Anmerkungen zu Philipper 4, 8

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Anmerkungen zu Philipper 4, 8

Das Bibelwort, das in der heutigen Wortverkündigung betrachtet werden soll, findet sich im 4. Kapitel des Philipperbriefes. Zum besseren Verständnis lesen wir die Verse 1 – 8:

„Also, meine lieben Brüder, nach denen ich mich sehne, meine Freude und meine Krone, steht fest in dem Herrn, ihr Lieben. Evodia ermahne ich und Syntyche ermahne ich, dass sie „eines“ Sinnes seien in dem Herrn.  Ja, ich bitte auch dich, mein treuer Gefährte, steh ihnen bei; sie haben mit mir für das Evangelium gekämpft, zusammen mit Klemens und meinen andern Mitarbeitern, deren Namen im Buch des Lebens stehen. Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Weiter, liebe Brüder: Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob – darauf seid bedacht! “

(Philipper 4, 1 – 8, Luther-Übersetzung 1984)

 

* “Darum“ – “Warum?“

Das Kapitel wird mit dem griechischen Wort “ὥστε“ (“hoste“) eingeleitet. Die Lutherübersetzung von 1984 gibt dieses Wort mit “also“ wieder, man kann es aber auch – wie es die Elberfelder Übersetzung 2006 tut – mit “daher“ oder – wie die Schlachterübersetzung 2000 – mit “darum“ übersetzen. Damit weist uns dieses Wort darauf hin, dass die nun folgenden Aussagen des Apostels ihren Grund in dem haben, was zuvor gesagt wurde oder, dass sie das, was zuvor gesagt wurde, jetzt zusammenfassen und zu einem Abschluss bringen.

* “(…) steht fest in dem Herrn (…)“

Die Ermahnung zur Festigkeit (Philipper 4, 1) finden wir bereits in Philipper 1, 27:

“Wandelt nur würdig des Evangeliums des Christus, damit ich, sei es, dass ich komme und euch sehe oder abwesend bin, von euch höre, dass ihr fest steht in einem Geist und mit einer Seele zusammen für den Glauben des Evangeliums kämpft.“

Wenn wir den Philipperbrief in seiner Gesamtheit betrachten, dann stellen wir fest, dass es zwei Dinge oder Einflüsse gab, die die Gläubigen in Philippi in ihrem Glauben an den Herrn Jesus Christus und Sein Evangelium  ins Wanken bringen wollten:
Der Apostel Paulus befand sich zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Briefes im Gefängnis (vgl. Philipper 1, 12 – 13). Die altkirchliche Überlieferung datiert diesen Brief – und damit die Gefangenschaft des Paulus – in die Zeit von 63/64 n. Chr.  D.h., diese Gefangenschaft fällt in die Zeit der ersten Welle der Christenverfolgungen unter Kaiser Nero. Aus Philipper 1, 27 – 30 wird deutlich, dass auch die Philipper wegen ihres Glaubens – von äußeren Gegnern – bedrängt wurden (vgl. insbesondere Philipper 1, 30: “denselben Kampf“).  In dieser schwierigen Situation sollten die Christen in Philippi “fest im Herrn“ bleiben.
Daneben gab es noch eine weitere Bedrohung für die Gläubigen, die jedoch mehr einen “innerchristlichen“ Charakter hatte: Aus Philipper 3, 1 – 16 erfahren wir, dass in Philippi Männer auftraten, die unter dem Deckmantel der christlichen Lehre wieder alttestamentarisches Gedankengut unter den Gläubigen einführen wollten. Ihr Ziel war eine Vermischung des “Evangeliums der Gnade und Herrlichkeit“ (Apostelgeschichte 20, 24; 1. Timotheus 1, 11) mit dem alttestamentarischen Gesetz, obwohl Letzteres in Christus sein Ende gefunden hatte (Hebräer 8, 13; Galater 3, 23 – 26 u.a.m.) Hätten diese Männer ihr Ziel erreicht und die Gläubigen in Philippi wieder “unter das Gesetz“ gebracht, so hätte dies schwerwiegende  Konsequenzen für das Glaubensleben dieser Christen gehabt (s. Galater 5, 4!) Darum warnt Paulus mit scharfen Worten vor diesen Verführern, die mit ihrer falschen Lehre das wunderbare Erlösungswerk Jesu Christi verdunkeln wollen. In Galater 2, 4 nennt er sie “falsche Brüder“. In Philipper 3, 2 bezeichnet er sie als “Hunde“ und “falsche Arbeiter“.
Gegenüber diesen beiden Bedrohungen – einer äußeren und einer inneren – galt es standhaft zu bleiben.

