Anmerkungen zu Offenbarung 3, 14 – 22

Laodikeia-Säulenreihe

Säulenreihen an der Straße quer durch Laodikeia (Laodizea) * Foto von Klaus Walter (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)%5D, via Wikimedia Commons

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Anmerkungen zu Offenbarung 3, 14 – 22

Am Mittwoch dieser Woche soll ein Vers aus dem 3. Kapitel des Buches der Offenbarung (einleitende Gedanken zur Offenbarung siehe hier: Klick!) betrachtet werden. Zum besseren Verständnis untersuchen wir diesen Vers im Zusammenhang des gesamten Sendschreibens (Anmerkungen zu den Sendschreiben siehe hier: Klick!) an die Versammlung (= Gemeinde) in Laodizea:

“Und dem Engel der Versammlung in Laodizea schreibe: Dieses sagt der Amen, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes: Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du kalt oder warm wärest! So, weil du lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Mund. Weil du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden und bedarf nichts – und du weißt nicht, dass du der Elende und Jämmerliche und arm und blind und nackt bist, rate ich dir, Gold von mir zu kaufen, geläutert im Feuer, damit du reich wirst; und weiße Kleider, damit du bekleidet wirst und die Schande deiner Blöße nicht offenbar wird; und Augensalbe, um deine Augen zu salben, damit du sehen kannst. Ich überführe und züchtige, so viele ich liebe. Sei nun eifrig und tu Buße! Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und das Abendbrot mit ihm essen, und er mit mir. Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich mit meinem Vater gesetzt habe auf seinen Thron. Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Versammlungen sagt!“

(Offenbarung 3, 14 – 22 ELBEDHÜ; z. Vgl. LUTH’84)

Zur Geschichte der Stadt Laodizea und der dortigen Versammlung (= Gemeinde)

