Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit – Anmerkungen zu Kolosser 1, 24 – 29

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„Er ist nicht hier, denn Er ist auferstanden!“ (Matthäus 28, 6)                Beschriftung am Gartengrab in Jerusalem * Foto: von Grant Barclay (IMG_9391) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit

Als Bibelwort für den kommenden Sonntag ist Kolosser 1, 27 vorgesehen (zum Hintergrund des Kolosserbriefes siehe: Klick). Wir betrachten diesen Vers im Zusammenhang der Verse 24 – 29:

“Jetzt freue ich mich in den Leiden für euch und ergänze in meinem Fleisch das, was noch fehlt an den Drangsalen des Christus für seinen Leib, das ist die Versammlung, deren Diener ich geworden bin nach der Verwaltung Gottes, die mir in Bezug auf euch gegeben ist, um das Wort Gottes zu vollenden: das Geheimnis, das von den Zeitaltern und von den Geschlechtern her verborgen war, jetzt aber seinen Heiligen offenbart worden ist, denen Gott kundtun wollte, welches der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses ist unter den Nationen, das ist: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit; den wir verkündigen, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen lehren in aller Weisheit, damit wir jeden Menschen vollkommen in Christus darstellen; wozu ich mich auch bemühe, indem ich kämpfend ringe gemäß seiner Wirksamkeit, die in mir wirkt in Kraft.“

Kolosser 1, 24 – 29 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84

Anmerkungen zu  Kolosser 1, 24 – 29

* “Jetzt freue ich mich in den Leiden für euch und ergänze in meinem Fleisch das, was noch fehlt an den Drangsalen des Christus für seinen Leib, das ist die Versammlung, (…)“ – Kolosser 1, 24  – Wenn Paulus in diesem Vers davon spricht, dass er Leiden erfährt, die an den “Drangsalen Christi für seinen Leib“ noch fehlen, dann dürfen wir hier nicht den Fehler machen und meinen, dass das Leiden und Sterben Christi am Kreuz von Golgatha für die Erlösung nicht ausreichend gewesen sei. Diesen blasphemischen Gedanken, der leider in gewissen Bereichen des Christentums Eingang gefunden hat, müssen wir weit von uns weisen. Der Herr Jesus Christus hat am Kreuz ein vollkommenes Werk vollbacht. Wie hätte Er sonst selbst sagen können: “Es ist vollbracht¹!“ (Johannes 19, 30)?
Nein, wenn Paulus hier von den “Drangsalen Christi“ spricht, dann gebraucht er das griechische Wort “ θλίψις“ (“thlipsis“), ein Wort das im Neuen Testament nie für das erlösende Leiden und Sterben des Herrn gebraucht wird.
“θλίψις“ (“thlipsis“) bezeichnet Drangsale, Leiden, oder auch Sorgen, die Menschen erleiden. In 2. Korinther 11, 23 – 28 erwähnt Paulus einige dieser Leiden, durch die er selbst gehen musste.
Die Drangsale Christi, die Paulus hier anspricht, sind also jene Drangsale, die Christus, der in den Gläubigen lebt (Kolosser 1, 27), gemeinsam mit den Gläubigen durchleidet. Erinnern wir uns an die Frage, die der Herr Paulus stellte, als dieser auf dem Weg nach Damaskus war, um dort Christen zu verfolgen:

“Und als er zur Erde fiel, hörte er eine Stimme, die zu ihm sprach: Saul, Saul, was verfolgst du mich?“

(Apostelgeschichte 9, 4)

