Glaube aus erster Hand – Anmerkungen zu Hiob 42, 1 – 6

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Die Erleuchtung … * Foto: Katharina Wieland Müller / pixelio.de

 

Das Bibelwort, das die Grundlage der Wortbetrachtung am kommenden Sonntag bilden soll, findet sich im 42. Kapitel des Buches Hiob (zum Hintergrund des Buches Hiob siehe: Klick!). Wir betrachten diesen Vers in seinem Kontext:

 

“Und Hiob antwortete dem HERRN und sprach: Ich weiß, dass du alles vermagst und kein Vorhaben dir verwehrt werden kann. Wer ist es, der den Rat verhüllt ohne Erkenntnis? So habe ich denn beurteilt, was ich nicht verstand, Dinge, zu wunderbar für mich, die ich nicht kannte.Höre doch, und ich will reden; ich will dich fragen, und du belehre mich! Mit dem Gehör des Ohres hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum verabscheue ich mich und bereue in Staub und Asche.“

(Hiob 42, 1 – 6 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

 

Zur Person des Hiob

Hiob wird uns in diesem Buch als ein wohlhabender Mensch vorgestellt, dessen Leben auch geistlich gut ausgerichtet ist, denn er wird als gottesfürchtig und gerecht bezeichnet (Hiob 1, 1 – 5). Dann brechen jedoch – quasi wie aus dem Nichts – große Katastrophen in das Leben des Hiob ein: Er verliert seinen Reichtum, seine Kinder (Hiob 1, 6 – 22) und später auch noch seine Gesundheit (Hiob 2, 1 – 10). Von den zwei ersten Katastrophen erhält Hiob Nachricht durch seine Knechte (Hiob 1, 14 – 19). Aus diesem Zusammenhang ist uns der Begriff “Hiobsbotschaft“ bekannt, der in der deutschen Sprache sprichwörtlich geworden ist. Nach diesen Katastrophen erhält Hiob Besuch von seinen drei Freunden Eliphas, Bildad und Zophar (Hiob 2, 11 ff). Mit ihnen diskutiert Hiob die Frage, warum er als gerechter Mensch unschuldig leiden muss. Diese Diskussionen nehmen einen großen Teil des Buches ein (Kapitel 4 – 27). Während die Freunde Hiobs diesem seine Gerechtigkeit absprechen und unbekannte Sünde als Grund für seine Leiden ausmachen, hält Hiob ihnen gegenüber an seiner Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit fest. Gegen Ende des Buches tritt eine weitere Person auf: Elihu (Kapitel 32 – 37). Im Gegensatz zu den drei anderen Freunden Hiobs zeigt er auf, dass Gott den Menschen durch das Leiden läutern und näher zu sich ziehen will. Anschließend spricht Gott zu Hiob (Kapitel 38 – 41). Daraufhin tut dieser Buße, weil er erkennt, dass auch er das Handeln Gottes nicht verstanden und sich selbst überschätzt hatte. Doch er kann bekennen, dass er durch den Prozess, den er durchlebt hat, Gott nun nicht nur besser, sondern erstmals persönlich kennengelernt hat (Hiob 42, 5 – 6).

 

Anmerkungen zu Hiob 42, 1 – 6

* “Und Hiob antwortete dem HERRN und sprach: Ich weiß, dass du alles vermagst und kein Vorhaben dir verwehrt werden kann.“ – Hiob 42, 1 – 2 – Mit diesen  Worten beginnt die zweite Antwort Hiobs an Gott. Sie zeigen uns, welche Veränderung Hiob durch die Begegnung mit Gott, durch die Offenbarung Gottes ihm gegenüber, erlebt hat. Voller Ehrfurcht ruft er aus: “Ich weiß, dass du alles vermagst und kein Vorhaben dir verwehrt werden kann!“ – Eine ähnliche Reaktion auf die Begegnung mit Gott bzw. nach einer Offenbarung Gottes begegnet uns auch im Leben anderer biblischer Personen. So ruft Nebukadnezar, nachdem Gott ihn geheilt hat, aus:

“Und am Ende der Tage erhob ich, Nebukadnezar, meine Augen zum Himmel, und mein Verstand kam mir wieder; und ich pries den Höchsten, und ich rühmte und verherrlichte den ewig Lebenden, dessen Herrschaft eine ewige Herrschaft ist und dessen Reich von Geschlecht zu Geschlecht währt. Und alle Bewohner der Erde werden wie nichts geachtet, und nach seinem Willen tut er mit dem Heer des Himmels und mit den Bewohnern der Erde; und da ist niemand, der seiner Hand wehren und zu ihm sagen könnte: Was tust du?‘

(Daniel 4, 31 – 32 ELBEDHÜ)

Auch von Petrus ist uns ein ähnlicher Ausruf überliefert:

“Als aber Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi gekommen war, fragte er seine Jünger und sprach: Wer sagen die Menschen, dass [ich], der Sohn des Menschen, sei? Sie aber sagten: Die einen: Johannes der Täufer; andere aber: Elia; und wieder andere: Jeremia oder sonst einer der Propheten. Er spricht zu ihnen: Ihr aber, wer sagt ihr, dass ich sei? Simon Petrus aber antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Glückselig bist du, Simon, Bar Jona; denn Fleisch und Blut haben es dir nicht offenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist.

(Matthäus 16, 13 – 17 ELBEDHÜ)

Hiob war sich zu diesem Zeitpunkt, wie niemals zuvor in seinem Leben, der Allmacht und Größe, der Weisheit und Kraft Gottes, bewusst. Ähnliches erlebte Jesaja in Bezug auf die Heiligkeit Gottes, als er Gott begegnete:

“Im Todesjahr des Königs Ussija, da sah ich den Herrn sitzen auf hohem und erhabenem Thron, und seine Schleppen füllten den Tempel. Seraphim standen über ihm; jeder von ihnen hatte sechs Flügel: Mit zweien bedeckte er sein Angesicht, und mit zweien bedeckte er seine Füße, und mit zweien flog er. Und einer rief dem anderen zu und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR der Heerscharen, die ganze Erde ist voll seiner Herrlichkeit! Und es erbebten die Grundfesten der Schwellen von der Stimme der Rufenden, und das Haus wurde mit Rauch erfüllt. Und ich sprach: Wehe mir! Denn ich bin verloren; denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen, und inmitten eines Volkes mit unreinen Lippen wohne ich; denn meine Augen haben den König, den HERRN der Heerscharen, gesehen.

(Jesaja 6, 1 – 5 ELBEDHÜ)

Fast dreitausend Jahre später begegnet ein jüdischer Pharisäer auf der Straße nach Damaskus dem Schöpfer dieses Universums (Hebräer 1, 2; Apostelgeschichte 9, 1 f). Der Mann, der von sich selbst sagen könnte, dass er “nach der Gerechtigkeit, die das Gesetz fordert, untadelig“ war (Philipper 3, 5 – 6), fasst den Schrei, der bei dieser Begegnung  seinem Herzen entsprang, später so zusammen:

“Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leib des Todes? –“

(Römer 7, 24 ELBEDHÜ)

Das ist es, was eine Begegnung mit dem einzig wahren und  lebendigen Gott hervorbringt: Selbsterkenntnis, Gotteserkenntnis, Glaube. Glaube aus erster Hand, Glaube, wie niemand ihn haben kann, der nur “von Gott gehört“ hat, Ihm aber niemals selbst begegnet ist.  Es ist die Begegnung mit dem wahren und lebendigen Gott, die im Herzen Hiobs echte Ehrfurcht entstehen lies. Das ist keine Ehrfurcht, die Hiob praktiziert, weil sie irgendein Gesetz fordert. Es ist eine Ehrfurcht, wie sie nur aus einer Begegnung mit dem wahren und lebendigen Gott entstehen kann, der zugleich vollkommene Heiligkeit und vollkommene Liebe ist. Diese Begegnung mit Gott, sie verschließt Hiobs Lippen. Er äußert keinerlei Anklage gegen Gott mehr, weil er zweierlei begriffen hat:

  • Der allmächtige Gott hat das Recht, mit Seinen Geschöpfen zu tun und zu lassen, was Er will. “(…) und da ist niemand, der seiner Hand wehren und zu ihm sagen könnte: Was tust du?“‘ (Daniel 4, 32b).
  • Weil Gott Seine Allmacht nie ohne Seine Liebe ausübt (Hiob 36, 3 – 7), vermag Er auch das schwerste Leid, das uns widerfährt, in Segen bzw. zu unserem Guten zu verwandeln. 

