Leben im Willen Gottes – Anmerkungen zu Psalm 1,1 – 3

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Eine Psalmenrolle * Foto: By Pete unseth (Own work) [CC0], via Wikimedia Commons

 

Für die Wortverkündigung am heutigen Mittwoch wurden Verse aus Psalm 1 gewählt. Zum besseren Verständnis betrachten wir dieses Wort im Zusammenhang des gesamten Psalms:

“Glückselig der Mann, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen und nicht steht auf dem Weg der Sünder und nicht sitzt auf dem Sitz der Spötter, sondern seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht! Und er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit und dessen Blatt nicht verwelkt; und alles, was er tut, gelingt.
Nicht so die Gottlosen, sondern sie sind wie die Spreu, die der Wind dahintreibt. Darum werden die Gottlosen nicht bestehen im Gericht, noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten. Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten; aber der Weg der Gottlosen wird vergehen.‘

(Psalm 1, 1 – 6; ÜELBEDHÜ)

 

Einige grundsätzliche Gedanken zu Psalm 1

Neben Psalm 23 (“Der Herr ist mein Hirte“) und Psalm 139 (“Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne“) ist Psalm 1 wohl einer der bekanntesten Kapitel des gesamten Psalmbuches.
In diesem Psalm werden zwei gegensätzliche Lebenswege einander gegenüber gestellt. Solche Gegenüberstellungen finden wir nicht nur in den poetischen Büchern des Alten Testaments, sondern auch im Gesetz (vgl. 5. Mose 30, 11 – 20) und in den Propheten (vgl. z.B. Jeremia 17, 5 – 8). Psalm 1 betrachtet diese beiden Lebenswege im Licht der Verheißungen, die im Zusammenhang mit dem mosaischen Bund stehen. Das zeigt uns bereits, dass wir es hier mit einem Text zu tun haben, der sich an das Volk Israel richtet und den wir deshalb auch nicht einfach 1:1 auf das Leben des Christen übertragen können. Wir können jedoch verschiedene Ähnlichkeiten bzw. Unterscheidungen aufzeigen.
Psalm 1 wird zu den so genannten “Weisheitspsalmen“ oder “Lehrgedichten“ gezählt. Diese Psalmen, die sich mit Gott, dem Leben des Gottesfürchtigen und dem Leben der Gottlosem, dem Gesetz, den göttlichen Verheißungen für ein Leben nach dem Willen Gottes etc. beschäftigen, sollen dem Leser Einsicht in die Zusammenhänge des Lebens geben. Dann sollen sie ihn aber auch befähigen, ein Leben gemäß dem Willen Gottes, wie dieser in Seinem Gesetz zum Ausdruck kommt, zu führen (vgl. Sprüche 2, 12 – 22).
Der amerikanische Theologe Warren B. Wiersbe hat darauf hingewiesen, dass die Art der Belehrung durch die Gegenüberstellung von zwei gegensätzlichen Lebensentwürfen die ganze Heilige Schrift durchzieht. Wir finden solche Gegenüberstellungen in den bekannten Berichten über Kain und Abel, Isaak und Ismael, Jakob und Esau, David und Saul. Aber auch das Neue Testament greift diesen Gedanken auf, wenn es  den “ersten Adam“ dem “letzten Adam“ gegenüberstellt (Römer 5, 14; 1. Korinther 15, 45) und aufzeigt, dass die Geschichte dieser Welt in die Entscheidung eines jeden dann lebenden Menschen für Christus oder den Antichristen mündet.¹

Leben im Willen Gottes – Anmerkungen zu Psalm 1, 1 – 3

* „Glückselig der Mann, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen und nicht steht auf dem Weg der Sünder und nicht sitzt auf dem Sitz der Spötter, sondern seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht! Und er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit und dessen Blatt nicht verwelkt; und alles, was er tut, gelingt.“ – Psalm 1, 1 – 3 – Die ersten drei Verse beschreiben das Leben des Menschen, der im Willen Gottes lebt. Drei Dinge kennzeichnen diesen Menschen: er wandelt nicht im Rat der Gottlosen, steht bzw. geht nicht auf dem Weg der Sünder und er sitzt nicht im “Sitz“ bzw. im Kreis der Spötter. Jedes der hier nacheinander genannten Kennzeichen hat stärkeres Gewicht als das vorausgehende: Während der “Rat der Gottlosen“ noch eine zeitlich begrenzte Beeinflussung darstellt, zeigt das Sitzen im Kreis der Spötter die völlige Gemeinschaft mit diesen. Kommentatoren sind sich uneins in der Frage, ob es sich bei dieser Aufzählung um einen Parallelismus handelt, durch den nebeneinander gestellte Kennzeichen einfach die Summe des Bösen aufzeigen sollen (vgl. als weiteres Beispiel für einen solchen Parallelismus 5. Mose 6, 7) oder ob so nicht doch eine stufenweise Entwicklung des Bösen aufgezeigt werden soll.
In manchen Übersetzungen wird von dem Gottesfürchtigen gesagt, er sei “gesegnet“ oder er wird mit den Worten “Wohl dem ….“ angesprochen. Das hebräische Wort  אֶשֶׁר (‚asher)  hat die Bedeutung von “glücklich (sein)“. In der Septuaginta wird dieses Wort mit dem griechischen Wort “μακαριος“ (“glückselig“) wiedergegeben, also mit demselben Wort, das auch die so genannten Seligpreisungen in Matthäus 5, 3 ff. einleitet. Diese Glückseligkeit ist also nichts, was man sich erarbeitet, erarbeiten kann, sondern ein Geschenk Gottes. Selbst dann, wenn der Gerechte sich nicht glücklich fühlt, ist er doch gesegnet und glückselig zu preisen, weil seine Lebensverbindung zu Gott ihn vor dem Bösen und vor dem Gericht bewahrt:

