Jesus allein – Anmerkungen zu Matthäus 17, 1- 8

Mount Tavor

Der Berg Tabor aus der Vogelperspektive gesehen * Foto: von WikiAir_IL-13-10_B144.jpg: Amos Meron derivative work: Tomer T [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0), via Wikimedia Commons

 

Ein Vers aus dem 17. Kapitel des Matthäusevangeliums (zum Hintergrund des Matthäusevangeliums siehe: Klick!) soll als Grundlage der Wortverkündigung am morgigen Sonntag dienen. Wir betrachten diesen Vers in dem Kontext, in dem er vorkommt:

„Und nach sechs Tagen nimmt Jesus den Petrus und Jakobus und Johannes, seinen Bruder, mit und führt sie für sich allein auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihnen verwandelt; und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, seine Kleider aber wurden weiß wie das Licht.
Und siehe, Mose und Elia erschienen ihnen und unterredeten sich mit ihm. Petrus aber hob an und sprach zu Jesus: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten machen, dir eine und Mose eine und Elia eine. Während er noch redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke, und siehe, eine Stimme erging aus der Wolke, die sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; ihn hört.
Und als die Jünger es hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. Und Jesus trat herzu, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht. Als sie aber ihre Augen erhoben, sahen sie niemand als Jesus allein.

(Matthäus 17, 1 – 8 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

 

Zum Hintergrund von Matthäus 17, 1 – 8

Der heute von uns zu betrachtende  Bibeltext Matthäus  17, 1 – 8 ist Teil eines größeren Abschnitts (Matthäus 13, 54 – Matthäus 19, 2), in dem uns von (weiteren) Reaktionen auf das Auftreten des verheißenen Königs berichtet wird.  Dieser Abschnitt enthält zwei große Teile:
1. In Matthäus 13, 54 bis Matthäus 16, 12 werden uns die Ablehnung Jesu durch Nazarener und Römer (Matthäus 13, 54 – Matthäus 14, 12), Sein Weggang in eine einsame Gegend nach der  Hinrichtung Johannes des Täufers und verschiedene Wunder (Matthäus 14, 13 – 33), Sein öffentliche Wirken in Genezareth (Matthäus 14, 34 – 36), die Feindschaft der Pharisäer und Schriftgelehrten (Matthäus 15, 1 – 20), Sein Weggang nach Tyrus und Sidon (Matthäus 15, 21 – 28), Sein öffentlicher Dienst unter den nichtjüdischen Menschen (Matthäus 15, 29 – 39), die Feindschaft der Pharisäer und Sadduzäer (Matthäus 16, 1 – 12) geschildert.
2. Im zweiten Abschnitt (Matthäus 16, 13 – Matthäus 19,2) werden uns die Belehrungen mitgeteilt, die der Herr Jesus Christus Seinen Jüngern gab, während sie sich im Gebiet von Galiläa aufhielten: die Belehrungen über Seine Person (Matthäus 16, 13 – 17), die Belehrungen über die Pläne des Herrn (Matthäus 16, 18 – Matthäus 17, 13), Belehrungen über die Grundsätze des Herrn (Matthäus 17, 14 – 27), Belehrungen für die Jünger als Botschafter des verheißenen Königs (Matthäus 18, 1 ff.). In Matthäus 19, 1 – 2 wird dann zu den auf diese Belehrungen folgenden Ereignisse in Judäa übergeleitet.
Der von uns zu betrachtende Abschnitt Matthäus 17, 1 – 8 gehört ebenfalls zu den Berichten, in denen die Belehrungen des Herrn während Seines Dienstes in Galiläa.
Kurzgefasst können wir dieses Ereignis und die daraus folgende Belehrung so zusammenfassen: Es ist diese Verheißung Seiner zukünftigen Herrlichkeit, auf die sich das Geschehen auf dem Berg bezieht. Hier schenkt der Herr Jesus Christus drei Jüngern – Johannes, Jakobus und Petrus – einen Einblick in die kommenden Dinge und damit gleichsam einen Beweis dafür, dass sich Seine Verheißung erfüllen wird. Die Verklärung Jesu (Markus 17, 1 – 8) ist zum einen die Erfüllung jener Verheißung, die der Herr in Matthäus 16, 28 ausspricht. Johannes, Jakobus und Petrus (“Wahrlich, ich sage euch: Es sind einige …“ – Einige, (die gemäß Galater 2, 9 die “Säulen“ der Versammlung [= Gemeinde/Kirche] werden sollten ) bekommen durch das Verklärungs-Ereignis einen Vorgeschmack auf die Herrlichkeit Ihres Herrn, des Messias, und Seines kommenden Reiches. Angesichts der in Kürze bevorstehenden Verwerfung Jesu durch das Volk und Seinen Tod am Kreuz, sollte das Verklärungs-Ereignis diesen Jüngern die Sicherheit vermitteln, dass  der Tod Ihres Herrn nicht das Ende Seines Wirkens darstellen würde. Dass die drei genannten Jünger dieses Ereignis genauso verstanden, macht Petrus in 2. Petrus 1, 16 – 18 deutlich.

