Erlebte Gnade befähigt zur Freigibigkeit – Anmerkungen zu 1. Mose 13, 1 – 18

Panorama of the Dead sea from Mount Sdom

Panorama des Toten Meeres vom Berg Sodom aus gesehen * Foto: By Someone35 (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Der Wortverkündigung am Mittwoch dieser Woche soll ein Vers aus dem 13. Kapitel des 1. Buches Mose (Genesis) zu Grunde liegen:

“Und Abram zog herauf aus Ägypten, er und seine Frau und alles, was er hatte, und Lot mit ihm, in den Süden. Und Abram war sehr reich an Vieh, an Silber und an Gold.
Und er ging auf seinen Zügen vom Süden bis Bethel, bis zu dem Ort, wo im Anfang sein Zelt gewesen war, zwischen Bethel und Ai, zu der Stätte des Altars, den er dort zuvor gemacht hatte. Und Abram rief dort den Namen des HERRN an. Und auch Lot, der mit Abram zog, hatte Kleinvieh und Rinder und Zelte. Und das Land ertrug es nicht, dass sie beieinander wohnten; denn ihre Habe war groß, und sie konnten nicht beieinander wohnen. Und es gab Zank zwischen den Hirten von Abrams Vieh und den Hirten von Lots Vieh. Und die Kanaaniter und die Perisiter wohnten damals im Land. Da sprach Abram zu Lot: Lass doch kein Gezänk sein zwischen mir und dir und zwischen meinen Hirten und deinen Hirten; denn wir sind Brüder! Ist nicht das ganze Land vor dir? Trenne dich doch von mir! Willst du zur Linken, so will ich mich zur Rechten wenden, und willst du zur Rechten, so will ich mich zur Linken wenden. Und Lot erhob seine Augen und sah die ganze Ebene des Jordan, dass sie ganz bewässert war (bevor der HERR Sodom und Gomorra zerstört hatte), gleich dem Garten des HERRN, wie das Land Ägypten, bis nach Zoar hin. Und Lot erwählte sich die ganze Ebene des Jordan, und Lot zog ostwärts; und sie trennten sich voneinander. Abram wohnte im Land Kanaan, und Lot wohnte in den Städten der Ebene und schlug Zelte auf bis nach Sodom. Und die Leute von Sodom waren sehr böse und große Sünder vor dem HERRN. Und der HERR sprach zu Abram, nachdem Lot sich von ihm getrennt hatte: Erhebe doch deine Augen und schau von dem Ort, wo du bist, nach Norden und nach Süden und nach Osten und nach Westen! Denn das ganze Land, das du siehst, dir will ich es geben und deiner Nachkommenschaft bis in Ewigkeit. Und ich will deine Nachkommenschaft machen wie den Staub der Erde, so dass, wenn jemand den Staub der Erde zu zählen vermag, auch deine Nachkommenschaft gezählt werden wird. Mach dich auf und durchzieh das Land nach seiner Länge und nach seiner Breite; denn dir will ich es geben. Und Abram schlug Zelte auf und kam und wohnte unter den Terebinthen Mamres, die bei Hebron sind; und er baute dort dem HERRN einen Altar.“

