Stille, die Kraft für die Seele – Anmerkungen zu Psalm 37, 1 – 7

Stille – Kraft für die Seele – Anmerkunge zu Psalm 37, 1 – 7

Das Bibelwort, das der Wortverkündigung am heutigen Mittwoch zugrunde liegen soll, ist dem 37. Plsam entnommen, den wir zum besseren Verständnis in seinem Zusammenhang lesen wollen:

„Von David. Erzürne dich nicht über die Übeltäter, beneide nicht die, die Unrecht tun! Denn wie das Gras werden sie schnell vergehen und wie das grüne Kraut verwelken. Vertraue auf den HERRN und tu Gutes, wohne im Land und weide dich an Treue und ergötze dich an dem HERRN: So wird er dir geben die Bitten deines Herzens. Befiehl dem HERRN deinen Weg und vertraue auf ihn, und er wird handeln! Und er wird deine Gerechtigkeit hervorkommen lassen wie das Licht, und dein Recht wie den Mittag. Vertraue still dem HERRN und harre auf ihn! Erzürne dich nicht über den, dessen Weg gelingt, über den Mann, der böse Anschläge ausführt! Steh ab vom Zorn und lass den Grimm! Erzürne dich nicht! Nur zum Bösestun verleitet es. Denn die Übeltäter werden ausgerottet werden; aber die auf den HERRN hoffen, die werden das Land besitzen. Und noch eine kurze Zeit, und der Gottlose ist nicht mehr; und siehst du dich um nach seiner Stätte, so ist er nicht da. Aber die Sanftmütigen werden das Land besitzen und werden sich ergötzen an Fülle von Frieden. Der Gottlose sinnt gegen den Gerechten, und mit seinen Zähnen knirscht er gegen ihn. Der Herr lacht über ihn, denn er sieht, dass sein Tag kommt. Die Gottlosen haben das Schwert gezogen und ihren Bogen gespannt, um den Elenden und den Armen zu fällen, um hinzuschlachten, die in Geradheit wandeln. Ihr Schwert wird in ihr eigenes Herz dringen, und ihre Bogen werden zerbrochen werden. Besser das Wenige des Gerechten als der Überfluss vieler Gottloser.
Denn die Arme der Gottlosen werden zerbrochen werden, aber der HERR stützt die Gerechten. Der HERR kennt die Tage der Vollkommenen, und ihr Erbteil wird ewig sein; sie werden nicht beschämt werden in der Zeit des Unglücks, und in den Tagen des Hungers werden sie gesättigt werden.
Denn die Gottlosen werden umkommen, und die Feinde des HERRN sind wie die Pracht der Weidegründe; sie schwinden, sie schwinden hin wie Rauch. Der Gottlose borgt und gibt nicht zurück; der Gerechte aber ist gnädig und gibt. Denn die von ihm Gesegneten werden das Land besitzen, und die von ihm Verfluchten werden ausgerottet werden. Von dem HERRN werden die Schritte des Mannes befestigt, und an seinem Weg hat er Gefallen; wenn er fällt, wird er nicht hingestreckt werden, denn der HERR stützt seine Hand. Ich war jung und bin auch alt geworden, und nie sah ich den Gerechten verlassen, noch seine Nachkommenschaft um Brot bitten; den ganzen Tag ist er gnädig und leiht, und seine Nachkommenschaft wird gesegnet sein. Weiche vom Bösen und tu Gutes, und bleibe auf ewig! Denn der HERR liebt das Recht und wird seine Frommen nicht verlassen; ewig werden sie bewahrt, aber die Nachkommenschaft der Gottlosen wird ausgerottet. Die Gerechten werden das Land besitzen und werden darin wohnen auf ewig. Der Mund des Gerechten spricht Weisheit aus, und seine Zunge redet das Recht; das Gesetz seines Gottes ist in seinem Herzen, seine Schritte werden nicht wanken. Der Gottlose lauert auf den Gerechten und sucht ihn zu töten; der HERR wird ihn nicht in seiner Hand lassen und ihn nicht verdammen, wenn er gerichtet wird. Harre auf den HERRN und bewahre seinen Weg, und er wird dich erhöhen, das Land zu besitzen. Wenn die Gottlosen ausgerottet werden, wirst du zusehen. Ich habe einen Gottlosen gesehen, der gewaltig war und der sich ausbreitete wie ein saftvoller Spross; und man ging vorbei, und siehe, er war nicht mehr da; und ich suchte ihn, und er wurde nicht gefunden. Achte auf den Unsträflichen und sieh auf den Aufrichtigen; denn für den Mann des Friedens gibt es eine Zukunft. Die Übertreter aber werden allesamt vertilgt, die Zukunft der Gottlosen wird abgeschnitten. Aber die Rettung der Gerechten ist von dem HERRN, der ihre Stärke ist zur Zeit der Bedrängnis; und der HERR wird ihnen helfen und sie erretten; er wird sie erretten von den Gottlosen und ihnen Rettung verschaffen, denn sie nehmen Zuflucht zu ihm.“

