Niedergeschlagen, aber nicht zerstört – Anmerkungen zu Psalm 119, 25 – 40

2015-12-09 00.32.11

Psalm 119 * Foto: JNj.

 

Für die Wortverkündigung am Mittwoch dieser Woche wurden Verse aus dem 119. Psalm gewählt. Zum besseren Verständnis betrachten wir diese Verse im Zusammenhang des Abschnitts, in dem sie vorkommen:

“Am Staub klebt meine Seele; belebe mich nach deinem Wort! Meine Wege habe ich erzählt, und du hast mich erhört; lehre mich deine Satzungen! Lass mich verstehen den Weg deiner Vorschriften, und sinnen will ich über deine Wundertaten. Vor Traurigkeit zerfließt in Tränen meine Seele; richte mich auf nach deinem Wort! Wende von mir ab den Weg der Lüge und gewähre mir dein Gesetz! Den Weg der Treue habe ich erwählt, habe vor mich gestellt deine Rechte. Ich halte an deinen Zeugnissen fest; HERR, lass mich nicht beschämt werden! Den Weg deiner Gebote werde ich laufen, wenn du meinem Herzen Raum gemacht haben wirst. Lehre mich, HERR, den Weg deiner Satzungen, und ich will ihn bewahren bis ans Ende. Gib mir Einsicht, und ich will dein Gesetz bewahren und es halten von ganzem Herzen. Lass mich wandeln auf dem Pfad deiner Gebote, denn an ihm habe ich Gefallen! Neige mein Herz zu deinen Zeugnissen und nicht zum Gewinn! Wende meine Augen ab, dass sie Eitles nicht sehen! Belebe mich in deinen Wegen! Bestätige deinem Knecht deine Zusage, die deiner Furcht entspricht! Wende ab meine Verhöhnung, die ich fürchte, denn deine Rechte sind gut! Siehe, ich verlange nach deinen Vorschriften; belebe mich in deiner Gerechtigkeit!“

(Psalm 119, 25 – 40 ÜELBEDHÜ, z. Vgl. Luther’84)

 

Zum Hintergrund: Das 5. Buch des Psalters

Wie ich bereits in den Anmerkungen zu Psalm 147, 1 ff. (Klick!) geschrieben habe, ist es auch an dieser Stelle nicht möglich, den Hintergrund des großen und umfangreichen biblischen Buches der Psalmen in seinen Einzelheiten zu betrachten. Aus diesem Grund folgen auch hier nur einige grundlegende Informationen zum Buch der Psalmen, insbesondere zum 5. Buch des Psalters, in dem der heute zu betrachtende Psalm steht:
Das Buch der Psalmen (תְּהִלִּים bzw. תהילים, “Tehillim“ = die Preisungen/Lobpreisungen) ist das erste Buch der “Ketuvim“, d.h. der “Schriften“, also des dritten und letzten Abschnitts der jüdischen Heiligen Schrift. Der Begriff “Preisungen“ bzw. “Lobpreisungen“ ist sehr treffend gewählt für dieses biblische Buch, da jeder der 150 Psalmen, mit Ausnahme von Psalm 88, Lobpreisungen Gottes enthält.
Unser deutsches Wort “Psalm“ ist die eingedeutschte Form des griechischen Wortes “ψαλμός“ (“psalmos“) bzw. der ψαλμοί“ (“psalmoi“), womit “Worte bzw. Lieder mit instrumentaler Begleitung“ bezeichnet wurden (vgl. Lukas 20, 42; Apostelgeschichte 1, 20).  Das gesamten Buches der Psalmen wurde in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta (LXX), als “ψαλτήριον“ (“psalterion“) bezeichnet. Darauf zurückgehend entwickelte sich unser Begriff “Psalter“, mit dem auch heute noch das ganze Buch bzw. die Gesamtheit der 150 Psalmen bezeichnet wird.

