In einem Geist zu einem Leib getauft – Anmerkungen zu 1. Korinther 12, 12 – 14

Korinth_Muendung / Foto: Wikipedia/Don Vincenzo

Kanal von Korinth. Die Mündung von Korinth * Foto: Don Vincenzo – selbst fotographiert (während einer Schulreise) via Wikimedia Commons


Als Grundlage für die Wortverkündigung am Mittwoch dieser Woche soll ein Vers aus dem 12. Kapitel des 1. Korintherbriefes (zum Hintergrund des 1. Korintherbriefes siehe: Klick!) dienen:

“Denn so wie der Leib einer ist und viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich viele, ein Leib sind: so auch der Christus. Denn auch in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden. Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele.

(1. Korinther 12, 12 – 14 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

 

Zur Situation der Christen in Korinth

Korinth zur Zeit des Apostels Paulus war, wie die Geschichtsforschung vielfach bestätigt, eine Stadt, in der “alles möglich war“. Aufgrund ihrer zentralen maritimen Lage war die Stadt zu einem machtvollen Wirtschaftsknotenpunkt herangewachsen, der Menschen aus allen Teilen des römischen Reiches und von darüber hinaus anzog. So wurde die Stadt auch zu einem Schmelztiegel vieler Kulturen und Religionen. Zahllose Tempel der verschiedensten Götter prägten das Bild der Stadt. Außerdem konnte Korinth auf eine lange Geschichte als Wirkungsstätte verschiedener griechischer Philosophen, Dichter und Redner verweisen, durch die sie geprägt worden war. Eine Philosophie, die den Menschen zum Mittelpunkt aller Dinge machte, Götzendienst und sexuelle Unmoral kennzeichneten diese einflussreiche Handelsmetropole.
Von diesem Gedankengut hatten sich auch einige Christen in Korinth anstecken lassen. In ihrem Glauben und Handeln spiegelten sie mehr die heidnischen Vorstellungen ihres Wohnortes, als die Aussagen des Wortes Gottes wider. Unter anderem aus diesem Grund wendet sich der Apostel Paulus mit diesem Brief an die Gläubigen in Korinth. Im ersten Teil des Briefes stellt er den Gläubigen die großen Unterschiede zwischen dem heidnischen Lebensstil und dem Willen Gottes gegenüber (1. Korinther 3, 18 – 23: Die beschränkte menschliche Weisheit im Gegensatz zur unendlichen Weisheit Gottes; 1. Korinther 5, 1 ff.: Sexuelle Unreinheit im Gegensatz zu Gottes gutem Plan der Ehe; 1. Korinther 6, 1 – 11: Gegenseitiges Verklagen vor heidnischen Gerichten im Gegensatz zur göttlichen Kraft der Versöhnung u.a.m.) Der Apostel zeigt den Christen in Korinth in diesem Brief noch einmal die Grundlagen des christlichen Lebens auf, um dann deutlich zu machen, dass der Christ auf diesen Grundlagen durch die Gnade Gottes ein heiliges, Gottes Willen entsprechendes und Christus verherrlichendes Leben führen kann.
Im zweiten Teil des Briefes (1. Korinther 7, 11. Korinther 16, 12) beantwortet der Apostel dann eine Vielzahl von Fragen, die ihm von den Gläubigen in Korinth gestellt wurden. Dabei geht es zuerst um Fragen bzgl. der Ehe und des Verhaltens Unverheirateter (1. Korinther 7, 1 – 40). Anschließend erörtert Paulus Fragen bzgl. des Genusses von Opferfleisch, das auf den Märkten Korinths günstig angeboten wurde, aber zuvor den heidnischen Götzen als Opfer dargebracht worden war (1. Korinther 8, 11. Korinther 11, 1).  In Kapitel 11 geht es dann um das würdige Verhalten der Gläubigen und zwar im Zusammenhang mit der Anbetung (1. Korinther 11, 2 – 16)  sowie im Zusammenhang mit dem Tisch des Herrn (1. Korinther 11, 17 – 34). Die Kapitel 1214 des 1. Korintherbriefes behandeln dann Fragen der Gläubigen bzgl. der geistlichen Gaben. Auch dieses Thema hatte bei den Gläubigen in Korinth zu großen Spannungen geführt. Einige Gläubige in Korinth rühmten sich nämlich ihrer “besonderen“ Gaben. In Kapitel 12 verdeutlicht der Apostel Paulus seinen Leser daher zuerst einmal, dass alle Gläubigen durch den Heiligen Geist zu einem Leib, d.h. zu einer großen, untrennbaren Einheit, getauft worden sind und dass dieser Leib aus vielen unterschiedlichen Gliedern besteht, von denen jedes einzelne mit seiner ihm eigenen Begabung gebraucht wird. In Kapitel 14 schließt der Apostel dann eine Belehrung darüber an, wie die einzelnen Gläubigen ihre unterschiedlichen Gaben in den Gottesdienst einbringen sollen. Doch zwischen Kapitel 12 und Kapitel 14 schaltet er mit 1. Korinther 13 ein ganzes Kapitel ein, in dem er ausschließlich über die Bedeutung der göttlichen Liebe unter den Gläubigen spricht. Auf diese Weise möchte Paulus den Korinthern (und mit ihnen allen anderen Gläubigen, vgl. 1. Korinther 1, 2) deutlich machen, dass die Grundlage des christlichen Dienstes die Liebe Gottes ist und dass keine der geistlichen Gaben ohne dieselbe ihre Kraft bzw. geistliche Wirksamkeit wirklich entfalten kann. Wenn die Gläubigen in Korinth ihren Stolz und Eigennutz vergessen und sich neu auf die Liebe Gottes als Grundlage ihres Dienstes besinnen, dann werden sie ihren geistlichen Gaben dem Willen Gottes gemäß einsetzen und Gott verherrlichen. In Kapitel 15 beantwortet Paulus Fragen bzgl. der  Auferstehung, Kapitel 16 ist der Geldsammlung für die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) in Jerusalem, den weiteren Reiseplänen des Apostels und abschließenden Grüßen und Segenswünschen gewidmet.

