Anmerkungen zu Psalm 34, 1 – 23

„En Gedi“ * Foto: rneitzey via https://pixabay.com/de/users/rneitzey-18118/

Anmerkungen zu Psalm 34, 1 – 23

Der 19. Vers des 34. Psalms wurde als Grundlage für die Wortverkündigung am morgigen Sonntag gewählt. Wir betrachten diesen Vers im Kontext des gesamten Psalms.

“Von David,“ „als er sich wahnsinnig stellte vor Abimelech und dieser ihn von sich trieb und er wegging.“ Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, dass es die Elenden hören und sich freuen. Preiset mit mir den HERRN und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen! Als ich den HERRN suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht. Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden. Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten. Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus. Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet! Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen! Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel. Reiche müssen darben und hungern; aber die den HERRN suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut. Kommt her, ihr Kinder, höret mir zu! Ich will euch die Furcht des HERRN lehren. Wer möchte gern gut leben und schöne Tage sehen? Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden. Lass ab vom Bösen und tu Gutes; suche Frieden und jage ihm nach! Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien. Das Angesicht des HERRN steht wider alle, die Böses tun, dass er ihren Namen ausrotte von der Erde. Wenn die Gerechten schreien, so hört der HERR und errettet sie aus all ihrer Not. Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben. Der Gerechte muss viel erleiden, aber aus alledem hilft ihm der HERR. Er bewahrt ihm alle seine Gebeine, dass nicht eines zerbrochen wird. Den Gottlosen wird das Unglück töten, und die den Gerechten hassen, fallen in Schuld. Der HERR erlöst das Leben seiner Knechte, und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld.

(Psalm 34, 1 – 23; LUTH’84)


Zum Hintergrund: Das 1. Buch des Psalters

Wie ich bereits in den Anmerkungen zu anderen Psalmen geschrieben habe, ist es auch an dieser Stelle nicht möglich, den Hintergrund des großen und umfangreichen biblischen Buches der Psalmen in seinen Einzelheiten zu betrachten. Aus diesem Grund folgen auch hier nur einige grundlegende Informationen zum Buch der Psalmen, insbesondere zum 1. Buch des Psalters, in dem wir den heute zu betrachtende Psalm finden:
Das Buch der Psalmen (תְּהִלִּים bzw. תהילים, “Tehillim“ = die Preisungen/Lobpreisungen) ist das erste Buch der “Ketuvim“, d.h. der “Schriften“, also des dritten und letzten Abschnitts der jüdischen Heiligen Schrift. Der Begriff “Preisungen“ bzw. “Lobpreisungen“ ist sehr treffend gewählt für dieses biblische Buch, da jeder der 150 Psalmen, mit Ausnahme von Psalm 88, Lobpreisungen Gottes enthält.
Unser deutsches Wort “Psalm“ ist die eingedeutschte Form des griechischen Wortes “ψαλμός“ (“psalmos“) bzw. der ψαλμοί“ (“psalmoi“), womit “Worte bzw. Lieder mit instrumentaler Begleitung“ bezeichnet wurden (vgl. Lukas 20, 42; Apostelgeschichte 1, 20). Das gesamten Buches der Psalmen wurde in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta (LXX), als “ψαλτήριον“ (“psalterion“) bezeichnet. Darauf zurückgehend entwickelte sich unser Begriff “Psalter“, mit dem auch heute noch das ganze Buch bzw. die Gesamtheit der 150 Psalmen bezeichnet wird.

Traditionell wird das Buch der Psalmen in fünf große Abschnitte bzw. Bücher unterteilt:

Buch I (Psalm 1Psalm 41)

Buch II (Psalm 42Psalm 72)

Buch III (Psalm 73Psalm 89)

Buch IV (Psalm 90Psalm 106)

Buch V (Psalm 107 Psalm 150)