Die Stadt Laodizea (griechisch Λαοδίκεια πρὸς τῷ Λύκῶ; “Laodikeia pros to Lyko“; lateinisch “Laodicea ad Lycum“) wurde zwischen 261 und 253 v. Chr. durch den Seleukidenherrscher Antiochos II. an der Stelle der früheren Siedlung “Diospolis“, der “Stadt (des Gottes) Zeus“, erbaut. Zu Ehren seiner ersten Frau – Laodike – wurde die Stadt von Antiochus II. nach dieser benannt. Laodizea lag zwischen den kleinen Flüssen Asopus und Caprus und nahe dem Fluss Lykos, der wiederum ein Nebenfluss des Mäander war. Durch diesen natürlichen Wasserreichtum wurde Laodizea später u.a. zu einem Zentrum des Baumwollanbaus in der Region. Auch die verkehrsgünstige Lage der Stadt sollte maßgeblich zu ihrem wirtschaftlichen Reichtum beitragen. So lag sie an einer Straße, die direkt in die 160 Kilometer entfernte Metropole Ephesus führte und war außerdem mit Kolossä (17 Kilometer westlich von Laodizea gelegen) und der durch ihre heißen Quellen bekannten Kurstadt Hierapolis, heute Pamukkale, (8 Kilometer entfernt) verbunden. Die Stadt lag in der Landschaft Phrygien, auf dem Gebiet der heutigen Süd-West-Türkei. Die Seleukidenherrschaft über dieses Gebiet wurde 188 v. Chr. von dem Geschlecht der  Attaliden, den Herrschern des Pergamonreiches, abgelöst. Im Jahr 133 v. Chr. starb der letzte König von Pergamon, Attalos III. Da er über keinen Nachkommen verfügte, vererbte er sein Reich den Römern, die über lange Zeit enge  Verbündete der Attaliden gewesen waren. So fiel das Pergamonreich und damit auch die Landschaft Phrygien an Rom. Nachdem das römische Heer im Jahr 129 v. Chr. den Aufstand des Aristonikos, der nach dem Tod Attalos III. die Herrschaft über das Pergamonreich an sich reißen wollte, niedergeschlagen hatte, wurde das gesamte Gebiet zur römischen Provinz Asia erklärt. Mit dem Beginn der Herrschaft der Römer über dieses Gebiet, begann auch ein scheinbar unaufhaltsamer wirtschaftlicher Aufschwung der Stadt Laodizea. Neben dem Baumwollanbau trugen viele weitere Faktoren zum Reichtum der Stadt bei: So war Laodizea wegen ihrer Nähe zu den heißen Quellen von Hierapolis auch Aufenthaltsort für viele dorthin reisende Kurgäste und Pilger. Außerdem hatte man sich in der Stadt auf die Herstellung einer Augensalbe aus den Mineralien der heißen Quellen von Hierapolis spezialisiert, die weit über ihre Grenzen bekannt wurde. Doch entscheidend für den wirtschaftlichen Aufbruch der Stadt war die Erfindung einer neuen Methode, mit der man Stoffe purpurn färben konnte. Hatte man eine solche Färbung von Stoffen bisher nur mittels der Farbe syrischer Purpurschnecken erreicht, so war es nun möglich, schwarze Stoffe mittels einer roten Pflanzenwurzel (wahrscheinlich Färberkrapp oder Orseille), deren Farbe mit dem Wasser aus Hierapolis verdünnt wurde, purpurn zu färben. Die teure und zeitaufwendige Färbung mittels der Purpurschnecken wurde auf diese Weise von einer wesentlich kostengünstigeren und einfacheren Methode abgelöst. Laodizea entwickelte sich dadurch auch zu einem Zentrum der Pupurfärberei im römischen Reich. Noch heute zeugen die Ruinen der Stadt von ihrem Reichtum. Laodizea verfügte u.a. über zwei Theater, ein großes Stadium, ein Senatshaus, eine Badeanlage und ein großes Aquädukt, über welches Wasser – wahrscheinlich aus den heißen Thermalquellen der Umgebung – in die städtische Badanlage geleitet wurde. Zweimal wurde die Stadt im 1. Jahrhundert n. Chr. durch Erbeben zerstört und zwar einmal in der Zeit des Kaisers Tiberius und einmal in der Zeit Neros. In beiden Fällen bot das römische Reich der Stadt Hilfe beim Wiederaufbau an, die jedoch, wie Tacitus berichtet,  von den Bewohnern abgelehnt wurde, da sie denselben aus eigenen Mitteln finanzieren konnten.
Da unter Antiochus dem Großen (222 v. Chr. – 187 v. Chr.) 2000 jüdische Familien aus Babylon in die Landschaften Lydien und Phrygien deportiert worden waren, verfügte Laodizea neben einer griechischen Bevölkerungsmehrheit auch über eine große Gruppe jüdischer Einwohner.  Man geht davon aus, dass einige dieser Juden durch die Missionstätigkeit der frühen Christen zum Glauben an Jesus Christus kamen und so die erste christliche Versammlung (= Gemeinde) in Laodizea bildeten, an die sich dann auch das bekannte Sendschreiben aus dem Buch der Offenbarung 3, 14 – 22) richtete. Diese Versammlung (= Gemeinde) wird im Neuen Testament zuerst im Brief an die Kolosser erwähnt (Kolosser 2, 1; Kolosser 4, 13; Kolosser 4, 15; Kolosser 4, 16). Aus Kolosser 4, 16 ist uns bekannt, dass der Apostel Paulus einen Brief an die Gläubigen in Laodizea gesandt hatte. Dieser Brief ist uns jedoch nicht überliefert worden. (Bei dem so genannten “Laodizenerbrief“, der ab dem 6. Jahrhundert in einigen Sammlungen lateinischer Abschriften der Briefe des Apostels Paulus auftauchte, handelt es sich um eine eindeutige Fälschung.) Auch das Buch der Offenbarung erwähnt die Versammlung   (= Gemeinde) in Laodizea an mehreren Stellen (Offenbarung 1, 11; Offenbarung 3, 14).
In den Jahren 363 n. Chr. – 364 n. Chr. fand in der Stadt das Konzil von Laodizea, eine regionale Synode, an der 30 Geistliche teilnahmen, statt. Bei diesem Konzil ging es u.a. um die Beschränkung der Befugnisse des niederen Klerus und des Verbots der Ausübung des Priesterberufes durch Frauen. Nach einem weiteren Erdbeben im Jahr 494 n. Chr. verlor die Stadt und damit auch die christliche Gemeinschaft dort jede Bedeutung.
Bei archäologischen Grabungen, die von der Universität Denizli durchgeführt wurden, entdeckte man im Jahr 2011 in Laodizea eines der ältesten christlichen Kirchengebäude.  Auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern fand man Münzen, sowie Reste von Mosaiken und Fresken. Diese Funde werden auf das frühe 4. nachchristliche Jahrhundert datiert. Außerdem wurde ein im Boden eingelassenes und  zum völligen Untertauchen des Täuflings (Römer 6, 3 – 5) geeignetes Taufbecken aus dieser Zeit freigelegt (Klick!).

