[Repost] In Gottes Liebe bleiben – Anmerkungen zu 1. Johannes 4, 1 ff.

Vergebung * Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

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In Gottes Liebe bleiben – Anmerkungen zu 1. Johannes 4, 1 ff.

Der Wortverkündigung für den kommenden Sonntag liegt eine Passage aus dem 1. Johannesbrief (zum Hintergrund des 1. Johannesbriefes siehe: Klick!) zugrunde, die wir im Folgenden in ihrem Kontext betrachten werden:

“Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt ausgegangen. Hieran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder Geist, der Jesus Christus im Fleisch gekommen bekennt, ist aus Gott; und jeder Geist, der nicht Jesus [Christus im Fleisch gekommen] bekennt, ist nicht aus Gott; und dies ist der Geist des Antichrists, von dem ihr gehört habt, dass er komme, und jetzt ist er schon in der Welt.
Ihr seid aus Gott, Kinder, und habt sie überwunden, weil der, der in euch ist, größer ist als der, der in der Welt ist. Sie sind aus der Welt, deswegen reden sie aus der Welt, und die Welt hört sie. Wir sind aus Gott; wer Gott erkennt, hört uns; wer nicht aus Gott ist, hört uns nicht. Hieraus erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums. Geliebte, lasst uns einander lieben, denn die Liebe ist aus Gott; und jeder, der liebt, ist aus Gott geboren und erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe. Hierin ist die Liebe Gottes zu uns offenbart worden, dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben möchten. Hierin ist die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als Sühnung für unsere Sünden. Geliebte, wenn Gott uns so geliebt hat, sind auch wir schuldig, einander zu lieben. Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir einander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollendet. Hieran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat. Und wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt. Wer irgend bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in ihm bleibt Gott und er in Gott.
Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm.
Hierin ist die Liebe mit uns vollendet worden, damit wir Freimütigkeit haben an dem Tag des Gerichts, dass, wie er ist, auch wir sind in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, ist nicht vollendet in der Liebe. Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, so ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er gesehen hat, wie kann der Gott lieben, den er nicht gesehen hat? Und dieses Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, auch seinen Bruder liebe.“

(1. Johannes 4, 1 -21 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

Einige grundlegende Bemerkungen

Der Textabschnitt, mit dem wir uns heute beschäftigen, umfasst eigentlichen 1. Johannes 3, 241. Johannes 4, 16. Bereits in 1. Johannes 3, 24 wird das Thema des “Bleibens in Gott“ aufgenommen. Beides – Gottes Bleiben in uns und unser Bleiben in Gott – ist entscheidend, damit wir “Zuversicht haben am Tag des Gerichts“. Auch dieses Thema wird bereits zuvor angesprochen (1. Johannes 2, 28) und auf dieses Thema führen unsere Verse erklärend hin (vgl. 1. Johannes 4, 17 – 18).
In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass wir 1. Johannes 3, 24 (“Und wer seine Gebote hält, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Und daran erkennen wir, dass er in uns bleibt: an dem Geist, den er uns gegeben hat.“) im Kontext des gesamten Neuen Testaments verstehen. Häufig wurde dieser Vers missbraucht, um Gläubigen damit zu drohen, dass sie ihr Heil verlieren würden, wenn sie nicht “die Gebote“ – meist verstand man darunter den Dekalog – halten würden. Im Licht des Neuen Testaments betrachtet, ist eine solche Aussage nicht nur Unsinn, sondern eine bösartige Verfremdung des Evangeliums. Denn in Römer 3, 20 – 24 werden wir wie folgt belehrt:

“Darum: Aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden; denn durchs Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde. Jetzt aber ist ohne Gesetz Gottes Gerechtigkeit offenbart worden, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten: Gottes Gerechtigkeit aber durch Glauben an Jesus Christus für alle, die glauben. Denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist.

Diese grundlegende biblische Wahrheit – Errettung aus Gnade mittels des Glaubens und nicht mittels der menschlichen Werke – wird uns im Neuen Testament immer wieder bezeugt:

“Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.“

(Epheser 2, 8 – 9)

“Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.“

(Römer 6, 23)

So kann also auch in 1. Johannes 3, 24 das Halten der Gebote nicht das Mittel zur Erlangung der Erlösung bzw. zum “Bleiben“ in der Erlösung sein. Die Frage, wie wir 1. Johannes 3, 24 zu verstehen haben ist auch für unser Verständnis von 1. Johannes 4, 1 ff. von Bedeutung. Diese Frage beantwortet sich sehr leicht, wenn wir Jakobus 2, 26 betrachten:

“Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot.“

Menschliches Leben wird sich immer Ausdruck verleihen. Ein Kind wird geboren – woran erkennen wir, dass es lebt? Es atmet, es schreit, es strampelt. Niemand muss es dazu anhalten, niemand muss ihm diese Regungen gebieten. So etwas wäre lächerlich. Ebenso ist es, wenn ein Mensch zum Glauben kommt und von neuem geboren wird (Johannes 3, 1 – 6). Das neue, göttliche Leben in dem Gläubigen wird sich auf ganz natürliche Weise ausdrücken und zwar in dem der Gläubige danach strebt, die Werke zu tun, die Gott für ihn vorbereitet hat (Epheser 2, 10). Die Werke des Gläubigen sind ein ganz natürlicher Ausfluss des neuen, geistlichen Lebens in ihm. Durch sie wird deutlich, dass dieser Mensch wirklich eine neue Schöpfung in Christus (2. Korinther 5, 17) und damit errettet ist. Wo ein Mensch behauptet, von neuem geboren zu sein, solche Werke jedoch dauerhaft fehlen, da ist Zweifel an seinem/ihrem Bekenntnis angebracht und Seelsorge notwendig.
In Bezug auf 1. Johannes 3, 24 (“Und wer seine Gebote hält, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Und daran erkennen wir, dass er in uns bleibt: an dem Geist, den er uns gegeben hat.“) können wir also festhalten, dass das Halten der Gebote, um die es hier geht, nicht die Voraussetzung für die Erlangung der Erlösung bzw. zum “Bleiben“ in der Erlösung sein kann. Wie die “Werke des Glaubens“ in Jakobus 2, 26, ist auch das “Halten der Gebote“ in 1. Johannes 3, 24 die Folge von bzw. der Beweis für das neue Leben aus Gott in dem Gläubigen.

Anmerkungen zu 1. Johannes 4, 1 ff.

