Das passende Wort zur richtigen Zeit – Anmerkungen zu Sprüche 15, 23

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Gute Gespräche * Foto: Albrecht E. Arnold / pixelio.de

 

Das Bibelwort für den morgigen Sonntag wurde dem 15. Kapitel des Buches der Sprüche entnommen (zum Hintergrund des Buches der Sprüche: Klick!) :

“Ein Mann hat Freude an der Antwort seines Mundes; und ein Wort zu seiner Zeit, wie gut!“

(Sprüche 15, 23 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

 

Zum Hintergrund von Sprüche 15

In unseren deutschen Bibeln findet sich dieses Buch nach den Psalmen, gefolgt vom Buch des Predigers und dem Hohenlied Salomos, also in dem Abschnitt der so genannten Weisheitsliteratur und vor den prophetischen Büchern. In der hebräischen Bibel hat es seinen Platz in den so genannten „Schriften“ (hebr. “Ketubin“; ‏כְּתוּבִים), die dort den dritten und letzten Teil (nach den prophetischen Büchern) bilden.
Das hebräische Wort für Spruch (“mashal“, מָשָׁל) bedeutet “Vergleich“ bzw. auch “Gegenüberstellung“. Die Sprüche sind kurze Aussagen, die größere Zusammenhänge prägnant zusammenfassen und so eine bestimmte Wahrheit weitergeben, die für den, der sie annimmt, praktischen Rat für das Leben darstellt (vgl. Jeremia 18, 18). Auch aus anderen Ländern des Nahen Ostens sind Spruchsammlungen aus dieser Zeit bekannt. Teilweise ähneln sie dem Buch der Sprüche Salomos. Dabei fällt jedoch ein großer Unterschied auf. Während sich die außerbiblischen Spruchsammlungen auf Aussagen zu alltäglichen Geschehnissen und Belehrungen zu moralischen Fragen konzentrieren, hat das Buch der Sprüche einen weit darüber hinausgehenden, geistlichen Fokus, nämlich die göttliche Weisheit, die allein durch “die Furcht des Herrn“, also aus der Beziehung zu dem einzig wahren Gott, gewonnen werden kann (vgl. Sprüche 1, 7; 2, 1 – 6; 3, 7 – 89, 10 – 11; 14, 2; 14, 26 – 27; 15, 16; 15, 33; 19, 23; 23, 17).

Wir können das Buch der Sprüche grob wie folgt einteilen: Kapitel 1, 1 – 7 stellt die Einleitung des Buches dar. Diese Verse informieren uns über den Namen, den (hauptsächlichen) Autor, den Inhalt und die Absicht des Buches. Kapitel 1, 8 bis Kapitel 9, 18 bilden einen ersten großen Block. Sie schildern die Weisheit Gottes, wobei die Kapitel 1 bis 8 sich mit ihren Unterweisungen insbesondere an junge Menschen wendet. Sie beleuchten: den Umgang mit Sündern/Ungerechten (Kapitel 1, 8 – 19), die Einladung, Weisheit anzunehmen (Kapitel 1, 20 – 33), den Wert der Weisheit (Kapitel 2), göttliche Verheißungen und menschliche Verpflichtungen (Kapitel 3, 1 – 12), die Folgen eines weisen Lebens (Kapitel 3, 13 – 35), die Liebe zur Weisheit (Kapitel 4, 1 – 9), den Weg der Weisheit im Gegensatz zum Weg der Gesetzlosigkeit (Kapitel 4, 10 – 19), die Bedeutung des geduldigen Ausharrens (Kapitel 4, 20 – 27),  die Bedeutung der Weisheit in Fragen der Ehe bzw. der ehelichen Treue (Kapitel 5, 1 – 23; 6, 20 – 35; 7, 1 – 27), die Frage der Bürgschaft (Kapitel 6, 1 – 5), die Bedeutung eines disziplinierten Lebens (Kapitel 6, 6 – 11), die Bedeutung des Herzens und wie man es in der rechten Stellung zu Gott bewahrt (Kapitel 6, 12 – 19). Kapitel 8 ist ganz der Beschreibung der Weisheit gewidmet und Kapitel 9 beschreibt den großen Gegensatz, in dem diese Weisheit zur menschlichen Torheit steht.
Die Kapitel 10, 1  bis  Kapitel 22, 16 bilden einen zweiten großen Block, in dem uns die Kennzeichen eines weisen Lebens (Kapitel 10, 1  bis Kapitel 15, 33) vor Augen geführt und wir darin unterwiesen werden, wie wir ein Gott wohlgefälliges Leben führen können (Kapitel 16, 1  bis Kapitel 22, 16). In diesem Abschnitt befinden sich auch jene Worte, die wir heute betrachten wollen.