So sehr identifiziert sich der Herr Jesus Christus mit denen, die Ihm nachfolgen. Wer sie verfolgt, verfolgt Ihn. Wenn Gläubige leiden, leidet auch Christus, weil Er in den Gläubigen lebt. Nicht nur, aber besonders in den Leiden um unseres Glaubens willen, dürfen wir uns der tiefen Verbindung mit unserem Herrn Jesus Christus gewiss sein.
Als Paulus an die Gläubigen in Kolossä schrieb, litt er auf zweifache Weise: Zum einen war er in Rom wegen seines Glaubens an Jesus Christus inhaftiert, zum anderen litt er darunter, ass er den Gläubigen in ihrer schwierigen Situation nicht persönlich “vor Ort“ beistehen konnte. Trotzdem war er sich sicher, dass auch dieses Leiden zum Guten, auch zum Guten der Kolosser, dienen musste.
Beachten wir außerdem: Paulus setzt hier, wo er von den Leiden spricht, noch hinzu “für seinen Leib, das ist die Versammlung, (…)“. Dieser Hinweis macht zum einen deutlich, dass er alle Leiden, Bedrängnisse, Verfolgungen, die er erdulden musste, als Leiden für die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) betrachtete. Es war ein Leiden für die Gläubige. Aber diese Leiden betrachtete Paulus nicht als beschwerlich, nein, Er freute sich sogar in ihnen. Wie leicht hätte er den Dienst für die vielen Versammlungen in Kleinasien und darüber hinaus aufgeben können. Er hätte ein ruhiges und zurückgezogenes Leben als Segeltuchmacher haben können, ohne wegen seines Glaubens irgendwie weiter auffallen zu müssen. Doch ein solches Leben war keine Alternative für ihn. Aus Liebe zu den von Christus Erlösten nahm er diese Leiden gern auf sich.
Dieser Hinweis belegt außerdem noch einmal deutlich, dass es sich bei diesen Leiden nicht um Leiden für die Erlösung von irgendjemanden handelte.

* “(…) deren Diener ich geworden bin nach der Verwaltung Gottes, die mir in Bezug auf euch gegeben ist, um das Wort Gottes zu vollenden:“ – Kolosser 1, 25 –  Als treuer Haushalter Gottes hatte Paulus die ihm anvertraute Botschaft den Gläubigen übermittelt und ihnen “das Geheimnis Gottes“ geoffenbart. In seinen Briefen spricht Paulus von acht verschiedenen Geheimnissen Gottes (siehe: “Die acht Geheimnisse Gottes – Eine kurze Übersicht“: Klick).
Das griechische Wort “μυστήριον“ (“musterion“) bezeichnet ein Geheimnis, dessen Kenntnis man nur erlangt, wenn man dazu auf besondere Weise “eingeweiht“ wird. Dieses Verständnis hatten insbesondere die griechischen Mysterienkulte, die im Geheimen ihre Riten vollzogen und zu denen nur bestimmte “Auserwählte“ Zugang hatten. Im Gegensatz dazu sind die Geheimnisse Gottes durch die Verkündigung des Evangeliums vollständig geoffenbart worden. Hier geschieht nichts im Dunkeln, hier haben nicht nur begrenzte Eliten Zugang. Gottes Geheimnisse können von einem jeden empfangen und verstanden werden, der durch Jesus Christus zu Gott kommt. Eines dieser geoffenbarten Geheimnisse Gottes erläutert Paulus nun in Kolosser 1, 26 – 27 (GNÜ):

“In früheren Zeiten und für frühere Generationen war diese Botschaft ein Geheimnis, das Gott verborgen hielt; doch jetzt hat er es denen enthüllt, die zu seinem heiligen Volk gehören. Ihnen wollte er zu erkennen geben, welch wunderbaren Reichtum für die nichtjüdischen Völker dieses Geheimnis umschließt. Und wie lautet dieses Geheimnis? »Christus in euch – die Hoffnung auf Gottes Herrlichkeit!«