* “Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt ausgegangen. Hieran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder Geist, der Jesus Christus im Fleisch gekommen bekennt, ist aus Gott; und jeder Geist, der nicht Jesus [Christus im Fleisch gekommen] bekennt, ist nicht aus Gott; und dies ist der Geist des Antichrists, von dem ihr gehört habt, dass er komme, und jetzt ist er schon in der Welt.“1. Johannes 4, 1 – 3 – Im letzten Vers des 3. Kapitels schrieb der Apostel: “Und wer seine Gebote hält, bleibt in ihm, und er in ihm; und hieran erkennen wir, dass er in uns bleibt, durch den Geist, den er uns gegeben hat.“ Nachdem Johannes in diesem Vers den Geist Gottes erwähnt hat, fühlt er sich gedrängt, in den nächsten Versen (1. Johannes 4, 1 – 3) darauf hinzuweisen, dass es neben dem Geist Gottes auch andere geistliche Mächte und Einflüsse gibt (vgl. Epheser 2, 2; Epheser 6, 12 – 18). Diese Mächte bedienen sich

Dass dem so ist, sollte keinen Gläubigen überraschen (1. Timotheus 4, 1). Aus diesem Grund wird uns geboten, “die Geister zu prüfen, ob sie aus Gott sind“.
Mancher mag nun einwenden, er habe die “Gabe der Geisterunterscheidung“ (1. Korinther 12, 10) nicht und könne darum nicht prüfen, welcher Dinge vom Geist Gottes stammen und welche nicht. Doch dieses neutestamentarische Gebot, das heute leider oft missachtet wird, gilt jedem Gläubigen und zwar ganz unabhängig von der erwähnten Gabe. Jeder Gläubige ist auch in der Lage, diesem Gebot Folge zu leisten und zwar indem er alles, was ihm gelehrt und verkündigt wird, anhand des Wortes Gottes prüft. Die Heilige Schrift ist das durch den Geist Gottes eingegebene Wort Gottes (2. Timotheus 3, 16; Römer 15, 4; 2. Petrus 1, 20 – 21). Wenn uns etwas gelehrt oder verkündigt wird, das nicht in Übereinstimmung mit dem Wort der Heiligen Schrift steht, dann kann es sich dabei folglich nicht um eine Verkündigung/Lehre aus dem Geist Gottes handeln. Es handelt sich dann um eine falsche Lehre, von der wir uns distanzieren müssen (vgl. 1. Thessalonicher 5, 21 – 22!)
Manche Gläubigen sind leider so naiv, dass sie davon ausgehen, dass jede geistliche Manifestation in einem christlichen Kontext vom Geist Gottes gewirkt sei. Doch dabei vergessen sie, dass wir, solange wir auf dieser Erde sind, noch nicht in einem vollkommenen Zustand leben. Auf dieser Erde wird es immer Licht und Finsternis, Heiligkeit und Sünde, echten Weizen und Scheinweizen geben. Der Herr Jesus Christus hat dies in den prophetischen Gleichnissen von Matthäus 13 sehr deutlich dargelegt. Doch diese Tatsache muss und soll uns nicht verunsichern. Der Apostel Johannes gibt uns in den ersten drei Versen dieses Kapitels klare Hinweise, wie wir das Wirken des Heiligen Geistes von der Wirksamkeit anderer Geister unterscheiden können. Dabei macht Johannes deutlich, dass es bei dieser Unterscheidung im Kern immer um die Person des Herrn Jesus Christus geht: “Jeder Geist, der Jesus Christus im Fleisch gekommen bekennt, ist aus Gott; und jeder Geist, der nicht Jesus [Christus im Fleisch gekommen] bekennt, ist nicht aus Gott; und dies ist der Geist des Antichrists, von dem ihr gehört habt, dass er komme, und jetzt ist er schon in der Welt.“
Zuerst einmal ist festzuhalten, dass Johannes uns auffordert, das Bekenntnis dieser Menschen, also das, was sie lehren und verkündigen, zu prüfen. Es geht nicht darum, ihre Werke zu prüfen. Aus Matthäus 7, 15 – 20 haben viele den Gedanken abgeleitet, dass man falsche Propheten an ihren Werken (= Früchten) prüfen könne und dazu müsse man erst einmal abwarten, denn “Früchte bräuchten ja Zeit, ehe sie reif seien“ und erst dann könne man sie beurteilen. Ein verhängnisvoller, verführerischer Gedanke! Denn wenn wir diesen Text in Verbindung mit der Lehre des Herrn Jesus Christus in Matthäus 12, 33 – 37 untersuchen, dann wird deutlich, dass es auch in Matthäus 7, 15 – 20 um das Prüfen der Lehre bzw. Verkündigung geht. Das ist auch nur logisch, denn jeder Mensch – ob gläubig oder nicht – ist in der Lage, nach menschlichem Maßstab “gute Werke“ zu vollbringen. Doch davon dürfen wir uns nicht blenden lassen. Bedenken wir, äußerlich wirkten die falschen Propheten, vor denen der Herr Jesus Christus in Matthäus 7, 15 – 20 warnt, “wie Schafe“, denn sie waren ja “Wölfe in Schafskleidern“. D.h., dass sie äußerlich nicht zu unterscheiden waren. Erst “als sie den Mund öffneten“ wurde deutlich, wer sich da unter dem Schafspelz verbarg. Es geht also um das Bekenntnis, den Inhalt der Verkündigung und Lehre.
Aber dabei geht es nicht um irgendein Bekenntnis wie “Ich glaube auch an Gott“, “Ich bin auch Christ“ oder “Ich liebe Jesus“. Nein, Johannes zeigt auf, dass es um ein ganz konkretes Bekenntnis geht: “Jeder Geist, der Jesus Christus im Fleisch gekommen bekennt, ist aus Gott; und jeder Geist, der nicht Jesus [Christus im Fleisch gekommen] bekennt, ist nicht aus Gott; (..)“ – Jesus Christus – im Fleisch gekommen! Das ist der alles entscheidende Punkt! Doch was ist damit gemeint? Das christliche Bekenntnis hat zweierlei zum Gegenstand: Zuerst Jesus Christus, GOTT, den Sohn und dann Seine Inkarnation, Seine Kommen im Fleisch. Wir können es auch so sagen: Jesus Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich. Dabei geht es nicht nur darum, dass wir die historische Tatsache der Menschwerdung Christi anerkennen. Der Herr Jesus Christus hat trotz Seiner Menschwerdung Seine Gottheit nie aufgegeben. Wie viele Menschen gibt es, die in Jesus Christus einen “weisen Lehrer“, einen “sozialen Revolutionär“, einen “Propheten wie die alttestamentarischen Propheten“ oder einen “guten Menschen“ sehen und gleichzeitig Seine Gottheit leugnen? Solche Bekenntnisse können ihren Ursprung nicht im Geist Gottes haben. Andere bekennen durchaus, dass die Menschwerdung Christi eine historische Tatsache sei, aber dass Jesus Christus auch heute noch wahrer Gott und wahrer Mensch ist, diese Aussage lehnen sie ab. Auch ein solches Bekenntnis kann nicht vom Heiligen Geist gewirkt sein.
Wir sollten außerdem beachten, dass der Apostel davon spricht, dass jeder Geist, der “der nicht Jesus [Christus im Fleisch gekommen] bekennt“ ein anderer, ein falscher Geist ist. Fällt Ihnen etwas auf? Johannes sagt nicht: “Jeder Geist, der Jesus Christus verleugnet.“ Nein, er sagt: “Jeder Geist der …. nicht bekennt …“ Falsche Lehre verleugnet Jesus Christus nicht unbedingt, sie benutzt den Namen des Herrn sogar oft, um damit ihrer Zuhörer zu täuschen und um sie auf diese Weise zu verführen. Aber Irrlehre bekennt nicht die grundlegenden göttlichen Wahrheiten und schon gar nicht die göttliche Wahrheit, dass Jesus Christus wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Manche Irrlehrer leugnen diese göttliche Wahrheit offen, die meisten jedoch “umgehen“ bzw. “vermeiden“ (= “bekennen nicht“) klare Aussagen dazu. Wie schwerwiegend das ist, wird an den Worten deutlich, die Johannes dann anfügt: “(…) und dies ist der Geist des Antichrists, von dem ihr gehört habt, dass er komme, und jetzt ist er schon in der Welt.“
Die Heilige Schrift spricht an verschiedenen Stellen vom Kommen der Person des Antichristen (vgl. z.B. 2. Thessalonicher 2, 7 – 8; 1. Johannes 2, 18 + 21; 2. Johannes 7). Die griechische Vorsilbe “αντί“, hat eine doppelte Bedeutung, sie kann sowohl mit “gegen“ als auch mit “anstelle von“ übersetzt werden. Der Antichrist wird also eine Person sein, die gegen den Herrn Jesus Christus auftritt (vgl. Offenbarung 19, 11 – 13 + 19). Aber der Antichrist wird vor allem auch eine Person sein, die sich an die Stelle des Herrn Jesus Christus setzen wollen wird (2. Thessalonicher 2, 4). Aber auch wenn das Kommen der Person des Antichristen noch zukünftig ist, so bezeugt uns der Apostel Johannes, dass der “Geist des Antichristen“ bereits jetzt in dieser Welt wirksam ist. Die Wirksamkeit dieses Geistes richtet sich gegen die göttliche Person unseres Erlösers und will Ihn – Jesus Christus, Gott, den Sohn – durch falsche Lehren und falsche Lehrer ersetzen. Dem müssen wir standhaft widerstehen (2.Timotheus 3, 8; 2. Johannes 9 – 11).

