Autorität – eine Frage der Abhängigkeit (Johannes 7, 18)

Das Textwort für den heutigen Mittwoch ist dem Johannesevangelium entnommen (zur Zielgruppe des Johannesevangeliums siehe: Klick!) und zwar dem 7. Kapitel:

“Als es aber schon um die Mitte des Festes war, ging Jesus hinauf in den Tempel und lehrte. Da verwunderten sich die Juden und sagten: Wie besitzt dieser Gelehrsamkeit, da er doch nicht gelernt hat? Da antwortete ihnen Jesus und sprach: Meine Lehre ist nicht mein, sondern dessen, der mich gesandt hat. Wenn jemand seinen Willen tun will, so wird er von der Lehre wissen, ob sie aus Gott ist oder ob ich von mir selbst aus rede. Wer von sich selbst aus redet, sucht seine eigene Ehre; wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, dieser ist wahrhaftig, und Ungerechtigkeit ist nicht in ihm.

(Johannes 7, 1 4 – 18)

Das Laubhüttenfest

Johannes berichtet uns, dass der Herr Jesus Christus zur Mitte “des Festes“ in Jerusalem auftrat und lehrte. Aus Johannes 7, 2 wissen wir bereits, dass es sich bei diesem Fest um das Laubhüttenfest handelte. Dieses Fest, dessen genaue Beschreibung wir in 3. Mose 23, 33 – 44 und in 4. Mose 29, 12 – 39 finden und das auch unter dem hebräischen Namen “Sukkot“ bekannt ist, wird  zwischen dem 15. und dem 21. Tag des siebten Monats des jüdischen Festkalenders gefeiert. Damit fällt es nach unserem Kalender in die Zeit von September/Oktober, im Jahr 2012 findet es vom 1. bis 7. Oktober statt.
Neben dem Passahfest (2. Mose 12, 1 – 51) und dem Schawout- oder Wochenfest (2. Mose 23; 16 + 34, 22; 4. Mose 28, 26; 5. Mose 16, 10) ist das Laubhüttenfest das dritte biblische Wallfahrtsfest, zudem jeder männliche Jude nach Jerusalem hinaufziehen musste. Es ist vorrangig ein Fest des Dankes für die eingebrachte Ernte. Während der Festzeit wird in selbstgebauten Hütten, die mit Palmenblättern und/oder dem Laub von Weidenbäumen dekoriert werden,  gegessen, gefeiert und auch geschlafen. Dabei sollen die Laubhütten auch an die göttliche Versorgung der Israeliten während der Wüstenwanderung nach der Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten erinnern. So symbolisiert das Laubhüttenfest beides: die Freude über Gottes Versorgung, aber auch die Erinnerung daran, dass der Mensch in allem von seinem Schöpfer abhängig ist. Der Prophet Sacharja kündigt an, dass das Laubhüttenfest im Zeitalter des Millenniums als ein dann alle Menschen betreffendes Fest gefeiert werden wird (Sacharja 14, 16 – 19).

Jesus Christus auf dem Laubhüttenfest

In uns in Johannes 7 beschriebenen Geschehen am Laubhüttenfest in Jerusalem sehen viele Kommentatoren den Wendepunkt im irdischen Dienst des Herrn Jesus Christus. Bis zu diesem Zeitpunkt schildert uns Johannes nur geringen Widerstand gegen den Dienst und die Verkündigung des Herrn. In Johannes 5, 1 – 16 wird Er wegen der Heilung eines Gelähmten am Sabbath angegriffen und in Johannes 6 wird uns geschildert, wie eine große Anzahl von Menschen, die Ihm bisher nachfolgte, wegen Seinem Selbstanspruch als “Brot des Lebens“ (Johannes 6, 66 – 67) verließ. Von da an berichten uns die Evangelien eine ständige Steigerung des Widerstandes gegen das Wirken und die Verkündigung Jesu, bis hin zum Aufruf, Ihn zu töten (Johannes 7, 1; vgl. anschließend: Johannes 8, 59; Johannes 10, 39; Johannes 11, 8 + 53). [In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass wir – insbesondere im Johannesevangelium – eine Besonderheit beachten. Wenn Johannes z. B. in Johannes 7, 1 schreibt, dass “die Juden“ danach trachteten, den Herrn umzubringen, dann meint der Evangelist mit diesem Begriff nicht die gesamte Ethnie, das gesamte Volk der Juden. Bei Johannes steht der Ausdruck “die Juden“ mehrheitlich für die Führer des Volkes (vgl. auch Johannes 1, 19; Johannes  7, 13). Von der Mehrheit des Volkes hingegen bezeugt er, dass diese dem Herrn großes Interesse und Zuneigung entgegenbrachte (siehe z.B. Johannes 12, 18 – 19)].