Anmerkungen zu Matthäus 17, 1 – 8

* “Und nach sechs Tagen nimmt Jesus den Petrus und Jakobus und Johannes, seinen Bruder, mit und führt sie für sich allein auf einen hohen Berg.“ – Matthäus 17, 1 Da sich in den Evangelien (mit Ausnahme des Johannesevangeliums) nur in einzelnen Fällen solche zeitlichen Eingrenzungen (“nach sechs Tagen“) finden, ist diese in diesem Vers umso bemerkenswerter. Verschiedene Kommentatoren gehen davon aus, dass es einen wichtigen Grund gab, aus dem der Evangelist Matthäus sie hier benutzt. Sie gehen davon aus, dass  der Evangelist damit auf die Erfüllung der Aussage Jesu in Matthäus 16, 28 hinweisen wollte. Petrus, Jakobus und Johannes stellen eine Art “inneren Kreis“ der Zwölfergruppe dar. Sie werden als solcher neun Mal in den Evangelien und einmal in der Apostelgeschichte genannt. In Galater 2, 9 bezeichnet Paulus sie als “Säulen“ der Versammlung (= Gemeinde / Kirche). Es waren diese drei Jünger, die der Herr aufgrund ihrer Hingabe und Treue erwählte, dieses Ereignis mitzuerleben. Diese drei waren – im Gegensatz  zu den anderen Jüngern – schon zuvor bei einigen Gelegenheiten in besonderem Maße Zeugen Seiner Herrlichkeit geworden (vgl. Markus 5, 37; Markus 13, 13; Matthäus 26, 37). Vgl. in diesem Zusammenhang auch 5. Mose 17, 6 und 5. Mose 19, 15.  Wie ich bereits in einer früheren Betrachtung über die Bedeutung der Verklärung Jesu versucht habe aufzuzeigen (Klick!; siehe dort auch weitere Verweise), gibt es zwischen den Evangelienberichten über dieses Ereignis und Geschehnissen im Leben des Mose verschiedene Parallelen, durch die die Evangelisten deutlichen machen wollten, dass die Verheißung  aus 5. Mose 18, 15 in dem Kommen Jesu ihre Erfüllung gefunden hat. Auch Mose wurde von drei Begleitern (Aaron, Nadab und Abihu) begleitet, als er auf den Berg stieg (2. Mose 24, 1 + 9).
Berge spielen sowohl im Leben und Dienst des Mose (Berg Sinai) als auch des Elia (Berg Karmel) eine Rolle. Auch im Leben und Dienst des Sohnes Gottes auf dieser Erde finden wir vier Begebenheiten, in denen der Herr mit seinen Jüngern auf einen Berg geht und sie dort besondere Lehren empfangen bzw. Zeugen besonderer Erfahrungen / Aufträge werden. Außer in Matthäus 17, 1 – 8 finden wir diese Berichte in Matthäus 5, 1 f., Matthäus 15, 29 f. und in Matthäus 28, 16 f. Daneben berichten uns die Evangelien von verschiedenen Gelegenheiten, zu denen der Herr Jesus Christus die Einsamkeit eines Berges suchte, um dort allein zu beten.
Der Name des Berges, auf dem sich die Verklärung Jesu ereignete, wird uns nicht genannt. In einer apokryphen Schrift, dem so genannten “Hebräerevangelium“, das erst im 2./3. Jahrhundert n. Chr. belegt ist, wird als Ort der Verklärung der Berg Tabor genannt. In den biblischen Evangelien wird die Frage der genauen Verortung keine besondere Bedeutung zugemessen. Viel wichtiger ist das Geschehen an sich und welche Bedeutung es für die Jünger und die Menschen, die durch ihr Wort zum Glauben an Jesus Christus kommen würden, hatte.
Die Gottesbegegnung auf einem Berg stellt jedoch eine weitere Parallele nicht nur zu Mose, sondern auch zu Elia dar (vgl. 2. Mose 19 + 24; 1. Könige 19).

