Ermutigungen aus dem Lied des Mose – Anmerkungen zu 5. Mose 32, 1 – 14

Haliaeetus albicilla -Loch Portree, Isle of Skye, Scotland -flying-8

Fliegender Haliaeetus albicilla -Loch Portree, Isle of Skye, Scotland * Foto: Carol Carpenter from Hertfordshire – but just inside the M25, UK, Haliaeetus albicilla -Loch Portree, Isle of Skye, Scotland -flying-8, CC BY 2.0

 

Am Mittwoch dieser Woche soll ein Vers aus dem 32. Kapitel des 5. Buches Mose (zum Hintergrund des 5, Buches Mose siehe: Klick!) der Wortverkündigung zugrunde liegen. Wir betrachten diesen Vers in seinem  Kontext:

“Horcht, ihr Himmel, und ich will reden; und die Erde höre die Worte meines Mundes! Wie Regen träufle meine Lehre, wie Tau fließe meine Rede, wie Regenschauer auf das Gras und wie Regengüsse auf das Kraut! Denn den Namen des HERRN will ich ausrufen: Gebt Majestät unserem Gott! Der Fels: Vollkommen ist sein Tun; denn alle seine Wege sind recht. Ein Gott der Treue und ohne Trug, gerecht und gerade ist er! Es hat sich gegen ihn verdorben – nicht seine Kinder, sondern ihr Schandfleck – ein verkehrtes und verdrehtes Geschlecht. Vergeltet ihr so dem HERRN, du törichtes und unweises Volk? Ist er nicht dein Vater, der dich erkauft hat? Er hat dich gemacht und dich bereitet. Gedenke der Tage der Vorzeit, merkt auf die Jahre von Geschlecht zu Geschlecht; frage deinen Vater, und er wird es dir kundtun, deine Ältesten, und sie werden es dir sagen. Als der Höchste den Nationen das Erbe austeilte, als er voneinander schied die Menschenkinder, da stellte er die Grenzen der Völker fest nach der Zahl der Kinder Israel. Denn des HERRN Teil ist sein Volk, Jakob die Schnur seines Erbteils. Er fand ihn im Land der Wüste und in der Öde, dem Geheul der Wildnis; er umgab ihn, gab auf ihn Acht, er behütete ihn wie seinen Augapfel.
Wie der Adler sein Nest aufstört, über seinen Jungen schwebt, seine Flügel ausbreitet, sie aufnimmt, sie auf seinen Schwingen trägt; so leitete ihn der HERR allein, und kein fremder Gott war mit ihm. Er ließ ihn einherfahren auf den Höhen der Erde, und er aß den Ertrag des Feldes; und er ließ ihn Honig saugen aus dem Felsen und Öl aus dem Kieselfelsen; geronnene Milch der Kühe und Milch der Schafe, samt dem Fett der Mastschafe und Widder, der Söhne Basans, und der Böcke, samt dem Nierenfett des Weizens; und das Blut der Traube trankst du, feurigen Wein.

(5. Mose 32, 1 – 14;  ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

Zum Hintergrund von 5. Mose 32, 1 – 11

Die von uns zu betrachtenden Verse sind Teil des “Liedes des Mose“. Dieses Lied ist eines von drei Liedern, deren Autor Mose ist und die wir in der Heiligen Schrift finden. Das erste dieser drei Lieder findet sich in 2. Mose 15, 1 – 27, das zweite ist das Lied des Mose in 5. Mose 32, 1 ff. und das dritte Lied ist uns in Psalm 90 überliefert worden. Das “Lied des Mose“ in 5. Mose 32, 1 ff. wird in Offenbarung 15, 3 noch einmal erwähnt. Dort wird gesagt, dass die Überwinder am gläsernen Meer dieses Lied und das Lied des Lammes singen werde.
Das Lied des Mose in 5. Mose 32, 1 ff. preist die Größe und Einzigartigkeit des Gottes Israels und spricht zugleich die Verantwortlichkeit Seines Bundesvolkes an. Das Lied hat also einen doppelten Charakter bzw. verfolgte eine doppelte Absicht. Im ersten Teil belehrt es das Volk Israel über die Treue Gottes und über die Konsequenzen, die der Abfall von Gott mit sich bringt. Im zweiten Teil kündigt das Lied prophetisch den Abfall des Volkes Israel von Gott an.
In den letzten Worten des Liedes wird prophetisch angekündigt, dass Gott für “sein Land, sein Volk“ (5. Mose 32, 43 ELB’2006) eine Sühnung schaffen wird. Diese Verheißung erfüllte sich im Sühnopfer des Sohnes Gottes, Jesus Christus, am Kreuz von Golgatha (Kolosser 1, 20).


