Sackgasse Ägypten – Anmerkungen zu Jesaja 30, 8 – 17

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Die großen Pyramiden von Gizeh * Foto: By Jerzy Strzelecki (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Anmerkungen zu Jesaja 30, 8 – 17

Das Bibelwort, das am Mittwoch dieser Woche betrachtet werden soll, wurde dem 30. Kapitel des Buches Jesaja entnommen (zum Hintergrund des Propheten Jesaja: Klick!). Zum besseren Verständnis betrachten wir diesen Vers im Zusammenhang des Sinnabschnittes, in dem er steht:

“Geh nun hin, schreibe es vor ihnen auf eine Tafel und zeichne es in ein Buch ein; und es bleibe für die zukünftige Zeit, auf ewig, bis in Ewigkeit. Denn es ist ein widerspenstiges Volk, betrügerische Kinder, Kinder, die das Gesetz des HERRN nicht hören wollen; die zu den Sehern sprechen: „Seht nicht!“, und zu den Schauern: „Schaut uns nicht das Richtige, sagt uns Schmeicheleien, schaut uns Täuschungen! Weicht ab vom Weg, biegt ab vom Pfad; schafft den Heiligen Israels vor unserem Angesicht weg!“ Darum, so spricht der Heilige Israels: Weil ihr dieses Wort verwerft und auf Bedrückung und Verdrehung vertraut und euch darauf stützt, darum wird euch diese Ungerechtigkeit wie ein sturzdrohender Riss sein, wie eine Ausbauchung an einer hochragenden Mauer, deren Einsturz in einem Augenblick, plötzlich, kommt. Und er wird sie zerbrechen, wie man einen Töpferkrug zerbricht, der ohne Schonung zertrümmert wird, und von dem, wenn er zertrümmert ist, nicht eine Tonscherbe gefunden wird, um damit Feuer vom Herd zu holen oder Wasser aus einer Zisterne zu schöpfen. Denn so spricht der Herr, HERR, der Heilige Israels: Durch Umkehr und durch Ruhe würdet ihr gerettet werden; im Stillsein und im Vertrauen würde eure Stärke sein. Aber ihr habt nicht gewollt; und ihr spracht: „Nein, sondern auf Rossen wollen wir fliegen“; darum werdet ihr fliehen; und: „Auf Rennern wollen wir reiten“; darum werden eure Verfolger rennen. Ein Tausend wird fliehen vor dem Drohen eines Einzigen; vor dem Drohen von Fünfen werdet ihr fliehen, bis ihr übrig bleibt wie eine Stange auf der Spitze des Berges und wie ein Banner auf dem Hügel.“

(Jesaja 30, 8 – 17 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)