* Wie man standhaft bleiben kann

In Philipper 4, 2 – 8 gibt der Apostel Paulus dann Hinweise, wie man die notwendige Standfestigkeit erreichen bzw. bewahren kann und zwar indem man

>> “eines Sinnes“ (Verse 2 – 3) ist. Zwischen Euodia und Syntyche war es zu Unstimmigkeiten gekommen, durch die wohl auch andere Gläubige in Philippi beunruhigt wurden. Paulus fordert diese Schwestern auf, ihre Unstimmigkeiten beizulegen. Was die Gläubigen in Philippi angesichts der inneren und äußeren Bedrohung brauchten, war “dieselbe Gesinnung im Herrn“ zu haben. Praktisch bedeutet dies, dass nicht menschliche Meinungen oder Gefühle die Einstellung bzw. Überzeugung des Christen bestimmen sollten, sondern nur der Herr Jesus Christus durch Sein Wort.

>>   “sich in dem Herrn freut“ (Vers 4). Der Herr Jesus Christus und Seine Liebe zu uns sind unwandelbar. Niemand kann uns aus Seiner Hand – und damit aus seiner Liebe – reißen (Johannes 10, 27). Er steht treu zu uns, selbst wenn wir fehlen und untreu werden sollten (2. Timotheus 2, 13). Ihn und das, was Er für uns getan hat und gerade auch jetzt tut (1. Johannes 2, 1; Hebräer 7, 25) zu betrachten, wird uns immer wieder mit Freude und Dankbarkeit erfüllen. Diese Freude am Herrn ist unsere größte Kraftquelle. Vergessen wir nicht, wer diesen Aufruf schreibt und wann – es ist der Apostel Paulus und er schreibt dies aus seiner Gefangenschaft in Rom! Wenn jemand Grund gehabt hätte, “zu Tode betrübt zu sein“, dann doch wohl er?! Aber nein, seine Lebenserfahrung ist eine andere: Weil Sein Leben mit dem Sohn Gottes, Seinem Erlöser verbunden ist, kann er in Ihm zur Ruhe kommen und auf diese Weise neue Kraft empfangen. Paulus hat gelernt, von seinen Ketten weg und  auf den allmächtigen Gott zu schauen. Dieser ist ihm auch im römischen Gefängnis ganz nah und wird dafür sorgen, dass ihm “alle Dinge zum Guten“ dienen müssen (Römer 8, 29).

>> “um nichts besorgt (ist), sondern in allem (…) durch Gebet und Flehen mit Danksagung (… seine) Anliegen vor Gott kund werden (lässt)“. Ein Kommentator schrieb diesbezüglich (Fettdruck durch mich):

