Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes – Anmerkungen zu 2. Korinther 1, 1 – 7

Mosaikbild des Vaters mit dem verlorenen Sohn ' Immanuelkirche Kopenhagen, oberhalb des südwestlichen Eingangs * Foto: Ib Rasmussen, via Wikimedia Commons

Mosaikbild: „Der Vater empfängt  den verlorenen Sohn“ –  Immanuelkirche Kopenhagen, oberhalb des südwestlichen Eingangs * Foto: Ib Rasmussen, via Wikimedia Commons

Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes –
Anmerkungen zu 2. Korinther 1, 1 – 7

Die Bibelverse, die der Wortverkündigung am kommenden Mittwoch zugrunde liegen sollen, sind dem 2. Korintherbrief (zum Hintergrund des 2. Korintherbriefes siehe: Klick!) entnommen:

„Paulus, Apostel Christi Jesu durch Gottes Willen, und Timotheus, der Bruder, der Versammlung Gottes, die in Korinth ist, samt allen Heiligen, die in ganz Achaja sind:
Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn  Jesus Christus!
Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes,
der uns tröstet in all unserer Bedrängnis, damit wir die trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden;
denn so wie die Leiden des Christus uns gegenüber überreichlich sind, so ist auch durch den Christus unser Trost überreichlich.
Sei es aber, dass wir bedrängt werden, so ist es eures Trostes und Heils wegen; sei es, dass wir getröstet werden, so ist es eures Trostes wegen, der im Ausharren in denselben Leiden wirksam ist, die auch wir erleiden.
Und unsere Hoffnung für euch ist fest, da wir wissen, dass, wie ihr der Leiden teilhaftig seid, so auch des Trostes.

(2. Korinther 1, 1 – 7 ÜELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

 

Zur Situation der Christen in Korinth

Um den gelesenen Text besser verstehen zu können, rufen wir uns die Situation der Christen in Korinth, an die der Apostel Paulus diese Zeilen schrieb, ins Gedächtnis. Die Geschichte der Christen in Korinth ist auch eine Geschichte von Problemen unterschiedlichster Art:
Die Versammlung (= Gemeinde) in Korinth war im Rahmen der Missionstätigkeit des Apostels Paulus entstanden und die Anfänge dieser Arbeit in Korinth waren ermutigend gewesen. Später traten jedoch zahlreiche Probleme auf. An anderer Stelle habe ich diese Entwicklung bereits kurz skizziert: Während sich der Apostel Paulus im Rahmen seiner dritten Missionsreise in Ephesus aufhielt, erreichten ihn beunruhigende Nachrichten. Jene Streitfragen in Korinth, von denen ihm Gläubige berichtet hatten und die er durch seinen zweiten Brief (unseren 1. Korintherbrief) zu lösen versucht hatte, waren noch immer nicht beigelegt. Daraufhin besuchte er die Gläubigen in Korinth erneut (2. Korinther 2, 1; 2. Korinther 12, 14; 2. Korinther 13, 1 – 2). Diesen Besuch bezeichnet er als “schmerzhaft”, denn selbst durch seine Anwesenheit konnten nicht alle Konflikte geschlichtet werden (2. Korinther 2, 5 – 8; 2. Korinther 7, 12).
Nach Ephesus zurückgekehrt, schrieb Paulus dann einen weiteren, sehr ersten Brief, den er den Korinthern durch Titus und einen weiteren Bruder überbringen ließ (2. Korinther 2, 3 – 4; 2. Korinther 7, 8 – 12; 2. Korinther 12, 18). Dieser Brief ist uns nicht überliefert worden. Mit großer Spannung erwartete der Apostel dann die Rückkehr seines Mitarbeiters und dessen Bericht. Doch aufgrund von Verfolgung musste Paulus Ephesus verlassen (Apostelgeschichte 20, 1) und einige Zeit in Troas Station machen. Anschließend reiste er dann Richtung Mazedonien, um auf diesem Weg Titus zu treffen (2. Korinther 2, 12 – 13). Dieser überbrachte dem Apostel positive Nachrichten: Die Mehrheit der Gläubigen in Korinth war von ihren falschen Wegen umgekehrt (2. Korinther 7, 6 – 16; 2. Korinther 2, 5 – 11). Nur wenige in Korinth lehnten den Dienst und Hilfe durch Paulus noch immer ab (2. Korinther 10, 113, 10). Daraufhin schrieb der Apostel den Gläubigen in Korinth einen weiteren Brief und dies ist der Brief, den wir als 2. Korintherbrief kennen. In diesem Brief geht Paulus auf die – restlichen – noch bestehenden Probleme in Korinth ein. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Art und Weise, wie der Apostel seinen Brief einleitet – Er richtet seinen und den Blick seiner Leser nicht auf die genannten Probleme, sondern auf zwei wichtige Wesensmerkmale Gottes: Barmherzigkeit und Trost.