* “Und er wurde vor ihnen verwandelt; und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, seine Kleider aber wurden weiß wie das Licht.“ – Matthäus 17, 2 – Das hier von Matthäus für unser deutsches Wort “verwandelt“ benutzte griechische Wort ist “μεταμορφόω“ (“metamorphoo“), das mit “umgestaltet“ oder “verwandelt“ übersetzt werden kann. Gemeint ist eine über die Erscheinung hinausgehende Umgestaltung. Aufgrund der Aussagen in 2. Petrus 1, 16 – 18 und Offenbarung 1, 16 gehen Kommentatoren davon aus, dass der Herr hier eine Erscheinung annahm, die in einer gewissen Weise Seinem späteren Auferstehungsleib ähnelte. Auch in diesem Zusammenhang gibt es eine Parallele zu Mose: In 2. Mose 34, 29 – 30 wird uns davon berichtet, dass Mose, nachdem er aus der Gegenwart Gottes kam, diese widerstrahlte. Jedoch gibt es an dieser Stelle zwischen Mose und dem Herrn Jesus Christus einen entscheidenden Unterschied. Während Mose die Herrlichkeit Gottes widerstrahlte, war es bei dem Herrn Jesus Christus Seine eigene Herrlichkeit, die die Jünger sahen.
Diese Erfahrung sollte den Glauben der anwesenden Jüngern daran stärken, dass der Herr Jesus Christus der (u.a. von Mose) verheißene Messias war. Sie sollten dadurch außerdem begreifen, dass das von Ihm bzgl. Seiner Person angekündigte Leiden (vgl. Matthäus 16, 21) nicht das Ende Seines Wirkens darstellen würden.  Vielmehr sollte das Geschehen auf dem Berg der Verklärung für die Jünger ein Ausblick auf das Kommen des Herrn in Seiner Herrlichkeit sein (Matthäus 16, 28), ihnen quasi darauf einen “Vorgeschmack“ geben.