* “Ihr seid aus Gott, Kinder, und habt sie überwunden, weil der, der in euch ist, größer ist als der, der in der Welt ist.“1. Johannes 4, 4 – In diesem Vers ermutigt Johannes seine Leser. Die angeschriebenen Gläubigen, die Kinder Gottes, haben bereits in der Vergangenheit falsche Propheten (“sie“) überwunden, indem sie – wie bereits ausgeführt, diesen falschen Propheten und ihren verführerischen Lehren standhaft widerstanden und keinerlei Gemeinschaft mit solchen hatten, die derartige Lehren brachten (2. Timotheus 3, 8; 2. Johannes 9 – 11). Aber Johannes ist davon überzeugt, dass die Gläubigen auch in Zukunft die falschen Propheten und die von ihnen ausgehende Gefahr überwinden werden. Der Grund für diese Zuversicht liegt in der Quelle der Kraft, durch die die Gläubigen überwunden haben. Es ist nicht ihre eigene Kraft oder Intelligenz, sondern “der, der in ihnen ist“. Wer ist diese Person, von der Johannes hier spricht? Es ist Gott, der Heilige Geist, der in den Gläubigen lebt. Im Vers davor sprach Johannes von dem Geist des Antichristen, der “jetzt schon in der Welt ist“. Diesem falschen Geist wird der Heilige Geist, der in den Kindern Gottes lebt (1. Korinther 3, 16 – 17; 1. Korinther 6, 19; 1. Johannes 3, 24; 1. Johannes 4, 2 + 13), gegenüber gestellt. Der Geist Gottes, der größer ist als der Geist des Antichristen und alle Macht des Bösen (1. Johannes 5, 19; 2. Korinther 4, 4; Johannes 12, 31), schenkt uns die Kraft, dass wir die falschen Lehren erkennen und ihnen widerstehen können. Dies geschieht ganz praktisch, indem wir uns intensiv mit dem Wort Gottes, der Heiligen Schrift, und so mit Dem, der “das Wort“ (Johannes 1, 1 – 3; Offenbarung 19, 13) genannt wird, beschäftigen. Verführungen zu überwinden durch das Wort Gottes – angewandt in der Kraft des Heiligen Geistes – das ist der Weg, den der Herr Jesus Christus uns Selbst vorgelebt hat (vgl. Matthäus 4, 1 – 11; Epheser 6, 17).

* “Sie sind aus der Welt, deswegen reden sie aus der Welt, und die Welt hört sie. „1. Johannes 4, 5 – Johannes erläutert nun, warum die Welt “sie“, d.h. die falschen Propheten, so gern hört und ihnen folgt. Der Grund dafür ist, dass die falschen Propheten “aus der Welt“ sind – im Gegensatz zu den Gläubigen, von denen Johannes in Vers 4 gesagt hat, dass sie “aus Gott“ sind. Wenn die falschen Propheten also zur “Welt“ sprechen, dann sprechen sie, so könnte man sagen, zu Menschen, die “auf derselben Wellenlinie“ senden und empfangen (vgl. auch Johannes 3, 31; Johannes 15, 19).

* “Wir sind aus Gott; wer Gott erkennt, hört uns; wer nicht aus Gott ist, hört uns nicht. Hieraus erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums.“1. Johannes 4, 6 – Auch Gott sendet Sein Wort, aber um es empfangen zu können, muss man den richtigen “Empfänger“ besitzen – man muss von “neuem“ bzw. “von oben“ geboren sein (Johannes 3, 1 – 6; Römer 8, 14 + 16; Galater 4, 6). Wer aber göttliches Leben bleibend in sich hat, wird auch in der Erkenntnis Gottes wachsen (Kolosser 1, 9 – 10). Solche Menschen haben damals, zur Zeit des Johannes, Seine Worte und die der anderen neutestamentarischen Apostel und Propheten (Epheser 2, 20) als Gottes Wort angenommen, sie – die Augenzeugen Seiner Herrlichkeit (1. Johannes 1, 1 – 4) – “gehört“, und wir tun dies heute auch, indem wir ihre verschriftlichten Worte, das Neue Testament, als das Gottes Wort
anerkennen. Es gibt viele theologische Systeme und Anschauungen, die die göttliche Inspiration des Neuen Testaments leugnen. Einige leugnen die Inspiration des Neuen Testaments ganz, andere sehen nur bestimmte Teile als inspiriert an. Es ist hier nicht Raum und Zeit, um auf diese verschiedenen Ansichten einzugehen. Wir dürfen aber festhalten, dass der Herr Jesus Christus Seinen Jüngern zwei Verheißungen gegeben hatte:

“Der Sachwalter aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“

(Johannes 14, 26)

Diese Verheißung erfüllte sich zum einen, als die Evangelisten Seine Worte und Taten in den Evangelien und der Apostelgeschichte niederschrieben (“an alles erinnern“). Zum anderen dann, als die Apostel in ihren Briefen die “Lehre des Christus“ (2. Johannes 9) niederlegten.