Anmerkungen zu 1. Korinther 12, 12 – 14

* “Denn so wie der Leib einer ist und viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich viele, ein Leib sind: so auch der Christus.“ 1. Korinther 12, 12 – Um den Korinthern deutlich zu machen, wie unsinnig (und ungeistlich!) es ist, wenn einige mit ihren Gaben angeben, erinnert er sie daran, wer sie sind: Sie, die einzelnen Gläubigen, bilden zusammen den Leib Christi – eine große, untrennbare Einheit. So, wie der menschliche Körper aus vielen einzelnen Körperteilen besteht, die einander ergänzen und brauchen, so ergänzen und brauchen auch die Glieder des Leibes Christi einander. Und so, wie bei einem menschlichen Körper, kein Körperteil eine besondere oder wichtigere Rolle für sich beanspruchen kann, so gibt es auch im Leib Christi keine Glieder, die für sich einen höheren Wert oder größere Wichtigkeit beanspruchen können. Was zählt, ist das Teamwork, das harmonische Zusammenspiel aller Glieder.  Der Leib Christi zeichnet sich zum einen durch Einheit, zum anderen durch eine große Vielfältigkeit der Begabungen der einzelnen Glieder aus. Indem Paulus betont, dass die Gläubigen gemeinsam den Leib Christi bilden, will er sie auch an ihre hohe Berufung erinnern: Es geht hier nicht um eine Gruppe von Menschen, die sich zusammengeschlossen haben, weil sie gemeinsam ein bestimmtes Ziel besser verfolgen und erreichen können. Die Gläubigen bilden auf dieser Erde den Leib, durch den sich Christus den Menschen gegenüber ausdrücken möchte. Wenn die Glieder Seines Leibes sich allein auf ihre Begabungen fixieren und daran erfreuen, kann der Leib die Funktion, die Gott ihm in dieser Welt zugedacht hat, nicht erfüllen. Wo Christen also ihre geistlichen Begabungen gebrauchen, um sich selbst in einem besonderen Licht darzustellen, missbrauchen sie, was Gott ihnen anvertraut hat.

