Elias Erbe – Anmerkungen zu 2. Könige 2, 1 – 14

8715 - Roma, museo civiltà Romana - Sarcofago di Stilicone - Foto Giovanni Dall'Orto 12-Apr-2008

Elia wird in den Himmel entrückt – Darstellung auf dem Sarkophag des Stilicho (um 385 n. Chr); Das Bild zeigt die im Museo della civiltà romana a Roma stehende Kopie des Originalsarkophags, der in in der Sant‘ Ambrogio Basilica in Mailand steht * Foto von Giovanni Dall’Orto (Eigenes Werk) , via Wikimedia Commons

 

Anmerkungen zu 1. Könige 17, 1 – 24

Das Bibelwort für die Wortverkündigung am Mittwoch dieser Woche wurde dem 2. Buch der Könige entnommen. Wir lesen und betrachten den betreffenden Vers  in seinem Kontext:

“Und es geschah, als der HERR den Elia im Sturmwind zum Himmel auffahren ließ, da gingen Elia und Elisa von Gilgal weg. Und Elia sprach zu Elisa: Bleib doch hier; denn der HERR hat mich bis nach Bethel gesandt. Und Elisa sprach: So wahr der HERR lebt und deine Seele lebt, wenn ich dich verlasse! Und sie gingen nach Bethel hinab.
Da kamen die Söhne der Propheten, die in Bethel waren, zu Elisa heraus und sprachen zu ihm: Weißt du, dass der HERR heute deinen Herrn über deinem Haupt wegnehmen wird? Und er sprach: Auch ich weiß es; schweigt! Und Elia sprach zu ihm: Elisa, bleib doch hier; denn der HERR hat mich nach Jericho gesandt. Aber er sprach: So wahr der HERR lebt und deine Seele lebt, wenn ich dich verlasse! Und sie kamen nach Jericho. Da traten die Söhne der Propheten, die in Jericho waren, zu Elisa und sprachen zu ihm: Weißt du, dass der HERR heute deinen Herrn über deinem Haupt wegnehmen wird? Und er sprach: Auch ich weiß es; schweigt! Und Elia sprach zu ihm: Bleib doch hier; denn der HERR hat mich an den Jordan gesandt. Aber er sprach: So wahr der HERR lebt und deine Seele lebt, wenn ich dich verlasse! Und so gingen sie beide miteinander. Und fünfzig Mann von den Söhnen der Propheten gingen hin und standen gegenüber von fern; und die beiden traten an den Jordan. Da nahm Elia seinen Mantel und wickelte ihn zusammen und schlug auf das Wasser; und es zerteilte sich hierhin und dorthin, und sie gingen beide hinüber auf dem Trockenen. Und es geschah, als sie hinübergegangen waren, da sprach Elia zu Elisa: Erbitte, was ich dir tun soll, ehe ich von dir genommen werde. Und Elisa sprach: So möge mir doch ein zweifaches Teil von deinem Geist werden! Und er sprach: Du hast Schweres erbeten! Wenn du mich sehen wirst, wie ich von dir genommen werde, so soll dir so geschehen; wenn aber nicht, so wird es nicht geschehen. Und es geschah, während sie gingen und im Gehen redeten, siehe, ein Wagen von Feuer und Pferde von Feuer, die sie beide voneinander trennten; und Elia fuhr im Sturmwind auf zum Himmel. Und Elisa sah es und schrie: Mein Vater, mein Vater! Wagen Israels und seine Reiter! Und er sah ihn nicht mehr. Da fasste er seine Kleider und zerriss sie in zwei Stücke. Und er hob den Mantel Elias auf, der von ihm herabgefallen war, und kehrte um und trat an das Ufer des Jordan. Und er nahm den Mantel Elias, der von ihm herabgefallen war, und schlug auf das Wasser und sprach: Wo ist der HERR, der Gott Elias? – Auch er schlug auf das Wasser, und es zerteilte sich hierhin und dorthin; und Elisa ging hinüber.“

(2. Könige 2, 1 – 14 ELBEDHÜ; z. Vgl. Luther’84)

 

