Siebenfache Zusicherung der Liebe Gottes


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Ein kurzer Überblick

Viele Ausleger sind sich darin einig, dass der Römerbrief nicht der erste Brief war, den der Apostel Paulus verfasste. Es wird angenommen, das die Briefe an die Thessalonicher und die Briefe an die Korinther vor dem Römerbrief entstanden sind.  Verschiedene Anhaltspunkte deuten darauf hin, dass der Römerbrief in der Zeit zwischen 56 n. Chr. – 58 n. Chr. geschrieben wurde. Trotzdem findet sich dieser Brief ganz zu Recht als erster Brief in der Sammlung der neutestamentarischen Briefe. Denn in keinem anderen Brief werden die grundlegenden Glaubenslehren des Christentums so ausführlich entfaltet:

Nach der einleitenden Begrüßung (Kapitel 1, 1 – 15) und einer grundsätzlichen Bemerkung über den Inhalt des Evangeliums (Kapitel 1, 16 – 17) belehrt der Apostel die Versammlung (= Gemeinde) über die Notwendigkeit der Erlösung, d.h. der Rechtfertigung, für alle Menschen (Kapitel 1, 18 – Kapitel 3, 20).

In den Kapiteln 3, 215, 11 erläutert Paulus wie der Mensch Erlösung empfängt („allein aus Gnade, mittels des Glaubens“) und welche Folgen die Erlösung für den Menschen hat („Frieden mit Gott“).

In den Kapiteln 5, 127, 13 wird dann die Stellung beschrieben, in die der Gläubige durch die Erlösung/Rechtfertigung versetzt wurde: Früher war er „in Adam“, jetzt ist er „in Christus“, früher war er „unter dem Gesetz“, jetzt aber ist er „begnadigt in Christus“, früher war er ein „Sklave der Sünde“, heute ist er ein „Sklave Gottes“.

Römer 7: Der Begnadigte unter dem Gesetz

Kapitel 7, 14 – 25 beschreibt das Leben eines Gläubigen, der zwar die Gnade Gottes an sich erfahren hat, aber immer noch der Meinung ist, die Grundlage seiner Beziehung zu Gott sei das Gesetz. Dieser Mensch lebt nach dem Grundsatz: „Wenn ich Gott in der rechten Weise diene, wird Er mir gnädig sein.“ Er erkennt zwar das Erlösungswerk in Jesus Christus  an und ist dankbar dafür, bezieht es aber nur auf seine Vergangenheit. Er kennt keinen wirklichen Frieden mit Gott in der Gegenwart und ist sich seines Heils nicht sicher. Er glaubt sich solange bei Gott angenommen, wie er entsprechend den Geboten Gottes handelt. Aber er ist sich nicht gewiss, dass er das Ziel des Glaubens auch wirklich erreicht. Kern seines Problems ist, dass er immer noch aus eigener Kraft erreichen will, was Gott schon für ihn getan hat.

Römer 8: Keine Verdammnis mehr!

Diesem Denken tritt der Apostel Paulus im Römer 8 mit dem Evangelium entgegen. Von Vers 1 – 30 erklärt Paulus dem unter dem Gesetz verharrenden Gläubigen noch einmal ausführlich seine neue Stellung „in Christus“. Wer das Erlösungswerk angenommen hat, ist gerechtfertigt, ist nicht mehr „unter dem Gesetz“, muss keine Furcht vor dem Gericht mehr haben, sondern ist „begnadigt in Ihm“, ist „in Christus“ und hat deswegen „keine Verdammnis“ mehr zu erwarten (Römer 8, 1). Er darf sich am Frieden mit Gott und an der ewigen Sicherheit seines Heils erfreuen, denn seine Sicherheit ist nicht in seinen eigenen Werken begründet, sondern in dem Gott, der sich dem Sünder zuwendet („Gott für uns“, Vers 31). Wie der verlorene Sohn aus Lukas 15, 11 – 24, der seinen falschen Weg bereut, zu seinem Vater umkehrt und von diesem mit „offenen Armen“ wieder aufgenommen wird, so darf jeder, der seine Sünde bereut und die Erlösung in Christus angenommen hat, sich seiner ewigen Annahme bei Gott gewiss sein.

Auch dem Erlösten ist es noch möglich zu sündigen und  Sünde ist auch für ihn  Sünde  und kein „Kavaliersdelikt“, denn sie verunehrt Gott und trübt das Verhältnis des Gläubigen zu Seinem himmlischen Vater. Diese getrübte Gemeinschaft muss durch Sündenbekenntnis und Vergebung wiederhergestellt werden. Aber die Sünde bewirkt keinen Verlust des Kindschaftsverhältnisses. Denn auch für diese Sünden hat Gott Sorge getragen:

“Meine Kinder, ich schreibe euch dieses, auf daß ihr nicht sündiget; und wenn jemand gesündigt hat: wir haben einen Sachwalter bei dem Vater, Jesum Christum, den Gerechten.“

(1. Johannes 2, 1 – 2)