(1. Mose 13, 1 – 18 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

Zum Hintergrund von 1. Mose 13, 1 – 18

Die meisten Leser werden die ersten fünf Bücher des Alten Testaments unter den Namen 1., 2., 3., 4. und 5. Buch Mose kennen. In der jüdischen Tradition werden die biblischen Bücher jedoch nach ihren Anfangsworten bezeichnet. Im 1. Buch Mose sind dies die Worte: ”Im Anfang  ….” “רֵאשִׁיתּ“ (“bereshith“) In der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta, erhielt dieses Buch den griechischen Namen “γενέσεως“ (“geneseōs“), was “Generationen“ bedeutet. Das griechische Wort “γενέσεως“ (“geneseōs“) ist die Übersetzung des hebräischen Wortes “תולדות“ (“toledot“), “Geschlechter“, in dem viele Kommentatoren das Schlüsselwort dieses Buches sehen. Denn dieses Wort zieht sich durch das gesamte Buch und verleiht ihm seine Struktur (vgl. 1. Mose 2, 4; 1. Mose  5, 1; 1. Mose 6, 9; 1. Mose 10, 1; 1. Mose 11, 10 +  27; 1. Mose 25, 12 + 19; 1. Mose 36, 1 + 9; 1. Mose 37, 2). Die latinisierte Version des  Wortes – ”Genesis” – fand später dann Eingang in deutsche bzw. englische Bibelübersetzungen.
In den Kapiteln 1 und 2 wird uns die Erschaffung des Universums und des Menschen geschildert.  In Kapitel 3 findet sich der Bericht über den Sündenfall und anschließend wird uns in den Kapiteln 4 – 5 geschildert, was aus Adam und seinen nachkommen wurden. Kapitel 6 berichtet dann von der Ankündigung der Sintflut, der Berufung Noah und dem Bau der Arche. In Kapitel 7 – 8 wird der Verlauf der Sintflut und Noahs Ankunft auf der gereinigten Erde beschrieben. Der Bund Gottes mit Noah und seinen  Nachkommen ist Thema des 9. Kapitels. In Kapitel 10 finden wir die so genannte “Völkertafel“, d.h. einen kurzen Überblick über die Entstehung bzw. die Stammbäume der einzelnen Nationen. Kapitel 11 berichtet uns vom Turmbau zu Babel und seiner Zerstörung durch Gott. Außerdem wird uns in 1. Mose 11 ab Vers 10 berichtet, was aus Sem und seinen Nachkommen wurde. Mit 1. Mose 12 beginnt die Heilige Schrift uns von Abram/Abraham, dem Stammvater des Volkes Israel, zu berichten. Dieser Bericht ist im Kern die Aussage darüber, was aus Tarah und seinen Nachkommen wurde (vgl. 1. Mose 11, 27). Er entfaltet sich von Kapitel 12 bis Kapitel 25, 11. Dort schließen sich dann der Bericht über Ismael und dessen Nachkommen (1. Mose 25, 12 – 18), sowie über Isaak und seine Nachkommen (1. Mose 25, 19 – 1. Mose 35, 29) an. Von 1. Mose 36, 1 – 1. Mose 37, 1 erfahren wir, was aus Esau und dessen Nachkommen wurde. Ab 1. Mose 37, 2 – 1. Mose 50, 26 wird uns die Geschichte Jakobs und seiner Nachkommen geschildert.
Das erste Buch der Bibel berichtet uns also – nach einer relativ kurzen Schilderung der Entstehung des Universums und des Menschen – von der Entstehung des Volkes Israel durch eine lange Reihe von Generationen hindurch. Dabei wird uns das Leben der wichtigsten Patriarchen in dieser Generationenfolge ausführlich geschildert. Ihre Beziehung zu Gott, ihre positiven und negativen Entscheidungen, die daraus erwachsenen Handlungen und ihre Folgen werden eindrücklich beleuchtet. In diesen Zusammenhang müssen wir auch 1. Mose 13, 1 – 18 einordnen.

Anmerkungen zu 1. Mose 13, 1 – 18

Zuid Kanaän

Kanaan zur Zeit der Patriarchen * By Ben Pirard (eigen bewerking) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or CC BY-SA 2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5-2.0-1.0)%5D, via Wikimedia Commons