Traditionell wird das Buch der Psalmen in fünf große Abschnitte bzw. Bücher unterteilt:

Buch I (Psalm 1Psalm 41)

Buch II (Psalm 42Psalm 72)

Buch III (Psalm 73Psalm 89)

Buch IV (Psalm 90Psalm 106)

Buch V (Psalm 107 Psalm 150)

Auf wen diese Unterteilung zurückzuführen ist, ist genauso unbekannt, wie die Kriterien, nach denen die einzelnen Psalmen dem jeweiligen Buch zugeordnet wurden. Manche Kommentatoren sehen in dieser Aufteilung eine Parallele zu den fünf Büchern Mose, d.h. der Torah.
Im 5. und letzten Buch des Psalters befindet sich jener Psalm, den wir heute betrachten wollen. Dieses 5. Buch enthält insgesamt 44 Psalmen (Psalm 107Psalm 150), von denen 15 (Psalm 108110; Psalm 122; Psalm 124; Psalm 131; Psalm 133 und Psalm  138Psalm 145) König David als ihren Autor nennen. Ein in diesem Buch enthaltener Psalm (Psalm 127) stammt von König Salomo. Die übrigen 28  Psalmen, einschließlich Psalm 126, geben uns keine Informationen zu ihrem jeweiligen Autor.
Der große Abschnitt der Psalmen 113118 trägt in der jüdischen Tradition auch die Bezeichnung Hallel-Psalmen, Passah-Hallel oder Ägyptischer Hallel. Dieser Psalmabschnitt nimmt Bezug auf den Auszug der Israeliten aus Ägypten und das erste Passah-Fest, das dem Exodus voraus ging. Um an dieses Geschehen zu erinnern, sind diese Psalmen fester Bestandteil der Gebete/Lieder an den großen jüdischen Feiertagen, insbesondere während des Passah-Festes. In den Evangelien finden wir Belege dafür, dass der Herr Jesus Christus mit seinen Jüngern das letzte Passah-Fest ebenfalls so feierte (vgl. Matthäus 26, 30 – 35; Markus 14, 26 – 31). Bei fünfzehn Psalmen in diesem Buch (Psalm 120Psalm 134) handelt es sich um so genannte “Wallfahrtspsalmen“, die auf dem Weg zum Tempel nach Jerusalem gesungen wurden. Die letzten fünf Psalmen in diesem Buch (Psalm 146Psalm 150) werden als Halleluja-Psalmen bezeichnet, da sie sich ganz dem Lob Gottes widmen.

 

