Lydia – die erste Christin Europas – Anmerkungen zu Apostelgeschichte 16, 11 – 15

BaptistryAtPhilippi

Freiluft-Taufplatz in Philippi, wo nach der Überlieferung die Piúrpurhändlerin Lydia von paulus getauft wurde * Foto: By Ian W. Scott (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or FAL], via Wikimedia Commons

Verse aus dem  16. Kapitel der Apostelgeschichte (zum Hintergrund der Apostelgeschichte siehe: Klick! & Klick!) wurden als Grundlage der Wortverkündigung am Mittwoch dieser Woche ausgewählt. Wir betrachten diese Verse in ihrem Zusammenhang:

„Wir fuhren aber von Troas ab und kamen geradewegs nach Samothraze und am folgenden Tag nach Neapolis und von da nach Philippi, das die erste Stadt jenes Teiles von Mazedonien ist, eine Kolonie. In dieser Stadt aber verweilten wir einige Tage. Und am Tag des Sabbats gingen wir vor das Tor hinaus an einen Fluss, wo es gebräuchlich war, das Gebet zu verrichten; und wir setzten uns nieder und redeten zu den Frauen, die zusammengekommen waren. Und eine gewisse Frau, mit Namen Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, die Gott anbetete, hörte zu, deren Herz der Herr auftat, dass sie Acht gab auf das, was von Paulus geredet wurde. Als sie aber getauft worden war und ihr Haus, bat sie und sagte: Wenn ihr urteilt, dass ich dem Herrn treu bin, so kehrt in mein Haus ein und bleibt. Und sie nötigte uns.

(Apostelgeschichte 16, 11 – 15 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

 

Zum Hintergrund von Apostelgeschichte 16, 11 – 15

Die heute von uns zu betrachtenden Verse gehört zu dem großen Abschnitt der Apostelgeschichte, in dem uns der Evangelist Lukas von der (ersten) Ausbreitung des Evangeliums nach Europa berichtet (Apostelgeschichte 16, 11 – 40). Die erste Verkündigung des Evangeliums auf europäischem Boden erfolgte in der Stadt Philippi. Lukas widmet diesem ersten Aufenthalt  des Apostels in dieser Stadt mehr Raum in der Apostelgeschichte als den Besuchen anderer Städte. Zwei Gründe sind denkbar, die Lukas dazu bewogen haben können, den Geschehnissen in Philippi besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Zum einen übersprang das Evangelium zu diesem Zeitpunkt die kontinentale Grenze von Klein Asien nach Europa. Zum anderen wissen wir aus dem Philipperbrief um die besonders enge Beziehung, die den Apostel Paulus mit den Gläubigen in Philippi verband (siehe unten).
Mit dem Dienst des Apostels Paulus in Philippi, der ersten Station auf dem europäischen Kontinent, trat die Evangeliumsverkündigung (ab  Apostelgeschichte 10, 1 f.) in ihre dritte Phase ein – “… bis an das Enden der Erde“ – (Apostelgeschichte 1, 8). Die Verheißung des Herrn Jesus Christus  hatte sich also erfüllt und würde sich auch weiterhin erfüllen.
Bei diesem großen Schritt des Evangeliums aus Klein Asien heraus nach Europa, spielte eine Frau namens Lydia eine besondere Rolle (Apostelgeschichte 16, 14 ff.) Sie war der erste europäische Mensch, der die Botschaft des Evangeliums annahm und zum Glauben an den Erlöser Jesus Christus kam.