Autorität – eine Frage der Abhängigkeit

Trotz des Wissens darum, dass Ihm seitens der politischen und religiösen Leiter des jüdischen Volkes nach dem Leben getrachtet wird, tritt der Herr in der Mitte des Festes¹ in Jerusalem auf und lehrt – nicht irgendwo, sondern – im Tempel! (Johannes 7, 14). Sein Auftritt und die von Ihm verkündete Lehre beeindruckt selbst Seine ärgsten Gegner so sehr, dass sie Ihm fragend Respekt zollen: “Und die Juden verwunderten sich und sprachen: Wie kennt dieser die Schrift? Er hat doch nicht studiert!“ (Johannes 7, 15). Hier geht es nicht um die Frage der Schulbildung. Jüdische Männer konnten in der Regel lesen und schreiben. Die Obersten des Volkes konnten jedoch nicht nachvollziehen, wie ein Mensch eine so autoritative Lehre vortragen konnte, ohne von ihnen – des religiösen Autoritäten – unterrichtet worden zu sein (vgl. auch: Markus 1, 22; Matthäus 7, 28 – 29; Lukas 4, 32). Nach orthodox jüdischem Verständnis konnte jemand nur dann mit wirklicher Autorität lehren, wenn er auf eine lange Reihe von Gelehrten verweisen konnte, durch die er über viele Jahre hindurch unterrichtet worden war. Der Verweis auf eine Vielzahl von rabbinischen Lehrern ist bis heute für orthodoxe Juden ein Hinweis auf die Autorität, mit der eine Lehraussage vorgetragen wurde bzw. wird  (“Rabbi Z hat gesagt, dass Rabbi Y gemeint hat, das … Rabbi A schon gesagt hat ….“). Je länger und je prominenter die Reihe der rabbinischen Lehrer war, die sich in ähnlicher Weise zu einem Thema geäußert hatten, desto größeres Gewicht bekam eine Aussage. Um dieses Denken wissend, antwortet der Herr:

“Meine Lehre ist nicht mein, sondern dessen, der mich gesandt hat. Will jemand seinen Willen tun, der wird innewerden, ob diese Lehre von Gott sei, oder ob ich aus mir selbst rede. Wer aus sich selbst redet, der sucht seine eigene Ehre; wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaft, und keine Ungerechtigkeit ist in ihm.“

(Johannes 7, 16 – 18)

Die Lehre Jesu war nicht die Fortsetzung einer langen rabbinischen Tradition, sie entsprang auch nicht eines didaktischen Studiums der rabbinischen Schriften. Die Lehre Jesu hatte Autorität, weil sie direkt von Gott kam.  Die Beziehung des Sohnes Gottes zu Seinem Vater war eine Beziehung engster Abhängigkeit (Johannes 8, 28; Johannes 12, 49; Johannes 14, 10 + 24):

“Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, der Sohn kann nichts von sich selbst tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn.“

(Johannes 5, 19)

“Ich kann nichts von mir selbst tun. Wie ich höre, so richte ich, und mein Gericht ist gerecht; denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.“

(Johannes 5, 30)

