Stilberatung: Perfekt gekleidet! – Anmerkungen zu Kolosser 3, 1 – 17


Der heutige Ort Honaz in der Westtürkei nahe der ehemaligen Stadt Kolossä / Foto: Wikipedia, User: Blaberus

Der heutige Ort Honaz am Fuß des Berges Honaz in der Westtürkei, nahe der ehemaligen Stadt Kolossä Foto: Wikipedia, User: Blaberus

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Ein Bibelwort aus dem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser (zum Hintergrund des Kolosserbriefes siehe: Klick!) soll die Grundlage für die Wortverkündigung am morgigen Sonntag sein. Wir betrachten dieses Bibelwort im Zusammenhang mit der Thematik des Abschnitts, in dem wir ihn finden:

“Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so sucht, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Sinnt auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist; denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott. Wenn der Christus, unser Leben, offenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbart werden in Herrlichkeit. Tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind: Hurerei, Unreinheit, Leidenschaft, böse Lust und Habsucht, die Götzendienst ist, um derentwillen der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehorsams kommt; unter denen auch ihr einst gewandelt seid, als ihr in diesen Dingen lebtet.  Jetzt aber legt auch ihr das alles ab: Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung, schändliches Reden aus eurem Mund. Belügt einander nicht, da ihr den alten Menschen mit seinen Handlungen ausgezogen und den neuen angezogen habt, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Bild dessen, der ihn erschaffen hat; wo nicht ist Grieche und Jude, Beschneidung und Vorhaut, Barbar, Skythe, Sklave, Freier, sondern Christus alles und in allen. Zieht nun an, als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Sanftmut, Langmut, einander ertragend und euch gegenseitig vergebend, wenn einer Klage hat gegen den anderen; wie auch der Christus euch vergeben hat, so auch ihr. Zu diesem allen aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist. Und der Friede des Christus regiere in euren Herzen, zu dem ihr auch berufen worden seid in einem Leib; und seid dankbar. Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen, indem ihr in aller Weisheit euch gegenseitig lehrt und ermahnt mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern, Gott singend in euren Herzen in Gnade. Und alles, was immer ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus, danksagend Gott, dem Vater, durch ihn.“

(Kolosser 3, 1 – 17 ELBEDHÜ; z. Vgl.  LUTH’84)

Zum Hintergrund von Kolosser 3, 1 – 17

Nachdem Paulus in Kapitel 1 und 2 zuerst auf die Person und das Werk des Herrn Jesus Christus eingegangen ist (Kolosser 1, 15 – 29) legt er anschließend die Gefahren von Irrlehren dar und widerlegt dieselben (Kolosser 2, 1 – 23).  Danach wechselt der Apostel in Kapitel 3, 1 von den lehrmäßigen Themen dieses Briefes zu Themen der Glaubenspraxis. Wie soll die gelernte Wahrheit im Alltag angewandt werden? Nachdem er in Kolosser 3, 1 – 4 die grundlegenden Prinzipien des christlichen Lebens aufgezeigt hat, geht er dann auf die Art und Weise ein, wie diese Prinzipien in die Praxis umgesetzt werden sollen: Dinge, die nicht dem Wandel mit Christus entsprechen, gilt es abzulegen, d.h. auszuziehen wie ein altes Kleidungsstück  (Kolosser 3, 5 – 11) und Dinge, die den Wandel mit Christus fördern, gilt es anzulegen bzw. anzuziehen (Kolosser 3, 12 – 17).  Im Anschluss daran belehrt Paulus seine Leser in Kolossä,  wie die besprochenen Prinzipien in den Beziehungen, in denen der Christ steht (Kolosser 3, 18Kolosser 4, 1), gelebt werden können. 

