Geteiltes Herz kommt vor dem Fall – Anmerkungen zu 1. Könige 10, 1 – 13

Saabaghiberti

Salomon trifft die Königin von Saba; Relief von Lorenzo Ghiberti an der bronzenen Paradiespforte des Baptisteriums in Florenz, 1425ff. * Foto: Richardfabi, Saabaghiberti, CC BY-SA 3.0

Das Bibelwort für die Wortverkündigung am Mittwoch dieser Woche wurde dem 10. Kapitel des 1. Buches der Könige (zum Hintergrund des 1. Buches der Könige, siehe: Klick!) entnommen. Wir lesen und betrachten den betreffenden Vers  in seinem Kontext:

“Und die Königin von Scheba hörte den Ruf Salomos wegen des Namens des HERRN; und sie kam, um ihn mit Rätseln auf die Probe zu stellen. Und sie kam nach Jerusalem mit einem sehr großen Gefolge, mit Kamelen, die Gewürze und Gold trugen in sehr großer Menge, und Edelsteine. Und sie kam zu Salomo und redete zu ihm alles, was in ihrem Herzen war. Und Salomo erklärte ihr alles, um was sie fragte; keine Sache war vor dem König verborgen, die er ihr nicht erklärt hätte. Und als die Königin von Scheba alle Weisheit Salomos sah und das Haus, das er gebaut hatte, und die Speise seines Tisches und das Sitzen seiner Knechte und das Aufwarten seiner Diener und ihre Kleidung und seine Mundschenken und seinen Aufgang, auf dem er in das Haus des HERRN hinaufging, da geriet sie außer sich und sprach zum König: Das Wort ist Wahrheit gewesen, das ich in meinem Land über deine Sachen und über deine Weisheit gehört habe; und ich habe den Worten nicht geglaubt, bis ich gekommen bin und meine Augen es gesehen haben. Und siehe, nicht die Hälfte ist mir berichtet worden; du übertriffst an Weisheit und Gut das Gerücht, das ich gehört habe. Glückselig sind deine Leute, glückselig sind diese deine Knechte, die beständig vor dir stehen, die deine Weisheit hören! Gepriesen sei der HERR, dein Gott, der Gefallen an dir gehabt hat, dich auf den Thron Israels zu setzen! Weil der HERR Israel ewig liebt, hat er dich zum König eingesetzt, um Recht und Gerechtigkeit zu üben. Und sie gab dem König 120 Talente Gold, und Gewürze in sehr großer Menge, und Edelsteine; nie wieder ist eine solche Menge Gewürz gekommen wie dieses, das die Königin von Scheba dem König Salomo gab. (Und auch die Flotte Hirams, die Gold aus Ophir holte, brachte aus Ophir Sandelholz in sehr großer Menge, und Edelsteine. Und der König machte aus dem Sandelholz ein Geländer für das Haus des HERRN und für das Haus des Königs, und Lauten und Harfen für die Sänger; so ist kein Sandelholz gekommen und gesehen worden bis auf diesen Tag.) Und der König Salomo gab der Königin von Scheba alles, was sie wünschte, was sie verlangte, außer dem, was er ihr gab nach der Freigebigkeit des Königs Salomo. Und sie wandte sich und zog in ihr Land, sie und ihre Knechte.“

(1. Könige 10, 1 – 13 ELBEDHÜ; z. Vgl. Luther’84)

 