Anmerkungen zu 5. Mose 32, 1 – 14

* “Horcht, ihr Himmel, und ich will reden; und die Erde höre die Worte meines Mundes! Wie Regen träufle meine Lehre, wie Tau fließe meine Rede, wie Regenschauer auf das Gras und wie Regengüsse auf das Kraut! Denn den Namen des HERRN will ich ausrufen: Gebt Majestät unserem Gott! Der Fels: Vollkommen ist sein Tun; denn alle seine Wege sind recht. Ein Gott der Treue und ohne Trug, gerecht und gerade ist er!“ – 5. Mose 32, 1 – 4 –  Das Lied beginnt mit den Worten “Horcht, ihr Himmel, und ich will reden; und die Erde höre die Worte meines Mundes!“ Viele Ausleger verweisen darauf, dass diese Art der Einleitung einer Gerichtsszene ähnelt, da Himmel und Erde hier quasi zu Zeugen genommen werden (vgl. Micha 6, 1 – 2). Gemäß 5. Mose 17, 6 waren zwei Zeugen notwendig und der Himmel bzw. die Erde sind die beiden Zeugen, die jedem Test der Zeit standhalten würden (vgl. auch: Jesaja 1, 2).
Der Name Gottes steht hier, wie an vielen anderen Stellen, für die ganze Person, den Charakter, Gottes, wie Er sich Seinem Volk geoffenbart hat. Die Person Gottes, Seine Größe, ist der primäre Fokus dieses Liedes. Das Volk Israel sollte sich der Größe und Einzigartigkeit Gottes bewusst werden, Gott als allmächtig anerkennen und sich in seiner Beziehung zu Ihm entsprechend verhalten. Indem Mose die Lehre, die er mittels dieses Liedes weitergeben wird, mit Regen und Tau vergleicht, macht er deutlich, dass diese Lehre für das Volk Israel ein lebensspendender Segen sein wird. Denn Regen und Tau waren die grundlegenden Segnungen des verheißenen Landes. Wo diese beiden Segnungen ausblieben, würde dies zu großen Problemen führen.
An zahlreichen Stellen der Heiligen Schrift wird Gott als “Fels“ bezeichnet. In diesem Lied finden sich fünf Stellen (Verse 4, 15, 18, 30 und 31). Durch den Begriff des “Felsens“ wird die unerschütterliche Standfestigkeit Gottes ausgedrückt und zugleich darauf verwiesen, dass dieser  “Fels“ eine zuverlässige Zuflucht für jeden, der sein Leben auf Ihn gründet, ist.  Dabei sollten wir beachten, dass dieser Gott nicht “ein“ Fels unter anderen, sondern “der“ Fels ist. Neben Ihm gibt es keinen, der Ihm gleich ist. Doch Gott ist nicht nur ein “Fels“, Sein Tun ist vollkommen. Was Er erschafft ist “sehr gut“, das hat Er seit Beginn der Schöpfung unter Beweis gestellt (vgl. 1. Mose 1 + 2).Und auch alle Wege, die Er Sein Volk leitet, offenbaren diese Vollkommenheit, denn sie sind “recht“ bzw. “gerecht“. Das hebr. Wort “מִשׁפָּט“ (“mishpat“) spricht davon, dass die Wege, die Gott Sein Volk leitet in vollkommener Übereinstimmung mit Seinem Gesetz sind (Psalm 18, 31; Psalm 33, 5; Psalm 37, 28; Psalm 99, 4; Psalm 111, 7; Jesaja 5, 16; Jesaja 28, 17; Jesaja 30, 18; Jesaja 61, 8). Heute mögen wir das noch nicht in jeder Hinsicht verstehen bzw. nachvollziehen können. Dennoch ist es Wahrheit (vgl. Römer 3, 4) und wir werden es erkennen, wenn wir unseren Lebensweg aus der Perspektive der Ewigkeit betrachten werden.