Anmerkungen zu Kolosser 3, 1 – 17

* “Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so sucht, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Sinnt auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist; (…)“ Kolosser 3, 1 – 2 –  In diesen beiden Versen finden wir den Übergang von den Ausführungen des Paulus von den vorausgegangenen lehrmäßigen Themen zu den Themen der Glaubenspraxis. Paulus hatte in Kolosser 2, 1 – 23 vor verschiedenen falschen Lehren und ihren Gefahren für den Glauben des Christen gewarnt. Einige dieser Lehren, die besonders in der Region um Kolossä ihr Unwesen trieben, hatte er genannt und auch widerlegt. Doch der Widerstand gegen gefährliche Irrlehren ist nach Paulus nicht nur eine Frage des Verstandes und der lehrmäßigen Widerlegung. In Kolosser 3, 1 – 2 erinnert Paulus die Christen in Kolossä an ihre Stellung in Christus, ihrem Herrn. An diese Stellung gilt es sich zu erinnern und gemäß dieser Stellung gilt es zu leben. Nur so kann der Gläubige den genannten Irrlehren wirklich widerstehen. Seiner Stellung nach ist der Christ bereits jetzt mit Christus auferweckt. Menschen, die Jesus Christus als ihren Erlöser angenommen (Epheser 2, 8 – 9), Vergebung der Sünden (1. Johannes 1, 7 – 9) und Frieden mit Gott (Römer 5, 1) erfahren haben, sind dadurch bereits vom Tod zum Leben durchgedrungen und haben in der neuen Geburt (Johannes 3, 1 – 6) ewiges Leben empfangen. Christen haben also gemäß der Lehre der Heiligen Schrift in dieser Weise “das Grab bereits hinter sich“:

“Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.“

(Johannes 5, 24; ELBEDHÜ)

Die Identifikation des Gläubigen mit Christus in Seinem Tod, Seiner Grablegung und Seiner Auferstehung hatte Paulus bereits in Kolosser 2, 9 – 15 ausführlich dargelegt. Daraus folgt für den Apostel nun ein ganz bestimmtes Verhalten des Gläubigen: Weil der Christ seiner Stellung gemäß bereits mit Christus auferweckt ist, soll er das suchen und auf das sinnen, was dort ist, wo Christus ist und nicht auf irdische Dinge.  Manche haben aus dieser Aufforderung des Paulus den Schluss gezogen, der Christ solle sich beständig mit dem Himmel beschäftigen und viele Gläubige sind auf darauf nur zu gern eingegangen. Da wurden dann Predigten gehalten, in denen die Herrlichkeiten des Himmels bis in das kleinste Detail ausgeschmückt wurden. Doch das alles ist Unsinn und hat überhaupt nichts mit der Aufforderung des Apostels in Kolosser 3, 1 – 2 zu tun. Es geht nicht um die “Herrlichkeiten des Himmels“. Der Himmel hat keine wirkliche Herrlichkeit aus sich selbst. Und Christen, die nur deswegen “in den Himmel“ wollen, weil es ihnen dann dort besser geht als auf dieser Erde, haben überhaupt nicht verstanden, was der Kern des christlichen Glaubens ist. Der Himmel hat keine Herrlichkeit aus sich selbst. Der Himmel ist nur aus einem einzigen  Grund herrlich – weil dort der Herr Jesus Christus, der verherrlichte Sohn Gottes, jetzt zur Rechten Gottes, des Vaters, sitzt! Er ist das Zentrum des Himmels, ja der ganzen Schöpfung:

“Und er ist das Haupt des Leibes, der Versammlung, der der Anfang ist, der Erstgeborene aus den Toten, damit er in allem den Vorrang habe.“

(Kolosser 1, 18; ELBEDHÜ)

“(…) und hat alles seinen Füßen unterworfen und ihn als Haupt über alles der Versammlung gegeben,“

(Epheser 1, 22; ELBEDHÜ)

“Denn durch ihn sind alle Dinge geschaffen worden, die in den Himmeln und die auf der Erde, die sichtbaren und die unsichtbaren, es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: Alle Dinge sind durch ihn und für ihn geschaffen. Und er ist vor allen, und alle Dinge bestehen durch ihn.

(Kolosser 1, 16 – 17; ELBEDHÜ)

Es geht in keiner Weise um den Himmel, es geht um Jesus Christus – weil Er verherrlicht wurde und nun Seinen Platz zur Rechten des Vaters eingenommen hat, darum soll der Gläubige beständig seine Gedanken auf Ihn ausrichten.
In den vergangenen Jahren sind in christlichen Kreisen wieder vermehrt Bücher über den Himmel in Mode gekommen. Wir sollten damit jedoch nicht unsere Zeit verschwenden. Das Nachdenken über die Details des Himmels (egal ob diese biblisch belegbar sind oder von den Autoren solcher Bücher in die Bibel hinein interpretiert werden), fördert nur eine ungesunde innere Weltflucht der Gläubigen. Das aber ist genau das Gegenteil von dem, was Paulus beabsichtigt. Paulus zeigt uns in Kolosser 3, 1 – 2 den verherrlichten, zur Rechten Gottes sitzenden Herrn Jesus Christus. Er ist das Zentrum aller Macht und Autorität dieses Universums und mit Ihm sind wir durch den Glauben und die neue Geburt bereits jetzt so eng verbunden (Galater 2, 19 – 21), dass wir gleichsam mit Ihm auf diesem Thron gesehen werden:

“Gott aber, der reich ist an Barmherzigkeit, wegen seiner vielen Liebe, womit er uns geliebt hat, hat auch uns, als wir in den Vergehungen tot waren, mit dem Christus lebendig gemacht – durch Gnade seid ihr errettet, und hat uns mitauferweckt und mitsitzen lassen in den himmlischen Örtern in Christus Jesus, (…)“

(Epheser 2, 4 – 6; ELBEDHÜ)

Wenn Paulus uns also auffordert, unsere Gedanken auf das auszurichten, was “droben“ ist, dann sollen wir nicht unsere Gedanken auf irgendwelche Details des Himmels ausrichten. Das Nachdenken über “goldene Gassen“ oder “himmlische Wohnungen“ macht uns nicht stark für unser Leben als Christen auf dieser Erde. Aber das Wissen um bzw. das Erforschen der Tatsache, dass unser Herr Jesus Christus jetzt schon alle Macht im Himmel und auf Erden hat und dass Er diese Macht zu Gunsten all jener einsetzt, die Ihm vertrauen – das macht uns stark. Es geht nicht um “goldene Gassen“ oder “himmlische Wohnungen“, es geht allein um den verherrlichten und erhöhten Herrn Jesus Christus. Auf das zu sinnen, was “droben“ ist, bedeutet eben nicht, “himmlisch zu denken“ oder gar “den Himmel zu denken“, es bedeutet “Christus zu denken“. Nur so werden wir zu dem Leben in Lehre und Praxis befähigt, das Gott sich von uns wünscht. Das wird auch sehr klar, wenn wir uns daran erinnern, dass Paulus bereits in Epheser 2, nachdem er in den Versen 4 – 6 unsere Stellung in Christus im Himmel dargelegt hat, in Vers 10 desselben Kapitels folgende Konsequenzen für unseren Wandel auf dieser Erde ableitet:

“Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.

(Epheser 2, 10 ELBEDHÜ)

Unser Denken soll auf Ihn, den auferstandenen, verherrlichten, erhöhten und zur Rechten Gottes sitzenden Herrn Jesus Christus ausgerichtet sein – dann wird unser Leben nach Gottes Willen hier auf der Erde auch gelingen.

 

* “(…) denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott.“Kolosser 3, 3 – Mit diesen Worten verstärkt Paulus noch einmal das, was wir bereits gesehen haben: Der Stellung nach ist der Gläubige mit Christus gestorben, begraben, auferweckt und sitzt bereits jetzt mit Christus in der Himmelswelt (Epheser 2, 4 – 6) und dieses Leben des Christen ist gleichsam jetzt mit Christus verborgen in Gott, d.h., es ist für die Welt gegenwärtig unsichtbar. Aus dieser vor der Welt verborgenen Gemeinschaft mit Christus  bezieht der Gläubige seine Nahrung und Kraft (Hebräer 3, 1 f.; Hebräer 4, 14Hebräer 12, 2 – 3; Johannes 6, 33 i.V.m.  Johannes 3, 13). 

* “Wenn der Christus, unser Leben, offenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbart werden in Herrlichkeit.“Kolosser 3, 4 – Dieses Leben, das Christen gemäß ihrer von Gott gegebenen ihrer Stellung bereits jetzt im Verborgenen leben, wird dann offenbar, wenn Christus mit den Gläubigen auf diese Erde zurückkehrt, um Sein Reich aufzurichten (vgl. 2. Thessalonicher 1, 3 – 12). Gegenwärtig ist dieses Leben noch verborgen, dann jedoch wird es vor aller Welt offenbar sein.
In der Zwischenzeit gilt es nun, dass wir unser praktisches Leben auf dieser Erde in einer Weise gestalten, die der Stellung entspricht, die wir jetzt schon mit Christus im Himmel eingenommen haben. In diesem Zusammenhang stellt Paulus zuerst einmal klar, dass dem Gläubigen in Christus bereits alles geschenkt worden ist, was er zu einem solchen Leben braucht. Entgegen den Aussagen der in Kolosser 2 erwähnten Irrlehren braucht der Christ keine darüber hinausgehenden Offenbarungen oder Erfahrungen (vgl. auch 2. Petrus 1, 3). Jetzt gilt es auf der Grundlage dessen, was Gott uns in Christus geschenkt hat, zu handeln und zu leben und auf genau diese Glaubenspraxis wird Paulus in den folgenden Versen eingehen.

