Vorbereitung auf neue Segnungen – Anmerkungen zu Psalm 66, 1 – 20

Bantry Church of St. Brendan The Navigator Second North Window Psalm 66.2 2009 09 09

Bantry Church of St. Brendan The Navigator Second North Window Psalm 66.2 * Foto: Andreas F. Borchert [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en), CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0-3.0-2.5-2.0-1.0) oder GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)%5D, via Wikimedia Commons


Als Grundlage der Wortverkündigung am Mittwoch dieser Woche wurde ein Vers aus dem 66. Psalm gewählt, den wir – wie immer – in seinem Kontext betrachten wollen:

“Dem Vorsänger. Ein Psalm-Lied. Jauchzt Gott, ganze Erde! Besingt die Herrlichkeit seines Namens, macht herrlich sein Lob! Sprecht zu Gott: Wie furchtbar sind deine Werke! Wegen der Größe deiner Stärke unterwerfen sich dir deine Feinde mit Schmeichelei. Die ganze Erde wird dich anbeten und dir Psalmen singen; sie wird deinen Namen besingen. – Sela. Kommt und seht die Großtaten Gottes; furchtbar ist er in seinem Tun gegen die Menschenkinder. Er verwandelte das Meer in trockenes Land, sie gingen zu Fuß durch den Strom; dort freuten wir uns in ihm. Er herrscht durch seine Macht auf ewig; seine Augen beobachten die Nationen. – Dass sich nicht erheben die Widerspenstigen! – Sela. Preist, ihr Völker, unseren Gott, und lasst hören die Stimme seines Lobes, der unsere Seele am Leben erhalten und nicht zugelassen hat, dass unsere Füße wankten! Denn du hast uns geprüft, o Gott, du hast uns geläutert, wie man Silber läutert. Du hast uns ins Netz gebracht, hast eine drückende Last auf unsere Hüften gelegt. Du hast Menschen auf unserem Haupt reiten lassen; wir sind ins Feuer und ins Wasser gekommen, aber du hast uns herausgeführt zu überströmender Erquickung. Ich will mit Brandopfern in dein Haus hineingehen, will dir meine Gelübde bezahlen, wozu sich meine Lippen weit aufgetan haben und die mein Mund in meiner Bedrängnis ausgesprochen hat. Brandopfer von Mastvieh will ich dir opfern samt Räucherwerk von Widdern; Rinder samt Böcken will ich opfern. – Sela. Kommt, hört zu, alle, die ihr Gott fürchtet, und ich will erzählen, was er an meiner Seele getan hat. Zu ihm rief ich mit meinem Mund, und Erhebung war auf meiner Zunge. Wenn ich es in meinem Herzen auf Frevel abgesehen hätte, so hätte der Herr nicht gehört. Doch Gott hat gehört, er hat gemerkt auf die Stimme meines Gebets. Gepriesen sei Gott, der mein Gebet nicht abgewiesen und seine Güte nicht von mir abgewandt hat!“

(Psalm 66, 1 – 20  ÜELBEDHÜ, z. Vgl. Luther’84)

Zum Hintergrund: Das 2. Buch des Psalters & Psalm 66

Wie ich bereits in den Anmerkungen zu anderen Psalmen geschrieben habe, ist es auch an dieser Stelle nicht möglich, den Hintergrund des großen und umfangreichen biblischen Buches der Psalmen in seinen Einzelheiten vorzustellen. Daher folgen auch hier nur einige grundlegende Informationen zum Buch der Psalmen, insbesondere zum 2. Buch des Psalters, in dem wir den heute zu betrachtenden Psalm finden:
Das Buch der Psalmen (תְּהִלִּים bzw. תהילים, “Tehillim“ = die Preisungen/Lobpreisungen) ist das erste Buch der “Ketuvim“, d.h. der “Schriften“, also des dritten und letzten Abschnitts der jüdischen Heiligen Schrift. Der Begriff “Preisungen“ bzw. “Lobpreisungen“ ist sehr treffend gewählt für dieses biblische Buch, da jeder der 150 Psalmen, mit Ausnahme von Psalm 88, Lobpreisungen Gottes enthält.
Unser deutsches Wort “Psalm“ ist die eingedeutschte Form des griechischen Wortes “ψαλμός“ (“psalmos“) bzw. der ψαλμοί“ (“psalmoi“), womit “Worte bzw. Lieder mit instrumentaler Begleitung“ bezeichnet wurden (vgl. Lukas 20, 42; Apostelgeschichte 1, 20). Das gesamten Buch der Psalmen wurde in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta (LXX), als “ψαλτήριον“ (“psalterion“) bezeichnet. Darauf zurückgehend entwickelte sich unser Begriff “Psalter“, mit dem auch heute noch das ganze Buch bzw. die Gesamtheit der 150 Psalmen bezeichnet wird.