* “Es hat sich gegen ihn verdorben – nicht seine Kinder, sondern ihr Schandfleck – ein verkehrtes und verdrehtes Geschlecht. Vergeltet ihr so dem HERRN, du törichtes und unweises Volk? Ist er nicht dein Vater, der dich erkauft hat? Er hat dich gemacht und dich bereitet.“ – 5. Mose 32, 5 – 6  – Gottes Vollkommenheit, die sich in Seinem Charakter, Seinem Tun und in Seinen Wegen offenbart, ist Ausdruck Seiner vollkommenen Heiligkeit (vgl. Jesaja 6, 3). Gott ist treu (vgl.  Psalm 36, 5; Psalm 88, 11; Psalm 89, 1 – 2 + 5 + 8 + 24+ 33 + 49; Psalm 92, 2, Psalm 119, 90; Jesaja 25, 1; Hosea 2, 22), bei Ihm gibt es keine Ungerechtigkeit (vgl. Hiob 34, 10). Er ist gerecht (vgl. Hiob 34, 17; Psalm 116, 5; Psalm 119, 137; Psalm 129, 4; Psalm 145, 17) und aufrichtig (vgl. Psalm 25, 8; Psalm 92, 15). In welchem Widerspruch dazu stand das Verhalten des Volkes Israel! Dieses Volk, das Gott Seinen Sohn nannte (2. Mose 4, 23), hätte die Charakterzüge seines Vaters offenbaren sollen. Doch es hatte sich von den Wegen Gottes abgewandt und war so zu einem verdrehten und verkehrten Geschlecht geworden. Mose nennt Gott hier den Vater des Volkes Israel. Doch dieses Volk hatte sich nicht verhalten, wie dankbare Kinder sich verhalten sollten. Auf die vielfältigen Geschenke und Segnungen, die sie von ihrem Gott und Vater erhalten hatten, hatten sie mit Undankbarkeit, Desinteresse und Egoismus reagiert. Ein Verhalten, das eine völlige Respektlosigkeit zeigt.
Während der Wüstenreise hatte Gott Seinem Volk Gebote gegeben, durch dass es Seine Heiligkeit besser kennenlernen sollte. So hatte Er u.a. Geboten, dass Priester mit körperlichen Schäden nicht zum Dienst zugelassen und dass Opfertiere mit körperlichen Makeln nicht zum Opfer geeignet waren (vgl. 3. Mose 21, 17 – 18 + 21 + 23; 3. Mose 22, 20 – 21; 5. Mose 15, 21; 5. Mose 17, 1.) Wenn die Heiligkeit Gottes schon in solche Äußerlichkeiten Vollkommenheit verlangte, wieviel mehr war das dann erst der Fall, wenn es um das Herz des Volkes, seinen Charakter, der sein Verhalten bestimmte, ging? Warum versagten die Israeliten? Konnten Sie etwa  Gottes Gebote nicht halten, waren diese zu schwierig? Nein, Gott in der rechten Weise zu dienen ist keine Frage des Könnens, sondern des Herzens (vgl. 2. Mose 25, 21). 