Die Stadt Philippi, ihre Geschichte und ihre Bedeutung für die christliche Mission Europas

Ursprünglich trug die Stadt Philippi den Namen Krinidis, was soviel wie “Quellen“ bedeutet¹. Die Stadt, im Nordosten Griechenlands gelegen, wurde 362 v. Chr. von den Thasiten, einem ursprünglich auf der Insel Thasos beheimateten Volksstamm, gegründet und lag nur ca. 15 km. von der Ägäischen Küste entfernt. Anlass für diese Stadtgründung war die Entdeckung von Edelmetallminen in der Umgebung der Ortschaft. Im Jahr 356 v. Chr. wurde die Stadt von dem makedonischen König Philipp II., dem Vater Alexander des Großen, ausgebaut und in Philippi umbenannt. Philipp II. war es auch, der in der Stadt Soldaten zum Schutz der nahegelegenen Gold- und Silberminen stationierte. Nachdem das makedonische Reich 146 v. Chr. an die Römer gefallen war, erklärten diese das Gebiet zur römischen Provinz Macedonia mit Thessalonich als Hauptstadt. An der Via Egnatia gelegen, die die Adriaküste mit dem Bosporus und damit auch die Metropolen Rom und Byzanz (Konstantinopel) verband, hatte Philippi am Handel und damit auch am Wohlstand dieser Region großen Anteil.
Im Jahr 42 v. Chr. wurden Brutus und Cassius, die beiden Verschwörer des gelungenen Mordanschlags auf Julius Cäsar, in zwei Schlachten westlich von Philippi durch römische Heere geschlagen. In der Folge dieses Sieges machten die Römer aus der Stadt einen römischen Militärstützpunkt. Nach zwei weiteren kriegerischen Auseinandersetzungen in den Jahren 42 v. Chr. und 31 v. Chr. erhielt die Stadt das Selbstverwaltungsrecht, Steuerfreiheit und denselben rechtlichen Status wie eine italienische Stadt zugesprochen (vgl. dazu auch Apostelgeschichte 16, 12).
Die Einwohnerschaft der Stadt setzte sich mehrheitlich aus Römern und Griechen zusammen, dementsprechend wurden dort beide Sprachen – Griechisch und Latein – gesprochen, Latein nahm jedoch den Status der Amtssprache ein.
Nach der biblischen Überlieferung war Philippi die erste Station, in der der Apostel Paulus – gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Silas, Timotheus und Lukas – predigte, nachdem er im Jahr 50 n. Chr. von Troas in Kleinasien über das Meer nach Philippi (und damit nach Europa) gereist war (Apostelgeschichte 16, 1 -40). Auslöser für den apostolischen Besuch in dieser Stadt war eine nächtliche Vision, in der Paulus einen Mann aus Makedonien erblickte. Dieser bat ihn um Hilfe für die Menschen in dieser Region (vgl. Apostelgeschichte 16, 9). Der Apostel erkannte in dieser Vision einen göttlichen Ruf, dem es zu gehorchen galt und so setzte sich durch die Reise nach Philippi die Ausbreitung des Evangeliums in die westliche Richtung und damit auch nach Europa fort.

Via Egnatia, Philippi (7272441514)

Via Egnatia, Philippi * Foto: By Carole Raddato from FRANKFURT, Germany (Via Egnatia, Philippi Uploaded by Marcus Cyron) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