* “(…) das Geheimnis, das von den Zeitaltern und von den Geschlechtern her verborgen war, jetzt aber seinen Heiligen offenbart worden ist, denen Gott kundtun wollte, welches der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses ist unter den Nationen, das ist: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit; (…)“ – Kolosser 1, 26 – 27 – Die Geheimnisse Gottes, die Paulus den an Christus Gläubigen offenbarte, waren “von den Zeitaltern und von den Geschlechtern her verborgen“, d.h. sie waren bis zum Zeitpunkt ihrer Offenbarung unbekannt. Wir finden daher keinerlei Erwähnung oder Erläuterung über diese Geheimnisse Gottes im Alten Testament.
Das Geheimnis der Versammlung, d.h., dass das Volk Gottes, der Leib Christi, aus Christusgläubigen besteht, die sowohl aus dem Judentum kommen, als auch aus den Nationen, dieses Geheimnis hatte Gott durch Paulus bereits im Epheserbrief kundgetan (vgl. Epheser 3, 1 – 10).
Hier wird uns jedoch noch mehr offenbart, nämlich, dass der Erlöser, der Sohn Gottes, in einem jeden einzelnen Gläubigen wohnen sollte, so, wie Gott einst in der Mitte des jüdischen Volkes gewohnt hatte. Das war eine völlig neue Offenbarung. Gott handelt nun direkt mit jedem Menschen, egal ob er aus dem Judentum stammt oder aus einer anderen Nation. Kein Mensch muss mehr den “Umweg“ über das Judentum nehmen und die alttestamentarischen Gesetze halten, um in eine Lebensbeziehung mit Gott eintreten zu können. Durch den Heiligen Geist können Menschen nun neues, ewiges Leben empfangen (Johannes 3, 1 – 6; Titus 3, 5).
Doch das nun geoffenbarte Geheimnis  geht noch darüber hinaus: Menschen aus dem Judentum und aus den anderen Nationen, die durch Jesus Christus Erlösung und neues Leben empfangen habe, sollten zudem erleben, dass Jesus Christus Selbst in ihnen Wohnung nimmt und in ihnen lebt (und zwar völlig unabhängig von der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Volk)!
(Möglich wurde dies, nachdem Christus auferstanden und über alle Fürstentümer und Gewalten erhöht worden war. Gott verherrlichte Seinen Sohn und gab Ihm das ganze All zum Erbe [Philipper 2, 6 – 11]. Er, der das Haupt über alles [vgl. Kolosser 1, 16 f.] wurde als solches der Versammlung [= Gemeinde / Kirche] gegeben [Epheser 1, 22].)
Diese untrennbare Einheit mit Christus, die der Gläubige als Folge von Buße und Wiedergeburt (Apostelgeschichte 2, 38) erfährt, ist es, die ihm die unumstößliche Gewissheit auf die ewige Zukunft in Gottes Gegenwart zu geben vermag. Ein Kommentator schrieb:

“Dieses Geheimnis war in der Tat ein neuer Gedanke, eine neue Wahrheit in jeder Hinsicht. Das bis dahin Bekannte war ein Messias, der unter den Juden geoffenbart werden sollte, die Entfaltung der Herrlichkeit in ihrer Mitte, woran die Heiden höchstens als dem Volke Gottes untergeordnete Wesen teilhaben sollten. Nach der Lehre von der Versammlung aber wohnt Christus unsichtbar in der Mitte derer aus den Nationen, und sogar in ihnen; und was die Herrlichkeit betrifft, so ist Er nur die Hoffnung derselben. Ein Christus, der in Herzen von Menschen wohnt, und zwar von solchen Menschen, die früher verworfen waren und außerhalb der Verheißungen standen, und der die Herzen mit Freude und Herrlichkeit erfüllt in dem Bewusstsein der Vereinigung mit Ihm – das war das wunderbare Geheimnis, das Gott zur Segnung der Nationen bereit hatte.“²