Auf wen diese Unterteilung zurückzuführen ist, ist genauso unbekannt, wie die Kriterien, nach denen die einzelnen Psalmen dem jeweiligen Buch zugeordnet wurden. Manche Kommentatoren sehen in dieser Aufteilung eine Parallele zu den fünf Büchern Mose, d.h. der Torah.
Im 1. Buch des Psalters, das die Psalmen 1 bis 41 umfasst, befindet sich jener Psalm, den wir heute betrachten wollen. Die überwiegende Anzahl der Psalmen in diesem Buch wurden von David verfasst. Nur vier Psalmen stammen nicht von dem bekanntesten König Israels: Psalm 1, Psalm 2, Psalm 10 und Psalm 33 enthalten keine Angaben zu ihrem jeweiligen Verfasser. Die in diesem Buch enthaltenen Psalmen spiegeln eine enge Gottesbeziehung wieder. Das wird u.a. daran deutlich, dass sie nicht primär das allgemeinere hebräische Wort für Gott (“Elohim“; 15 Vorkommen), sondern den Namen des Bundesgottes Israels (“Jahwe“; 273 Vorkommen) benutzen. Kommentatoren haben dieses Buch des Psalters auch als “Buch der Erfahrungen“ bezeichnet, da es uns von vielen persönlichen Erfahrungen, die David mit Gott machen durfte, berichtet.
Es gibt einen Grundton, der sich ab Psalm 1 durch dieses ganze erste Psalmbuch zieht. Es ist die Trennung der Gerechten von den Gottlosen. Bei diesen Gottlosen handelt es sich nicht um Menschen aus dem Heidentum, die Gott nicht kennen, sondern um Menschen, die zum irdischen Volk Gottes – Israel – gehören, Gott jedoch nicht anerkennen. Kommentatoren führen diesen Schwerpunkt darauf zurück, dass die hier zusammengefassten Psalmen in jener Zeit entstanden, in der Konflikt zwischen Saul, dem vom Volk erwählten und von Gott verworfenen König Israels, und David, dem von Gott erwählten, aber noch nicht bestätigten König, ihren Höhepunkt erreichten.

 

Der spezielle Hintergrund von Psalm 34:

In Psalm 34, 1 wird uns mitgeteilt, dass dies ein Psalm “von David“ ist, “als er seinen Verstand vor Abimelech verstellte und dieser ihn wegtrieb und er fortging“. Die hier angesprochenen Ereignisse betreffen Stationen in Davids Leben, die wir im 1. Buch Samuel ab Kapitel 21 nachlesen können. Zum Verständnis von Psalm 34 ist die Kenntnis dieser Ereignisse unabdingbar. Aus diesem Grund fasse ich sie im Folgenden kurz zusammen:
In den Kapiteln 2131 wird uns Davids Flucht vor Saul und sein Leben im Exil geschildert. Die erste Station auf Davids Flucht ist die Stadt Nob auf dem Skopusberg, nur wenige Kilometer von Jerusalem entfernt (1. Samuel 21, 1 – 9). Zu dieser Zeit befand sich die Bundeslade an diesem Ort und Ahimelech diente dort als Hoherpriester. Ganz offensichtlich suchte Davids auf seiner Flucht zuerst die Hilfe Gottes. Diese meinte er bei der Bundeslade und dem Hohenpriester zu finden. Doch anstatt Ahimelech ehrlich über seine Situation aufzuklären, erzählte David ihm nur “die halbe Wahrheit“. In Vers 2 lesen wir, wie er Ahimelech berichtet, der König habe ihn zu einer geheimen Mission ausgesandt. Die Tatsache, dass keine Soldaten ihn begleiten, erklärt er gegenüber dem Hohenpriester damit, dass er diese an einen anderen Ort geschickt habe und sie in Kürze wieder treffe. Nach Nob sei er gekommen, um Brot für seine Soldaten zu besorgen, und um zu beten. Daraufhin gab Ahimelech David die Schaubrote aus der Stiftshütte. Bei den Schaubroten aus der Stiftshütte handelte es sich um 12 ungesäuerte Weizenbrote, die an jedem Sabbath frisch auf einen extra für sie vorgesehenen Tisch in der Stiftshütte (2. Mose 25, 23 – 30) gelegt wurden. Sie stellten symbolisch die zwölf Stämme Israels vor Gott dar. Einmal wöchentlich wurden die Brote durch neue ersetzt und die bisherigen Brote dienten als Nahrung für die Priester (3. Mose 24, 5 – 6). Nur rituell reine Männer durften von diesem Brot essen und diese rituelle Reinigung forderte Ahimelech auch von David und seinen Männern (vgl. dazu 1. Samuel 21, 4; 2. Mose 19, 14 – 15; 3. Mose 15, 8). Als David ihm versichert, seine Männer und er selbst seien rituell rein, gab Ahimelech ihm die Brote (1. Samuel 21, 6). David fragte Ahimelech auch nach einer Waffe, da er – so seine Erklärung – aus Eile wegen des Auftrags Sauls seine Waffen nicht mitgenommen habe (1. Samuel 21, 8). Ahimelech gibt zur Antwort, dass sich nur das Schwert Goliaths, das David vor Jahren selbst erbeutet hatte, in der Stiftshütte befinden würde (1. Samuel 21, 9). Wahrscheinlich wurde es dort aufbewahrt, weil es an Gottes Eingreifen beim Kampf gegen die Philister erinnern sollte. Als Ahimelech David dieses Schwert anbietet, erwidert dieser: “Es gibt nicht seinesgleichen; gib es mir!“ Danach verließ David Nob.
Für Ahimelech und seine Mitpriester sollte Davids Verhalten schwerwiegende Konsequenzen haben. In 1. Samuel 21, 7 heißt es: “Es war aber an jenem Tage daselbst vor dem HERRN eingeschlossen ein Mann aus den Knechten Sauls, der hieß Doeg, der Edomiter, einer der mächtigsten Hirten Sauls.“ Doeg befand sich in Nob, um zu beten und wurde aus diesem Grund Zeuge des Besuchs von David bei Ahimelech. Aus 1. Samuel 22, 9 ff. erfahren wir, wie Doeg Saul davon berichtet und wie Saul daraufhin Doeg befiehlt, Rache an Ahimelech und der Stadt Nob zu nehmen:

“Da antwortete Doeg, der Edomiter, der neben Sauls Knechten stand, und sprach: Ich sah den Sohn Isais, als er nach Nob zu Achimelech, dem Sohn Achitubs kam. Der befragte den HERRN für ihn und gab ihm Brot, und das Schwert Goliaths, des Philisters, gab er ihm auch. Da sandte der König hin und ließ rufen Achimelech, den Sohn Achitubs, den Priester, und seines Vaters ganzes Haus, die Priester, die zu Nob waren; und sie kamen alle zum König. Und Saul sprach: Höre doch, du Sohn Achitubs! Er sprach: Siehe, hier bin ich, mein Herr! Und Saul sprach zu ihm: Warum habt ihr einen Bund wider mich gemacht, du und der Sohn Isais, daß du ihm Brot und ein Schwert gegeben und Gott für ihn befragt hast, so daß er sich wider mich auflehnt und mir nachstellt, wie es jetzt am Tage ist? Achimelech antwortete dem König und sprach: Und wer ist unter allen deinen Knechten so treu wie David, dazu des Königs Tochtermann und Oberster über deine Leibwache und in deinem Hause so hoch gehalten? Habe ich denn erst heute angefangen, Gott für ihn zu befragen? Das sei ferne von mir! Der König lege solches weder seinem Knecht, noch dem ganzen Hause meines Vaters zur Last; denn dein Knecht hat von alledem nichts gewußt, weder Kleines noch Großes! Aber der König sprach: Achimelech, du mußt des Todes sterben, du und deines Vaters ganzes Haus! Und der König sprach zu seinen Trabanten, die vor ihm standen: Wendet euch und tötet die Priester des HERRN! Denn ihre Hand ist auch mit David; und obschon sie wußten, daß er floh, haben sie es mir doch nicht eröffnet. Aber die Knechte des Königs wollten die Hand nicht an die Priester des HERRN legen, sie zu erschlagen. Da sprach der König zu Doeg: Wende du dich und erschlage die Priester! Und Doeg, der Edomiter, wandte sich und fiel über die Priester her und tötete an jenem Tage fünfundachtzig Männer, die das leinene Ephod trugen. Und Nob, die Stadt der Priester, schlug er mit der Schärfe des Schwertes, Männer und Weiber, Kinder und Säuglinge, auch Ochsen, Esel und Schafe, mit der Schärfe des Schwertes.“

(1. Samuel 22, 9 – 19)

So führte Davids Lüge zum Tod vieler unschuldiger Menschen.