Kurze Anmerkungen zu 2. Korinther 1, 1 – 7

* Paulus, Apostel Christi Jesu durch Gottes Willen, und Timotheus, der Bruder, der Versammlung Gottes, die in Korinth ist, samt allen Heiligen, die in ganz Achaja sind: Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus! – 2. Korinther 1, 1 – 2 –  Paulus bezeichnet sich gleich zu Beginn seines Briefes als Apostel „Christi Jesu“. Diese Reihenfolge erscheint uns auf den ersten Blick etwas fremd, doch in dem der Apostel den Titel “Christus“ (grch.: “der Gesalbte“, der “von Gott Gesandte“ [Johannes 20, 21], der “Apostel Gottes“  [vgl. Hebräer 3, 1!] dem Namen “Jesus“ [hebr.: “Gott erlöst Sein Volk von ihren Sünden“, vgl. Matthäus 1, 21; Lukas 1, 31; Lukas 2, 11 + 21] voranstellt, betont er, dass seine eigene Berufung und Sendung sich nicht auf den Willen oder Wunsch von Menschen, sondern allein auf Christus zurückführen lässt. Das, was hier nur anklingt, hat er in Galater 1, 1 besonders deutlich zum Ausdruck gebracht:

“Paulus, Apostel, nicht von Menschen her, auch nicht durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater, der ihn aus den Toten auferweckt hat, (…) „

(Galater 1, 1 )

Paulus war “nicht von Menschen“ (Mehrzahl) auch nicht “durch einen Menschen“ (Einzahl) in diesen Dienst berufen und gestellt worden. Weder war er durch eine Synode oder ein Konzil, noch durch einen Papst dazu gemacht worden, “sondern durch Jesus Christus und Gott, der ihn von den Toten auferweckt hat, (…)“ Das erklärt die Autorität und Vollmacht, mit der Paulus seinen Dienst versehen konnte.
Dann nennt Paulus seinen Mitarbeiter Timotheus. Dieser war den dortigen Christen  wohl bekannt (vgl. Apostelgeschichte 18, 5; 1. Korinther 4, 17; 1. Korinther 16, 10).
Indem Paulus anschließend die Gläubigen in Korinth als “Versammlung Gottes, die in Korinth ist,“ anspricht, führt er sie zu der Grundlage ihrer Berufung zurück: Die Christen in Korinth bilden die “Versammlung“, grch. “ἐκκλησία“(“ekklesia“), d.h. sie sind die von Gott (aus dieser Welt) Herausgerufenen. D.h. auch, dass sie nicht mehr sich selbst gehören, sondern Gott, denn sie sind die “Versammlung Gottes„.  So, wie  Paulus direkt von dem Herrn Jesus Christus in seinen Aposteldienst berufen wurde, so steht auch die Gemeinschaft der Gläubigen direkt unter der Autorität Gottes, nicht unter der Autorität einzelner Christen. Der Apostel bezeichnet die Gläubigen auch als “Heilige“, also als Menschen, die durch Jesus Christus geheiligt wurde:

“In diesem Willen sind wir geheiligt durch das ein für alle Mal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi. (…) Denn mit einem Opfer hat er in Ewigkeit vollendet die geheiligt werden.”

