2, 8 – 13), der ihr Arbeit gibt und dabei besondere Privilegien einräumt (Rut 2, 14 – 16). Im Anschluss daran wird der Segen aufgezeigt, der für Rut und Naomi aus dieser Beziehung entsteht (Rut 2, 17 – 23).  Es folgt der Bericht darüber, wie Naomi einen Plan entwirft, Rut durch die Beziehung zu Boas eine dauerhafte Versorgung zu schaffen (Rut 3, 1 – 5). Sie ermutigt Rut in der richtigen Weise den Kontakt zu Boas zu intensivieren, worauf Boas in positiver Weise reagiert (Rut 3, 6 – 18).

Abschnitt III (Rut 4) berichtet uns davon, dass der nächste Verwandte von Rut  diese nicht “lösen“ konnte (Rut 4, 1 – 6) und dadurch Boas die Gelegenheit erhält, Rut zu heiraten (Rut 4, 7 – 12). Gott segnet das Ehepaar mit einem Sohn (Rut 4, 13 – 17). Das Buch schließt mit den genealogischen Hinweisen auf König David (Rut 4, 18 – 22)

Fußnoten:

¹= vgl. Roland Kenneth Harrison: Introduction to the Old Testament, William B Eerdmans Publishing Co, Grand Rapids 1969, S. 106

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Eine Antwort zu Hintergrund 34: Das Buch Rut(h)

  1. Sabine Wittmann schreibt:

    Ich weiss, wer Boas ist, trotzdem dreht sich die Zeitspirale gigantisch schnell. Gott hat mir einen Auftrag erteilt, dem ich Folgen werde. DANKE VON Herzen. Ich habe Euch sehr sehr lange Zeit immens vermisst. LG Sabine

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