Anmerkungen zu Psalm 119, 25 – 40

* “Am Staub klebt meine Seele; belebe mich nach deinem Wort!“ – Psalm 119, 25 –  Nachdem der Psalmist den vorausgehenden Abschnitt mit der Aussage “Deine Zeugnisse sind auch meine Wonne, meine Ratgeber.“ beendete, erfahren wir in diesem Vers von einem anderen Lebenszustand des Psalmisten: “Am Staub klebt meine Seele (…)“ Ein Wechsel ist eingetreten, den viele Gläubige kennen: Auf Zeiten des Segens und der Freude folgen Zeiten voller Schwierigkeiten. Der Grund dafür liegt in dem geistlichen Kampf, in den wir gestellt sind (vgl. Epheser 6,   10 – 18) und der während unseres ganzen Lebens auf dieser Erde kein Ende nehmen wird. Wenn wir den 119. Psalm näher untersuchen, dann erkennen wir auch, wo die Gründe für die Niedergeschlagenheit des Psalmisten lagen: Der Psalmist war umgeben von einflussreichen Feinden, die hinter seinem Rücken Pläne gegen ihn schmiedeten  (Vers 23) und die auf alle möglichen Arten und Weisen versuchten, seinen Einfluss zu beschränken (Vers 61). Diese Menschen verbreiteten Lügen über ihn (Vers 69) und  verursachten ein an ihm zehrendes Leiden (Vers 83).  Sie taten alles, um diesen Menschen in seiner Umgebung verächtlich zu machen (Vers 141), ja sogar nach seinem Leben trachteten diese Menschen (Vers 110)! Können wir uns vorstellen, unter welchem Stress dieser Mensch leben musste? Ist es da verwunderlich, dass der Psalmist davon spricht, dass seine Seele in den Staub getreten wurde und nun daran klebt?  Doch es ist, wie das bekannte Sprichwort sagt: “Unsere Schwierigkeiten sind Gottes Möglichkeiten.“ Gerade in schwierigen Situationen dürfen wir Gottes Eingreifen erleben, wenn wir uns vertrauensvoll im Gebet an Ihn wenden (2. Korinther 1, 3 – 11; 2. Korinther 12, 1 – 10).  Und genau so reagiert der Psalmist in seiner bedrückenden und kräftezehrenden Lage  – er betet. Sein Gebet richtet er an Gott und bitte darin um eine geistliche Neubelebung, d.h. eine neue Ausrüstung mit Freude und Kraft  (Nehemia 8, 10; Philipper 3, 1; Philipper 4, 4). Er erbittet diese geistliche Neubelebung “nach deinem Wort“, d.h. nach/gemäß dem Wort Gottes. Gott hatte in der Vergangenheit bereits unter Beweis gestellt, dass Er Sein Volk mit Kraft ausrüsten konnte und dies auch wollte (5. Mose 8, 18;  2. Samuel 22, 40) und auf diese Erfahrungen bzw. Verheißungen in Gottes Wort beruft sich der Psalmist nun. Dieses Gebet um geistliche Neubelebung finden wir in diesem Psalm sehr häufig (vgl. Verse  25, 37, 40, 50, 88, 93, 107, 149, 154, 156, 159). Der Psalmist scheute sich also nicht, Gott immer wieder in dieser Weise anzurufen – und Gott antwortete ihm in jedem einzelnen Fall.  Auch wir dürfen uns in bedrückenden Lebenssituationen in dieser Weise an Gott wenden. Dabei dürfen wir uns auch dankbar daran erinnern, dass wir als  Gläubige des Gnadenzeitalters Zugang zu wesentlich mehr Verheißungen haben als der Psalmist (2. Korinther 1, 20).

* “Meine Wege habe ich erzählt, und du hast mich erhört; lehre mich deine Satzungen! Lass mich verstehen den Weg deiner Vorschriften, und sinnen will ich über deine Wundertaten.“ – Psalm 119, 26 – 27 – Der Fokus des Psalmist liegt jedoch nicht allein auf seiner Rettung aus der gegenwärtigen Bedrängnis. Inmitten seiner Schwierigkeiten bittet er Gott außerdem: “Lehre mich deine Satzungen! Lass mich verstehen den Weg deiner Vorschriften und sinnen will ich über deine Wundertaten.“ Dieser Mensch hatte bereits ein Gespür dafür, dass Bedrängnisse und Leiden dem Gläubigen dienen müssen und zwar so, wie es der Apostel Paulus Jahrhunderte später  in Römer 8, 28 zum Ausdruck brachte:

“Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach Vorsatz berufen sind.“

Doch wie kann ich erkennen, in welcher Weise die gerade durchlebten Erfahrungen mir dienen müssen?  In Jakobus 1, 2 – 8 lesen wir:

“Haltet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Prüfungen fallt, da ihr wisst, dass die Bewährung eures Glaubens Ausharren bewirkt. Das Ausharren aber habe ein vollkommenes Werk, damit ihr vollkommen und vollendet seid und in nichts Mangel habt. Wenn aber jemand von euch Weisheit mangelt, so erbitte er sie von Gott, der allen willig gibt und nichts vorwirft, und sie wird ihm gegeben werden.
Er bitte aber im Glauben, ohne irgend zu zweifeln; denn der Zweifelnde gleicht einer Meereswoge, die vom Wind bewegt und hin und her getrieben wird. Denn jener Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen wird; er ist ein wankelmütiger Mann, unstet in allen seinen Wegen.“

