Gottes zukünftiges und gegenwärtiges Heil


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Modell des Jerusalemer Tempels / Foto: Juan R. Cuadra/Wikipedia

Modell des Jerusalemer Tempels / Foto: Juan R. Cuadra/Wikipedia

Zum Hintergrund

Der Name „Sacharja“ bedeutet „Jahwe gedenkt“. Das war auch das Hauptthema seiner prophetischen Verkündigung, die uns in seinem Buch überliefert worden ist: Trotz aller Sünde und Untreue bleibt Gott Seinem irdischen Volk in Liebe und Gnade verbunden und wird sich seiner erbarmen, es wiederherstellen und sogar mit einer herausragenden Stellung in Seinem Reich auf Erden betrauen.  Wie das Buch des Propheten Micha, den wir vor einigen Wochen betrachtet haben, gehört Sacharja zu den so genannten “kleinen Propheten“, d.h. zu den zwölf Propheten (Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zephania, Haggai, Sacharja und Maleachi), deren Bücher auf die der “großen Propheten“ (Jesaja, Jeremia, Hesekiel und Daniel) folgen.
Sacharja wirkte in der Zeit nach dem babylonischen Exil des jüdischen Volkes. Nach der Wegführung der 10 Stämme des Nordreiches Israel nach Assyrien (722/721 v. Chr.), kam es zu drei zeitlich unterschiedlichen Wegführungen der Bewohner des Südreiches nach Babylon (1. Wegführung 605 v. Chr., 2. Wegführung 597 n. Chr. und 3. Wegführung 586 v. Chr. nach der Zerstörung Jerusalems). Nachdem die Herrschaft der Babylonier von den Medo-Persern abgelöst wurde, erließ der medo-persische König Cyrus II ein 538/537 v. Chr. ein Edikt, dass den Juden die Rückkehr in ihr Land und den Wiederaufbau des Tempels gestattete (Esra 1, 1). Noch 538/537 n. Chr. kehrten die ersten Juden  unter dem Statthalter Serubbabel und dem Priester Josua nach Jerusalem zurück (Esra 1, 2), 536 v. Chr. wurde mit dem Wiederaufbau des Tempels begonnen (Esra 3, 1 ff.). Nach einiger Zeit stagnierten die Wiederaufbauarbeiten jedoch. Ab 520 v. Chr. trat daraufhin zuerst der Prophet  Haggai und zwei Monate später auch der Prophet Sacharja auf (Sacharja 1, 1; 1, 7; vgl.  Nehemia 12, 10 – 16; Haggai 1, 1). Haggai tadelt die Juden, weil ihr Interesse am Wiederaufbau des Tempels erlahmte. Gründe dafür waren ihre Angst vor ihren Feinden (Esra 4, 24), aber auch Selbstsucht und Gleichgültigkeit gegenüber den Plänen Gottes (Haggai 1, 4 + 9). Im Auftrag Gottes ermahnt und ermutigt Haggai das Volk in vier prophetischen Botschaften, mit dem Werk fortzufahren (Haggai 1  – 2).  Die Botschaft Gottes, die der Prophet Sacharja dem Volk übermittelt, ergänzt die Ermahnungen und Ermutigungen Haggais. Sacharja stellt das Wirken Gottes in einen historischen Kontext und zeigt auf, wie Gott das Volk in der Vergangenheit bewahrt hat. Dann gibt er einen Ausblick in die Zukunft des jüdischen Volkes. Das Kommen des Messias, dessen Verwerfung durch das Volk, Gottes Gericht, die Umkehr der Juden zu Gott und Seinem Messias werden von ihm ebenso angekündigt, wie die Aufrichtung des Friedensreiches durch den Messias und die Stellung des Volkes in demselben. Dabei geht der prophetische Ausblick Sacharjas teilweise weit über das hinaus, was andere Propheten bis dahin angekündigt haben (vgl. z. B. Sacharja 12, 1 – 3 + 9; 14, 1 – 5 + 16 – 21).