Zum Hintergrund von 1. Könige 10, 1 – 13

In den Kapiteln 1. Könige 1, 1 bis  1. Könige 11, 43 steht die Regierungszeit König Salomos im Fokus, die in vier Abschnitten eingehender betrachtet wird: Im ersten Abschnitt (1. Könige 1, 1 – 1. Könige 2, 12) erfahren wir von dem sich verschlechternden Gesundheitszustand des Königs David (1. Könige 1, 1 – 4), sowie von dem Aufstand und Versuch des Adonija, den Königsthron an sich zu reißen (1. Könige 1, 5 – 53). Anschließend wird uns von der Einsetzung Salomos zum Erben Davids (1. Könige 2, 1 – 9) und dem Tod Davids (1. Könige 2, 10 – 12) berichtet. In Abschnitt 2 (1. Könige 2, 13 – 1. Könige 4, 34) geht es vorrangig um die ersten Ereignisse in der Regierungszeit Salomos (1. Könige 2, 13 – 1. Könige 4, 34): Salomo handelt mit denen, die seinen Vater verraten haben (1. Könige 2, 13 – 46), er empfängt Weisheit von Gott (1. Könige 3, 1 – 28) und gewinnt politische Stärke (1. Könige 4, 1 – 20).   Die großen Taten und Erfolge Salomos stehen im Mittelpunkt des dritten Abschnitts (1. Könige 5, 1 – 1. Könige 8, 66): Seine Vorbereitungen für den Bau des Tempels (1. Könige 5, 1 – 32), der Bau des Tempels (1. Könige 6, 1 – 38), der Bau des Palastes Salomos (1. Könige 7, 1 – 12), die (Innen-)Einrichtung des Tempels (1. Könige 7, 13 – 51) und die Weihe des Tempels (1. Könige 8, 1 – 66). Im vierten und letzten Abschnitt dieses Blocks (1. Könige 9, 1 – 1. Könige 11, 43) erfahren wir von den positiven Auswirkungen der Herrschaft Salomos – Gottes Bund mit ihm (1. Könige 9, 1 – 9), Gottes Segnungen für ihn (1. Könige 9, 10 – 28), Salomos Reichtum und seiner weitreichenden Bekanntheit (1. Könige 10, 1 – 29) -, dann aber leider auch von seinem Abfall von den allein wahren und lebendigen Gott (1. Könige 11, 1 – 43).
Der heute von uns zu betrachtende Abschnitt 1. Könige 10, 1 – 13 wird in ähnlicher Weise noch einmal in 1. Chronik 9, 1 – 12 aufgegriffen. 

 

Zusammenfassende Anmerkungen zu 1. Könige 10, 1 – 13

* “Und die Königin von Scheba hörte den Ruf Salomos wegen des Namens des HERRN; und sie kam, um ihn mit Rätseln auf die Probe zu stellen.“ – 1. Könige 10, 1  – Das Königreich Scheba (in vielen Bibelübersetzungen auch “Saba“ genannt) wird im südwestlichen Teil der arabischen Halbinsel lokalisiert. Wahrscheinlich befand es sich in der Region des heutigen Yemen oder des Oman, also in Ländern, die bis heute für den Handel mit hochwertigem Weihrauch und anderen wertvollen Gewürzen bekannt sind. Diese Region war angebunden an die Handelsrouten nach Mesopotamien, aber auch an die maritimen Handelsrouten, die durch das Rote Meer Richtung Afrika, aber auch Richtung Israel bis zu Salomos Hafen in Ezion Geber im Golf von Akaba (1. Könige 9, 26) verliefen. Bereits in der Hälfte des  zweiten Jahrtausends vor Christus sind Handelsbeziehungen zwischen den Bewohnern dieses Teils der arabischen Halbinsel und der Levante nachweisbar. Dass Frauen Königreiche auf der arabischen Halbinsel regierten, entweder als allein herrschende Königinnen oder als Mitregentinnen ihrer Männer, wird durch assyrische Quellen belegt. Es ist sehr nachvollziehbar, dass Reiche, die auf Handel und damit auch auf friedliche Handelsrouten, angewiesen waren, mit den Herrschern entlang dieser Routen positive Beziehungen aufbauten bzw, pflegten. Das mag auch der Hintergrund der Reise dieser namentlich nicht genannten Königin aus Scheba gewesen sein, die immerhin mindestens 2250 Kilometer pro Strecke in Anspruch nahm. der Ruf Salomos als reicher und weiser König hatte sich, wahrscheinlich auch über Handelsbeziehungen via Karawanen und/oder Schiffen,  in der damaligen Welt verbreitet.
Neben dem Wunsch der Königin von Scheba, politische und wirtschaftliche Beziehungen mit dem Königreich Israel, das mit seiner geographischen Lage am Kreuzpunkt zwischen Afrika, Arabien und Asien eine Schlüsselstellung im Handel der umliegenden Völker einnahm, wird uns auch ein geistlicher Grund für den Besuch dieser Frau genannt: Sie “hörte den Ruf Salomos wegen des Namens des HERRN“.
Bei den Fragen, die die Königin von Scheba mit Salomo besprach, wird es sicherlich nicht nur um besondere Rätsel gehandelt haben, die in der damaligen Zeit im Nahen Osten sehr verbreitet und beliebt waren, sondern auch um ökonomische und politische Fragen. Denn solche offiziellen Besuche königlicher Delegationen dienten dem Aufbau vertrauenswürdiger Beziehungen zwecks gegenseitigem Handel und u.U. bzgl. militärischer Bündnisse.