Jakobus weist uns darauf hin, dass wir in solchen Lebensphasen Gott um Weisheit bitten sollen. Nur so werden wir erkennen, in welcher Weise uns die Dinge, die wir durchleben, dienen sollen. Wenn wir uns allein auf unsere möglichst schnelle Befreiung aus den Schwierigkeiten konzentrieren und nicht bereit sind, gleichzeitig von Gott zu lernen, dann gehen uns wichtige Erkenntnisse verloren.

* “Vor Traurigkeit zerfließt in Tränen meine Seele; richte mich auf nach deinem Wort! Wende von mir ab den Weg der Lüge und gewähre mir dein Gesetz! Den Weg der Treue habe ich erwählt, habe vor mich gestellt deine Rechte.“ – Psalm 119, 28 – 30 – Aus vielen Versen dieses Psalms geht deutlich hervor, dass die Ursache für das Leiden dieses Menschen in seiner Treue gegenüber Gott und Seinem Wort lag (vgl. Verse 28, 50, 67, 71, 75, 83, 92, 107, 143, 153). Doch obwohl seine Feinde ihm sogar nach dem Leben trachteten, äußert er keine Rachegedanken. Anstatt ihre Vernichtung zu suchen, weint der Psalmist und stellt Gott das Schicksal seiner Feinde anheim (vgl. Verse 115, 136). Sein Blick ist nicht auf diese Menschen gerichtet. Er bittet vielmehr um Kraft, damit er auch weiterhin für Gott leben und sein Wort groß machen kann. Sein Wunsch war es, dass er auch zukünftig im Weg der Wahrheit Gottes wandeln und vor den Verführungen seiner Gegner bewahrt werden würde (vgl. Verse 29 – 30, 104, 128).
Es ist menschlich sehr verständlich, dass wir, wenn wir ähnliche Situationen erleben, dafür beten, dass Gott die Menschen, die uns schaden wollen oder Leiden in unserem Leben verursachen, verändert oder aus unserem Leben weg nimmt. Doch dabei sollten wir nicht stehen bleiben. Vielmehr können wir solche Situationen zu unseren Gunsten nutzen, indem wir Gott um Kraft bitten, in genau dieser Situation zu überwinden (vgl. dazu: “Kein Überwinder ohne Hindernis“: Klick!) und so daran geistlich zu wachsen, indem wir Ihn und Sein Worte noch besser kennen lernen.

* “Ich halte an deinen Zeugnissen fest; HERR, lass mich nicht beschämt werden! Den Weg deiner Gebote werde ich laufen, wenn du meinem Herzen Raum gemacht haben wirst.“ – Psalm 119, 31 – 32 – Es war ein Herzensanliegen des Psalmisten, an den Zeugnissen Gottes, d.h. an Seinem Wort festzuhalten. Er wollte durch sein Leben Gott Ehre und keine Schande bereiten (vgl. auch Verse  31, 46, 78, 80). Aus diesem Grund vertraut er seine ganze Situation Gott an. Hätte er gedacht, seinem Gegnern in seiner eigenen Kraft zu begegnen, hätte er gedacht, seine Gegner dadurch besiegen zu können, in dem er sie – quasi im Gegenzug – ebenfalls verleumdet hätte, dann hätte Gott nicht eingegriffen.  Auch uns lehrt Gottes Wort, dass wir die Dinge nicht in die eigenen Hände nehmen sollen, wenn es uns so ergeht, wie dem Psalmisten:

“Vergeltet niemand Böses mit Bösem; seid bedacht auf das, was ehrbar ist vor allen Menschen. Wenn möglich, soviel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden. Rächt nicht euch selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn; denn es steht geschrieben: „Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr.“ „Aber wenn dein Feind hungrig ist, gib ihm zu essen; wenn er durstig ist, gib ihm zu trinken; denn wenn du dieses tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Lass dich nicht von dem Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten.“