(Hebräer 10, 10 + 14)

Alle Christen sind “Heilige“, geheiligt durch das Opfer Jesu Christi und beiseite gesetzt zum Dienst für Gott. Kein Christ bedarf einer “Selig- oder Heiligsprechung“ durch eine “kirchliche Behörde“ oder durch ein “Kirchenoberhaupt“, das nicht Jesus Christus Selbst ist (vgl. Kolosser 1, 18!).
Paulus wünschte, dass sein Brief bei den Gläubigen in Korinth, aber auch in den umliegenden Versammlungen in der Provinz Achaja vorgelesen wurde. Aus Römer 16, 1 wissen wir, dass eine dieser Versammlungen in der Stadt Kenchräa angesiedelt war.
Nachdem er den Kreis der Empfänger seines Briefes so angesprochen hat, wünscht der Apostel seinen Lesern die Gnade und den Frieden Gottes. Dabei handelt es sich nicht um die erlösende Gnade, denn die Empfänger dieses Briefes waren ja bereits Christen, sondern um die Kraft der Gnade, die die Gläubigen an jedem Tag ihres Lebens nötig haben. Diese Kraft der Gnade befähigt die Gläubigen auch, dauerhaften Frieden zu haben. Als Quelle dieser beiden Segnungen identifiziert Paulus Gott, den Vater und Gott, den Sohn (“von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!„).

* “Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes, der uns tröstet in all unserer Bedrängnis, damit wir die trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden; (…)“ – 2. Korinther 1, 3 – 4 – Mit Vers 3 beginnt ein Abschnitt der Danksagung, der bis zu Vers 11 reicht. In den Versen 3 – 7 dankt Paulus Gott für den Trost, den Er ihm und allen Gläubigen schenkt. Im Anschluss (Verse 8 – 11) dankt der Apostel Gott für seine kurz zuvor erfahrene Befreiung. Indem er seine Leser in Korinth an diesem Dank teilhaben lässt, gibt er ihnen die Möglichkeit, sowohl seine Leiden für Christus und Seine Versammlung (= Gemeinde/Kirche) als auch den alles überragenden Trost, mit dem Gott Seine Kinder tröstet und der alle Leiden, die sie um Seines Namens willen erdulden müssen, weit übersteigt, zu erkennen und wertzuschätzen. Diese Verse enthalten also weit mehr als einige freundliche Grußfloskeln am Anfang eines Briefes. Durch sie werden wir gleich zu Beginn dieses Briefes in die tiefe Bedeutung des Leidens und der Verantwortung eingeführt, die mit dem christlichen Dienst einhergehen kann.
Wir sind es gewohnt, dass Paulus seine Briefe mit einer Aussage des Dankes beginnt. Das entsprach der antiken Art, Briefe einzuleiten.¹ In der Mehrzahl der paulinischen Briefe (mit Ausnahme des Galaterbriefes) finden wir zu Beginn den Dank des Apostels für eine bestimmte Gnade, die Gott den Empfängern des jeweiligen Briefes erwiesen hat. Es gibt nur drei Briefe, in denen Paulus eine Ausnahme von dieser Regel macht. das sind

  • der Galaterbrief, der an Gläubige gerichtet ist, die in der Gefahr standen, das Evangelium Jesu Christi gegen ein “anderes Evangelium“  einzutauschen;
  • der 1. Timotheusbrief, wo Paulus dem Herrn Jesus Christus für die Gnade dankt, dass Er Ihn in Seinen Dienst gerufen und ihm dazu Kraft verliehen hat und
  • der 2. Korinther, wo Paulus Gott für die Barmherzigkeit und den Trost dankt, den er von Ihm empfangen hat.