* “Und Abram zog herauf aus Ägypten, er und seine Frau und alles, was er hatte, und Lot mit ihm, in den Süden. Und Abram war sehr reich an Vieh, an Silber und an Gold. Und er ging auf seinen Zügen vom Süden bis Bethel, bis zu dem Ort, wo im Anfang sein Zelt gewesen war, zwischen Bethel und Ai, zu der Stätte des Altars, den er dort zuvor gemacht hatte. Und Abram rief dort den Namen des HERRN an.“ – 1. Mose 13, 1 – 4 – Abram kehrte aus Ägypten zurück, durchzog die Negev und schlug dann seine Zelte zwischen Bethel und Ai auf, dort “wo im Anfang sein Zelt gewesen war“. Dort sucht er auch jenen Altar auf, den er zuvor dem Herrn, seinem Gott, gebaut hatte, um erneut anzubeten. Mit dieser Handlung knüpft Abram dort an, wo er von Gottes Wegen abgewichen und nach Ägypten gezogen ist (vgl. 1. Mose 12, 7 – 8). In Ägypten, wohin er – ohne Auftrag Gottes – vor der Hungersnot geflohen war und wo er aus Angst vor den Männern des Pharaos seine Frau verleugnete, lesen wir nichts von einem Altar. In seinem ungeistlichen Zustand und in diesem Land voller Götzen, war es unmöglich, den einzig wahren und lebendigen Gott anzubeten. Diese Möglichkeit eröffnet sich für Abram erst wieder, als er umkehrt, Ägypten verlässt und schließlich an den Punkt zurückkehrt, wo Gott ihm begegnet ist. Der Bericht erwähnt Abrams Umkehr und Buße mit keinem Wort, doch sein ganzes Verhalten lässt dieses innere Geschehen deutlich werden.
Von Lot lesen wir in diesem Zusammenhang nur, dass er “mit Abram zog“. John John H. Sailhammer weist in seinem Buch “The Pentateuch as Literatur – A Biblical-Theological Commentary“ darauf hin, dass sich hier eine Parallele zu dem “Mischvolk“ in 2. Mose 12, 38 findet, das ebenfalls “mitzog“, als die Israeliten Ägypten verließen¹. Lot, wie auch dieses Mischvolk, folgten keiner eigenen Berufung, sondern schlossen sich einfach anderen an, die durch ihre Beziehung zu Gott geleitet wurden. In dieser Weise waren beide – Lot wie auch das Mischvolk – “Mitläufer“. Wie an der Geschichte Lots deutlich wird, überwand dieser bis zum Ende seines Lebens diese innere Haltung nicht.

* “Und auch Lot, der mit Abram zog, hatte Kleinvieh und Rinder und Zelte. Und das Land ertrug es nicht, dass sie beieinander wohnten; denn ihre Habe war groß, und sie konnten nicht beieinander wohnen. Und es gab Zank zwischen den Hirten von Abrams Vieh und den Hirten von Lots Vieh. Und die Kanaaniter und die Perisiter wohnten damals im Land.“ – 1. Mose 13, 5 – 7 – Nachdem Abram – und in dessen Gefolge auch Lot – in dem Gebiet zwischen Bethel und Ai siedelt, wird deutlich, dass ihre Herden zu groß sind, als dass sie in diesem Gebiet auf Dauer gut überleben können. Aufgrund dieser Situation kommt es zwischen den Hirten der beiden Männer zu Spannungen. Auch angesichts der sicherlich nicht nur freundlich gesonnenen Stämme Kanaaniter und Perisiter, die ebenfalls das Land  bewohnten, war es notwendig, einen noch größeren Konflikt zu vermeiden.