Er beging die Symbolik des Laubhüttenfestes nicht nur einmal im Jahr, Er lebte sie in jedem Augenblick Seines irdischen Daseins. Weil Sein Herz darauf gerichtet war, den Willen  Gottes – Seines Vaters –  und nicht irgendwelche menschlich erdachten, religiösen Gebote zu tun, war Seine Lehre mit göttlicher Autorität bekleidet. Randolph V. Tasker weist in seinem Kommentar zum Johannesevangelium daraufhin, dass es das charakteristische Zeichen vieler herausragender Personen in der Bibel ist, dass sie davon überzeugt waren, das tun bzw. das sagen zu müssen, was sie taten bzw. sagten, weil sie dazu einen göttlichen Auftrag empfangen hatten.²
Es ist die innige, persönliche Vertrauensbeziehung zu Gott, die eine solche Beauftragung erst überhaupt möglich macht und es diese direkte Beauftragung, die der Verkündigung und dem Handeln Autorität verleiht.
Von Archimedes soll die Aussage stammen: “Gib mir einen Punkt, auf dem ich stehen kann, und ich werde dir die Welt aus den Angeln heben“. Der Apologet Francis A. Schaeffer kommentierte diesen Satz mit den Worten: “Das Evangelium Gottes ist dieser archimedische Punkt. Seine Zusagen sind das feste Fundament, das die Christen seit dem ersten Jahrhundert befähige, diese Welt zu verändern.“ Wer von Gott abhängig ist, wird unabhängig von Menschen (Galater 1, 10). Aus dieser Abhängigkeit bzw. Unabhängigkeit erwächst eine Kraft, die die Pharisäer und Schriftgelehrten zum Staunen brachte und bringt.
Dieses geistliche Prinzip sehen wir im Leben und Dienst des Herrn Jesus Christus und wir sehen es auch im Leben und Dienst derer die Ihm nachfolgten (vgl. Apostelgeschichte 4, 5 – 14).

Voraussetzung für ein so bevollmächtigtes Leben, ist es, den Willen Gottes tun zu wollen:

“Will jemand seinen Willen tun, der wird innewerden, ob diese Lehre von Gott sei, oder ob ich aus mir selbst rede.“

(Johannes 7, 17)

Die Frage, ob ein Mensch die Wahrheit Gottes erkennt, ist nicht primär eine Frage des Intellekts – das würde weniger gebildete Menschen benachteiligen. Die Frage, ob ein Mensch die. Wahrheit Gottes erkennt, ist eine Frage des Willens – und diesen Willen kann jeder Mensch aufbringen. Warum sollte Gott mir auch Seine Wahrheit offenbaren, wenn ich sie vielleicht gar nicht tun will? Wer Gott von Herzen sucht und Seinen Willen erkennen will, dem wird Er sich offenbaren. Das hatte Gott bereits im Alten Testament verheißen:

“Denn also spricht der HERR zum Hause Israel: Suchet mich, so werdet ihr leben!“

(Amos 5, 4)

“Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und zu mir flehen, und ich will euch erhören; ihr werdet mich suchen und finden, wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet,  und ich werde mich von euch finden lassen, spricht der HERR (…)“

(Jeremia 29, 13 – 14)

Bedeutet das, dass Gott hingegebene Menschen automatisch immer und in jeder Weise den Willen Gottes verstehen und entsprechend richtig handeln? Nein, auch Gott hingegebene Menschen machen Fehler und können Gottes Willen missverstehen. Was der Herr Jesus Christus in Johannes 7, 17  sagt, ist nicht, dass unsere Hingabe an Gott uns automatisch in diesen Dingen vollkommen macht. Was Er jedoch sagt, ist, dass ohne Hingabe an und Abhängigkeit von Gott eine Erkenntnis Seines Willens schlicht unmöglich ist.

Ehre, wem Ehre gebührt

“Wer aus sich selbst redet, der sucht seine eigene Ehre; wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaft, und keine Ungerechtigkeit ist in ihm.“

(Johannes 7, 18)

Wer in dieser Hingabe zu und Abhängigkeit von Gott lebt und darum entsprechend bevollmächtigt ist, der weiß, dass die Frucht seiner Lehre und seines Dienstes nicht das Ergebnis eigener Bemühungen, sondern das Resultat der Gnade Gottes in seinem Leben ist. Weil er genau das weiß, bezeugt Paulus:

“Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und seine Gnade gegen mich ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir war.

(1. Korinther 15, 10)

Darum weist Paulus seine Leser in Korinth, die mit großem Stolz ihre geistlichen Begabungen zur Schau stellten,  auch an:

“Wer sich aber rühmen will, der rühme sich des Herrn!  Denn nicht der ist bewährt, der sich selbst empfiehlt, sondern der, den der Herr empfiehlt.“

(1. Korinther 10, 17)

Wahre geistliche Autorität in Lehre und Leben hat keine andere Quelle als Gott allein. Keine kirchliche Behörde oder Hierarchie vermag sie zu verleihen, kein religiöses Oberhaupt zu übertragen (vgl. Galater 1, 1; Matthäus 16, 17). Aber sie begleitet das Leben all jener, die in wahrer Hingabe zu und Abhängigkeit von Gott leben und Ihm dafür allein die Ehre geben.

Fußnoten:

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