Anmerkungen zu Offenbarung 3, 14 – 22

* “Und dem Engel der Versammlung in Laodizea schreibe: Dieses sagt der Amen, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes: (…)“Offenbarung 3, 14 – Das letzte Sendschreiben der Offenbarung richtet der Herr Jesus Christus an die Christen in Laodizea. Ziel dieses Schreiben ist es, diese Gläubigen aus ihrer Selbstgenügsamkeit und Bequemlichkeit wachzurütteln und zu einem Leben in konsequenter Jüngerschaft und für die hohen Ziele des geistlichen Lebens zu ermutigen. In derselben Weise hatte vorher bereits der Apostel Paulus um die Gläubigen in Laodizea gerungen (vgl. Kolosser 2, 1 – 2).
Diesen Gläubigen stellt sich der Herr Jesus Christus als der “Amen“ vor. Was bedeutet das? In Jesaja 65, 16 (ELB’2006) lesen wir:

“Daher, wer sich im Land segnet, wird sich bei dem Gott der Treue (oder “der Wahrheit“, wörtlich “des Amen“) segnen, und wer im Land schwört, wird bei dem Gott der Treue schwören. Denn die früheren Nöte werden vergessen und vor meinen Augen verborgen sein.“

“Amen“ ist ein Ausdruck der Bekräftigung, mit dem die Wahrheit des von Gott Gesagten bestätigt wird. Gott ist in der Lage, das zu tun, was Er sagt: Amen! Da der Herr Jesus Christus Gott ist (Johannes 1, 1 ff.; Johannes 20, 28; Römer 9, 5; Philipper 2, 6 u.a.m.) gilt dies für Ihn wie für Gott, den Vater. Mit dem Ausdruck “Amen“ wird aber auch das von Gott Gesagte abgeschlossen:

“Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, den er gesetzt hat zum Erben aller Dinge, durch den er auch die Welten gemacht hat (…)“

(Hebräer 1, 1 – 2 ELBEDHÜ)