* “Und sie kam nach Jerusalem mit einem sehr großen Gefolge, mit Kamelen, die Gewürze und Gold trugen in sehr großer Menge, und Edelsteine. Und sie kam zu Salomo und redete zu ihm alles, was in ihrem Herzen war. Und Salomo erklärte ihr alles, um was sie fragte; keine Sache war vor dem König verborgen, die er ihr nicht erklärt hätte. Und als die Königin von Scheba alle Weisheit Salomos sah und das Haus, das er gebaut hatte, und die Speise seines Tisches und das Sitzen seiner Knechte und das Aufwarten seiner Diener und ihre Kleidung und seine Mundschenken und seinen Aufgang, auf dem er in das Haus des HERRN hinaufging, da geriet sie außer sich (…) – 1. Könige 10, 2 – 5 – Dass es sich bei diesem Besuch der Königin von Scheba bei dem König Israels um einen offiziellen Besuch gehandelt hat, zeigt die Beschreibung ihrer Karawane. Diese Karawane unterstrich zum einen die Macht und den Wohlstand der Königin von Scheba, zum anderen transportierte sie reiche Gastgeschenke für den israelischen König. Obwohl die ausführliche Beschreibung dieser Karawane darauf schließen lässt, dass die Königin von Scheba selbst äußerst vermögend war, war sie von Salomos Reichtum und Wohlstand sehr beeindruckt. Dieser Reichtum, das sollten wir beachten, war Salomo nicht “einfach mal so zugefallen“, er war die Erfüllung einer Verheißung, die Gott dem König gegeben hatte (vgl. 1. Könige 3, 13).
Weisheit wurde in einigen Kulturen des damaligen Nahen Ostens auch mit der Errichtung großer Bauten verbunden. Es ist daher auch kein Zufall, dass die Königin von Scheba die Weisheit Salomos mit dem von ihm gebauten Palast in Verbindung bringt.
Das königliche Essen, welches hier besonders erwähnt wird, soll den Reichtum Salomos zum Ausdruck bringen. Herrscher des Altertums verdeutlichten ihren Gästen gern dadurch den Wohlstand, in welchem sie lebten, indem sie eine Vielzahl von Speisen in besonderer Qualität servieren ließen. Eine Einladung an die königliche Tafel stellte eine besondere Ehre dar und die Zahl der dazu Geladenen wurde als Zeichen der Macht des Königs gewertet, denn die regelmäßige Verköstigung einer großen Anzahl von Ministern und anderen Beamten verursachte entsprechende Kosten.
Auch die Ordnung, wir würden heute sagen: das Hofzeremoniell bzw. die Etikette, die an Salomos Hof gepflegt wurde, muss diese Königin beeindruckt haben. Auf dem Hintergrund, dass sie selbst über großen Reichtum, einen ihr angemessenen Palast und damit auch garantiert über zahlreiche Diener verfügte, die ihr nach einem entsprechenden Hofzeremoniell dienten, können wir annehmen, dass das, was sie an Salomos Hof sah, wirklich beeindruckend gewesen sein muss.
Interessant ist allerdings, dass in allen diesen doch recht ausführlichen Beschreibungen an keiner Stelle der Tempel Gottes Erwähnung findet. Es wird lediglich “das Haus, das er (Salomo) gebaut“ hatte und der “Aufgang, auf dem er in das Haus des HERRN hinaufging“ erwähnt. Wir werden auf diesen Punkt später noch ausführlicher zurückkommen.

