Das Vaterunser – irritierend und beleidigend (2)

Praying people crossing

Praying People Crossing * Schild an der Grundstücksmauer eines Hauses in Jever * Foto: By GregorHelms (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Wie ich bereits in dem Blogpost “Das Vaterunser- irritierend und beleidigend“ (Klick!) beschrieb, haben jene Kinobetreiber, die 80 % des britischen Kinogeschäfts kontrollieren, die Ausstrahlung eines 60 Sekunden dauernden Videos der Anglikanischen Kirche abgelehnt, in dem verschiedene Menschen jeweils eine Zeile des bekannten “Vaterunser“-Gebets sprechen/beten bzw. singen. Der Videoclip, der  mit der Aussage: “Prayer is for everyone – just pray“ (“Gebet ist für jeden, bete einfach“) endet, berge, so die Kinobetreiber,  „das Risiko, Zuschauer aufzuregen oder zu beleidigen“ (Quelle: Klick!).
In seinem Blogartikel “The Lord’s Prayer Advert Has Been Banned For Being Offensive – Which It Is“ (Klick!) erläutert der englische Theologe Andrew Wilson, warum er denkt, dass das “Vaterunser“ anstößig/beleidigend wirken kann. Für alle Leser, die mit englischsprachigen Texten Mühe haben, möchte meine eigenen Gedanken zur “Anstößigkeit“ des “Vaterunsers“ kurz zusammenfassen:
Unser Vater“ – Dieses Gebet richtet sich an einen ganz bestimmten Gott, den Christen als einzig lebendigen und wahren Gott anbeten. Das ist exklusiv, denn es schließt alle anderen Götter und ihre Verehrer aus – etwas, das in unserer postmodernen Zeit als diskriminierend empfunden werden muss und eigentlich als undenkbar gilt.
“- geheiligt werde dein Name!“ – Christen beten, dass allein der Name ihres Gottes in aller Welt bekannt und anerkannt wird. Auch das ist exklusiv und schließt alle anderen Götter aus.
Dein Reich komme!“ – Indem Christen in Übereinstimmung mit den Verheißungen Gottes bzgl. Seines kommenden Reiches um die möglichst baldige Aufrichtung desselben bitten, geben sie zu verstehen, dass sie das Ende aller bestehenden, weltlichen und damit menschlichen Ordnung erwarten und auch wünschen. Für Menschen, die sich in dieser Welt gut eingerichtet haben und ihre Ordnung zu ihrem Vorteil nutzen, ist dies sicherlich kein erfreulicher Gedanke.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden!“ – Die Bitte der Christen, dass alles menschliche Bestreben und Wollen auf dieser Erde durch den Willen Gottes ersetzt wird, muss für jeden, der die Existenz Gottes ablehnt und für den der Mensch den Mittelpunkt dieses Universums bildet, höchst gefährlich erscheinen.
“Gib‘ (Du) uns unser täglich Brot … „ – Diese Bitte, die die totale Abhängigkeit des Menschen von seinem Schöpfer zum Ausdruck bringt, muss für jeden, der die Existenz Gottes leugnet und dementsprechend davon ausgeht, dass er/sie der Herr/die Herrin seines/ihres Lebens ist, ein Affront sein.
“…. und vergib (Du) unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Nichts hasst der Mensch so sehr, wie die Erinnerung daran, dass er vor Gott und seinen Mitmenschen schuldig geworden ist und dass darin alle Menschen vor Gott gleich sind. Nein, der Mensch möchte nicht daran erinnert werden, dass er von Gott abhängig ist und dass er der Vergebung Gottes bedarf. Viel lieber beruft er sich auf Kant und behauptet, “nach derjenigen Maxime handel zu können, durch die er zugleich wollen kann, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“. Wohin uns diese Überheblichkeit geführt hat, davon legt unsere gegenwärtige Weltsituation ein beredtes Zeugnis ab: “Ohne den Schöpfer ist das Geschöpf bald erschöpft!“  Auch die Aussage, dass jeder dem, der an ihm schuldig geworden ist,  vergeben soll, stößt leider bei vielen Menschen auf Ablehnung. So mancher meint, er/sie habe ein Recht auf Hass, Rache und den Wunsch nach Vergeltung. Dabei wird nichts davon unsere Welt auch nur ein Jota besser machen. Nur Vergebungsbereitschaft kann verfeindete Parteien versöhnen und eine zerbrochene Gesellschaft wiederherstellen. Die Wahrheitskomissionen nach dem Ende der Apartheid in Südafrika haben das – trotz aller ihrer menschlichen Defizite – eindrucksvoll deutlich gemacht.
“Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse (Du) uns von dem Bösen.“ Der Gedanke, dass es wirklich Böses in dieser Welt geben könnte, muss auf den modernen, aufgeklärten Menschen anstößig wirken. Und wieviel anstößiger muss die Aussage, die in dieser Bitte zum Ausdruck kommt, für ihn/sie  sein, dass jeder Mensch ohne Ausnahme Erlösung von diesem Bösen braucht! Denn das bedeutet ja eindeutig, dass kein Mensch in der Lage ist, dem Bösen aus eigener Kraft zu widerstehen. Wie beleidigend ist das denn für eine Spezies, die es bis auf den Mond geschafft hat und nun den Mars ansteuert?!
“Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. Amen.“ – Das Gebet, das exklusiv beginnt, endet auch so. Nur einem gehört das Reich – unserem Gott! Nur einer hat die allmächtige Kraft – unser Gott! Und nur einem gebührt die Herrlichkeit, d.h. die Anbetung und der Lobpreis der ganzen Erde, – unserem Gott!
Wenn man sich diese Zusammenhänge einmal deutlich macht, dann kann man verstehen, warum Menschen mit diesem Gebet nichts zu tun haben wollen, warum sie es zu gern aus der Öffentlichkeit verbannt sehen möchten. Die christliche Botschaft, das Evangelium, ist exklusiv. Der Sohn Gottes, unser Herr Jesus Christus, hat es sehr deutlich formuliert:

“Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.“

(Johannes 14, 6)

Diese Exklusivität des Evangeliums ist Christen immer negativ ausgelegt worden. Anstatt zu sehen, dass Gott der ganzen Menschheit entgegen kommt und es ihr einfach macht, indem Er ihr einen einzigen Weg zu Heil aufzeigt und sie darüber nicht im Unklaren lässt, hat es in den zurück liegenden zweitausend Jahren immer wieder Stimmen gegeben, die den Christen unterstellten, sie wollten durch diese Ausschließlichkeit “etwas Besseres“ sein. Und dort, wo man Christen zwingen wollte,  diese Überzeugung zu Gunsten anderer Götter bzw. anderer Herren abzulegen, da bezahlten sie für ihren Glauben oftmals mit dem Leben. Das war zur Zeit Neros so und das ist in vielen Gebieten dieser Erde bis heute so. Christen sollten also nicht verwundert sein, wenn ihnen und dem Evangelium Jesu Christi widerstanden wird und wenn dieser Widerstand auch in unseren Breitengraden größer wird. Die einzigartige Botschaft des christlichen Glaubens muss wie ein Stachel im Fleisch dieser Welt wirken und es ist nur natürlich, dass die Welt diesen “Stachel“ entfernen, zumindest aber mundtot machen möchte. Wichtig ist, dass Christen in der richtigen Weise auf diesen Gegenwind reagieren. Die ersten Christen, die sich wegen ihres Glaubens beständig mit Bedrängnis und Verfolgung konfrontiert sahen, können uns dabei eine große Hilfe sein. Einer von ihnen, der Apostel Paulus, schrieb diesbezüglich an die Christen in Rom:

“Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht. Freut euch mit den sich Freuenden, weint mit den Weinenden. Seid gleich gesinnt gegeneinander; sinnt nicht auf hohe Dinge, sondern haltet euch zu den Niedrigen; seid nicht klug bei euch selbst. Vergeltet niemand Böses mit Bösem; seid bedacht auf das, was ehrbar ist vor allen Menschen. Wenn möglich, soviel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden. Rächt nicht euch selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn; denn es steht geschrieben: „Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr.“ Aber wenn dein Feind hungrig ist, gib ihm zu essen; wenn er durstig ist, gib ihm zu trinken; denn wenn du dieses tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Lass dich nicht von dem Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten.“

(Römer 12, 14 – 21)

Er greift damit die Worte des Herrn Jesus Christus auf, die für alle Gläubigen gelten:

“Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters werdet, der in den Himmeln ist; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr Besonderes? Tun nicht auch die von den Nationen dasselbe? Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.“

(Matthäus 5, 43 – 48)

Durch die Liebe Gottes, die in unsere Herzen ausgegossen ist (Römer 5, 5) werden wir dazu auch befähigt. Der Weg, diese Kraft in unserem Alltagsleben aktiv zu praktizieren/auszuleben, führt nur über das Gebet. Darum gilt auch hier: Just pray!

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