Je mehr wir uns mit der herrlichen Person des Herrn Jesus Christus und Seinem Werk für uns beschäftigen, je mehr wir uns Seiner Gegenwart in uns bewusst werden, desto fester wird unsere Gewissheit. Desto größer wird auch unsere Freude an Ihm und auf die Ewigkeit in Seiner Gegenwart. Viele Dinge und Lehren wollen uns diesen Blick auf unseren Herrn verstellen und uns damit auch der Freude berauben, die wir von Ihm empfangen (Philipper 3, 1; Philipper 4, 4). Wo immer wir in unserem Leben solche Tendenzen erkennen, sollten wir ihnen begegnen, indem wir mit noch größerem Fleiss unseren Herrn in Seinem Wort betend betrachten, Ihn in der Gemeinschaft der Gläubigen anbetend verherrlichen und Sein Evangelium dieser Welt verkündigen.

* “(…) den wir verkündigen, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen lehren in aller Weisheit, damit wir jeden Menschen vollkommen in Christus darstellen; (…)“ – Kolosser 1, 28 – Wenn Paulus hier von der Verkündigung des Christus spricht, so ist damit nicht “irgendeine“ Verkündigung gemeint. Er schreibt: “den wir verkündigen“ und damit bezieht sich der Apostel auf “Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“. Christus ist unser Erlöser, Christus ist das Haupt der Versammlung (= Gemeinde / Kirche). Als solchen verkündigen wir Ihn. Aber Christus ist auch und besonders “Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“ und diese wunderbare Wahrheit soll mit Nachdruck verkündigt werden. Es ist gut und wichtig zu wissen, dass der Herr Jesus Christus uns erlöst hat. Es ist gut und wichtig, zu wissen, dass Er das Haupt der Versammlung (= Gemeinde / Kirche) ist. Aber Gläubige sollen zur Reife kommen, zu erwachsenen Christen werden, “zu dem Maß des vollen Wuchses der Fülle des Christus“ (Epheser 4, 13) gelangen und dazu ist es absolut notwendig, dass wir immer tiefer in das geoffenbarte Geheimnis “Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“ eindringen.

 * “(…) wozu ich mich auch bemühe, indem ich kämpfend ringe gemäß seiner Wirksamkeit, die in mir wirkt in Kraft.“ – Kolosser 1, 29 – Es gab für Paulus viele Hindernisse, die es ihm schwer machten, diese wunderbare Wahrheit zu verkündigen. Viele Gläubigen blieben in ihren geistliche “Kinderschuhen“ stecken, hatten keine Motivation, zur Reife in Christus heranzuwachsen. Ihr Problem war ihre geistliche Selbstgenügsamkeit (“Hauptsache erlöst!). Andere wieder wollten gern in ihren überkommenen Traditionen (“Es war schon immer so!“) verharren und verstanden nicht, dass ihnen durch die Offenbarung des göttlichen Geheimnisses ein herrlicher Reichtum angeboten wurde. Wieder andere liefen allen möglichen Lehren nach, die in irgendeiner Weise Hilfe versprachen, doch dabei verkannten sie, dass dies Lehren waren, die mit Christus nichts zu tun hatten, ja Christus sogar negierten oder Ihm bewusst widerstanden. Die Situation heute unterscheidet sich von der Situation, in der Paulus seinen Dienst versah, nicht. Wir haben mit genau denselben Problemen zu kämpfen, wie er. Doch das sollte uns nicht entmutigen, sondern ermutigen. Wenn Paulus diesen Dienst trotz zahlloser Widerstände auf sich nahm und in der Kraft Christi ausführen konnte, dann ist das auch für uns möglich. Denn es ist derselbe Christus, der in Paulus lebte, der auch in uns lebt.

 

Fußnoten:

¹= “τελέω“ (“teleo“) = zu Ende bringen, vollbringen, vollkommen machen, erfüllen, vgl. Thayer, Joseph Henry: ‘Thayer’s Greek-English Lexicon of the New Testament”, New York: Harper & Brothers, 1889,

²= “Betrachtungen über das Wort Gottes” (Synopsis) J.N. Darby, Band 6, Seite 215, Ernst-Paulus-Verlag Neustadt/Wstr.

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