* “(…) und sprach zum König: Das Wort ist Wahrheit gewesen, das ich in meinem Land über deine Sachen und über deine Weisheit gehört habe; und ich habe den Worten nicht geglaubt, bis ich gekommen bin und meine Augen es gesehen haben. Und siehe, nicht die Hälfte ist mir berichtet worden; du übertriffst an Weisheit und Gut das Gerücht, das ich gehört habe. Glückselig sind deine Leute, glückselig sind diese deine Knechte, die beständig vor dir stehen, die deine Weisheit hören! Gepriesen sei der HERR, dein Gott, der Gefallen an dir gehabt hat, dich auf den Thron Israels zu setzen! Weil der HERR Israel ewig liebt, hat er dich zum König eingesetzt, um Recht und Gerechtigkeit zu üben.“  – 1. Könige 10, 6 – 9  – Die Nachrichten, die sie in ihrem Heimatland über die Weisheit und den Reichtum Salomos erhalten hatte, waren der Königin wenig glaubhaft erschienen. Trotzdem reichten diese Informationen zumindest aus, um sie zu ermutigen, die lange Reise auf sich zu nehmen, damit sie sich “vor Ort“ selbst überzeugen konnte. Nun hatte sie mit eigenen Augen den Wohlstand Salomos gesehen und bekennt, dass man ihr “nicht die Hälfte“ gesagt hatte. Dann preist sie Salomos Weisheit und Reichtum und sie preist das Volk und die Diener, die einen solchen König haben und beständig in den Genuß seiner Weisheit kommen. Erst dann preist sie auch den Gott Salomos und sie verweist darauf, dass es dieser Gott war, dem Salomo seine Königswürde verdankt. Bemerkenswert ist, dass die Königin Gründe für die Erwählung Salomos  nennt: Gott hat Gefallen an Salomo gehabt und Salomo ist König geworden, weil der Herr Israel liebt. Aber sie verweist auch auf die entscheidende Verantwortung Salomos: Gott erwartet, dass Salomo Recht und Gerechtigkeit übt. Auch auf diesen Lobpreis Gottes durch die (heidnische!) Königin werden wir später noch zurückkommen.

* “Und sie gab dem König 120 Talente Gold, und Gewürze in sehr großer Menge, und Edelsteine; nie wieder ist eine solche Menge Gewürz gekommen wie dieses, das die Königin von Scheba dem König Salomo gab. (Und auch die Flotte Hirams, die Gold aus Ophir holte, brachte aus Ophir Sandelholz in sehr großer Menge, und Edelsteine. Und der König machte aus dem Sandelholz ein Geländer für das Haus des HERRN und für das Haus des Königs, und Lauten und Harfen für die Sänger; so ist kein Sandelholz gekommen und gesehen worden bis auf diesen Tag.) Und der König Salomo gab der Königin von Scheba alles, was sie wünschte, was sie verlangte, außer dem, was er ihr gab nach der Freigebigkeit des Königs Salomo. Und sie wandte sich und zog in ihr Land, sie und ihre Knechte.– 1. Könige 10, 10 – 13 – In diesen abschließenden Versen wird uns noch einmal der große Reichtum Salomos geschildert. Bezeichnend ist, dass dieser Reichtum sich offensichtlich zu einem großen Teil auch aus Geschenken befreundeter Herrscher bzw. Herrscherinnen speiste. Es scheint sich hierbei um eine Zahlung gehandelt zu haben, die den Abschluss diplomatischer und wirtschaftlicher Beziehungen besiegelte, denn in 1. Könige 9, 14 wird dieselbe Summe als Zahlung des Königs Hiram von Tyrus an Salomo vermerkt.
Unter den Gewürzen werden sich auch Myrre und Weihrauch befunden haben, wichtige Bestandteile des alttestamentarischen Gottesdienstes (2. Mose 30, 23 – 24; 3. Mose 2, 1), die dem König Israels daher als Geschenk genauso wie als Handelsgut sehr willkommen gewesen sein müssen.
Zahlreiche Funde bearbeiteter und unbearbeiteter Edelsteine in der salomonischen Hafenstadt Ezion Geber und an vielen anderen Orten in Israel lassen auf einen regen Handel mit diesen Steinen schließen. Sie wurden zu Schmuckstücken verarbeitet und verzierten Einrichtungsgegenstände des Palastes oder des Tempels.
Wertvolle Holzarten, wie z.B. das wohlriechende Sandelholz, wurden ebenfalls für die Inneneinrichtung des Palastes oder Tempels, aber auch für die Herstellung von Musikinstrumenten benutzt.
Über die Beziehung der Königin von Scheba zu König Salomo sind seit vielen Jahrhunderten zahlreiche Mythen und Märchen im Umlauf, die im Verlauf der Zeit immer mehr ausgeschmückt wurden. Dagegen ist der  biblische Bericht mehr eine Aufzählung von Fakten und lässt keinen Rückschluss auf eine Beziehung über die wirtschaftlichen und politischen Verbindungen der beiden Herrscher zu.

