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Foto: Peter Smola / pixelio.de

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Zum Hintergrund

Der Hebräerbrief gehört mit dem Römerbrief und den Korintherbriefen zu den “großen“, d.h. den umfangreichen Briefen des Neuen Testaments. Für viele Christen ist dieser Brief jedoch eines der neutestamentarischen Bücher, mit denen sie sich schwer tun. Ein Grund dafür mag darin liegen, dass zum Verständnis dieses Briefes eine gute Kenntnis des Alten Testaments unerlässlich ist. Kein anderer Brief greift so oft auf das Alte Testament, seine Berichte, Gebote und Zeremonien zurück, wie der Hebräerbrief. Leider haben heute viel zu wenige Christen Interesse an einem gründlichen Bibelstudium, insbesondere an einer intensiven Beschäftigung mit dem Alten Testament. Das wiederum führt dazu, dass sich ihnen auch viele Kostbarkeiten des Neuen Testaments (z.B. aus dem Hebräerbrief) nicht erschließen. Dabei betont z. B. der Apostel Paulus mehrfach welche wichtige Rolle das Alte Testament beim Verständnis des Neuen Testaments spielt (vgl. Römer 15, 41. Korinther 10, 11).
Viele Ausleger sehen im Hebräerbrief eher eine schriftlich niedergelegte Predigt als einen Brief, auch wenn zwei Verse, in denen persönliche Mitteilungen und Grüße übermittelt werden, den Abschluss bilden. Der Verfasser selbst bezeichnet seine Schrift als „Wort der Ermahnung“ (Hebräer 13, 22).
Was den Schreiber des Hebräerbriefes betrifft, so findet sich weder im Brief selbst noch an anderer Stelle im Neuen Testament ein Hinweis auf seine Person. Im Verlauf der Kirchengeschichte sind viele bekannte Personen als mögliche Autoren vorgeschlagen worden (Paulus, Barnabas, Lukas etc.). Konkrete Belege gab es für keine dieser Personen. Lediglich der Gebrauch des maskulinen Partizips “διηγουμενον“ (“diegoumenon“), d.h. “erzählen“, in Hebräer 11, 32 deutet auf einen männlichen Schreiber hin. Da der Autor jedoch wahrscheinlich ein Apostel oder zumindest der enge Mitarbeiter eines Apostels war (vgl. Hebräer 13, 23) und da der Inhalt des Briefes mit der bereits bekannten Lehre der Apostel in Übereinstimmung stand, wurde der Brief als göttlich inspiriertes Buch in der frühen Christenheit anerkannt.
Für eine Datierung in die Zeit zwischen 60 n. Chr. und 70 n. Chr. sprechen die Bezugnahme auf die Verkündigung des Evangeliums an die Empfänger durch Ohrenzeugen des Auferstandenen (Hebräer 2, 3), sowie die Erwähnung der Gefangenschaft des Timotheus (Hebräer 13, 23), der zum Zeitpunkt der Abfassung des Briefes also noch am Leben gewesen sein muss. Aus Hebräer 10, 34 und Hebräer 13, 3 ist ersichtlich, dass die Empfänger Verfolgung erlitten hatten. Da die erste Verfolgungswelle unter Nero im Jahr 64. n. Chr. einsetzte, muss der Brief während oder nach dieser Zeit geschrieben worden sein.
Obwohl die Bezeichnung „An die Hebräer“ für diesen Brief erst ab der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. belegt ist, wird aus seinem ganzen Kontext deutlich, dass er sich an Juden in Israel richtet, die sich dem christlichen Glauben zugewandt hatten (vgl. Apostelgeschichte 2, 41; 4, 4; 5, 14; 21, 20). Unter ihnen war solche, die  klar erkannt hatten, dass der Glaube an den Herrn Jesus Christus der einzige Weg zum  Heil war (Hebräer 3, 1; 6, 1 – 3), aber auch solche, die nur äußerlich eine Hinwendung zum christlichen Glauben vollzogen hatten, innerlich aber – zumindest teilweise – noch am Gesetz und dem Tempeldienst in Jerusalem festhielten. Unter den einsetzenden Verfolgungen seitens der jüdischen und später auch der römischen Autoritäten (Apostelgeschichte 8, 1 – 3; 11, 19; 12, 1 – 3; 1. Thessalonicher 2, 14; Hebräer 10, 32 – 34, Hebräer 12, 4 – 11) erwogen Letztere wohl die Rückkehr zum Judentum.  An diese Gruppe von Lesern sind zahlreiche Ermutigungen und Ermahnungen gerichtet, mit dem Glauben an Christus (endlich) “ganze Sache“ zu machen und nicht wieder in den früheren Zustand zurückzufallen.

Die ersten vier Kapitel dieses Briefes können wir grob wie folgt einteilen:

Kapitel 1 und Kapitel 2 befassen sich mit der letzten und abschließenden, alles erfüllenden Offenbarung Gottes in Jesus Christus: a) Jesus Christus als “das letzte Wort (= Reden)“  Gottes an diese Welt (Hebräer 1, 1 – 4) , b) die alles überragende Stellung des Sohnes Gottes (Hebräer 1, 5 – 14), c) die erste Warnung: die Gefahr der Nachlässigkeit (Hebräer 2, 1 – 4), d) die Erniedrigung und die Verherrlichung des Sohnes Gottes (Hebräer 2, 5 – 9), e) das stellvertretende Leiden und Sterben des Sohnes Gottes (Hebräer 2, 10 – 18).
Die Kapitel 3, 4 und die erste Hälfte von Kapitel 5 enthalten Belehrungen, die im Zusammenhang mit dem hohenpriesterlichen Dienst des Erlösers für die Kinder Gottes stehen: a) die Treue des Sohnes Gottes (Hebräer 3, 1 – 6), b) die zweite Warnung: die Gefahr des Unglaubens (Hebräer 3, 7 – 19), c) die Ruhe Gottes, in die die Gläubigen mittels des Glaubens (ohne Werke) eingehen (Hebräer 4, 1 – 14), d) die Kraft des Wortes Gottes (Hebräer 4, 12 – 13), e) der beständig freie Zutritt zu Gott durch Christus (Hebräer 4, 14 – 16), f) Christus, unser barmherziger Hoherpriester (Hebräer 5, 1 – 10).