Zum Hintergrund von 2. Könige 2, 1 – 14

Die Geschehnisse im 2. Buch der Könige schließen direkt an die Berichte des 1. Buches der Könige an. Die von uns zu betrachtenden Verse fallen in die Zeit der Regentschaft von König Joram. Dieser herrschte 12 Jahre über Israel (ca. 852 – 841 v. Chr.) und war der letzte König der Omridendynastie. Seine Herrschaft ist vom Krieg gegen die Moabiter geprägt, wovon die bekannte Mescha-Stele bis heute Zeugnis ablegt. Im Jahr 841 v. Chr. wurde er von den Truppen König  Hasaels von Damaskus geschlagen (2. Könige 8, 28 – 29; 2. Könige 9, 14 – 15) und kurz darauf wurde bei einem Aufstand von Jehu getötet (2. Könige 9, 24). In die 12jährige Regierungszeit Jorams fallen sehr viele Ereignisse aus dem Leben des Propheten Elisa, dessen Name “Elisa“ (andere Übersetzungen: “Elischa“) “meine Rettung ist Gott“ bedeutet. 

Zusammenfassende Anmerkungen zu 2. Könige 2, 1 – 14

* “Und es geschah, als der HERR den Elia im Sturmwind zum Himmel auffahren ließ, da gingen Elia und Elisa von Gilgal weg. Und Elia sprach zu Elisa: Bleib doch hier; denn der HERR hat mich bis nach Bethel gesandt. Und Elisa sprach: So wahr der HERR lebt und deine Seele lebt, wenn ich dich verlasse! Und sie gingen nach Bethel hinab.“ – 2. Könige 2, 1 – 2 – Es ist nicht ganz klar, um welches Gilgal es sich hier handelt. Es kann das Gilgal zwischen Jericho und dem Jordan gewesen sein oder aber das Gilgal, das ca. 12 Kilometer nördlich von Bethel lag. Die Mehrheit der Kommentatoren geht davon aus, dass es sich um das Gilgal in der Nähe von Bethel gehandelt habe, da ein “Hinabgehen“ im Zusammenhang mit Gilgal in der Bibel immer nur bei dem Gilgal nahe Bethlehem  vorkommt.
Ganz offensichtlich hatte Gott dem Propheten Elisa eine Offenbarung gegeben (von der uns nichts konkretes berichtet wird) und ihm auf diese Weise mitgeteilt, dass Er seinen prophetischen Mentor Elia an diesem Tag von ihm nehmen würde.
Indem Elia seinen Schüler Elisa aufforderte, doch zurück zu bleiben, prüfte der Prophet die Hingabe seines Schülers und Nachfolgers (vgl. Matthäus 4, 1 – 11; Lukas 22, 31 – 62; Johannes 21, 15 – 25). In Elisas Ablehnung, über die baldige Hinwegnahme seines Freundes und Mentors Elia zu sprechen, können wir ein Zeichen seiner Trauer sehen. Elisa hatte versprochen, Elia treu zu dienen (1. Könige 19, 20) und dieses Versprechen hatte er auch gehalten.