Wenn der Gläubige strauchelt (Jakobus 3, 1 – 2), von einem Fehltritt übereilt wird (Galater 6, 1) oder in Sünde fällt (1. Johannes 2, 1), dann kann er wiederhergestellt werden.  Diese Gnade Gottes wird der wahrhaft Gläubige nicht mit einem „Freifahrtschein für Sünde“ verwechseln, sondern sie dankbar und demütig annehmen. Denn er weiß, dass ein dauerhaftes Verharren in der Sünde ihn von einem Leben der Freude und des Friedens in Christus trennt. Der Gläubige  wird bestrebt sein, dem Heiligen Geist immer mehr Raum in seinem Leben zu geben und er wird sich immer mehr mit dem verherrlichten Herrn Jesus Christus beschäftigen, damit er so verwandelt wird in Sein Ebenbild (Römer 8, 29; 2. Timotheus 2, 19b). Das alles ist dem Gläubigen, der meint, immer noch auf der Grundlage des Gesetzes zu stehen, fremd. Darum erläutert der Apostel Paulus diese Dinge hier so ausführlich. Und um keinen Zweifel an der Liebe und Gnade Gottes aufkommen zu lassen fügt er die wunderbaren Verse an, denen unser heutiges Textwort entnommen ist:

“Was sollen wir nun hierzu sagen? Wenn Gott für uns ist, wer gegen uns? Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat: wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken? Wer wird gegen Gottes Auserwählte Anklage erheben? Gott ist es, der rechtfertigt; wer ist es, der verdamme? Christus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der [auch] auferweckt worden, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet. Wer wird uns scheiden von der Liebe des Christus? Drangsal oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht: Deinetwegen werden wir getötet den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir gerechnet worden. Aber in diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Gewalten, weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermögen wird von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“

(Römer 8, 31 – 39)

Siebenfache Zusicherung der Liebe Gottes

In diesen Versen stellt der Apostel Paulus sieben Fragen, die er auch selbst beantwortet: Siebenmal wird die Frage gestellt, ob es irgendetwas gibt, dass die Erlösung des Gläubigen, sein Heil, rückgängig machen könnte. Und siebenmal wird die Antwort gegeben: Nein, nichts, aber auch gar nichts, kann den Gläubigen von Gott und Seiner Liebe trennen. Ich bin überzeugt davon, dass die Zahl „sieben“ nicht aus Zufall in diesem Zusammenhang vorkommt. Diese Zahl ist durch die ganze Bibel hindurch ein Symbol der göttlichen Vollkommenheit (vgl.  7 Tage der Woche [1. Mose 2, 2], das Blut der Opfertiere musste siebenmal vor Gott gesprengt werden, um Sühnung zu erwirken [3. Mose 4, 6 + 17], die sieben Feste Gottes im Alten Testament [3. Mose 23], die sieben Leuchter in Offenbarung 1, 20 stellen die Gesamtheit der Versammlung [= Gemeinde] dar u. a. m.) und so ist es nur folgerichtig, dass der Heilige Geist dort, wo Er uns die vollkommene Zusicherung der Liebe Gottes geben möchte, dies auf siebenfache Weise tut:

1) Das Heil des Gläubigen ist sicher, weil es in nichts anderem begründet ist, als in der Tatsache, dass Gott für uns ist (Römer 8, 31). Das, was Gott in der Vergangenheit durch Seinen Sohn getan hat und das, was Er gegenwärtig für uns durch den Heiligen Geist tut, bezeugt uns Seine unwandelbare Liebe. Wir dürfen sicher sein, dass Gott, das Werk, das Er in uns  begonnen hat, auch vollenden wird (Philipper 1, 6). Wer sollte den allmächtigen Gott daran hindern können?

2) Indem Gott Seinen einzigen Sohn für unsere Sünde am Kreuz von Golgatha in den Tod  gab, hat Er auf unvergleichliche Weise unter Beweis gestellt, was Er bereit ist, für uns zu tun (Römer 8, 32). Darum dürfen wir sicher sein, dass Er auch alles tun wird, damit wir in das Ebenbild Seines Sohnes verwandelt werden (2. Petrus 1, 3).

3) Es gibt niemanden mehr, der die Erlösten anzuklagen vermag! Der „Verkläger der Brüder“ der Teufel (Offenbarung 12, 10) wird nichts unversucht lassen, um uns diesen Frieden und diese Sicherheit zu rauben. Er weiß, dass wir in Unfrieden und verunsichert bzgl. unseres Heils, nur noch um uns kreisen und Gott nicht mehr nützlich zum Dienst sind. Dazu benutzt er gern Fehler und Sünden aus der Vergangenheit, die er uns plötzlich vor Augen führt. Mit dieser diabolischen „Gedächtnisstütze“ geht in der Regel auch die Frage einher: „Ob Gott dir d a s wohl auch vergeben hat? Das war doch so abscheulich, das kann Gott sicherlich nicht vergeben!“ Aber Gottes Wort antwortet uns darauf, dass keine seiner Anklagen bei Gott Erfolg haben wird. Sünde, die wir bereut und bekannt haben, ist ein für allemal vergeben und wird von Gott nie wieder erwähnt (Micha 7, 19). Und wenn gerade jetzt Sünde in Ihrem Leben ist, dann bereuen und bekennen sie sie. Auch diese Sünde kann und will Gott Ihnen vergeben (1. Johannes 1, 7 – 9). Dann wird auch diese Sünde Sie nicht mehr anklagen.