Das religiöse Leben der Stadt war von einem umfassenden Synkretismus geprägt. Die Einwohner beteten den jeweiligen römischen Kaiser (Julius, Augustus, Claudius) und die bekannten römischen bzw. griechischen Götter an. Aber auch Tempel ägyptischer Gottheiten – so der Isis und des Serapis – waren in Philippi zu finden.
Als Paulus die Stadt besuchte, gab es dort weder eine jüdische Synagoge noch einen offiziellen jüdischen Gottesdienst. Denn dazu hätten wenigstens 10 jüdische Männer in der Stadt leben bzw. zusammenkommen müssen.
Unter den Bewohnern der Stadt gab es jedoch einige Menschen, die andernorts durch das Judentum bereits mit dem wahren Gott in Berührung gekommen waren. Diese Menschen, die als “Gottesfürchtige“ bezeichnet wurden, hatten sich vom Götzenkult des Heidentums abgewandt, waren aber noch nicht vollgültig zum Judentum konvertiert. Gemäß den jüdischen Bräuchen versammelten sie sich, da es in der Stadt keine Synagoge gab, an einem Fluss.² Dementsprechend suchte Paulus am Sabbat eine solche Stätte auf und fand dort eine Gruppe “Gottesfürchtiger“, die sich zum Gebet versammelt hatten.
Über den Ort dieser Gebetsstätte gibt es verschiedene Ansichten. Lukas nennt uns den Namen des Flusses nicht und da das Gebiet um Philippi wasserreich war bzw. ist, kommen verschiedene Flüsse in Betracht. Viele Kommentatoren nehmen an, dass es sich bei diesem Fluss um den Gangites (heute: Angites) gehandelt hat. Dem widerspricht jedoch die Tatsache, dass dieser Fluss außerhalb der Strecke eines Sabbatweges lag, den ein Jude zurücklegen durfte. Von anderen Kommentatoren wurde eine Stelle am Krenidis-Fluss vorgeschlagen, die auch historisch als Ort der Taufe der Lydia angesehen wird. Dagegen wurde eingewandt, dass es sich bei diesem Ort und eine stark frequentierte Stelle an einer römischen Straße gehandelt habe, die wohl kaum als Zusammenkunftsort für eine Gebetsversammlung geeignet war. Als dritte Alternative wurde ein Ort nahe des östlichen Stadttors genannt. Da keiner dieser Vorschläge wirklich überzeugt, muss die Frage offen bleiben, an welchem Fluss sich diese Gruppe von “Gottesfürchtigen“ versammelte³.
Dieser Gruppe, die offensichtlich ausschließlich aus Frauen bestand (vgl. Apostelgeschichte 16, 13), verkündete Paulus das Evangelium und diese Verkündigung fiel auf fruchtbaren Boden. Die erste Gläubige war die aus Thyatira in Kleinasien stammende Pupurhändlerin Lydia. In ihrem Haus, auch davon berichtet uns Apostelgeschichte 16, 15, trafen sich dann die ersten Christen. Dieser Kreis der ersten Gläubigen in Europa erweiterte sich, als der Kerkermeister mit seiner Familie zum Glauben an Jesus Christus fand (Apostelgeschichte 16, 23 – 34). Aus Apostelgeschichte 16, 18 können wir entnehmen, dass Paulus “viele Tage“ in Philippi tätig war und dort sicherlich auch bei vielen Gelegenheiten das Evangelium verkündete. Dass dieser Dienst nicht fruchtlos war, zeigt Apostelgeschichte 16, 40. Dort heißt es, dass sich Paulus – bevor er die Stadt verließ – zum Haus der Lydia begab und sich dort von “den Brüdern“ verabschiedete. Die – noch junge – Gemeinschaft war also während seines Dienstes gewachsen.
Etliche Kommentatoren vertreten die Meinung, dass Lukas als einziger Mitarbeiter des Paulus in Philippi blieb, als dieser die Reise mit seinen anderen Mitarbeitern fortsetzte. Denn ab Apostelgeschichte 17, 1 bis Apostelgeschichte 20, 4 gebraucht der Evangelist und Autor der Apostelgeschichte das Wort “wir“ nicht mehr. Einige Ausleger nehmen an, dass Paulus die Gläubigen in Philippi während seiner dritten Missionsreise, also im Jahr 57 n. Chr. noch einmal besucht haben könnte.