Die zweite diesbezügliche Verheißung finden wir in Johannes 16, 13:

“Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht von sich selbst aus reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen.“

Diese Verheißung erfüllte sich in den prophetischen Aussagen der Evangelien, der apostolischen Briefe und insbesondere im Buch der Offenbarung. Daraus schließen wir, dass das gesamte Neue Testament das vom Geist Gottes eingegebene Wort Gottes ist. Dabei fiel es dem Apostel Paulus zu, das Wort Gottes in Bezug auf die Lehre zu vollenden (Kolosser 1, 25), wohin gegen es die Aufgabe des Apostels Johannes war, mit dem von ihm empfangenen prophetischen Buch den biblischen Kanon abzuschließen (Offenbarung 22, 18 – 19).
Darüber hinausführende Offenbarungen oder so genanntes “neues Licht“, sind uns nicht verheißen. Ganz im Gegenteil, wir werden ausdrücklich davor gewarnt, irgendeiner Lehre oder Verkündigung zu folgen, die über die Lehre des Christus hinausgeht:

Jeder, der weitergeht und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht; wer in der Lehre bleibt, dieser hat sowohl den Vater als auch den Sohn. Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmt ihn nicht ins Haus auf und grüßt ihn nicht. Denn wer ihn grüßt, nimmt teil an seinen bösen Werken.“

(2. Johannes 9 – 11)

Wie gesagt, es gibt viele theologische Systeme und Anschauungen, die die göttliche Inspiration des Neuen Testaments leugnen. Nach den Worten des Apostels Johannes ist dies ein (weiteres) Prüfkriterium, um Wahrheit und Irrtum unterscheiden zu können: “Wir sind aus Gott; wer Gott erkennt, hört uns; wer nicht aus Gott ist, hört uns nicht. Hieraus erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums.“ Wer aus Gott geboren ist und Gott erkennt, der anerkennt auch das, was Er uns durch die Apostel und Propheten des Neuen Testaments geoffenbart hat.

* “Geliebte, lasst uns einander lieben, denn die Liebe ist aus Gott; und jeder, der liebt, ist aus Gott geboren und erkennt Gott. „1. Johannes 4, 7 – Mit diesem Vers kehrt der Apostel Johannes nun zu dem Thema der Liebe Gottes und der Bruderliebe zurück. (Manche Ausleger haben 1. Johannes 4, 7 – 16 im Vergleich zu 1. Korinther 13, 1 ff. als das johanneische “Hohelied der Liebe“ bezeichnet.) Zuerst erinnert der Apostel seine Leser daran, dass sie selbst “Geliebte“ sind. Die Feststellung, dass die Gläubigen “Geliebte“, “Geliebte Gottes“ sind, ist – wie wir noch sehen werden – von großer Wichtigkeit.
Als “Geliebte Gottes“ werden wir aufgefordert, einander zu lieben, “denn die Liebe ist aus Gott“. Hier werden wir an die Quelle der Bruderliebe geführt – es ist Gott selbst. Dabei erkennen wir sogleich, dass nicht irgendeine Art von Liebe gemeint sein kann. Auch “die Welt“, die Johannes in den vorausgehenden Versen den Kindern Gottes gegenüber gestellt hat, hat ja eine gewisse Art von “Liebe“ (Johannes 15, 19). Aber diese von Egoismus gekennzeichnete “Liebe“ ist hier natürlich nicht gemeint. Es geht um Gottes Liebe, die immer das Heil und das Wohl des anderen im Fokus hat. Diese Liebe Gottes wurde durch den Heiligen Geist in die Herzen der Gläubigen ausgegossen (Römer 5, 5). Sie, die Liebe Gottes in uns, befähigt uns zu wahrhaftiger Menschen- und Bruderliebe. Wo immer diese Liebe sichtbar wird, wird auch deutlich, dass ein Mensch von neuem geboren ist und Gott erkennt. Beides – göttliches Leben und die Erkenntnis Seiner Person – sind nach der Lehre des Neuen Testaments auf das Engste miteinander verbunden (vgl. Johannes 17, 3; 2. Petrus 3, 18).

* “Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe.“1. Johannes 4, 8 – So, wie die ausgelebte Bruderliebe ein Kennzeichen dafür ist, dass jemand Gott erkannt hat, so zeigt nicht vorhandene Bruderliebe deutlich, dass ein solcher Mensch Gott nicht erkannt hat, denn “Gott ist Liebe“. Indem Johannes dies sagt, macht er zweierlei deutlich:
1) Nur Menschen, die durch die “Geburt von oben“ (Johannes 3, 1 – 6) von neuem geboren und so “Teilhaber der göttlichen Natur“ (2. Petrus 1, 4) geworden sind, können diese Art von Liebe auch ausleben. Denn nur in ihre Herzen wurde die Liebe Gottes durch den Heiligen Geist ausgegossen (Römer 5, 5).
2) “Gott ist Liebe“, d.h. Liebe ist ein Teil des Wesens Gottes. In diesem Zusammenhang ist eine Warnung angebracht, ja notwendig: Viele Menschen folgern aus der Aussage des Johannes “Gott ist Liebe“, dass alles, was sie als “Liebe“ ansehen bzw. unter dem Begriff “Liebe“ verstehen, auch “Gott“ sei! Ich las dieser Tage die Aussage “Liebe ist nur ein anderes Wort für Gott“. Weit gefehlt! Diese Schlussfolgerung ist nicht nur durch die griechische Syntax ausgeschlossen, sie ist auch nicht biblisch. Denn Gott ist nicht nur Liebe. Er ist Licht (vgl. 1. Johannes 1, 5), Er ist Geist (Johannes 4, 24) und Er ist “ein verzehrendes Feuer“ (Hebräer 12, 29). Nein, Liebe ist nicht ein anderes Wort für Gott und Gott ist nicht ein anderes Wort für Liebe. Wer das denkt und verkündigt, der reduziert Gott auf eine Seiner Charaktereigenschaften. Davor aber sollten wir uns unbedingt hüten.