“Weil er an mir hängt, will ich ihn retten. Ich will ihn schützen, weil er meinen Namen kennt. Er ruft mich an, und ich antworte ihm. Ich bin bei ihm in der Not. Ich befreie ihn und bringe ihn zu Ehren. Ich sättige ihn mit langem Leben und lasse ihn mein Heil schauen.“

(Psalm 91, 14 – 16; REVELB)

Während der Psalm zuerst deutlich macht, dass der Gerechte das Böse in jeder Form meidet, zeigt er dann die positive Alternative auf: Der Gerechte hat “seine Lust (…) am Gesetz des HERRN und sinnt über sein Gesetz (…) Tag und Nacht!“. Das Augenmerk des Gerechten richtet sich also nicht auf die Gottlosen oder auf das Böse, sondern auf Gott. Sein Wort ist die Quelle, aus der Er ohne Unterlass trinkt. Dazu hat er “Lust“. Lust ist ein Wort, dass ein starkes Verlangen ausdrückt. Genauso stark soll das Verlangen des Gerechten nach dem Wort Gottes und dem darin enthaltenen Willen Gottes sein.
Über Gottes Wort “nachsinnen“ kann man auf vielfältige Weise. Viele Christen nehmen sich eine spezielle Zeit am Morgen oder am Abend für ihre tägliche Bibellese- und Gebetszeit. Das ist eine gute Praxis. Sie hilft uns, das Wort Gottes immer besser kennenzulernen, es zu einem Teil unseres Lebens zu machen und so im Glauben gefestigt zu werden. Im Zusammenhang von Psalm 1 geht es jedoch nicht allein um eine spezielle Zeit, in der der Gerechte über Gottes Wort nachdenkt. Vielmehr überdenkt der Gerechte alle seine täglichen Aktivitäten im Licht des Wortes Gottes, um – völlig unabhängig von der Tageszeit – sein Leben entsprechend dieses Wortes und des darin geoffenbarten Willen Gottes auszurichten. Jemand hat einmal das Nachsinnen über das Wort Gottes mit dem Fitnesstraining für den natürlichen Körper verglichen. So, wie der natürliche Körper durch regelmäßiges Training stark und kraftvoll wird, so werden die Seele und der Geist des Gläubigen, der täglich über das Wort Gottes nachsinnt, stark und kräftig.
Viele Kommentatoren verweisen darauf, dass in Psalm 1, 2 dasselbe Prinzip ausgedrückt wird, wie in Josua 1, 8 (REVELB):

“Dieses Buch des Gesetzes soll nicht von deinem Mund weichen, und du sollst Tag und Nacht darüber nachsinnen, damit du darauf achtest, nach alledem zu handeln, was darin geschrieben ist; denn dann wirst du auf deinen Wegen zum Ziel gelangen, und dann wirst du Erfolg haben.“

Die Tatsache, dass wir solche Aussagen wiederholt im Wort Gottes finden, macht deutlich, wie wichtig sie Gott sind.
Jene, die Freude daran finden, beständig über das Wort Gottes nachzusinnen, werden mit einem Baum verglichen, der an einem immerwährenden Strom frischen Wassers gepflanzt ist. Ähnliche Aussagen finden wir in anderen Psalmen wieder, so z.B. in Psalm 92, 13 – 14:

“Der Gerechte wird sprossen wie die Palme, wie eine Zeder auf dem Libanon wird er emporwachsen. Die gepflanzt sind im Haus des HERRN, werden grünen in den Vorhöfen unseres Gottes.“