* “Denn auch in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden. Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele.“ 1. Korinther 12, 13 – 14 – Um den Korinther die Unverbrüchlichkeit der Einheit der Gläubigen ins Gedächtnis zu rufen, erinnert Paulus sie daran, dass alle Gläubigen seit Pfingsten durch den Heiligen Geist zu einem Leib getauft worden sind. Nachdem der Herr Jesus Christus in den Himmel aufgefahren ist und verherrlicht wurde, hat Er, wie verheißen (Johannes 15, 26) den Heiligen Geist gesandt.
Der Heilige Geist wird im Neuen Testament an vielen Stellen durch Wasser symbolisiert. So sprach auch der Herr Jesus Christus von dem Geist Gottes, als Er noch bei Seinen Jüngern war (vgl. Johannes 7, 38 – 39). Und aus diesem Grund spricht das Neue Testament auch davon, dass der Geist Gottes an Pfingsten “ausgegossen“ wurde, obwohl der Heilige Geist eine Person und keine Kraft ist. An Tag der Pfingsten taufte der Herr Jesus Christus die zum Glauben an Ihn gekommenen Menschen in bzw. mit diesem Geist, so, wie es prophetisch angekündigt worden war (vgl. Matthäus 3, 11; Johannes 1, 32 – 33) und wie Er es selbst versprochen hatte (Apostelgeschichte 1, 5).
Diese Taufe verbindet jeden einzelnen Gläubigen mit allen anderen Gläubigen. Das führt auch dazu, dass innerhalb des Leibes Christi alle sozialen und ethnischen Grenzen überwunden werden: “(…) es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, (…)“ (vgl. auch Apostelgeschichte 2, 14 – 36; Galater 3, 27 – 28; Kolosser 3, 11). Wo Christen also auf soziale oder ethnische Unterschiede pochen, da leugnen sie die Einheit des Leibes Christi und offenbaren sich als Irrlehrer. (Ein besonders bösartiges Beispiel einer solchen Irrlehre findet sich, wenn wir in unserer Geschichte 70 Jahre zurück gehen in der Organisation der so genannten “Deutschen Christen“ und ihren bösen, antichristlichen Lehren.)
Für Römer muss diese Aussage eine schockierende Nachricht gewesen sein, denn die Römer kannten eine ganz klare hierarchische Ordnung des Lebens. An oberster Stelle stand der Hausvater und an letzter Stelle standen die Sklaven. Doch solche Hierarchien, geprägt vom “Geist der Welt“ (Epheser 2, 2; Epheser 6, 12 f.) haben im Leib Christi keine Relevanz. Schon früh hatte der Herr Jesus Christus deutlich gemacht, was Er, der Sohn Gottes, von einem solchen Denken hielt:

“Und er kam nach Kapernaum. Und als er in dem Haus war, fragte er sie: Was habt ihr auf dem Weg besprochen? Sie aber schwiegen; denn sie hatten auf dem Weg miteinander beredet, wer der Größte sei. Und nachdem er sich gesetzt hatte, rief er die Zwölf; und er spricht zu ihnen: Wenn jemand der Erste sein will, so soll er der Letzte von allen und der Diener aller sein.

(Markus 9, 33 – 35 ELBEDHÜ)

Während unseres irdischen Lebens mögen einige von uns vielleicht beruflich an herausgehobener Stelle tätig sein, anderen hingegen nur Arbeiten verrichten, die in dieser Welt wenig angesehen sind. Doch unsere geistliche Stellung und Gemeinschaft wird von solchen Dingen nicht tangiert. Denn mit dem Tag der Pfingsten, der Geburt der Versammlung (= Gemeinde/Kirche) implementiert der Herr Jesus Christus Seine Sicht von wahrer Größe in Seinem Leib: Jedes einzelne Glied ist begabt und wichtig – völlig unabhängig von seinem Alter oder Geschlecht, seiner gesellschaftlichen Stellung oder ethnischen Herkunft. Jedes einzelne Glied ist wertvoll, weil es durch das Blut des Sohnes Gottes erkauft wurde (1. Petrus 1, 18 – 19). Die Gleichheit der Glieder des Leibes und ihre gleichzeitig vielseitige Begabung, hat Paulus bereits einige Kapitel zuvor in diesem Brief betont, als er den Korinthern vor Augen führte, dass jeder einzelne Gläubige ein Tempel des Heiligen Geistes (1. Korinther 6, 19) ist und die Gläubigen gemeinsam den Tempel Gottes (1. Korinther 3, 16) bilden.
So wird einem jeden Gläubigen durch die Tatsache der Erlösung und die Tatsache, dass alle durch einen Geist zu einem Leib getauft wurde, einerseits ein unschätzbar großer Wert zugesprochen. Andererseits bewahrt uns die Belehrung über den Leib Christi vor Hochmut, weil wir diesen unschätzbar hohen Wert mit einer unübersehbar großen Zahl von Mitgläubigen teilen. 

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