Jesus Christus ist das letzte Wort Gottes. Mit dem Kommen Jesu Christi in diese Welt ist die Offenbarung Gottes zu ihrer höchsten und zugleich abschließenden  Vollendung gekommen (vgl. Johannes 14, 9; Johannes 10, 30; Kolosser 2, 9 u.a.m.) Das gilt auch für das Heilszeitalter, in dem wir leben. Prophetisch gesehen, stellt der Zustand von Laodizea das Ende der Gnadenzeit dar. Alles, was jetzt noch zu erwarten bleibt, sind die Entrückung der Gläubigen (1. Thessalonicher 4, 13 – 18; Johannes 14, 1 – 3; Johannes 17, 24; 2. Korinther 5, 1 – 5; 1. Korinther 15, 50 – 53; Philipper 3, 20 – 21) und die Wiederkunft des Herrn Jesus Christus zum Gericht über diese Welt (Sacharja 14, 1 – 15; Matthäus 24, 15 – 31; Markus 13, 14 – 27; Markus 14, 62; Lukas 21, 25 – 28; Offenbarung 1, 7; Offenbarung 19, 11 ff. u.a.m.) Damit wird Christus, “der Amen“, auch das letzte Wort über die Geschichte Seiner Versammlung (= Gemeinde) und der Welt haben (vgl. 2. Korinther 1, 20).
Dann stellt sich der Sohn Gottes den Gläubigen in Laodizea aber auch als “der treue und wahrhaftige Zeuge“ vor. Dass Er der “treue Zeuge“ ist, macht im Zusammenhang  dieses Sendschreibens deutlich, dass Er trotz der Untreue Vieler, die sich nur äußerlich zu Ihm bekennen, niemals untreu wird. Dass Er zugleich der “wahrhaftige Zeuge“ ist, soll den Lesern verdeutlichen, dass auch das Zeugnis, das Er nun über den Zustand der Gläubigen in Laodizea ablegt, wahrhaftig und vertrauenswürdig ist. Die Welt mochten die Laodizeer über ihren wirklichen Herzenszustand täuschen, Ihm aber konnten sie nichts vormachen.
Abschließend bezeichnet sich der Herr Jesus Christus dieser Versammlung (= Gemeinde) gegenüber als “der Anfang der Schöpfung Gottes“. Da verschiedene Strömungen in der Christenheit diese Aussage benutzt haben, um darauf aufbauend verwerfliche Irrlehren über den Sohn Gottes zu verbreiten, ist es wichtig, dass wir diesen Titel Christi genau untersuchen. Wenn der Sohn Gottes sich als “den Anfang der Schöpfung Gottes“ bezeichnet, dann dürfen wir den Ausdruck “Anfang“ (“ ἀρχή“ / “arche“) nicht so verstehen, dass Christus das erste Geschöpf Gottes gewesen sei, wie dies der Irrlehrer Arius tat und wie es heute noch die Zeugen Jehovas tun. Denn Kolosser 1, 16 (ELBEDHÜ) sagt uns:

“Denn durch ihn sind alle Dinge geschaffen worden, die in den Himmeln und die auf der Erde, die sichtbaren und die unsichtbaren, es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: Alle Dinge sind durch ihn und für ihn geschaffen. Und er ist vor allen, und alle Dinge bestehen durch ihn. Und er ist das Haupt des Leibes, der Versammlung, der der Anfang ist, der Erstgeborene aus den Toten, damit er in allem den Vorrang habe.“

Wenn der Herr Jesus Christus aber, wie Paulus hier durch den Heiligen Geist inspiriert  bezeugt, der Schöpfer aller Dinge ist, dann kann Er sich nicht selbst erschaffen haben. Wir verstehen daher den Begriff “Anfang“ in Offenbarung 3, 14 besser als “Ursprung“. So geben ihn auch verschiedene genaue Bibelübersetzungen wieder (Elberfelder 2006, Schlachter 2000, Neue Genfer Übersetzung). Denn der Herr Jesus Christus ist sowohl der Ursprung/Schöpfer der buchstäblichen, materiellen Schöpfung (vgl. 1. Mose 1, 1; Johannes 1, 1; Kolosser 1, 16 – 18; Hebräer 1, 2) als auch der geistlichen  Neuschöpfung (vgl. 2. Korinther 5, 17; Galater 6, 15; Epheser 2, 10; Jakobus 1, 18), die alle Wiedergeborenen durch Ihn sein dürfen.
Wo immer wir uns von dem geoffenbarten Willen Gottes entfernt haben, ist es notwendig, dass wir uns wieder zurück an den Ursprung, die Wurzel, begeben (1. Johannes 2, 24 – 25). Darum führt Paulus z.B. in 1. Korinther 11, 23 die Gläubigen in Korinth auch zu der ursprünglichen Offenbarung/Lehre über das Mahl des Herrn, d.h. seine Einsetzung durch den Herrn Jesus Christus selbst, zurück. Auch die Tatsache, dass sich der Sohn Gottes in diesem Sendschreiben als “den Anfang“ (“den Ursprung“) der Schöpfung Gottes bezeichnet, sollten wir als eine solche Rückführung zum Ursprung verstehen: Wie wir noch sehen werden, waren die Gläubigen in Laodizea so selbstgenügsam und von sich selbst überzeugt, dass sie gar nicht bemerkten, dass sie die Gegenwart ihres Erlösers in ihrer Mitte schon lange verloren hatten (vgl. Offenbarung 3, 20!). Die Laodizeer hielten sich selbst für kreativ und hatten doch ganz vergessen, dass sie ohne Ihn – den Erlöser – nichts tun konnten (Johannes 15, 5). Sie hatten – wie Israel viele Jahrhunderte zuvor – die Quelle lebendigen Wassers verlassen und sich rissige Zisternen gegraben (Jeremia 2, 13). Von diesem Irrweg rief der Herr Jesus Christus sie nun zurück zu sich selbst, dem Ursprung und der Quelle allen wahren Lebens.