Unser heutiges Textwort ist dem letzten Abschnitt des 4. Kapitels entnommen. Zusammen mit zwei vorausgegangenen Versen vermittelt es uns eine wunderbare Ermutigung zum Gebet:

“Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis. Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde. Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben.“

(Hebräer 4, 14 – 16)

Der wahre Hohepriester: treu und barmherzig

Nachdem uns der Schreiber des Hebräerbriefes in den vorausgegangenen Kapitel die Größe Christi und seine treue Hingabe im Dienst an Gott dargelegt hat, zeigt er uns hier eine weitere Charaktereigenschaft des Erlösers: Seine Barmherzigkeit. Diese Gedanken bauen ganz logisch aufeinander auf:

Christus ist die letzte und abschließende Heilsoffenbarung Gottes. Er ist der “wahre Hohepriester“.  Alles, was vor Ihm war, war unzureichend und alles, was nach Ihm kommt, ist überflüssig. Wir brauchen auf keine weitere, über Christus hinausgehende Offenbarung Gottes warten, denn mit Ihm ist die Offenbarung Gottes zu ihrem Höhepunkt gelangt und abgeschlossen worden. Alles, was zur Erlösung nötig ist, finden wir in Ihm und erhalten wir durch Ihn – “in ihm haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden“ (Kolosser 1, 14; vgl. auch Hebräer 2, 9).

Aber die Vergebung der Sünden, die Erlösung, der Friede mit Gott – all’ das ist nur der Anfang des neuen Lebens mit Gott. Danach gilt es, jeden Tag mit Gott zu leben und in der Gnade Gottes zu wachsen (2. Petrus 3, 18). Auf diesem neuen Lebensweg wird Christus uns begleiten. Dessen dürfen wir sicher sein. Der Sohn Gottes, der in der Vergangenheit treu war, als es darum ging, den Willen Gottes zu tun, damit wir Erlösung empfangen könnten, der ist auch jetzt und in Zukunft treu, wenn es darum geht, uns zu leiten und zu bewahren (vgl. Hebräer 3, 2 mit Johannes 6, 39; 18, 9). Christus ist heute unser treuer Hoherpriester, der uns jetzt – in diesem Augenblick und in Zukunft! – vor Gott (Hebräer 7, 25; 9, 24; 1. Johannes 2, 1 – 2; Römer 8, 34). Es ist sehr ermutigend zu wissen, dass andere Christen für uns beten. Ihr Gebetsdienst für uns und ihre Teilnahme an unseren Sorgen und Nöten, kann uns ein großer Trost sein. Doch selbst, wenn nie ein Mensch für uns gebetet hätte oder beten würde, müsste uns das nicht entmutigen, denn der Sohn Gottes tritt allezeit vor Gott für uns ein! Er verwendet sich “rund um die Uhr“ für uns. Auch in diesem Dienst für uns ist Er treu und zuverlässig.

Aber Christus ist nicht nur der wahre und treue Hohepriester, Er ist auch der barmherzige Hohepriester. Mit dem Hinweis auf diese dritte Charaktereigenschaft möchte Gott in uns  Zuversicht und Glauben wecken. Im Gegensatz zu Mose, der mit der Aufsicht über ein irdisches Heiligtum betraut war, ist Christus auch der Hohepriester über das himmlische Heiligtum Gottes. Sein Dienst war uns ist nicht beschränkt auf die Erde. Aus dieser überragenden Stellung könnten wir den falschen Schluss ziehen, dass Christus unsere irdischen Belange nicht nachempfinden kann. Doch dem ist nicht so. Der Schreiber des Hebräerbriefes erinnert uns daran, dass Gott, der Sohn, Mensch wurde und dass Er, obwohl Er ohne Sünde war, auch Versuchung erfahren und durchlebt hat. Er ist uns – mit Ausnahme der Sünde – in allem gleich geworden  (vgl. Hebräer 2, 14 mit  Philipper 2, 7!). Darum haben wir jetzt einen Hohenpriester vor Gott, der uns in jeder Situation vollkommen versteht, ja mehr noch: der uns in Seiner Barmherzigkeit zugewandt und auch fähig ist, uns zu helfen. Wenn wir zu Ihm im Gebet kommen, werden wir darum nie auf “taube Ohren“ oder Unverständnis stoßen. Er weiß, was Menschen durchmachen, erleben und erleiden, denn Er hat dasselbe “am eigenen Leib“ (und nicht nur am Leib!) erfahren. Wenn  wir im Gebet vor den Thron Gottes treten, dann dürfen wir das mit Freimut, mit Kühnheit, tun, denn wir begegnen dort nicht mehr unserem Richter, den wir mit dem Blut von Opfertieren versöhnen müssten, sondern unserem Retter, der Sein Blut zu unserer Erlösung gegeben hat! Wir können mit großer Zuversicht vor den Thron Gottes kommen, denn wir begegnen unserem Heiland, der sich schon vor 2000 Jahren ein für allemal auf unsere Seite gestellt hat. Dieser Heiland wartet nur darauf, für uns in seiner Barmherzigkeit tätig zu werden (Römer 8, 31 -39). Wie schnell vergessen wir das doch immer wieder! Wie schnell können uns äußere oder innere Bedrängnisse entmutigen und zum Aufgeben verleiten. Wie schnell können wir in ein Denken zurückfallen, das mehr dem Alten Testament als dem Evangelium Christi entspricht. Aber für jeden, der die Erlösung in Jesus Christus angenommen hat (Johannes 5, 24) ist der Thron Gottes kein Thron des Gerichts mehr. Es ist der Thron der Gnade und die Tür zum Thron der Gnade steht  rund um die Uhr für uns offen. Im Alten Testament durfte sich nur der Hohepriester der Bundeslade nahen und auch das nur einmal im Jahr, am großen Versöhnungstag. An den anderen 364 Tagen des Jahres versperrte ein armdicker Vorhang den Zutritt zu Gott. Diese Zeit ist – Gott sei Dank! – seit dem Tod Jesu am Kreuz von Golgatha, seit dem Moment, in dem der Vorhang im Tempel zerriss (Matthäus 27, 51), endgültig vorbei.  Auf der Grundlage des Opfers Christi dürfen wir uns in jeder Stunde unseres Tages Gott nahen – völlig unabhängig von einem materiellen Heiligtum, einer speziellen Priesterschaft und besonderen heiligen Tagen. Wir dürfen für jede Situation unseres Tages neue Gnade von Gott nehmen (Johannes 1, 16).   Fangen Sie noch heute (wieder) damit an!