 

1. Sprache als Geschenk Gottes und Teil der göttlichen Ebenbildlichkeit

Sprache ist ein Geschenk Gottes, ja mehr noch: sie ist Teil unserer Gottesebenbildlichkeit. Der Gott, der uns geschaffen hat, ist ein redender Gott. Allein im 1. Buch Mose finden wir 90 Verse, in denen es heißt “Gott sprach“. Unser Gott ist ein Gott, dem es gefallen hat, sich mittels Sprache zu offenbaren und zwar auf vielfältige und zugleich einzigartige Weise:

Durch das Wort des HERRN sind die Himmel gemacht worden, und all ihr Heer durch den Hauch seines Mundes. Er sammelt die Wasser des Meeres wie einen Haufen, legt in Behälter die Fluten. Vor dem HERRN fürchte sich die ganze Erde; vor ihm mögen sich scheuen alle Bewohner des Erdkreises! Denn er sprach, und es war; er gebot, und es stand da.

(Psalm 33, 6 – 9 ELBEDHÜ)

“Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eins, das geworden ist.“

(Johannes 1, 1 – 3 ELBEDHÜ)

Insbesondere in den einleitenden Versen des Johannesevangeliums wird deutlich, wie sehr Gott sich mit Seinem Wort identifiziert. Wenn Gott von der Sendung Seines Sohnes spricht, dann heißt es:

“Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns (und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater) voller Gnade und Wahrheit.“

(Johannes 1, 14 ELBEDHÜ)

Aus diesem Grund trägt der Sohn Gottes auch einen besonderen Namen:

“Seine Augen aber sind eine Feuerflamme, und auf seinem Haupt sind viele Diademe, und er trägt einen Namen geschrieben, den niemand kennt als nur er selbst; und er ist bekleidet mit einem in Blut getauchten Gewand, und sein Name heißt: das Wort Gottes.

(Offenbarung 19, 12 – 13 ELBEDHÜ)

Jesus Christus ist die vollkommene und letzte Offenbarung Gottes:

“Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, den er gesetzt hat zum Erben aller Dinge, durch den er auch die Welten gemacht hat; welcher, die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Abdruck seines Wesens seiend und alle Dinge durch das Wort seiner Macht tragend, nachdem er [durch sich selbst]die Reinigung von den Sünden bewirkt, sich gesetzt hat zur Rechten der Majestät in der Höhe; (…)“

(Hebräer 1, 1 – 13 ELBEDHÜ)

Jede Offenbarung vor Ihm war unvollkommen und jede “Offenbarung“, die nach Ihm auftrat und noch auftritt, ist überflüssig. Er ist die vollkommene Offenbarung des Vaters:

“Jesus spricht zu ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen, [und] wie sagst du: Zeige uns den Vater?“

(Johannes 14, 9 ELBEDHÜ)

Aus diesem Grund kann der Herr Jesus Christus auch sagen:

“Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen.

(Matthäus 24, 35 ELBEDHÜ)

“(…) Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben; (…)“

(Johannes 6, 63 ELBEDHÜ)

So, wie Gott sich durch Sein Wort offenbart, so offenbaren auch wir uns durch unsere Worte:

“Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz des Herzens das Gute hervor, und der böse bringt aus dem bösen das Böse hervor; denn aus der Fülle des Herzens redet sein Mund.

(Lukas 6, 45 ELBEDHÜ)

Und unsere Worte – das sollten wir nie vergessen – haben einen bleibenden Effekt:

“Ich sage euch aber: Von jedem unnützen Wort, das die Menschen reden werden, werden sie Rechenschaft geben am Tag des Gerichts; denn aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verurteilt werden.