* “Gedenke der Tage der Vorzeit, merkt auf die Jahre von Geschlecht zu Geschlecht; frage deinen Vater, und er wird es dir kundtun, deine Ältesten, und sie werden es dir sagen. Als der Höchste den Nationen das Erbe austeilte, als er voneinander schied die Menschenkinder, da stellte er die Grenzen der Völker fest nach der Zahl der Kinder Israel.
Denn des HERRN Teil ist sein Volk, Jakob die Schnur seines Erbteils.
Er fand ihn im Land der Wüste und in der Öde, dem Geheul der Wildnis; er umgab ihn, gab auf ihn Acht, er behütete ihn wie seinen Augapfel. Wie der Adler sein Nest aufstört, über seinen Jungen schwebt, seine Flügel ausbreitet, sie aufnimmt, sie auf seinen Schwingen trägt; so leitete ihn der HERR allein, und kein fremder Gott war mit ihm. Er ließ ihn einherfahren auf den Höhen der Erde, und er aß den Ertrag des Feldes; und er ließ ihn Honig saugen aus dem Felsen und Öl aus dem Kieselfelsen; geronnene Milch der Kühe und Milch der Schafe, samt dem Fett der Mastschafe und Widder, der Söhne Basans, und der Böcke, samt dem Nierenfett des Weizens; und das Blut der Traube trankst du, feurigen Wein.“
– 5. Mose 32, 7 – 14 – Nach der vorausgehenden Ermahnung folgt eine weitere Erinnerung, in der Mose erneut dem Volk Israel die Güte Gottes vor Augen stellt: “Gedenke der Tage der Vorzeit, merkt auf die Jahre von Geschlecht zu Geschlecht; frage deinen Vater, und er wird es dir kundtun, deine Ältesten, und sie werden es dir sagen. Als der Höchste den Nationen das Erbe austeilte, als er voneinander schied die Menschenkinder, da stellte er die Grenzen der Völker fest nach der Zahl der Kinder Israel.“ (Verse 6 – 7).  Mit diesen Worten zeigt Mose dem Volk zum einen, dass es nur einen einzigen wahren und lebendigen Gott gibt. Der Gott Israels ist zugleich auch der Gott, der die anderen Nationen geschaffen hat (1. Mose 10, 1 ff.; Jesaja 54, 5; Jeremia 32, 27). Damit schließt die Heilige Schrift jede Form des “Henotheismus“ kategorisch aus, den manche mit dem Begriff “des Höchsten“ gern verbinden wollen. Außerdem erinnert Mose das Volk mit diesen Worten an seine besondere Stellung vor Gott. Israel ist der Ausgangspunkt der Gedanken Gottes, wenn es um das Handeln Gottes mit den anderen Nationen geht. Sein Volk steht dabei im Zentrum. Dieses Volk hat die größten Segnungen erfahren, weil Gott es erwählte und einen Bund mit ihm schloss. Diese Erwählung und die vielfältigen Segnungen, die Gott Israel schenkte, waren nicht das Ergebnis ihres Gehorsams, sondern ein Zeichen Seiner Gnade: “Nicht weil ihr mehr wäret als alle Völker, hat der HERR sich euch zugeneigt und euch erwählt; denn ihr seid das geringste unter allen Völkern; sondern wegen der Liebe de HERRN zu euch und weil er den Eid hielt, den er euren Vätern geschworen hat, hat der HERR euch mit starker Hand herausgeführt und dich erlöst aus dem Haus der Knechtschaft, aus der Hand des Pharaos, des Königs von Ägypten.“ Wären Dankbarkeit und Liebe – und daraus folgend – auch Gehorsam gegenüber den Geboten Gottes – nicht eine ganz natürliche Reaktion gewesen?
Diese Verse sind die letzte von 16 Erinnerungen im 5. Buch Mose, durch die Mose das Volk an all‘ die Güte erinnern möchte, die es von  Gott erfahren hat. Er entwirft nun in beeindruckendes Bild von der bisher erlebten Fürsorge Gottes:
Er, der Israels Vater war (Vers 6), war auch ihr Schöpfer (Vers 6; vgl. 1. Mose 14, 19 + 22. Er hatte Israel gegründet (Hiob 31, 15;  Jesaja 62, 7) und es “in der Wüste“ gefunden (Vers 10), in einem öden Land. Aber genau dort hatte Er dieses Volk mit Seinem Schutz umgeben und für dieses Volk gesorgt (vgl.  Psalm 25, 21; Psalm 31, 23; Psalm 41, 11 – 12; Psalm  61, 7; Jesaja 26, 3; Jesaja 42, 6; Jesaja 49, 8). Wie eine Adlermutter, die ihre Jungen hegt und pflegt, war Gott um dieses Volk besorgt gewesen. Das Bild des Adlers an dieser Stelle nimmt Bezug auf 2. Mose 19, 4, wo Gott Sein Volk bereits einmal an Seine Fürsorge erinnerte: “Ihr habt gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe, wie ich euch auf Adlers Flügeln getragen und euch zu mir gebracht habe.“ Nun führt Mose die Bedeutung dieses Bildes weiter aus. Er vergleicht Gott mit einem Adler, der die Jungen aus dem Nest stösst, um sie das Fliegen zu lehren. Der Adler fliegt über seinen Jungen, breitet seine starken Schwingen aus und fängt sie damit auf, ehe sie zu Boden fallen und dann trägt er sie wieder sicher in das Nest. Dieses Flugtraining wird so lange wiederholt, bis das Junge selbst fliegen kann. Auf diese Weise, so Mose, führte Gott Israel auch auf dem Weg durch die Wüste. Die Prüfungen, denen sich die Israeliten ausgesetzt sahen, waren keine willentlichen Abwesenheiten Gottes. Es waren Zeiten des Trainings und der Vorbereitung, durch die Gott Sein Volk Israel auf die kommenden Herausforderungen bei der Einnahme des Landes vorbereiten wollte. Auf diese Weise sollten sie im Glauben erstarken und zugleich lernen, dass Gott jederzeit da war, um sich Seines Volkes anzunehmen. Leider ließen sich nur wenige Israeliten auf Gottes Training ein. Kaleb und Josua waren solche Männer, die begriffen hatte, was Gott wünschte und wie Er Sein Volk vorbereitete. Als die zwölf Kundschafter, die Mose auf Befehl Gottes in das verheißene Land ausgesandt hatte, zurückkehrten, da waren zehn dieser Männer voll Unglaubens und zweifelten daran, dass Gott Seine Verheißung wahr machen und ihnen dieses Land geben konnte. Nur zwei Männer – Josua und Josua – bekannten ihren Glauben an die Güte und Kraft Gottes (vgl. 4. Mose 14, 6 f). Josua wurde später der Nachfolger Moses als Leiter des Volkes und Kaleb sollte eine wichtige Rolle bei der Einnahme des Landes spielen. Die zehn glaubenslosen Kundschafter hingegen sollten das verheißene Land nicht sehen (4. Mose 14, 30; 4. Mose 26, 65). Was war der Unterschied zwischen diesen Männern? Von Kaleb wird gesagt – und wir können das gemäß Josua 14, 8 – 9 auch auf Josua beziehen: “Aber meinen Knecht Kaleb – weil ein anderer Geist in ihm gewesen und er mir völlig nachgefolgt ist -, ihn werde ich in das Land bringen, in das er gekommen ist; und seine Nachkommenschaft soll es besitzen.“ (4. Mose 14, 24). Josua und Kaleb hatten verstanden, was der Wille Gottes war. Sie hatten sich auf das Glaubenstraining Gottes eingelassen und dementsprechend war ihr Glaube gewachsen. Als sie sich dann ihren Feinden gegenüber sahen, waren sie zuversichtlich, dass Gott ihnen den Sieg über dieselben schenken würde. Wenn Mose Gott hier mit einem Adler vergleicht, dann weist er damit aber nicht nur auf das Glaubenstraining hin, das Gott Seinem Volk angedeihen lässt, er verweist zugleich auf die bewahrende Macht Gottes: “(…) so leitete ihn der HERR allein, und kein fremder Gott war mit ihm.“ Niemand außer diesem wunderbaren, einzigartigen Gott ist in der Lage, Sein Volk so zu führen.
Um das bisher über die Güte und Treue Gottes Gesagte zu unterstreichen, erinnert Mose das Volk in den letzten Versen dieses Abschnitts noch einmal an die beständige Versorgung, die es durch Gott in der gesamten Zeit der Wüstenwanderung erleben durfte. Gottes Versorgung beschränkte sich nicht nur auf die lebensnotwendigen Dinge, nein, Er gab Seinem Volk darüber hinaus auch Honig und Öl, Fleisch und Wein.