Missionsreisen des Paulus / Grafik: Wikipedia / User: Janz

Missionsreisen des Paulus / Grafik: Wikipedia / User: Janz

Über diese dritte Reise ist bekannt, dass Paulus zuerst auf dem Landweg von Ephesus nach Korinth reiste und von dort zurück nach Milet. Erst von dort aus nahm er ein Schiff, mit dem er nach Jerusalem aufbrach. Auf der Hinreise nach Korinth, aber auch auf der Rückreise nach Milet, hätte Paulus Gelegenheit zu einem Besuch bei den Gläubigen in Philippi gehabt. Darauf, dass es zu einem solchen Besuch gekommen ist, deuten Apostelgeschichte 20, 1; 2. Korinther 2, 13 und Apostelgeschichte 20, 6 hin.
Wie eng die Beziehung zwischen den Gläubigen und dem Apostel gewesen sein muss, zeigt die Tatsache, dass die Christen in Philippi ihn mehrfach finanziell unterstützten, während er sich in Thessalonich aufhielt (vgl. Philipper 4, 15 – 16).

Anmerkungen zu Apostelgeschichte 16, 11 – 15

* “Wir fuhren aber von Troas ab und kamen geradewegs nach Samothraze und am folgenden Tag nach Neapolis und von da nach Philippi, das die erste Stadt jenes Teiles von Mazedonien ist, eine Kolonie. In dieser Stadt aber verweilten wir einige Tage.“ Apostelgeschichte 16, 11 – 12  – Nachdem Paulus von Gott mittels eines Gesichtes (Apostelgeschichte 16, 8 – 19), d.h. einer Vision, kundgetan wurde, dass er nach Mazedonien reisen sollte, brechen er und seine Mitarbeiter unverzüglich auf, um dieser göttlichen Führung zu folgen. Sie bestiegen ein Schiff, mit dem sie von Troas nach Samothraze (heute: Samothraki), einer kleinen felsigen Insel auf dem halben Weg zwischen Troas und Philippi gelegen, übersetzten. Am Tag darauf ging es – ebenfalls per Schiff – von Samothraze nach Neapolis (heute Kavalla) und von dort zu Fuß weiter in das ca. 20 Kilometer entfernt liegende Philippi. Hier sollte zum ersten Mal Menschen des europäischen Kontinents das Evangelium der Herrlichkeit und Gnade Gottes (Römer 5, 2; 1. Timotheus 1, 11) verkündigt werden.
Es ist aussergewöhnlich, dass Lukas in seinem Bericht extra vermerkt, dass es sich bei Philippi um eine römische Kolonie handelte. Im Verlauf der Apostelgeschichte erwähnt er verschiedene römische Kolonien (Antiochien, Lystra, Troas und Korinth), ohne deren Status extra herauszustellen. Den Grund dafür, dass Lukas den Status der Stadt Philippi als römischer Kolonie hier besonders hervorhebt, sehen Ausleger in den ab Apostelgeschichte 16, 16 berichteten Geschehnissen, die auf diesem Hintergrund besser verstanden werden können (besonders Verse 35 – 39).

* “Und am Tag des Sabbats gingen wir vor das Tor hinaus an einen Fluss, wo es gebräuchlich war, das Gebet zu verrichten; und wir setzten uns nieder und redeten zu den Frauen, die zusammengekommen waren.“Apostelgeschichte 16, 13 – Wie bereits eingangs erwähnt, gab es in Philippi keine Synagoge. Bei Juden als auch gottesfürchtigen Heiden, also Menschen aus den Nationen, die an den Gott Israels glaubten, jedoch noch nicht zum Judentum übergetreten waren, war es Brauch, sich an einem fließenden Gewässer zu versammeln, sofern an einem Ort keine Synagoge vorhanden war4. Lukas schreibt, dass Paulus und seine Mitarbeiter sich niedersetzten und mit den Frauen, die sie dort am Fluss antrafen, redeten. “Sich niedersetzen“ beschreibt die typische Position jüdischer Rabbiner beim Lehren der Heiligen Schrift. Wir können also davon ausgehen, dass es sich bei dieser ersten Evangeliumsverkündigung in Europa weniger um eine Predigt und mehr um ein Lehrgespräch gehandelt hat, bei dem Paulus und seine Mitarbeiter die anwesenden Frauen über das Evangelium informierten und belehrten.