* “Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du kalt oder warm wärest! So, weil du lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Mund. Weil du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden und bedarf nichts – und du weißt nicht, dass du der Elende und Jämmerliche und arm und blind und nackt bist, (…)“ Offenbarung 3, 15 – 17  Im Gegensatz zu allen anderen Sendschreiben, findet der Herr Jesus Christus an dieser Versammlung (= Gemeinde) nichts, was Er loben könnte. Durch ihre Taten und durch ihre Verhaltensweisen offenbarten die Laodizeer, wie es um ihr Herz bestellt war. Sie waren weder heiß noch kalt, sondern lauwarm. Diese Zurechtweisung des Herrn war für die Laodizeer sehr gut nachvollziehbar. Ihre Stadt lag nahe den Städten Hierapolis und Kolossä. Hierapolis, das heutige Pamukkale, ist bis in unsere Tage für seine heißen Thermalquellen bekannt. Wasser aus diesen Quellen wurde durch ein großes Aquädukt auch nach Laodizea geleitet. Doch wenn es dort ankam, hatte es an Temperatur verloren und war nur noch lauwarm. Kolossä dagegen verfügte aufgrund seiner Lage am Mäanderfluss und am Fuß des 2571 Meter hohen Berges Kadmos (Honaz Dagi) über einen beständigen Zustrom an frischem, kalten Wasser. Aufgrund der Lage zwischen diesen beiden Städten, die durch heißes, heilendes bzw. kaltes, erfrischendes Wasser gekennzeichnet waren, gehen Ausleger davon aus, dass der Herr mit Seiner Ermahnung “Ach, dass du doch kalt oder warm wärest ….“ nicht auf die “geistliche Temperatur“ der Laodizeer anspielt, sondern vielmehr zum Ausdruck bringen wollte, dass sie weder die heiße und damit heilende Qualität des Wassers aus Hierapolis, noch die erfrischende Qualität des kühlen Wassers aus Kolossä besaßen. Die Laodizeer  waren “lauwarm“. Ihr Dasein in dieser Welt brachte ihren Mitmenschen weder Heilung noch Erfrischung und damit waren sie auch für ihren Erlöser ungenießbar, der genau diese Frucht an ihnen suchte. Das Urteil, das Er über sie fällen muss, ist erschreckend: Ich werde dich ausspeien aus meinem Mund. Das hier im Text gebrauchte griechische Wort “ἐμέω“ (“emeo“) bedeutet nichts anderes als “erbrechen“. Ich denke, es ist dazu jeder weitere Kommentar überflüssig.
“Lauwarm“ ist ein Zwischenzustand, eine Mischung aus heiß und kalt. Von beidem ein wenig. Auch das kennzeichnete die Laodizeer. Offensichtlich waren sie bereit, in ihrem Glaubensleben Kompromisse einzugehen und dass, obwohl sie aus dem Wort Gottes wussten, wie sehr Gott jede Art von Vermischung hasst (3. Mose 19, 19; 5. Mose 22, 9 – 11; 3. Mose 10, 10; 2. Korinther 6, 14 – 18; Epheser 5, 11). Dass die  Laodizeer keine Probleme mit geistlicher Vermischung – heute würden wir den Begriff “Synkretismus“ gebrauchen – hatten, offenbart, wie wenig ihnen das Wort – und damit der Wille – des lebendigen Gottes bedeuteten. Ihr “Christentum“ war nichts anderes mehr, als die leere Hülle einer äußerlichen Religiosität.
Sie selbst betrachteten sich als zu “reich“, als dass sie noch irgendetwas bedurften. Das aber bedeutete nichts anderes, als dass sie sich auch als völlig unabhängig von dem lebendigen Gott, der Quelle des Lebens, betrachteten. Bei dem Reichtum, der hier angesprochen wird, scheint es sich um buchstäblichen Reichtum gehandelt zu haben. Das ist aufgrund des wirtschaftlichen Reichtums, über den die Bewohner Laodizeas verfügten, nachvollziehbar. Dieser materielle Reichtum hatte bei den Christen in Laodizea zu der trügerischen Sicherheit geführt, dass auch in ihrem geistlichen Leben alles “gut“ sein musste. Wie viele Gläubige gehen bis heute derselben Verführung auf den Leim und glauben, dass ihr geistliches Leben in Ordnung sein muss, weil ihr Leben durch materiellen Wohlstand gekennzeichnet ist. Doch die Heilige Schrift zeigt uns, dass materieller Segen nicht immer das Kennzeichen für ein Gott wohlgefälliges Leben sein muss, sondern auch zu einer großen Gefahr werden kann (1. Timotheus 6, 6 – 10; Hiob 1, 21; Sprüche 30, 8; Matthäus 13, 22). Auch bei den Laodizern war dies so. Äußerlich mochten sie über materielle Reichtümer verfügen, innerlich – und damit geistlich – jedoch waren sie elend, jämmerlich, arm, nackt und blind.