Nachdem er Nob verlassen hatte, wandte sich David nach Gath (1. Samuel 21, 10 – 15). Wer sich ein wenig mit der biblischen Geschichte auskennt, wird sicher verwundert sein, wenn er dies liest. Wie kommt es, dass David, der Bezwinger Goliaths, ausgerüstet mit dem Schwert dieses getöteten Riesen, nun in dessen Heimatstadt flieht (1. Samuel 17, 4)? Wieso denkt er, dass er gerade dort, wo ihn jeder hassen musste, Zuflucht finden könnte? Vielleicht meinte er in Achis (a.Ü. Abimelech), dem König von Gath, einen Verbündeten zu finden, da dieser ja auch mit Saul verfeindet war. Hat ihn der Gedanke, dass “die Feinde meiner Feinde meine Freunde sind“ zu diesem Schritt bewogen? Doch was immer Davids Beweggründe für diesen Schritt gewesen sein mögen, sein Versuch, sich in Gath in Sicherheit zu bringen, scheitert. Denn in Gath wird David sofort erkannt (1. Samuel 21, 11) und ihm wird klar, dass er auch dort nicht sicher ist. Den einzigen Ausweg, den er in dieser Situation sieht, ist es, sich als geisteskrank auszugeben. Im Nahen Osten wurden zu jener Zeit geisteskranke Menschen als schlechtes Omen, Vorboten eines Unglücks, betrachtet. Sie zu töten, brachte nach den Vorstellungen jener Zeit ebenfalls Unglück und so vertrieb man solche Menschen nur, tat ihnen aber in der Regel nichts weiter an. David, der offensichtlich um diese Einstellung zu Geisteskranken wusste, verstellte sich dementsprechend, um aus Gath fliehen zu können und er hatte sogar Erfolg mit seiner List. Der König von Gath lässt ihn vertreiben und David konnte in die Höhle Addullam fliehen (1. Samuel 22, 1).
In beiden Situationen – in Nob wie in Gath – benutzt David eine List, um seinen Verfolgern zu entgehen. In beiden Fällen lügt er. In Nob sind es verbale Lügen, in Gath ist es ein lügnerisches Verhalten. In beiden Fällen haben die Lügen Davids Konsequenzen. Ahimelech und die Stadt Nob kommen durch den Zorn Sauls um und Gath muss David mit dem Makel verlassen, dass der zukünftige König Israels ein Irrer ist. Obwohl David ein gewisses Vertrauen zu Gott hatte, meinte er, in diesen Situationen sich mit eigenen Mitteln helfen zu müssen. Diese Vermischung von Vertrauen in Gott und einem völlig von Gott unabhängigen Handeln finden wir an mehreren Stellen in Davids Leben. In 1. Samuel 21 wird es jedoch besonders deutlich. Als David Psalm später Psalm 34 (und andere Psalmen) schreibt, ist er zu dieser Einsicht gekommen, dass er sein Vertrauen ganz auf Gott setzen muss und es nicht mit menschlich durchtriebenen Listen vermischen darf. David erwähnt offen sein falsches Handeln in Gath ganz zu Beginn dieses Psalms, doch alles, was er danach sagt, ist ein Lobpreis Gottes und Seines Bewahrung. Es wird deutlich, dass David zwischenzeitlich zu der Einsicht gelangt ist, dass nicht seine menschlichen Listen ihn in den heiklen Situationen seines Lebens bewahrten, sondern allein Gott. Dieser Psalm beleuchtet seine Erfahrungen also aus einer neuen Perspektive. Und noch viel später sehen wir wie David, der von dem Schwert Goliaths sagte: “Es gibt nicht seinesgleichen“ ein Bekenntnis vor Gott ablegt, in dem er sagt:

“Darum bist du, HERR, mein Gott, auch so hoch erhaben; denn dir ist niemand gleich, und es ist kein Gott außer dir nach allem, was wir mit unsern Ohren gehört haben!“

(2. Samuel 7, 22)

Aus Psalm 34 erfahren wir, dass Gott David immer wieder vor seinen Feinden bewahrte und aus der Hand seiner Feinde befreite. Gottes Eingreifen zu Gunsten Davids dürfen wir nicht als eine Zustimmung zu Davids lügnerischem Handeln mißdeuten. Gott bewahrte David nicht, weil dieser so handelte, sondern obwohl dieser so handelte. Gottes Bewahrung stellt keine Zustimmung zu Davids Handeln dar. Gott bewahrte David, weil Er ihm schon Jahre zuvor eine Verheißung gegeben hat und weil Gott – im Gegensatz zu uns Menschen – Seine Bündnisse nie bricht und Seine Verheißungen immer einhält.