(Römer 12, 17 – 21)

Gott wird dann für uns eintreten, wenn wir an Seinem Wort festhalten und Seinen Verheißungen vertrauen. Er wird zu Seiner Zeit und auf Seine Weise eingreifen. Wie kann das Herz, d.h. das Innerste, eines Menschen in einer solchen Situation neuen “Raum“ empfangen, weit werden und dadurch der Bedrängnis entfliehen, selbst, wenn diese äußerlich noch besteht? Durch den Glauben an Gott, an Seine Liebe und an Sein darin begründetes Eingreifen zu unseren Gunsten, werden wir frei von der Konzentration auf das, was uns bedrängt und dadurch auch zugleich beengt. Unser Herz erhält dadurch neuen “Raum“, wie der Psalmist sagt. Durch die Kraft, die Gott dem Gläubigen schenkt, kann dieser seine Aufmerksamkeit von den Attacken der Gegner weg- und auf Gott ausrichten:

“Deshalb nun, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben, lasst auch uns, indem wir jede Bürde und die leicht umstrickende Sünde ablegen, mit Ausharren laufen den vor uns liegenden Wettlauf, hinschauend auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der, die Schande nicht achtend, für die vor ihm liegende Freude das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Denn betrachtet den, der so großen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet, indem ihr in euren Seelen ermattet.“

(Hebräer 12, 1 – 3)

Dieser Blick setzt neue Kraft frei. Eine entsprechende Entwicklung sehen wir auch im Leben des Psalmisten. Während dieser in Vers 25 noch darüber klagt, dass seine Seele am Staub klebt, kann er dann in Vers 45 von dem weiten Raum sprechen, in dem er wandeln kann.

* “Lehre mich, HERR, den Weg deiner Satzungen, und ich will ihn bewahren bis ans Ende. Gib mir Einsicht, und ich will dein Gesetz bewahren und es halten von ganzem Herzen.“ – Psalm 119, 33 – 34 – Von dem Apostel Paulus wissen wir, dass er seinen Glaubenslauf siegreich beendet hat (2. Timotheus 4, 6 – 8). Das bezeugt uns die Heilige Schrift auch bzgl. des irdischen Dienstes unseres Herrn Jesus Christus (vgl. Johannes 17, 4). Wir wissen jedoch aus dem Galaterbrief, dass wir als Gläubige “im Geist beginnen“, jedoch dann “im Fleisch enden“ können. Das bedeutet nicht, dass wir unsere Erlösung verlieren, sie ist ein Gnadengeschenk, das wir nicht verlieren können. Doch auf unseren Lohn (1. Korinther 3, 11 – 15) hat unser Leben einen entsprechenden Einfluss.  Der tiefe Wunsch des Psalmisten war es, bis zum Ende den Weg nach Gottes Wort und Willen zu gehen. Und der Psalmist nennt uns auch die Voraussetzungen, die dazu notwendig sind. In diesem Vers nennt er uns das beständige Gebet um Einsicht, so dass wir aus Gottes Wort und Gottes Handeln lernen. Es ist eine Sache, die Bibel und gute geistliche Auslegungen zu lesen. Dadurch können uns viele Fragen beantwortet werden. Darüberhinaus ist es jedoch notwendig, dass wir durch das Studium des Wortes Gottes den Charakter Gottes kenne- und dadurch auch Sein handeln verstehen lernen (vgl. Psalm 27, 11; Psalm 86, 10 – 12; Psalm 103, 7 – 8). Erst wenn wir Gott besser kennenlernen, können wir auch Seinen Willen besser verstehen. In der Heiligen Schrift des Alten und Neuen Testaments besitzen wir eine  vollkommene Offenbarung Gottes und Seines Willen. Doch es bedarf der Erleuchtung unserer Herzen (Epheser 1, 8), damit wir diese Wahrheiten in der richtigen Weise auch auf unser leben anwenden können. Beides gehört untrennbar zusammen – die Bitte “Lehre mich!“ und die Bitte “Gib mir Einsicht!“. Wenn wir eine dieser Bitten vernachlässigen, ähneln wir – geistlich gesehen – einem Menschen, der auf einem Bein zu laufen versucht. Beides – Lehre und Erkenntnis – muss dann aber auch zu einem entsprechenden Leben führen und auch dafür dürfen wir Gottes Hilfe erbitten. 

