Weder Gesetzlichkeit noch Zügellosigkeit: Freiheit! – Anmerkungen zu Galater 5, 1

Paragleiter

„Über den Wolken ….“ – Paragleiter * Foto: Bigeasy Shoots / pixelio.de

 

Der Wortverkündigung am Mittwoch dieser Woche liegt ein Vers aus dem 5. Kapitel des Galaterbriefes (zum Hintergrund des Galaterbriefes siehe: Klick!) zugrunde:

Für die Freiheit hat Christus uns freigemacht; steht nun fest und lasst euch nicht wieder unter einem Joch der Knechtschaft halten.

(Galater 5, 1 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

 

Zum Hintergrund von Galater 5, 1

Der Apostel Paulus sah sich zum Schreiben dieses Briefes gedrängt, da falsche Lehren in die galatischen Versammlungen (= Gemeinden) eingedrungen waren bzw. in diese einzudringen versuchten. Dass es sich bei diesen falschen Lehren nicht um Nebensächlichkeiten oder unterschiedliche Ausdrücke der persönlichen Frömmigkeit, sondern um einen Angriff auf den Kern des christlichen Glaubens handelte, macht der Galaterbrief an vielen Stellen deutlich. So scharf (Galater 3, 1; 4, 20; Galater 5, 12) und nachdrücklich geht Paulus in keinem anderen Brief gegen ein Problem unter Christen vor. Im Gegensatz zu anderen paulinischen Briefen findet sich im Galaterbrief nur eine sehr kurze Anrede der Empfänger ohne irgendeinen Dank bzw. ein Lob. Gleich nach diesem kurzen Gruß findet sich die schärfte Verurteilung, die Paulus in seinen Briefen ausspricht:

“Mich wundert, daß ihr so schnell übergehet von dem, der euch durch Christi Gnade berufen hat, zu einem anderen Evangelium, so es doch kein anderes gibt; nur sind etliche da, die euch verwirren und das Evangelium Christi verdrehen wollen. Aber wenn auch wir oder ein Engel vom Himmel euch etwas anderes als Evangelium predigen würde außer dem, was wir euch verkündigt haben, der sei verflucht! Wie wir zuvor gesagt haben, so sage ich auch jetzt wiederum: Wenn jemand euch etwas anderes als Evangelium predigt außer dem, das ihr empfangen habt, der sei verflucht!

(Galater 1, 6 – 8)

“Gesetzeslehrer“ waren unter den Gläubigen in Galatien aufgetreten, die sie von dem Evangelium, das Paulus ihnen verkündet hatte, abbringen wollten. Diese Männer leugneten nicht den Herrn Jesus Christus und Sein Werk. Aber sie lehrten, dass der Glaube an den Sohn Gottes allein nicht ausreiche, um Erlösung zu erfahren und um in eine Lebensbeziehung zu Gott zu kommen. Neben dem Glauben an Jesus Christus, so betonten sie, müsse der aus den Nationen und damit aus dem Heidentum stammende Gläubige auch noch zusätzlich die mosaischen Gesetze einhalten. Nur dadurch, dass ein Nichtjude, erst durch die Beschneidung zu Judentum konvertiere, die mosaischen Gebote einhalte und dann auch an Jesus Christus glaube, könne Erlösung geschehen. Außerdem sei es von entscheidender Bedeutung für den Gläubigen, dass er die jüdischen Feste und “heiligen Tage“ einhalte (vgl. Galater 4, 8 – 11). Jesus Christus, der Heiland der Welt, so behaupteten sie, sei nicht genug. Das “Evangelium“, das sie verbreiteten, war ein “Jesus und das Gesetz – Evangelium“ und darum, wie Paulus in Galater 1, 6 – 9 betont, ein “anderes“, ein falsches Evangelium, eine blasphemische Irrlehre. Jeder Leser sollte erkennen: Hier stehen wir in einer Auseinandersetzung um den Kern des christlichen Glaubens. Wer hinter die Gnade, die Gott ihm in Jesus Christus gewährt, also zum Gesetz, zurückkehrt, der kehrt zu dem zurück, was ihm den geistlichen Tod brachte:

“Denn als unser Leben noch von unserer eigenen Natur bestimmt war, wirkten sich in allem, was wir taten, die sündigen Leidenschaften aus, die vom Gesetz geweckt wurden. Und die einzige Frucht, die das brachte, war der Tod.

(Römer 7, 5)

Zu den Folgen, die der Glaube an ein “anderes“, d.h. ein falsches Evangelium für den Christen in seinem praktischen Glaubensleben haben kann, siehe auch: “Glaube – Kraftquelle der Liebe“ (Galater 5, 6).