Ein kurzer Überblick

Wir können das Buch des Propheten Sacharja grob in fünf große Blöcke einteilen¹:

Sacharja  1, 1 – 6 stellt die Einleitung des Buches dar und enthält den ersten Aufruf zur Buße.

Die Kapitel 1, 7 bis Kapitel 6, 8 enthalten acht Visionen (von vielen Auslegern auch als “Nachtgesichte“ bezeichnet) und vier prophetische Botschaften. Die erste Vision beschreibt die vier Reiter im Myrtengrund (Sacharja 1, 7 – 17). Diese symbolisieren den Engel des Herrn und die drei letzten der vier großen Weltreiche (Persien, Griechenland und Rom). Dabei betont der Prophet die Bewahrung und Wiederherstellung des Volkes. In Sacharja 2, 1 – 4 folgt die Vision von den vier Hörnern (die die vier Weltreiche Babylon, Medo-Persien, Griechenland und Rom symbolisieren) und den vier Schmieden (welche symbolisch das Handeln Gottes an Juda durch das medopersische, das griechische, das römische und schlussendlich das göttliche Reich, darstellen). Gott schenkt seinem Volk die Zusage, dass es am Ende im Konflikt mit den Völkern bewahrt bleiben wird. In der dritten Vision, die sich in Sacharja 2, 5 – 17 findet, wird dem Propheten ein Mann mit einer Mess-Schnur gezeigt. Gott hat seinen Maßstab an das Volk angelegt und ruft es zur Buße, die die Voraussetzung für seine zukünftige Wiederherstellung sein wird. Sacharja 3, 1 – 10 enthält die vierte Vision, die den Hohenpriester Josua zum Inhalt hat.  Damit wird die Wiederherstellung des priesterlichen Dienstes in Israel  angekündigt. In der fünften Vision sieht der Prophet einen Leuchter (als Symbol für das Volk) und zwei Olivenbäume (als Bild für den Geist Gottes). Es ist die Vorausschau auf das Stellung, die das Volk unter der priesterlichen Königsherrschaft des Messias einnehmen wird (Sacharja 4, 1 – 14). Die sechste Vision zeigt eine fliegende Schriftrolle und kündigt das Gericht über die moralischen Verfehlungen des Volkes an (Sacharja  5, 1 – 4), gefolgt von der  siebten Vision, in der der Prophet eine Frau in einer Tonne (a. Ü. in einem Korb bzw. einem Epha) sieht (Sacharja 5, 5 – 11). Diese Vision verheißt Gottes Gericht  über die Gottlosigkeit. In Sacharja 6, 1 – 8 findet sich dann die achte und letzte Vision. In ihr erblickt der Prophet vier Wagen zwischen zwei Bergen, womit noch einmal das Gottes Gerichtshandeln an den vier Weltreichen Bezug genommen wird.

Eine besondere Stellung nimmt der Abschnitt Sacharja 6, 9 – 15 ein. Darin geht es um die Aufforderung Gottes, den Hohenpriester Josua zu krönen. Mit dieser Krönung wird nicht nur der buchstäbliche Einsetzungsakt des neuen Hohenpriesters in Jerusalem beschrieben, sondern auch ein Ausblick auf die messianische Königsherrschaft gegeben, die die Herrschaft der Weltreiche ablösen wird. Diese Reihenfolge finden wir in allen prophetischen Büchern: nach den Gerichten des “Tages des Herrn“ über Israel, die es umgebenden Nationen und die ganze Erde, folgt die Aufrichtung des Reiches Gottes, des 1000jährigen Friedensreiches, mit allen seinen Segnungen (vgl. Psalm 2, 5 – 6; Jesaja 3, 24 – 26: 4, 2 – 6; 10, 33 – 34; Jesaja 11, 1 – 10; Offenbarung 19, 19 – 21; 20, 4 – 6).