Einige Gedanken zum Hintergrund von Jesaja 30, 8 – 17

Jesaja 30 findet sich im dritten großen Block dieses prophetischen Buches (Jesaja 7Jesaja 39). Darin geht es um die große Glaubenskrise Israels, das – von Feinden umgeben und bedrängt – sich entscheiden muss, ob es seinen menschlichen Verbündeten oder dem allmächtigen Gott vertraut. In drei großen Abschnitten wird uns Gottes Ringen um Sein Volk aufgezeigt:
In Abschnitt 1 (Jesaja 7Jesaja 12) geht es darum, dass Israel sich entscheiden muss, wen es mehr fürchtet: Gott oder Assyrien. Die Zeichen der Gegenwart Gottes (Jesaja 7, 1Jesaja 9, 7),  sollen dem Volk neues Vertrauen in Gottes Macht vermitteln. Der Hinweis Gottes, dass Er auch an Assur Seinen Maßstab anlegen und dieses Reich richten wird (Jesaja 9, 8Jesaja 10, 4) macht deutlich, wie töricht die Furcht vor Assyrien ist. Diese Aussage wird durch die Ankündigung der göttlichen Rettung und der Aufrichtung Seines Reiches (Jesaja 10, 5Jesaja 11, 16) unterstrichen. Der Abschnitt schließt mit Verheißungen für die Menschen, die ihr Leben auf Gott ausrichten und ihr Vertrauen in Ihn setzen (Jesaja 12).
Der zweite Abschnitt (Jesaja 13Jesaja 35) verdeutlicht Gottes souveräne Herrschaft über die Nationen der Erde: Der Prophet kündigt zuerst Gottes Gericht (Jesaja 13Jesaja 23) und Gottes Sieg (Jesaja 24Jesaja 27) über verschiedene heidnische Nationen an. In den Kapiteln 2833 geht es dann erneut darum, dem Volk aufzuzeigen, wie töricht es ist (auf dem Hintergrund der Allmacht Gottes), wenn es sein Vertrauen in  menschliche Mächte, hier insbesondere Ägypten, setzt. Abschließend (Jesaja 34Jesaja 35) stellt Gott Seinem Volk die Konsequenzen vor, die das Vertrauen in Ihm bzw. das Vertrauen in die menschlichen Mächte haben wird.
Der dritte und letzte Abschnitt dieses Blocks (Jesaja 36Jesaja 39) zeigt uns, wie Gott das Vertrauen Seines Volkes durch zwei Bedrohungen auf die Probe stellt: a) die Bedrohung durch die Assyrer (Jesaja 36Jesaja 37) und b) die Bedrohung durch die Babylonier (Jesaja 38Jesaja 39).
In Kapitel 30 finden wir zuerst zwei Aussagen, die sich auf die Untreue Israels gegenüber Gott beziehen. In Jesaja 30, 1 – 5  spricht Gott Sein “Wehe“, d.h. eine Gerichtsandrohung, über jene Israeliten aus, die aus Unglauben Pläne schmieden und Bündnisse mit dem götzendienerischen Land Ägypten, dem Haus ihrer Sklavenschaft (!), schmieden. Diese Menschen erwarten Hilfe ausgerechnet von jener Nation, die sie Jahrhunderte unterjocht hatte und nicht von dem Gott, der sie mit starker Hand, mit großen Zeichen und Wundern, aus gerade diesem Sklavenhaus befreit hatte?! Um nach Ägypten zu gelangen und aus Angst vor den feindlichen Assyrern hatten diese Abgesandten Israels den Weg durch den Sinai gewählt. Sie waren also genau den umkehrten Weg gegangen, auf dem Gott sie zuvor von der Sklavenherrschaft Ägyptens befreit hatte. In den Versen 6 – 7 wird dieses Geschehen angedeutet. Dabei wendet sich Gott mehr den Tieren des Sinai zu, als den Israeliten, die sich auf den Weg zu einem Volk gemacht haben “das ihnen nichts nützen kann“. Auf diese Weise wird deutlich mit welch‘ großem Mißfallen Gott dieses Geschehen beobachtet.
In den  Versen 8 – 17 musste der Prophet dann im Auftrag Gottes eine weitere Androhung des kommenden Gerichts aufzeichnen. Die Israeliten würden wegen ihres Unglaubens Gott gegenüber und wegen ihres Vertrauens auf das götzendienerische Ägypten, gerichtet werden. In diesen Versen werden die Gründe für dieses Gericht sehr detailiert dargelegt: Das Volk hatte die von Gott geoffenbarte Wahrheit verworfen und als Folge davon waren es in vielerlei Weise vor Gott schuldig geworden (vgl. Verse 9 – 14).  Außerdem hatten sie die Botschaft Gottes, die er durch Jesaja an sie gerichtet hatte  abgelehnt und das hatte die Zerstörung des Landes durch den Feind zur Folge (vgl. Verse 15 – 17). 

Anmerkungen zu Jesaja 30, 8 – 17

* “Geh nun hin, schreibe es vor ihnen auf eine Tafel und zeichne es in ein Buch ein; und es bleibe für die zukünftige Zeit, auf ewig, bis in Ewigkeit.“ – Jesaja 30, 8 – Gott beauftragt den Propheten, Seine Worte in zweifacher Weise aufzuzeichnen. Zuerst sollte Jesaja Gottes Botschaft auf eine Tafel schreiben, die öffentlich aufgestellt und von allen gelesen werden sollte. Dann aber sollte er sie auch auf einer Schriftrolle verzeichnen. Beide Aufzeichnungen sollten als zeugen gegen das treulose Volk dienen, das Ihm nicht mehr vertraute. Die öffentlich lesbare Tafel sollte von allen gelesen werden, die sie sahen. Die Schriftrolle aber sollte zukünftigen Generationen zur Mahnung dienen. 

* “Denn es ist ein widerspenstiges Volk, betrügerische Kinder, Kinder, die das Gesetz des HERRN nicht hören wollen; (…)“ – Jesaja 30, 9 – Beides war notwendig, denn das Volk hatte sich als widerspenstig, rebellisch erwiesen. Gott sie bezeichnet sie als Kinder (andere Übersetzungen sagen: Söhne), die Ihn enttäuscht haben, weil sie Ihn, d.h. Sein Gesetz, d.h. die Torah, weder hören noch befolgen wollten. 