 

Anmerkungen zu Galater 5, 1

* “Für die Freiheit hat Christus uns freigemacht; steht nun fest und lasst euch nicht wieder unter einem Joch der Knechtschaft halten.“ Galater 5, 1 – Bei den Empfängern des Galaterbriefes handelte es sich hauptsächlich um Menschen, die aus den Nationen und damit aus dem Heidentum zum Glauben an Jesus Christus gekommen waren. Er hatte sie von der Sklaverei des Götzendienstes frei gemacht (vgl. 1. Thessalonicher 1, 9 – 10). Doch nun standen diese Gläubigen in der Gefahr, sich in eine neue Knechtschaft zu begeben. Falsche Lehrer waren, wie gesagt, in die galatischen Gemeinden gekommen und hatten dort verkündet, dass die Christen im Grunde genommen noch gar nicht errettet worden seien. Erst wenn sie zum Judentum konvertieren, das Gesetz halten und sich beschneiden lassen würden, wäre ihre Erlösung “vollkommen“. Diese falsche Lehre widersprach jedoch vollkommen dem Evangelium Jesu Christi und  wird daher von Paulus als ein “anderes“ Evangelium bezeichnet (Galater 1, 6 – 9). Die Absicht der durch Galatien reisenden Irrlehrer war es, die an Christus Gläubigen wieder unter die Sklaverei – das knechtische Joch – des mosaischen Gesetzes – und damit auch unter ihre Autorität – zu bringen. Davor warnt Paulus mit größtem Nachdruck.
Reformierte Theologen, insbesondere Calvinisten, vertreten die Ansicht, dass nur das mosaische Zeremonialgesetz, also die Gesetze über den jüdischen Kultus, die Feiertage und Opfer etc. nicht mehr für den Christen gelten. Die moralischen Gesetze hingegen, u.a. die Zehn Gebote, behielten weiter ihre Gültigkeit. Dem widerspricht jedoch der neutestamentarische Befund, nachdem das Gesetz als Ganzes abgetan ist (Römer 10, 4). Die Glaubenspraxis besagter reformierter Theologen widerspricht ihrer eigenen diesbezüglichen Aussagen. Wäre der Dekalog (die Zehn Gebote) heute noch für Christen gültig, dann müssten die Christen den Sabbat, also den Samstag, heiligen. Das jedoch tun Reformierte nicht. Sie verweisen darauf, dass der Sabbat durch den Sonntag ersetzt worden sei. Doch auch dies entspricht nicht der Lehre des Neuen Testaments (vgl. Römer 14, 5 – 6).
Nein, das mosaische Gesetz als Ganzes, sowohl das Zeremonial-, als auch das Moralgesetz, hat sein Ende in Christus gefunden. Christen stehen nicht mehr unter dem Gesetz. Heißt das nun, dass Christen völlig losgelöst, zügellos und nach eigener Fasson leben? Nein, genau das heißt es nicht! Christen stehen nicht mehr unter dem Gesetz, sie leben durch die Gnade und unter der Führung des Heiligen Geistes.
Leben durch die Gnade Der Apostel Paulus schreibt an seinen Mitarbeiter Titus:

“Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend für alle Menschen, und unterweist uns, damit wir, die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnend, besonnen und gerecht und gottselig leben in dem jetzigen Zeitlauf, indem wir erwarten die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes Jesus Christus, der sich selbst für uns gegeben hat, damit er uns von aller Gesetzlosigkeit loskaufte und sich selbst ein Eigentumsvolk reinigte, das eifrig sei in guten Werken.(…)“

(Titus 2, 11 – 14 ELBEDHÜ)