* “(…) rate ich dir, Gold von mir zu kaufen, geläutert im Feuer, damit du reich wirst; und weiße Kleider, damit du bekleidet wirst und die Schande deiner Blöße nicht offenbar wird; und Augensalbe, um deine Augen zu salben, damit du sehen kannst. Ich überführe und züchtige, so viele ich liebe. Sei nun eifrig und tu Buße!“ Offenbarung 3, 18 – 19  In dieser Situation ermutigt der Herr Jesus Christus die Laodizeer, von Ihm all das zu empfangen, was sie so dringend brauchen:
Gold ist in der Bibel ein Symbol für die Herrlichkeit Gottes, “die sich in Seiner Gerechtigkeit, Heiligkeit, Wahrheit, Weisheit, Macht und Liebe offenbart. Das ist daran zu erkennen, dass im Inneren der Wohnung Gottes (anfangs das -> Zelt der Zusammenkunft und später -> der Tempel  in Jerusalem) nur Gold zu sehen war (2. Mose 25; 2. Mose 26, 15 – 30; 2. Mose 30, 1 – 6; 1. Könige 6). Auch das neue -> Jerusalem, die heilige Stadt, von der es heißt: ‚Und sie hatte die Herrlichkeit Gottes‘, besteht aus reinem Gold (Offenbarung 21, 11 + 18). Die goldenen Cherubim auf dem Versöhnungsdeckel der Bundeslade werden wohl aus diesem Grunde ‚Cherubim der Herrlichkeit‘ genant (Hebräer 9, 5).“¹  Nach diesem Gold der Herrlichkeit und Gerechtigkeit Gottes sollten die Laodizeer verlangen. Dieses “Gold“ aber ist einzig und allein in der Person des Erlösers Jesus Christus zu finden (Hebräer 1, 3; 2. Timotheus 2, 10; Kolosser 1, 27; 1. Korinther 2, 8; Jakobus 2, 1). Denn Er allein ist – um die Seinen zu erlösen – durch das Feuer des Leidens gegangen (1. Petrus 1, 11; 1. Petrus 5, 1; Hebräer 2, 9 – 10). Was die Laodizeer brauchen ist eine kompromisslose, eindeutige und dauerhafte Hinwendung zu dem Erlöser, der für sie gelitten hat und der für sie gestorben ist. Denn nur Er ist die Quelle des Lebens und nur Er konnte ihnen ewiges Leben geben. Wie sehr den Laodizeern jene Gerechtigkeit fehlte, die vor Gott gilt (Römer 1, 17), wird auch daran deutlich, dass Christus sie auffordert, “weiße Kleider“ zu kaufen. Anstatt der Kleidung aus schwarzer Wolle, für die Laodizea so berühmt war, sollten sie nach der Gerechtigkeit Gottes, symbolisiert durch “weiße Kleider“ (vgl. Offenbarung 19, 8), verlangen. Diese Gerechtigkeit kann man aber einzig und allein durch die Person Jesu Christi empfangen (vgl. 1. Korinther 1, 30).
Auch die so bekannte und geschätzte Augensalbe, die in ihrer Stadt hergestellt wurde, konnte den Laodizeern nicht helfen, wenn es darum ging, ihren eigenen ungeistlichen Zustand und den Weg zur Befreiung daraus, zu erkennen. Dazu bedurfte es der “Augensalbe“ des Heiligen Geistes, der allein in der Lage ist, von Sünde zu überführen (vgl.  Johannes 16, 8) und die Augen der Gläubigen zu erleuchten, so dass sie den  Reichtum Christi erkennen können (Epheser 1, 17 – 18).
All‘ das, was die Laodizeer so dringend brauchten, wollte der Herr Jesus Christus ihnen geben. Dazu war es nötig, sie zu überführen und zu züchtigen, denn sie hatten sich schon zu weit von der Wahrheit des Wortes Gottes entfernt, als dass sie in der Lage gewesen wären, ohne das überführende Werk und Gericht Gottes ihre aussichtslose Situation zu erkennen. Doch dieses überführende Werk Gottes würde, das versichert der Herr  ihnen sogleich, seine  Quelle in der Liebe des Erlösers haben (Sprüche 3, 11 – 12).
Abschließend forderte der Herr die Laodizeer auf, “eifrig zu sein und Buße zu tun“. Buße, also wahre Umkehr zu Gott, war und ist der einzige Weg, auf dem lau gewordene Gläubige wieder zur vollkommenen Gemeinschaft mit Gott gelangen können. Diese galt es mit Eifer, also mit ernsthaftem Bemühen, zu tun.

