Leben aus der Beziehung zu Gott – Anmerkungen zu Matthäus 7, 7 – 12

Brotvermehrungskirche BW 3

Brotvermehrungskirche in Tabgha, Mosaik: vier Brote und zwei Fische * Foto: von Berthold Werner (Eigenes Werk) [Public domain], via Wikimedia Commons

Der Wortverkündigung am Sonntag dieser Woche soll ein Vers aus dem 7. Kapitel des Matthäusevangeliums (zum Hintergrund des Matthäusevangeliums: Klick!) zu Grunde liegen:

“Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch aufgetan werden. Denn jeder Bittende empfängt, und der Suchende findet, und dem Anklopfenden wird aufgetan werden.
Oder welcher Mensch ist unter euch, der, wenn sein Sohn ihn um ein Brot bitten wird, ihm etwa einen Stein geben wird, oder auch, wenn er um einen Fisch bitten wird, ihm etwa eine Schlange geben wird?
Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, denen Gutes geben, die ihn bitten! Alles nun, was irgend ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihr ihnen ebenso! Denn dies ist das Gesetz und die Propheten.“

(Matthäus 7, 7 – 12 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)


Zum Hintergrund von Matthäus 7, 7 – 12

Wie wir aus vorausgegangenen biblischen Betrachtungen wissen, richtete Matthäus sich mit seinem Evangelium insbesondere an jüdische Leser (zur Zielgruppe des Matthäusevangeliums siehe: Klick!) Der heute von uns zu betrachtende Abschnitt aus dem Matthäusevangelium gehört zur so genannten Bergpredigt (Matthäus 5, 1 – Matthäus 7, 29). In Matthäus 5, 1 heißt es:

“Als er aber die Volksmenge sah, stieg er auf den Berg; und als er sich setzte, traten seine Jünger zu ihm. Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach: (…)“

Beachten wir: Als der Herr Jesus Christus die Volksmenge sah, stieg er auf den Berg. Dort traten Seine Jünger zu Ihm und diese (nicht die Volksmenge) wurde von ihm belehrt. In Matthäus 5, 1 – 12 spricht der Herr über die uns sehr bekannten Seligpreisungen. In ihnen geht es um den Charakter und den Lohn der Menschen, die im Reich Gottes (Klick!) leben werden. Im Anschluss daran belehrt der Herr Jesus Christus die Jünger über ihre Aufgabe, Licht und Salz in dieser Welt zu sein (Matthäus 5, 13 – 16).
Es folgt in Matthäus 5, 17 – 20 eine Erläuterung der Stellung unseres Herrn zum alttestamentarischen Gesetz als Wort Gottes (siehe auch: Klick!). Im Anschluss daran spricht der Herr fünf Themen an (das Töten, das Ehebrechen, das Schwören, das Vergelten und die Feindesliebe), die im alttestamentarischen Gesetz geregelt wurden, nun aber von Ihm neu interpretiert werden (Matthäus 5, 21 – 48). Diese Abfolge ist nicht willkürlich gewählt. Bei genauer Betrachtung stellt man nämlich fest, dass alle ab Matthäus 5, 21 folgenden Aussagen (bis Matthäus 7, 12) in Bezug zu der in Matthäus 5, 17 – 20 dargelegten Gerechtigkeit Gottes stehen. Es geht hier darum, in allen Lebensbereichen ganz praktisch in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes zu leben.
Im sechsten Kapitel des Matthäusevangeliums werden die in Matthäus 5, 1 begonnenen Reden fortgeführt. Nachdem in  Matthäus 5, 21 – 48 das Leben gemäß dem Willen Gottes in wichtigen säkularen Situationen aufgezeigt wird, belehrt der Herr Jesus Christus Seine Jünger nun darüber, wie sie ihr geistliches Leben gemäß dem Willen Gottes gestalten sollen. Er spricht zuerst über das Almosengeben (Matthäus 6, 1 – 4) und daran anschließend über das Gebet (Matthäus 6, 5 – 15) sowie über das Fasten (Matthäus 6, 16 – 18).  Während es also in Matthäus 5, 21 – 48 vorrangig um die Beziehung der Jünger zur Welt geht, beginnt mit Matthäus 6, 1 ein größerer Abschnitt, der die Beziehung der Jünger zu Gott, ihrem Vater, behandelt.  Obwohl der Fokus in Matthäus 6, 19 – 34 auf dem Thema “Reichtum und Sorgen“ liegt, wird dieses Thema auch unter dem Vorzeichen der Beziehung des Jüngers zu Gott, dem Vater, betrachtet. Denn die Kernaussage dieser Verse ist: “Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon,“ (Matthäus 6, 24). Will ein Jünger in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes, also gerecht, leben, so muss er seine Beziehung zum Reichtum dieser Welt seiner Beziehung zu Gott unterordnen. Das gilt auch für die Beziehung eines Jüngers zu seinen Mitgläubigen (Matthäus 7, 1 – 5) und Feinden (Matthäus 7, 6). Auch hier gilt es, nicht nach eigenem Gutdünken, Sympathien oder Antipathien, sondern nach dem geoffenbarten Willen Gottes zu handeln. Im Anschluss an diese Themen folgt noch eine Belehrung über die Beziehung des Jüngers Gott, dem Vater (Matthäus 7, 7 – 12). Damit schließt sich der in Matthäus 6, 1 begonnene Kreis. Ich glaube, dass diese erneute Belehrung über die Beziehung des Jüngers zu Gott kein Zufall ist. Der Herr Jesus Christus erinnert Seine Jünger (und uns) auf diese Weise daran, dass ein Leben gemäß der Gerechtigkeit Gottes, d.h. ein Leben in Übereinstimmung mit dem geoffenbarten Willen Gottes nur aus der engen Beziehung zu Gott und niemals unabhängig davon gelebt werden kann. Die Kraft, die zu einem solchen Leben notwendig ist, kann nie aus uns kommen. Sie muss uns geschenkt werden. Genau das möchte Gott! Er will uns alles geben, was wir zum Leben für uns und zum Dienst an anderen brauchen. Dieses großartige Angebot, diese feste Zusage,  ist Thema jenes Abschnitts, den wir im Folgenden betrachten wollen:

Anmerkungen zu Matthäus 7, 7 – 12

* “Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch aufgetan werden. Denn jeder Bittende empfängt, und der Suchende findet, und dem Anklopfenden wird aufgetan werden.“ – Matthäus 7, 7 – 8  – In Matthäus 7, 6 behandelte der Herr Jesus Christus kurz den Umgang des Jüngers mit seinen Feinden. Hier finden wir im Matthäusevangelium den ersten Hinweis darauf, dass der Herr Jesus Christus sich vollkommen bewusst war, dass die Botschaft Seines Evangeliums bei den Menschen nicht nur auf offene Ohren, offene Herzen und offene Türen stoßen würde. Im Verlauf Seines irdischen Dienstes sollte dies, insbesondere in der zweiten Hälfte Seines Wirkens in Israel, d.h. ab der Verwerfung Seiner Person durch die geistlichen Autoritäten (Matthäus 12, 24 ff.), immer deutlicher werden. In diesem Zusammenhang ist es auch kein Zufall, dass der Herr Seine Jünger auf die Wichtigkeit des Gebets hinweist. Er gibt ihnen die Zusage, dass Er auf Ihre Gebete in positiver Weise reagieren wird (vgl. Matthäus 6, 6). Voraussetzung ist jedoch – das wird aus der Belehrung über das Leben nach dem Willen  Gottes in den Versen davor ganz deutlich – dass  der Jünger nicht die Erfüllung seiner  selbstsüchtigen Motive, sondern die Ehre Gottes (vgl. Jakobus 4, 2 – 3) im Blick hat. Was der Herr hier also zusagt, ist, dass der himmlische Vater dem Jünger alles geben wird, was dieser zum Leben und zum Dienst für Gott benötigt.
Alle drei Tätigkeiten “bitten, suchen, klopfen“ stehen in der Befehlsform und drücken eine gewohnheitsmäßige, beständige, immer wiederkehrende Handlung aus. Es geht also hier nicht um ein einmaliges bitten, suchen, klopfen, sondern um eine Lebensgewohnheit. Gott ist kein Automat, in den wir hin und wieder ‚mal ein Gebet einwerfen und der dann eine entsprechende Erhörung “liefert“. Wir sind Seine Geschöpfe, Seine Kinder und Gebet “funktioniert“ nur, wo eine beständige Lebensbeziehung zu Gott besteht (5. Mose 4, 29; Jeremia 29, 13). Gott möchte Seinen Kindern auf diese Weise Aufmerksamkeit, Ausdauer und Beharrlichkeit lehren.  Wir können diese Aufforderung auch so übersetzen: “Hört nicht auf zu bitten, hört nicht auf zu suchen, hört nicht auf zu klopfen …“ Dabei sollten wir beachten, dass es hier nicht um die Intensität der Handlung geht, sondern um Beständigkeit.
Die Verheißung, die Gott auf ein derart beständiges Gebet, das Seine Ehre und Verherrlichung im Blick hat, ist ganz umfassend: Jeder Bittende wird empfangen, jeder Suchende wird finden und jedem Anklopfenden wird aufgetan.“