Zuerst wird uns durch die Gnade das Heil gebracht. Das beinhaltet die Vergebung der Sünden, die Rechtfertigung, den Frieden mit Gott, die neue Natur, das ewige Leben, die zukünftigen Verheißungen. Dann werden wir als Erlöste durch die Gnade unterweisen. Das hier für “unterweisen“ gebrauchte griechische Wort ist “παιδεύω“ (“paideuo“), wodurch angezeigt wird, dass es sich hier um Unterweisung im praktischen Verhalten, nicht in Lehrgrundsätzen, handelt. Die Gnade Gottes unterweist uns, indem sie uns immer wieder fragen lässt, was unser Herr Jesus Christus, die göttliche Verkörperung der Gnade, gelehrt und was er uns vorgelebt hat. Das Gesetz des Mose konnte nur das Negative, das Böse, verbieten. Das Gesetz des Christus (Galater 6, 2; 1. Korinther 9, 21) lehrt uns jedoch, wie wir das “Böse mit Gutem überwinden“ (Römer 12, 21). Wenn wir einmal in Gedanken die Zehn Gebote durchgehen und uns vergegenwärtigen, was unser Herr Jesus Christus gelehrt und gelebt hat, dann sehen wir, dass Er alle diese Gebote in ihrem Vollsinn erfüllte. Wir können jetzt nicht alle Gebote betrachten. Aber eines möchte ich beispielhaft erwähnen: Während das siebte Gebot den Ehebruch untersagt, lehrt unser Herr uns, noch nicht einmal in Gedanken den Ehepartner eines anderen zu begehren (Matthäus 5, 8). Wir werden ferner belehrt, unsere eigenen Frauen so zu lieben, “wie Christus die Versammlung“ geliebt hat (vgl. Epheser 5, 25 – 33), also in vollkommener Hingabe. Das geht weit über alles hinaus, was das Gesetz des Mose lehrte, geschweige denn, was es zu bewirken in der Lage war! Denn die Gnade belehrt uns nicht nur, entsprechend dem, was unser Herr Jesus Christus gelehrt und vorgelebt hat, zu handeln. Die Kraft der Gnade schenkt uns auch alles, um so handeln zu können! Dazu war das Gesetz des Mose nie in der Lage. Darum dürfen wir uns auch keinesfalls wieder unter das “Joch der Knechtschaft“, d.h. das Joch des mosaischen Gesetzes – auch nicht teilweise! – zwingen lassen. Wir müssen einen festen Stand auf dem Fundament der Gnade Gottes einnehmen. Das Joch, das wir tragen, ist das Joch unseres Herrn Jesus Christus und es ist unvergleichlich:

“Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen; denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

(Matthäus 11, 28 – 30 ELBEDHÜ)

Die Führung des Heiligen Geistes – Während wir uns wie beschrieben durch die Gnade Gottes unterweisen lassen, ist des von großer Wichtigkeit, dass wir die Führung des Heiligen Geistes suchen. Dazu fordert uns der Apostel Paulus am Ende dieses Kapitels auf:

“Ich sage aber: Wandelt im Geist, und ihr werdet die Lust des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt, damit ihr nicht das tut, was ihr wollt. Wenn ihr aber durch den Geist geleitet werdet, so seid ihr nicht unter Gesetz. Offenbar aber sind die Werke des Fleisches, welche sind: Hurerei, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Sekten, Neid, [Totschlag,] Trunkenheit, Gelage und dergleichen, von denen ich euch vorhersage, wie ich [auch] vorhergesagt habe, dass die, die so etwas tun, das Reich Gottes nicht erben werden. Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit; gegen solche Dinge gibt es kein Gesetz.“

(Galater 5, 16 – 23 ELBEDHÜ)

Der Wandel im Geist Gottes ist ein Wandel in der Freiheit, zu der uns Christus uns frei gemacht hat. Der Apostel Paulus schreeibt an die Gläubigen in Korinth:

“Der Herr aber ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, ist Freiheit.“

(2. Korinther 3, 17 ELBEDHÜ)

um gleich anschließend die wunderbaren Auswirkungen aufzuzeigen:

“Wir alle aber, mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauend, werden verwandelt nach demselben Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch den Herrn, den Geist.“

(2. Korinther 3, 18 ELBEDHÜ)

Im Geist zu wandeln, das heißt, in beständiger Abhängigkeit vom Geist Gottes zu leben, Seine Führung in allen Dingen zu suchen und Seiner Leitung zu folgen. Dann wird uns der Geist Gottes zeigen, wie wir das oben besprochene “Gesetz des Christus“ in unserem Alltagsleben anwenden sollen und können.
Nicht die sklavische und starre Einhaltung eines Gesetzes kennzeichnet also das Leben des Christen, sondern der aus der lebendigen Beziehung zu Gott gespeiste, von der Liebe zu Gott entzündete Wunsch, den Willen Gottes erfüllen zu wollen (Johannes 14, 23). Der Gläubige wird nicht gewzungen, den Willen Gottes zu tun, er wird dazu befreit, dazu in die Lage versetzt. Denn die Erfüllung dieses Wunsches wird unter der Leitung des Geistes Gottes durch die Kraft der Gnade möglich.
Entscheidend ist der Begriff “wandeln“. “Wandeln“ bedeutet nicht “rennen“. Es ist ein langsames, besonnenes Vorwärtsschreiten zum Ziel. Das Wort “wandeln“ lässt uns an fortschreitendes Wachstum denken. Im Geist zu wandeln bedeutet daher auch im Glauben zu wachsen. Je beständiger wir lernen, im Geist zu wandeln, desto mehr werden wir im Glauben wachsen und das ist der Weg, wie wir, die wir von der Gesetzlosigkeit losgekauft wurden und nun das Eigentumsvolk Christi sind, eifrig in guten Werken sein werden (Titus 2, 11 – 14).  Denn:

“(…) durch die Gnade seid ihr errettet, mittels des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.“

(Epheser 2, 8 – 10 ELBEDHÜ)

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