* “Und siehe, Mose und Elia erschienen ihnen und unterredeten sich mit ihm.“ – Matthäus 17, 3 – Das Wort “siehe“ weist im biblischen Zusammenhang immer auf etwas besonderes hin, auch hier im Matthäusevangelium (vgl. Matthäus 1, 20 + 23; Matthäus 2, 1 + 13, sowie an 62 anderen Stellen bei Matthäus).
Matthäus schrieb mit der Absicht, jüdischen Lesern den Herrn Jesus Christus als Messias vorzustellen (vgl. Klick!) Auf diesem Hintergrund ist es verständlich, dass der Evangelist Mose zuerst nennt, denn im Judentum ist Mose der wichtigste Prophet. Außerdem ist Mose, wie bereits gesagt, der Typus des kommenden Messias (vgl. 5. Mose 18, 15 – 18). Elia hingegen ist nach alttestamentarischer Verheißung ein Typus auf den Vorläufer, den Herold, des Messias (vgl. Maleachi 4, 5 – 6;  Matthäus 3, 1 – 3; Matthäus 11, 7 – 10; Matthäus 17, 9 – 13).
Sowohl Mose wie auch Elia haben in der Geschichte Israels eine entscheidende Rolle gespielt. Während Gott den Israeliten durch Mose das Gesetz  gab, war es Elia, der das Volk zum Gesetz zurückführte, nachdem es den Bund durch den schlimmsten Götzendienst gebrochen hatte. Beide Männer teilen verschiedene geistliche Erfahrungen: Sowohl Mose als auch Elia erlebten Gottes Gegenwart auf einem Berg (vgl. 2. Mose 19 + 24; Apostelgeschichte 7, 35 – 38), beide mussten die Ablehnung des Volkes ertragen (vgl. Apostelgeschichte 7, 39; 1. Könige 18, 21), die auch dem verheißenen Messias widerfahren sollte.  Letzterer würde jedoch größer sein als jeder dieser herausragenden Propheten (vgl. Hebräer 3, 3), denn in ihm wurde beides, wofür Mose und Elia stehen,  – “das Gesetz und die Propheten“ – erfüllt (vgl. Lukas 24, 44; Johannes 1, 45; Apostelgeschichte 28, 23).

* “Petrus aber hob an und sprach zu Jesus: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten machen, dir eine und Mose eine und Elia eine.“ – Matthäus 17, 4 – Bei den “Hütten“ von denen Petrus hier spricht, handelt es sich nicht um irgendwelche “Hütten“. Vielmehr waren diese Hütten ein Gegenstück zu den in 3. Mose 23, 42 – 43  erwähnten Laubhütten. Die zum Laubhüttenfest, hebr. “Sukkot“, errichteten Hütten, hebr. “Sukka“, wurden jährlich für den begrenzten Zeitraum des sieben Tage andauernden Festes errichtet. Dieses fest sollte die Israeliten daran erinnern, dass sie während der 40-jährigen Wüstenwanderung nach der Befreiung aus Ägypten in Zelten gewohnt hatten. Es sollte die Israeliten, die nun im verheißenen Land angekommen waren und dort wohnen konnten, außerdem daran erinnern, dass dieser Zustand noch nicht der endgültige war. Gottes endgültiges Ziel für Sein Volk war (und ist) die Etablierung Seines Reiches. Bis dies geschieht, ist jeder Zustand nur von vorübergehender Natur. Genau das sollte durch die Hütten des Laubhüttenfestes dargestellt werden.
Auf diesen Zusammenhang zielt die Frage des Petrus ab, da er aufgrund der Ereignisse auf dem Berg (d.g., der Verwandlung des Herrn, der Erscheinung von Mose und Elia und ihrer Unterredung mit dem Herrn) davon ausging, dass das Reich Gottes nun in Kürze anbrechen würde. Dies wird umso deutlich, als dass der Sohn Gottes bereits am Ende von Kapitel 16 über das Kommen Seines Reiches gesprochen hatte. Was Petrus in diesem Moment noch nicht erkennt, ist, dass zwischen der Verklärung Jesu auf dem Berg und der Aufrichtung des Reiches Gottes ein weiterer Zeitabschnitt liegen würde. Aus 2. Petrus 1, 16 – 18 geht hervor, dass dieser Zusammenhang ihm jedoch einige Zeit später geoffenbart wurde.