(Matthäus 12, 36 – 37 ELBEDHÜ)

Dass wir sprechende Wesen sind, die einander die Tiefen ihrer Herzen offenbaren können, ist Teil unserer Gottesebenbildlichkeit und damit ein großes, kostbares Privileg. Dementsprechend sollten wir mit dieser Fähigkeit umgehen. Die Tatsache, dass wir diese Fähigkeit in positiver wie negativer Weise gebrauchen können, zeigt uns die große Verantwortung, die mit dieser Fähigkeit einhergeht. Wie jedes Geschenk, das wir von Gott erhalten haben, soll auch unsere Sprachfähigkeit Seiner Ehre und dem Wohl unserer Mitmenschen dienen.

2. Die Bedeutung menschlicher Worten in Sprüche 15

Die Bedeutung menschlicher Worte bzw. des menschlichen Redens wird im 15. Kapitel des Buches der Sprüche in mehreren Versen thematisiert:

“Eine milde Antwort wendet den Grimm ab, aber ein kränkendes Wort erregt den Zorn. Die Zunge der Weisen spricht tüchtiges Wissen aus, aber der Mund der Toren sprudelt Narrheit hervor.“

(Sprüche 15, 1 – 2 ELBEDHÜ)

“Gelassenheit der Zunge ist ein Baum des Lebens, aber Verkehrtheit in ihr ist eine Verwundung des Geistes.“

(Sprüche 15, 4 ELBEDHÜ)

“Die Lippen der Weisen streuen Erkenntnis aus, aber nicht so das Herz der Toren.“

(Sprüche 15, 7 ELBEDHÜ)

“Das Herz des Verständigen sucht Erkenntnis, aber der Mund der Toren weidet sich an Narrheit.“

(Sprüche 15, 14 ELBEDHÜ)

“Ein Mann hat Freude an der Antwort seines Mundes; und ein Wort zu seiner Zeit, wie gut!“

(Sprüche 15, 23 ELBEDHÜ)

“Böse Gedanken sind dem HERRN ein Gräuel, aber huldvolle Worte sind rein.“

(Sprüche 15, 26 ELBEDHÜ)

“Das Herz des Gerechten überlegt, um zu antworten; aber der Mund der Gottlosen sprudelt Bosheiten hervor.“

(Sprüche 15, 28 ELBEDHÜ)

 

Diese Verse vermitteln uns verschiedene grundsätzliche Lehren, die uns helfen sollen, unsere Kommunikation mit anderen Menschen positiv zu gestalten:

Mit Gottes Hilfe: Qualität vor Quantität. Der entscheidende Unterschied zwischen den Worten eines Weisen und den Worten eines Toren liegt nicht in ihrer Quantität, sondern in ihrer Qualität (Sprüche 15, 1 – 2; Sprüche 15, 4; Sprüche 15, 7; Sprüche 15, 14). Denn während der weise Mensch überlegt, was er wie sagt, “sprudelt der Mund des Toren Narrheit hervor“. Das gilt für gesprochene, wie geschriebene Worte – analog wie digital. Der Schwerpunkt der Verse, mit denen dieses Kapitel eingeleitet wird, liegt auf der Verantwortung dessen, der  spricht (oder schreibt). Sprache ist ein Geschenk Gottes, mit dem wir verantwortlich umgehen müssen. Denn unsere Worte können weitreichende Auswirkungen haben:

“(…) die Zunge aber kann keiner der Menschen bändigen: sie ist ein unstetes Übel, voll von tödlichem Gift. Mit ihr preisen wir den Herrn und Vater, und mit ihr fluchen wir den Menschen, die nach dem Gleichnis Gottes geworden sind. Aus demselben Mund geht Segen und Fluch hervor. Dies, meine Brüder, sollte nicht so sein.“

(Jakobus 3, 8 – 10 ELBEDHÜ)

Jakobus führt seinen Lesern und uns vor Augen: Wir können Worte zum Guten oder zum Bösen gebrauchen und damit wir sie richtig –  gewinnbringend und auferbauend – einsetzen können, benötigen wir Gottes Hilfe.  Ich habe an anderer Stelle bereits darauf hingewiesen, dass das Wort, welches im griechischen  Text des Neuen Testaments für den menschlichen Mund benutzt wird, nämlich das Wort “στόμα“/“stoma“, nach Thayer¹ sowohl den menschlichen Mund als auch die “Vorderseite“ oder “Spitze“ eines Schwertes bezeichnen kann. Sind wir uns dessen bewusst, dass unsere Worte eine solche, buchstäblich verletzende, Wirkung haben können und dass wir Gottes Hilfe zum richtigen Umgang damit brauchen?