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27. Januar


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Seit 1996 ist der 27. Januar ein staatlicher Gedenktag in Deutschland, der ‘Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“. Aus diesem Anlaß poste ich das nachfolgende, kurze Video, das man auch unter den Titel “Vergebung ist möglich – durch Jesus Christus“ stellen könnte:

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Einheit praktisch leben

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Wie ich bereits im Zusammenhang mit einem anderen Abschnitt des Epheserbriefes dargelegt habe (zum Hintergrund des Epheserbriefes siehe hier: Klick!), können wir diesen Brief des Apostels Paulus grob in zwei Abschnitte aufteilen: In Teil 1 (Epheser 1, 1Epheser 3, 21) liegt der Schwerpunkt der Belehrung auf den geistlichen Segnungen, die der Gläubige empfangen hat (die Gotteskindschaft, das ewige Leben, die Sohnschaft, die Innewohnung des Heiligen Geistes). Teil 2 (Epheser 4, 1Epheser 6, 24) enthält dagegen praktische Belehrungen für das christliche (Alltags-)Leben des Gläubigen in der Versammlung (= Gemeinde), der Familie und der Welt.  Diesem zweiten Teil des Epheserbriefes ist unser heutiges Textwort (Epheser 4, 2b – 3) entnommen. Diese Verse gehören zu einem größeren Abschnitt, in dessen Kontext sie betrachtet werden müssen:

“Ich ermahne euch nun, ich, der Gefangene im Herrn, dass ihr würdig wandelt der Berufung, mit der ihr berufen worden seid, mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut, einander ertragend in Liebe, euch befleißigend, die Einheit des Geistes zu bewahren in dem Band des Friedens. Da ist ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen worden seid in einer Hoffnung eurer Berufung. Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in [uns] allen ist.“

(Epheser 4, 1 – 6)

Den Zusammenhang beachten!

Nachdem der Apostel in den Kapiteln 13 die lehrmäßige Grundlage gelegt hat, folgt in den Kapitel 46 die praktische Anwendung. Diesen Zusammenhang dürfen wir auf keinen Fall außer Acht lassen. Fordert man nämlich von Gläubigen, das in den Kapiteln 46 aufgezeigte Verhalten “an den Tag zu legen“ ohne ihnen die in den Kapiteln 13 dargelegten Voraussetzungen für dieses Verhalten zu vermitteln, gerät man sehr schnell in die Gefahr, “christliche Moralvorstellungen“ zu verkündigen, nicht aber den gesamten Ratschluss Gottes. Es besteht die große Gefahr, dass die in Epheser 4, 1 ff. genannten Verhaltenweisen auf diese Weise zu neuen Gesetzen werden, die es einzuhalten gilt. Das aber entspricht nicht dem Evangelium! Erinnern wir uns: Das Gesetz fordert nur, es kann kein Leben geben (2. Korinther 3, 4 – 8). Das Gesetz ist durch den Kreuzestod des Herrn Jesus Christus zu seinem Ende gekommen (vgl. Galater 3, 19; Epheser 2, 15; Kolosser 2, 14). Darum sagt der Apostel Paulus den Gläubigen in Rom (und mit ihnen allen Christen): „Ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade.“ (Römer 6, 14). Das Gesetz kann daher auch keine Lebensregel für Christen mehr sein. Das gilt auch für menschlich erdachte „Gebötlein“ und „Verbötlein“. Nicht das Gesetz oder irgendwelche menschlichen Gebote sind die Lebensregel des Christen, sondern der Herr Jesus Christus selbst:

“Ihr aber habt den Christus nicht so gelernt, wenn ihr wirklich ihn gehört habt und in ihm gelehrt worden seid, wie die Wahrheit in dem Jesus ist: dass ihr, was den früheren Lebenswandel betrifft, abgelegt habt den alten Menschen, der nach den betrügerischen Begierden verdorben wird, aber erneuert werdet in dem Geist eurer Gesinnung und angezogen habt den neuen Menschen, der nach Gott geschaffen ist in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit.“

(Epheser 4, 20 – 24)

Nicht das Gesetz (oder von Menschen erdachte Gesetze) regeln das Leben des Christen, sondern die Gnade Gottes:

“Denn die Gnade Gottes ist erschienen, Heil bringend für alle Menschen, und unterweist uns, damit wir, die Gottlosigkeit und die weltlichen Lüste verleugnend, besonnen und gerecht und gottselig leben in dem jetzigen Zeitlauf.“

(Titus 2, 11 – 12)

Das Gesetz ist kraftlos und wenn schon das von Gott gegebene Gesetz keine Kraft zum ewigen Leben entfalten konnte, wie viel weniger werden menschlich erdachte Regeln und Gebote dem Gläubigen Kraft vermitteln können? Das Evangelium Gottes hingegen schenkt nicht nur die Gnade zur Erlösung, sondern mit ihr auch die Kraft, entsprechend dieser Erlösung zu leben. Diese Voraussetzungen gilt es zu beachten, ehe wir uns den Versen in Epheser 4, 1 – 3 zuwenden können.

Einheit – Probleme und Lösungen

Die Epheser werden von Paulus aufgefordert, die „Einheit des Geistes im Band des Friedens“ zu bewahren. Warum war eine solche Aufforderung überhaupt nötig? Aus der Apostelgeschichte (insbesondere Kapitel 6, 1  und Kapitel 15, 1 – 5) wissen wir, dass es zwischen den Gläubigen aus dem Judentum und den Gläubigen aus dem Heidentum – vorrangig wegen lehrmäßigen Fragen – häufig zu Spannungen kam. In Epheser 2, 13 – 16 hat Paulus darum ausführlich dargelegt, dass Gläubige aus dem Judentum und Gläubige aus den heidnischen Nationen in Christus eins geworden sind. Wenn er nun in Epheser 4, 1 fordert: „(…) dass ihr würdig wandelt der Berufung, mit der ihr berufen worden seid, (…), dann bedeutet das, dass die Gläubigen ihren Wandel, ihre Lebenspraxis, ihrer Berufung angleichen sollten. Was aber war die Berufung der Gläubigen? Sie waren – völlig unabhängig ihrer ethnischen Herkunft – zur Einheit in Christus berufen. Wie wir aus Galater 3, 28 wissen, können nicht nur ethnische Unterschiede (vielleicht verbunden mit besonderen Lehrmeinungen) unter Gläubigen für Spannungen sorgen, sondern auch soziale oder geschlechtsspezifische Unterschiede. Das sind Probleme, mit denen wir auch heute in Versammlungen (= Gemeinden) konfrontiert werden und die u. U. mit der fortschreitenden Globalisierung noch häufiger auftreten werden. Aber in Galater 3, 28 wie im Epheserbrief, macht der Apostel deutlich, dass es diese Unterschiede, auf die Menschen so gerne pochen um sich “von der Masse“ abzuheben, in Christus überhaupt nicht mehr gibt! Wer das als Christ nicht versteht und entsprechend lebt, lebt an seiner Berufung vorbei!

In Epheser 4, 2 führt der Apostel drei Tugenden auf, die es im Leben des Gläubigen zu kultivieren gilt und die uns dabei helfen werden, die “Einheit des Geistes im Bande des Friedens“ zu bewahren: Demut, Sanftmut und Langmut. Diese Tugenden werden – je mehr wir uns mit der Person Jesu beschäftigen – in uns herangebildet (2. Korinther 3, 17 – 18). Sie sind Aspekte der einen Frucht des Geistes, die in uns heranreift, je mehr wir dem Geist Gottes Raum in uns geben (Galater 5, 22). Ein demütiger Gläubiger wird seinen andersethnischen Mitgläubigen immer als gleichrangig betrachten, niemals sich selbst als höher gestellt (Philipper 2, 3). Sanftmut ist das Gegenteil von Selbstbehauptung. Ein sanftmütiger Gläubiger hat seine Emotionen unter Kontrolle. Er muss Mitgläubige, die sich irgendwie von ihm unterscheiden – sei es durch ihren sozialen Stand, ihre Bildung oder ihr Geschlecht – nicht “niedermachen“, um selbst besser da zu stehen. Langmut ist die Fähigkeit, selbst unter schwierigen Umständen durchzuhalten. Ein langmütiger Christ wird sich in seinen Bestrebungen, die “Einheit des Geistes im Bande des Friedens“ zu bewahren, nicht durch Rückschlägen entmutigen lassen. Ein langmütiger Mensch wird auch nicht “Gleiches mit Gleichem“ vergelten oder sich erbittern lassen (1. Petrus 3, 9). Er weiß um seine Berufung und den Wunsch Gottes und wird immer wieder versuchen, diesen umzusetzen. Demut, Sanftmut und Langmut sind Kennzeichen jener Christen, die von ihrem Herrn Jesus Christus gelernt haben und in enger Gemeinschaft mit Ihm leben:

“Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen; denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“

(Matthäus 11, 28 – 30)

Wer in dieser Weise von Jesus Christus lernt und dem Geist Gottes Raum gibt, damit dieser das Leben des Gläubigen umgestalten kann, der gibt damit auch zu erkennen, dass er die Geduld und Langmut Gottes in seinem eigenen Leben wertzuschätzen weiß (Römer 2, 4). Wer als Christ hingegen meint, diese Lebensveränderung nicht nötig zu haben, der erweist sich als “Neuauflage“ des Schalksknechtes (Matthäus 18, 21 – 34).