Traditionell wird das Buch der Psalmen in fünf große Abschnitte bzw. Bücher unterteilt:

Buch I (Psalm 1Psalm 41)

Buch II (Psalm 42Psalm 72)

Buch III (Psalm 73Psalm 89)

Buch IV (Psalm 90Psalm 106)

Buch V (Psalm 107 Psalm 150)

Auf wen diese Unterteilung zurückzuführen ist, ist genauso unbekannt, wie die Kriterien, nach denen die einzelnen Psalmen dem jeweiligen Buch zugeordnet wurden. Manche Kommentatoren sehen in dieser Aufteilung eine Parallele zu den fünf Büchern Mose, d.h. der Torah.
Im 2. Buch des Psalters befindet sich jener Psalm, den wir heute betrachten wollen. 18 Psalmen dieses 2. Psalmbuches bezeichnen König David als ihren Autor und zwar die Psalmen 51 bis 65, und die Psalmen 68 bis 70. Manche Kommentatoren gehen davon aus, dass er auch der Mit-Autor jener Psalmen sein könnte, die von “den Söhnen Korahs“ stammen (Psalm 42, sowie die Psalmen 44 bis 49). Die “Söhne Korahs waren besonders ausgewählte und angesehene Sänger und Musiker (4. Mose 26, 10 – 11; 1. Chronik 6, 31 – 48). Korah ist allen Bibellesern sicherlich gut als jener Nachfahre Levis in Erinnerung, der sich gegen Mose erhob (vgl. 4. Mose 16, 1 – 2). Einige Kommentatoren nehmen an, dass David diese Psalmen geschrieben haben könnte, damit sie dann von den Kindern Korahs im Tempelgottesdienst gesungen wurden. Andere vertreten die Meinung, dass diese Psalmen von den Kindern Korahs selbst geschrieben wurden. Dass eine großen Ähnlichkeit der Psalmen Davids mit denen der Kinder Korahs besteht, ist unbestreitbar. Neben den Psalmen Davids und den Psalmen der Kinder Korahs finden sich ein Psalm von Asaph (Psalm 50), ein Psalm von Salomo (Psalm 72), sowie einige Psalmen (Psalm 43, Psalm 66, Psalm 67 und Psalm 71) von unbekannten Autoren in diesem 2. Psalmbuch.

Wir können Psalm 66 in zwei Abschnitte einteilen: In den Versen 1 – 12 werden die Nationen der Erde (einschließlich Israels) zum Lob Gottes aufgefordert,  in den Versen 13 – 20 wird der einzelne Israelit angesprochen.

Anmerkungen zu Psalm 66, 1 ff.

* “Dem Vorsänger. Ein Psalm-Lied. Jauchzt Gott, ganze Erde! Besingt die Herrlichkeit seines Namens, macht herrlich sein Lob! Sprecht zu Gott: Wie furchtbar sind deine Werke! Wegen der Größe deiner Stärke unterwerfen sich dir deine Feinde mit Schmeichelei. Die ganze Erde wird dich anbeten und dir Psalmen singen; sie wird deinen Namen besingen. – Sela.“ – Psalm 66, 1 – 4 – Wie bereits  gesagt, kennen wir den Autor dieses Psalms nicht. Wie der vorhergehende Psalm ist auch Psalm 66 ein Lob- und Dankpsalm, wie der vorausgegangene. Das Kernthema ist die Befreiung des Volkes Gottes. Diese Befreiung löst bei dem Psalmisten eine solche Ehrfurcht und Freude aus, dass er alle Menschen zum Lob Gottes aufruft.  Gottes Stärke, die sich in Seinen großen Taten ausdruckt, führt dazu, dass Gottes Feinde, d.h. die Nationen außerhalb Israels, Ihm schmeicheln. Doch eine solche Unterwerfung unter Gottes Autorität und Willen ist kein wirklicher, wahrhafter Gehorsam. Es wird jedoch der Tag kommen, dessen ist sich der Psalmist sicher, an dem die ganze Erde Gott anbeten wird und zwar nicht aus Furcht, sondern aufrgund ehrlicher Dankbarkeit (“deinen Namen besingen“).

* “Er verwandelte das Meer in trockenes Land, sie gingen zu Fuß durch den Strom; dort freuten wir uns in ihm. Er herrscht durch seine Macht auf ewig; seine Augen beobachten die Nationen. – Dass sich nicht erheben die Widerspenstigen! – Sela.“ Psalm 66, 6 – 7 – Der Psalmist erinnert sich (und seine Zuhörer) an den Auszug der Kinder Israels aus Ägypten und Gottes mächtige Taten, die sie in diesem Zusammenhang erlebten, insbesondere die Teilung des Meeres durch Gottes Eiingreifen. Es sind diese Wunder Gottes, Sein Eingreifen die die Abläufe der Natur, die Ihn nicht nur als allmächtigen Gott, sondern gleichzeitig auch als souveränen Schöpfer offenbaren. Dieser Gott ist einzigartig und mit Ihm kann keiner der Götzen der Nationen konkurrieren. Dass diese Tatsache auch bei den Nationen bekannt und anerkannt ist, wird aus Josua 2, 9 – 11 deutlich. Die Nationen, so der Psalmist, sollten daraus den Schluss ziehen, dass sich diese Autorität Gottes auch über sie erstreckt. Aus diesem Grund sollten sie auch ihr Widesrtreben, Gott als allein wahren Gott anzubeten, aufgeben.