 

* “Tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind: Hurerei, Unreinheit, Leidenschaft, böse Lust und Habsucht, die Götzendienst ist, (…)“Kolosser 3, 5 – In den Versen 5 – 11 werden nun alle Verhaltensweisen angesprochen, die der Gläubige ablegen soll. Es sind Verhaltensweisen, die unser gottloses Leben geprägt haben, die aber mit unserer Stellung in Christus nicht vereinbar sind.  Das neue, ewige Leben, das Gott uns durch die “Geburt von oben“ (Johannes 3, 1 – 6) geschenkt hat, und die Gemeinschaft mit dem erhöhten Herrn Jesus Christus, befähigen uns auch zu einem Verhalten, das unserer Stellung in Christus entspricht. Es reicht nicht aus, um die göttliche Wahrheit nur zu wissen (Kolosser 1), es reicht auch nicht aus, die göttliche Wahrheit zu verteidigen (Kolosser 2), sie muss auch ausgelebt werden (Kolosser 3)! Hierin besteht ein entscheidender Unterschied zwischen den heidnischen Religionen und dem christlichen Glauben. Während in heidnischen Religionen Opfer zur Besänftigung der Gottheit die wichtigste Rolle spielen, geht es im christlichen Glauben darum, dass Gott Seinen eigenen Sohn dahin gibt, um den Menschen, die Ihm glauben ein neues, mit Seinem Willen übereinstimmendes Leben zu ermöglichen. Dementsprechend offenbart ein Mensch, dessen Leben von vielen Worten über den Glauben an Jesus Christus geprägt ist, gleichzeitig aber einen Christus entsprechenden Lebenswandel vermissen lässt, dass er nie neues Leben aus Gott empfangen hat (Titus 1, 16). Wenn Jesus Christus durch den Glauben in uns lebt (Kolosser 1, 27!), dann können wir nicht gleichzeitig willentlich und dauerhaft in Sünde leben (1. Johannes 3, 9; siehe Fußnote).
Diese Tatsachen voraussetzend, widmet sich Paulus jetzt einer ganzen Reihe von Sünden, die der Gläubige “töten“, d.h. aus seinem Leben verbannen, soll:

  1. Hurerei. Das griechische Wort “πορνεία“ (“porneia“) bezeichnet jeden sexuellen Verkehr außerhalb der Ehe (vgl. 1. Korinther 7, 9).
  2. Unreinheit. Das griechische Wort “ἀκαθαρσία“ (“akatharsia“) meint jede Art von Unreinheit, wobei in diesem Zusammenhang der Schwerpunkt auf moralischer Unreinheit liegt.
  3. Leidenschaft. Mit dem griechischen Wort “πάθος“ (“pathos“)  wird hier jedes unkontrollierte, unrechte Verlangen bezeichnet.
  4. Böse Lust, griechisch “επιθυμιαν κακην“ (“epithymian kaken“), hat die Bedeutung von bösem Verlangen in einem mehr allgemeinen Sinn.
  5. Habsucht, griechisch “πλεονεξία“ (“pleonexia“) ist das das materialistische Verlangen, immer mehr haben zu wollen und zwar unter Nichtbeachtung der Rechte und des Wohls anderer.