* Lernen, was David gelernt hat: Davids Verhalten ist eine Mischung aus Gottvertrauen und menschlichen Listen. Auf der einen Seite möchte er Gott vertrauen, auf der anderen Seite greift er in schwierigen Situationen zu eigenen Mitteln, ja sogar zur Lüge. Wie oft mag es uns ähnlich ergangen sein oder noch ergehen? Auf der einen Seite möchten wir Gott vertrauen und Ihm dienen und wenn es dann darauf ankommt, dann meinen wir, doch wieder selbst für uns sorgen zu müssen und scheuen auch nicht den Einsatz von Mitteln, die Gottes Willen so gar nicht entsprechen. Wenn dann noch “alles gut geht“, dann meinen wir auch noch, Gott habe uns und unserem falschen Handeln doch noch irgendwie Seinen Segen gegeben. Und wenn es wieder zu einer schwierigen Situation kommt, handeln wir erneut falsch. Nein, Gottes Bewahrung ist nie ein Siegel für falsches Handeln. Gott bewahrt uns, weil er uns dies zugesagt hat (2. Thessalonicher 3, 3). Aber auch unser falsches Handeln wird Konsequenzen haben:

”Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl des Christus offenbar werden, damit jeder empfange, was er in dem Leib getan hat, nach dem er gehandelt hat, es sei Gutes oder Böses.”

(2. Korinther 5, 10)

Darum ist es wichtig, dass wir aus dem lernen, was David (in einem langen, schmerzhaften Prozess) gelernt hat: Wirkliche Hilfe kann für uns nur von Gott kommen, wahre Sicherheit gibt es nur bei Ihm. Keine menschliche List, kein Schwert Goliaths kann uns helfen und kein König Achis vermag unseren Schutz zu gewährleisten. Alles, was wir brauchen, finden wir nur in Gott:

Niemand ist gleich dem Gott Jeschuruns, der zu deiner Hilfe am Himmel einherfährt und auf den Wolken in seiner Majestät. Eine Zuflucht ist [dir] der Gott der Urzeit, und unter dir sind ewige Arme. Er hat den Feind vor dir her gejagt und zu dir gesagt: Vertilge!«“

(5. Mose 33, 26 – 27)

Setzen wir unser Vertrauen ganz auf diesen Gott, dem niemand gleich ist. Nehmen wir Abstand von allem, was sich mit dem Willen und Wesen Gottes in unserem Leben nicht vereinbaren lässt. Denn in Jesus Christus hat Gott uns die einzigartige Verheißung geschenkt, dass Er uns alles geben wird, was wir brauchen:

“Welcher sogar seines eigenen Sohnes nicht verschont, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht auch alles schenken?“

(Römer 8, 32)

Anmerkungen zu Psalm 34, 1 – 23

* „Von David,“ „als er sich wahnsinnig stellte vor Abimelech und dieser ihn von sich trieb und er wegging.“ Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, dass es die Elenden hören und sich freuen. Preiset mit mir den HERRN und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!“ – Psalm 34, 1 – 4 – David selbst lobt und rühmt Gott und er fordert auch alle anderen Gläubigen auf, in dieses Lob einzustimmen. Der Grund Gott zu loben, liegt nicht darin, dass es dadurch den Gläubigen besser geht oder sie sich besser fühlen, wie dies seit Jahren durch gewisse merkwürdige „Theologien“ verbreitet wird. Gläubige loben Gott, um allein oder gemeinsam Seine unvergleichliche Größe zu bekennen und anzuerkennen (vgl. Psalm 107, 31; Psalm 99, 3 + 5 u. a . m.)