3. Christus in uns – die Quelle wahrhaft auferbauender Worte

König David war sich seiner Fehlbarkeit im Umgang mit seiner Zunge sehr bewusst. Darum bat er in einem seiner Psalmen Gott auch:

“Setze, HERR, meinem Mund eine Wache, behüte die Tür meiner Lippen!“

(Psalm 141, 3 ELBEDHÜ)

Sollten auch Gläubige der Gnadenzeit in dieses Gebet einstimmen, um davor bewahrt zu bleiben, unweise oder gar verletzende Worte auszusprechen? Ich glaube nicht. Denn durch das Erlösungswerk Christi am Kreuz von Golgatha  ist uns eine weit größere Hilfe geschenkt worden, als David sie sich für sein Leben je vorstellen konnte. In 1. Johannes 5, 4 sagt uns der Apostel Johannes:

“Denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt; und dies ist der Sieg, der die Welt überwunden hat: unser Glaube.“

Auch die Tendenz des menschlichen Herzens, verletzende, unweise oder unnütze Worte auszusprechen, muss von uns überwunden werden. Wie ist dies möglich? In 1. Johannes 5, 4  geht es um die neue Natur (2. Korinther 5, 17; Johannes 17, 16), das göttliche Leben in dem Gläubigen. Kein Gläubiger überwindet aus sich selbst heraus. Kein Gläubiger überwindet, weil er so stark, so diszipliniert, so überlegt etc. ist. Es ist einzig und allein “Christus in uns“ (Kolosser 1, 27), durch den wir diese Welt überwinden können. Durch den Geist Gottes lebt Er in uns und  Er hat diese Welt bereits überwunden: 

“Dies habe ich zu euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid guten Mutes, ich habe die Welt überwunden.“

(Johannes 16, 33; ELBEDHÜ)

Wie wird dies ganz praktisch möglich? Auch auf diese Frage gibt Johannes uns eine Antwort: “(…) dies ist der Sieg, der die Welt überwunden hat: unser Glaube.“ Durch den Glauben sind wir, seitdem wir von neuem geboren wurden,  mit dem Überwinder – Jesus Christus – zu einer untrennbaren Einheit verbunden (siehe: “Weit überwinden – durch den, der uns geliebt hat – Anmerkungen zu 1, Johannes 5, 1 – 5: Klick!). Je mehr wir uns dieser Einheit bewusst sind und dieser Einheit gemäß leben, desto bewusster werden wir auch unsere Worte wählen. Je mehr wir unser Herz mit Seinem Wort (Kolosser 3, 16) füllen, bewusst nach der Leitung Seines Geistes für unseren Alltag verlangen und uns dann auch von dem Heiligen Geist leiten lassen, desto ähnlicher werden wir Christus – auch in unseren Worten (Römer 8, 29). Und desto mehr kann Christus Seine Worte durch uns an andere richten. Was könnte andere Menschen mehr trösten, mehr erbauen, als ein Wort Gottes, dessen Kanal wir im richtigen Moment sein dürfen? Auf diese Weise werden wir nicht nur Freude haben, weil wir richtig antworten oder weil wir einem anderen Menschen zur rechten Zeit ein wohltuendes Wort  zusprechen. Auf diese Weise werden wir “Kinder Gottes, die das Wort des Lebens“, d.h. Christus selbst, in dieser Welt auch durch den Umgang mit ihren Worten darstellen (Philipper 2, 15 – 16).

Fußnoten:

¹= vgl. Thayer, Joseph Henry: ‚Thayer’s Greek-English Lexicon of the New Testament“, New York: Harper & Brothers, 1889, Seite 589, Anmerkung zu “στόμα“

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