Zu jeder Zeit, an jedem Ort – Anmerkungen zu Apostelgeschichte 5, 41 – 42

TempleStepsMay2009

Treppe an der Südseite des Tempelberges, Jerusalem. * Foto: von Wilson44691 (Eigenes Werk) [Public domain], via Wikimedia Commons

Der Wortverkündigung am Sonntag dieser Woche soll ein Vers aus dem 5. Kapitel der Apostelgeschichte (zum Hintergrund der Apostelgeschichte siehe: Klick! & Klick!) zu Grunde liegen, den wir  in seinem Kontext betrachten wollen:

„Sie nun gingen vom Synedrium weg, voll Freude, dass sie gewürdigt worden waren, für den Namen Schmach zu leiden; und jeden Tag, im Tempel und in den Häusern, hörten sie nicht auf, zu lehren und Jesus als den Christus zu verkündigen.

(Apostelgeschichte 5, 41 – 42 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

 

Zum Hintergrund von Apostelgeschichte 5, 41 – 42

Ab Apostelgeschichte 5, 12 ff. berichtet uns Lukas von einem erneuten Wachstumsschub der Versammlung (= Gemeinde / Kirche) in Jerusalem. Wie bei der vorausgegangenen Wachstumsphase (Apostelgeschichte 3, 1Apostelgeschichte 4, 31) kommt es auch jetzt wieder zu verstärkter Opposition gegen die Ausbreitung des Evangeliums: Die geistlichen Autoritäten in Jerusalem – der Hohe Rat (Sanhedrin), bestehend aus Pharisäern und Sadduzäern sowie dem Hohenpriester, wollen diesem “Treiben“ nicht länger zuschauen und lassen die Apostel durch die Tempelgarde festnehmen und einsperren. Diese werden jedoch durch Gottes Eingreifen befreit und ermutigt, ihnen Dienst fortzusetzen (Apostelgeschichte 5, 17 – 20). So finden wir die Apostel am anderen Morgen genau dort wieder, wo sie am Tag zuvor festgenommen worden waren: im Tempel. Dort lehrten sie. Als der Hohe Rat nun die Gefangenen zwecks einer Verhandlung vorführen lassen wollte, kamen die Wachen ohne diese zurück. Kurz darauf berichtet jemand dem Hohen Rat, dass die Apostel wieder im Tempelbezirk das Volk lehren. Daraufhin werden die Apostel erneut von der Tempelgarde vor den Hohen Rat geführt, diesmal allerdings ohne Gewalt, da man die Reaktion des Volkes fürchtete (Apostelgeschichte 5, 21 – 26; vgl. Matthäus 21, 46; Markus 11, 18 + 32; Markus 12, 12; Lukas 20, 19; Lukas 22, 2). Vor dem Hohen Rat werden die Apostel streng verwarnt und ihnen wird verboten, im Namen Jesu zu predigen. Doch diesem Verbot widersprechen die Apostel und verweisen darauf, dass man Gott mehr gehorchen muss als den Menschen, wenn es um den Willen und das Gebot Gottes geht (Apostelgeschichte 5, 27 – 32). Diese Antwort führt zu einer sehr aggressiven Reaktion auf Seiten der Mitglieder des Sanhedrin: “Sie aber wurden, als sie es hörten, durchbohrt und beratschlagten, sie umzubringen.“ (Apostelgeschichte 5, 33). In dieser aufgeheizten Situation schaltet sich ein Mann namens Gamaliel, ein Gesetzeslehrer und ebenfalls Angehöriger des Sanhedrin, ein und mahnt zur Besonnenheit. Seine Worte beruhigen die Situation. (Apostelgeschichte 5, 24 – 39). Die Apostel werden wieder vor den Hohen Rat geführt. Man lässt sie schlagen und gebietet ihnen noch einmal, nicht im Namen Jesu zu predigen. (Apostelgeschichte 5, 40).  Die dann folgenden Verse, die wir eingehender betrachten wollen, zeigen uns die Reaktion der Apostel auf die Behandlung durch den Hohen Rat.

 

Anmerkungen zu Apostelgeschichte 5, 41 – 42

* “Sie nun gingen vom Synedrium weg, voll Freude, dass sie gewürdigt worden waren, für den Namen Schmach zu leiden; (…)“Apostelgeschichte 5, 41  – Diese Worte werden in den Ohren vieler Menschen des 21. Jahrhunderts sehr fremd klingen. Da werden Männer geschlagen, weil sie öffentlich über ihren Glauben sprechen und anschließend freuen sie sich sogar noch darüber! In den Augen des postmodernen Menschen muss ein solches Verhalten verrückt sein! Ist Glauben nicht Privatsache? Kann man den nicht einfach im stillen Kämmerlein lassen und so jeder negativen Reaktion entgehen?
Die Apostel freuten sich natürlich nicht darüber, dass sie geschlagen wurden, denn bei den Schlägen, die sie hier hinnehmen mussten, handelte es sich nicht um einige Ohrfeigen. Wir können davon ausgehen, dass die Jünger des Herrn hier gemäß dem jüdischen Gesetz geschlagen wurden (vgl. 5. Mose 25, 1 – 3). D.h., dass man den “Schuldigen“, die sich zu diesem Zweck niederlegen mussten, mindestens 39 Schläge mit einem Stock oder einer Gerte gab (vgl. 2. Korinther 11, 24). Wie Lukas hier ausdrücklich vermerkt, freuten sich die Apostel, dass “sie gewürdigt worden waren, für den Namen Schmach zu leiden“. Der Name, um den es hier geht, ist der Name Jesu Christi. Von diesem Namen hat Petrus, erfüllt vom Heiligen Geist, kurz zuvor bezeugt:

“Und es ist in keinem anderen das Heil, denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel, der unter den Menschen gegeben ist, in dem wir errettet werden müssen.

(Apostelgeschichte 4, 12 ELBEDHÜ)

Wenn im jüdischen Kontext des Alten und Neuen Testaments von einem “Namen“ die Rede ist, so ist damit immer die ganze Person gemeint, die mit diesem Namen bezeichnet wird. Was Petrus also sagt, ist, dass das Heil, die Erlösung, einzig und allein in Jesus Christus zu finden ist. Er allein ist der Erlöser der Welt (Johannes 3, 16; Offenbarung 7, 9 – 11). Außerhalb von Ihm gibt es keine Erlösung. Das sind nicht die Lehren von Menschen, das ist die Lehre Seine eigenen Worte:

“Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.

(Johannes 14, 6 ELBEDHÜ)


Für den Erlöser der Welt und Seine einzigartige Botschaft verfolgt, bedrängt und geschlagen zu werden, das erachteten die Apostel als eine Würdigung und deshalb freuten sie sich. Der Herr Jesus Christus hatte angekündigt, dass Seine Nachfolger – und damit sind alle gemeint, die jemals an Ihn glauben würden – wegen ihres Glaubens an Ihn mit Ablehnung, Spott,  Hass und sogar Verfolgung rechnen müssten.  Doch zugleich hatte Er allen, die diese Erfahrung machen würden, auch eine Verheißung gegeben:

“Glückselig die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten, denn ihrer ist das Reich der Himmel. Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und alles Böse lügnerisch gegen euch reden um meinetwillen. Freut euch und frohlockt, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln; denn ebenso haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren.“

(Matthäus 5, 10 – 12 ELBEDHÜ)

“Glückselig seid ihr, wenn die Menschen euch hassen und wenn sie euch ausschließen und schmähen und euren Namen als böse verwerfen um des Sohnes des Menschen willen; freut euch an jenem Tag und hüpft vor Freude, denn siehe, euer Lohn ist groß in dem Himmel; denn genauso taten ihre Väter den Propheten.“

(Lukas 6, 22 – 23 ELBEDHÜ)

Die Heilige Schrift schildert uns an vielen Stellen, dass Leiden um des Namens Jesu willen die Erfahrung der Gläubigen war, ist und bis zum Kommen Christi sein wird (Apostelgeschichte 14, 22; Römer 5, 3 – 4; Römer 8, 17; 1. Thessalonicher 3, 3; 2. Timotheus 3, 12; Jakobus 1, 2 – 4; Offenbarung 11, 7; Offenbarung 13, 7).
Viele Jahre nach diesen Ereignissen auf dem Tempelberg erläuterten sowohl der Apostel Petrus als auch der Apostel Paulus in ihren Briefen, warum sie im Leiden für Jesus Christus und Sein Evangelium ein Privileg und keine Bürde sahen (1. Petrus 4, 13; 1. Petrus 2, 18 – 21; 1. Petrus 3, 8 – 17; 1. Petrus 4, 12 – 14; Philipper 1, 29). So, wie ihr Herr und Meister durch die Hände Seiner Feinde hatte leiden müssen, so litten nun Seine Diener als Zeugen für Ihn. Paulus zeigt – geleitet durch den Heiligen Geist – den Christen in Rom und seinem Mitarbeiter Timotheus (und damit auch uns!), dass es in Gottes Herzen für all‘ jene, die in der Gegenwart die  Verwerfung Seines geliebten und verherrlichten Sohnes teilen würden, einen besonderen Platz gibt:

“Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, diese sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, wiederum zur Furcht, sondern einen Geist der Sohnschaft habt ihr empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater! Der Geist selbst bezeugt mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Wenn aber Kinder, so auch Erben – Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir nämlich mitleiden, damit wir auch mitverherrlicht werden. Denn ich halte dafür, dass die Leiden der Jetztzeit nicht wert sind, verglichen zu werden mit der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.