“Wir stehen mit Gott in Verbindung; in allem ist Er unsere Zuflucht, und Ihn stören die Ereignisse nicht. Er kennt das Ende von Anfang an. Er kennt alles, Er kennt es im Voraus. Die Ereignisse erschüttern weder Seinen Thron noch Sein Herz; sie erfüllen nur immer das, was Er Sich vorgesetzt hat.
Aber für uns ist Er Liebe; wir sind durch die Gnade die Gegenstände Seiner zärtlichen Sorge. Er gehört uns und neigt uns Sein Ohr zu. Deshalb sollen wir in allen Dingen, anstatt uns zu beunruhigen und alles in unseren eigenen Herzen abzuwägen, unsere Anliegen durch Gebet und Flehen vor Gott kundwerden lassen mit einem Herzen, das sich vor Ihm offenbart (denn wir sind menschliche Wesen), aber mit der Kenntnis des Herzens Gottes, das uns vollkommen liebt: so dass wir selbst dann schon, wenn wir unsere Bitte vor Ihn bringen, danken können, weil wir der Antwort Seiner Gnade gewiss sind, wie sie auch ausfallen möge. Es sind ja unsere Anliegen, die wir vor Ihn bringen sollen.
Auch stehen wir nicht unter einem kalten Gebot, erst Seinen Willen zu erforschen und dann zu kommen: wir sollen mit unseren Anliegen kommen. Deshalb heißt es auch nicht: ihr werdet alles bekommen, um was ihr bittet, sondern: der Friede Gottes wird eure Herzen bewahren. So zu kommen ist Vertrauen; und Sein Friede, der Friede Gottes Selbst, wird unsere Herzen bewahren. Es heißt nicht, dass unsere Herzen den Frieden Gottes bewahren sollen, sondern indem wir unsere Bürde auf Ihn geworfen haben, dessen Friede durch nichts erschüttert werden kann, bewahrt Sein Friede unsere Herzen. Unsere Sorge ist vor Seinem Angesicht, und der beständige Friede des Gottes der Liebe, der alles auf Sich nimmt und alles zuvor weiß, beruhigt unsere entlasteten Herzen. Gott teilt uns den Frieden mit, der in Ihm Selbst ist und der allen Verstand übersteigt (oder Er bewahrt wenigstens unsere Herzen durch denselben), ebenso wie Er Selbst über alle Umstände, die uns beunruhigen können, erhaben ist, wie auch über das arme, menschliche Herz, das durch sie beunruhigt wird. O welche Gnade, dass sogar unsere Schwierigkeiten dazu dienen müssen, uns mit diesem wunderbaren Frieden zu erfüllen, wenn wir wissen, wie wir sie zu Gott bringen sollen, und wie treu Er ist! Möchten wir lernen, diese Verbindung mit Gott in Wirklichkeit aufrecht zu halten, damit wir mit Ihm verkehren und Seine Wege mit den Gläubigen verstehen lernen!“¹

Der Apostel Paulus belehrt uns hier also, dass wir Angst und Sorge durch Gebet ersetzen sollen. Wir müssen die Lasten, die uns bedrücken nicht allein tragen. Schon David konnte bezeugen, dass Gott uns diese Lasten abnehmen will:

“Gepriesen sei der Herr! Tag für Tag trägt er unsere Last; Gott ist für uns ein Gott rettender Taten, und der HERR, unser Gott, hat Auswege aus dem Tod.“

(Psalm 68, 19 – 20)

Und diese Aussage wird im Neuen Testament bestätigt:

“Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“

(1. Petrus 5, 7)

Die Aussage “denn er sorgt für euch“ kann auch mit “denn ihm liegt an euch“ übersetzt werden. Gott war bereit, Seinen einzigen Sohn für Ihre und meine Erlösung zu geben und in Römer 8, 31 – 39 wird uns die unwandelbare Liebe Gottes, die in der Erlösung zum Ausdruck kommt, siebenmal zugesichert. Sollte der Gott, der das größte Problem – die Trennung des Menschen von Ihm – zu lösen vermochte, nicht willens und fähig sein, uns in viel kleineren Nöten zu helfen? Nein, auch das wird Er tun, “denn ihm liegt an uns“ und zwar an jedem Einzelnen von uns.
Ein Kopf, in dem sich nur noch das “Karussell der Sorgen“ dreht, wird keine klaren Gedanken fassen können. Er ist schon gar nicht in der Lage, äußeren oder inneren Bedrängnissen (wie sie im Philipperbrief angesprochen werden) in der richtigen Art und Weise  zu begegnen. Darum ist wichtig, dass wir unsere Zuflucht zu Gott im Gebet nehmen und unsere Lasten bei Ihm abladen. Nur so werden wir Seinen Frieden empfangen und auch einen “klaren Kopf“ behalten können.