* “Preist, ihr Völker, unseren Gott, und lasst hören die Stimme seines Lobes, der unsere Seele am Leben erhalten und nicht zugelassen hat, dass unsere Füße wankten!“ Psalm 66, 8 – 9 – Erneut fordert der Psalmist die Nationen auf, Gott zu preisen und erneut erinnert er an die Befreiung und Bewahrung, die das Volk durch Gott erlebte. Doch hier geht es nicht nur um eine Rückbesinnung auf Gottes frühere Taten. Indem der Psalmist die Nationen zum Lob Gottes auffordert und ihnen dann erneut die großen Taten Gottes vor Augen stellt, macht er ihnen deutlich, dass auch sie die Empfänger des befreienden und bewahrenden Handelns Gottes werden können. 

* “Denn du hast uns geprüft, o Gott, du hast uns geläutert, wie man Silber läutert. Du hast uns ins Netz gebracht, hast eine drückende Last auf unsere Hüften gelegt. Du hast Menschen auf unserem Haupt reiten lassen; wir sind ins Feuer und ins Wasser gekommen, aber du hast uns herausgeführt zu überströmender Erquickung.“Psalm 66, 10 – 12 – Gott hat Sein Volk Israel auf  verschiedene Weise gezüchtigt und geprüft. Doch hinter diesem handeln Gottes stand – so der Psalmist – immer eine gute Absicht: die Läuterung des Volkes, um es zu einem Empfänger noch größerer Segnungen zu machen. Und der inmitten dieser Prüfungen hat Gott Sein Volk niemals verlassen (Jesaja 43, 2). Diese Gedanken finden wir auch im Neuen Testament. Gott läutert auch Sein Volk in diesem Heilszeitalter. Doch auch jetzt geschieht dies nicht ohne Grund (1. Petrus 1, 6 – 8; 2. Korinther 4, 17; 2. Korinther 12, 6 ff.) und bis heute gilt, dass Gott uns in diesen Prüfungen nie allein lässt (Römer 8, 28 ff.; 2. Korinther 4, 6 – 9). Gottes Absicht mit Israel wie auch mit der Versammlung (= Gemeinde/KIrche) ist in diesem Zusammenhang immer die Zubereitung für den Empfang eines noch größeren Segens.

* “Ich will mit Brandopfern in dein Haus hineingehen, will dir meine Gelübde bezahlen, wozu sich meine Lippen weit aufgetan haben und die mein Mund in meiner Bedrängnis ausgesprochen hat. Brandopfer von Mastvieh will ich dir opfern samt Räucherwerk von Widdern; Rinder samt Böcken will ich opfern. – Sela.“Psalm 66, 13 – 15  – Nachdem der Psalmist bisher zu den Nationen und Israel gesprochen hat, spricht er nun von sich selbst. Mit Worten des Dankes und mit Brandopfern will er Gott loben. Außerdem will er Opfer bringen, um auf diese Weise die Gelübde zu erfüllen, die Er Gott gegenüber in schwierigen Zeiten  gemacht hat.

* “Kommt, hört zu, alle, die ihr Gott fürchtet, und ich will erzählen, was er an meiner Seele getan hat. Zu ihm rief ich mit meinem Mund, und Erhebung war auf meiner Zunge. Wenn ich es in meinem Herzen auf Frevel abgesehen hätte, so hätte der Herr nicht gehört. Doch Gott hat gehört, er hat gemerkt auf die Stimme meines Gebets. Gepriesen sei Gott, der mein Gebet nicht abgewiesen und seine Güte nicht von mir abgewandt hat!“Psalm 66, 16 – 20  – Abschließend bezieht der Psalmist noch einmal das ganze Volk Israel mit in Sein Lob ein bzw. fordert das Volk auf, Gott zu preisen. Dabei wird die ehrliche Herzensausrichtung des Psalmisten der schmeichelnden, also unehrlichen, Unterwürfigkeit der Nationen in  Psalm 66, 1 – 4 gegenüber gestellt. Sie ist Voraussetzung dafür, dass Gott das Gebet eines Menschen erhört. Der Psalm schließt mit dem Dank und Lobpreis des Psalmisten für Gottes Liebe und Güte.
Aus Psalm 66 können wir zum einen den Schluss ziehen, dass Gottes prüfendes Handeln an uns nicht nur einem liebenden Herzen entspringt, sondern auch gute Absichten mit uns verfolgt. Wenn wir uns in einer Situation befinden, in der wir ein solches Handeln Gottes an uns erleben, dann ist die beste Reaktion unsererseits eine Neuausrichtung unserer Herzen  auf Gott und Gebet. Gott wird auf unser Gebet antworten und die Folge wird neuer Segen sein. Eine weitere Folge wird sein, das andere Menschen diesen Segen erkennen und dadurch ebenfalls zum Lob Gottes angeregt werden.

 
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