* “(…) die zu den Sehern sprechen: „Seht nicht!“, und zu den Schauern: „Schaut uns nicht das Richtige, sagt uns Schmeicheleien, schaut uns Täuschungen! Weicht ab vom Weg, biegt ab vom Pfad; schafft den Heiligen Israels vor unserem Angesicht weg!““ – Jesaja 30, 10 – 11 – Vielleicht hatten sie es nicht ausdrücklich gesagt, doch ihr Verhalten machte es deutlich: Das Volk wünschte von den Propheten eine harmlose, unverfängliche Verkündigung, Worte, die sie nicht aufregen oder mit Negativem konfrontierten, sondern in ihren Ohren kitzelten (vgl. 2. Timotheus 4, 3). Doch die Ablehnung des Wortes Gottes bedeutete anderes, als dass die Israeliten Gott selbst ablehnten. Dabei war ihnen ganz besonders die Heiligkeit Gottes ein Dorn im Auge.  

* “Darum, so spricht der Heilige Israels: Weil ihr dieses Wort verwerft und auf Bedrückung und Verdrehung vertraut und euch darauf stützt, (…)“ – Jesaja 30, 12 – Es ist dieses Verhalten, so sagt es Gott hier und dabei betont Er ausdrücklich Seine Heiligkeit, dass ihnen zum Verhängnis wird. Weil sie Ihn und Sein Wort ablehnten und sich auf Ägypten, die Nation, die sie bedrückt hat, verlassen, darum werden sie am Ende alles verlieren. 

* “(…) darum wird euch diese Ungerechtigkeit wie ein sturzdrohender Riss sein, wie eine Ausbauchung an einer hochragenden Mauer, deren Einsturz in einem Augenblick, plötzlich, kommt. Und er wird sie zerbrechen, wie man einen Töpferkrug zerbricht, der ohne Schonung zertrümmert wird, und von dem, wenn er zertrümmert ist, nicht eine Tonscherbe gefunden wird, um damit Feuer vom Herd zu holen oder Wasser aus einer Zisterne zu schöpfen.“ – Jesaja 30, 13 – 14 –  Das drohende Unheil war lange absehbar. So wie eine Mauer schlussendlich einstürzt, wenn bereits längere Zeit eine Ausbauchung an ihr sichtbar geworden ist, so musste auch das Volk wissen, dass ihr treuloses Verhalten Gott gegenüber Konsequenzen haben würde. Die Tatsache, dass das Gericht bisher noch nicht eingetroffen war, war kein Zeichen dafür, dass es nicht doch noch kommen würde. In diesem Punkt, das machen diese Verse deutlich, sollten sich die Israeliten nicht in einer falschen Hoffnung wiegen. (Das gilt im Übrigen auch für die neutestamentarisch angekündigten Gerichte Gottes,  vgl. Matthäus 24, 36 – 44; Markus 13, 32 – 37; 2. Petrus 3, 3 – 10). Eine Mauer mag an einzelnen Stellen erst leicht zu bröckeln anfangen, doch wenn sie dann zusammenbricht, dann geht es schnell und ihr Zusammensturz ist vollständig. In genau dieser Weise kündigt Gott das Gericht durch die heranrückenden Assyrer an. Momentan mögen sie noch weit weg sein, doch wenn der Zeitpunkt des Gerichtes gekommen ist, dann werden sie von Israel nichts als Ruinen übrig lassen. 

* “Denn so spricht der Herr, HERR, der Heilige Israels: Durch Umkehr und durch Ruhe würdet ihr gerettet werden; im Stillsein und im Vertrauen würde eure Stärke sein. Aber ihr habt nicht gewollt; (…)“ – Jesaja 30, 15 – In diesem Vers erfahren wir nun mehr spezifisch, warum Gott Seinem Volk Gericht ankündigen musste: sie hatten nicht nur die Torah, das Gesetz Gottes, ganz allgemein abgelehnt, nein sie hatten auch einer besonderen Botschaft, die Er ihnen hatte überbringen lassen, keine Beachtung geschenkt. Schon lange zuvor hatte Gott das Volk durch Seinen Propheten Jesaja zur Buße und Umkehr aufgerufen. Gott, der heilige Israels, hatte sie ermahnt, in Ihm zu ruhen und Ihm zu vertrauen. das stille Vertrauen in Ihn sollte ihre Stärke sein (vgl. Jesaja 7, 4; Jesaja 7, 10 – 12; Jesaja 28, 12). Wenn sie von ihren eigenen Plänen und Aktionen Abstand genommen und still auf ihren Gott vertraut hätten, dann hätten sie damit der ganzen Welt um sich herum ein Zeugnis davon geben können, mit welcher Liebe und Macht dieser Gott, der Heilige Israels, eingreifen konnte. Doch anstatt diesen wunderbaren Gott durch ihr vertrauen zu verherrlichen, schmiedeten sie eigene Pläne und suchten ihr Heil bei genau dem Volk, das sie zuvor Jahrhunderte versklavt und ausgebeutet hatte! Wieviel Trauer Gottes schwingt in diesen letzten Worten mit “Aber ihr habt nicht gewollt ….“

