Für kein Geld der Welt …

Translation here.

Da war sie wieder, diese Frage von „Big Boss“: „Sagen Sie, Sie wollen wirklich nicht mehr Stunden pro Woche für uns arbeiten?“ Mehrmals hatte er diese Frage schon gestellt, doch nun schien er wirklich etwas verärgert zu sein, denn er setzte nach: „Sagen Sie, haben Sie noch eine Arbeit?! Wie kommen Sie denn mit diesem Geld aus?“ Ich verneinte seine erste Frage und führt aus, dass ich früher auch nicht mehr Geld zur Verfügung hatte, denn die Fahrtkosten verschlangen fast ein Fünftel meines Nettogehalts. Er schüttelte den Kopf und verließ auch schon mein Büro.

„Zeit … kann man nicht mit Geld bezahlen“
Foto: Mensi/pixelio

Hätte er mich verstanden, wenn ich ihm von meinen Grund erzählt hätte? Wenn ich ihm erzählt hätte, dass das Leben mich gelehrt hat, dass das Gut „Zeit“ mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen ist? Gelehrt, auf eine schmerzliche Weise. Hätte er es verstanden? Ich weiß es nicht.
Was ich aber weiß, ist, dass ich alles tun werde, damit nie wieder etwas wichtiger in meinem Leben wird, als die Zeit für Menschen, die mir nahe stehen.
Menschen wie J., den ich im Januar 2003 kennen lernen durfte. Ein freundlicher, hilfsbereiter Mensch mit vielen tiefen Fragen – und Krebs. 11 Monate durften wir uns kennen. Die meiste Zeit davon verbrachte er, der gerade 46 Jahre alt war,  in der Reha oder wieder im Krankenhaus und im November 2003 ging er für immer. Damals war ich von 04.00 bis 18.00 Uhr für meinen Job unterwegs … keine Zeit ….
Oder C.-M., mit dem ich 15 Jahre befreundet sein durfte. Er und seine Frau standen mir in einer schwierigen Phase meines Lebens mit ganzem Einsatz zur Seite. Wie oft wollte ich sie besuchen, doch der Job, … keine Zeit … Als ich ihn im Februar 2004 anrief, war ich verwundert. Normalerweise erreichte man um diese Uhrzeit nur den Anrufbeantworter bei ihnen. Als ich ihn frage: „Na, wie geht’s, wie steht’s?“, da fragte er zurück: „Willst Du die Wahrheit wissen?“ Ja, natürlich wollte ich das. „Die Wahrheit ist, dass der Krebs zurück gekommen ist, den ich vor 10 Jahren besiegt zu haben meinte. Er ist jetzt überall und ich kann kaum noch durch das Wohnzimmer bis zur Treppe gehen. Wir haben alles versucht, auch ganz neue Therapien. Es hat nichts gebracht. Ich werde nicht mehr lange hier sein.“ Zwei Monate später war er im Alter von 45 Jahren von uns gegangen, für immer.
Es war noch kein Jahr nach C.-M.’s Tod vergangen, als ich meine dritte und letzte Lektion in dieser Sache lernen sollte: P. war fast 22 Jahre ein treuer Begleiter meines Lebens. Seine wissenschaftliche Arbeit faszinierte, ermutigte mich, baute meinen Glauben auf. In seinem Einsatz für Gott und die Menschen, der weit über das Normalmaß hinaus ging, war (und ist) er mir Vorbild und Herausforderung. Mitten in einer schweren Zeit erreichte mich ein Artikel, den er zusammen mit einem anderen Freund geschrieben hatte. Es waren diese Zeilen von ihm, durch die mir Gott neue Hoffnung gab, ja meine ganze Situation veränderte. Immer wieder sagte ich mir, dass ich ihm das unbedingt schreiben sollte. Aber die Zeit … die Fortbildung … der Job …. Anfang Dezember 2004 dachte ich noch daran, nun, sicher würde ich im neuen Jahr Zeit finden, mein Vorhaben zu verwirklichen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag erreichte mich dann die Nachricht: P. war, gerade einmal 52 Jahre alt, zusammengebrochen und hatte nie mehr das Bewusstsein zurückerlangt. Er war gegangen, ohne zu erfahren, wie dankbar ich ihm war und es gab keine Chance, das zu ändern. Er war gegangen für immer.
Der Schmerz, den sein Tod auslöste, brachte mich zur Besinnung. Damals begann ich, meine Prioritäten in Bezug auf den Einsatz meiner Zeit gründlich zu überprüfen und entschied mich, dass nie mehr andere Dinge meine Lebenszeit so auffressen sollten, dass keine Zeit für die Menschen um mich herum mehr bleibt. Denn diese Zeit ist mit nichts auf der Welt aufzuwiegen, schon gar nicht mit Geld.

„Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse?“

(Matthäus 16, 26)

You need a translation of this text in your language? Klick here.
You enjoyed this post, make sure you subscribe to the free RSS feed!
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen, dann abonnieren Sie das kostenlose RSS-Feed!



Dieser Beitrag wurde unter Glimpses/Impulse abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hier ist Platz für Ihre Meinung

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.