* “(…) um derentwillen der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehorsams kommt; unter denen auch ihr einst gewandelt seid, als ihr in diesen Dingen lebtet. Jetzt aber legt auch ihr das alles ab: Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung, schändliches Reden aus eurem Mund. Belügt einander nicht, da ihr den alten Menschen mit seinen Handlungen ausgezogen (…)“Kolosser 3, 6 – 9 – Es sind diese Verhaltensweisen, die so überhaupt nicht dem Wesen und Willen Gottes entsprechen, die schlussendlich das Gericht Gottes herausfordern. Und es sind diese Verhaltensweisen, die eine gottlose Welt kennzeichnen (Epheser 2, 3), von denen sich der Gläubige, der neues, göttliches Leben aus Christus empfangen hat, unbedingt distanzieren, ja trennen, muss (vgl. Kolosser 3, 8; Römer 8, 13; Epheser 5, 3 – 14).
Der Begriff  “Zorn Gottes“, den Paulus hier in Vers 6 benutzt (vgl. auch Epheser 5, 6!), findet sich im Neuen Testament gewöhnlich im Zusammenhang mit der Zeitperiode der “großen Trübsal“ (vgl. Matthäus 24, 20 – 21; 1. Thessalonicher 1, 10; 1. Thessalonicher 5, 9; Römer 5, 9).
Paulus führt in diesen Versen weitere Verhaltensweisen auf, die  dem neuen Leben in Jesus Christus nicht entsprechen und von denen sich Christen daher ganz eindeutig zu trennen haben:

  1. Zorn, grch. “ὀργή“ (“orge“), meint hier eine bösartige Leidenschaft, dem eigenen Ärger ohne Rücksicht auf andere freien Lauf zu lassen.
  2. Wut, grch. “θυμός“ (“thumos“), bezeichnet den verbalen, evtl. auch gewalttätigen  Ausbruch menschlichen Ärgers.
  3. Bosheit, grch. “κακία“ (“kakia“), ist der böse Wunsch, den Nächsten körperlich oder seelisch zu verletzen. 
  4. Lästerung, grch. “ βλασφημία“ (“blasphemia“), in der deutschen Sprache als Blasphemie, d.h. Gotteslästerung, bekannt, bezeichnet das beleidigende, lästernde Reden über Gott.
  5. Schändliches Reden, grch. “αἰσχρολογία“ (“aischrologia“), meint alles unsaubere, anzügliche Reden, das Menschen entehrt, denen wir doch Gnade erweisen sollen.
  6. Lüge, grch . “ψεύδομαι“ (“pseudomai“),  bezeichnet alles unwahre, betrügerische, verzerrende, manipulative Reden.

Die letzte Aufforderung des Paulus in diesem Vers “Belügt einander nicht“ steht in der Befehlsform. Vers 9 erläutert uns den Grund dafür und für alle vorausgehend abgelehnten Verhaltensweisen: Der “alte Mensch“ bezeichnet die Person des Christen bevor er von Gott mit Christus verbunden wurde. Alle Verhaltensweisen, die Paulus bisher aufgelistet hat, gehören zu diesem “alten Menschen“, im Leben des “neuen“, d.h. des mit Christus verbundenen Menschen, haben sie nichts mehr zu suchen. Sie sind schon längst mit Christus gestorben und begraben.

* “(…) und den neuen angezogen habt, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Bild dessen, der ihn erschaffen hat; (…)“Kolosser 3, 10  – Durch den Glauben an Jesus Christus und die Erfahrung der neuen Geburt, wird ein Mensch, der bisher “tot in Sünden“ und  „ein Kind des Zorns“ (Epheser 2, 1) war, zu einem “neuen Menschen“ in Christus (vgl. 2. Korinther 5, 17!). Dieser neue Mensch soll nun lernen, wie er sein praktisches Alltagsleben im Prozess der persönlichen Heiligung in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes führen kann.  Die Erkenntnis, von der Paulus hier spricht, bezieht sich auf die Erkenntnis der Person und des Willens Gottes. Sie ist die Voraussetzung für ein dem Willen Gottes entsprechendes Leben. Unsere persönliche Heiligung soll in eine wachsende Christusähnlichkeit münden. Nur auf diese Weise kann das Bildnis Gottes, nach dem der Mensch einstmals geschaffen wurde (1. Mose 1, 26 – 28) wiederhergestellt werden.  das aber ist Gottes Wunsch und Ziel mit uns.