* “(…) und ihr spracht: „Nein, sondern auf Rossen wollen wir fliegen“; darum werdet ihr fliehen; und: „Auf Rennern wollen wir reiten“; darum werden eure Verfolger rennen.“ – Jesaja 30, 16 – Das Gericht, das Gott ankündigt, ist keine bloße Strafe für den Unglauben des Volkes. Nein, es wird genau dem Versagen der Israeliten entsprechen: Sie, die ihre Hilfe von starken Rossen und nicht still von Gott erwarteten, werden keine Ruhe mehr haben. denn obwohl sie Rosse und Kraft hatten, sollte ein Feind kommen, der über noch viel mehr Rosse und über noch viel mehr Kraft verfügte. So ist es immer, wenn  Menschen sich auf das Natürliche und nicht auf Gott verlassen. Meinen wir, wir sind stark? Dann werden wir mit jemandem konfrontiert werden, der noch stärker ist? Meinen wir, unser Reichtum würde uns nützen? Dann werden wir von jemandem überwunden werden, der noch reicher ist. Glauben wir unsere menschliche Weisheit und Intelligenz würde uns retten? Dann werden wir einem Feind begegnen, der noch viel intelligenter ist. Einzig wenn wir Zuflucht in Gott suchen und ihm still vertrauen, dann haben wir den einen Verbündeten, dem niemand zu widerstehen vermag.

* “Ein Tausend wird fliehen vor dem Drohen eines Einzigen; vor dem Drohen von Fünfen werdet ihr fliehen, bis ihr übrig bleibt wie eine Stange auf der Spitze des Berges und wie ein Banner auf dem Hügel.“ – Jesaja 30, 17 – Die Ankündigung, dass tausende Israeliten vor dem Drohen eines einzigen Feindes fliehen werden, erinnert zum einen sehr stark an die Geschichte mit Goliath. Zum anderen aber deutet sie auch die Erfüllung der Gerichtsandrohungen an, die Gott dem Volk beim Einzug in dieses Land gab (vgl. 3. Mose 26, 8; 5. Mose 32, 30). gerade dieser Hinweis hätte das Volk aufrütteln sollen, erfüllte sich doch hier eindeutig biblische Prophetie, d.h. die göttlichen Verheißungen. Doch selbst jetzt gibt es keine Umkehr im Volk. Darum würde am Ende nichts weiter von ihnen übrig bleiben als die Stange eines Banners auf einem Hügel (Jesaja 6, 11 – 12). Nur ein kleiner Überrest  sollte verschont bleiben.

Die Hilfe, die die Israeliten in der Militärmacht Ägypten suchten und von dieser erhofften, würde sich schlussendlich als Sackgasse erweisen. Sie hatten ihr Vertrauen auf “eines Menschen Arm“ (vgl. Jeremia 17, 5 – 6) gesetzt und dieser musste sich als zerbrechlich erweisen.  Hätten sie ihr Vertrauen auf den allmächtigen Gott, den Heiligen Israels, ihren Befreier aus der  Macht der ägyptischen Sklaventreiber, gesetzt, dann wäre sie gerettet worden (vgl. Jeremia 17, 7). Das Prinzip, das uns hier aufgezeigt wird, ist die Wahl zwischen geistlichen und fleischlichen Hilfsmitteln und dieses Prinzip ist auch heute noch gültig. Wir alle können wählen, ob wir in den Herausforderungen unseres Lebens auf uns selbst, die Welt um uns herum oder auf Gott vertrauen. Dabei sollten wir bedenken, dass wir bisher die Hilfe Gottes bereits in vielfältiger Weise erfahren haben und Gott usn auch weiterhin zur Seite stehen möchte. Das wird allerdings nur möglich sein, wenn wir Ihm vertrauen und Seinem Wort folgen.

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