Paulus beginnt seine Danksagung an Gott mit dem griechischen Wort “εὐλογητός“ (“eulogetos“). Dieses Wort, das in deutschen Bibeln hier mit “gepriesen“ oder “gelobt“ übersetzt wird, findet sich an acht Stellen im Neuen Testament, mehrheitlich in den Schriften des Apostels Paulus (Markus 14, 61; Lukas 1, 68; Römer 1, 25; Römer 9, 5; 2.Korinther 1, 3; 2.Korinther 11, 31; Epheser 1, 3; 1.Petrus 1, 3). Wo immer Paulus und die anderen Schreiber des Neuen Testaments dieses Wort benutzen, da steht es in Beziehung zu Gott. Das Wort “εὐλογητός“ (“eulogetos“) verbindet Dankbarkeit mit der Anbetung Gottes  und ist so Ausdruck tiefster Dankbarkeit und höchster Verehrung zugleich (vgl. Epheser 1, 3).
Mit diesem Ausdruck tiefster Dankbarkeit und höchster Verehrung richtet sich  Paulus an Gott und zwar an Gott, den Vater “unseres Herrn Jesus Christus“. In der Beziehung zu dem Herrn Jesus Christus ist Gott beides – Gott und Vater (vgl. Johannes 20, 17). Während der Zeit Seines irdischen Dienstes steht in den Evangelien die Beziehung des Herrn zu Seinem Vater als Gott im Vordergrund (z. B. Markus 15, 34; Matthäus 27, 46), wohingegen in den Beziehungen der Gottheit untereinander immer die Beziehung des Sohnes zu Seinem Vater im Fokus steht (vgl. Hebräer 1, 5; Matthäus 3, 17; Lukas 3, 22; Matthäus 17, 5;  Markus 9, 7).
Dieser “Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus“ ist zugleich der “Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes„. Nachdem wir vor einigen Monaten im Zusammenhang mit Römer 15, 13 Gott als “Gott der Hoffnung“ kennengelernt haben, werden uns jetzt in 2. Korinther 1, 1 ff. also zwei weitere Wesensmerkmale Gottes vorgestellt.
Wenn Paulus Gott als den “Vater der Erbarmungen“ (a.Ü. “Vater der Barmherzigkeit“) bezeichnet, so kommt damit zweierlei zum Ausdruck: Zum einen ist Gott die Quelle der Erbarmungen bzw. der Barmherzigkeit, die wir erfahren dürfen. Zum anderen aber ist auch Sein ganzes Wesen von Erbarmung bzw. Barmherzigkeit gekennzeichnet. Gott ist ein barmherziger Vater! Diese beiden Tatsachen, dass Gott die Quelle aller Barmherzigkeit und gleichzeitig unser barmherziger Vater ist, möchte Paulus seinen Lesern vermitteln. Ist diese wichtige Information bei uns schon “angekommen“ oder kultivieren wir noch immer ein Gottesbild, das mit der göttlichen Barmherzigkeit wenig bis nichts zu tun hat? Dann sollten wir das möglichst umgehend korrigieren.
Doch Gott ist nicht “nur“ der Gott der Erbarmungen bzw. der Barmherzigkeit. Er ist auch der “Gott allen Trostes“. Das Wort “Trost“ kommt in den Versen 3 – 7 dieses Kapitels zehnmal vor, entweder als Nomen oder als Verb. Dann aber zieht sich dieser Begriff durch den gesamten 2. Korintherbriefe (vgl. 2. Korinther 2, 7 – 8; 2. Korinther 5, 20; 2. Korinther 6, 1; 2. Korinther 7, 4; 2. Korinther 7, 6 –  7; 2. Korinther  7, 13; 2. Korinther 8, 4; 2. Korinther 8, 6; 2. Korinther 8, 17; 2. Korinther 9, 5; 2. Korinther 10, 1; 2. Korinther 12, 8; 2. Korinther 12, 18; 2. Korinther 13, 11). Das griechische Wort, welches Paulus benutzt und das in unseren Bibeln mit “Trost“ übersetzt wird, ist “παράκλησις“ (“paraklesis“) und es hat eine weitaus größere bzw. umfassendere Bedeutung als sie  in unserem deutschen Wort “Trost“ zum Ausdruck kommt. In Johannes 14, 16 (vgl. Johannes 14, 26; Johannes 15, 26 und Johannes  16, 7) nennt der Herr Jesus Christus Gott, den Heiligen Geist den “Tröster“, grch. “παράκλητος“ (“Parakletos“). “Parakletos“ bezeichnet eine Person, die als Beistand herzu gerufen wird, die einem Betroffenen ganz nahe ist (“Beistand“), die sich für einen Betroffenen verwendet oder ihn  vertritt (“Sachwalter“ bzw. “Anwalt“), die dem Betroffenen Ermutigung, Unterstützung, neue Kraft und Wegweisung zuteil werden lässt. Auch der Herr Jesus Christus wird im Neuen Testament unser “Parakletos“ genannt (1. Johannes 2, 1) und hier erfahren wir nun, dass unser himmlischer Vater “der Gott allen Trostes“, ebenfalls unser “Parakletos“, d.h., der Gott, der uns ganz nahe ist, der Gott, der uns beisteht, der Gott, der für uns eintritt, der Gott, der sich für uns verwendet, der Gott, der uns ermutigt, der Gott, der uns neue Kraft schenkt, der Gott, der uns Seine Wegweisung zuteil werden lässt, ist!
In seinem Kommentar zu 2. Korintherbrief – “Addresses on the Second Epistle to the Corinthians“² – weist der Ausleger H. Ironside darauf hin, dass das Neue Testament Gott nur in Bezug auf zwei Dinge als “Gott aller …“ bezeichnet, nämlich als “Gott aller Gnade“ (1. Petrus 5, 10) und als “Gott allen Trostes“ (2. Korinther 1, 3). Daraus lernen wir, dass das Vollmaß wahrer Gnade und wirklichen Trostes allein bei Gott zu finden ist.
Ausgehend von diesen geistlichen Tatsachen, zieht Paulus folgenden Schluss: “der uns tröstet in all unserer Bedrängnis, (…)“ Weil unser Gott, der “Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes“ ist, kann Gott uns in allen Situationen genau die Kraft und den Trost geben, die wir nötig haben. Egal welcher Art die Bedrängnis ist, die wir erleben, egal mit welcher Stärke sie auf uns lastet, Gott will uns genau die Kraft und Hilfe schenken, die wir in der jeweiligen Situation nötig haben. Und sollte die Bedrängnis größer werden, wird Er auch die Kraft und die Hilfe vermehren, die wir darin benötigen.
Beachten wir: Paulus spricht nicht davon, dass Gott uns getröstet hat oder dass Gott uns trösten wird. Er benutzt die Gegenwartsform: “der uns tröstet“. So, wie wir aus 1. Johannes 4, 16 (Klick!) lernen durften, dass Gott Liebe zu uns hat (nicht hatte oder haben wird!), so dürfen wir aus den Worten des Apostels Paulus lernen, dass Gottes Hilfe und Trost in unserem Leben immer gegenwärtig sind! Unser Gott muss nicht erst überlegen, ob Er uns trösten möchte oder ob wir es überhaupt wert sind, nein, zu jeder Zeit und in jeder Situation steht Er uns bei. Die Frage ist, ob wir Ihm vertrauen und für Seine Zuwendung offen sind.
Paulus weist darauf hin, dass es Gott jedoch nicht nur darum geht, uns zu stärken und zu trösten: “(…) damit wir die trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden (…)“ Gottes Trost soll durch uns auch andere erreichen, die ebenfalls bedrängt sind. Nicht unser kleiner menschlicher Trost soll ihnen helfen – das wäre nichts anderes als der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein! Nein, Gottes Trost sollen wir weitergeben. Erinnern Sie sich, dass wir vor einigen Wochen festgestellt haben, dass die Liebe Gottes ausgegossen wurde in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns geben worden ist (Römer 5, 5) und dass wir dazu berufen sind, diese Liebe weiterzugeben (1. Johannes 4, 19)? Erinnern Sie sich, dass wir vor einigen Monaten über diese völlig andersartige Hoffnung gesprochen haben (Klick!), die Gott uns gibt und dass wir dazu berufen sind, diese Hoffnung weiterzugeben (1. Petrus 3, 15)? So ist es mit allem, was Gott uns gibt, sei es nun Gnade, Kraft, Liebe, Hoffnung oder Trost! Indem wir Seine Gaben empfangen und sie in uns wirksam werden, werden wir auch befähigt, diese Gaben weiter zu geben! Gottes Gaben “verbrauchen“ sich nicht, wenn sie in unserem Leben wirksam werden, sie sollen durch unser Leben vervielfacht und so anderen zum Segen werden.