Hiob erkannte, wie töricht es angesichts der Allmacht und Allweisheit (Hiob 36, 5) Gottes war, Sein Handeln zu kritisieren. Der Unterschied zwischen jenen, die Gott inmitten ihrer Katastrophen anbeten und jenen, die Gott inmitten ihrer Katastrophen anklagen, besteht allein darin, dass Erstere Gott inmitten ihrer Katastrophen begegnet sind und Gott sich ihnen offenbaren konnte. 

* “Wer ist es, der den Rat verhüllt ohne Erkenntnis? So habe ich denn beurteilt, was ich nicht verstand, Dinge, zu wunderbar für mich, die ich nicht kannte.“ – Hiob 42, 3 – Hiob bekennt, dass er – ein sterblicher Mensch mit einem begrenzten Verständnis – Gottes Handeln beurteilen wollte. Er wollte das Handeln Gottes beurteilen, dem er zuvor nie selbst begegnet war! Wie oft haben Menschen vor und nach Hiob so gehandelt. Wir be- und verurteilen Menschen, ohne sie wirklich zu kennen, und wir be- und verurteilen Gott, ohne Ihn wirklich zu kennen! Das bekannteste Urteil über Gott lautet: “Wenn Gott Liebe wäre, dann würde Er nicht zulassen, dass XYZ …..“ – Hiob  war bereit, sein unbedachtes Urteil einzugestehen. Darum erfuhr er auch Begnadigung und einen gesegneten Neuanfang mit Gott (vgl. Hiob 42, 10 – 17). Wohl uns, wenn wir uns im Licht Gottes sehen und unsere Sünde bekennen dürfen, ehe es dazu zu spät ist (1. Korinther 11, 31) .

* “Höre doch, und ich will reden; ich will dich fragen, und du belehre mich!“ – Hiob 42, 4 – Mit diesen Worten greift Hiob jene Worte  auf, mit denen Gott ihn zu einer Antwort aufgefordert hatte (vgl. Hiob 38, 3; Hiob 40, 7). Was folgte, war nicht die Antwort nach Art einer Verteidigungsrede, es war ein Bekenntnis Hiobs (Hiob 42, 1 – 3). Nun greift Hiob die Worte Gottes auf und richtet sie als Bitte an Gott.

* “Mit dem Gehör des Ohres hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum verabscheue ich mich und bereue in Staub und Asche.“ – Hiob 42, 5 – 6 – Hiob bekennt, dass er sein Wissen über Gott und seinen Glaube an Gott nur “aus zweiter hand“ hatte. Er hatte von anderen gehört, wer Gott war. Aber dieses Wissen aus zweiter Hand hatte ihn zu falschen Schlussfolgerungen verleitet. Doch dann als er Gott begegnete und dieser sich ihm offenbarte, erkannte Hiob, wer Gott wirklich war.  Und dieses neue Verständnis von Gott führte auch zu einer größeren Selbsterkenntnis. Wenn Hiob hier davon spricht, dass er sich verabscheut, dann zielt er damit auf seinen früheren Stolz und Unverstand gegenüber Gott. Hiob hatte eine wirkliche Veränderung seines Sinnes erfahren. Verlangte er kurz zuvor noch nach Rechtfertigung von Gott, so hatte er jetzt viel mehr empfangen: eine Offenbarung Gottes und eine ganz neue Beziehung mit Gott. Hiob hatte viel, ja zeitweise sogar alles verloren, was er besaß. Doch jetzt hatte er Gott gefunden und damit die Quelle des Lebens.

In schwierigen Zeiten, wenn Dinge geschehen, die wir nicht nachvollziehen oder verstehen können,  sind wir alle schnell versucht, der Frustration Raum zu geben. Aber wenn uns bewusst ist, wer Gott ist und dass Er auch in den schwierigsten Situationen die Kontrolle behält, dann können wir in der Beziehung zu Gott Frieden, Ruhe, Zuversicht und Kraft finden.

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