* “Da sprach Abram zu Lot: Lass doch kein Gezänk sein zwischen mir und dir und zwischen meinen Hirten und deinen Hirten; denn wir sind Brüder! Ist nicht das ganze Land vor dir? Trenne dich doch von mir! Willst du zur Linken, so will ich mich zur Rechten wenden, und willst du zur Rechten, so will ich mich zur Linken wenden. Und Lot erhob seine Augen und sah die ganze Ebene des Jordan, dass sie ganz bewässert war (bevor der HERR Sodom und Gomorra zerstört hatte), gleich dem Garten des HERRN, wie das Land Ägypten, bis nach Zoar hin.“ – 1. Mose 13, 8 – 10 – Abram ist die schwierige Situation bewusst, in der er und Lot sich befinden. Er ergreift die Initiative und sucht das Gespräch mit seinem Neffen. Er schlägt vor, dass sie sich und damit auch ihre großen Herden trennen. Dabei will er es Lot überlassen, welchen Teil des Landes dieser für sich wählt. Was für ein nobler Charakter dieser Abram doch ist, nicht wahr? Nein, ganz und gar nicht! Was hier passiert ist ohne das Geschehen in den Versen 1 – 4 nicht denkbar: Der Abram, der kurze Zeit zuvor noch nicht darauf vertraute, dass Gott ihn und seine Familie trotz einer Hungersnot im Land Kanaan, dem Land der Verheißung (!), überleben lassen konnte und darum ohne Auftrag Gottes nach Ägypten zog, ist nun – nach Buße, Umkehr und einer neuen Begegnung mit seinem Gott – durch die Gnade Gottes in der Lage, dem jüngeren Lot den Vortritt zu lassen. Er muss nicht mehr für sich selbst sorgen, indem er alles dafür tut, nur nicht ein minderes Teil zu bekommen oder gar “leer auszugehen“. Durch die Gnade Gottes wiederhergestellt und neu ausgerüstet, kann Abram im Vertrauen auf Gottes Versorgung freigibig sein und Lot die Wahl überlassen. Egal was Lot wählt, Gott wird ihn, seine Familie und seine Herden versorgen. Dessen ist sich Abram jetzt sicher.
Zu einer solchen Tat ist Lot nicht fähig. Wie sollte er auch? Er ist ja immer nur mitgelaufen, hat nie die Führung Gottes für sich selbst gesucht. Immer schwamm er auf der geistlichen Welle Abrams mit. Wir lesen nirgendwo davon, dass er gemeinsam mit Abram einen Altar aufsuchte und dort mit seinem Onkel opferte und anbetete.  Ihm genügte es, Teil einer “frommen Familie“ zu sein.  Aber nun wird Lot vor eine Entscheidung gestellt und an der Entscheidung, die er trifft, zeigt sich, was sein Leben wirklich beherrschte. Erinnern wir uns:

“Denn aus der Fülle des Herzens redet der Mund.“

(Matthäus 12, 34b)

Genauso ist es auch mit Lot. Er erwählt sich, wie wir in Vers 11 lesen, die ganze Ebene des Jordans, jenen Landstrich, in dem auch die Städte Sodom und Gomorra liegen, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht zerstört sind.
Vers 10 offenbart uns, warum Lot so handelt. Es heißt dort: “Und Lot erhob seine Augen und sah die ganze Ebene des Jordan, dass sie ganz bewässert war (bevor der HERR Sodom und Gomorra zerstört hatte), gleich dem Garten des HERRN, wie das Land Ägypten, bis nach Zoar hin.“ Er war ein Mann des Sehens und was er sah, erschien in seinen Augen sehr gut zu sein. Er sah einen reich bewässerten, fruchtbaren Landstrich, eine Flussosase, die große Erträge versprach und außerdem Weidegrund für seine Herden bot. Und Lot greift zu! Was gibt es da auch lange zu überlegen? Zugreifen heißt die Devise! Zugreifen, bevor der alte Onkel Abram sich das vielleicht doch noch einmal anders überlegt! Zugreifen, ehe diese einmalige Gelegenheit vorbei ist! So ist Lot ein Prototyp jenes Menschen, der uns in Sprüche 14, 12  bzw. Sprüche 16, 25 geschildert wird:

“Da ist ein Weg, der einem Menschen gerade erscheint, aber sein Ende sind Wege des Todes.“

Auf Gottes Führung warten? Ihn im Gebet suchen und um Wegweisung bitten? Fehlanzeige. Warum sollte Lot das auch tun? Er war doch bis jetzt auf der “frommen Familienwelle“ immer gut mitgeschwommen. Das würde doch auch in Zukunft reichen, oder etwa nicht?
Was Lot nicht bemerkte, war, dass Gott hinter all‘ dem stand, was er gerade erlebte. Gott prüfte ihn. Er wollte sehen, was in Lots Herzen war. Lot war kein Mann des Gebets. Wir lesen nirgendwo, dass er einen Altar baute. Der einzig wahre, lebendige, aber unsichtbare Gott hatte in seinem Leben keine Priorität. Er “verließ sich auf das, was er sah“. Erst Jahrhunderte später wird Gott zu dem Propheten Samuel sagen: “(…) der HERR sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht; denn der Mensch sieht auf das Äußere, aber der HERR sieht auf das Herz.“ (1. Samuel 16, 7) Aber schon hier spiegelt der Mensch Lot den Grundsatz dieser Aussage wider. 