Gemäß Epheser 3, 1 sollen Gläubige sich dieser Tugenden „befleißigen“. d.h. es gilt sie fleißig einzuüben und auszuüben! Die “Einheit des Geistes im Band des Friedens“ zu bewahren, ist nichts, was uns “einfach so“ zufällt. Das Wort, das in unseren deutschen Bibeln mit „befleißigen“ wiedergegeben wird, ist das griechische Wort  „σπουδάζω“ (“spoudazo“) und es bedeutet, eine Sache mit Ernst, vollem Einsatz, ganzer Kraft zu verfolgen. Warum ist das für Christen so wichtig? Können wir nicht einfach nach dem Grundsatz verfahren: sonntags kommen wir zusammen und nach den Gottesdienst geht jeder seine Wege, lebt sein Leben und stört den anderen möglichst nicht? Nein, eine solche oberflächliche Gemeinschaft kennt das Neue Testament nicht. Es geht um nichts weniger, als wahre christliche Liebe. Denn diese Liebe, die Christen einander entgegen bringen, ist das einzige Kennzeichen, an dem die Welt die Jünger Jesu Christi erkennen soll:

“Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebet; daß, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebet. Daran wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“

(Johannes 13, 34 – 35)

Einheit, auf diese Weise bewahrt und gelebt, wird den Herrn Jesus Christus verherrlichen und mehr Menschen von der Wahrheit des christlichen Glaubens überzeugen, als viele Worte.

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The Reasonable Faith Tour – (Medien 4)


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Ein weiterer Video-Mitschnitt der “Reasonable Faith Tour“ mit William Lane Craig  wurde online gestellt.

Im Rahmen der “The Reasonable Faith Tour“ hielt  William Lane Craig  unter dem Titel “This House Believes that God is not a Delusion“ am 20. Oktober 2011 einen Vortrag vor der Cambridge Union Society. An der Debatte beteiligten sich Peter S.Williams, Arif Ahmed und Andrew Copson. Dieses Video kann hier hier oder auf youtube angesehen werden:

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BAB am 23.01.2012

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Bemerkenswertes aus der Blogosphäre … und von anderswo her:

* Dradio hat in der Rubrik “Tag für Tag“ zwei kurze und  interessante Sendungen aus dem Themenbereich “Israel“ veröffentlicht: “Religion und Popkultur in Israel“: Klick! und  “Zunehmende Israelkritik unter Christen“: Klick! 

* Wer Interesse daran hat, die religiöse andschaft in den USA zu erkunden, der findet hier eine interessante, interaktive Karte (“Topography of religion/faith“): Klick!

* Zum Abschluß der Hinweis auf einen nachdenkenswerten Artikel, den Matt Permann auf “What’s Best Next“ veröffentlicht hat: “The Character of a True Theologian“: Klick!

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Von Petrus lernen, heißt siegen lernen

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Arbeitsbibel - Foto: MiSa  / pixelio.de

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Zum Hintergrund

Der 1. Petrusbrief richtet sich an Christen die in der Region Kleinasien lebten (1. Petrus 1, 1). Dieses apostolische Schreiben ist ein relativ kurzer Brief, er umfasst nur 105 Verse¹ in fünf Kapiteln. Doch in diesen wenigen Versen legt der Apostel Petrus die „Basics“ des christlichen Lebens dar. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den alltagspraktischen Auswirkungen, die die christliche Lehre im Leben des Gläubigen haben soll: dieses Leben ist zielgerichtet, weil der Christ auf die Wiederkunft seines Herrn und Erlöser ausgerichtet lebt.  Sein Leben ist kein passives Abwarten, sondern ein sehr aktives Erwarten. Unter der großen Überschrift der Erwartung des wiederkommenden Herrn, belehrt der Apostel die Gläubigen über das Leben in der Heiligung und zwar in allen Beziehungen des Lebens: die persönliche Heiligung, die Heiligung in den Beziehungen des Gläubigen, die Heiligung des Dienstes, den der Gläubige in dieser Welt versieht. Die Beziehung zu allen drei Personen der Gottheit und die Beziehung des Christen zur Welt nehmen einen weiteren großen Raum in diesem Brief ein. Neben diesen wichtigen Belehrungen, sah der Apostel noch einen weiteren Anlass für diesen Brief. Er wusste um die Verfolgung, die die Christen in Kleinasien zu diesem Zeitpunkt erleiden mussten und es war sein Wunsch, diese Mitchristen in ihrer schwierigen Situation zu ermutigen (1. Petrus 5, 12). Nero hatte die Christen für den Brand Roms im Jahr 64 n. Chr. verantwortlich gemacht, um so die Gerüchte, er selbst sei Auslöser des Brandes gewesen, zum Schweigen zu bringen. Die römische Propaganda scheint insbesondere im nördlichen Teil Kleinasiens erste Verfolgungswellen ausgelöst zu haben. Der 1. Petrusbrief wird aufgrund dieser historischen Hinweise in die Zeit von 64. n. Chr. datiert. Das Thema Leiden nimmt im 1. Petrusbrief dementsprechend auch großen Raum ein. Leben als Christ in Kleinasien zur zeit Neros war wahrlich kein “Sonntagsspaziergang“. Um das Leiden der Gläubigen zu beschreiben, benutzt der Apostel in 1. Petrus 5, 10 das Wort “παθοντας“ (“pathontas“), womit eine Erfahrung oder ein Erlebnis beschrieben wird, das mit schwerem Leiden bzw. einer schwierigen Situation verbunden ist. Dasselbe Wort wird auch benutzt, wenn von einer kranken Person die Rede ist. Im Neuen Testament kommt das Wort u. a. in Matthäus 16, 21, Apostelgeschichte 1, 3, Apostelgeschichte 17, 3 und 1. Petrus 4, 1 benutzt, wenn von dem Leiden Christi die Rede ist. Wir können diesen Brief grob wie folgt einteilen:

Kapitel 1: Das 1. und 2. Kapitel beschäftigen sich mit der Persönlichkeit des Christen. Da diese in der Erlösung durch Christus gründet, führt Petrus den Gläubigen zuerst diese großartige Tat Gottes vor Augen: a) die Hoffnung, die mit unserer Errettung verbunden ist (1. Petrus 1, 3 – 5), b) die Freude, die die Erlösung in unserem Leben bewirkt (1. Petrus 1, 6 – 9), c.) die Zeugen für dieses wunderbare  Evangeliums (1. Petrus 1, 10 – 12).  In drei weiteren Abschnitten geht der Apostel auf die neue Art zu leben ein, die aus dem Auferstehungsleben, das der Gläubige in der Erlösung empfängt, hervorgeht: a) ein Leben in Heiligkeit (1. Petrus 1, 13 – 16), b) ein Leben in Gottesfurcht (1. Petrus 1, 17 – 21), c) ein Leben in Liebe (1. Petrus 1, 22 – 25).

In Kapitel 2 wird – auf der Erlösung und dem durch sie empfangenen neuen Leben des Gläubigen aufbauend – die Berufung des, d.h. eines jeden (!), Gläubigen beschrieben. Diese Berufung zu einem Königtum von Priestern wird deutlich durch a) das Hören auf Gott (1. Petrus 2, 1 – 3), b) das Wachstum in der Gnade Gottes (1. Petrus 2, 4 – 5) und c) die Auferbauung in Christus Jesus (1. Petrus 2, 6 – 8). Dieser Abschnitt schließt mit einer prägnanten Zusammenfassung der Berufung und Persönlichkeit des Christen (1. Petrus 2, 9 – 10).  Von 1. Petrus 2, 11 bis 1. Petrus 4, 11 geht es dann um die individuelle Verantwortung des Christen. In 1. Petrus 2, 11 – 12 wird der Dienst des Christen beschrieben. Dabei spielt die Achtung, die wir anderen gegenüber zum Ausdruck bringen eine wichtige Rolle: a) Achtung gegenüber allen Menschen (1. Petrus 2, 13 – 17), b) Knechte (heute würden wir sagen: Arbeitnehmer) sollen ihre Herren (heute: Arbeitgeber) achten (1. Petrus 2, 18 – 25),

Kapitel 3:   c) Ehefrauen sollen ihre Ehemänner achten (1. Petrus 3, 1 – 6), d) Ehemänner sollen ihre Ehefrauen achten (1. Petrus 3, 7), e) Christen können ihre Feinde lieben (1. Petrus 3, 8 – 12), weil die Liebe Gottes in ihre Herzen ausgegossen wurde (Römer 5, 5). Mit der Erwähnung der Feindesliebe leitet Petrus zu dem Thema des Leidens und der Verfolgung über: a) Leiden, weil man als Christ Gutes tut (1. Petrus 3, 13 – 17), b) die Rechtfertigung Christi (1. Petrus 3, 18 – 22),

Kapitel 4: c) Leben mit dem Blick auf die Verheißung Gottes (1. Petrus 4, 1 – 6) und d) die wichtige Bedeutung der Liebe in der letzten Zeit (1. Petrus 4, 7 – 11, vgl. auch: Matthäus 24, 12; 2. Timotheus 3, 1). Auf die Belehrungen über die persönliche Verantwortung des Gläubigen folgen nun von 1. Petrus 4, 12 bis 1. Petrus 5, 11 die Belehrungen bzgl. der Verantwortung, die die Versammlung (= Gemeinde) gemeinsam trägt: a) der Zusammenhang von Leiden und Herrlichkeit (1. Petrus 4, 12 – 14) und b) die Art und Weise wie Christen im Leiden bestehen (1. Petrus 4,  15 – 19).

Auch Kapitel 5 ist von Vers 1 bis Vers 11 dem Bestehen im Leiden  gewidmet: a) die Verantwortung von Ältesten (1. Petrus 5, 1 – 4), b) die Verantwortung aller Gläubigen (1. Petrus 5, 5), c) die Bedeutung von Demut und Gottvertrauen im Leben des Christen (1. Petrus 5, 6 – 7), d) die Bedeutung des Widerstands gegen den Bösen und seine Anschläge im Leben des Gläubigen (1. Petrus 5, 8 – 11). Der Brief schließt mit den Grüßen des Apostels und seiner Mitarbeiter (1. Petrus 5, 12 – 14).

Wahrnehmung, Wachsamkeit, Widerstand!