Die Kapitel 78 stellen den vierten Abschnitt dieses prophetischen Buches dar.  In Kapitel 7, 1 – 3 wird  uns berichtet, wie eine Delegation aus der Stadt Bethel den Propheten bzgl. des Fastens befragt. Gott weist die Fragenden durch ihn zu recht: Weder genügt Ihm ein rein äußerliches Fasten, bei dem das Herz fern vom Herrn ist, noch hat das Volk aus der Vergangenheit gelernt. Im Gegensatz dazu steht der Eifer, mit dem Gott die Wiederherstellung Judas und Jerusalems verfolgt und mit dem Er sein Volk segnen will, der in Kapitel 8, 1 – 17 thematisiert wird.  Das Kapitel schließt mit Gottes Verheißung, dass eine Zeit des Segens für Juda und die Völker kommen wird, in der Festzeiten die Fastenzeiten ablösen werden (Sacharja 8, 18 – 23).

Den fünften und letzten Abschnitt des Buches bilden die Kapitel 914. Kapitel 9 kündigt den Sieg über die Juda feindlich gegenüberstehenden Nationen, das Kommen des Messias und den Sieg Seines Reiches an. Die Wiederherstellung Israels ist Thema des 10. Kapitels. In Kapitel 11 wird noch einmal die Verwerfung des Messias (des „wahren Hirten“) und die Annahme des Antichrists (des „falschen Hirten“) aufgegriffen. Die Buße Judas zu Gott ist Inhalt des 12., die Wiederherstellung Judas Inhalt des 13. Kapitels.  Das Buch schließt in Kapitel 14 mit dem Ausblick auf den endgültigen Sieges und die Herrschaft des Messias ab.

Das zukünftige Heil der Völker

Unser heutiges Textwort ist dem 8. Kapitel des Buches Sacharja entnommen. Dieses Kapitel enthält die göttlichen Verheißungen des Segens für Juda und die Völker:

„Und das Wort des HERRN der Heerscharen erging an mich, indem er sprach: So spricht der HERR der Heerscharen: Das Fasten des vierten und das Fasten des fünften und das Fasten des siebten und das Fasten des zehnten Monats wird dem Haus Juda zur Wonne und zur Freude und zu fröhlichen Festzeiten werden. Doch liebt die Wahrheit und den Frieden. So spricht der HERR der Heerscharen: Noch wird es geschehen, dass Völker und Bewohner vieler Städte kommen werden; und die Bewohner der einen werden zur anderen gehen und sagen: ‚Lasst uns doch hingehen, um den HERRN anzuflehen und den HERRN der Heerscharen zu suchen!‘ – ‚Auch ich will gehen!‘  Und viele Völker und mächtige Nationen werden kommen, um den HERRN der Heerscharen in Jerusalem zu suchen und den HERRN anzuflehen. So spricht der HERR der Heerscharen: In jenen Tagen, da werden zehn Männer aus allerlei Sprachen der Nationen ergreifen, ja, ergreifen werden sie den Rockzipfel eines jüdischen Mannes und sagen: Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist.“

(Sacharja 8, 18 – 23)