* “Lass mich wandeln auf dem Pfad deiner Gebote, denn an ihm habe ich Gefallen!“ – Psalm 119, 35 – Beides – die Lehre, die wir mit unserem Verstand nachvollziehen können, und die geistlichen Erkenntnis, die wir in unserem Herzen empfangen, – wird uns zu einem entsprechenden Lebenswandel motivieren. der Glaubensgehorsam des Christen ist nicht der Gehorsam eines Sklaven, der seinem Herrn dient, um nicht bestraft zu werden. Es ist der Gehorsam eines Kindes, der aus einem dankbaren Herzen und der Motivation, den himmlischen Vater zu erfreuen, entspringt (vgl. Epheser 6, 6; Psalm 40, 8; Johannes 8, 29). Die Erlangung geistlicher Erkenntnis setzt die Bereitschaft, das Erkannte auch zu praktizieren, voraus (Johannes 7, 17). 

* “Neige mein Herz zu deinen Zeugnissen und nicht zum Gewinn! Wende meine Augen ab, dass sie Eitles nicht sehen! Belebe mich in deinen Wegen!“ – Psalm 119, 36 – 37 – Der Psalmist ist sich der Bedeutung seines Wandels vor Gott bewusst. Er betet daher darum, dass sein Herz und seine Augen ganz auf das Wort Gottes ausgerichtet sind und seine Gedanken nicht durch materiellen Wohlstand oder  andere Nichtigkeiten von diesem Fokus abgezogen werden. Wie sehr die Blickrichtung eines Gläubigen darüber entscheidet, ob er das Ziel des Glaubens erreicht oder nicht, wird am Leben von Abraham und Lot deutlich. Während die Heilige Schrift von Abraham bezeugt, dass er nach der himmlischen Stadt Ausschau hielt und Gott sich zu ihm bekannte (Hebräer 11, 8 – 16), schaute Lot die Stadt Sodom an und erwählte diese als seine Heimat. Dementsprechend erlitt er auch im Glauben Schiffbruch (1. Mose 13, 1 ff.)  Dass das, was die Augen des Menschen betrachten, auch immer sein Herz bestimmen wird, lehrt uns die Heilige Schrift an vielen Stellen (vgl. 4. Mose 15, 37 – 41; Psalm 101, 2 – 6; Jeremia 22, 17). Der Apostel Jakobus hat Menschen, die mit einem Auge nach den Dingen der Welt trachten und ihr anderes Auge hin und wieder auf Gottes Wort richten so beschrieben:

“Wenn aber jemand von euch Weisheit mangelt, so erbitte er sie von Gott, der allen willig gibt und nichts vorwirft, und sie wird ihm gegeben werden. Er bitte aber im Glauben, ohne irgend zu zweifeln; denn der Zweifelnde gleicht einer Meereswoge, die vom Wind bewegt und hin und her getrieben wird. Denn jener Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen wird; er ist ein wankelmütiger Mann, unstet in allen seinen Wegen.“

(Jakobus 1, 5 – 8)