* “Hierin ist die Liebe Gottes zu uns offenbart worden, dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben möchten.“1. Johannes 4, 9 – Der größte Beweis dafür, dass Gott Liebe ist bzw. Liebe zu uns hat, ist, dass Gott Seinen Sohn in diese Welt sandte, um uns zu erlösen. Grundsätzlich ist jeder Mensch “tot in Sünden“ (Epheser 2, 5; Kolosser 2, 13) und aus diesem Zustand des geistlichen Todes kann sich kein Mensch selbst befreien. Keine “guten“ Werke, kein noch so religiöses Verhalten vermag den Menschen vor Gott gerecht zu machen. Wir brauchten einen Erlöser, der für unsere Sünde starb, der uns wieder in eine Beziehung zu Gott bringen und der uns neues, ewiges Leben schenken konnte. Nur der von Gott gesandte, eingeborene Sohn war dazu in der Lage. Er, Jesus Christus, Gott der Sohn, starb für unsere Sünde (Galater 1, 4; 1. Johannes 2, 2). Er hat uns durch das Blut Seines Kreuzes mit Gott versöhnt (Kolosser 1, 20), so dass wir Frieden mit Gott haben dürfen (Römer 5, 1). Und Er ist es auch, durch den wir ewiges Leben empfangen haben (Johannes 3, 16; Johannes 3, 36). Jeder Mensch empfängt dieses ewige Leben, das Leben aus Gott, in dem Moment, in dem er an Ihn – Jesus Christus – glaubt:

“Denn das ist der Wille meines Vaters, dass, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, das ewige Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage.“

(Johannes 6, 40)

So ist der Herr Jesus Christus alles für uns geworden:

“Aus ihm aber kommt es, dass ihr in Christus Jesus seid, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung; damit, wie geschrieben steht: ‚Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!'“

(1. Korinther 1, 30 – 31)

Weil Er, Gott, der Sohn, uns “das Leben“ schenkt und es dieses Leben nirgendwo außerhalb von Ihm gibt, spricht der Apostel Paulus von dem Herrn Jesus Christus als “unserem Leben“ (Kolosser 3, 4). Von Cyprian von Karthago stammt der Satz “Extra ecclesiam salus non est – Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil.“ Diese Aussage, dass es außerhalb der katholischen Kirche kein Heil gibt, wurde dann in der Allgemeinen Kirchenversammlung zu Florenz (1438 – 1445) als Dogma festgeschrieben. Was für eine böse, gegen Christus gerichtete Lehre! Allein in dem Sohn Gottes ist “das Leben“ und Er gibt es, wem Er will (Johannes 5, 21). “Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil“ ist eine böse, den “Fürst des Lebens“ (Apostelgeschichte 3, 15) beiseite setzende Lüge, durch welche unzählige Menschen durch alle Jahrhunderte von dem Leben aus Gott ferngehalten wurden. Die Wahrheit, wie sie die Reformatoren wieder betonten, ist “Extra Christum salus non est – Außerhalb von Jesus Christus gibt es kein Heil“:

“Und dies ist das Zeugnis: dass Gott uns ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht.

(1. Johannes 5, 11 – 12)

Dieses Ziel verfolgte Gottes Liebe mit der Sendung Seines Sohnes: “(…) damit wir durch ihn leben möchten.“ (1. Johannes 4, 9).

* “Hierin ist die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als Sühnung für unsere Sünden.“1. Johannes 4, 10 – Die Sendung des Sohnes Gottes war keine Reaktion Gottes auf unsere Liebe. Gott allein ergriff die Initiative zu unserer Erlösung. “Tot in Sünden“ (Epheser 2, 5) waren wir gar nicht fähig, Gott zu lieben. Denn auch wir waren “(…) verfinstert am Verstand, entfremdet dem Leben Gottes wegen der Unwissenheit, (…) wegen der Verstockung (des) Herzens (…)“ (Epheser 4, 18). Ja, wir waren Feinde Gottes. Nur weil Gott der Sohn, unsere Sünden sühnte, konnten wir mit Gott versöhnt werden und dürfen jetzt Seine Liebe genießen:

“Denn wenn wir mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, um wie viel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, nachdem wir nun versöhnt sind.“

(Römer 5, 10)

Der Sohn Gottes starb nicht für Freunde Gottes am Kreuz, sondern für uns, als wir noch Feinde waren. Kann es einen größeren Beweis der Liebe Gottes geben? Ist der Herr Jesus Christus nicht unser aller Anbetung wert?

* “Geliebte, wenn Gott uns so geliebt hat, sind auch wir schuldig, einander zu lieben.“1. Johannes 4, 11 – Verstehen wir nun, was es bedeutet, wenn wir als “Geliebte“ – “Geliebte Gottes“ – angesprochen werden? Das Vorbild der Liebe Gottes und die in unsere Herzen ausgegossene Liebe Gottes (Römer 5, 5) befähigen uns, einander zu lieben. Dabei sollten wir beachten, dass Gott uns nicht erst liebte, als wir Ihm angenehm waren. Seine langmütige Liebe liebte uns “als wir noch Feinde“ waren. Gottes Liebe kannte keine Vorbedingungen. Wie ist es da um unsere Liebe bestellt? Je mehr wir uns Seiner Liebe bewusst werden und sie im Glauben zu genießen lernen, desto größer wird diese Liebe auch in uns werden und durch uns unseren Bruder und Nächsten erreichen (vgl. 1. Thessalonicher 3, 12).

* “Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir einander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollendet.“1. Johannes 4, 12 – Gott wird im Neuen Testament als der unsichtbare Gott (Kolosser 1, 15; Hebräer 11, 27) bezeichnet. Im ersten Moment scheint uns hier ein Widerspruch vorzuliegen. Denn das Alte Testament spricht ja davon, dass Menschen Gott gesehen haben. So wird z.B. von Mose gesagt: “Der Herr sprach mit Mose Auge in Auge wie ein Mensch mit einem andern. Darauf kehrte Mose ins Lager zurück. Sein Diener Josua aber, der Sohn Nuns, damals noch ein junger Mann, blieb stets als Hüter im Zelt.“ (2. Mose 33, 11) Dabei ist es wichtig, dass wir beachten, wie die Begegnung Gottes mit Mose beschrieben wird. In 2. Mose 33, 9 heißt es: „Wenn Mose in das Zelt ging, kam die Wolkensäule herab und blieb am Eingang des Zeltes stehen. Dann redete der Herr mit Mose.“ Mose sah Gott also nicht in Seiner Gottheit, sondern in der Erscheinung der Wolkensäule. Wenn wir die anderen Stellen des Alten Testaments untersuchen, in denen davon die Rede ist, dass Menschen Gott sahen, dann werden wir feststellen, dass es sich dabei immer um Begegnungen handelte, in denen Gott sich in einer besonderen Erscheinungsform offenbarte, aber nie in Seiner absoluten Gottheit. Denn die damit einhergehende Herrlichkeit hätte kein sterblicher Mensch überlebt (siehe 2. Mose 33, 20). Erst durch den Herrn Jesus Christus wurde Gott in dieser Welt so geoffenbart, dass Menschen ihn sehen konnten:

“Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. „

(Johannes 14, 9; vgl. Kolosser 1, 15)

Aber nun kommt Johannes zu der wunderbaren Feststellung, dass durch uns, die Gläubigen, Gott in dieser Welt geoffenbart wird. Der Herr Jesus Christus hat diese Wahrheit schon in dem so genannten “Liebesgebot“ in Johannes 13, 34 – 35 angesprochen:

“Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebet, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebet. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“

Sind wir uns dieser hohen Berufung und der damit verbundenen Verantwortung bewusst? Wenn wir einander lieben, dann hat das – gemäß 1. Johannes 4, 12 – drei Auswirkungen: Wir offenbaren Gott in dieser Welt, wir erfahren Gottes Gegenwart in unserem Leben und Gottes Liebe wird in uns vollendet, d.h. sie hat ihr Ziel in uns erreicht. Leben wir schon so, dass die Welt Gott durch uns erkennt, dass wir Gottes Gegenwart in unserem Leben beständig erfahren? Hat Gottes Liebe ihr Ziel in uns erreicht?