* “(…) wo nicht ist Grieche und Jude, Beschneidung und Vorhaut, Barbar, Skythe, Sklave, Freier, sondern Christus alles und in allen.“Kolosser 3, 11 – Die Möglichkeit, ein neuer Mensch in Christus zu werden, ist völlig unabhängig von Rasse, Religion oder sozialem Status. Allein durch Jesus Christus empfangen wir alles, was zu der neuen Geburt (Johannes 3, 1 – 6; 2. Korinther 5, 17) und zum Wachstum in diesem neuen Leben notwendig ist. Er – Jesus Christus – lebt in jedem Gläubigen (Kolosser 1, 27) und will alle Bereiche seines Lebens mit Seiner Kraft durchdringen. Wo bisher ethnische, nationale, religiöse, kulturelle oder soziale Unterschiede eine wichtige Rolle spielten, ist die Person Jesu Christus nun allein maßgeblich. Während die in Kolosser 1 + 2 angesprochenen Irrlehrer behaupteten, dass die Kolosser zur Erlösung auch noch der Vermittlung von Engeln bedurften, stellt Paulus klar, dass Jesus Christus der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen ist (Kolosser 1, 18 – 22; Kolosser 2, 18; 1. Timotheus 2, 5). Während die genannten Irrlehrer Gesetzeswerke und Askese als Mittel zur persönlichen Heiligung anpriesen (Kolosser 2, 16 – 23),  macht Paulus deutlich, dass der Christ allein aus der Lebensgemeinschaft mit seinem Herrn Jesus Christus die Kraft zur persönlichen Heiligung empfängt (Kolosser 3, 3 – 4). Er – der auferstandene, verherrlichte und erhöhte Herr Jesus Christus -, ist alles, was der Christ braucht. “Er ist unser Leben“ (Kolosser 3, 4) und alles, was Menschen uns neben Ihm noch anpreisen wollen, ist einfach nur unnütz und schädlich. Denn es zieht unseren Fokus von der einzigen Quelle aller Kraft ab, die Gott uns gegeben hat. 

* “Zieht nun an, als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Sanftmut, Langmut, einander ertragend und euch gegenseitig vergebend, wenn einer Klage hat gegen den anderen; wie auch der Christus euch vergeben hat, so auch ihr. Zu diesem allen aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist.“Kolosser 3, 12 – 14 – Doch Paulus ermutigt seine Leser nicht nur, sich von einem Verhalten, das nicht ihrer Lebensbeziehung  mit Christus entspricht, eindeutig zu distanzieren bzw. solche Verhaltensweisen “abzulegen“. Er ermutigt die Christen in Kolossä (und uns!) außerdem, jene Verhaltensweisen “anzulegen“, die unserem Einssein mit Christus entsprechen. Erst wenn wir beides betrachten – das Ablegen des Negativen bzw. Alten und das Anziehen des Positiven bzw. Neuen, bekommen wir ein richtiges Verständnis von unserer Verantwortung als Christen in dieser Welt.  Wie ich bereits schrieb: Es reicht nicht aus, um die göttliche Wahrheit nur zu wissen (Kolosser 1), es reicht auch nicht aus, die göttliche Wahrheit zu verteidigen (Kolosser 2), sie muss auch ausgelebt werden (Kolosser 3)! Darum erinnert Paulus die Kolosser hier zuerst daran, wer bzw. was sie nun in Christus sind: Auserwählte Gottes, Heilige und Geliebte! Unser Denken, insbesondere auch unser Denken über uns selbst, bestimmt unser Handeln mehr, als uns oft bewusst ist. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass wir uns durch das Lesen des Wortes Gottes immer wieder vor Augen führen, wer wir in Christus sind und was unser Gott und Vater über uns denkt: Er hat uns erwählt, Er hat uns abgesondert für Ihn, Er hat uns zu Gegenständen Seiner unendlichen Liebe gemacht. Wenn wir diese wunderbaren Privilegien unserer heiligen Berufung (Epheser 4, 1; 2. Timotheus 1, 9) betrachten, verstehen wir auch, warum uns die folgenden Verhaltensweisen charakterisieren sollen:

  1. Herzliches Erbarmen, grch. “σπλαγχνα οικτιρμου“ (“splagchna oiktirmou“), kommt aus einem Herzen das sensibel ist und sich denen zuwendet, die sich in Not und anderen Leiden befinden.
  2. Güte, grch. “χρηστότης“ (“chrestotes“), bezeichnet moralisch-charakterliche Integrität, die in einem besonnenen Umgang mit anderen zum Ausdruck kommt.
  3. Demut, grch. “ταπεινοφροσύνη“ (“tapeinophrosune“), bedeutet, eine realistische Selbsteinschätzung zu besitzen, über die hinaus man nicht agiert (“Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben worden ist, jedem, der unter euch ist, nicht höher von sich zu denken, als zu denken sich gebührt, sondern so zu denken, dass er besonnen sei, wie Gott einem jeden das Maß des Glaubens zugeteilt hat.“ – Römer 12, 3).
  4. Sanftmut, grch. “πρᾳότης“ (“praotes“),  auch als “Milde“ übersetzt, ist ein Verhalten, dass nicht hart, arrogant oder egoistisch, sondern mit Rücksicht auf bzw. unter Einbeziehung anderer handelt.
  5. Langmut, grch. “μακροθυμία“ (“makrothumia“) bezeichnet die Fähigkeit, sich selbst zurückzunehmen. Sie schließt Ausdauer, Geduld und Beharrlichkeit ein.  Diese Fähigkeit wird durch die folgenden Verhaltensweisen ergänzt bzw. erweitert:
  6. Einander ertragen, grch. “ανεχομενο αλληλων“ (“anechomeno allelon“), meint den anderen höher als sich selbst zu achten und dabei auch bereit zu sein, Unannehmlichkeiten zu ertragen.
  7. Gegenseitige Vergebung, grch. “χαριζομενο εαυτοις“ (“charizomeno eautois“) muss nicht weiter erklärt werden. Sie schließt aus, dass man weiterhin gegenüber dem Menschen, dem man vergeben hat, Groll oder Anklagen aufrecht erhält.
  8. Liebe, grch. “ἀγάπη“ („agape“), können wir im Zusammenhang dieses Verses am besten verstehen als ein Handeln, das immer das Beste des Nächsten im Blick hat.

 

Alle in diesen Versen aufgeführten Verhaltensweise und Fähigkeiten zielen auf die zwischenmenschlichen Beziehungen des Gläubigen ab. Insbesondere in diesem Gebiet unseres Lebens soll also die geistliche Realität unseres Einsseins mit Christus zum Ausdruck kommen. Wer diese Verhaltensweisen/Fähigkeiten “anzieht“, der ist nach Paulus für den Umgang mit anderen Menschen “perfekt gekleidet“, sprich vollkommen ausgerüstet.
Über dem allen soll unser Verhalten und Handeln von Liebe gekennzeichnet sein. Sie ist es, die alle anderen “Kleidungsstücke“ wie eine Art Gürtel zusammen halten soll. Damit wird deutlich, dass die Liebe die Grundlage aller anderen Verhaltensweisen/Fähigkeiten ist. Doch bei dieser Liebe kann es sich nicht um unsere kleine, menschliche Liebe handeln, sie wäre dazu nie in der Lage. Es ist die Liebe Gottes, die durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen worden ist (Römer 5, 5). Nur diese göttliche Liebe ermöglicht es uns, in den Verhaltensweisen zu wachsen, die Paulus hier aufzählt. Denn im Gegensatz zu unserer kleinen, menschlichen Liebe, kommt die Liebe Gottes niemals an ihr Ende:

“Die Liebe ist langmütig, ist gütig; die Liebe neidet nicht, die Liebe tut nicht groß, sie bläht sich nicht auf, sie gebärdet sich nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich mit der Wahrheit, sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles. Die Liebe vergeht niemals …..“

(1. Korinther 13, 4 – 8; ELBEDHÜ)


* “Und der Friede des Christus regiere in euren Herzen, zu dem ihr auch berufen worden seid in einem Leib; und seid dankbar.“Kolosser 3, 15 – In den Versen 15 – 17 gibt Paulus uns nun wichtige Leitlinien, die das Leben des Gläubigen bestimmen sollen: Der Friede des Christus soll unsere Herzen regieren. Wir sollen unser Augenmerk und unsere Anstrengungen auf das richten, was diesen Frieden erhält und zwar zwischen uns und Gott (Philipper 4, 7), zwischen uns und unseren Mitgläubigen (Epheser 4, 3) und zwischen uns und allen Menschen (Römer 12, 18). Voraussetzung ist dabei immer, dass unser auf den Frieden mit anderen Mensch gerichtetes Verhalten nicht gegen den Willen Gottes verstößt (vgl. Johannes 14, 27; Apostelgeschichte 4, 19 – 20; Apostelgeschichte 5, 29). Wenn wir als Christen Entscheidungen treffen müssen, sollte die Frage, ob unsere Entscheidung von dem Frieden Christi in unserem Herzen begleitet wird, ausschlaggebend sein.
Paulus weist dann darauf hin, dass wir “zu einem Leib berufen“ worden sind. Unser Verhalten soll dieser durch den Heiligen Geist gestifteten Einheit der Gläubigen entsprechen. Beides – die Erfahrung des Friedens Christi und der Einheit der Gläubigen – soll uns zur Dankbarkeit gegenüber Gott führen und so ebenfalls unser Leben kennzeichnen.