In den Versen 18 – 19 gibt verkündet Sacharja die hoffnungsvolle Botschaft: Es wird eine Zeit kommen, wo Gott das mit Trauer verbundene Fasten seines Volkes in der Verbannung durch Freudenfeste ersetzen wird. Nach Keil² hatten die Juden während des babylonischen Exils im fünften und siebten Monat gefastet (Sacharja 7, 3 + 5). Zusätzlich hatten sie im vierten Monat des Zerbruchs der Mauern (2. Könige 25, 3 – 4; Jeremia 39, 2) und im zehnten Monat dem Beginn der Belagerung Jerusalems (2. Könige 25, 1; Hesekiel 24, 2) mit Fasten gedacht. In orthodoxen jüdischen Kreisen werden diese Fasttage auch heute noch eingehalten. (Nach der zweiten Wiederherstellung des Tempels scheint die Beachtung dieser Fastentage zurückgegangen zu sein. Nach der Zerstörung des Tempels 70 n. Chr. durch die Römer lebte diese Tradition jedoch wieder auf.) Angesichts der Fülle von Segnungen, die Gott seinem Volk im Millennium zuteil werden lassen wird (und der daraus resultierenden Freude!) wird die Trauer der Vergangenheit ganz in Vergessenheit geraten. Sacharja macht den Bewohnern Judas deutlich, dass es sich bei diesen Verheißungen nicht um fromme Wunschvorstellungen, sondern um sichere Zusagen Gottes handelt. Wer immer dieser Verheißung glaubte, ein wahrhaftiges und friedfertiges Leben führen (vgl. 3. Mose 19, 18 + 34; 5. Mose 6, 5; Psalm 31, 23; Amos 5, 15).
In den weiteren Versen verheißt Gott, dass Menschen aus den Städten der Welt nach Jerusalem hinaufziehen werden, um Gott anzubeten (Sacharja 7, 2), ja man wird ganze Wallfahrten aus diesem Grund planen. Diese Menschen werden Gott nicht aus Tradition oder gesetzlicher Verpflichtung, sondern aus ehrlichem Herzen suchen (Sacharja 2, 11; Jesaja 2, 1 – 5; Micha 4, 1 – 5). Nicht mehr die Städte der Welt – Rio, New York, Tokio – werden für die Welt von Bedeutung sein, sondern Jerusalem, die Stadt Gottes. Von Jerusalem in Juda wird der Segen Gottes für alle Nationen der Erde ausgehen und so wird die Verheißung Gottes an Abraham (1. Mose 12, 3) vollkommen erfüllt. Seit der Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. und der damit verbundenen Zerstreuung der Juden unter alle Völker, ergriff man Juden i.d.R., um ihnen Gewalt an zu tun, sie zu foltern oder gar zu töten. Wenn Gott die Sacharja gegebenen Verheißungen erfüllen wird, dann werden Menschen aus den Nationen den Rockzipfel eines jüdischen Mannes ergreifen und diesen darum bitten, ihn begleiten zu dürfen, weil sie erkannt haben dass Gott mit diesem Volk ist. Das irdische Volk Gottes wird dann seiner Berufung entsprechend leben und ein Licht bzw. Zeuge  für die Völker zu sein (Jesaja 49, 6; 43, 10 – 12; 44, 8; 45, 14 – 15). 

Gottes Heil schon heute

Als Christen dürfen uns an dieser Verheißung Gottes für sein irdisches Volk freuen. Aber wir müssen nicht auf diese zukünftige Heilszeit warten. In Johannes 4, 22 sagt der Herr Jesus Christus:

“Ihr wisst nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber, was wir anbeten; denn das Heil kommt aus den Juden.“

Der Sohn Gottes kam auf die Erde und wurde Mensch, um das von Gott verheißene Erlösungswerk zu vollbringen. Er wurde nicht in einem der Weltreiche geboren, sondern in Bethlehem, im Land Juda (Micha 5, 2), also als Jude. Johannes 4, 22 wurde im Tod und in der Auferstehung Jesu erfüllt: Auf diese Weise kam und kommt das Heil aus dem Volk der Juden. Wer immer sich  heute im Glauben an Jesus Christus wendet (quasi den Zipfel des Gewandes dieses “jüdischen Mannes“ ergreift), der wird durch Ihn zu Gott geführt (1. Petrus 3, 18; Johannes 14, 6 – 7) und darf heute schon die Segnungen Gottes erfahren (Johannes 10, 10; Epheser 1, 3). Ein solcher Mensch wird sich nicht mit seinem eigenen Heil, seiner eigenen Freude, begnügen. Er wird – wie Philippus (Johannes 1, 43 – 47) – andere Menschen zum Glauben an den Erlöser einladen (“Lasst uns doch hingehen ….“) und so seiner Berufung, ein Licht für die Welt zu sein (Matthäus 5, 14), entsprechend leben.

Fußnoten:

¹= Die Kapitel- bzw. Verszählung folgt hier der Lutherübersetzung 1984 und kann von anderen Übersetzungen, insbesondere englischsprachigen, abweichen.

²= Carl Friedrich Keil: „Biblischer Commentar über die zwölf kleinen Propheten“, Dritte nachgebesserte Auflage, Dörfling und Franke, Leipzig 1888, Seite 591 – 594.

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