* “Da kamen die Söhne der Propheten, die in Bethel waren, zu Elisa heraus und sprachen zu ihm: Weißt du, dass der HERR heute deinen Herrn über deinem Haupt wegnehmen wird? Und er sprach: Auch ich weiß es; schweigt! Und Elia sprach zu ihm: Elisa, bleib doch hier; denn der HERR hat mich nach Jericho gesandt. Aber er sprach: So wahr der HERR lebt und deine Seele lebt, wenn ich dich verlasse! Und sie kamen nach Jericho. Da traten die Söhne der Propheten, die in Jericho waren, zu Elisa und sprachen zu ihm: Weißt du, dass der HERR heute deinen Herrn über deinem Haupt wegnehmen wird? Und er sprach: Auch ich weiß es; schweigt! Und Elia sprach zu ihm: Bleib doch hier; denn der HERR hat mich an den Jordan gesandt. Aber er sprach: So wahr der HERR lebt und deine Seele lebt, wenn ich dich verlasse! Und so gingen sie beide miteinander.“ – 2. Könige 2, 3 – 6 – An drei Orten – Bethel, Jericho und Gilgal – suchten Elia und Elisa die “Söhne der Propheten“ auf. Diese “Söhne der Propheten“ waren Gruppen von Männern, die zum Dienst Gottes berufen waren und sich durch das Studium des Wortes Gottes auf diesen Dienst vorbereiteten. Der Prophet Samuel leitete eine solche “Schule der Propheten“ in Rama (vgl. 1. Samuel 7, 17; 1. Samuel 28, 3). Auch die Gläubigen der Gnadenzeit werden aufgefordert, alles, was Gott ihnen gegeben hat, an die nächste Generation Gläubiger weiterzugeben (vgl. 2. Timotheus 2, 2). Den Prophetenschülern war bewusst, dass ihr Lehrer – Elia – sie verlassen sollte und dass dies ihr letztes Treffen mit ihm sein sollte. Während wir von vielen wichtigen Personen Abschiedsreden im Alten Testament finden, ist uns nicht überliefert, was Elia diesen Schülern als letzte Botschaft hinterließ. Wir dürfen wohl aber davon ausgehen, dass Elia seinen Schülern ans Herz legte, dem Wort Gottes weiterhin treu zu bleiben und seinem Nachfolger, dem Propheten Elisa, zu vertrauen und in Zukunft von ihm zu lernen. Es war ihre Verantwortung, die Menschen zur treuen Nachfolge Gottes zu rufen (5. Mose 27 – 30),
Erneut fordert Elia seinen Schüler Elisa auf, zurück zu bleiben. Doch dieser bleibt weiterhin an treu an der Seite Elias. Dabei ging es ihm zum einen ganz sicher darum, diese letzte Zeit mit seinem bisherigen Weggefährten auszukosten. Aber sicherlich wollte er zum anderen auch bei ihm bleiben, weil er als Israelit natürlich wusste,  dass jeder große Prophet bei seinem Abschied einen bestimmten Segen vermittelte (vgl. 1. Mose 49, 1 ff.; 5. Mose 33, 1.) und diesen Segen wollte auch Elisa nicht missen. So blieb er bis zum letzten Augenblick an der Seite Elias.

* “Und fünfzig Mann von den Söhnen der Propheten gingen hin und standen gegenüber von fern; und die beiden traten an den Jordan. Da nahm Elia seinen Mantel und wickelte ihn zusammen und schlug auf das Wasser; und es zerteilte sich hierhin und dorthin, und sie gingen beide hinüber auf dem Trockenen. Und es geschah, als sie hinübergegangen waren, da sprach Elia zu Elisa: Erbitte, was ich dir tun soll, ehe ich von dir genommen werde. Und Elisa sprach: So möge mir doch ein zweifaches Teil von deinem Geist werden! Und er sprach: Du hast Schweres erbeten! Wenn du mich sehen wirst, wie ich von dir genommen werde, so soll dir so geschehen; wenn aber nicht, so wird es nicht geschehen.  – 2. Könige 2, 7 – 10 – Aus 1. Könige 19, 19 ist uns der Mantel des Propheten als Symbol der Autorität bekannt. So, wie Mose das Schilfmeer mit seinem Stab teilte, so teilte Elia den Jordanfluss mit seinem Mantel (2. Mose 14, 21 – 22; 2. Könige 2, 8).
Dass Elisa ein zweifaches Teil des Geistes, d.h. der Ausrüstung und Autorität Elias erbat, war keine Idee von ihm. Wie z.B. aus 5. Mose 21, 17 deutlich wird, war eine solche Bitte das Vorrecht des Erstgeborenen. Ganz offensichtlich wurde Elisa als ein solcher Sohn – im Gegensatz zu der großen Gruppe der “Söhne der Propheten“ – betrachtet.  Was Elisa erbittet, ist kein materielles Erbe und auch kein materieller Segen. Sein Herz ist auf geistliche Dinge, auf die Dinge Gottes gerichtet. Mit seiner Bitte bringt Elisa außerdem zum Ausdruck, dass Er seine Berufung als Nachfolger Elias akzeptiert. Er willigt in diese göttliche Berufung ein, macht zugleich jedoch auch deutlich, dass er diesen Dienst nicht aus eigener Kraft versehen kann. Elia antwortet darauf, dass ein solcher Segen nicht in seiner Macht steht. Ein Diener Gottes mag noch so große Wunder vollbracht haben oder vollbringen, mit der dazu nötigen Autorität und Kraft vermag nur Gott einen Berufenen auszurüsten. Das hat Er sich allein vorbehalten. Doch wenn Gott Elisa bereits eine Offenbarung über die Wegnahme Elias gegeben hatte, dann konnten beide, der scheidende Prophet und sein Nachfolger, zuversichtlich sein, dass Gott Elisa auch mit entsprechender Kraft zu Dienst ausrüsten würde.  Und so geschah es auch:

* “Und es geschah, während sie gingen und im Gehen redeten, siehe, ein Wagen von Feuer und Pferde von Feuer, die sie beide voneinander trennten; und Elia fuhr im Sturmwind auf zum Himmel. Und Elisa sah es und schrie: Mein Vater, mein Vater! Wagen Israels und seine Reiter! Und er sah ihn nicht mehr. Da fasste er seine Kleider und zerriss sie in zwei Stücke.“ – 2. Könige 2, 11 – 12 – In der Heiligen Schrift finden wir drei Ereignisse, die Elia und seinen Dienst mit Feuer in Verbindung bringen (vgl. 1. Könige 18, 38; 2 Könige 1, 10 + 12). Es verwundert daher nicht, dass auch das Ende seines Dienstes in Verbindung mit einem Wunder gesehen wird, bei dem Feuer eine Rolle spielt (Psalm 104, 3 – 4). Doch sein Nachfolger Elisa hält sich nicht mit diesem Wunder auf. Er ist voller Trauer, denn der Mann, der da von ihm genommen wird, war “Israels Wagen und seine Reiter“, d.h. die Kraft, die durch den geistlichen Dienst dieses Mannes ausgeübt wurde, ersetzte eine ganze Armee. In den Augen anderer mochte Elisa ein alter Mann gewesen sein, der einige herausragende Wunder getan hatte, doch Menschen mit geistlichem Durchblick wusste, dass Israel hier mehr als ein Wundertäter genommen wurde.
Trotzdem lässt der Prophet Elia ein “wohlbestelltes Haus“ zurück: Er hatte nicht nur seinen Dienst gegenüber Israel in großer Treue ausgerichtet, er hatt auch in Treue gegenüber Gott für die Zukunft vorgesorgt, indem er zahlreiche Prophetenschüler ausgebildet hatte und darunter sogar einen, der in besonderer Weise geeignet war, seinen Dienst weiterzuführen. Jemand hat einmal gesagt: “Gute geistliche Leiter produzieren keine Nachfolger, sondern neue geistlöiche Leiter.“ Diese Aussage ist sehr wahr und sie trifft in besonderer Weise auf Elia zu. Er gehörte zu jenen guten geistlichen Leitern, die in neuen heranwachsenden geistlichen Leitern keine Bedrohung, sondern neuen Segen für das Volk Gottes sahen. Er hinterließ keine Lücke, sondern ein reiches Erbe in den Menschen, die er im Auftrag und durch Gottes Hilfe zugerüstet hatte. Darin kann er auch uns ein Vorbild sein.

Elia im Neuen Testament

Im Neuen Testament finden wir zahlreiche Bezugnahmen auf den Propheten Elia: Zuerst sehen wir, wie Johannes der Täufer in der Kraft Elias auftritt und wie Elia das Volk Israel zur Buße ruft (Maleachi 3, 23 – 24; Matthäus 11, 4; Lukas 1, 17). Erst als sein Dienst vom Volk verworfen wird, macht Johannes der Täufer deutlich, dass nach ihm noch ein anderer kommen wird, der den von Maleachi angekündigten Dienst in der Kraft Elias erfüllen wird: Christus selbst (Johannes 1, 21).
Dann erscheint Elia zusammen mit Mose dem Herrn Jesus Christus und den drei anwesenden Jüngern auf dem Berg der Verklärung. Während Mose bei diesem Ereignis das Gesetz verkörpert, repräsentiert Elia die Propheten (Matthäus 17, 3; Markus 9, 4; Lukas 9, 30).
Paulus führt Elia als Kronzeugen für die Tatsache an, dass Gott in Seiner Gnade Israel nicht für immer verworfen hat (vgl. Römer 11, 2 ff.). Und schließlich wird uns Elia in Jakobus 5, 17  als Vorbild für einen gläubigen Beter vor Augen gestellt. Zwar wird der Prophet nicht namentlich unter den Glaubenshelden  im 11. Kapitel des Hebräerbriefes genannt, wir können aber davon ausgehen, dass der Schreiber des Hebräerebriefes auch ihn gemeint hat, wenn er in Hebräer 11, 32 von “den Propheten“ spricht.

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