* “Bestätige deinem Knecht deine Zusage, die deiner Furcht entspricht! Wende ab meine Verhöhnung, die ich fürchte, denn deine Rechte sind gut!“ – Psalm 119, 38 – 39 – Nach dem Gebet um Belehrung und Einsicht, dem Gebet um ein gehorsames Herz und dem Gebet um die Bewahrung eines ungeteilten Herzens, nennt uns der Psalmist als vierte Voraussetzung für einen erfolgreichen Wandel des Gläubigen nun die Furcht des Herrn. Es ist die Furcht des Herrn, d.h. die Ehrfurcht vor Gott, die nichts mit Angst, aber alles mit Hochachtung und Anbetung zu tun hat, die alle Menschenfurcht besiegt. Denn die Menschenfurcht führt, wie uns die Heilige Schrift lehrt (vgl. Sprüche 29, 25) zu Bindungen und Niederlagen. Der Psalmist hatte diese Lektion bereits gelernt. Er fürchtete sich nicht vor seinen Gegnern, wohl aber vor einem Lebenswandel, der Schande auf den Namen seines Gottes bringen würde. Aus diesem Grund bittet er Gott um Bewahrung. Auch in diesem Zusammenhang kann er sich auf die Verheißungen Seines Gottes berufen. Kommentatoren haben beobachtet, dass der Psalmist nirgendwo in diesem Psalm Gott im Zusammenhang mit seinen Gegnern um Erklärungen bittet. Er beruft sich dagegen beständig auf die Verheißungen Gottes. Das ist es, worin unser Glaube ruhen kann: in den zuverlässigen Verheißungen unseres treuen Gottes. Dadurch wird unser Glaube zwar auf die Probe gestellt, jedoch auch gestärkt. Genauso, wie unser Glaubenswandel durch die Gebote geprüft und gestärkt wird. Beides ist für unser geistliches Wachstum unumgänglich. 

* “Siehe, ich verlange nach deinen Vorschriften; belebe mich in deiner Gerechtigkeit!“ – Psalm 119, 40 – Ein tiefes Verlangen nach der Wahrheit des Wortes Gottes ist ein Kennzeichen eines gereiften Gläubigen (vgl. Psalm 119, 20 – 21; 131; 174 vgl. Römer 8, 18 – 23). Der Gläubige, der die in diesem Psalmabschnitt aufgezeigten  Prioritäten setzt, wird dann auch die Kraft Gottes und Seine Neubelebung erfahren. Genau das ist es, was der Apostel Paulus in 2. Korinther 4, 7 – 18  beschreibt:

“Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die Überfülle der Kraft sei Gottes und nicht aus uns. In allem bedrängt, aber nicht eingeengt; keinen Ausweg sehend, aber nicht ohne Ausweg; verfolgt, aber nicht verlassen; niedergeworfen, aber nicht umkommend; allezeit das Sterben Jesu am Leib umhertragend, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib offenbar werde. Denn wir, die wir leben, werden allezeit dem Tod überliefert um Jesu willen, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleisch offenbar werde. Daher wirkt der Tod in uns, das Leben aber in euch. Da wir aber denselben Geist des Glaubens haben (gemäß dem, was geschrieben steht: „Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet“), so glauben auch wir, darum reden wir auch, da wir wissen, dass der, der den Herrn Jesus auferweckt hat, auch uns mit Jesus auferwecken und mit euch darstellen wird; denn alles ist um euretwillen, damit die Gnade, überreich geworden durch die Vielen, die Danksagung zur Herrlichkeit Gottes überströmen lasse. Deshalb ermatten wir nicht, sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch unser innerer Tag für Tag erneuert. Denn das schnell vorübergehende Leichte unserer Trübsal bewirkt uns ein über jedes Maß hinausgehendes, ewiges Gewicht von Herrlichkeit, indem wir nicht das anschauen, was man sieht, sondern das, was man nicht sieht; denn das, was man sieht, ist zeitlich, das aber, was man nicht sieht, ewig.“

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Eine Antwort zu Niedergeschlagen, aber nicht zerstört – Anmerkungen zu Psalm 119, 25 – 40

  1. JNj. schreibt:

    Hat dies auf Mt. 18:20 Today rebloggt.

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