* „Als ich den HERRN suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht. Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden. Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten.“ – Psalm 34, 5 – 7  – David führt sein Erlebnis der Gnade Gottes – Gott hatte sein Gebet erhört und ihn errettet – als Beispiel dafür an, dass die Gläubigen Gott vertrauen können. Seine Erfahrung, so will er sagen, ist nur eine von zahllosen Glaubenserfahrungen, die die Gemeinschaft der Gläubigen bezeugen kann. Wenn Gott ihm, der so versagt hat, geholfen hat, dann darf auch jeder andere Gläubige Gottes Eingreifen und Rettung in seinem Leben erwarten. Gott wird jene, die Ihm vertrauen, nicht enttäuschen. Die Art und Weise, wie Gott dies tut, müssen wir Ihm überlassen. Manchmal errettet Gott Seine Knechte nicht vor dem brennenden Feuerofen, sondern aus ihm (vgl. Daniel 3, 1 ff.) Aber selbst in den größten Schwierigkeiten wird Er die nicht verlassen, die auf Ihn schauen (vgl. Psalm 23, 4).

* „Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus. Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet! Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen! Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel. Reiche müssen darben und hungern; aber die den HERRN suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut.“ – Psalm 34, 8 – 11 – Der Begriff „Engel des Herrn“ verweist auf Gott selbst (vgl. 1. Mose 16, 7 ff.; Josua 5, 13; Sacharja 3, 1 – 2) bzw. Christus vor Seiner Menschwerdung (vgl. 1. Mose 18, 1 – 2 ff.; 1. Mose 19, 1 ff.; Sacharja 1, 12). David hatte erfahren, dass Er diejenigen umgab und rettete, die Ihm vertrauten. Und wie im Vers zuvor ruft David auch jetzt die Gläubigen auf, Gott in gleicher Weise zu vertrauen, um Ihn in gleicher Weise zu erfahren („schmecket und sehet“). Wenn der König Israels dann dazu auffordert, Gott zu fürchten, dann hat dieser Aufruf nichts mir Angst zu tun. Es geht um Ehrfurcht, (Hoch-)Achtung, Respekt, Wertschätzung Gottes, der selbst gegenüber dem Sünder freundlich, gnädig und barmherzig ist.
„Reiche“ – in anderen Übersetzungen „junge Löwen“ – müssen hungern und darben. Bei beiden Übersetzungsmöglichkeiten liegt der Gedanke der Selbstgenügsamkeit nahe. Reiche Menschen und junge, kräftige Löwen scheinen auf den ersten Blick in der Lage zu sein, sich selbst zu versorgen. Doch auch ihr Leben und ihre Versorgung ist und bleibt vollkommen abhängig von Gott. Ohne Gottes Fürsorge kann es auch in ihrem Leben zu Mangel kommen. Im Gegensatz dazu sind jene, die auf den Herrn vertrauen, ihre Abhängigkeit vom Ihm anerkennen, sicher. Gott ehrt ihr Vertrauen und versorgt sie. Dabei sollten wir die Aussage „keinen Mangel an irgendeinem Gut“ nicht so verstehen, dass diese Menschen in unendlichem Überfluss leben. Gemeint die die Versorgung mit dem, was zum Leben notwendig ist, d.h. mit dem „täglichen Brot“ (vgl. Matthäus 6, 11).

* „Kommt her, ihr Kinder, höret mir zu! Ich will euch die Furcht des HERRN lehren.“ – Psalm 34, 12 – In den Versen, die nun folgen, gibt David seinen Zuhörern Belehrungen, wie sie ein erfülltes Leben in der Beziehung mit Gott führen können. Der König Israels tut dies in einer Weise, wie ein liebender Vater seine Kinder belehren würde. Aufgrund seiner eigenen Erfahrung kann er seinen Zuhörern versprechen, dass sie von ihm weisen Rat bzgl. der Furcht Gottes erhalten werden. Verschiedene Kommentatoren haben darauf hingewiesen, dass diese Verse den Belehrungen im Buch der Sprüche ähnlich sind (vgl. Sprüche 1, 1 + 8).