(Psalm 37, 1 – 40, ELBEDHÜ)

 

Vorsicht Falle!

Zwei wichtige Dinge werden uns gleich zu Beginn des Psalms genannt: Im ersten Satz gibt sich David als sein Autor zu erkennen und im im zweiten Satz wird uns das Hauptthema dieses Psalms genannt: “Erzürne dich nicht über die Bösen, und sei nicht neidisch auf die Übeltäter!“
Wie oft finden wir einen ähnlichen Aufruf in der Heiligen Schrift? Ich habe nicht nachgezählt, aber mir fallen einige andere Bibelstellen ein, die genau diesen oder einen ähnlichen Aufruf enthalten:

“Sei nicht neidisch auf den Gewalttätigen und erwähle dir keinen seiner Wege!“

(Sprüche 3, 31)

“Dein Herz ereifere sich nicht für die Sünder, sondern für die Furcht des HERRN den ganzen Tag!“

(Sprüche 23, 17)

“Beneide böse Menschen nicht und begehre nicht, es mit ihnen zu halten; (…) Erzürne dich nicht über die Bösen, sei nicht neidisch auf die Übeltäter!“

(Sprüche 24, 1 + 19)

Die Tatsache, dass Gottes Wort uns mehrfach vor einer bestimmten inneren Einstellung warnt, zeigt, wie nötig wir diese Warnung haben. Kein Gläubiger ist davor gefeit, seinen Blick (und sein Herz!) auf den Wohlstand / das Gelingen der Gottlosen und damit weg von Gott zu richten. Asaph bekennt in Psalm 73, 2 – 12:

“Ich aber hätte schier gestrauchelt mit meinen Füßen, wie leicht hätte ich einen Mißtritt getan! Denn ich beneidete die Übermütigen, als ich den Frieden der Gottlosen sah. Denn sie leiden keine Qual bis zu ihrem Tod, und ihr Leib ist wohlgenährt. Sie werden nicht bemüht wie andere Leute und nicht geschlagen wie andere Menschen. Darum schmücken sie sich stolz und kleiden sich frech. Ihr Gesicht strotzt von Fett, sie bilden sich sehr viel ein. Sie reden höhnisch und boshaft, drohen mit höherer Gewalt. Sie reden, als käme es vom Himmel; ihre Worte haben Geltung auf Erden. Darum wendet sich auch das Volk ihnen zu, und es wird von ihnen viel Wasser aufgesogen. Und sie sagen: «Was merkt Gott? Weiß der Höchste überhaupt etwas?» Siehe, das sind die Gottlosen; denen geht es immer gut, und sie werden reich!“

Und von Jeremia erfahren wir, dass er sich ebenfalls mit der Frage, warum es den Gottlosen oft so gut geht, herumschlug:

“O HERR, du bleibst im Recht, wenn ich mit dir hadere; darum will ich dich nur über das Recht befragen. Warum ist der Weg der Gottlosen so glücklich und bleiben alle, die treulos handeln, unangefochten?“

(Jeremia 12, 1)

Wer auf den Wohlstand und das “Glück“ der Gottlosen blickt, kann schnell auf den Gedanken kommen, dass sich das Leben mit Gott – entgegen der Aussage eines bekannten christlichen Liedes aus den 80er Jahren- eben doch nicht lohnt. Genau vor dieser gedanklichen Falle möchte David seine Zuhörer warnen. Aber: Dürfen Gläubige nicht über die Zusammenhänge und Geschehnisse in dieser Welt nachdenken, wenn sie u.U. ihrem Glauben widersprechen? Müssen Gläubige ihren “Verstand an der Kirchentür“ abgeben? Keineswegs! David warnt nicht vor dem Nachdenken an sich. Er warnt seine Zuhörer davor, nicht genügend nachzudenken! Wer über den Wohlstand und das “Glück“ der Gottlosen nachdenkt, der darf dabei nicht stehen bleiben, sondern sollte auch unbedingt das “Ende“ eines gottlosen Lebens in seine Überlegungen mit einbeziehen:

“Denn sie leiden keine Qual bis zu ihrem Tod, und ihr Leib ist wohlgenährt.“

(Psalm 73, 4)

“Denn sie werden schnell verdorren wie das Gras und verwelken wie das grüne Kraut.“

(Psalm 37, 2)

Das Leben des Gottlosen mag im “Hier und Jetzt“ Vorteile haben, aber diese Vorteile sind nur von begrenzter Dauer. Im Gegensatz dazu besitzt das Leben des Menschen, der es in Beziehung mit Gott gestaltet, Ewigkeitsperspektive:

“Weiche vom Bösen und tue Gutes, so wirst du ewiglich bleiben!“

(Psalm 37, 27)

Auswandern verboten?

Nachdem David seine Zuhörer in dieser Weise gewarnt hat, beginnt er in den folgenden Versen, sie zu ermutigen:

“Vertraue auf den HERRN und tu Gutes, wohne im Land und weide dich an Treue und ergötze dich an dem HERRN: So wird er dir geben die Bitten deines Herzens. Befiehl dem HERRN deinen Weg und vertraue auf ihn, und er wird handeln! Und er wird deine Gerechtigkeit hervorkommen lassen wie das Licht, und dein Recht wie den Mittag.“

(Psalm 37, 3 – 6)

Anstatt das vergängliche “Glück“ der Gottlosen zu betrachten, sollten Davids Zuhörer ihr Vertrauen ganz neu auf Gott setzen und sie sollten “im Land wohnen“ oder, wie andere Übersetzungen es sagen “im Land bleiben“. Das hört sich sehr nach einer Einschränklung an. Wenn es einem Israeliten doch so schlecht ging, warum durfte er “sein Glück“ dann nicht irgendwo anders suchen? Vielleicht würde er ja in Ägypten oder in Edom eine neue Arbeitsstelle finden, mit der er seine Familie endlich ein wenig besser versorgen könnte? Warum verwehrt ihm Gott diese “Chance“? Nun, wenn wir diese Verse im Zusammenhang mit der Geschichte Gottes mit Seinem Volk Israel betrachten, dann erkennen wir, dass es hier keineswegs um eine Beschränkung oder Begrenzung geht. Ein Israelit, der diese Aufforderung hörte, der wusste, dass Gott Seinem Volk eine Vielzahl von Verheißungen gegeben hatte, die in direkter Verbindung zu dem Land standen (und heute noch stehen!), das Er diesem Volk ebenfalls verheißen und in dass Er es nach der Gefangenschaft in Ägypten und der Wüstenwanderung gebracht hatte. Wer dieses Land jetzt – aus welchen Gründen auch immer – verließ, der ließ damit auch den Bereich, in dem sich die Verheißungen Gottes erfüllen sollten, hinter sich. Das, was für uns auf den ersten Blick wie eine Begrenzung erscheint, ist also nichts anderes, als die Aufforderung Gottes, geduldig auf die Erfüllung Seiner Verheißungen zu warten, um so die Fülle von Segen zu erleben, die Er schenken will. In Ägypten (oder einer anderen Nation) war dies nicht möglich. Warum? Zum einen, weil Gott mit diesen Nationen keine solchen Verheißungen für Sein Volk verbunden hatte und zum anderen, weil diese Nationen von anderen Göttern beherrscht wurden. Wer das verheißene Land (und damit das Land der Verheißungen) verließ und sein “Glück“ in diesen Nationen suchte, der anerkannte damit auch – ob er es wollte oder nicht – die Herrschaft dieser Götzen an. Er gab damit zu verstehen, dass der Gott, der Israel mit starker Hand aus Ägypten in dieses Land geführt hatte, nicht in der Lage war, in diesem Land richtig für Sein Volk  zu sorgen. Auch an dieser Stelle scheint – unausgesprochen – die Warnung auf, dass, wer so denkt und spricht, nicht genügend nachgedacht hat. Konnte ein Israelit in einem anderen Land und unter der Herrschaft von Götzten wirklich sein “Glück“  finden? Wie sah denn das “Glück“ aus, das die Israeliten in Ägypten erlebt hatten? Es war das “Glück“ der Sklaverei, der Unterdrückung, des Ausgeliefertseins an eine fremde Macht. Wie schnell die Israeliten diesen Teil ihres “Glücks“ in Ägypten vergessen hatten, zeigen uns die Berichte von der Wüstenwanderung. Anstatt sich an die Peitschenhiebe der ägyptischen Sklaventreiber zu erinnern, anstatt sich an das Grauen des Knabenmordes zu erinnern und Gott von ganzem Herzen für ihre Befreiung zu danken, kreisten die Gedanken des Volkes um die “Fleischtöpfe Ägyptens“. Jetzt – Jahrhunderte später – gab es ganz offensichtlich wieder Israeliten, die von dieser Art der “geistlichen Demenz“ befallen waren. Diese Menschen fordert Gott durch David auf, nicht den Bereich Seiner Verheißungen – und damit Seines Segens – zu verlassen.
Gemäß der Aussage des Apostels Paulus in 1. Korinther 10, 11  sollen wir aus dem, was uns das Alte Tesdtament berichtet, für unser Leben als Christen lernen. Doch was können wir aus der Aufforderung “bleibe im Lande“ für unser Glaubensleben lernen? Im Gegensatz zum Volk Israel ist uns kein buchstäbliches Land auf dieser Erde verheißen, unser Bürgertum ist ja in den Himmeln (Philipper 3, 20). Das stimmt. Dennoch gibt es auch für uns einen Bereich des Segens, einen Bereich, mit dem Gott alle Seine Verheißungen verbunden hat. Im NeuenTtestament lesen wir an vielen Stellen davon, dass der Gläubige  nachdem er von neuem geboren wurde (Johannes 3, 1 – 6) nun  “in Christus“ sind (Johannes 14, 20; Römer 8, 1 + 10; Römer 12, 5; 1. Korinther 15, 22;  Epheser 2, 6 u.a.m.) – In Christus, d.h. in der Lebensbeziehung zu Ihm (und durch Ihn zu Gott dem Vater)  ist der Bereich, auf den sich alle Verheißungen Gottes für den Christen beziehen:

“Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der durch uns unter euch verkündigt worden ist, durch mich und Silvanus und Timotheus, der war nicht Ja und Nein, sondern in ihm ist das Ja geschehen. Denn so viele Verheißungen Gottes es gibt — in ihm ist das Ja, und in ihm auch das Amen, Gott zum Lob durch uns! Gott aber, der uns zusammen mit euch in Christus fest gegründet und uns gesalbt hat (…)“

Wer – auch inmitten von Schwierigkeiten und Bedrängnissen – in Ihm bleibt, in der Lebensbeziehung zu Ihm, der bleibt auch im Bereich der Verheißungen und Segnungen Gottes und der wird Seine Gegenwart und Seine Hilfe erfahren.

Neue Herzens- und Blickrichtung – bekräftigte Verheißungen

In Psalm 37, 4 – 6 fordert Gott die Israeliten durch David auf:

“Habe deine Lust am HERRN; der wird dir geben, was dein Herz wünscht. Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohlmachen und wird deine Gerechtigkeit heraufführen wie das Licht und dein Recht wie den Mittag.“

Der Begriff “Lust“ drückt das starke Verlangen nach etwas aus. Genau davon sollte das Leben des Israeliten bestimmt sein – von dem starken, unbändigen Verlangen nach Gott und nach Seiner Gegenwart. Nicht das Verlangen nach dem zeitlich begrenzten “Glück“ der Gottlosen oder das Verlangen nach den Reichtümern und “Chancen“ Ägyptens sollten sein Herz erfüllen bzw. sein Denken bestimmen, sondern das Verlangen nach Gott, der Wunsch nach innigster Gemeinschaft mit seinem Schöpfer, Erhalter, Befreier und Erlöser.
Wenn Davids Zuhörer ihre Herzens- und Blickrichtung in dieser Weise ändern würden, dann hätte dies zweierlei zur Folge: Zum einen würde sich ihr Herz und Blick nicht mehr auf das richten, was sie nicht hatten – ein sorgloses Leben, Reichtum, Wohlstand, Karriere. Wer hauptsächlich auf das schaut, was er nicht hat, der wird früher oder später unzufrieden, undankbar, vielleicht sogar depressiv. Dabei mag es vieles in seinem Leben geben, was andere Menschen nicht haben, aber gern hätten! Doch weil er nur auf das sieht, was er nicht hat, kann er all das Gute seines Lebens gar nicht mehr erkennen und genießen!
Zum anderen zeigt uns die Herzens- bzw. Blickrichtugung, die wir in Schwierigkeiten offenbaren, worum es uns wirklich geht. Wir mögen davon überzeugt sein, dass Gott in unserem Leben an erster Stelle steht, doch ist das wirklich so? Wessen Verlangen – inmitten von Schwierigkeiten – nicht primär auf die Lösung seiner Probleme, sondern auf die Gegenwart Gottes gerichtet ist, der zeigt damit, was für ihn wirklich zählt. Der zeigt damit, dass Gott für ihn mehr ist als ein “Segensautomat“, ein “Gebetserhörungsroboter“, ein “Gott“, an den man sich wendet, wenn es einem schlecht geht und den man, wenn Er geholfen hat, wieder “in die Ecke stellt“ um sich “wichtigeren Dingen“ zuzuwenden.