 

Lehren, die wir aus 1. Könige 10, 1 – 13 ff. ziehen können

Im 1. Korintherbrief 10,  11 (ELBEDHÜ) schreibt der Apostel Paulus mit Blick auf das Alte Testament:

“[Alle] diese Dinge aber widerfuhren jenen als Vorbilder und sind geschrieben worden zu unserer Ermahnung, auf die das Ende der Zeitalter gekommen ist.“

Was können wir aus dem Bericht über den Besuch der Königin von Scheba bei König Salomo lernen?  Nun, zuerst einmal fällt auf, dass Salomo seinem Besuch ganz offensichtlich den großen Wohlstand seines Reiches präsentierte. Dazu gehörten die eindrucksvollen Bauten, die er hatte entstehen lassen, eine große Anzahl von gut ausgebildeten Regierungsbeamten und sein beeindruckendes Hofzeremoniell. Auch durch prächtige Feste mit üppigen und vielfältigen Mahlzeiten demonstrierte er der neuen Handelspartnerin seinen Reichtum. Durch all‘ diese äußerlichen Dinge, aber auch durch seine Weisheit, vermochte er die ausländische Regentin für seine Person einzunehmen. Für beides lässt sich der israelische Monarch dann auch von der Königin loben. Dabei war doch beides – sein Reichtum und seine Weisheit – ein Geschenk Gottes! Doch es findet sich kein einziges Wort, mit dem er die (heidnische!) Regentin auf diesen Gott verwiesen hätte! Zwar wird einmal der “Aufgang, auf dem er in das Haus des HERRN hinaufging“ erwähnt, aber nirgendwo findet sich ein Hinweis, dass Salomo die arabische Herrscherin eingeladen hätte,diesen Gott kennenzulernen und anzubeten! Nein, es ist die (heidnische!) Königin, die zu einem Lobpreis des Gottes ansetzt, den sie kaum kennt.
Wenn wir nach dem ausgewählten Bibeltext weiterlesen (1. Könige 10, 14 – 1. Könige 11, 42), dann sehen wir, wie der König wenig später beginnt, anderen Göttern zu dienen und damit von dem allein wahren und lebendigen Gott abfällt. Der Besuch der Königin von Scheba muss in diesem Kontext gesehen werden, denn zahlreiche Indizien deuten bereits in diesem Bericht an, was dann später geschieht. Wie ausgeführt, stand hinter dem Besuch dieser Königin am Hof von Jerusalem das Wirken Gottes (vgl. 1. Könige 10, 1). Doch Salomo verpasst mehrere  Chancen, dieser Frau den wahren und lebendigen Gott vorzustellen. Als sie von dem Reichtum und der Weisheit Salomos spricht, Dinge, die der König nur auf Grund der Gnade Gottes besitzt (vgl. 1. Könige 3, 13; 1. Könige 5, 9), lässt er sich gern loben und verschweigt den Urheber dieser Gaben. Ganz offensichtlich hatte sich Salomo zu diesem Zeitpunkt in seinem Herzen schon weit von Gott entfernt. So kommt es, dass die Königin zwar bekennen kann: “(…) und ich habe den Worten nicht geglaubt, bis ich gekommen bin und meine Augen es gesehen haben. Und siehe, nicht die Hälfte ist mir berichtet worden; du übertriffst an Weisheit und Gut das Gerücht, das ich gehört habe (…)“ aber eine Heilserkenntnis des Gottes Salomos und ein entsprechendes Bekenntnis zu diesem Gott, sucht man vergebens. Sie sah Salomo, seinen Reichtum und seine Weisheit und erkannte dessen Größe, aber Salomo führte dieser Frau nicht die Größe seines Gottes vor Augen.
Im Verlauf des Lobpreises Gottes, den die Königin von Scheba ausspricht, erwähnt sie, dass der Herr Salomo zum König eingesetzt habe, “um Recht und Gerechtigkeit zu üben.“ D.h., Salomo sollte sich selbst an das Gesetz Gottes halten und er sollte dieses Gesetz auch in seinem Land durchsetzen.  An vielen Stellen zeigt uns das 1. Buch der Könige, dass Salomo das Gesetz Gottes nicht wirklich ernst nahm. Ich will nur einige Beispiele anführen:

Gemäß dem Wort Gottes (5. Mose 17, 16 – 17) sollten die Israeliten keine heidnischen Frauen heiraten. Doch eine der ersten taten Salomos ist die Heirat mit einer ägyptischen Prinzessin (vgl. 1. Könige 3, 1). Außerdem opferte er entgegen dem Willen Gottes, der allein Jerusalem als Platz der Anbetung erwählt hatte (5. Mose 12, 5 – 7 +  11 + 13 – 14) noch an anderen Orten (1. Könige 3, 3). Doch dann begegnet Gott Salomo (1. Könige 3, 4 ff.) Er spricht kein Gericht über den jungen König aus, sondern fragt ihn nach dem, was dieser sich wünscht. So ist Gott, Er möchte Menschen durch Seine Gnade zur Umkehr führen (Römer 2, 4) und tatsächlich: In seiner Bitte um Weisheit erweist sich Salomo als demütig. Darum empfängt er auch, was er erbeten hat und Gott schenkt ihm darüberhinaus zahlreiche andere Segnungen (1. Könige 3, 6 – 9).
Anschließend sehen wir Salomo am richtigen Ort opfern (1. Könige 3, 15). Außerdem wird die ihm von Gott geschenkte Weisheit an zahlreichen Beispielen deutlich (1. Könige 3, 16 – 28; 1. Könige 4, 1 – 19; 1. Könige 4, 29 – 34). Doch gleichzeitig nennt uns das 1. Buch der Könige auch Indizien, die darauf schließen lassen, dass Salomos Herz nicht ganz bei Gott war: So nimmt der Bau seines königlichen Palastes fast doppelt soviel Zeit in Anspruch wie die Arbeiten am Tempel Gottes (1. Könige 7, 1). Offensichtlich verwandte der König mehr Energie auf den Bau seines eigenen Hauses, als auf den Bau des Hauses Gottes.
Obwohl Salomo im Zusammenhang mit der Einweihung des Tempels davon spricht, dass dies auch ein Ort ist, an dem Menschen anderer Nationen Gott begegnen sollen (1. Könige 8, 41 – 43), führt er später die Königin von Scheba nicht in diesen Tempel, damit sie dort den wahren und lebendigen Gott anbeten kann. In 5. Mose 8, 11 – 20 hatte Gott Sein Volk davor gewarnt, Ihn und Seine Gebote zu vergessen, wenn sie erst einmal in das verheißene Land gekommen und dort zu Wohlstand gelangt waren. Doch genau dieses Vergessen Gottes und Seiner Gebote kündigte sich bei Salomo an. Aus diesem Grund begegnet Gott dem König ein weiteres Mal (1. Könige 9, 1 – 9) und erinnert ihn an eine Warnung, die Er den Israeliten bereits durch den Propheten Samuel hatte mitteilen lassen (1. Samuel 12, 12 – 15). Doch diese Warnung scheint Salomo nicht wirklich erreicht zu haben. In 1. Könige 9, 10 – 1. Könige 10, 29 lesen wir zuerst davon, dass er seinen Bundesgenossen Hyram von Tyrus mit minderwertigen Städten “abspeiste“, dann, dass er trotz des Verbotes Gottes Sklaven aus anderen Nationen bei seinen Bauprojekten einsetzte und drittens, dass der König – ebenfalls entgegen dem Willen Gottes (5. Mose 17, 16 – 19) – über immer mehr Pferde verfügte. Ein König, der auf so vielfältige Weise gegen das Gesetz Gottes verstieß, konnte dann natürlich (!) auch kein wirkliches Zeugnis für den lebendigen Gott sein, als er von der Königin von Scheba besucht wurde. Doch Salomo versagte nicht nur im Halten des Gesetzes Gottes, er hielt sich auch nicht dauerhaft an viele der weisen Aussagen, die er durch Gottes Gnade selbst empfangen bzw. von anderen gehört und im Buch der Sprüche aufgeschrieben hatte. Es ist hier nicht Zeit dazu, einen Vergleich zwischen den Aussagen des Buches der Sprüche und dem Leben Salomos zu ziehen, doch wer es im Eigenstudium einmal tut, der wird viele Unterschiede finden. Was den Besuch der Königin von Scheba an Salomos Hof betrifft, gibt es jedoch einen Vers aus dem Buch der Sprüche, der ganz besonders zutrifft:

“Stolz geht dem Sturz, und Hochmut dem Fall voraus.“

(Sprüche 16, 18 ELBEDHÜ)

Was können wir also aus dem Bericht über den Besuch der Königin von Scheba am Hof Salomos lernen? Die Antwort findet sich in Sprüche 23, 26 (ELBEDHÜ):

Gib mir, mein Sohn, dein Herz, und lass deine Augen Gefallen haben an meinen Wegen!“

David, Salomos Vater, wurde “ein Mann nach dem Herzen Gottes“ genannt (Apostelgeschichte 13, 22), denn obwohl auch David sündigte, richtete er sein Herz immer wieder neu auf Gott aus und tat Buße. Von Salomo lesen wir nichts dergleichen. Während David auf diese Weise zum Vorbild für alle Könige Israels wurde, bleibt von Salomo dessen trauriges Ende in Erinnerung.
Wie wichtig ist es, dass wir ein ungeteiltes Herz für Gott haben und, wann immer wir fehlen, unser Herz neu auf Ihn ausrichten.
Salomo kannte das Gesetz Gottes, er konnte sogar große Teile desselben bei der Einweihung des Tempels zitieren. Doch er handelte nicht nach allem, was im Gesetz Gottes geschrieben war. Wie verhalten wir uns? Kennen wir das Wort Gottes ohne es zu befolgen? Dann, so sagt es der Apostel Jakobus, betrügen wir uns selbst und dann befinden wir uns in derselben Gefahr, wie Salomo:

“Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen. Denn wenn jemand ein Hörer des Wortes ist und nicht ein Täter, der gleicht einem Mann, der sein natürliches Angesicht in einem Spiegel betrachtet. Denn er hat sich selbst betrachtet und ist weggegangen, und er hat sogleich vergessen, wie er beschaffen war. Wer aber in das vollkommene Gesetz, das der Freiheit, nahe hineinschaut und darin bleibt, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, der wird glückselig sein in seinem Tun.“

(Jakobus 1, 22 – 25 ELBEDHÜ)

Wo das Herz eines Menschen demütig ganz auf Gott ausgerichtet und von dem Wunsch getrieben ist, Sein Wort umzusetzen, da werden auch die Bewahrung und der Segen Gottes folgen:

“Denn am Ersten des ersten Monats war der Beginn des Hinaufzugs aus Babel; und am Ersten des fünften Monats kam er nach Jerusalem, weil die gute Hand seines Gottes über ihm war. Denn Esra hatte sein Herz darauf gerichtet, das Gesetz des HERRN zu erforschen und zu tun und in Israel Satzung und Recht zu lehren.“

(Esra 7, 9 – 10 ELBEDHÜ)

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