* “Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen, indem ihr in aller Weisheit euch gegenseitig lehrt und ermahnt mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern, Gott singend in euren Herzen in Gnade.“Kolosser 3, 16 – Die dritte Leitlinie, an der wir uns ausrichten sollen, ist das “Wort des Christus“. Dieser Begriff findet sich nur an dieser Stelle des Neuen Testaments. Gemeint ist damit das ganze, durch Gottes Geist inspirierte Wort, wie wir es im Alten wie im Neuen Testament finden. Während das Alte Testament Christus verheißt und vorschattet, finden wir im Neuen Testament nicht nur die Erfüllung Seinem Kommen, sondern auch Seine Belehrungen in den Evangelien. Die Apostelgeschichte und die Briefe des Neuen Testaments wiederum vertiefen die Lehre Christ, während uns die Offenbarung die Verheißung Seiner Wiederkunft mitteilt. Dieses ganze Wort Gottes sollen wir nicht nur sporadisch lesen. Es soll “reichlich“ in uns wohnen. Wenn das Wort Christi reichlich in uns wohnen soll, dann müssen wir es reichlich aufnehmen! Sein Wort soll unser ganzes Sein durchdringen, so dass es unser ganzes Verhalten verändern, prägen und bestimmen kann. Der Gedanke, der dieser Aufforderung zugrunde liegt, ist, dass derjenige, der ein Haus  bewohnt (und nicht nur als Gast benutzt), der Herr dieses Hauses ist. Leider nehmen sich viele Christen viel zu wenig Zeit für das  Lesen, das Studieren oder Auswendiglernen des Wortes Gottes, so dass es eher einem zeitweisen Gast ähnelt, als dem Hausherrn.
Auch im gegenseitigen Umgang der Gläubigen miteinander soll das Wort Gottes Priorität haben. Wenn unsere Gespräche und die Lieder, die wir singen, vom Wort Gottes geprägt sind, dann werden wir einander auferbauen, ermutigen und stärken. Von welchen Inhalten sind die Gespräche gefüllt, die Sie – z.B. nach dem Gottesdienst – mit anderen Mitgläubigen führen?

* “Und alles, was immer ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus, danksagend Gott, dem Vater, durch ihn.“Kolosser 3, 17 – In Vers 17 fasst Paulus das bisher Gesagte zusammen. Auch wenn Paulus in den Versen zuvor bestimmte Verhaltensweisen anspricht und einige Leitlinien aufzeigt, die unser Leben als Christen prägen sollen, so geht es ihm doch nicht um die Einführung eines neuen Gesetzes oder neuer “Gebötlein“! Die Grundlage unseres Verhaltens ist: Alle unsere Worte und Taten müssen in Übereinstimmung mit dem offenbarten Willen unseres Herrn Jesus Christus stehen. Denn was wir tun, tun wir ja als Seine Jünger und unter Seiner Autorität (siehe Kolosser 3, 1 – 2!). Hier schließt sich der in Kolosser 3, 1 begonnen Kreis: Unsere Lebenspraxis soll immer mehr unserer Stellung in Christus entsprechen. Wenn dem nicht so ist, dann sind wir einfach nur Heuchler. Doch das muss nicht so sein. Gott hat uns in Christus alles gegeben, was wir zu einem Ihm wohlgefälligen Lebenswandel benötigen (2. Petrus 1, 3). Darum können wir Gott auch von Herzen dankbar sein. Es ist an uns, diese Gaben zu gebrauchen und einzusetzen, um in der praktischen Heiligung zu wachsen und so Christus immer ähnlicher zu werden.

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