* “Und Lot erwählte sich die ganze Ebene des Jordan, und Lot zog ostwärts; und sie trennten sich voneinander. Abram wohnte im Land Kanaan, und Lot wohnte in den Städten der Ebene und schlug Zelte auf bis nach Sodom. Und die Leute von Sodom waren sehr böse und große Sünder vor dem HERRN.“ – 1. Mose 13, 11 – 13 – So erwählt sich Lot die ganze Ebene des Jordans. Dazu muss er ostwärts ziehen. Christen, die ihre Bibel kennen, werden an dieser Stelle aufhorchen: Kain wandte sich nach Osten, nachdem er seinen Bruder Abel erschlagen hatte (1. Mose 4, 16), ein Zug von Nachkommen Noahs nach Osten in die Landschaft Babels ist die Einleitung zum späteren Turmbau von Babylon und des darauf folgenden Gerichtes (1. Mose 11, 2).
Dieser Landstrich hatte es Lot angetan, denn sie war “ganz bewässert (…) (bevor der HERR Sodom und Gomorra zerstört hatte), gleich dem Garten des HERRN, wie das Land Ägypten, bis nach Zoar hin.“ Dass dieser Landstrich von den Städten Sodom und Gomorra dominiert wurde, die einen sehr schlechten Ruf hatten, störte Lot nicht. Der Reichtum, das Wohlleben und der Luxus, die sich im Umfeld von Unglaube und Unmoral finden, sind schon für so manchen ein Stein des Anstoßes geworden, durch den er zu Fall kam. Ein sehr gutes Beispiel finden wir in einem Psalm von Asaph:

“Ich aber wenig fehlte, so wären meine Füße abgewichen, um nichts wären meine Schritte ausgeglitten. Denn ich beneidete die Übermütigen, als ich das Wohlergehen der Gottlosen sah. (…) Siehe, diese sind Gottlose, und immerdar sorglos, erwerben sie sich Vermögen. Da dachte ich nach, um dies zu begreifen: Eine mühevolle Arbeit war es in meinen Augen, bis ich hineinging in die Heiligtümer Gottes und jener Ende gewahrte.“

(Psalm 73, 2 – 3 + 12 + 16 – 17 ELEDHÜ)

Nur das beständige Leben in der Beziehung zu Gott und die Besinnung auf Sein Wesen und Handeln, kann  davor bewahren, dass der “Betrug des Reichtums“ (Matthäus 13, 22) das geistliche Leben in uns erstickt.
So ging Lot also – im übertragenen Sinn – “sehenden Augens ins Verderben“. Hatte er nichts daraus gelernt, dass Gott seinen Onkel Abram aus Ur in Chaldäa – einer Stadt die von Luxus, Götzendienst und Unmoral geprägt war – heraus gerufen hatte? Offensichtlich nicht. Wie hätte er sonst in eine Landschaft ziehen können, die genau dieselben Kennzeichen aufwies?