* “Oder welcher Mensch ist unter euch, der, wenn sein Sohn ihn um ein Brot bitten wird, ihm etwa einen Stein geben wird, oder auch, wenn er um einen Fisch bitten wird, ihm etwa eine Schlange geben wird? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, denen Gutes geben, die ihn bitten!“ – Matthäus 7, 9 – 11 – Die Sicherheit der göttlichen Zusage unterstreicht der Herr Jesus Christus in den Versen 9 – 10 mit einem Gleichnis. Obwohl selbst Eltern “böse“, d.h. von selbstsüchtigen Motiven geleitet sein können, geben sie ihren Kindern in der Regel das, was diese brauchen. Wieviel mehr wird Gott, der himmlische Vater, der die personifizierte Güte (Psalm 73, 1; Markus 10, 18), die personifizierte Liebe (1. Johannes 4, 8), ist, Seinen Kinder Gaben geben, die gut für sie sind, wenn sie Ihn darum bitten (vgl. Lukas 11, 11 – 13; Jakobus  1, 5 – 8). Nein, Gott täuscht Seine Kinder nicht mit sinnlosen (“Stein“) oder gefährlichen (“Skorpion“) Dingen, wenn sie von Ihm erbitten, was sie dringend zum Leben und Dienst für Ihn benötigen. Er wird sie auch nicht im Stich lassen, wenn sie in Zeiten von Bedrängnis zu Ihm beten und Seine Hilfe und Kraft erbitten (vgl. Apostelgeschichte 4, 29).
Gott ist weiß, was wir brauchen (vgl. Matthäus 6, 8). Unsere Bedürfnisse sind Ihm nicht egal. Doch Er hat es so eingerichtet, dass wir Ihn um alles, was wir bedürfen, bitten sollen. Er möchte uns auf diese Weise lehren, dass alles, was wir brauchen, seine Quelle in Ihm hat (Psalm 36, 9).

* “Alles nun, was irgend ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihr ihnen ebenso! Denn dies ist das Gesetz und die Propheten.“ – Matthäus 7, 12 – Hier begegnet uns, wie schon in unserer Betrachtung zu Matthäus 5, 17 – 20 (Klick!) der Ausdruck “das Gesetz und die Propheten“. Hier wie dort  nimmt Er damit auf die drei großen Abschnitte des Alten Testaments Bezug: dass Gesetz, die Psalmen und die Propheten (vgl. Lukas 24, 44). Der Ausdruck ”das Gesetz und die Propheten” wurde von den Juden jener zeit synonym für das gesamte Alte Testament gebraucht (vgl. Matthäus 11, 13; Matthäus 22, 40; Lukas 16, 16; Johannes 1, 45; Apostelgeschichte 13, 15; Apostelgeschichte 28, 23; Römer 3, 21). Auch auf diese Weise schließt sich ein Kreis. Alles, was der Herr Seinen Jüngern (und uns) in diesem Abschnitt von Matthäus 5, 17 bis Matthäus 7, 12 mitteilt, ist die Auslegung dessen, was bereits das Alte Testament über die Gerechtigkeit lehrte, die vor Gott gilt (= ein leben nach dem Willen Gottes). Mit der so genannten “Goldenen Regel“ wird diese Lehre hier nun zusammengefasst  (vgl. 2. Mose 23, 4; 3. Mose 19, 18; 5. Mose 15, 7 – 8; Sprüche 24, 17; Sprüche 25, 21). Eine solche Handlungsweise kann, wie wir bereits gesehen haben, nicht aus unserer menschlichen Kraft erwachsen, sondern allein aus der Beziehung zu Gott und der Kraft, die Gott uns schenkt. Auch das gehört zu dem “Guten“, das Gott uns schenken möchte.

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