Wessen Verlangen – inmitten von Schwierigkeiten – nicht primär auf die Lösung seiner Probleme, sondern auf die Gegenwart Gottes gerichtet ist, der zeigt damit, dass er Gott wirklich liebt. Denn wahre Liebe hängt nicht davon ab, was ich von der geliebten Person erhalte, wahre Liebe ist bedingungslos. Ehepaare versprechen einander Treue und Beistand “in guten wie in schlechten Tagen“. Wie ernst dieses Versprechen gemeint war, stellt sich nicht während der Flitterwochen unter Palmen  am Strand heraus. Wie ernst dieses Versprechen gemeint war und wie tragfähig die Liebe zweier Menschen wirklich ist, erweist sich in den “schlechten Tagen“ – wenn das Geld knapp wird, wenn die Probleme mit den Kindern überhand nehmen, wenn die Versuchung in Form eines anderen Menschen in das Leben der Ehepartner tritt. Genauso ist es auch in unserer Beziehung zu Gott. In den schwierigen Zeiten unseres Lebens erweist sich, warum wir Ihm glauben, Ihm folgen. Wer aber in solchen Zeiten seine Herzens- und seine Blickrichtung neu und ganz auf Gott richtet, dem verheißt Gott Seine Gegenwart und Sein Eingreifen.

Ein stiller Dulder werden?

Der letzte Vers aus Psalm 37, den wir heute betrachten wollen, ist Vers 7:

“Vertraue still dem HERRN und harre auf ihn! Erzürne dich nicht über den, dessen Weg gelingt, über den Mann, der böse Anschläge ausführt!“

Insbesondere in pietistischen Kreisen sind biblische Aussagen wie diese als Aufruf zum stillen Dulden, zum stillen Ertragen von Schwierigkeiten aufgefasst worden. Doch dieser Vers ist keine Durchhalteparole a la “Zähne zusammenbeißen und durch!“. Vielmehr zeigt Gott uns hier die Kraft, durch die wir in die Lage versetzt werden, die richtige Herzens- und Blickrichtung zu bewahren: Stille – andere Übersetzungen gebrauchen das treffendere Wort Ruhe –  vor Gott. Dass diese “Stille vor Gott“ keine buchstäbliche Stille sein muss, sondern vielmehr ein Ruhen in Gott, ein Konzentriertsein auf Ihn, ist, zeigt uns das Beispiel von Paulus und Silas. In Apostelgeschichte 16 wird uns davon berichtet, wie diese beiden Männer um ihres Glaubens willen gefangen genommen, gefoltert und ins Gefängnis geworfen wurden. Dort angekommen, setzen sich diese beiden Männer nicht in eine “stille Ecke“. Sie werden aktiv. In Vers 25 heißt es:

“Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott mit Gesang, und die Gefangenen hörten sie.“

Auf diese Weise kommen ihre Gedanken zur Ruhe, werden neu auf Gott ausgerichtet. Ihre Seelen gewinnen neue Kraft, um Ihm inmitten ihrer Schwierigkeiten zu vertrauen. Verschiedene Ausleger haben diese Art der “Stille vor Gott“ als kreative oder schöpferische Stille bezeichnet. Dies ist nicht eine Stille, die dadurch entsteht, dass man die “Zähne zusammenbeißt“, sondern eine innere Ruhe, die wir dann erfahren, wenn wir unseren Mund öffnen, um zu Gott zu beten und Ihm zu preisen.

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