* “Hieran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat.“1. Johannes 4, 13 – Woran erkennen wir, dass wir in Gottes Gegenwart bleiben? Diese Frage beantwortet Johannes hier mit dem Verweis auf den Heiligen Geist, den Gott uns gegeben hat. Wenn es hier heißt “von seinem Geist gegeben hat“, dann dürfen wir nicht den Fehler machen und daraus schließen, Gott habe uns einen “Teil“ Seines Geistes gegeben. Der Heilige Geist ist die dritte Person der Gottheit, Er ist nicht teilbar. Durch diesen Geist wurden wir von neuem geboren (Johannes 3, 1 – 6) und so in die Gemeinschaft mit Gott gebracht. Er, der in uns lebt (1. Korinther 3, 16 – 17; 1. Korinther 6, 19; 1. Johannes 3, 24; 1. Johannes 4, 2 + 13), schenkt uns die Gewissheit, dass wir “in Gott bleiben“, d.h. in Gottes Gegenwart leben.

* “Und wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt.“1. Johannes 4, 14 – Der Geist Gottes befähigt uns, einander zu lieben (Römer 5, 5) und er befähigt uns Gott und Seinen Sohn, den Heiland (Erlöser) der Welt in dieser Welt zu bezeugen (Apostelgeschichte 1, 6 – 8). Dabei ist es von großer Bedeutung, was der Inhalt unseres Zeugnisses ist, nämlich “dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt“. Viele Menschen haben mit “dem Glauben an Gott“ kein Probleme. Doch wenn die Rede auf den Sohn Gottes, den Herrn Jesus Christus kommt, dann machen sie einen Rückzieher: “Gott ja, Jesus Christus …“
Unter dem Begriff “Gott“ kann der Mensch noch alles mögliche verstehen, doch mit dem Hinweis auf den Herrn Jesus Christus wird ganz deutlich, um welchen Gott es hier geht und vor dieser Eindeutigkeit weichen viele Menschen gern zurück, weil sie ihr Leben eben doch nach ihren eigenen Wünschen leben und es nicht der Herrschaft Christi unterordnen wollen (Johannes 3, 36). Unter all‘ den Göttern, die Menschen auf dieser Erde anbeten gibt es nur einen Gott, den allein wahren Gott, der Seinen Sohn als Erlöser der Welt gesandt hat. Dieser Erlöser ist der Sohn Gottes von Ewigkeit her. Er wurde nicht erst mit Seinem Kommen auf diese Erde “zum Sohn Gottes“, wie es einige irregeleitete theologische Systeme darstellen. Nein, Er ist der Sohn Gottes von Ewigkeit her (Johannes 1, 1 – 3 + 14), denn Er Selbst ist Gott (Hebräer 1, 8) und Sein Erlösungswerk gilt der ganzen Welt. Die ganze Welt liegt “im Bösen“ (1. Johannes 5, 19) und darum braucht auch die ganze Welt den Erlöser, den Gott gesandt hat: Jesus Christus!

Wer also nach Gottes Liebe sucht, der darf weder in sein Inneres, noch in diese Welt schauen. In uns – so bezeugt es der Apostel Paulus – ist nichts Gutes (Römer 7, 18). Und auch in dieser von Gott losgelösten und unter dem Flucht der Sünde stehenden Welt ist die Liebe Gottes nicht zu finden (1. Johannes 5, 19). Wer nach der Liebe Gottes sucht, der muss auf das Kreuz von Golgatha blicken, denn dort wurde sie ein für allemal geoffenbart:

“Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“

(Johannes 3, 16)