* “Und der HERR sprach zu Abram, nachdem Lot sich von ihm getrennt hatte: Erhebe doch deine Augen und schau von dem Ort, wo du bist, nach Norden und nach Süden und nach Osten und nach Westen! Denn das ganze Land, das du siehst, dir will ich es geben und deiner Nachkommenschaft bis in Ewigkeit. Und ich will deine Nachkommenschaft machen wie den Staub der Erde, so dass, wenn jemand den Staub der Erde zu zählen vermag, auch deine Nachkommenschaft gezählt werden wird. Mach dich auf und durchzieh das Land nach seiner Länge und nach seiner Breite; denn dir will ich es geben.“ – 1. Mose 13, 14 – 17 – Während Lot gen Sodom und Gomorra zieht und sogar nahe Sodoms seine Zelte aufschlägt, bleibt Abram zurück, aber nicht allein. Gott begegnet ihm und fordert ihn auf, seine Augen aufzuheben. Er soll also dasselbe tun wie Lot, allerdings nach Aufforderung durch Gott und nicht aus eigenem Antrieb. Mit dieser Aufforderung verbindet Gott dann eine dreifache Verheißung:
Abram sollte einen Nachkommen erhalten und zwar eigene. Wenn Abram bisher davon ausgegangen war, dass Lot, der Sohn seines Bruders, ihn einmal beerben und so die Familientradition fortführen würde, so musste er diese Hoffnung spätestens seit Lots Wegzug “zu den Akten legen“. Doch genau an diesem Punkt erneuert Gott Seine Verheißung an Abram. Er soll Nachkommen haben und zwar eigene (Vers 15 – 16).
Dann verhieß Gott Abram, dass diesen Nachkommen das Land gehören sollte, das er sah und zwar “in Ewigkeit“ (Vers 15).
Gottes Verheißung umfasste drittens das Versprechen, dass die Nachkommenschaft Abrams unzählbar sein sollte (Vers 16)
.

* “Und Abram schlug Zelte auf und kam und wohnte unter den Terebinthen Mamres, die bei Hebron sind; und er baute dort dem HERRN einen Altar.“ – 1. Mose 13, 18  – Nachdem Gott seine Verheißung gegenüber Abram erneuert hat, zieht dieser Richtung Hebron,  lässt sich dort nieder und baut dort, dem Herrn, seinem Gott, einen Altar. D.h., Abram bleibt beständig in seiner Lebenbeziehung zu Gott. Abram war kein fehlerloser Mensch, das machen die Stationen seines sehr deutlich. Doch Abram ist ein Mensch, der aus seinen Fehlern lernt und immer wieder zu seinem Gott zurückkehrt. Nach dem Debakel in Ägypten hat Abram gelernt, dass seine Sicherheit und insbesondere auch sein Lebensunterhalt allein von Gott kommen und daher auch allein von Gott garantiert werden können. Die Erfahrung der Gnade Gottes (Verse 1 – 4)  befähig Abram, freigibig zu sein. Sein (gewachsenes) Vertrauen in Gott führt dazu, dass er weiß, dass seine Zukunft nicht von der Wahl Lots abhängt. Egal wie Lot wählt, Gott wird ihn versorgen und Seine Verheißungen erfüllen. Das ist Abrams fester Glaube und dieser Glaube, der in seiner Freigibigkeit gegenüber Lot zum Ausdruck kam, wird von Gott belohnt, indem Er  Seine Verheißung erneuert. Gottes Segen und Verheißung  führen bei Abram zu einer wunderbaren Reaktion: Dank und Anbetung. Beides wird ausgedrückt in dem Bau des neuen Altars bei Hebron.
Zusammenfassend können wir sagen, dass ein Mensch, der die Gnade Gottes erfahren hat und im Glaube zu Gott wächst, nicht ängstlich an seinem (?!) Besitz (Lukas 12, 15) festhalten muss, sondern großzügig abgeben kann, wissend, dass Gott für ihn sorgt und ihn auch in Zukunft segnen wird.

“Gebt, und euch wird gegeben werden: Ein gutes, gedrücktes, gerütteltes und überlaufendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn mit demselben Maß, mit dem ihr messt, wird euch wieder zugemessen werden.“

(Lukas 6, 38 ELBEDHÜ)

Fußnoten:

¹= John H. Sailhammer: “The Pentateuch as Literatur – A Biblical-Theological Commentary“, Zondervan Publishing House, Grand Rapids, Michigan, 1992, S. 38

 

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