* “Und eine gewisse Frau, mit Namen Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, die Gott anbetete, hörte zu, deren Herz der Herr auftat, dass sie Acht gab auf das, was von Paulus geredet wurde. Als sie aber getauft worden war und ihr Haus, bat sie und sagte: Wenn ihr urteilt, dass ich dem Herrn treu bin, so kehrt in mein Haus ein und bleibt. Und sie nötigte uns.“Apostelgeschichte 16, 14 – 15 – Bei einer der anwesenden Frauen – Lydia mit Namen – fiel diese Belehrung auf fruchtbaren Boden. Diese Frau kam ursprünglich aus der Stadt Thyatira in der Provinz Asien (vgl. Offenbarung 2, 17 ff.), die für ihre Purpurstoffe in der ganzen damaligen Welt bekannt war. Es wird vermutet, dass sich ihr Name Lydia von dem Gebiet Lydien ableitet, in dem Thyatira gelegen war. Aus Thyatira stammend war Lydia eine Frau aus den Nationen (Luther: “Heiden“). Ganz offensichtlich hatte sie aber bereits zum Glauben an den Gott Israels gefunden, denn sie wird als “gottesfürchtig“ bezeichnet und scheint einige alttestamentarische Gesetze, insbesondere die Heiligung des Sabbats, gehalten zu haben. Es ist möglich, dass Lydia bereits in ihrer Heimatstadt Thyatira mit dem Judentum in Kontakt gekommen war, denn dort gab es zu dieser Zeit eine jüdische Bevölkerung und auch eine Synagoge. Es ist in diesem Zusammenhang nicht uninteressant, dass Lukas uns in Apostelgeschichte 16, 6 davon berichtet, dass Paulus und seine Mitarbeiter daran gehindert wurden, nach Lydien, also der Heimatprovinz dieser Frau, zu reisen, um dort das Evangelium zu verkünden. Trotzdem erreicht das heilbringende Evangelium der Gnade diese Frau. Für uns mögen Gottes Wege manchmal schwer verständlich sein, doch Gott weiß ganz genau was Er tut und wie der Er Menschen erreichen will.
Wenn Lukas hier betont, dass Gott dieser Frau “das Herz auftat“, dann erinnert uns das an die Aussage des Herrn Jesus Christus, der uns in Johannes 6, 44 – 45 darüber belehrt, dass niemand zu Gott kommen kann, außer wenn Gott selbst den Menschen zu sich zieht. Da es Gottes Wille ist, dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und errettet werden (vgl.  Johannes 3, 16; Johannes 4, 42; Titus 2, 11; 1. Timotheus 2, 4), offenbart sich Gott jedem Menschen – entweder durch die Offenbarung Seiner Person in der Schöpfung (Psalm 19, 1 – 6; Römer 1, 18 – 21) oder durch die Offenbarung Seiner Person in der Heiligen Schrift (Psalm 19, 7 – 14; Römer 2, 11 – 16). Durch diese Offenbarung Gottes erhält jeder Mensch die Möglichkeit, an Gott zu glauben und gerettet zu werden. Die Verantwortung, diese ausgestreckte Hand Gottes anzunehmen, liegt in der Verantwortung eines jeden einzelnen Menschen. Lydia gehörte zu jenen Menschen, die dem Reden Gottes gegenüber ihr Herz nicht wieder verschlossen. Sie kehrte von ihren bisherigen Wegen zu Gott um, nahm das Evangelium der Gnade an, tat Buße und ließ sich taufen. Es wird hier zwar nicht ausdrücklich erwähnt, dass Lydia Buße tat, doch können wir das für sie, wie auch “ihr Haus“ voraussetzen, denn gemäß Apostelgeschichte 11, 18 ist biblische Buße die Voraussetzung für den Empfang ewigen Lebens. Und wir dürfen sicher sein, dass der Apostel Paulus seine Zuhörer über die Bedeutung der Buße gründlich belehrt hat, da der Herr Jesus Christus alle seine Jünger beauftragt hat,  dass