* “Während er noch redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke, und siehe, eine Stimme erging aus der Wolke, die sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; ihn hört.“ – Matthäus 17, 5 – Bei der “lichten Wolke“, von der Matthäus hier spricht, handelt es sich offensichtlich um die Wolke der Herrlichkeit Gottes, der Schechina, die als sichtbare Gegenwart Gottes das Volk Israel während der Wüstenwanderung begleitete (vgl. 2. Mose 13, 21 – 22; 2. Mose 19, 16; 2. Mose 16, 10; 2. Mose 24, 15 – 18; 2. Mose 40, 34 – 38). In den Weissagungen der alttestamentarischen Propheten wird auch das Kommen des Messias “auf den Wolken“ zur Aufrichtung Seines Reiches angekündigt  (vgl. Psalm 97, 2; Jesaja 4, 5; Daniel 7, 13 u.a.m.) Die Erscheinung dieser Wolke war also ein weiteres Zeichen für die Jünger, an dem sie erkennen konnten, dass das Kommen des messianischen Reiches bevorstand.
Darüber hinaus deutete Schechina nicht nur die nahe Gegenwart Gottes  an, sondern sollte auch die enge Beziehung, in der ihr Herr  zu dem Gott Israels stand, verdeutlichen. Denn aus ihr spricht Gott zu den Anwesenden: “Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe (…)“ Über welchen Propheten des Alten Testaments hatte Gott so etwas schon einmal gesagt? Über keinen einzigen! Nur zu Seinem geliebten Sohn bekennt sich Gott in dieser Weise und macht damit nicht nur die Einzigartigkeit der Beziehung, sondern auch die Einzigartigkeit der Person Christi deutlich. An Ihm und an Ihm allein hat Er vollkommenen Wohlgefallen.
Bezüglich der Wolke sind folgende Details bemerkenswert: In Matthäus 17, 5 lesen wir, dass die Jünger von der Wolke “überschattet“ wurden. In 2. Mose 40, 35 heißt es, dass “die Wolke auf der Wohnung Gottes ruhte“, so dass Mose nicht in die Wohnung Gottes eintreten konnte. In Lukas 9, 34 erhalten wir eine Information, die über das in Matthäus 17, 5 Gesagte hinausgeht. Dort heißt es, dass die Jünger sich “fürchteten (…), als sie in die Wolke eintraten (…)“. Während also unter dem Gesetz ein Eintreten in die “Wolke der Gegenwart Gottes“ selbst für Mose unmöglich war, wird dies für die Jünger, die in Gemeinschaft mit dem Sohn Gottes auf den Berg steigen, möglich. Wir können hierin ein Kennzeichen der Tatsache sehen, dass mit dem Kommen des Herrn eine neue Heilsepoche begonnen hat. Ich werde auf diesen Punkt später noch einmal zurück kommen.
Die Stimme aus dem Himmel ist uns bereits aus Matthäus 3, 17 bekannt, wo eben diese Stimme anlässlich der Taufe des Herrn erscholl. Damals, wie hier auf dem Berg, bestätigte diese Stimme die Person Jesu als Sohn Gottes, zugleich aber auch als Person des leidenden Knechtes Gottes (vgl. Psalm 2, 7; Jesaja 42, 1). Unausgesprochen wurde damit auch die Vorrangstellung des Herrn Jesus Christus gegenüber Mose und Elia bestätigt. Ich werde auf diesen wichtigen Punkt später noch  einmal zurück kommen. Hier möchte ich nur festhalten, dass auch auf diese Weise der Glaube der Jünger gestärkt werden sollte.
Indem die Stimme Gottes die Jünger auffordert “(…) ihn hört!“ wird nicht nur  die Vorrangstellung des Herrn Jesus Christus gegenüber Mose verdeutlicht, sondern auch, dass Er jener größere Prophet ist, den Mose selbst angekündigt hat (vgl. 5. Mose 18, 15 – 18; vgl. Apostelgeschichte  3, 22 – 23; Apostelgeschichte 7, 37). Denn Gott hatte bereits durch Mose über diesen Propheten sagen lassen:

“Einen Propheten aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern, gleich mir, wird der HERR, dein Gott, dir erwecken; auf ihn sollt ihr hören; (…)“

(5. Mose 18, 15 ELBEDHÜ)

Mit dem Kommen des Herrn Jesus Christus auf diese Erde hatte die Offenbarung Gottes ihren Höhepunkt erreicht. Wer Ihn sieht, sieht den Vater (Johannes 14, 9). Wer Seine Stimme hört, hört die Stimme des Vaters (Johannes 8, 28 + 38; Johannes 12, 49 – 50). Darum bezeugt uns der Hebräerbrief auch:

“Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, den er gesetzt hat zum Erben aller Dinge, durch den er auch die Welten gemacht hat; (…)“

(Hebräer 1, 1 – 2 EDLBEDHÜ)

ER allein ist es, auf den Menschen heute hören müssen, wenn sie Erlösung und Segen erfahren wollen.