* „Wer möchte gern gut leben und schöne Tage sehen? Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden. Lass ab vom Bösen und tu Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!“ – Psalm 34, 13 – 15 – Den gottesfürchtigen Israeliten hatte Gott langes Leben verheißen (vgl. 2. Mose 20, 12; 5. Mose 5, 33). Aus diesem Grund ruft David seine Zuhörer dazu auf, die Wahrheit zu reden, das Böse zu meiden, Gutes zu tun und im Frieden mit anderen zu leben. Im Zeitalter der Gnade, in welchem wir leben dürfen, sind die Segnungen, die Gott uns zugesagt hat, primär geistlicher Art (vgl.  Epheser 1, 3). Zu diesen Segnungen gehört selbstverständlich auch die Verheißung des ewigen Lebens, das jeder empfängt, der an Jesus Christus, den Sohn Gottes, glaubt (vgl. Johannes 3, 16; Johannes 17, 3; 1. Johannes 5, 11 – 12 +20). Die Gabe des ewigen Lebens ist jedoch nicht abhängig von unserem Verhalten oder unseren guten Werken (vgl. Epheser 2, 8 – 9), sondern allein von unserem Glauben an  den Auferstandenen (Johannes 14, 6 – 7; Johannes 10, 28).

* „Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien. Das Angesicht des HERRN steht wider alle, die Böses tun, dass er ihren Namen ausrotte von der Erde.“ -Psalm 34, 16 – 17 – Im Gegensatz zu den Bösen dürfen die Gerechten, d.h. jene, die durch Glauben in der richtigen Beziehung zu Gott stehen, darauf vertrauen, dass Gott sie sieht und hört. Sie dürfen darauf vertrauen, dass Er ihnen Gunst erweist (Psalm 5, 12) und ihren Bedürfnissen begegnet.

* „Wenn die Gerechten schreien, so hört der HERR und errettet sie aus all ihrer Not. Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben. Der Gerechte muss viel erleiden, aber aus alledem hilft ihm der HERR. Er bewahrt ihm alle seine Gebeine, dass nicht eines zerbrochen wird. Den Gottlosen wird das Unglück töten, und die den Gerechten hassen, fallen in Schuld.“ – Psalm 34, 18 – 22 – Erneut versichert David  seinen Zuhörern, dass die Gerechten darauf vertrauen dürfen, dass Gott sie erhört, wenn sie im Gebet zu Ihm rufen und dass Er ihnen aus ihrer Not hilft. Und erneut kann er auf seine eigene Erfahrung zurückgreifen und bestätigen: ‚Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben. Der Gerechte muss viel erleiden, aber aus alledem hilft ihm der HERR‘ Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang das kleine Wort ‚aus‘. Gott bewahrt uns nicht immer vor jeder Not, aber er ist in jeder Not mit/bei uns (vgl. Jesaja 63, 9; 2. Korinther 4, 8; Johannes 14, 16; Römer 8, 35; Kolosser 1, 27;  Psalm 23, 1 f.; Daniel 3, 1 ff.) und befreit uns zu dem Zeitpunkt, den Er für richtig befindet, daraus. Wir mögen es nicht so empfinden und trotzdem ist es wahr: Gerade in Nöten, Bedrängnissen und Leid ist Gott uns besonders nahe und möchte und begegnen, uns trösten, heilen, ermutigen und auferbauen.
Bei der Aussage „Er bewahrt ihm alle seine Gebeine, dass nicht eines zerbrochen wird.“ handelt es sich, wie der Apostel Johannes in Johannes 19, 36 bestätigt, um eine messianische Prophetie, die sich im Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus erfüllt hat. Wir dürfen darin auch einen Hinweis sehen, wie sehr sich der leidende Sohn Gottes mit uns in unserem Leid identifiziert.

* „Der HERR erlöst das Leben seiner Knechte, und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld. „ -Psalm 34, 23 –  David schliesst diesen Psalm, indem er noch einmal zusammenfasst, warum die Gläubigen Gott loben sollen: Wir, die wir Gott vertrauen, haben allen Grund Gott für die Befreiung von unseren geistlichen und natürlichen Bedrängnissen zu loben. Jede Erfahrung einer solchen Befreiung ist eine Gelegenheit, Gott zu loben. Wir sollten uns durch solche Erfahrungen aber auch persönlich und gemeinsam daran erinnern lassen, dass die größte Befreiung, die wir in diesem Leben erfahren können, die Befreiung von Sünde und Schuld ist und dass diese allein aufgrund des stellvertretenden Sühnopfers des Sohnes Gottes, unseres Herrn Jesus Christus, möglich wurde (1. Petrus 1, 17 – 19; Hebräer 9, 12; Apostelgeschichte 20, 28).

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Altes Testament, Predigt abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hier ist Platz für Ihre Meinung

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.