Die Frucht, die aus dem Leben eines solchen Menschen erwächst, wird “zur rechten Zeit“ erscheinen, d.h. sie erscheint nicht automatisch, nicht sofort, sondern nach einem entsprechenden Reifeprozess. Die frischen grünen Blätter eines solchen “Baumes“  sind ein Sinnbild für die geistliche Gesundheit eines Menschen, der seine Lebenswurzeln tief in das Wasser des Wortes Gottes eingesenkt  hat.
Ein Baum ist nur lebensfähig, wenn er über ein gesundes Wurzelsystem verfügt und er über dieses genügend Wasser (und damit Nährstoffe!) zu seiner Versorgung beziehen kann. Ohne ein gesundes Wurzelsystem, das Anschluss an Wasser findet, wird ein Baum auf Dauer krank und stirbt ab. Ein Gläubiger, der sich nicht beständig aus dem Wasser des Wortes Gottes nährt (Johannes 4, 10 – 15; vgl. auch Jeremia 2, 13) kann vielleicht lange Zeit nach außen den Schein geistlicher Gesundheit aufrecht erhalten, innerlich jedoch trocknet er aus. Früher oder später wird das dann auch nach außen hin sichtbar. Immer wieder ist von Gläubigen zu hören, sie “bräuchten das Wort Gottes nicht zu lesen, geschweigedenn zu studieren um in den Himmel zu kommen“. Der regelmäßige Gottesdienst reiche ihnen aus. Es ist wahr, dass wir durch die Gnade mittels des Glaubens erlöst werden (Epheser 2, 8), nicht durch das Lesen der Heiligen Schrift. Wer jedoch das Lesen bzw. das Studium des Wortes Gottes ablehnt, lehnt damit das Mittel ab, das Gott uns zur täglichen Ernährung unseres Glaubens (Johannes 5, 39), zum Wachstum in der Gerechtigkeit (1. Petrus 2, 2; Römer 12, 2) und zu der so wichtigen geistlichen Unterscheidung (Apostelgeschichte 17, 11) gegeben hat. Ein solcher Mensch lehnt damit nicht nur eine der wertvollsten Gaben Gottes ab, er erliegt auch der gefährlichen Illusion, ohne den täglichen Dienst des Wortes Gottes an seinem inneren Menschen geistlich wachsen und reifen zu können. Einem solchen Menschen gilt das Wort aus Lukas 12, 48b (Schlachter):

“(…) welchem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man desto mehr fordern.“

Im Alten Testament wurde die Frucht des Gerechten vorrangig in materiellem Wohlstand gesehen (vgl. 5. Mose 28, 1 – 14). Im Gegensatz dazu  sieht das Neue Testament diese Frucht im Leben des Christen vorrangig in einem veränderten Charakter und einem heiligen, d.h. gottgemäßen, Lebenswandel (vgl. Galater 5, 22 – 23; Epheser 5, 9; Kolosser 1, 10). Solche Frucht wird also sichtbar und dient dem Nutzen anderer. Ein solcher Mensch wird zu einem “Segen“ für andere.
In den meisten Übersetzungen heißt es in Psalm 1, 3, dass “alles“, was ein solcher Mensch tut, ihm “wohl gelingt“. Wir sollten uns jedoch hüten, hierin einen Automatismus zu sehen. Warum gelingt diesem Gerechten “alles wohl“ bzw. “bringt er alles zu einem gedeihlichen Ende“? Weil er seine Handlungen an Gottes Willen ausrichtet, die ihm von Gott geschenkten Mittel nutzt und bei all‘ seinem Tun auf die Gnade und den Segen Gottes vertraut. Ein solcher Lebensstil entsteht nicht von „heute auf morgen“, sondern ist ein Wachstumsprozess. Die Frucht wird zur rechten Zeit gebracht, sie entsteht weder sofort noch automatisch. Sie entsteht durch einen Reifungsprozess. In Verlauf dieses Reifungsprozesses werden wir Gelingen und Nichtgelingen erleben. Das ist natürlich und sollte uns nicht entmutigen. Aus Gottes Perspektive ist das Leben des Gläubigen immer ein gelungenes Leben, wenn es auf Ihn, Sein Wort und Seinen Willen ausgerichtet ist. Auch wenn wir dabei nicht immer gleich alles richtig machen (1. Johannes 2, 1). Entscheidend ist unsere innere Ausrichtung, der Wunsch, das Verlangen, den Willen Gottes zu erkennen und in ihm zu wachsen. Dafür, dass diese innere Richtung stimmt und unser Leben gelingt, können wir beten, wie es der Apostel Paulus für die gläubigen Kolosser tat:

“Deshalb hören wir auch seit dem Tag, an dem wir davon erfahren haben, nicht auf, für euch zu beten. Wir bitten Gott, dass er euch durch seinen Geist alle nötige Weisheit und Einsicht schenkt, um seinen Willen in vollem Umfang zu erkennen. Dann könnt ihr ein Leben führen, durch das der Herr geehrt wird und das ihm in jeder Hinsicht gefällt. Ihr werdet imstande sein, stets das zu tun, was gut und richtig ist, sodass euer Leben Früchte tragen wird, und eure Gotteserkenntnis wird immer weiter anwachsen.“

(Kolosser 1, 9 – 11; NGÜ)

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Fußnoten:

¹= vgl. Warren W. Wiersbe: “The Bible Expositon Commentary: Old Testament Wisdom and Poetry“, Colorado
Springs, Cook Communications Ministries, 2004, Seite 85

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