Biblische Begriffe (7): Gemeinschaft

Gutenberg Bible

Gutenberg Bibel der US Library of Congress * Foto: Raul654 [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)%5D, via Wikimedia Commons

Der Begriff der “Gemeinschaft“ im Neuen Testament – Gemeinsame Teilhabe

Der in Apostelgeschichte 2, 42 gebrauchte griechische Begriff, der in unseren deutschen Bibelübersetzungen mit “Gemeinschaft“ übersetzt wird, ist “κοινωνίᾳ“ (“koinonia“). 15mal wird dieses Wort in 13 Versen des Neuen Testaments mit “Gemeinschaft“ übersetzt (Apostelgeschichte 2, 42; 1. Korinther 1, 9; 1. Korinther 10, 16; 2. Korinther 6, 14; 2. Korinther 8, 4; 2. Korinther 13, 13; Galater 2, 9; Philipper 2, 1; Philipper 3, 10; Philemon 1, 6; 1. Johannes 1, 3; 1. Johannes 1, 6; 1. Johannes 1, 7). Einmal wird es mit “Beisteuer“ wiedergegeben (Römer 15, 26), einmal mit “Mitteilen“ (Hebräer 13, 16), einmal mit “Mitteilung“ (2. Korinther 9, 13), einmal mit “Teilnahme“ (Philipper 1, 6) und einmal mit “Verwaltung“ (Epheser 3, 9).

Während in unserer deutschen Sprache “Gemeinschaft“ als “Gruppe von Personen, die sich einander verbunden fühlen“ bzw. als “Organisation, die sich zu bestimmten Zwecken gebildet hat“¹ definiert wird, hat der Begriff “Gemeinschaft“ im Neuen Testament eine andere Bedeutung. Das Wort “κοινωνίᾳ“ (“koinonia“) bedeutet “gemeinsame Teilhabe mit einem anderen an etwas haben“.
Gemeinschaft im biblischen Sinn ist also nicht primär “Zusammensein“ oder “gemeinschaftlichen Unternehmung“. “Gemeinschaft“ im Sinn des Neuen Testaments ist die “gemeinsame Teilhabe an etwas“².
Wenn zwei Personen gemeinsam an etwas teilhaben, dann führt das – nach der Definition des Neuen Testaments – zu Gemeinschaft. So drückt es auch der Apostel Johannes in seinem 1. Brief aus:

“Was von Anfang an war, was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir angeschaut und unsere Hände betastet haben, betreffend das Wort des Lebens (und das Leben ist offenbart worden, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, das bei dem Vater war und uns offenbart worden ist); was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und zwar ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.

(1. Johannes 1, 1 – 3 ELBEDHÜ)

Durch den Tod Jesu Christi am Kreuz wurde Vergebung der Sünden und damit auch die Wiederherstellung der Gemeinschaft mit Gott, die in Eden durch die Sünde zerbrochen worden war, wieder möglich. Diese Tatsache war und ist das Zentrum der Evangeliumsverkündigung. Wo immer Menschen dieses Evangelium annehmen und zum Glauben an den Erlöser Jesus Christus kommen, bekommen sie Anteil an der Erlösung und kommen dadurch auch in Gemeinschaft mit Gott und mit allen anderen Gläubigen. Diese aus der gemeinsamen Teilhabe erwachsende Gemeinschaft wird, ist weder zeitlich noch geografisch begrenzt. So reiste der Kämmerer aus Äthiopien nach seiner Taufe zwar wieder zurück in sein Heimatland und sah den Evangelisten Philippus, der ihm das Evangelium verkündet hatte, nie wieder – trotzdem hatten diese beiden Männer weiterhin Gemeinschaft, denn sie hatten beide Gemeinschaft mit Gott. Aus diesem Grund konnte der gerade getaufte Äthiopier seinen Weg auch “mit Freuden“ ziehen (Apostelgeschichte 8, 36).
Das Neue Testament lehrt an vielen Stellen, dass der Gläubige Gemeinschaft mit den drei Personen der Gottheit hat:

  1. Gemeinschaft mit dem Sohn Gottes (1. Korinther 1, 9; 1. Johannes 1, 6 – 9)
  2. Gemeinschaft des Heiligen Geistes (2. Korinther 13, 14; Philipper 2, 1)
  3. Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn (1. Johannes 1, 3)

Darüberhinaus hat der Gläubige Gemeinschaft mit seinen Mitgläubigen (vgl.  Apostelgeschichte 2, 42; 2. Korinther 8, 23; Galater 2, 9; Philemon 1, 17; 1. Johannes 1, 3 + 7). Diese Gemeinschaft drückt sich u.a. aus

  1. in der Teilhabe am Blut und Leib Christi (1. Korinther 10, 16),
  2. in der Teilhabe am Evangelium (Philipper 1, 5; Philemon 1, 6),
  3. in der Teilhabe am Leiden für den Herrn Jesus Christus (2. Korinther 1, 7; Philipper 3, 10; Philipper 4, 14; 1. Petrus 4, 13)

Aber das Neue Testament warnt uns auch vor der Teilhabe – und damit auch Gemeinschaft – an/mit bestimmten Dingen. Wir sollen keine Gemeinschaft haben:

  1. mit Ungläubigen, der Ungerechtigkeit und der Finsternis (2. Korinther 6, 14; 1. Korinther 5, 9; 1. Korinther 10, 21) und – ganz konkret –
  2. den Werken der Finsternis (Epheser 5, 11)

Ungetrübte Gemeinschaft mit Gott setzt den Wandel “im Licht“ voraus (1. Johannes 1, 5 – 7), darum soll der Gläubige jede Teilhabe an bzw. Gemeinschaft mit der Finsternis meiden.

Fußnoten:

¹= vgl. https://de.wiktionary.org/wiki/Gemeinschaft

²= vgl. C. Briem: “Wörterbuch zum Neuen Testament – Einführung in den Wortschatz des Neuen Testaments“, CSV-Verlag Hückeswagen 1998, Seite 523


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