Vertrauen lernen, um das Fliegen zu lernen

Wenn  wir diesden ersten Teil des Liedes des Mose mit dem 11. Kapitel des Hebräerbriefes, der prägnanten Auflistung der so genannten “Glaubenshelden“,  vergleichen, dann fällt auf, dass die Erinnerung an bereits Erlebtes eine große Rolle spielt. Beide – Mose, wie auch der Autor des Hebräerbriefes – verfolgen die Absicht, ihre Leser durch die Erinnerung an die Güte, Hilfe, Bewahrung, Versorgung, Treue und Gnade Gottes zu neuem, beständigen Vertrauen auf Gott zu ermutigen. Denn beide möchten ihren Lesern verdeutlichen, dass sie in den Prüfungen, Bedrängnisse und Schwierigkeiten, die sie vielleicht gerade erleben, nicht untergehen werden, sondern dass genau diese Schwierigkeiten dazu dienen können, im Glauben und damit in der Beziehung zu Gott, noch stärker zu werden. Denn solche Zeiten sind keine Zeiten der Abwesenheit Gottes – ganz im Gegenteil. Wie der Adler, der seine Jungen aus dem Nest stößt, damit sie das Fliegen lernen, und sie im richtigen Moment mit seinen starken Schwingen auffängt, so wird auch Gott nicht zulassen, dass wir über unser Vermögen versucht werden, sondern Er wird mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen, so dass wir  sie ertragen können“ (vgl. 1. Korinther 10, 13). Wir können uns entscheiden, ob wir uns diesem Glaubenstraining aussetzen oder ob wir lieber “im Nest“ des Kleinglaubens verharren wollen. Dann sollten wir uns jedoch auch bewusst sein, dass wir so niemals in den Genuss der wunderbaren Erfahrung des Fliegens kommen werden. Josua und kaleb waren zwei Männer, die in das Glaubenstraining Gottes eingewilligt hatten. Sie erkannten die den Schwierigkeiten und Bedrängnissen, die ihnen auf dem Weg durch die Wüste begegneten, Herausforderungen, die sie mit Gottes Hilfe bewältigen konnten. Dementsprechend handelten sie. Sie stellten sich den Herausforderungen der Wüste, erlebten Gottes Eingreifen und wurden so auf noch größere Herausforderungen vorbereitet. Außerdem lernten sie Gottes Treue und Kraft, ja Seine Person, besser kennen, wann immer sie sich den Herausforderungen der Wüste stellten.  Mit jeder neuen Herausforderung wuchsen ihre “Glaubensmuskeln“, d.h. ihr Vertrauen in die Allmacht Gottes, denn mit jeder neuen Gotteserfahrung wurde ihre Beziehung zu diesem Gott noch enger. Die Erfolge, die sie erleben durften, steigen ihnen nicht “zu Kopf“, den sie wussten, dass hinter diesen Erfolgen nicht ihre eigene Kraft, sondern die Hilfe Gottes stand. Gleichzeitig ließen sie nicht zu, dass ihr Herz von den Rückschlägen, die sie erlebten, mutlos wurde. Als sie dann am Ende der Wüstenreise ihrer ultimativen Herausforderung, der Einnahme des verheißenen Landes, gegenüber standen, konnten sie auch diese größte Herausforderung annehmen, weil sie die Schwierigkeiten der Wüste als Training verstanden hatten und im Glauben erstarkt waren.

I'm part of Post A Day 2016

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