Diese Liebe Gottes, die sich am Kreuz von Golgatha offenbarte, ist von allen erkannt worden, die zum Glauben an Jesus Christus gekommen sind (“Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat.“) Durch Gottes Gnade durften wir die Liebe, die Gott zu uns hat, erkennen und diese Erkenntnis führte wiederum zu einem tieferen Glauben an Gottes Liebe. Geistliche Erkenntnis und Glaube stehen in einer Interaktion, d.h. sie wirken aufeinander ein: Um geistlich erkennen bzw. verstehen zu können, ist immer auch Glaube notwendig (vgl. Hebräer 11, 3). Dann aber führen geistliche Erkenntnis/geistliches Verständnis dazu, dass unser Glaube auferbaut und vertieft wird. Genau das ist der Wille Gottes, der hier – in 1. Johannes 4, 16 – zum Ausdruck kommt: Unser Glaube soll fest verankert werden in Seiner Liebe. Wir sollen ein beständiges Bewusstsein Seiner Liebe haben, uns an Gottes Liebe erfreuen, ja Gottes Liebe genießen. Es ist wichtig, dass wir hier ganz genau sind: Es geht nicht um unsere Liebe – weder zu anderen Menschen, noch zu Gott -, sondern allein um Gottes Liebe. In dieser – Seiner – Liebe sollen wir fest verankert sein. Wie wir gesehen haben, hat sich diese Liebe Gottes am Kreuz auf Golgatha geoffenbart. Dort und nirgendwo anders, wurde sie manifest, sichtbar, begreifbar, ergreifbar. Um also in Gottes Liebe zu bleiben, müssen wir beständig dieses Kreuz von Golgatha vor Augen haben. Weder der Blick in uns selbst hinein, noch der Blick auf andere Menschen im Einzelnen, noch der Blick auf die Welt als Ganzes, werden uns in der Liebe Gottes bewahren. Das vermag nur der beständige Blick auf das Erlösungswerk des Sohnes Gottes. Als Gläubige sind wir zwar nicht mehr “von der Welt“, aber wir sind noch immer “in der Welt“ (Johannes 17, 9 – 11 + 14), d.h., dass wir uns während unseres Lebens in dieser Welt – auch als Gläubige – mit einer Vielzahl von Problemen, Nöten und Bedrängnissen auseinandersetzen müssen. Wenn wir unseren Blick auf diese Dinge richten, dann werden wir – wie Petrus auf dem See Genezareth – straucheln und versinken. Richten wir unseren Blick jedoch fest auf die Liebe Gottes, wie sie sich am Kreuz Christi geoffenbart hat, dann wird uns nichts und niemand diese Überzeugung von der Liebe Gottes nehmen können. Wir werden treu bleiben, wir werden überwinden, wir werden in Gott bleiben (d.h. wir werden Gottes beständige Gegenwart erfahren)!
Wenn der Apostel Johannes davon spricht, dass die Gläubigen die Liebe erkannt haben, die Gott zu uns hat, dann kommt in dieser Aussage noch eine andere wichtige Tatsache zum Ausdruck: Gottes Liebe, die sich vor fast 2000 Jahren geoffenbart hat, ist jetzt und hier Realität. Seine Liebe zu uns ist nicht Vergangenheit – obwohl sie in der Vergangenheit geoffenbart wurde. Gottes Liebe ist auch keine zukünftige Angelegenheit, obwohl wir Seine Liebe in alle Ewigkeit genießen werden. Gottes Liebe gilt Ihnen und mir gerade jetzt! Vielleicht sagen Sie jetzt: “Aber ich fühle das gar nicht so, ich empfinde Gottes Liebe zu mir jetzt gar nicht.“ Erlauben Sie mir eine Gegenfrage: Hat der Apostel Johannes gesagt: “Wir haben erkannt und empfunden/gefühlt, die Liebe, die Gott zu uns hat.“? Nein, er sagte: “Wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat.“ Gottes Liebe ist nicht Gegenstand unserer oft sehr wechselhaften Gefühle. Gottes Liebe ist Gegenstand unseres Glaubens – völlig unabhängig von dem, was wir fühlen mögen oder nicht fühlen mögen.
Erinnern Sie sich einmal an den Apostel Paulus und seinen Mitarbeiter Silas. nachdem Gott den Apostel durch einen Traum darüber in Kenntnis gesetzt hatte, dass er in Mazedonien das Evangelium verkündigen sollte (Apostelgeschichte 16, 9 – 10), bricht dieser mit seinem Mitarbeiter sofort nach Philippi – der Hauptstadt Mazedoniens – und damit nach Europa auf. In Philippi angekommen finden sie eine Gruppe von jüdischen Frauen, der sie das Evangelium verkündigen (Apostelgeschichte 16, 11 – 13). Eine dieser Frauen – Lydia – öffnet ihr Herz für das Evangelium und kommt zum Glauben an Jesus Christus (Apostelgeschichte 16, 14 – 15). Doch der Feind Gottes schläft nicht. Er benutzt eine Sklavin, die von einem Wahrsagegeist besessen ist und die durch ihre Wahrsagerei ihren Herren viel Geld einbrachte, um das von Paulus und Silas verkündete Evangelium zu verfälschen. Zwar redet diese Frau auf die Bewohner von Philippi ein, sie sollten Paulus und Silas anhören, doch sie bezeichnet die Verkündiger des Evangeliums als “Diener des höchsten Gottes“, womit impliziert wird, dass es neben dem “höchsten Gott“ noch andere Götter geben könnte (Apostelgeschichte 16, 17). Als Paulus diesem Treiben wehrt und die arme Frau von dem Geist befreit, der von ihr Besitz ergriffen hatte, wird er von den Besitzern dieser Sklavin angezeigt und vor Gericht gebracht. Denn diese Menschen hatten damit ihre Einnahmequelle verloren (Apostelgeschichte 16, 16 – 22). In ihrem Zorn wiegeln sie dann auch andere Bewohner der Stadt auf, so dass es zu einer Art Aufstand kommt. Paulus und Silas werden festgenommen, geschlagen und ins Gefängnis gebracht. Dort werden ihre Füße in den Block eingeschlossen und so wird ihnen jede Bewegungsfreiheit genommen. Doch was berichtet uns die Heilige Schrift von diesen verfolgten und gefolterten Männern? “Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott mit Gesang, und die Gefangenen hörten sie.“ (Apostelgeschichte 16, 25). Paulus und Silas stimmten keinen Klagegesang an, ganz im Gegenteil. Sie lobten Gott! Wie ist so etwas in einer solchen Situation möglich? Paulus und Silas konnten Gott inmitten ihrer schwierigen und ungewissen Umstände loben und preisen, weil sie eben nicht auf diese Umstände, sondern auf Gott, der sie liebte, schauten!
Gottes Liebe zu Ihnen ist eine gegenwärtige Realität – Gott hat Liebe zu Ihnen! Gott hat Liebe zu Ihnen – Seine Liebe ist direkt auf Ihre Person gerichtet! Warten Sie nicht auf irgendwelche Gefühle, vertrauen, d.h. glauben Sie Ihm jetzt, was Er gesagt hat!
Denn: “Gott ist Liebe.“ – Diese Aussage des 1. Johannesbriefes, die uns schon in 1. Johannes 4, 8 begegnete, ist wohl eines der bekanntesten Bibelworte überhaupt. Es ist auch eines der Bibelworte, das am meisten missbraucht wird. Ich möchte darum in diesem noch einmal darauf hinweisen, was ich bereits im Zusammenhang mit Vers 8 gesagt habe: Viele Menschen folgern aus der Aussage des Johannes ”Gott ist Liebe”, dass alles, was sie als ”Liebe” ansehen auch ”Gott” sei! Ich las dieser Tage die Aussage ”Liebe ist nur ein anderes Wort für Gott”. Weit gefehlt! Diese Schlussfolgerung ist nicht nur durch die Syntax ausgeschlossen, sie ist auch nicht biblisch. Denn Gott ist nicht nur Liebe. Er ist Licht (vgl. 1. Johannes 1, 5), Er ist Geist (Johannes 4, 24) und Er ist ”ein verzehrendes Feuer” (Hebräer 12, 29). Nein, Liebe ist nicht ein anderes Wort für Gott und Gott ist nicht ein anderes Wort für Liebe. Wer das denkt und verkündigt, der reduziert Gott auf eine seiner Charaktereigenschaften. Davor aber sollten wir uns unbedingt hüten.
Halten wir noch einmal fest: In der Liebe Gottes zu bleiben heißt, sich Seiner Liebe stetig bewusst sein und sich daran zu erfreuen. Das können wir nur, wenn wir beständig das Kreuz von Golgatha vor Augen haben. Je mehr wir von dieser Offenbarung der Liebe Gottes erkennen, desto größer wird unsere Freude daran, desto stärker wird auch unser Glaube.

* “Hierin ist die Liebe mit uns vollendet worden, damit wir Freimütigkeit haben an dem Tag des Gerichts, dass, wie er ist, auch wir sind in dieser Welt.“1. Johannes 4, 17 – Während Gottes Liebe ihr Ziel “in uns“ durch die Bruderliebe erreicht (Vers 11), geht es nun darum, dass die Liebe Gottes ihr Ziel “mit uns“ in Bezug auf den Tag des Gerichts erreicht. Wir können in diesem Zusammenhang festhalten, dass es, wenn von der Vollendung der Liebe Gottes “in uns“ gesprochen wird, um unsere Beziehungen zu unseren Mitgläubigen geht. Im Fokus steht die richtige Art unserer Beziehung zu unseren Mitbrüdern. Wenn Johannes nun davon spricht, dass die Liebe Gottes ihr Ziel “mit uns“ erreicht, dann steht die richtige Art unserer Beziehung zu Gott im Vordergrund.
Wie dies geschehen kann, wird uns hier erläutert. Johannes sagt, dass wir – die Gläubigen – in dieser Welt sind, wie auch Er, Jesus Christus in dieser Welt ist. Jesus Christus – unser Leben (Kolosser 3, 4) – ist nach Seiner Auferstehung und Himmelfahrt verherrlicht worden und sitzt nun zur Rechten Gottes (Kolosser 3, 1 – 3). Auch wir, die wir von Ihm das Leben empfangen haben, sind mit Ihm in dieselbe Stellung versetzt worden:

“Er hat uns mitauferweckt und mitsitzen lassen in der Himmelswelt in Christus Jesus.“

(Epheser 2, 6)

Diese geistliche Tatsache können wir kaum ermessen und dennoch ist sie wahr: Weil Gott uns in Seiner unermesslichen Liebe und Gnade dieselbe Stellung verliehen hat, wie Seinem Sohn, darum brauchen wir das Gericht nicht fürchten. Heute schon stehen wir ja auf der Seite des Richters. Gottes Liebe kommt “mit uns“ zum Ziel, wenn wir das begreifen. Gläubige kommen nicht mehr in das Gericht, in dem Gott über “ewiges Leben“ und “ewigen Tod“ entscheidet (Johannes 3, 16 – 18; Johannes 5, 24), denn sie haben dieses ewige Leben ja schon durch Seinen Sohn erhalten (Römer 8, 1)!
Gläubige werden vor dem Richterstuhl Christi offenbar (1. Korinther 3, 12 – 15; 2. Korinther 5, 10; Römer 14, 10 – 12). Doch vor dem Richterstuhl Christi wird nicht mehr über unsere ewige Bestimmung, sondern über unseren Lohn entschieden.

* “Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, ist nicht vollendet in der Liebe.“1. Johannes 4, 18 – In Gottes Liebe, denn um diese Liebe geht es hier, hat Furcht keinerlei Raum. Gottes vollkommene Liebe, die Er in Seinem Sohn geoffenbart hat, treibt alle Furcht aus. Wie könnte ich mich auch fürchten, wenn Gott mich doch mit Seiner vollkommenen Liebe liebt?
Die Furcht, von der hier die Rede ist, ist die Furcht vor der zukünftigen Bestrafung. Zweimal wird diese zukünftige Bestrafung im Neuen Testament erwähnt (Matthäus 25, 46; 2. Petrus 2, 9). Wie sollten Gläubige diesen Tag fürchten, wo sie doch “Begnadigt in dem Geliebten“ (Epheser 1, 6), also in dem Sohn Gottes sind?
Wer sich als Gläubiger immer noch vor einer zukünftigen Bestrafung durch Gott fürchtet, der ist noch nicht “in der Liebe Gottes vollendet“, der hat die Vollkommenheit des Erlösungswerkes Christi noch nicht in seiner Tiefe erfasst bzw. erfahren. Sollte das bei Ihnen der Fall sein, dass lesen und studieren Sie bitte betend Gottes Wort, bis auch Sie die vollkommene Liebe Gottes genießen können und alle Furcht aus Ihrem Herzen weichen muss.

* “Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.“1. Johannes 4, 19 – Noch einmal macht Johannes deutlich, wozu uns diese vollkommene Liebe Gottes, die die Furcht austreibt, befähigt. Dabei weist er darauf hin, dass alle Initiative bei Gott lag. Ohne Sein Eingreifen, ohne Seine Liebe, wäre es uns nicht möglich, wirklich zu lieben.

* “Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, so ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er gesehen hat, wie kann der Gott lieben, den er nicht gesehen hat?“1. Johannes 4, 20 – So, wie Johannes dieses Kapitel damit beginnt, dass er uns Kennzeichen gibt, an denen wir den “Geist der Wahrheit“ von dem “Geist des Irrtums“ unterscheiden können (1. Johannes 4, 1 – 3) so schließt dieses Kapitel mit einem Hinweis darauf, woran jene erkennbar sind, die sich nicht nur “christlich“ geben oder “christlich“ nennen, sondern wirklich Leben aus Gott haben: Wer bekennt, dass er Gott liebt, der kann nicht gleichzeitig seinen Bruder ablehnen, ja ihn hassen. Das Urteil, das Gottes Wort über einen solchen Menschen fällt, ist sehr erst: er ist ein Lügner! Ein solcher Mensch kann das ewige Leben nicht bleibend in sich haben (Offenbarung 21, 8).
Warum fällt das Wort Gottes hier ein so schwerwiegendes Urteil? Wie wir in Vers 12 gesehen haben, offenbart sich Gott dieser Welt durch die Liebe, die die Kinder Gottes untereinander haben (Johannes 13, 35; Apostelgeschichte 4, 32 – 33). Er lebt ja durch Seinen Geist in ihnen. Wenn nun jemand seinen Bruder hasst, so trifft dieser Hass auch Gott. Darum kann niemand sagen, dass er Gott liebt, wenn er gleichzeitig seinen Bruder hasst.

* “Und dieses Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, auch seinen Bruder liebe.“1. Johannes 4, 21 – Nachdem Johannes uns erst das Negativkennzeichen vorgestellt hat, zeigt er nun die positive Seite auf. Es ist Gottes Wunsch und Gebot, dass derjenige, der Ihn liebt, auch seinen Bruder lieben soll. Grundsätzlich hat Gott uns alles geschenkt, damit wir unseren Bruder lieben können. Hier geht es um den “Praxistest“ und in der Praxis, das wissen wir alle, versagen wir noch häufig. Wie können wir also dahin kommen, dass wir auch jene Mitgläubigen von ganzem Herzen lieben können, die uns vielleicht durch irgendetwas Mühe bereiten? Die Antwort ist einfach: Indem wir danach streben, Gottes Wesen und Wirken in unserem Mitgläubigen zu erkennen. Je mehr Mühe wir damit haben, einen Mitgläubigen zu lieben, desto mehr Kraft sollten wir aufwenden, um Gottes Wesen und Wirken in diesem Menschen zu erkennen. Wir können damit beginnen, dass wir uns vor Augen führen, dass auch dieser Mensch ein geliebtes Kind Gottes ist, dass er/sie von demselben Heiland erlöst wurden, wie wir, dass er/sie für Zeit und Ewigkeit errettet sind und nicht mehr verloren gehen! Sind das nicht schon zahlreiche Gründe, Gott für Sein Wirken in diesem Mitgläubigen zu danken? Und wir können für diesen Mitgläubigen beten, z.B. dass Gottes Wesen und Wirken noch viel mehr Raum in seinem/ihrem Leben gewinnt, dass er/sie die Tiefe des Erlösungswerkes Christi erkennt und so in den vollen Genuss der Liebe Gottes kommt. Je mehr wir uns für unseren Mitgläubigen im Gebet einsetzen, desto weniger kann unser Herz sich ihm widersetzen und desto leichter wird es auch, den Wunsch, das Gebot, unseres Gottes zu erfüllen. Denn: “Seine Gebote sind nicht schwer.“ (1. Johannes 5, 3).

 
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