* “Und als die Jünger es hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. Und Jesus trat herzu, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht. Als sie aber ihre Augen erhoben, sahen sie niemand als Jesus allein.“ – Matthäus 17, 6 – 8  – Die Offenbarung der Gottheit, Autorität und Herrlichkeit Jesu Christi löste bei den Jüngern dieselbe Reaktion aus, wie die Erscheinung Gottes am Sinai bei den Israeliten bzw. die Offenbarung Gottes bei den großen alttestamentarischen Propheten (vgl. 2. Mose 20, 18 – 21; 5. Mose 4, 33; Hebräer 12, 18 – 21; Daniel 10, 8 – 12; Jesaja 6, 5 f.)
Sie diente jedoch nicht nur der Glaubensstärkung der Jünger, sondern, wie wir insbesondere aus diesen Versen  ersehen können, auch der Fokussierung auf Seine Person. Am Ende dieses Ereignisses sehen die Jünger nämlich “niemand als Jesus allein“. Mose und Elia sind verschwunden. Und diese Aussage bezieht sich nicht nur auf das reale Erleben der Jüngern, nein, sie hat auch eine heilsgeschichtliche Bedeutung. Aus Matthäus 11, 13 wissen wir, dass “alle Propheten und das Gesetz (…) bis auf Johannes“ geweissagt haben. Mit dem Kommen des Herrn Jesus Christus endetet die “Zeit des Gesetzes und der propheten“, es begann eine völlig neue Zeit, “die Zeit der Gnade“. Da die Zeit des Gesetzes beendet ist, gilt aber auch:

“Darum, aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden; denn durch Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde. Jetzt aber ist, ohne Gesetz, Gottes Gerechtigkeit offenbart worden, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten: Gottes Gerechtigkeit aber durch Glauben an Jesus Christus gegen alle [und auf alle], die glauben.

(Römer 3, 20 – 22 ELBEDHÜ)

Kein Mensch kann mehr durch Gesetzeswerke gerecht werden, d.h. Erlösung empfangen. (Das Gesetz und die Propheten haben lediglich die Kraft, Menschen von der Sünde zu überführen.)  Kein Mensch kann sich durch das Halten des Gesetzes oder durch die Verrichtung “guter Taten“ im Zustand der Erlösung erhalten. Die Erlösung ist ein reines Gnadengeschenk Gottes, das durch den Glauben empfangen wird.
Im Mittelpunkt der gegenwärtigen Heilsepoche stehen nicht mehr die zwei steinernen Tafeln mit den Geboten, sondern eine Person: Jesus Christus allein! Allein in Ihm ist die Gnade Gottes greifbar und erfahrbar geworden:

“Denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat ihn kundgemacht.“

(Johannes 1, 16 – 18 ELBEDHÜ)

Doch nicht nur die Gnade zu unserer Errettung liegt allein in dem Herrn Jesus Christus, auch die Kraft und Ermutigung, die der Gläubige immer wieder benötigt, liegt allein in Ihm:

“Deshalb nun, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben, lasst auch uns, indem wir jede Bürde und die leicht umstrickende Sünde ablegen, mit Ausharren laufen den vor uns liegenden Wettlauf, hinschauend auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der, die Schande nicht achtend, für die vor ihm liegende Freude das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Denn betrachtet den, der so großen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet, indem ihr in euren Seelen ermattet.

(Hebräer 12, 1 – 3 ELBEDHÜ)

Die Zeugen des Glaubens sind nicht unwichtig, genauso wie das Gesetz und die Propheten mit dem Kommen Jesu ihre Bedeutung nicht verloren haben. Doch Erlösung, Frieden mit Gott, Vergebung der Sünden, Kraft und Ermutigung vermögen uns weder die Zeugen des Glaubens, noch das Gesetz und die Propheten zu vermitteln. Alles das empfangen wir nur von “Jesus allein“.

 

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