>> sich auf das konzentriert, was neue Kraft vermittelt: “Weiter, liebe Brüder: Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob – darauf seid bedacht!“
Erst vor einigen Wochen brachte die englische Zeitschrift “The Guardian“ einen Artikel mit dem Titel: “News is bad for you – and giving up reading it will make you happier“: Klick! (in deutscher Sprache: “Neuigkeiten sind schlecht für Sie – und wenn Sie aufhören, sie zu lesen wird Sie das glücklicher machen“) Der Artikel führte 10 Punkte auf, in denen beschrieben wurde, wie sich der Dauerkonsum von Mediennachrichten negativ auf unsere Gesundheit auswirkt. Als der Apostel Paulus seinen Brief an die Gläubigen in Philippi verfasste, war an die heutige Dauerpräsenz der Medien noch gar nicht zu denken. Trotzdem konnten auch damals schon negative Dinge einen Menschen so sehr gedanklich beschäftigen, dass er dadurch krank wurde.
Nachdem Paulus im Vers zuvor dargelegt hat, wohin unsere Probleme gehören – nämlich im Gebet vor Gott gebracht – weist er in diesem Vers darauf hin, was wir tun sollen, wenn wir unsere Lasten vor Gott abgelegt haben: Wir sollen unsere Gedanken auf andere Dinge ausrichten. Wir sollen nicht mit unseren Gedanken an dem hängen bleiben, was wir gerade im Gebet bei Gott abgeladen haben. Wenn wir unsere Nöte bei Gott abgeladen haben, dann müssen wir Ihm die Lösung überlassen. Unsere Aufgabe ist es, uns mit auferbauenden Dingen zu befassen, damit wir – die wir durch die genannten Lasten und Nöte niedergebeugt waren – wieder neue Kräfte sammeln können und stark werden. Das ist anfänglich nicht einfach, wir können es aber trainieren. Und wir können Gott auch im Gebet bitten, dass Er uns dabei hilft, auf auferbauende Dinge ausgerichtet zu bleiben.
Es ist dabei wichtig, dass wir beachten, dass es hier nicht um die Methode des “Positiven Denkens“ geht. Es geht nicht darum, dass wir uns nun den ganzen Tag mantrahaft einreden: “Es wird alles gut, es wird alles gut, es ….“ Es geht darum, dass wir nicht den Blick für das ganz konkrete Gute verlieren, das Gott uns in unserem Leben schenkt – sei dies im natürlichen Bereich z.B. durch unsere Mitmenschen und gute Erfahrungen, die wir machen durften  oder durch vielfältige Erfahrungen im geistlichen Bereich. Stress und Belastungen führen in der Regel dazu, dass unser Blickwinkel sich verengt und wir nur noch die Dinge sehen, die uns besonders beschäftigen. Auf Dauer wird dadurch unsere seelische Kraft aufgezehrt. Es ist darum wichtig, dass wir das “alltägliche Gute“ in unserem Leben nicht übersehen, sondern bewusst wahrnehmen und uns bewusst daran freuen.  Besondere Kraft wird dem Gläubiger jedoch dadurch zuteil, dass er seinen Blick auf Den richtet, der alle in Philipper 4, 8 genannten Tugenden in sich vereint: Jesus Christus, seinen Erlöser. An vielen Stellen in der Heiligen Schrift werden wir dazu aufgefordert:

“Darum, ihr heiligen Brüder, die ihr teilhabt an der himmlischen Berufung, schaut auf den Apostel und Hohenpriester, den wir bekennen, Jesus …“

(Hebräer 3, 1)

“Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, damit ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.“

(Hebräer 12, 1 – 3)

Dieser Blick auf unseren Erlöser wird nicht ohne Wirkung bleiben. Das sehen wir am Beispiel des Apostels Paulus. Weil er auch in seiner Gefangenschaft den Blick fest auf Seinen Herrn richtete, erlebte er einen ständigen Zustrom von Kraft:

“Zu allem habe ich die Kraft in der Gemeinschaft dessen, der mich stark macht.“

(Philipper 4, 13 – Albrecht-NT)

Der Blick auf das Gute, das Gott uns in unserem Alltag schenkt ist wichtig. Er macht uns deutlich, dass Gott täglich um uns besorgt ist und uns nicht vergisst. Aber der Blick auf und die Gemeinschaft mit unserem Herrn Jesus Christus vermittelt uns die Kraft, die wir benötigen, um in den täglichen Herausforderungen bestehen zu können.

Fußnoten:

¹= J. N. Darby: “Betrachtungen über das Wort Gottes“, Ernst-Paulus-Verlag Neustadt/W., o. J., Band 6, Seite 186 – 187

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