* “(…) denn so wie die Leiden des Christus uns gegenüber überreichlich sind, so ist auch durch den Christus unser Trost überreichlich.– 2. Korinther 1, 5 –  Paulus bezieht sich hier in die leidende Gemeinschaft der Gläubigen mit ein, indem er von “uns“ bzw. “unser“ spricht. Dass dies für Paulus Lebensrealität und nicht nur eine fromme Floskel war, belegen die Apostelgeschichte und seine Briefe an vielen Stellen. Leiden waren damals und heute in dieser von Gott losgelösten Welt “an der Tagesordnung“. Doch Paulus spricht hier nicht von Leiden, wie sie jeden Menschen befallen konnten. Er spricht konkret von den “Leiden des Christus“, wo mit die Leiden um des Glaubens an Christus gemeint sind. So, wie Christus, der von Gott gesandte Erlöser, gelitten hat, so leiden auch wir, die von Christus mit Seinem Evangelium in diese Welt gesandt wurden. So, wie die Verkündigung Christi bei den jüdischen und römischen Autoritäten auf Ablehnung und Verfolgung stieß, so stößt auch die Verkündigung des Evangeliums durch uns oft auf die Ablehnung dieser Welt. Doch aus eigener Erfahrung kann Paulus den Gläubigen in Korinth und Achaja – und damit auch uns – versichern, dass “so wie die Leiden des Christus uns gegenüber überreichlich sind, so ist auch durch den Christus unser Trost überreichlich“. Paulus wiederholt hier mit anderen Worten, was er bereits in den Versen zuvor deutlich machen wollte: Egal wie stark die Bedrängnis und Not im Leben eines Christen um Christi willen werden, Gott wird uns dafür nicht nur ausreichend Kraft geben, sondern weit darüberhinaus reichend und außerdem Seinen Trost und Seine Ermutigung.