Unser heutiges Textwort ist Teil einer umfassenden Belehrung des Apostels über die Bedeutung des Widerstands gegen den Bösen und seine Anschläge im Leben des Gläubigen:

“Seid nüchtern, wacht; euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht standhaft im Glauben, da ihr wisst, dass dieselben Leiden sich an eurer Brüderschaft in der Welt vollziehen. Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, nachdem ihr eine kurze Zeit gelitten habt, er selbst wird [euch] vollkommen machen, befestigen, kräftigen, gründen. Ihm sei [die Herrlichkeit und] die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“

(1. Petrus 5, 8 – 11)

Wahrnehmung

Haben Sie in Ihrer Kindheit dieses beliebte Spiel gespielt, bei dem man sich die Augen zuhält und laut ruft: “Ich seh’ dich nicht, du siehst mich nicht!“? Kinder mögen bis zu einem bestimmten Alter wirklich glauben, dass etwas weggeht, wenn man nur angestrengt genug die Augen davor verschließt. Aber als Erwachsener sollte man sich darüber im Klaren sein, dass Probleme nur gelöst werden, wenn man sie als das wahrnimmt, was sie sind: Probleme, die gelöst werden müssen. Genau das gilt auch in der geistlichen Auseinandersetzung, in die wir als Christen ab dem Moment unserer Erlösung hineingestellt sind (Epheser 6, 12 – 18). Wir können die Existenz des Widersachers Gottes und der Menschen leugnen. Aber dadurch wird das Problem nicht gelöst. Petrus weiß genau, warum er die Christen in diesen Versen warnt und aufruft, die Gefahr nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Er hat am eigenen Leib erfahren, welche Konsequenzen es nach sich zieht, wenn man den Feind nicht wahrnimmt. Obwohl der Herr Jesus Christus ihn eindrücklich davor gewarnt hatte, dass der Satan ihn versuchen würde, meinte er es besser zu wissen (vgl. Lukas 22, 31 – 33).  Hätte er die Warnung des Herrn beachtet und seinen Gegner wahrgenommen, dann wäre er nicht so tief gefallen. Aufgrund dieser Erfahrung ermahnt er uns: „Seid nüchtern!“, d.h.  „Verschließt die Augen nicht! Nehmt euren Gegner wahr!“ (1. Petrus 5, 8).

Wachsamkeit

Doch es nützt uns nichts, wenn wir uns nur der Tatsache bewusst sind, dass wir es als Christen beständig mit einem Widersacher zu tun haben und dieses Bewusstsein nicht auch zur Wachsamkeit führt. Während Wahrnehmung allgemein ist, ist richtet sich die Wachsamkeit konkret auf das Wahrgenommene. Wäre Petrus wachsam gewesen, dann wäre er in Gethsemane nicht eingeschlafen und überrumpelt worden. Wäre er wachsam gewesen, dann hätte er sich an die Warnung seines Herrn erinnert und diesen nicht dreimal verleugnet. Aber es bedurfte erst eines Hahnenschreis, um ihn aufzuwecken!  Weil er um die Bedeutung der Wachsamkeit aus eigener Erfahrung weiß, ruft er uns in Vers 8 dazu auf.

Widerstand

Die Wahrnehmung des Bösen und die Wachsamkeit vor dem Bösen sollen in den aktiven Widerstand gegen den Bösen und seine Anschläge münden. Dieser Widerstand ist besonders in Zeiten der inneren und/oder äußeren Bedrängnis für den Christen lebenswichtig! Denn es sind diese Zeiten, in denen unser Gegner alles unternehmen wird, um uns zu Fall zu bringen. Er vertraut darauf, dass uns diese Bedrängnisse schwächen und er leichtes Spiel mit uns hat. Dabei tritt er entweder subtil verführend wie die Schlange auf (2. Korinther 11, 3) oder bedrohlich einschüchternd wie ein brüllender Löwe (1. Petrus 5, 8). Seit dem Sündenfall in Eden (1. Mose 3, 1) hat sich seine Methode nicht geändert: Er will uns dazu verführen, dass wir das, was Gott gesagt hat, in Zweifel zu ziehen, Gottes Wort nicht beachten, ihm nicht gehorchen, ja am Ende es ganz und gar leugnen. Denn der Satan weiß, dass das Wort Gottes – von uns in der richtigen Weise eingesetzt – seinem Treiben ein Ende setzt. Wie leistet man den Versuchungen des Bösen Widerstand? Wie setzt man das “Schwert des Geistes“, das Wort Gottes, in der richtigen Weise ein? Indem wir die Versuchungen des Bösen – wie es uns der Herr Jesus Christus an Seinem Beispiel lehrte – mit dem Wort Gottes begegnen:

“Da ward Jesus vom Geist in die Wüste geführt, auf daß er von dem Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.  Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden. Und er antwortete und sprach: Es steht geschrieben: ‘Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht.“ (5. Mose 8, 3) Da führte ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so laß dich hinab; denn es steht geschrieben: Er wird seinen Engeln über dir Befehl tun, und sie werden dich auf Händen tragen, auf daß du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest (Psalm 91, 11 – 12). Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben: ‘Du sollst Gott, deinen HERRN, nicht versuchen.’ (5. Mose 6, 16) Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Hebe dich weg von mir Satan! denn es steht geschrieben: „Du sollst anbeten Gott, deinen HERRN, und ihm allein dienen.“ (5. Mose 6, 13; 5. Mose 10, 20). Da verließ ihn der Teufel; und siehe, da traten die Engel zu ihm und dienten ihm.“

(Matthäus 4, 1 – 11)

Der Apostel Jakobus hat das, was uns Matthäus hier schildert, in einem einzigen Vers (Jakobus 4, 7) so zusammengefasst:

“So seid nun Gott untertänig. Widerstehet dem Teufel, so flieht er von euch (…)“

Wie steht es mit Ihnen: Wenn der Böse Sie versucht, können Sie ihm dann mit dem richtigen Wort aus der Heiligen Schrift antworten? Oder liegt ihre Bibel nur als frommes Schmuckstück auf dem Wohnzimmerregal? Und wenn der Böse nicht nachlässt und seinerseits ein Schriftwort – aus dem Zusammenhang gerissen – zitiert? Kennen Sie Ihre Bibel dann gut genug, um auch darauf antworten zu können? Wenn nicht, dann befinden Sie sich in einer gefährlichen Situation. Sie leben wie ein Soldat, der mit einem ungeschliffenen Schwert auf das Kampffeld gelaufen ist. Was meinen Sie, wie lange kann man eine solche Situation gesund überleben? Schärfen Sie Ihr “Schwert“! Lesen Sie täglich Gottes Wort, studieren Sie es, lernen Sie es gut, ja immer besser, kennen! Die einzige Sieg verheißende Waffe im Kampf gegen das Böse darf nicht weiter nutzlos in ihrem Bücherregal herumstehen. Beide Apostel benutzen, wenn sie zu diesem Widerstand aufrufen, dasselbe Wort:  “anthistemi“ (“αντιστητε“) womit die aktive (!) Verteidigung gegen einen Widersacher gemeint ist. Jakobus und Petrus bitten uns nicht, so zu handeln. Sie drücken hier auch nicht einen Wunsch aus. Nein, beide benutzen das Wort in der Befehlsform! Christen haben keine Alternative. Sie können sich nicht aussuchen, ob sie Widerstand leisten oder nicht. Widerstand ist ein Gebot!

Mit uns im Ring: Der Gott aller Gnade

Solange sich die Gläubigen in dieser Welt befinden, so lange sind sie auch in eine geistliche Auseinandersetzung gestellt. Kein Christ ist davon ausgenommen (vgl. 1. Petrus 5, 9 mit 2. Timotheus 3, 12). Aber jeder Christ darf wissen, dass er in diesem Kampf nicht allein bestehen muss. Auch das dürfen wir von Petrus lernen. Er, der meinte, allein bestehen zu können (Lukas 22, 33) und versagte, verweist uns in 1. Petrus 5, 10 und 11 auf den “Gott aller Gnade“:

„Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, nachdem ihr eine kurze Zeit gelitten habt, er selbst wird [euch] vollkommen machen, befestigen, kräftigen, gründen. Ihm sei [die Herrlichkeit und] die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“

In unserem Kampf mögen wir Fehler machen, Niederlagen einstecken müssen und versagen wie Petrus. Wir mögen zu Boden gehen, keine Kraft mehr haben, alles hinwerfen wollen. Aber auf unserer Seite ist der „Gott aller Gnade“, der uns aufzurichten, ja wiederherzustellen vermag wie Er es mit Petrus tat! Er hat nicht nur ein wenig Gnade für uns, nein, Er wendet sich mit aller Seiner Gnade uns zu. Auch wenn wir – wie Petrus – vielleicht fallen, so zieht Gott Seine Verheißung und Berufung nicht zurück. Im Gegenteil: Er richtet uns wieder auf, Er stärkt uns, Er rüstet uns mit neuer Kraft aus, Er verleiht unserem Leben neue Stabilität – und dann schickt Er uns wieder in den Ring,  in die nächste Runde. Denn der “Gott aller Gnade“ traut uns zu, dass wir – wie Petrus – lernen. Von diesem Apostel wissen wir, dass er Seinen Herrn nie wieder verleugnet hat, ja, dass er sein Leben als Märtyrer für Christus beendete. Unser Leben wird mit großer Wahrscheinlichkeit ganz anders verlaufen. Aber eines ist sicher: die letzte Runde im Ring unseres Lebens geht an den “Gott aller Gnade“ und an uns.

Fußnoten:

¹= Zum Vergleich: Der Römerbrief umfasst 433 Verse.

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BAB am 16.01.2012

Translation here.

Bemerkenswertes aus der Blogosphäre … und von anderswo her:

* Die Vortragsscripte der Jahrestagung 2011 des “Council on Dispensational Hermeneutics“ („Rates für dispensationale Hermeneutik“) stehen ab sofort zum kostenlosen Download bereit. Auf dem vierten Jahrestreffen des “Council“ befassten sich die Teilnehmer mit der Rolle des Heiligen Geistes: “Sanctification Under the Old Testament“, “Spirit Regeneration and Indwelling of OT Saints: A Study in Dispensational Distinctions“, “Considering the Relationship of the Holy Spirit to the Church in Connection to the New Covenant“, “The Holy Spirit in the Old Testament“, “What is the Role of the Holy Spirit in Interpretation?“, “Spirit Baptism: Continuity with a Discontinous Interlude“, “The New Testament Origins of the Baptism of the Spirit“ und “The Meaning of BAPTISM in the Doctrine of Baptism of the Spirit“. Alle Scripte können hier heruntergeladen werden: Klick!

* “Exiled Preacher“ hat einen, wie ich finde, sehr nachdenkenswerten Beitrag zum Thema “PowerPoint and the Death of Preaching“ veröffentlicht: Klick!

* Zur (Gebets-)erinnerung: “The Persecuted Christian Who Touched Our Hearts in 2011″: Klick!

* Zum Abschluß kein Witz: „Star-Wars-Jünger in Tschechien: ‘Jediismus’ will als Religion anerkannt werden“ – ein Bericht von dradio „Tag für Tag“: Klick!

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