4) Es gibt auch niemanden mehr, der die Erlösten verdammen wird (Römer 8, 34). Gott hat einen Mann zum Richter über alle Menschen bestimmt, Seinen Sohn Jesus Christus (Apostelgeschichte 17, 31). Aber dieser Richter ist ja bereits Retter, unser Erlöser! Er ist für uns gestorben, damit unser Sündenproblem ein für allemal gelöst werden konnte, Er ist auferweckt worden und hat uns ewiges Leben gegeben, Er verwendet sich jetzt für uns vor dem Vater (Hebräer 7, 25; 1. Johannes 2, 1), in Ihm sind wir jetzt schon beim Vater (Kolosser 3, 3). Dieser Erlöser wird die von Ihm Erlösten nicht mehr verdammen.

5) Auch gegenwärtige Bedrängnisse sind kein Zeichen dafür, dass Gott uns Seine Liebe entzogen hätte (Römer 8, 35). Diese Welt befindet sich nicht mehr in dem Zustand, in dem Gott sie erschaffen hat. Sie ist durch den Sündenfall in Mitleidenschaft gezogen. Leiden und Tod sind Folge des Sündenfalls und auch die Gläubigen bleiben von diesen Folgen nicht verschont. Paulus spricht hier sieben (!) Dinge an, die der Gläubige erleiden kann: Bedrückung, Angst, Verfolgung, Hungersnot, Kälte, Lebensgefahr und das Schwert des Henkers. Mit allen diesen Nöten war Paulus selbst konfrontiert worden (vgl. 2. Korinther 11, 23 – 28) und in all diesen Nöten hatte der Herr ihn bewahrt und ihm daraus geholfen! Paulus selbst war also ein lebendiger Zeuge dafür, dass Gott aus der Vollzahl von Trübsalen vollkommen erretten kann und dass diese Trübsale kein Zeichen dafür sind, dass Gott uns Seine Liebe entzogen hätte. Solche äußeren Trübsale wirken sich oft sehr schnell auch negativ auf unser seelisches Befinden aus. Es gibt Zeiten, da empfinden wir aufgrund der Umstände, mit denen wir zu kämpfen haben, keine Freude, keinen Frieden, keine Liebe Gottes mehr. Aber in solchen Momenten ist es wichtig, dass wir uns darauf besinnen, dass unser Glaube und unsere Annahme bei Gott nicht auf Gefühlen, sondern auf dem Wort Gottes beruht. Unsere Gefühle sind immer nur die Reaktion auf etwas, z.B. auf die Bedrängnisse, mit denen wir zu kämpfen haben. Aber sie sind nicht die Wahrheit, auf der unser Glaube und unsere Annahme bei Gott ruhen. König David hat eine solche Erfahrung gemacht:

“Gepriesen sei der Herr; denn wunderbare Gnade hat er mir erwiesen in der Zeit der Drangsal. Ich aber sagte in meiner Bestürzung: ‚Ich bin verstoßen aus deinen Augen.‘ Dennoch hörtest du die Stimme meines Flehens, als ich zu dir schrie.“

(Psalm 31, 22 – 23)

6) Leiden ist immer ein Teil des Lebens der Gerechten gewesen (Römer 8, 36; Psalm 44, 22). Die Apostel machen an vielen Stellen deutlich, dass das Leiden der Gläubigen in der gegenwärtigen Zeit kein Zeichen dafür ist, dass Gott ihnen Seine Liebe entzogen hätte, sondern dass Leiden Zeichen für ihre Erwählung zum Reich Gottes sind (vgl. Johannes 16, 33; Apostelgeschichte 14, 22; 1. Thessalonicher 3, 3; Römer 8, 17; 2. Timotheus . 2, 11 – 13; 2. Timotheus 3, 12) und sie betreffen – auf die eine oder andere Weise – alle Christen (vgl. 1. Petrus 5, 8 – 9).

7) Gottes Zusage seiner Liebe hat gegen alles, was uns von Ihm zu trennen versucht, Bestand. Die Verse in Römer 8, 37 – 39 bekräftigen noch einmal die vorhergehen den Aussagen: Nichts, aber auch gar nichts, kann uns von der Liebe Gottes trennen, die in Christus Jesus ist. Paulus führt alles an, was die Schöpfung in Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft „zu bieten“ hat. Aber nichts davon, kann sich trennend zwischen uns und Gottes Liebe stellen und auch der Gläubige selbst kann sich nicht mehr von Gottes Liebe trennen.

Wenn das nicht Evangelium, frohe Botschaft, ist, was sollte dann frohe Botschaft sein? Mit Erdmann Neumeister dürfen wir singen:

“Mein Gewissen quält mich nicht,
will mich das Gesetz verklagen;
der mich frei und ledig spricht,
hat die Schulden abgetragen,
dass mich nichts verdammen kann:
Jesus nimmt die Sünder an.“

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