* “Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und das Abendbrot mit ihm essen, und er mit mir. Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich mit meinem Vater gesetzt habe auf seinen Thron. Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Versammlungen sagt!“ Offenbarung 3, 20 – 22  Nachdem der Herr den Laodizeern nun alle Hilfen aufgezeigt und angeboten hat, durch die allein ihr gegenwärtiger, böser Zustand  geheilt werden kann, führt Er ihnen noch einmal ihren ganzen, verfahrenen Zustand vor Augen:  Sie, die sich rühmten reich zu sein und nichts zu bedürfen, haben gar nicht bemerkt, dass sie schon lange die Gegenwart ihres Herren und Erlösers verloren haben. Er ist nicht mehr “mitten unter ihnen“ (Matthäus 18, 20), sondern steht buchstäblich “vor ihrer Tür“. Die Laodizeer mochten Woche für Woche ihre Gottesdienste abgehalten haben, doch in Wirklichkeit hatten sie  schon lange keine echte Gemeinschaft mehr mit dem Sohn Gottes.  Ihr Gesang mochte vortrefflich gewesen sein, vielleicht wurde er sogar von den Ungläubigen in ihrer Umgebung gelobt, doch da er nicht aus einem hingegebenen, auf Christus ausgerichteten Herzen kam, hatte Gott daran genauso wenig Freude, wie vormals an dem äußerlichen Gottesdienst Israels, über den Er viele Jahrhunderte zuvor durch den Propheten Amos gesagt hatte:

“Ich hasse, ich verschmähe eure Feste, und eure Festversammlungen mag ich nicht riechen: Denn wenn ihr mir Brandopfer und eure Speisopfer opfert, habe ich kein Wohlgefallen daran; und das Friedensopfer von eurem Mastvieh mag ich nicht ansehen. Tu den Lärm deiner Lieder von mir weg, und das Spiel deiner Harfen mag ich nicht hören. Aber das Recht wälze sich einher wie Wasser, und die Gerechtigkeit wie ein immer fließender Bach!“

(Amos 5, 21 – 24)

Doch der Wunsch Gottes nach Gemeinschaft mit seinen Kindern wird nicht durch äußerlich “schöne“ Gottesdienste erfüllt, sondern allein durch die innige und wahrhaftige Gemeinschaft des Herzens (Johannes 14, 23; Epheser 3, 17). Nur denjenigen Laodizeern, die das Klopfen des Herrn vernahmen,  Buße taten und so wieder in die volle, ungetrübte Gemeinschaft mit dem Herrn eintraten, galt Seine mit dieser Ermahnung verbundene Verheißung. Wer immer Seine Stimme hörte und darauf in der richtigen Weise reagierte, zu dem wollte der Herr eingehen und Gemeinschaft haben. Diese innige Gemeinschaft, die hier durch das gemeinsame Mahl zum Ausdruck gebracht wird, wird ihre vollkommene Erfüllung im Hochzeitsmahl des Lammes (vgl. Offenbarung 19, 6 – 9) finden.
Beachten wir: Hier ist nicht mehr die Rede von der  Versammlung (= Gemeinde) als Kollektiv. Hier wird der einzelne Gläubige angesprochen. Der Herr Jesus Christus weiß: Es sind nur Einzelne in Laodizea, die Seine Worte annehmen und entsprechend handeln werden. Das war damals zur Zeit dieser Versammlung (= Gemeinde) so und so wird es auch sein, wenn die Christenheit in ihrer Gesamtheit durch die Lauheit Laodizeas gekennzeichnet sein wird.
Die wiederhergestellte Gemeinschaft mit dem Sohn Gottes ist auch die Voraussetzung dafür, dass Christen aus Laodizea überwinden können. Kein Gläubiger kann aus sich selbst heraus, aus eigener Kraft oder Anstrengung, zu einem Überwinder werden, sondern einzig und allein in der Gemeinschaft mit seinem Herrn und Erlöser (vgl. Philipper 4, 13; 2. Korinther 12, 10). Wer also überwinden will, darf sich weder auf seine eigenen Fähigkeiten oder Werke, noch auf die Frömmigkeitsvorstellungen (“Gebötlein“) anderer Menschen konzentrieren, sondern allein auf den Herrn Jesus Christus und Seinen Willen, wie er uns im Wort Gottes geoffenbart wurde. Hier gilt es so zu handeln, wie Maria, die – nachdem, der Herr sie zurechtgewiesen hatte – zu der Erkenntnis kam, dass nicht menschliche Vorstellungen, sondern allein das Wort des Herrn ausschlaggebend sind: “Was ER euch sagt, das tut ….!“ (Johannes 2, 5).
Jenen, die so handeln und überwinden, gilt die Verheißung des Sohnes Gottes, dass sie mit Ihm auf seinem Thron sitzen werden. Um was für einen Thron handelt es sich hier? So, wie Gott, der Vater, von seinem Thron im Himmel aus  die ganze Schöpfung regiert, so wird Christus dereinst von Seinem Thron in Jerusalem aus Sein gesamtes Friedensreich regieren. Es ist dieser Thron und es ist diese Herrschaft, an denen die Gläubigen, wenn sie überwinden, Anteil empfangen werden (vgl. Matthäus 19, 28; Lukas 22, 29 – 30; 1. Korinther 6, 2 – 3; 2. Timotheus 2, 12).

 

Fußnoten:

¹= Arend Remmers: “Biblische Bilder  und Symbole“, CSV-Verlag 2001, Seite 73

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