(Römer 8, 14 . 18 ELBEDHÜ)

„Das Wort ist gewiss; denn wenn wir mitgestorben sind, so werden wir auch mitleben; wenn wir ausharren, so werden wir auch mitherrschen; (…)

(2. Timotheus 2, 11 – 12 ELBEDHÜ)

* “(…) und jeden Tag, im Tempel und in den Häusern, hörten sie nicht auf, zu lehren und Jesus als den Christus zu verkündigen.“Apostelgeschichte 5, 42 – Weil aber allein in dem Namen Jesu Christi das Heil, die Erlösung ist, weil Er der alleinige Erlöser der Welt ist, muss Seine Botschaft, Sein Evangelium, auch aller Welt verkündet werden. Christlicher Glaube war niemals ein Glaube, der im stillen Kämmerlein und ganz privat gelebt werden konnte. Der Erlöser hat allen, die an Ihn glauben, einen eindeutigen Auftrag gegeben und diesen Auftrag hat Er bis zum heutigen Tag nicht zurückgenommen:

Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.“

(Matthäus 28, 19 – 20 ELBEDHÜ)

Christlicher Glaube war und ist immer Bewegung und zwar eine Bewegung hin zu allen Menschen, hinaus in alle Welt, bis an die Enden der Erde. Darum wurden die Gläubigen in der Anfangszeit auch als jene bezeichnet “die des Weges sind, sowohl Männer als auch Frauen“ (Apostelgeschichte 9, 2; Apostelgeschichte 19, 23). Zu diesem Dienst hat der Erlöser alle Glaubenden mit der Kraft des Heiligen Geistes ausgerüstet:

“Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde.“

(Apostelgeschichte 1, 8 ELBEDHÜ)

Dieser Auftrag des Sohnes Gottes wird nicht erfüllt, indem Christen im stillen Kämmerlein fein unter sich bleiben oder indem sie allein Gottesdienste besuchen. Dieser Auftrag muss an jedem Tag neu erfüllt werden und zwar indem wir unseren Glauben an den Erlöser Jesus Christus in unserem Lebenswandel, in unseren Taten und durch eindeutige Worte über Sein Evangelium bekennen (vgl. 1. Petrus 3, 15). Eine verlorene Welt (Johannes 3, 16) wird den Erlöser Christus nicht dadurch erkennen, dass Gläubige zusammenkommen bzw. “unter sich“ sind bzw. bleiben, so gut und wichtig die Gemeinschaft der Gläubigen auch ist (Hebräer 10, 25). Nein, das Evangelium war und ist eine Botschaft, die dazu bestimmt ist, in die Welt hinaus getragen zu werden, “an die Wege und Zäune“ (Lukas 14, 23)! Nur Gläubige, die die Kraft des Heiligen Geistes noch nie erfahren haben, bleiben unter sich und verschanzen sich hinter verschlossenen Türen (vgl. Johannes 20, 19 ff.)
Es war die Gemeinschaft mit dem Auferstandenen und die Kraft des Heiligen Geistes, die den Jüngern des Herrn trotz Verfolgung und Folter die Kraft und die Freude gaben, den Erlöser und Sein Evangelium auch angesichts der Möglichkeit zukünftiger Verfolgung und Bedrängnis allen Menschen zu verkünden. Das ist bis heute so. Wer die Liebe des Christus wirklich erlebt hat, kann davon nicht schweigen (2. Korinther 5, 14 – 21).
Apostelgeschichte 5, 42 zeigt uns, wie dies praktisch geschieht: “(…) jeden Tag, im Tempel und in den Häusern, hörten sie nicht auf, zu lehren und Jesus als den Christus zu verkündigen (…)“: Die Worte “jeden Tag“ weisen darauf hin, dass es keine zeitliche Eingrenzung dieses Auftrags gibt – zu jeder Zeit soll das Evangelium gelebt und verkündigt werden. Die Worte “im Tempel und in den Häusern“ machen deutlich, dass es keinen Ort – sei er “sakral“ oder “säkular“ – gibt, an dem das Evangelium nicht verkündigt werden sollte. Und mit den Worten “’zu lehren und Jesus als den Christus zu verkündigen (…)“ wird uns gezeigt, was bzw. wer der Inhalt unserer Verkündigung sein soll – nicht eine Glaubensgemeinschaft, keine Konfession oder Denomination, sondern “Jesus, der Christus“, d.h., Jesus, der Messias-Erlöser. Das ist eine Aufgabe, die jedem Christen anvertraut ist und die jeder Christ auch in der Abhängigkeit zu seinem Herrn und Erlöser erfüllen kann:

“Und seid jederzeit bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der euch auffordert, Auskunft über die Hoffnung zu geben, die euch erfüllt. Aber tut es freundlich und mit dem gebotenen Respekt, ´immer darauf bedacht,` ein gutes Gewissen zu haben. Denn wenn ihr ein vorbildliches Leben führt, wie es eurer Zugehörigkeit zu Christus entspricht, werden die, die euch verleumden, beschämt dastehen, weil ihre Anschuldigungen sich als haltlos erweisen.“

(1. Petrus 3, 15 – 16 GNÜ)

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