*Sei es aber, dass wir bedrängt werden, so ist es eures Trostes und Heils wegen; sei es, dass wir getröstet werden, so ist es eures Trostes wegen, der im Ausharren in denselben Leiden wirksam ist, die auch wir erleiden. – 2. Korinther 1, 6 – Wenn wir den 2. Korintherbrief in seiner Gesamtheit betrachten würden, dann würden wir sehen, dass einige Christen in Korinth der Bedrängnis, die Paulus um ihretwillen erdulden musste, keine Wertschätzung entgegen brachten. Paulus hätte weder das Evangelium verkünden, noch den Gläubigen mit dem Wort Gottes dienen müssen, aber er tat es um Christi und der Gläubigen willen. Doch anstatt Gott für den Einsatz Seines Dieners zu danken, waren einige in Korinth sogar der Meinung, dass solche Leidenserfahrungen für einen Diener des Herrn völlig unangemessen waren. Wenn Paulus wirklich ein Diener Gottes wäre, so schlossen sie, dann dürften doch solche Dinge in seinem Dienst gar nicht vorkommen – Gefängnis, Folter, Schiffbruch! Der Mann hatte einfach nicht genügend Glauben und darum auch so wenig göttliche Vollmacht! Sonst hätte er doch nicht so viele Probleme! Auf diese Weise stellten sie den Dienst des Paulus in Frage und mit diesem Problem befassen sich die späteren Kapitel dieses Briefes. Doch schon in diesem Vers beginnt der Apostel damit, diese falschen Überzeugungen und das verquere Denken, dem sie entspringen, zu korrigieren. Er verweist darauf, dass er um “des Trostes und Heils“ der Gläubigen in Korinth gelitten habe und dass diese Leiden ihn nach Gottes Willen in die Lage versetzten, sie auf umso bessere Weise trösten zu können. Ausgerüstet mit diesem Trost sollten sie wiederum in die Lage versetzt werden, in den Leiden, die sie um Christi willen befallen hatten, treu auszuharren.

* “Und unsere Hoffnung für euch ist fest, da wir wissen, dass, wie ihr der Leiden teilhaftig seid, so auch des Trostes.“ – 2. Korinther 1, 7 – Wenn wir den Dienst und das Leben des Paulus betrachten – sein Leiden auf Grund der Verfolgungen, der Gefängnishaft und der Folter durch die Hand der Ungläubigen und sein Leiden auf Grund der Schwierigkeiten in den verschiedenen Versammlungen (= Gemeinden), für die er Verantwortung trug, dann wird der eine oder andere von uns sicherlich denken, dass er/sie da schön längst verzweifelt wäre und “den Bettel hingeworfen“ hätte. Doch für Paulus ist Aufgeben keine Alternative. Er ist voller Hoffnung, ja mehr noch, er ist sich sicher, dass die Gläubigen in Korinth im Glauben wachsen würden. Gott, der das guter Werk in ihnen begonnen hatte, würde es auch vollenden (Philipper 1, 6). Ihr Leiden für Christus war ein Bekenntnis zu Christus und diesem Bekenntnis zu Seinem Sohn würde Gott Seine Hilfe, Seine Kraft und Seinen Trost nicht verwehren. 

I'm part of Post A Day 2014

Dieser Beitrag wurde unter Glimpses/Impulse, Predigt abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hier ist Platz für Ihre Meinung

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s