“(…) in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden gepredigt werden sollten allen Nationen, angefangen von Jerusalem.“

(Lukas 24, 46 ELBEDHÜ)

 

Doch nicht nur Lydia, sondern auch “ihr ganzes Haus“ fand auf diese Weise zum Glauben an den Herrn Jesus Christus und wurde getauft.
Wir finden den Ausdruck “ganzes Haus“ noch bei zwei anderen Gelegenheiten in der Apostelgeschichte. Einmal im Fall des römischen Hauptmanns Kornelius (Apostelgeschichte 10, 1 ff.) und später im Fall des Kerkermeisters von Philippi (Apostelgeschichte 16, 33). Es hat im Verlauf der Kirchengeschichte immer wieder Diskussionen um die Frage gegeben, ob dieser Begriff auch unmündige Kinder mit einschließt. Da das Neue Testament hier keine explizite Aussage trifft, können  diese Stellen weder als Argument für die so genannte “Haustaufe“ noch als Argument dagegen angeführt werden. Alle anderen Stellen des Neuen Testaments sprechen jedoch bzgl. der Taufe eine eindeutige Sprache und setzen Buße und Bekehrung voraus.
Es scheint, dass auch die Menschen, die zum Haushalt der Lydia gehörten, von Gott auf diesen Augenblick vorbereitet worden waren. Dabei wird der geistliche Einfluss der Gottesfurcht, die im Leben der Lydia zum Ausdruck kam, eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben.
Nach ihrer Taufe bietet sie Paulus und seinen Mitarbeitern ihr Haus als Unterkunft an. Das war nicht nur ein Akt der Gastfreundschaft. In ihrem Angebot (bzw. ihrer “Nötigung“) spiegelt sich die Bruderliebe wider, die ein untrügliches Zeichen der Wiedergeburt aus Wasser und Geist ist (vgl. 1. Johannes 3, 14). Dieses Haus sollte in der Folgezeit die Ausgangsbasis für den weiteren Dienst des Apostels und seiner Mitarbeiter werden.


Fußnoten:

¹= Nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Dorf, das sich heute wenige Kilometer entfernt von den Ausgrabungsstätten bei Philippi befindet.
²= vgl. Mishnah Sanhedrin 1:6; Mishnah Pirke Aboth 3:6; Flavius Josephus: “Jüdische Altertümer“ übersetzt von Dr. Heinrich Clementz, XIV. Buch, X. Kapitel, XXIII. Absatz (Seite 248 – 249), Fourier Verlag, Wiesbaden, 12. Auflage 1994; Diese Form des Zusammenkommens wurde u.a. auf Psalm 137, 1 – 6 zurückgeführt.
³= Für eine ausführliche Diskussion siehe: Dr. Craig S. Keener: “Acts – An Exegeltical Commentary“, Vol. III (Acts 15: 1 – 23: 35), Baker Academic, Grand Rapids, 2014

4= vgl. Flavius Josephus: “Jüdische Altertümer“, Buch XIV, Kapitel 10, Abs. 23; nach der Übersetzung von Dr. Heinrich Clementz, Fourier Verlag Wiesbaden, 12. Auflage 1994, Seite 249; Psalm 137, 1 – 6; Esra 8, 15 ff.; Den Grund für diese Praxis sehen Kommentatoren in den im alttestamentarischen Gesetz vorgeschriebenen Waschungen. Diese Waschungen, die auch in Hebräer 6, 1 f. erwähnt werden, dürfen nicht mit der christlichen Taufe verwechselt werden, da zwischen den alttestamentarischen Waschungen und der christlichen Taufe große Unterschiede bestehen.

 


I'm part of Post A Day 2016

Dieser Beitrag wurde unter Glimpses/Impulse, Kirchengeschichte, Neues Testament, Predigt abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hier ist Platz für Ihre Meinung

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s